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Re: Verein "Aktion Transsexualität und Menschenrecht" kritisiert "geschlechtsidentitäre Berichterstattung"
Verfasst: Mi 5. Jul 2017, 23:12
von Marielle
Hallo Daenerys,
du schriebst
Mich bestärkt dieses Interview darin, mich noch weiter als zuvor von allen Trans-Gruppen und Vereinen zurückzuziehen.
Ich verstehe was du meinst und vielleicht auch, warum das deine Reaktion ist. Den Rückzugsreflex beobachte ich an mir auch immer wieder. Warum auch sollte man sich mit Menschen auseinandersetzen, die sich und ihren Standpunkt in einem gesellschaftlichen Diskurs, der sich in den letzten Jahren deutlich positiv intensiviert hat, nicht entsprechend weiterentwickeln können? Es hat nunmal keinen Zweck, immer wieder die gleichen alten Aspekte durchzukauen, die vom gesamten Diskurs längst überholt worden sind. Irgendwie erinnert das ganze Gerede diesbezüglich an das 40. Jahr der DDR. "
auch in hundert Jahren noch...." ... Kein Jahr später war defacto Schluss ... "
meines Wissens ... gilt das.... ab sofort"
Was mich bisher immer wieder davon abgehalten hat, mich anderen Sachen zuzuwenden ist, dass es nicht sein darf, dass die Möglichkeiten, die wir hier und heute haben, durch egozentrische und auch wissenschaftlich und gesellschaftskonsensual nicht haltbare, m.E.in Teilen sogar abwegige bis absurde Positionen belagert werden. Aus meiner SIcht läuft das auf eine missbräuchliche Verwendung gesellschaftlicher Möglichkeiten raus, die man verhindern sollte.
Ich würde mir wünschen, dass du wieder einen Zugang zum Engagement findest, weil die Gesellschaft jede Stimme brauchen kann, die über Probleme und Lösungen aus persönlicher Erfahrung, aber eben auch sachlich, offen und diskursfähig sprechen kann.
Hab es gut
Marielle
Re: Verein "Aktion Transsexualität und Menschenrecht" kritisiert "geschlechtsidentitäre Berichterstattung"
Verfasst: Do 6. Jul 2017, 09:49
von ExUserIn-2026-04-08
Aber nicht jeder, der Labels benutzt, übt Missbrauch aus. Sonst wäre Kommunikation überhaupt nicht möglich. Einer Definition für einen Begriff ist die Begrenzung, was ihr eigentlicher Sinn ist, eingeschlossen. Eine Definition kann man auch als ein "Label" betrachten.
Die Frage ist, wie werden Labels benutzt ? Es gab vor einiger Zeit eine Doku, in der ein psychologisches Experiment durchgeführt wurde, in dem Blauäugige durch Braunäugige erfolgreich diskriminiert wurden. Ist das Label "blauäugig" deshalb belastet ?
Das Identität unveränderlich sein soll, erschließt sich mir nicht. Sie basiert letztlich auf Hirnstrukturen, die definitiv nicht unveränderlich sind. Das zeigen sehr deutlich Unfallopfer oder an Alzheimer erkrankte Menschen. Auch habe ich heute nicht mehr die gleiche Identität wie als Kleinkind. Ich kann willentlich Einfluss nehmen auf meine Identität und nenne das persönliche Weiterentwicklung.
Es gibt jedoch Elemente meiner Identität, die scheinen sich meinem Zugriff, zumindest teilweise zu entziehen. So ist zumindest die allgemeine Erfahrung. Aber gesichert ist auch das nicht.
Insofern sind viele Diskussionen aus meiner Sicht nutzlos bis schädlich. Sie vergeuden viel Energie und Zeit, um sich mit der eigentlichen Frage zu beschäftigen, nämlich der Umsetzung des Menschenrechts, dass ja als kategorienunabhängig betrachtet wird. Wir verzetteln uns in Kleinkriege und lassen uns dadurch auseinander dividieren. Warum ist es für die Kernfrage von Bedeutung, wenn sich jemand, der sich als TS begreift, durch andere Begriffe wie T* o.ä. angegriffen ("unsichtbar machen") fühlt ? Für mich ist das überwiegend ein Problem der Wahrnehmenden.
Wenn ATME Transsexualität vor dem Hintergrund der Menschenrecht bewertet wissen will, aber andere T-Formen ausgrenzt, ist das mMn ein Widerspruch in sich. TS ist eine Kategorie, ein Label. Menschenrecht ist frei von Kategorien. Wird hier TS nicht als Instrument benutzt, andere Formen von T auszugrenzen ? Über Menschenrechte wird sich auf der HP relativ umfangreich ausgelassen, über TS wohlweislich nicht. Diesen Verein kann ich so nicht ernst nehmen.
