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Re: Christine
Verfasst: Do 1. Jun 2017, 12:13
von Claude
Christine Kapitel 7 Teil 1 Beschlüsse und Empfehlungen
Christine und ihre Eltern sitzen in der Konferenz, um Entscheidungen be-züglich ihres Geschlechts zu treffen. Die Schulbehörde signalisiert, dass sie entsprechend der Ergebnisse dieser Konferenz verfahren will. Alles scheint also auf einem akzeptablen Weg zu sein, als die Hölle losbricht beim ersten Treffen zwischen Christine und ihrem Schuldirektor.
Im Laufe des Sommers hat Dr. Reynolds mich zu mehr Spezialisten geschickt als ich mir vorstellen konnte. Ich hatte kaum glauben könne, wie viele verschiedene Fachmediziner es gab. Urologe, Psychologe, Sexualtherapeut, orthopädischer Chirurg und sogar ein Arzt, der spezialisiert war auf die Entwicklung von Kindern. Er wollte einfach wirklich jede Information über mich einsammeln, egal ob sie für die Entscheidungsfindung nützlich war oder nicht. Als wir dann in diesem Konferenzraum saßen, gab es über mich kein Geheimnis mehr, dass Dr. Reynolds nicht kannte. Er hatte für die Besprechung den ganzen Nachmittag angesetzt, hatte Bilder und Graphiken und sogar einen Folienvortrag vorbereitet. Über den Sommer war zwischen den Familien Reynolds und Elliot eine wirklich enge Freundschaft entstanden, außerdem wusste Dr. Reynolds über mich und Josh einiges, dass wir selbst noch nicht ahnten und so war ich längst für ihn keine Patientin mehr, sondern er fühlte sich persönlich betroffen von meiner weiteren Entwicklung.
Der Doktor hatte mir gesagt, ich könne zu dem Ereignis anziehen was ich wollte — es sollte nur dem Anlass angemessen sein. Im Laufe des Sommers waren alle in meiner Umgebung überrascht, wie schnell ich ein Gefühl entwickelte, was "šangemessen"˜ bedeutete. Anfangs hat Mom mir geholfen, aber schon sehr bald sagte sie, ich wäre genauso gut wie sie dabei, verschiedene Kleidungsstücke mit einander zu kombinieren und bei verschiedenen Gelegenheiten "šangemessen"˜ gekleidet zu sein. Für die Besprechung wählte ich ein ehemaliges Schulkleid, dass ich von Amanda geerbt hatte mit einem dunkelgrünen, karierten Wickelrock, eine langärmelige, weiße Bluse mit Puffärmeln und etwas Spitze an den Bündchen, weiße Kniestrümpfe und weiße Lederschuhe. Mom machte mir noch einen Pferdeschwanz mit hellgrünen Bändchen und umarmte mich: "Liebling, du siehst perfekt aus". Dad sagte nichts, aber er umarmte mich und ich meine, ich hätte eine Träne in seinem Augenwinkel entdeckt. Ich denke, er befürchtete, dass er heute Abschied von seinem Sohn würde nehmen müssen.
Die Bedeutung dieser Besprechung war so groß, dass selbst die ganzen Erwachsenen total angespannt und nervös waren; ich mit meinen acht Jahren war einfach überwältigt von meinen Gefühlen. In dem Raum saßen drei Männer und eine Frau, die ich nicht kannte. Später erfuhr ich, dass das ein Urologe, ein Kinderpsychologe und 2 Leute von der Schulbehörde waren. Diese vier hatten alle zum Beruf, sich um Kinder zu kümmern oder Entscheidungen über Kinder zu treffen, aber niemand von denen begrüßte mich oder lächelte mich wenigstens an, als ich in den Raum kam.
"Ich will mit den Fakten anfangen", fing Dr. Reynolds an, "das Meiste, über das wir heute sprechen, werden Meinungen und Schlussfolgerungen sein, aber es gibt auch einige unumstößliche Fakten und ich halte es für sinnvoll, die erstmal als Fundament für die weiteren Diskussionen auf den Tisch zu legen. Zunächst wurde Christine sechsmal gründlich untersucht, zweimal von mir und von vier anderen Spezialisten. Sie ist absolut gesund und körperlich ein perfekter kleiner Junge. Es ist alles da und — soweit man das vor der Pubertät beurteilen kann — funktionabel. Und es gibt keinerlei Anzeichen von weiblichen Körperteilen". Ich sah aus dem Augenwinkel, dass Dad mir einen Blick zuwarf, der "šsagte ich doch!"˜ heißen sollte. Ich wäre sicher irritiert gewesen, aber das war mir ja alles bekannt. "Christines Becken scheint etwas breiter zu sein, als für Jungen üblich, aber das ist nicht unüblich. Ich denke, der Körperbau wird sich so entwickeln, wie die jeweiligen Hormone das steuern."
"Der dritte Fakt, den man wissen muss, ist, dass Christine außerordentlich intelligent ist", fuhr er fort, "ich bin überzeugt, wenn man einen Intelligenztest machen würde, würde Christine im Bereich "šgenial"˜ landen. Und das ist für die weiteren Überlegungen von Bedeutung".
"Ich glaube nicht an diese Intelligenztests", warf Dad ein, "und solange ich was zu sagen habe, wird Christoph keinen machen!"
"Ich fürchte, John, wir beide werden im Laufe des Nachmittags bei ziemlich vielen Punkten verschiedener Meinung sein!" Sagte Dr. Reynolds, "aber bei diesem Punkt stimme ich zu. Ich finde auch, solche Testergebnisse können ungenau oder auch völlig falsch sein, aber worauf ich raus wollte, ist, dass jeder, der mit Christine zu tun hatte, zu dem Schluss kam, dass sie extrem intelligent ist und dass das auch ein Teil des Problems ist — auf der anderen Seite aber auch bei der Lösung helfen kann, wenn wir es richtig angehen".
"Willst du damit sagen, er ist verwirrt, "šwas"˜ er ist, weil er helle ist?" fragte Dad. Lustig — mir war gerade dieselbe Frage gekommen. Ich war noch nie auf die Idee gekommen, besonders intelligent zu sein, aber mir war schon klar, dass Dad nicht dumm war.
