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Re: Körper gegen Gefühl

Verfasst: So 5. Nov 2017, 16:52
von Michi
Conny-Andrea hat geschrieben: So 5. Nov 2017, 16:33
MichiWell hat geschrieben: So 5. Nov 2017, 16:18 Wenn es keine Beeinflussung durch andere gäbe ... welchen Grund solltest du haben, etwas an deiner Persönlichkeit verändern (lassen) zu wollen?
Bedeutet das im Gegenschluss nicht aber auch, dass sich Transmenschen nur wegen der Beeinflussung durch andere verändern lassen?
So falsch ist der Gedanke nicht. Aber ich würde statt "nur wegen" lieber "auch wegen" schreiben. :wink:

Es gab mal irgendwo eine Diskussion in der Richtung: "Was wäre, wenn eine TS alleine auf einer einsamen Insel leben würde?" Leider weiß ich nicht mehr wo das war. Da kamen auch viele interessante Antworten. Aber wie man es auch dreht und wendet: Es hilft nichts, eine Antwort finden zu wollen, die nur im "luftleeren Raum" Gültigkeit hat. Ich denke, das bringt uns nicht weiter.


Liebe Grüße
Michi

Re: Körper gegen Gefühl

Verfasst: So 5. Nov 2017, 16:57
von Conny-Andrea
Hallo Michi,

uns bringt das nicht weiter, aber mich. Ich habe ja in meinem Anfangspost geschrieben, dass nur mein Nichtwissen und meine Neugierde der Grund für diesen Post war.

Hab wieder eine Menge gelernt. (yes)

Liebe Grüße von Conny-Andrea

Re: Körper gegen Gefühl

Verfasst: So 5. Nov 2017, 17:17
von Jenina
Hallo Conny-Andrea
Conny-Andrea hat geschrieben: So 5. Nov 2017, 12:34 ...
Teil 1 der Frage

Ein Mensch mit dem Körper eines Mannes und dem Gefühl einer Frau.

Was ist hier nicht richtig, der Körper oder das Gefühl?
Es ist beides richtig. Das nennt sich dann Trans*. Was genau ist in seiner Vielfalt eine ganz andere Frage, aber die Tatsache, dass es eine Diskrepanz zwischen Körper und Gefühl gibt, die die Mehrheit der Menschen so nicht kennen, ist gerade das Wesen von uns Transgendern.

Daran kann und darf man nichts ändern, es ist unsere Natur, unsere Idividualität.
Conny-Andrea hat geschrieben: So 5. Nov 2017, 12:34 Teil 2 der Frage

Ein Mann der sich als Frau fühlt kann seinen Körper mehr oder weniger korrigieren (von Damenwäsche, Schminke bis hin zur GAOP) mit dem Ergebnis: INNERE ZUFRIEDENHEIT als FRAU.

Wäre es eigentlich nicht besser das Gefühl zu korrigieren (Hypnose oder andere Suggestitions-Techniken) mit dem Ergebnis: INNERE ZUFRIEDENHEIT als MANN ?
....
Das sind nun wieder ganz individuelle Fragen, die von der konkreten Ausbildung der persönlichen Geschlechtsidentität abhängen. Da ein männlicher Transvestit ja meist als Mann lebt wird er also gelegentlich zum Ausleben der weiblichen Seite seiner Gefühlswelt diese Korrekturen anwenden. Eine Transsexuelle wird noch weiter gehen und die heutigen Möglichkeiten nutzen um auch ihren Körper dauerhaft zu verändern um einen Zustand zu erreichen der innere Zufriedenheit schafft.

Und zwar bei Beiden nicht die Zufriedenheit als Mann oder Frau, sondern die als Individuum - als individueller Mensch. Die Zuweisung an ein bipolares Geschlecht ist zum größten Teil kulturell bedingt und hat den großen Fehler, die natürlichen Abweichungen davon nicht genügend zu berücksichtigen.

Insofern ist das schon eine Beeinflussung von Außen. Der Einfluss von Kultur, Erziehung und Erfahrung. Das macht ebne neben dem biologischen Teil von Physis und Psyche einen nicht unwesentlichen Teil der Persönlichkeit aus. Diese Persönlichkeit muss für einen selber stimmig sein. Da soll man nichts korrigieren wollen. Denn die Korrekturen, die scheinbar nötig sind aufgrund unseres kulturellen Umfeldes sind ja gerade die Probleme die wir bekommen.