Um nicht falsch verstanden zu werden. Ich erkenne die Probleme von TS an und ich sehe die Notwendigkeit, Dinge zu ändern. Ich sehe auch, dass die Probleme von TS nur zum Teil mit denen übereinstimmen, die von der Transproblematik betroffen sind. Aber dieser ständige gegenseitige Hickhack bringt uns nicht weiter. Vereine werden durch Einzelpersonen und damit von ihren Ansichten dominiert.
Wenn es um die ernsthafte Durchsetzung von Menschenrechten geht, sollten wir alle an einem Strang ziehen.
Re: Verein "Aktion Transsexualität und Menschenrecht" kritisiert "geschlechtsidentitäre Berichterstattung"
Verfasst: Do 6. Jul 2017, 10:12
von Manu.66
Hi Mädels!
Kategorien - egal welche - sind von Natur her eigentlich nicht dazu geeignet, Menschen in verschiedene "Klassen" einzuteilen. Sie sollen m.E lediglich helfen, die Komplexitäten des Menschseins zu erklären. Wenn sie dazu dienen zu stigmatisieren - zu brandmarken - dann sind sie gefährlich und meiner Ansicht nach abzulehnen. Beispiel USA: Die Hautfarbe eines Menschen darf nicht dazu dienen, sie in unterschiedliche Kategorien einzuteilen, ihnen bestimmte Dinge zu erlauben oder zu verweigern, ihnen bestimmte Identitäten zuzuweisen.
Genau so - oder zumindest ähnlich - ist es doch bei der "Transsexualität". Das, was ich bin, das bin ich - und gut. Muss ich das kategorisieren? Muss ich mich dazu in irgendwelche Schubladen stecken lassen?
Muss ich das irgendwelchen Gegenübern erklären nach dem Motto: "Guten Tag, ich bin eine transsexuelle Transfrau und deshalb möchte ich ...(VÄ/PÄ/Hormone/GOAP)"
Muss ich das sogar durch irgendwelche "Gutachter" erst bestätigen lassen, dass ich bin, was ich bin, dass sie es kategorisieren können, meine Geschlechtsidentität "festlegen" können?
Nein, das muss ich nicht und das will ich auch nicht!
Liebe Grüße
Manuela
Re: Verein "Aktion Transsexualität und Menschenrecht" kritisiert "geschlechtsidentitäre Berichterstattung"
Verfasst: Do 6. Jul 2017, 10:24
von ExUserIn-2026-04-08
Muss ich das irgendwelchen Gegenübern erklären nach dem Motto: "Guten Tag, ich bin eine transsexuelle Transfrau und deshalb möchte ich
Das erinnert mich an Loriot: "Mein Name ist Lohse und ich kaufe hier ein ..."
OK, ist OT ...
Re: Verein "Aktion Transsexualität und Menschenrecht" kritisiert "geschlechtsidentitäre Berichterstattung"
Verfasst: Do 6. Jul 2017, 17:27
von ExuserIn-2022-05-28
Mal im Ernst:
Durch unsere vielen öffentlichen Geplänkel um einen oder mehrere Begriffe sind wir erst da wo wir sind. Ersten ruft das ein wunderbares Bild von Zerstrittenheit hervor, zweitens kommt ganz schnell die Meinung: naja, wenn die sonst keine Sorgen haben.
Ich würde mal die wirklich wichtigen Sachen voranstellen und die Geplänkel über Trans oder wie auch immer man genannt oder nicht genannt werden möchte aussen vor lassen.
Nutzt die Worte, die in den Gesetzen und Richtlinien stehen, dann weiss der Gesprächspartner was gemeint ist.
Wenn alles passt und die wichtigen Sachen durch sind kann man immer noch einen passenden Begriff suchen.
LG Chrissie
Re: Verein "Aktion Transsexualität und Menschenrecht" kritisiert "geschlechtsidentitäre Berichterstattung"
Verfasst: Fr 21. Jul 2017, 07:02
von ab08

Ganz herzlichen Dank, liebe Atalanta,
für diese, meinem Eindruck nach, wissenschaftlich saubere und
für mich nachvollziehbare Erläuterung,
die mir endlich mehr Klarheit vermittelt. Endlich
scheine ich es verstanden zu haben.
Ganz liebe Grüße
Andrea
P.S. Leider ist dieser Grad von Kompetenz sehr, sehr selten. Schlagworte beherrschen die öffentliche Diskussion und überlagern alles.
Auch echt bemühte, kritische Menschen haben da Schwierigkeiten durchzublicken.
Ich kam da offensichtlich doch ein wenig vom Weg ab und war also "auf dem Holzweg."
Nachtrag:
Einschränkung:
"Identitäre Bewegung"
-> Leider ist mir aber, aufgrund der Schreibweise, immer noch nicht eindeutig klar, welcher Begriff da jetzt eigentlich drin steckt.

Neuer Begriff ? - Veränderte Schreibweise ? - Oder was ?
Identifikation kann doch da im Grunde nicht gemeint sein???