"Nein John, nicht ganz. Worauf ich raus will ist, dass sie sich beobachtet hat, alle Fakten in einer Liste zusammengefasst hat und in einem für so etwas extrem jungen Alter festgestellt hat, dass da was nicht stimmt. Manche Kinder in ihrem Alter spielen schon mal mit Kleidung des anderen Geschlechts oder benehmen sich nicht geschlechtskonform — aber sie gehen nicht weiter. Christine hat ihre Situation beeindruckend sorgfältig analysiert und ist zu einer Entscheidung gekommen. Und sie steht zu dieser Entscheidung. Im Übrigen sind alle meine Kollegen und ich einstimmig der Meinung, dass ihre Entscheidung richtig ist. Unserer Meinung nach handelt es sich bei diesem Kind um eine Mädchen — in jeder Hinsicht bis auf eine: der Körper besitzt perfekte männliche Geschlechtsmerkmale".
Dr. Reynold stellte uns den Psychologen vor, der von drei Fällen berichtete, wo direkt nach der Geburt geschlechtskorrigierende Operationen stattgefunden hatten. In zwei Fällen, waren Jungen beschnitten worden und das war schiefgegangen. Nun hatte der Arzt empfohlen, das "šganze Paket"˜ zu entfernen, um den Babys ein fast normales Leben als Mädchen zu ermöglichen. Im dritten Fall, war das Baby mit männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen geboren worden. Hier hatte der Arzt entschieden, dass die weiblichen Organe "šdominanter ausgebildet"˜ wären und so wurden die männlichen entfernt. Alle drei wären inzwischen erwachsen und alle hätten unter massiven geschlechtsspezifischen Identitätsproblemen gelitten — und sind letztlich zum anderen Geschlecht gewechselt. "Meiner Meinung nach", führte er dann aus und sah mich direkt an, "wissen Kinder, was für ein Geschlecht ihrer Natur oder ihrem Wesen entspricht — man müsste sich nur die Zeit nehmen und ihnen zuhören. Ich habe mich mit dieser entzückenden jungen Dame unterhalten und ich habe keinerlei Zweifel, dass sie durch und durch weiblich ist. Es wäre ein Skandal, sie der männlichen Pubertät auszusetzen!"
"Man darf dabei ja auch nicht vergessen", fuhr der Doktor fort, "dass Christoph vor der Entwicklung dieses Sommers ein sehr unglückliches Kind war. Ihm selbst war nicht klar warum, aber er hat mit seinen Talenten einfach nirgendwo reingepasst. Mit seiner Musikalität, dem Tanzen und seiner Unsportlichkeit hat er sich den anderen Jungen völlig entfremdet".
"Aber es gibt doch noch mehr Jungen wie ihn", protestierte Mom, "oder willst du sagen, dass alle sensiblen Jungen mit künstlerischen Talenten eigentlich Mädchen sind?"
"Natürlich nicht!" sagte Dr. Reynolds, "tatsächlich ist mein eigener Sohn, wie du weißt, ein sensibler Typ und mag ähnliche Dinge wie Christine, trotzdem bin ich überzeugt, dass er durch und durch männlich ist. Der Unterschied ist, dass Josh sich in seiner Männlichkeit wohlfühlt und das enorme Selbstbewusstsein hat, dass er selbst entscheidet, was er mag und was nicht. Wenn andere damit Probleme haben, was Josh liebt, ist das deren Problem und nicht seins. Christine hat dieses Selbstbewusstsein nie gehabt".
"Weiter glaube ich", fuhr jetzt der Doktor fort, "dass wir das Problem gar nicht hätten, wenn die Gesellschaft anders wäre. Wenn kleine Jungs weinen oder mit Puppen spielen dürften, oder Ballett tanzen könnten statt Ball spielen zu müssen ohne gemobbt zu werden, hätte Christine vielleicht gar kein Problem mit dem Leben als kleiner Junge. Sie würde zwar tief innen immer noch wissen, dass sie ein Mädchen ist. Tatsächlich ist die Situation aber die, dass Christine einen Sommer lang als Mädchen eine Akzeptanz erfahren hat, die sie als Junge nie erleben durfte. Egal, ob uns das gefällt oder nicht — es gibt eine Trennungslinie zwischen dem Verhalten von männlichen und weiblichen Menschen. Und wenn jemand von diesem akzeptierten Verhalten abweicht, erfährt er oder sie die Ablehnung, die ein wesentlicher Teil von Christines Leben geworden ist".
"Du sagst also, dass das Problem nicht Christophs ist, sondern ein Problem der Gesellschaft?" fragte Dad nach.
"Nicht ganz! Ich sage, dass es für ein achtjähriges Kind keine Rolle spielen sollte, ob es Ball spielen will oder nicht — oder mit Puppen. Spielzeuge sollten überhaupt keine geschlechtsspezifische Bedeutung haben. Und Emotionen sollte man frei äußern dürfen. Leider ist das aber nicht so und war es auch noch nie, soweit ich weiß".
Im weiteren Verlauf stellten alle viele Fragen und die allerwichtigste kam dann von meiner Mutter: "So! Und was tun wir jetzt?"
"Wir haben drei Möglichkeiten" antwortete der Doktor, "zunächst können wir einfach gar nichts tun. Wir erlauben Christine, als Junge das Leben eines Mädchens zu führen. Das wird aber zunehmend schwieriger, sobald sie die Pubertät erreicht. Ihre Stimme wird tiefer, sie wird Körperbehaarung bekommen und ihre Geschlechtsorgane werden wachsen und ihre Brüste nicht. Das wird sicher bei Christine zu Frustration und vermutlich auch zu Depressionen führen. Menschen in solch einer Situation sind sehr oft selbstmordgefährdet und — wenn sie es sich leisten können — finden Entlastung in Operationen und Hormontherapie. Sie sind häufig Zielscheibe von Spott und Mobbing, weil es mit zunehmendem Alter immer schwieriger wird, dem Körper ein weibliches Erscheinungsbild zu geben".
"Der zweite Weg - und den hat man zahllose Male ohne Erfolg versucht zu gehen — ist eine intensive Therapie, um Christine zu "švermännlichen"˜, das heißt, ihr beizubringen, ein Junge zu sein. Man würde ihr mit einer Art Gehirnwäsche beibringen, dass die körperlichen Merkmale das "šwahre"˜ Geschlecht zeigen. Diese beiden Möglichkeiten führen im besten Fall zu einem frustrierten und deprimierten Teenager, der zu allerlei selbstzerstörerischen Aktivitäten neigen kann. Diese Kinder schneiden oft an sich selbst herum und viele beschädigen ihren Körper unreparierbar oder bringen sich um. Andere werden aggressiv gegenüber anderen und reagieren so ihre Aggressionen ab. Viele Amokläufer haben solch eine Geschichte".