Das heißt nicht, dass man sich nicht beraten lassen kann oder soll. Im Gegenteil ist das oft wichtig um die eigenen Entscheidungen, die es letztlich immer sein müssen, nicht vorschnell falsch zu treffen. Da ist selbst die Beratung durch die Community ein nicht unwichtiger Teil, für schwere Probleme natürlich die Beratung durch einen Fachmann.

Nicht wir müssen korrigiert werden oder uns selbst korrigieren. Vielmehr muss die Gesellschaft offener werden für alle Lebensformen, die die Natur einmal so geschaffen hat. Das dauert etwas, aber wir können dazu beitragen indem wir sagen: Nein zur Korrektur der Natur!

Diese Nein ist allerdings auch wieder so eine Sache, wenn es um dauerhafte Veränderungen des Körpers geht, was für mich keine Korrektur der Natur sondern eine Form der Anpassung ist. Da ich da nicht mitreden kann werde ich mich hier nicht dazu äußern.

Jenina

Re: Körper gegen Gefühl

Verfasst: Mo 6. Nov 2017, 08:50
von ExUserIn-2026-04-08
Ich habe mich auch lange mit den Fragen beschäftigt und bin noch nicht zu einer sicheren Antwort gekommen.

Jenina hat ja den Aspekt der Beeinflussung von außen bereits ausgeführt. Dabei fällt auch auf, dass es sehr häufig im Leben um Polaritäten sind. Dabei fallen Zwischentöne und die Betrachtung des Ganzen unter den Tisch. Es werden vor allem die Pole betrachtet. Mann-Frau ist dabei nur ein "Gegensatz". Es gibt noch viele andere, z.B. Recht - Unrecht, Macht - Ohnmacht. Aber gerade die Einordnung in die Pole ist etwas, was Leid verursacht. Ein Mensch, der sich ohnmächtig fühlt, hat in vielen anderen Bereichen Macht. Nur sieht er sie nicht.

Wir lassen uns dahingehend beeinflussen, dass wir entscheiden müssen, ob wir Mann oder Frau sind. Das erzeugt für viele Menschen Leid, sogar wenn sie nicht trans* sind. Warum muss eine Frau/Mann dies oder das tun ? Was hat Rocktragen oder Fußballschauen mit dem Geschlecht zu tun ? Das Problem liegt aber nur z.T. im Außen. Es liegt an uns selber, uns zu definieren. Ob wir dabei dem Körper oder den Gefühlen den Vorrang geben, bleibt uns selber überlassen. Geben wir als Transmenschen dem Körper den Vorzug und unterwerfen wir uns der damit verbundenen gesellschaftlichen Ordnung, erfahren wir Leid durch unser Inneres. Geben wir den Gefühlen den Vorzug, erleiden wir Leid von außen. Wir haben die Wahl.

In einem Vortrag von Rüdiger Dahlke habe ich einen interessanten Satz gehört. Es ging um "die Fremden", die Flüchtlinge, die in unsere Gesellschaft kommen. Er meinte sinngemäß, je weniger man sich selber fremd ist, um so mehr sei man in der Lage das Fremde zu akzeptieren. Ich kann dem Gedanken gut folgen. In dem ich bemerke, dass ich dem Fremden ablehnend gegenüber stehe, um so mehr muss ich mich fragen, an welcher Stelle ich mir selber fremd bin. Übertrage ich den Gedanken auf Trans, wird mir einiges klarer. Als Transmenschen widersetzen wir uns dem Polaritätsgedanken. "Genderfluid" beschreibt das sehr anschaulich. D.h. eine Gesellschaft, die die Trennung männlich/weiblich sehr stark fördert, zeigt damit, dass die Menschen in dieser Gesellschaft sich sehr wenig mit der eigenen Gegengeschlechtlichkeit beschäftigen. Menschen, die akzeptieren können, dass sie durchaus gegengeschlechtliche Elemente haben, stehen Trans* wesentlich offener und toleranter gegenüber.

Eigentlich ein klarer Gedanke. Hat das Konsequenzen für eine Präferenz Körper vs. Gefühl ? Ich denke ja. Denn es kann mir helfen zu erkennen, an welcher Stelle ich von außen gesteuert werde. Im allgemeinen Bild hat der Mensch "stimmig" zu sein. Dann ist er "normal". Das fordern vor allem Menschen, die sich selber mit dieser Frage wenig auseinander gesetzt haben. Es überwiegt das Offensichtliche: die Körperlichkeit. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Aspekt in uns zu einer verstärkten Bewertung der auf diese Weise vernachlässigten Gefühle führt, kann es mir aber gut vorstellen.

