Re: neuer Niederbayer
Verfasst: Fr 16. Mär 2018, 14:02
Hi Michi,MichiWell hat geschrieben: Do 15. Mär 2018, 13:23Hallo Svenja,sbsr hat geschrieben: Mi 14. Mär 2018, 11:02 Interessanter Weise hat diese Begrifflichkeit für mich im Laufe des letzten Jahres an Wichtigkeit gewonnen.
das hört sich stark nach "Was bin ich?" an. Kann es sein, dass du dir unsicher bist, wo genau die Reise bei dir hingeht?
Liebe Grüße
Michi
da es bei Deiner Frage mehr um mich als um das eigentliche Thread Thema geht, möchte ich das mal wieder hier beantworten. In dem anderen Thread gibt es zwischenzeitlich außerdem schon etliche andere Beiträge, da passt das irgendwie nicht mehr dazu. Trotzdem möchte ich es öffentlich und nicht als PN schreiben, vielleicht kann jemand auch für sich selbst etwas damit anfangen. Also hier:
Tatsächlich war ich eine ganze Weile lang unsicher. Ist ja auch nicht ganz einfach, wenn man über 30 Jahre lang stets einen Hang zu weiblichen Dingen hat, sich das manchmal selbst nicht eingestehen mag, oder nicht versteht warum man anders ist als die anderen Jungs. Plötzlich ist dann ein Punkt erreicht, wo man anfängt regelmäßig Damenkleidung zu tragen, sich dessen bewusst wird. Im Juni letzten Jahres dann etwas, was ich mir bis dahin nie hätte träumen lassen, da saß ich im Kleid mit Perücke und Sandaletten in einem belebten Biergarten beim Stammtisch.
Angesichts dieser Entwicklung war ich mir natürlich erst mal unsicher, ob das was ich mir immer selbst eingeredet habe, dass ich nur Spaß an Kleidchen habe, wirklich die Wahrheit ist. Ich war und bin mir stets sicher gänzlich heterosexuell zu sein, der Rest kam aber schon ein wenig ins Wanken. Wenn man selbst erlebt, dass man als Frau in der Öffentlichkeit auftritt, und dann auch noch gesagt bekommt, dass man so durchaus unter Leute gehen könnte, da wurde mir erst bewusst was eigentlich geht. In der Zeit danach habe ich mich oft gefragt, bin ich ehrlich zu mir selbst wenn ich verleugne, als Frau leben zu wollen.
Einst am Stammtisch habe ich, bis dahin auch voller Überzeugung, gesagt mir ginge es nur um die Kleider. Eine der Anwesenden, die eine sehr nüchtern realistische Weltsicht hat, gab mir darauf zur Antwort, das hätte eine andere Anwesende inzwischen Vollzeitfrau vor einem Jahr auch noch gesagt. Du kannst Dir vorstellen, wie ich da ins Grübeln gekommen bin.
Nach Monaten voll Überlegen, schlafloser Nächte und auch Tränen, in denen ich ernsthaft gezweifelt habe, ob das der richtige Weg ist, ob es ein Fehler war das Frausein überhaupt entdeckt zu haben, wie weit es mich treiben würde und ob ich es notfalls aufhalten kann, kann ich jetzt von mir behaupten meinen aktuellen Standpunkt gefunden zu haben. Dabei, so viel zu dem Ursprungsthread, hat mir eine Begrifflichkeit geholfen für mich eine Grenze zu ziehen. Ich würde gerne öfters Zeit als Frau verbringen, wenn ich Frau darstellen möchte dann auch so, dass ich als solche wahrgenommen werde. Den Alltag kann ich weiterhin als Mann bestreiten, hin und wieder ein weibliches Kleidungsstück offen zu tragen und nicht nur versteckt drunter wäre schön, aber nicht notwendig für mein Sehlenwohl.
Änderungen sind natürlich nie ausgeschlossen, das Frau sein Wollen kommt bei mir gerne Phasenweise, witziger Weise lässt es zum Beispiel nach je stressiger es in der Arbeit ist.