"Willst du wirklich sagen, dass mein Sohn als zukünftiger Mörder aufwächst?" fragte meine Vater ziemlich verärgert.
"Nein John, " sagte Dr. Reynolds geduldig, "aber auf der anderen Seite habe ich auch noch nie von einem "Schule — Amok — Läufer" gehört, dessen Eltern sagen, dass sie es kommen gesehen haben! Wir wollen hier nur das hohe Maß an Frustration beschreiben, dass manche Kinder erfahren und diese Situation hier hat definitiv solches Potential!"
"Die dritte Option ist die, die ich auch dringend empfehle: einen Weg zu beginnen, der dann letztendlich zum chirurgischen Eingriff führt".
"Du redest von Geschlechtsumwandlung!" warf Dad ein ohne jeden Versuch, seine Ablehnung zu verbergen.
"So nennt man das im Allgemeinen", sagte Dr. Reynolds, "vielleicht bin ich ein wenig spitzfindig — aber ich würde es in Christines Fall vorziehen, von Korrektur zu sprechen. Ich leihe mir da eine Idee aus, mit der Christine selbst kam: Sie hat einen Geburtsfehler, der korrigiert werden muss. Das ist vielleicht eine neue Sicht auf das Thema Transgender, aber dank Christine können wir damit einiges beschreiben, was wir bisher nicht so plastisch beschreiben konnten. Meine offizielle Diagnose an Euch, die Eltern und an die Schulbehörde sieht tatsächlich so aus, dass Christine eine weibliche Person ist mit einer Missbildung, die sie männlich erscheinen lässt! Also empfehle ich, sie weiter als weibliche Person aufwachsen zu lassen und die Weichen zu stellen Richtung Orchiektomie — möglichst bald, aber auf jeden Fall vor Beginn der Pubertät".
Es war totenstill im Raum. Ich hatte überhaupt keine Peilung, was denn eine Orchiektomie ist, aber ich war viel zu eingeschüchtert, um zu fragen. Das Wort "šPubertät"˜ hatte ich in letzter Zeit oft genug gehört, dass es sich als bedrohlich in mein Hirn eingebrannt hatte. Das war die Stunde Null. Irgendwie habe ich das mit dem Alter von 12 verbunden. In meiner Vorstellung würde ich an meinem Zwölften Geburtstag morgens mit tiefer Stimme und haarigem, muskulösen Körper aufwachen. Und natürlich mit gigantischen Genitalien.
"Du willst meinen Sohn kastrieren!" rief mein Vater nach langer Pause anklagend.
"Ja, John!" sagte Dr. Reynold sanft, "aber ich hoffe du wirst verstehen bis wir hier heute fertig sind, dass Christine deine Tochter ist und immer war. Sie ist deine Tochter und dazu eine sehr liebenswürdige. Und wir haben jetzt die seltene Gelegenheit, die körperliche Entwicklung zum Mann zu stoppen, bevor sie überhaupt angefangen hat. Mit den richtigen Hormonen kann sie sich zu einer ganz normalen Frau entwickeln — ganz normal in jeder Hinsicht bis auf eine — sie wird keine Kinder kriegen können. Aber vielleicht wird die Forschung selbst da irgendwann eine Lösung finden".
"Bitte versuche zu verstehen, John, dass Christine auch jetzt schon leidet — unter den Körperteilen, die sie gar nicht haben sollte. Christine, es tut mir leid, aber ich muss dich jetzt in Verlegenheit bringen. Wir haben darüber gesprochen und du hast gesagt, ich dürfe, wenn es denn nötig wäre".
"Ja, ich erinnere mich!" sagte ich schwach.
"Ich fürchte, ich muss darüber reden! Ist das immer noch OK für dich?"
"Nein, das ist nicht OK, aber wenn es sein muss "¦ dann muss es wohl sein"¦"
"Der Doktor erzählte allen in dem Raum, dass ich noch nie "šan mir rumge-spielt"˜ habe und noch nicht einmal darüber nachgedacht hätte. Das war so peinlich! "Das an sich ist nicht besonders erwähnenswert", fuhr der Doc fort, "aber ihre Gründe dafür sind es: Sie hasst ihre Geschlechtsteile! Sie hasst es sich zu berühren, selbst sich sauber zu halten. Sie betrachtet sie nicht als zum Körper gehörend, sondern sieht sie als merkwürdige Objekte, die sich auf seltsame Weise an ihr befestigt haben". Dann sah er mich direkt an und ich versuchte, in meinem Sessel so klein und unsichtbar wie möglich zu werden. "Christine, was würdest du fühlen, wenn man diese Dinge entfernen könnte?"
Jetzt wurde es echt persönlich, aber der Doc hatte mich vorgewarnt. Einige der Leute im Raum versicherten mir, ich wäre doch unter Freunden, aber ich war da nicht so sicher. Auf jeden Fall war mir eine Frage gestellt worden und ich dachte, dass wäre meine Chance. Vielleicht könnte ich den Raum ohne diese Teile verlassen, ich meine bei so vielen Ärzten anwesend"¦
"Wenn ich es nicht schaffe, dass meine Eltern es tun", sagte ich so bestimmt wie ich konnte, "dann werde ich es selbst tun, sobald ich alt genug bin".
"Verstehst du, was das für Folgen für deinen Körper hat?"
"Jawohl — wenn sie nicht mehr da sind, wenn ich zwölf werde, dann "¦ nun "¦ dann werde ich kein Mann werden".
"Und wie fühlst du dich damit?"
"Ich werde das nicht passieren lassen. Ich bin kein Junge, warum sollte ich also ein Mann werden?"
"Christine", fragte Dr. Reynolds, "ist dir klar, dass das ein weiter Weg ist? Es wird zahllose Beratungen geben, Medikamente, Spritzen und Operationen. Einiges wird sehr wehtun! Und weil dein Körper das weibliche Hormon Östrogen nicht selbst produziert, wirst du diese Spritzen dein Leben lang kriegen müssen. Und du wirst tausenden von Leuten begegnen, die sich lustig über dich machen oder mobben, die sagen, dass du pervers oder verrückt bist oder verwirrt. Und so ähnlich".
"Das weiß ich!"
"Findest du nicht, du mutest dem Jungen etwas viel zu für einen Achtjährigen?" unterbrach mein Vater.