Deshalb sind für mich Körper und Gefühle kein Gegensatz, sondern sie ergänzen sich. Das eine kann ohne das andere nicht existieren. Der Gedanke, dass man den Körper den Gefühlen oder die Gefühle dem Körper anpassen müsse, wird mir immer fremder, je länger ich mich damit beschäftige. Die Frage, welches Geschlecht ich "wirklich" habe, ist nur erforderlich, wenn ich dem Druck von außen nachgebe, dass ich es in Übereinstimmung zu bringen hätte. Aber muss ich das wirklich ?

Ich bin mir bewusst, dass diese Sichtweise von TS-Menschen anders gesehen werden kann. Ich sehe sie auch nicht als allgemeingültig, sondern als sehr persönlich an. Mir ist auch der Gedanke, dass ich explizit nur in einem Geschlecht leben möchte, fremd. Allein schon deshalb kann, will und darf ich nichts über andere Menschen sagen. Und ich bitte darum, dass man meine Gedanken zum Thema auch in diesem Sinn versteht.

Re: Körper gegen Gefühl

Verfasst: Mo 6. Nov 2017, 10:05
von Frauke
Conny-Andrea hat geschrieben: So 5. Nov 2017, 16:33...Bedeutet das im Gegenschluss nicht aber auch, dass sich Transmenschen nur wegen der Beeinflussung durch andere verändern lassen?...
Ich kann nur für mich antworten: betrachte mich schlicht als Menschen und lasse mich nicht durch andere verändern. Die Veränderungen werden durch mich veranlasst und ich mache diese auch nur für mich und nicht dafür, dass andere Leute sich damit besser fühlen.

Re: Körper gegen Gefühl

Verfasst: Mo 6. Nov 2017, 10:50
von Conny-Andrea
Hallo ihr Lieben,

vielen Dank für eure zahlreichen und teilweise sehr umfangreichen Antworten. Ich habe dadurch viele neue Aspekte kennengelernt, die ich jetzt schrittweise versuche aufzuarbeiten.

@ Jenina, ich kann deine Ausführung zum Teil gut nachvollziehen.
Jenina hat geschrieben: So 5. Nov 2017, 17:17 Es ist beides richtig. Das nennt sich dann Trans*. Was genau ist in seiner Vielfalt eine ganz andere Frage, aber die Tatsache, dass es eine Diskrepanz zwischen Körper und Gefühl gibt, die die Mehrheit der Menschen so nicht kennen, ist gerade das Wesen von uns Transgendern.

Daran kann und darf man nichts ändern, es ist unsere Natur, unsere Idividualität.
Aber ich verstehe dieses Argument nicht. Es wird doch pausenlos von jedem Betroffenen (kann man das so sagen?) irgendetwas verändert. Gerade in der Natur ändert sich doch ständig alles.
Jenina hat geschrieben: So 5. Nov 2017, 17:17 Das sind nun wieder ganz individuelle Fragen, die von der konkreten Ausbildung der persönlichen Geschlechtsidentität abhängen. Da ein männlicher Transvestit ja meist als Mann lebt wird er also gelegentlich zum Ausleben der weiblichen Seite seiner Gefühlswelt diese Korrekturen anwenden. Eine Transsexuelle wird noch weiter gehen und die heutigen Möglichkeiten nutzen um auch ihren Körper dauerhaft zu verändern um einen Zustand zu erreichen der innere Zufriedenheit schafft.

Und zwar bei Beiden nicht die Zufriedenheit als Mann oder Frau, sondern die als Individuum - als individueller Mensch. Die Zuweisung an ein bipolares Geschlecht ist zum größten Teil kulturell bedingt und hat den großen Fehler, die natürlichen Abweichungen davon nicht genügend zu berücksichtigen.
Klingt gut, aber ehrlich, praktisch alle Posts, die ich hier im Forum gelesen habe handeln davon, dass die Beteiligten als Frau fühlen und leben möchten. Wenn es um die Zufriedenheit als Individuum ginge, müsste doch hin und wieder auch mal jemand versuchen den anderen Weg zum zufriedenen Mann zu gehen.


@ Vicky, deine Gedanken um Flüchtlinge finde ich sehr interessant. Ich sehe das ähnlich. Wenn man nur lange genug zurück denkt, wird man feststellen, dass wir alle Flüchtlinge oder die Nachkommen von Flüchtlingen sind. Angst hat man vor dem Unbekannten, lernt man aber die Menschen kennen ist die Angst fort.
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 6. Nov 2017, 08:50 Deshalb sind für mich Körper und Gefühle kein Gegensatz, sondern sie ergänzen sich. Das eine kann ohne das andere nicht existieren. Der Gedanke, dass man den Körper den Gefühlen oder die Gefühle dem Körper anpassen müsse, wird mir immer fremder, je länger ich mich damit beschäftige. Die Frage, welches Geschlecht ich "wirklich" habe, ist nur erforderlich, wenn ich dem Druck von außen nachgebe, dass ich es in Übereinstimmung zu bringen hätte. Aber muss ich das wirklich ?
Tja, muss ich das wirklich? Das ist eine gute Frage, ich finde der Druck zur Übereinstimmung kommt von innen, aus mir selbst heraus. Sonst könnte ich ja alles so lassen wie es ist. Die Gesellschaft zwingt mich ja nicht mich zu verändern, sondern ich will es so.


@ Alle, mal ehrlich, viele Argumente die ich hier gelesen habe, habe ich nicht einmal verstanden. Das liegt zum einen daran, das ich in der ganzen Materie noch ziemlich unerfahren bin und zum anderen daran, das mein Bildungsstand nicht an den von vielen anderen heranreicht. Wenn ich ständig nachlesen muss, was das eine oder andere Wort bedeutet, verliere ich schnell die Übersicht beim lesen des Textes. Das soll keine Kritik sein, sondern lediglich eine Zustandsbeschreibung.

Bei der Einfachheit meiner Fragestellung hätte ich mir gewünscht auch eine oder verschiedene einfache Antworten zu bekommen, wie zum Beispiel: Ja das geht, weil ... oder Nein, das geht nicht, denn ...

Vielleicht gibt es keine einfachen Antworten auf so eine Frage. Oder vielleicht hat jeder seine eigene Antwort darauf. Vielleicht ist das auch besser so.

Ich bin ein Mann, der sich gerne mal als Frau fühlt. Ich hätte nichts dagegen, wenn ich mich immer als Mann fühlen würde. Wenn es eine einfache Möglichkeit gäbe dieses zu erreichen, würde ich diesen Weg gehen. Dann hätte ich meine INNERE ZUFRIEDENHEIT als MANN. Und das wäre auch gut so (um einmal Klaus Wowereit zu zitieren).

Bis dahin (wahrscheinlich nie) bin ich gezwungen meine innere Zufriedenheit dadurch zu erleben, indem ich von Zeit zu Zeit die Damenwäsche auspacke und mich als Frau fühle.

Ich wünsche euch allen, dass ihr eure INNERE ZUFRIEDENHEIT findet als was und in welcher Form auch immer ihr möchtet.

Liebe Grüße von Conny-Andrea (smili)

Re: Körper gegen Gefühl

Verfasst: Mo 6. Nov 2017, 11:34
von Anja
Hallo Conny-Andrea,

ich glaube die Antwort ist ganz einfach.

Da sich das Gefühl nicht ändern lässt, kann man nur den Körper passend machen. Anders erreichen Menschen mit Transsexualität keinen Seelenfrieden.

Wer von uns hat nicht versucht es sein zu lassen, die Gedanken zu verdrängen oder seinen Kleiderfundus zu entsorgen, weil man(n) so etwas ja nicht tut?
Die jüngeren unter uns sicher seltener, weil aufgeklärter, aber die Mitglieder ab 40 aufwärts denke ich, können sich noch gut daran erinnern...

Grüße
die Anja

Re: Körper gegen Gefühl

Verfasst: Mo 6. Nov 2017, 11:50
von Conny-Andrea
Hallo Anja,
Anja hat geschrieben: Mo 6. Nov 2017, 11:34 Da sich das Gefühl nicht ändern lässt, kann man nur den Körper passend machen. Anders erreichen Menschen mit Transsexualität keinen Seelenfrieden.
lässt sich das Gefühl wirklich nicht verändern? Warum wandelt sich z. B. manchmal Liebe in Hass, oder andersherum? Da ändert sich doch auch ein Gefühl.

Das man es nicht einfach "sein lassen" kann weiß ich aus eigener mehrfacher Erfahrung.