"Da stimme ich dir zu, aber dann muss ich fragen: was sind Christines Alternativen?"
Re: Christine
Verfasst: Di 13. Jun 2017, 14:48
von Claude
Christine Kapitel 7 Teil 2
"Wir könnten alles so lassen bis er achtzehn ist und selbst entscheiden kann" schlug Dad vor.
"Klar, das wäre für alle Anwesenden einfacher — für alle außer Christine. Die von mir vorgeschlagenen Veränderungen an einem scheinbaren Jungen vorzunehmen, wird uns allen möglichen Formen von Anschuldigungen aussetzen. Ich würde es ja auch gar nicht vorschlagen, aber die Folgen für Christine wären zu dramatisch. Sie würde Körperbehaarung, kräftigere Knochen und größere Hände bekommen als für ein Mädchen normal ist. Und die Meisten dieser Veränderungen sind irreversibel und das Zurückdrehen der Anderen ist teuer und schmerzhaft. Es wäre um so vieles besser, es zu tun, bevor die Hormone wirksam werden — wenn man sich sicher ist! Und in Christines Fall bin ich sicher! Wenn man männliche Hormone verhindern kann, bevor sie anfangen können zu wirken und man ihr stattdessen weibliche Hormone gibt, gibt es für mich überhaupt keinen Grund, warum sie nicht zu einer wundervollen, hübschen jungen Frau heranwachsen sollte. Und wenn wir das innerhalb der nächsten ein, zwei Jahre tun, hat sie auch noch den Vorteil, mit dem Geschlecht aufzuwachsen, den sie das ganze Leben haben wird".
Und die Diskussion ging weiter und weiter. Mein Vater war überzeugt, dass eine Operation zu endgültig wäre und dass ich früher oder später wieder zu Verstand käme. Und deshalb würde er niemals etwas so endgültiges zulassen. Er akzeptierte, mich als Mädchen leben zu lassen, aber er lehnte es ab, mich als "šMädchen mit falschen Körperteilen"˜ zu sehen. Die Vertreter der Schulbehörde stimmten auch zu, dass ich mich als Mädchen bei der Schule anmelden dürfe, und ich würde vom Sportunterricht oder anderen Aktivitäten, die mit Umkleiden verbunden sind, befreit, und den Lehrern würde erklärt, dass ich eine Genitalmissbildung hätte, die irgendwann in der Zukunft operiert werden würde. Dr. Reynolds wollte seine Therapie mit mir fortsetzen und tatsächlich hatte ich damit überhaupt kein Problem, weil er gerade mein Held war. Selbst ich mit meinen acht Jahren hatte schon erkannt, was für einen unglaublichen Überzeugungsjob er vollbracht hatte.
Als wir endlich aus dem Meeting kamen, hatte ich Tränen in den Augen und das wurde nicht besser, als ich das Empfangskomitee erblickte: Josh und Amanda, Gail und Tante Julia. Josh war zuerst bei mir und nahm eine Hand — Gail die andere. "Ich bin ein Mädchen!" sagte ich fast flüsternd, "sie haben gesagt, ich bin ein Mädchen!"
"Dann hast du also nichts erfahren, was du nicht schon wusstest?" sagte Josh und Gail umarmte mich. "Jede Menge geschwollenes Gerede, mit dem ich nichts anfangen konnte" antwortete ich.
Dieser Beschluss war nicht perfekt, aber immerhin ein Anfang. Wir hatten noch 2 Wochen, bis die Schule anfing und obwohl die Häuser noch nicht ganz fertig waren, waren sie schon bewohnbar und wir entschieden, sofort einzuziehen. Meine Vorfreude war riesig, vor allem als ich mein neues Zimmer zum ersten Mal sah. Ich hatte befürchtet, Dad hätte es sehr jungensmäßig eingerichtet, so wie Johnny"˜s war, aber er hatte es sehr neutral gehalten. Die Wände waren hellgrün gestrichen und der Rest war weiß. Mom und ich würden es sehr schön dekorieren können. Ich sollte sowieso neue Möbel bekommen und Dad gab Mom und mir freie Hand, obwohl er geahnt haben musste, mit was wir nach Hause kommen würden. Da auch Josh und Amanda nur ein paar Häuser entfernt wohnten, kam eine tolle Zeit auf mich zu.
Wir hatten ausgerechnet, dass Josh und ich nie in derselben Schule sein würden. Josh in der sechsten Klasse würde in die Mittelschule gehen, während ich noch zur Grundschule ging. Wenn ich später zur Mittelschule gehen würde, wäre Josh schon in der Oberschule. Das war jetzt keine Katastrophe, aber ein bisschen enttäuscht waren wir doch. Dann fiel der Schulbehörde auf, dass die Mittelschule überfüllt war und sie verschoben Teile der sechsten Klasse inklusive Josh in die Grundschule. Ein Hoch auf die Schulbehörde!
Endlich war der erste Schultag da. Obwohl ich mich total freute und es kaum abwarten konnte, war ich doch auch nervös. Amanda und Gail beruhigten mich "Du wirst sehen, alles wird gut!" Sie könnten sich kaum noch erinnern, dass ich mal etwas anderes gewesen wäre als ein süßes Mädchen. Ich trug dasselbe Kleid wie bei der Konferenz, allerdings diesmal mit Zöpfen statt des Pferdeschwanzes. Meine Haare wuchsen recht schnell und die Zöpfe reichten mir schon ein Stück den Rücken runter. Der erste Morgen brachte keine Probleme, aber mittags wurde ich dann zur Schulverwaltung gerufen. Mom und Dad hatten mir erklärt, dass das wahrscheinlich kommen würde und so war ich nicht sonderlich überrascht. Aber ich fühlte mich noch kleiner als ich sowieso schon war, als ich das Direktorenzimmer zum ersten Mal betrat und Frau Davis kennenlernte. Die Sekretärin kündigte mich an und setzte mich auf einen Stuhl der Dame gegenüber und ging.
"Hier gibt es einige Verwirrung", sagte die Direktorin ohne überhaupt nur aufzugucken. "Ich habe Unterlagen von deiner alten Schule hier, die lauten auf einen Christoph Elliot, aber deine Papiere lauten auf Christine. Ist Christoph dein Bruder?"
"Nein Frau Direktor, das bin ich — ich habe meinen Namen geändert".
"Du hast deinen Namen von Jungen- zu Mädchennamen geändert?" fragt sie und sah mich endlich über ihren Brillenrand an.
"Jawohl!"