Liebe Grüße von Conny-Andrea

Re: Körper gegen Gefühl

Verfasst: Mo 6. Nov 2017, 11:59
von hannah51
Liebe Conny-Andrea

Ich verstehe nicht ganz, warum "Mann" sich bei dieser Gespaltenheit, nenn es "Trans" wenn Du eine Definition benötigst, für eine Seite entscheiden soll.Wenn er es will dann muß er konsequenterweise diesen Weg gehen, Interessant bei welcher Bedingungslage er sich für welche Seite dann entscheidet.
Ich bin ein biologischer Mann...bin mit diesen "Hardwaregegebenheiten" zufrieden. Habe auch über GAOP viel nachgedacht- an dieaer Stelle Dank für die vielen Beiträge hier-
immer im Bewustsein, für mich kommt eine operative Veränderung meines Körpers nicht in Frage.
Ich weiß nicht wie ich diese Überlegungen -mit der heutigen Gefühlslage kombiniert- vor dreißig, vierzig Jahren entschieden hätte.
Heute bin ich wie gesagt-oder geschrieben- im Bewustsein, mich so anzunehmen, wie ich bin.
Dazu gehört mein Körper mit seinen vielfältigen Eigenschaften und Möglichkeiten auch sexueller Art.
Dazu gehört aber auch meine psychische Verfassung und Gegebenheit, die mir diese o.g. "Gespaltenheit" beschert.Sie ermöglicht mire doch ein ericheres Lebensgefühl.
Ich möchte noch nicht einmal behaupten, ich fühlte mich von Zeit ziu Zeit als Frau, das fände ich vermessen.
Ich bin nur unzufrieden mit meiner Beschränkung auf die hergebracht emännliche Rollen"einfalt".
Dei femininen Anteile, die mir körperlich und psychisch mitgegeben sind, verlangen einfach die Vielfalt.
Dazu gehört für mich,schon seit früherer Zeit mit der typischen Männerrolle zu hadern, auch unter dem Fehlen männlcher
Attribute wie körperliche Stärke, Durchsetzungsvermögen, Aggressivität und mehr zu leiden.
Diese Situationen lösen in mir den Veränderungswillen aus.
Nicht also meine Gefühlswelt oder gar meinen Körper anzupassen oder zu ändern, sondern meine Einstellung, mein Bewußtsein und mein Auftreten meinen Vorrausstzungen
zu nähern, Stück für Stück, Tag für Tag, Rückschläge, Verzagtheit, Widerstände eingerechnet.
Eine "weiblich" bdefinierte Kleidung ist für mich ein schöner Weg, diese Annäherung für mch erlebbar zu machen und es ist ein schöner Weg.
Ich möchte auch nicht unbedingt als Frau wahrgenommen werden. Es geschieht manchmal... why not, ein angenehmes Gefühl ist es schon.
Ich werde aber nicht meiner ziugegeben nicht sehr männlich athletischen Körpererscheinung mit Silikon, Perücke und sicher auch schönen Hilfsmitteln eine andere Form geben wollen.
Anders ist esw mit Make-up an das ich mich langsam herantaste, gibt es mir doch das Gefühl, und dser Blick in den Spiegen scheint es zu bestätigen, meine weichen sagen wir ruhig femininen
Anteile so hersuszustellen, ein wenig Lippenstift, lackierte Fußnägel-fast immer- Fingernägel manchmal.
Und natürlich die Kleidung, schon in der Bezeichnung "Crossdresser" die mir eigentlich ganz gut gefällt, als zentrales Merkmal angelegt.
Ich genieße es, dann und wann in Pumps, Rock und feinen Strümpfen zu gehen , einfach nur zu "sein".
Im täglichen Leben versuche ich eigentlich, den männlichen "Dresscode" nzu durchbrechen....Bunte Tücher,
mal Frauenschuhe ohne großartigen Absatz, eine Bluse aus der "Damenkollektion" oder einen Pulli, eine Hose.
Oder einfach nur in der männlichen Kleidung einen "Bruch" reinzubringen.
Die manchmal irritiertze Reaktion darauf, macht mich manchmal unsicher, z.B. mit lackierten Fußnägeln im Schwimmbad, manchmal gibt
die weibliche Kleidung mir auch eine ungeheure Stärke, leider aber auch sehr verzagt, weil meine Frau darauf nicht angenehm reagiert.
Leiuder mag sie darüber nicht sprechen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Alles in allem fühle ich mich also sehr wohl in meiner Vielfalt, äußerlich wie innerlich.
Zu dieser Gefühlsvielfalt gehört für mich auch die Anerkennung meiner homophilen Seite, sie hat sie geradezu erst ermöglicht.
Ich muß sie nicht unbedingt ausleben, aber sie hat mein Gefühlsleben, meine Ästhetik und mein Gefühl für mich und andere verändert.
Darüber aber auch vielleicht an anderer Stelle mehr!
Liebe Conny-Andrea, liebe Alle, die Ihr dazu viel geschrieben habt, ich Danke Euch für die Gelegenheit hier mal etwas mehr von mir zu erzählen.
Seid ganz lieb umarmt dafür, wenn ihr möchtet auch mit einem lieben Kuß bedacht..
So long
Hannah )))(: (na)

Re: Körper gegen Gefühl

Verfasst: Mo 6. Nov 2017, 12:03
von Anja
Hallo Conny-Andrea,

klar können sich Gefühle ändern, aber das eigene Geschlecht ist weniger ein Gefühl. Ich habe das Wort nur verwendet, weil es du es in deiner Frage verwendet hast.
Da es zu mir gehört, zu meiner Identität als Mensch finde ich Geschlechtsidentität passend. So. Die Geschlechtsidentität lässt sich nicht ändern, der Körper dagegen schon.
Obwohl man darüber auch wieder philosophieren könnte. Denn ich kann nicht behaupten. Das ich mich vor 10 Jahren schon als Frau gefühlt hätte. Ich habe gerne Frauensachen getragen, meist Unterwäsche. Es fühlte sich gut an, erregend.
Aber wohin mich das führt, war mir damals völlig unklar. Selbst als ich 2011 so weit war und mich komplett als Frau zurecht gemacht habe, dachte ich, das Mann und Frau in mir stecken. Aber letzten Endes hat die Frau gewonnen.
Vielleicht - frei nach einer alten Indianerweisheit - weil ich sie mehr gefüttert habe :lol:
Also nüchtern betrachtet hat sich meine Geschlechtsidentität über die Jahre vom Mann zur Frau entwickelt. Obwohl ich mich erinnere, das ich schon BHs ausprobiert (und ausgefüllt) habe, da war ich noch deutlich unter 10 Jahre alt.
Tja, so habe ich wohl nur noch mehr zur Verwirrung beigetragen (moin)

Grüße
die Anja

Re: Körper gegen Gefühl

Verfasst: Mo 6. Nov 2017, 12:19
von Conny-Andrea
Hallo Hannah und Anja,

@ Hannah, ich finde deine Beschreibung gut. Ich kann mich selber zum großen Teil damit identifizieren. Auch ich liebe meinen Körper so wie er ist. Ich brauche keine Schminke und Perücke, aber ich würde gerne im Alltag etwas weibliche Kleidung einfließen lassen. Leider fehlt mir dazu der Mut.

Anja hat geschrieben: Mo 6. Nov 2017, 12:03 Hallo Conny-Andrea,

klar können sich Gefühle ändern, aber das eigene Geschlecht ist weniger ein Gefühl. Ich habe das Wort nur verwendet, weil es du es in deiner Frage verwendet hast.
Da es zu mir gehört, zu meiner Identität als Mensch finde ich Geschlechtsidentität passend. So. Die Geschlechtsidentität lässt sich nicht ändern, der Körper dagegen schon.
Obwohl man darüber auch wieder philosophieren könnte. Denn ich kann nicht behaupten. Das ich mich vor 10 Jahren schon als Frau gefühlt hätte. Ich habe gerne Frauensachen getragen, meist Unterwäsche. Es fühlte sich gut an, erregend.
Aber wohin mich das führt, war mir damals völlig unklar. Selbst als ich 2011 so weit war und mich komplett als Frau zurecht gemacht habe, dachte ich, das Mann und Frau in mir stecken. Aber letzten Endes hat die Frau gewonnen.
Vielleicht - frei nach einer alten Indianerweisheit - weil ich sie mehr gefüttert habe :lol:
Also nüchtern betrachtet hat sich meine Geschlechtsidentität über die Jahre vom Mann zur Frau entwickelt. Obwohl ich mich erinnere, das ich schon BHs ausprobiert (und ausgefüllt) habe, da war ich noch deutlich unter 10 Jahre alt.
Tja, so habe ich wohl nur noch mehr zur Verwirrung beigetragen (moin)

Grüße
die Anja
@ Anja, das ist so eine Antwort, die ich mir erhofft hatte. (yes) Vielen Dank dafür. Das das Wort "Geschlechtsidentität" besser passt als das Wort "Gefühl" lässt mich die ganze Sache besser verstehen.

Fragt sich nur, wie du schon selber sagst, ob man diese verändern kann? Offensichtlich kann sie sich ja auch selbstständig verändern im Laufe der Jahre.