"Ich glaube, da brauche ich etwas mehr Erklärung als das. Was geht hier vor? Bist du jetzt ein Junge oder ein Mädchen?"
"Ich bin ein Mädchen! Aber alle dachten, ich wäre ein Junge bis ich diesen Sommer bei einigen Ärzten war".
Jetzt hatte ich Frau Davis ungeteilte Aufmerksamkeit. Sie hatte in meinen Unterlagen geblättert, seit ich den Raum betreten hatte, aber jetzt legte sie sie beiseite und sah mich mit einem Blick an, der zwei Löcher durch mich durch brannte. "Du dachtest, du wärst ein Junge?" rief sie, "wie, um Himmels Willen, konnten deine Eltern einen solchen Fehler machen?" Später amüsierte ich mich mit der Vorstellung, was ihr zu dem Zeitpunkt durch den Kopf gegangen sein mochte, aber in diesem Moment war ich weit davon entfernt, amüsiert zu sein. "Frau Direktorin", sagte ich langsam ziemlich verschreckt, "eigentlich sollte es in meinen Unterlagen eine Erklärung der Schulbehörde geben"¦"
"Ich kann hier keine Erklärung finden, also wirst du es mir wohl erklären müssen!" Sie war offensichtlich mit ihrer Geduld am Ende und ich verlor meine Nerven.
Mir war nicht klar, was ich sagen sollte. Dr. Reynolds hatte mir gesagt, ich solle nichts sagen bei dem mir nicht wohl wäre und sollte auf ihn verweisen. Aber nicht er saß hier dieser furchterregenden Frau gegenüber, sondern ich! Ich wollte sie bitten, noch einmal nach der Notiz zu suchen, aber sie war nicht der Typ, der sich von Kindern etwas sagen ließ, egal ob Mädchen oder Junge! So stammelte ich dann schließlich: "Ich öhh ich habe öhh eine Missbildung öhh, die mich wie einen Jungen aussehen lässt".
"Missbildung?? Was für eine Art Missbildung?"
"Es ist mir unangenehm, darüber zu reden, Frau Direktorin"¦" versuchte ich mich zu verteidigen, "aber ich habe hier die Karte von meinem Arzt. Er würde es gerne erklären, wenn es Fragen gibt, hat er mir gesagt".
"Nun gut", sagte sie und ignorierte die Karte, die ich ihr hinhielt, "wenn es dir unangenehm ist, darüber zu sprechen, dann zeige es mir eben!"
"Zeigen? Was soll ich zeigen?"
"Deine Missbildung. Zeige mir, was dich aussehen lässt wie ein Junge. Von hier aus sehe ich keine Anzeichen, dass du ein Junge sein könntest oder mal gewesen sein könntest".
"Nein!" brachte ich hervor, ich hatte noch nie einem Lehrer widersprochen — erst recht keinem Direktor. Sie sah mich scharf an. Mit dem Blick, so war ich überzeugt, konnte sie durch mein Kleid und meine Unterwäsche bis zu meinen Geheimnissen gucken.
"Aha", sagte sie, "also du willst es mir weder erklären noch zeigen".
"Es ist nicht so, dass ich nicht will, aber Dr. Reynolds hat mir gesagt, ich soll über nichts reden, was mich verlegen macht. Ich soll nur sagen, bei meiner Geburt ist allen ein Fehler unterlaufen und er würde das gerne erklären. Aber die Schulbehörde "¦"
"Mit wem von der Schulbehörde hast du gesprochen?"
"Ich kann mich nicht an den Namen erinnern, Frau Direktorin".
Frau Davis wurde langsam richtig ärgerlich und ich war total eingeschüchtert. Schließlich nahm sie die Karte von Dr. Reynolds in die Hand und wählte die Nummer. Natürlich war er nicht da. Ohne eine Nachricht zu hinterlassen, wählte sie eine andere Nummer und fragte nach Herrn Hollingsworth. Als er sich meldete, fragte sie ihn, ob er was wisse über eine Christine Elliot. Ich hörte die Stimme am anderen Ende des Telefons, konnte ihn aber nicht verstehen. Ich beobachtete, dass sie zu ihm erheblich freundlicher war als zu mir und er schien meinen Vorgang zu kennen, weil er ziemlich lange redete. Endlich dankte sie ihm und hängte auf. Als sie sich mir wieder zuwandte, hatte sich ihr Gesicht deutlich entspannt.
"Interessante Geschichte!" sagte sie, "du scheinst ja einen spannenden Sommer gehabt zu haben!"
Ich nickte nur.
"Und jetzt geht es dir gut? Ich meine, schämst du dich nicht, nach acht Jahren als Junge mit Mädchensachen rumzulaufen?"
"Nein, Frau Direktorin!" sagte ich so bestimmt ich konnte.
"Das ist gut! Genieß es solange du kannst, denn ich schicke dich jetzt nach Hause! Wenn Du morgen wieder so angezogen bist wie jetzt, wirst du der Schule verwiesen!"
"Verwiesen?? Warum das denn?"
"Wenn du wirklich wissen willst warum, sollten wir vielleicht die Kinderschutzbehörden einschalten. Und jetzt hebe deinen Arsch hier raus bevor ich richtig sauer werde".
Ich wusste nichts, was ich sonst hätte tun können, also ging ich nach Hause. Zum Glück war Mom da, als ich mit total verheulten Augen zu Hause ankam. "Was um Himmels Willen ist passiert?" fragte sie mich, als ich ins Haus stürzte.
"Sie hat mich nach Hause geschickt!" jammerte ich und erzählte ihr die ganze Geschichte. Ich war noch nicht ganz fertig mit den Tagesereignissen, da war Mom schon am Telefon, um Dad anzurufen. "Bitte nicht!" bettelte ich, "Dad hat gedroht, er würde mich umbringen, wenn ich mal nach Hause geschickt würde"¦"
"Mach dich nicht lächerlich", antwortet Mom, "das war nicht dein Fehler — dein Vater wird sich diese Frau Davis mal vorknöpfen!"
Innerhalb einer Stunde war Dad zu Hause. Er fand mich vor, auf dem Sofa sitzend, am ganzen Körper zitternd und mit vollgepinkelter Hose. Ich konnte nicht sprechen und das Glas Orangensaft, dass Mom mir gegeben hatte, konnte ich auch nicht halten. "Mach dich sauber!" sagte er grimmig, als er das Unheil sah und roch. "Ich bringe dich zurück zur Schule!"