Liebe Grüße von Conny-Andrea

Re: Körper gegen Gefühl

Verfasst: Mo 6. Nov 2017, 13:08
von ExUserIn-2026-04-08
Noch einmal kurz zurück auf den Punkt:
Tja, muss ich das wirklich? Das ist eine gute Frage, ich finde der Druck zur Übereinstimmung kommt von innen, aus mir selbst heraus. Sonst könnte ich ja alles so lassen wie es ist. Die Gesellschaft zwingt mich ja nicht mich zu verändern, sondern ich will es so.
Wo dieser Druck herkommt, ist für mich nicht geklärt. Würdest Du noch den Druck verspüren, wenn es allgemein akzeptiert wäre, dass Du Dich manchmal als Frau darstellst und als solche gesehen werden willst ? Ich habe mir, seit ich denken kann, immer wieder gewünscht, dass ich das Geschlecht von einem Tag auf den anderen wechseln kann auch körperlich) und jeder würde es als normal ansehen. Ich hätte gar kein Problem mehr damit. Das ist für mich ein entscheidendes Kriterium, dass der "innere Druck" von außen induziert wird. Aber wie gesagt, das mag ein TS evtl. anders sehen.

Ich glaube auch, dass der Begriff "Gefühl" nicht wirklich passt. Identität passt schon viel besser. Aber die Frage bleibt: Warum sollte man eine Identität nicht verändern können ? Veranlagung ist vielleicht noch besser, aber sicher bin ich mir nicht, denn wer kann definieren, was eine weibliche Identität ist ? Mir hat das noch niemand erklären können. Es gibt vieles, was mit mit Weiblichkeit/Männlichkeit verbunden wird. Das hat aber nichts mit einer Definition zu tun. Vor allem erklärt es nicht, weshalb Menschen es auf sich nehmen, schwere Operationen mit langen Zeiträumen der Erholung durchzustehen, nur damit der Körper weiblich aussieht. Weiblich wird er dadurch ja in wesentlichen Punkten nicht (nicht wegen meiner Vereinfachung böse sein ...). Es gibt einen Grund für diese massive Motivation und dass viele dieser Menschen sich damit wohler fühlen als vorher. Die (ernst gemeinte) Frage an dieser Stelle lautet doch: Gäbe es diesen Wunsch immer noch, wenn es in der Öffentlichkeit keinerlei Vorbehalte gäbe ? Und wenn ja, warum ? Dann wäre das Leiden dieser Menschen ein anderes als meines.

Oder Verallgemeinert gesagt, TV sind auf einer Skala zwischen m und f zu sehen (teilweise auch dynamisch wechselnd), TS sind überwiegend binär ausgerichtet, auch wenn es nicht äußerlich und innerlich nicht passt. Die Ursache für das Leid wäre vielleicht sogar eine ganz andere. Und Leid ist für mich der zentrale Punkt.

Aber Leid ist nicht gleich Leid. Das Leid, dass aus den Gefühlen kommt, kann ich in den meisten Fällen verändern, in dem ich Sichtweisen oder/und Verhalten ändere. Ich kann an Schmerz oder Angst arbeiten. Leid, dass aus nicht gelebten Talenten stammt, kann ich auch ändern, in dem ich sie entwickle. Auch Behinderungen müssen kein Quell von Leid sein. Es ist unsere Einstellung zu unseren Behinderungen.

Die Kernfrage ist, wie kann ich mein Leid mildern ? Worin liegt genau mein Leid ? Und kann ich meine Situation so verändern, dass sich dieses Leid verringert bzw. neues Leid nicht so gravierend ist, wie vorher ? Erst wenn ich diese Fragen beantworten kann, kann ich mit der Lösungssuche beginnen.

Re: Körper gegen Gefühl

Verfasst: Mo 6. Nov 2017, 13:28
von Anja
Hallo Conny-Andrea,

das ist die Frage. Also ob man diese verändern kann. Kommt auf die Sichtweise an.
War die Frau in mir schon immer da und ich habe sie jetzt erst verstanden? Oder hat sie sich über die ganzen Jahre Schritt für Schritt entwickelt? Viele Transfrauen sagen ja "Ich war schon immer eine Frau". Ich kann das von mir nicht behaupten. Verlangen und Gefühle hin zur Weiblichkeit hatte ich schon immer. Ja. Aber die Erkenntnis das ich eine Frau bin, hatte ich erst vor etwas mehr als 3 Jahren. Oder habe ich nur aufgehört es zu leugnen, zu verdrängen?
Lezten Endes ist das nicht wichtig. Hauptsache man fühlt sich wohl in seiner Haut. Ich bin da immer meinem Bauchgefühl gefolgt...

Grüße
die Anja

Re: Körper gegen Gefühl

Verfasst: Mo 6. Nov 2017, 13:46
von Sylvia50
Conny-Andrea hat geschrieben: So 5. Nov 2017, 12:34 Hallo Zusammen,

mir geht seit ein paar Tagen eine Frage im Kopf herum. Ich habe schon hier im Forum gesucht und auch gegoogelt aber keine passende Antwort gefunden.

Vorab möchte ich klarstellen, dass ich niemand zu nahe treten, diskriminieren oder beleidigen möchte! Es ist ausschließlich mein Nichtwissen und meine angeborene Neugierde die mich treibt.

Teil 1 der Frage

Ein Mensch mit dem Körper eines Mannes und dem Gefühl einer Frau.

Was ist hier nicht richtig, der Körper oder das Gefühl?

Teil 2 der Frage

Ein Mann der sich als Frau fühlt kann seinen Körper mehr oder weniger korrigieren (von Damenwäsche, Schminke bis hin zur GAOP) mit dem Ergebnis: INNERE ZUFRIEDENHEIT als FRAU.

Wäre es eigentlich nicht besser das Gefühl zu korrigieren (Hypnose oder andere Suggestitions-Techniken) mit dem Ergebnis: INNERE ZUFRIEDENHEIT als MANN ?

Ich bin auf eure Antworten gespannt und hoffe das nun kein "Shitstorm" auf mich hereinbricht. Wie gesagt möchte ich niemand persönlich angreifen.

Liebe Grüße von Conny-Andrea

Sehr guter Thread!!!!

Re: Körper gegen Gefühl

Verfasst: Mo 6. Nov 2017, 13:49
von Anja
Moinsen,
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 6. Nov 2017, 13:08 Gäbe es diesen Wunsch immer noch, wenn es in der Öffentlichkeit keinerlei Vorbehalte gäbe ? Und wenn ja, warum ?
Ja, denn der Wunsch hat nichts mit der Öffentlichkeit zu tun. Mein Körper ist in der Öffentlichkeit größtenteils bedeckt. Was ich im BH oder in der Hose habe ist für die Öffentlichkeit nicht sichtbar.
Der Wunsch, der Drang nach einem passenden Körper kommt von innen. Alles, was ich getan habe um mein Erscheinungsbild zum weiblichen zu verändern, habe ich für mich persönlich getan. Wenn ich heute in den Spiegel schaue gefällt mir was ich sehe. Das war früher nicht so. Umso weiblicher ich werde, desto mehr gefalle ich mir. Ob andere mich als Frau wahrnehmen, interessiert mich nicht besonders. Wichtig ist für mich, wie ich mich wahrnehme. Das zählt. In meinem sozialen Umfeld wurde ich ab meinem Outing als Frau akzeptiert. Dafür wären Hormone z.B. nicht notwendig gewesen. Außerdem kann ich ja garnicht wissen, wie die Öffentlichkeit mich wahrnimmt. Selbst wenn ich Leute fragen würde, wüsste ich immer noch nicht, ob sie die Wahrheit sagen oder nicht. Deswegen macht es auch nicht viel Sinn, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.
Aber diese Sichtweise hatte ich auch nicht immer. Sie ist Teil des Reifeprozesses auf meinem Weg zur Frau. Als Crossdresser habe ich versucht, möglichst viel Weiblichkeit an mir hm unterzubringen.
Kurzer Rock, hohe Schuhe usw. Ich wollte das ich nicht mehr als Mann zu erkennen bin bzw. das die Öffentlichkeit mich als Frau wahrnimmt. Aber diese Sichtweise hat sich irgendwann ins Innere gekehrt. So habe ich gespürt, das ich nicht allzu viel Zubehör benötigte um mich weiblich zu fühlen. Und Step by Step kam dann irgendwann die Frau zum Vorschein, die ich heute bin.
Und ich weiß das man mir meine Vergangenheit als Mann ansieht und anhört. Das finde ich auch nicht schlimm. Gerade heute lächelte mich eine fremde Frau in der Straßenbahn an. Ich unterhielt mich angeregt mit einer Kollegin und der Frau fiel anscheinend die Diskrepanz zwischen meiner Stimme und meinem Aussehen auf.
Das passiert mir auch manchmal einfach so, wenn sich Blicke kreuzen. Also ohne das ich was sage. Ich empfinde es aber nicht schlimm, wenn andere Frauen mich anlächeln. Ich lächle dann immer nett zurück (smili)

Jeder muss seinen Weg finden auf dem er sich wohl fühlt. Vielen mag es wichtig sein, das einem die Vergangenheit nicht angesehen oder angehört wird. Mir nicht. Ich fühle mich wohl so wie es ist.
Und die Öffentlichkeit hat auch kein Problem mit mir, so weit ich das bisher mitbekommen habe.

Grüße
die Anja