Die Schule war tatsächlich der letzte Ort auf der Welt, an dem ich jetzt sein wollte, aber immer noch besser, als meinem Vater querzukommen. Mom begleitete mich in mein Zimmer und nahm mich tröstend in den Arm. Ich merkte, dass sie geweint hatte und wir weinten beide, als ich in ihren Armen lag. "Du brauchst dich um nichts zu kümmern, Engelchen!" sagte sie mir, "leg dich einfach aufs Bett und ich mach das!"
Ich legte mich mit dem Gesicht nach unten auf ein Handtuch, dass Mom aufs Bett gelegt hatte und sie zog mich aus. Sie wusch die verunreinigten Stellen sorgfältig und puderte mich mit ihrem Talkum ein. "Liebling, ich werde dir eine Windel anziehen! Das ist keine Strafe, aber ich will nicht, dass dir in der Schule noch solch ein Unfall passiert. Du hast Angst und bist aufgeregt, ich will dich nur beschützen, OK?"
Ich konnte nur nicken. Ich habe ihr das nie gesagt, aber ich habe mich nie zuvor so umsorgt und geliebt gefühlt, wie in dem Moment, als sie die Windel an mir befestigte. Sie zog einen Plastikslip darüber und dann einen normalen Slip.
Ich glaube, ich bin ein wenig seltsam, aber irgendwie gab mir die Windel etwas Sicherheit zurück. Mom stellte mich hin und zog mir ein rosa Baumwollkleid an. Sie schloss die Knöpfe im Rücken und band hinten eine große Schleife. Ich fühlte mich schon fast wieder gut, aber als wir die Treppe runtergingen, fing ich wieder an zu zittern. Dad hatte die ganze Zeit telefoniert, jetzt legte er auf und sah mich an. "Ich habe ihr eine Windel angezogen", sagte Mom, als wäre das das Natürlichste von der Welt, "sie ist so verschreckt, dass ich befürchte, sie verliert wieder die Kontrolle".
"Gut", sagte Dad nur. Ich versuchte in seinem Gesicht zu lesen, was das bedeutete, aber ich konnte es nicht deuten. "Komm!" sagte er und ich folgte ihm zum Auto. Mom fragte nicht, sie schloss die Tür ab und folgte uns zum Auto.
Als wir in der Schule ankamen, standen Dr. Reynolds und Herr Morgan von der Schulbehörde bereits da. Die Kinder der ersten und zweiten Klasse waren schon nach Hause gegangen und die dritte Klasse wurde gerade von den Eltern abgeholt. Wir wurden in Frau Davis Büro geführt, wo schon alle möglichen Leute versammelt waren, inklusive Josh. Ich freute mich wirklich, ihn zu sehen. Aber dann fiel mir wieder ein, dass ich Windeln trug. Würde er das ahnen? Aber dann musste ich Mom Recht geben — vermutlich würde ich die Windel auch brauchen, bevor ich durch das hier durch wäre und es war immer noch besser, er sähe mich in Windeln als nass und eingepinkelt da unten. Aber warum war er überhaupt hier?
"Herr Elliot", sagte Herr Morgan sobald sich alle hingesetzt hatten, "ich muss mich im Namen der Schulbehörde bei ihnen entschuldigen, es hat ein Missverständnis in der Schulbehörde gegeben und Frau Davis hat den Brief, den ich vorbereitet habe, nicht erhalten. Sie wusste nichts von der Verabredung!"
"Jetzt haben sie sich entschuldigt" sagte mein Vater ruhig, "und jetzt gehen alle wieder zur Tagesordnung über — sehen sie das so? Herr Morgen, SOO einfach ist das nicht, fürchte ich. DIESE Frau hat Chris an einem Tag mehr verschreckt als die ganze Welt es in acht Jahren geschafft hat. Chris hat diesen Sommer mehr Veränderungen und Demütigungen ertragen, als Kinder überhaupt erdulden müssen sollten, aber nichts davon war so verletzend wie das, was in diesem Büro passiert ist. Ihre Entschuldigung ist NICHT angenommen. Unsere ganze Familie hat Schwierigkeiten, mit dieser ganzen Situation umzugehen und was wir am wenigsten brauchen, sind selbstgerechte, aufgeblasene Lehrer, die uns alles wieder durcheinander bringen!"
"Herr Elliot" sagte jetzt Frau Davis und sah dabei Josh und mich an, und mein Zittern wurde wieder stärker und ich merkte, wie ich die Windel nass machte, "Kinder, wollt ihr nicht lieber draußen im Sekretariat warten?"
"Chris, du bleibst sitzen!" befahl Dad grimmig. Ich hätte sowieso nicht aufstehen können. Ich warf einen Blick zu Josh und der machte auch keine Anstalten sich zu bewegen. "Hier geht"™s um die Kinder", sagte Dad, "und ich möchte, dass sie hören, was sie zu sagen haben. Aber was macht denn eigentlich Josh hier?"
"Zeigs ihm, Josh!" sagte Dr. Reynolds. Josh nickte und stand auf. Ich glaube, er zitterte genauso schlimm wie ich. Mit zitternder Hand hielt er meinem Dad ein Blatt Papier hin. "Herr Eliot, dieses Blatt ist heute allen Kindern für die Eltern mitgegeben worden. Ich habe gleich meinen Dad angerufen!" sagte Josh mit zittriger Stimme.
Ich beobachtete meinen Vater, während er den Zettel las. Das war einer von Frau Davis berühmten Rundbriefen an die Eltern. Er beschrieb, dass ein männlicher Schüler von einer anderen Schule hierher gewechselt war und hier als Mädchen verkleidet erschienen war. Der Brief beschrieb dann einige der möglichen Gründe für solch ein Verhalten, zum Beispiel degenerierte Eltern, kranke Jungs, die sich in die Mädchenumkleide einschleichen wollten und Mütter, die aus Söhnen Mädchen machen wollten. Dann stand da noch, dass solch ein Verhalten an dieser Schule unter gar keinen Umständen toleriert würde und jegliches Fehlverhalten unmittelbar und streng bestraft würde. Am Schluss stand da noch, dass der betreffende Schüler nach Hause geschickt wurde und angewiesen wurde nicht wieder zu erscheinen, bis er angemessen gekleidet wäre. Unten gabs dann noch ein Feld für die Unterschrift der Eltern. Es wurde zwar nicht mein Name genannt, aber so, wie das beschrieben war, gab es für niemanden Zweifel, dass es um mich ging.
Ich beschwöre bis heute, dass Dampf aus den Ohren meines Dad kam, als er diesen Brief las. Ich habe ihn in meinem ganzen Leben, weder vorher noch nachher, so wütend gesehen. Ich war so fasziniert von diesem wutverzerrten Gesicht, dass ich mir in dem Moment keine Gedanken machte, dass nun die ganze Schule mein Geheimnis kannte. Inzwischen hatte jeder im Raum eine Kopie des Briefes. Das einzige Geräusch, was zu hören war, war Josh, der leise vor sich hin weinte. Ja, Josh weinte! Ich weiß nicht, ob aus Angst oder Wut oder Anspannung, jedenfalls weinte er. Ich weinte nicht — ich war viel zu eingeschüchtert, um irgendwas zu tun.
"Wir müssen sofort Christines Wechsel auf eine andere Schule veranlassen", sagte Herr Morgan, "Frau Davis, wenn sie nur nicht so hastig gewesen wären!"
"Versuchen sie ja nicht, mir die Schuld zu geben!" sagte Frau Davis im selben autoritären Tonfall, den sie mir gegenüber benutzt hatte, "wenn die Schulverwaltung ihre Arbeit gemacht und mich vorgewarnt hätte, hätte dieser ganze unangenehme Vorfall vermieden werden können!"
"Was ich nicht verstehe", sagte Dr. Reynolds, "ist, warum sie diesen Brief überhaupt geschrieben haben. Wenn ich das richtig verstehe, haben sie mit jemanden von der Schulbehörde gesprochen - noch bevor sie Christine nach Hause geschickt haben. Sie müssen also auf jeden Fall von dieser Verabredung gewusst haben, BEVOR sie den Brief geschrieben haben!"
"Ich habe siebenhundert Schüler, um die ich mich kümmern muss!" antwortete Frau Davis, "nicht nur einen. In diesem Brief geht es nicht nur um Christine oder Christoph oder wie auch immer das Kind heißt. Ich habe nichts falsch gemacht, ich habe nur meine Schüler schützen wollen!"
Vier Leute öffneten gleichzeitig den Mund, um was zu sagen, schlossen ihn aber wieder, als mein Vater aufstand. Einen Moment lang befürchtete ich, er würde auf Frau Davis losgehen — oder vielleicht auf Herrn Morgan, tat er aber nicht. Er sprach mit sehr ruhiger und sehr kontrollierter Stimme. Ich hatte diese Stimme bei ihm schon gehört und das war immer kurz bevor Johnny oder ich in ernsthaften Schwierigkeiten waren. Diese Stimme war dermaßen angsteinflößend, dass ich merkte, wie ich die Windel wieder nassmachte.
"Es ist wirklich bedauerlich, dass sie dieses Flugblatt allen Schülern mit nach Hause mitgegeben haben, Frau Davis!" sagte Dad ganz ruhig, "sie haben tatsächlich größeren Schaden angerichtet als sie sich vorstellen können. Sie haben die Privatsphäre eines Kindes verletzt. Sie haben ein Kind erniedrigt, obwohl sie sich angeblich so für deren Schutz einsetzen. Und sie haben ohne Zweifel mindestens die Hälfte der Schülerschaft verwirrt. Und sie haben sich total über die Empfehlung von 5 Ärzten hinweggesetzt. Und jetzt will Herr Morgan ihre Bemühungen unterstützen und mein Kind von der Schule schmeißen, als wenn es nichts wert wäre. Ich glaube, ich kenne mein Kind gut genug, dass ich beurteilen kann, dass das nicht die Lösung wäre und wir werden das nicht tun".
Die Hände von meinem Dad zitterten und sein Kopf war so rot, als wolle er jederzeit platzen, aber er sprach immer noch mit dieser Stimme: "Was wir tun werden, ist folgendes:" Die ganze Szenerie sah ein wenig so aus, als wären alle nur angetreten, um ihre Befehle entgegen zu nehmen.
"Christine wird morgen nicht zur Schule kommen! Ich halte es für ausgeschlossen, dass sie in dieselbe Schule geht wie Frau Davis. So hat Frau Davis morgen Zeit, ihre Sachen zusammen zu packen. Am Donnerstag wird Christine dann wieder zur Schule kommen und es wird Christine sein, nicht Christoph — ich gehe davon aus, das ist in deinem Sinn, Christine??" "Huch, öhhh", ich war total überrascht — ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich nach meiner Meinung gefragt würde, "ja, das ist es!" brachte ich dann endlich hervor.
"Das wird hart!" fuhr Dad fort, "die ganze Schule kennt jetzt deine Geschichte und es wird einiges an Hänseleien auf dich zukommen. Wenn du möchtest, kannst du auch auf eine andere Schule gehen".
"Ich möchte bleiben!" sagte ich. Irgendeine innere Stimme schrie "šwas machst du da?"˜ aber dann war ich mir meiner Entscheidung sicher. Früher oder später würde das immer kommen und so wäre ich durch damit.
"Herr Elliot", fing Herr Morgan an zu protestieren, "es ist wirklich sehr bedauerlich, wie das alles passiert ist, aber das gibt ihnen nicht das Recht, uns zu sagen, wie wir mit unserem Personal umzugehen haben. Wir können Frau Davis nicht einfach rauswerfen, nur weil sie sie verärgert hat!"
"Da haben sie Recht!" antwortete Dad immer noch mit dieser ruhigen, fast sanften Stimme, "unglücklicherweise, hat sie nicht nur mich verärgert. Sie hat mehr Schaden angerichtet, als sich in Jahren reparieren lässt. Aber vielleicht sollte ich den ganzen Vorgang einfach meinem Anwalt übergeben, der kann sich dann um die kriminellen Aspekte des Vorgangs kümmern."
"Kriminelle Aspekte?" fragte Herr Morgan, "ich denke nicht"¦"
"Ich bin sicher, dass sie nicht denken! Aber ich nehme auch an, dass ihnen das noch nicht klar ist: Kindesmissbrauch ist eine wirklich schwere Anklage"¦ Tatsächlich sollten sie lange und gründlich nachdenken, bevor sie dieser Frau noch mal Macht über Kinder geben. Das, was mich heute am wütendsten gemacht hat, war, dass diese Frau erfolglos versucht hat, mein Kind dazu zu zwingen, sich für sie zu entblößen. Das ist sexueller Missbrauch, Herr Morgan. Aber wenn sie möchten, können wir das die Gerichte entscheiden lassen".
Herr Morgan starrte Frau Davis mit offenem Mund an: "Frau Davis, ist das wahr?"
"Was erwarten sie von ihm anderes, als etwas völlig Harmloses darzustellen, als wenn es etwas Hässliches gewesen wäre." Antwortete sie verärgert, "aber von ihm kann man ja wohl nichts anderes erwarten. Man stelle sich vor: seinem Sohn Röcke an zu ziehen und ihm einen Mädchennamen zu geben".
"Aber ist es wahr oder nicht: Haben sie verlangt, dass sich das Kind auszieht?"
"Ich wollte nur die Wahrheit rauskriegen. Das hatte nichts zu tun mit"¦"
"Danke, Frau Davis", unterbrach Dad, "jetzt haben sie zugegeben, was ich schon geahnt hatte. Ich erkläre ihnen, was wirklich hässlich ist: Regelrecht ekelhaft sind Leute wie sie, die sich in eine Position bringen, wo sie Macht über Kinder haben, Kinder, die sich nicht wehren können und die dazu erzogen wurden, sie zu respektieren und ihnen zu gehorchen. Und sie nutzen das aus! DASS ist ekelhaft!"
"Herr Elliot", sagte Herr Morgan mit weißen Gesicht, "Ich denke, sie wollen da jetzt keine Staatsaffäre draus machen, oder? Wollen sie, dass die ganze Stadt darüber redet, dass ihr Sohn "¦"
"Ich nehme an, dass ist inzwischen rum in der ganzen Stadt und ich nehme an, die Gerüchteküche in der Stadt hat mit der Wahrheit nicht viel zu tun. Vielleicht könnte ein Prozess da etwas Klarheit reinbringen. Tatsache ist, mein Sohn oder Tochter hat nichts falsch gemacht. Sie gibt sich nur alle Mühe, mit dem Leben auf ihre Weise umzugehen und klar zu kommen, wie wir alle ja auch. Und dabei können wir eine rachsüchtige Person wie Frau Davis überhaupt nicht gebrauchen. Wir gehen mit der Situation so gut um, wie wir eben können. Wir haben Experten — gute Leute — die unserer Familie helfen und können selbsternannte Experten, die uns vorschreiben wollen, wie wir unser Leben zu leben haben, gar nicht gebrauchen. Also, wie geht es jetzt weiter? Soll ich meinen Anwalt anrufen oder planen wir, wie Christine übermorgen in die Schule zurückkommt?"
Es war erstmal totenstill im Raum. Ich bekam aber erstmal nichts mit, weil ich in Gedanken damit beschäftigt war, dass Dad mich seine Tochter genannt hatte. Er hatte von mir als "šsie"˜ gesprochen und dann hatte er mich "šChristine"˜ genannt. Ich hätte das alles klaglos ausgehalten, wenn ich geahnt hätte, dass mein Vater aufsteht und mich vor Fremden als Mädchen akzeptiert. Unglaublich!
"Wenn ich auch etwas sagen dürfte"¦" meldete sich Dr. Reynolds zu Wort, "John, ich denke, Christine sollte sich den Rest der Woche frei nehmen. Ich würde sie gerne morgen in der Praxis sehen und ich denke auch, es wäre eine gute Idee, dem Rest der Schule Zeit zu geben, sich an die Situation zu gewöhnen. Vermutlich werden auch einige der Schüler psychologische Betreuung brauchen. Ich schlage vor, wir nehmen uns alle die Zeit, wieder ein wenig runter zu kommen".
"Aber dann verpasse ich ja eine ganze Woche Unterricht!" entfuhr es mir.
"Ich denke, von dem Unterricht der nächsten paar Tage hättest du nicht all zu viel", gab Mom zu denken, "bist du dir sicher, Liebes, dass du in dieser Schule bleiben willst?"
"Ja, ich bin sicher!" sagte ich, vermutlich in Schock. Für mich war die Vorstellung, auf eine andere Schule als Josh zu gehen, ein Problem. Außerdem bräuchte ich den Schulbus, um zu einer anderen Schule zu kommen.
"Mach dir keine Sorgen über verpassten Unterricht!" sagte Herr Morgan. Er war offensichtlich genervt — aber nicht wegen mir. "Ich rufe deinen Lehrer an und er wird sich bei dir melden und dir erklären, was dran kommt. Wenn sie damit einverstanden sind, Frau Elliot?"
"Das wäre toll! Danke Herr Morgan." Sagte Mom.
"Christine, ich werde alles tun, um das wiedergutzumachen!" sagte er, "ich kann es nicht ungeschehen machen, aber ich werde dir den Umgang mit den Folgen so einfach wie möglich machen!"
Re: Christine
Verfasst: Di 13. Jun 2017, 14:52
von Claude
nun wird es eine kleine Pause geben - über meinen Geburtstag nächste Woche hat meine Frau mich auf eine Radtour um den Bodensee eingeladen...
Re: Christine
Verfasst: Mi 14. Jun 2017, 10:13
von SteffiCD
Vielen, vielen Dank
für diese herzergreifende Geschichte.
Ich wünsche dir einen wunderschönen Urlaub.
Danke
Bea
Re: Christine
Verfasst: Mi 14. Jun 2017, 12:14
von Simone 65
Danke für die Geschichte. Gerade der letzte Teil ist heftig und hat mich berührt.
LG Simone
Re: Christine
Verfasst: Fr 30. Jun 2017, 15:35
von Claude
Christine Kapitel 8 Teil 1 - Johnny kommt nach Hause
Christine geht wieder zur Schule, diesmal mit etwas Unterstützung. Johnny verbringt seinen Navy-Urlaub zu Hause und Christine hat Angst vor der Begegnung, weil er nichts ahnt von der Verwandlung.
Als das Meeting endlich vorbei war, bat Dr. Reynolds Mom, Dad, Josh und mich noch kurz in sein Auto. "Da hat sich Herr Morgan ja um 180% gedreht!" sagte Mom, kaum dass alle saßen. "Der hatte doch nur Angst vor der öffentlichen Wirkung wenn ich seinen Arsch vor Gericht ziehe!" fügte Dad hinzu.
"Glaube ich nicht", sagte Dr. Reynolds, "ich habe schon wiederholt mit ihm gearbeitet und ich finde, er versucht ehrlich zu helfen, so gut er kann. Er wollte seine Direktorin nur nicht zu weit aus dem Fenster zum Trocknen hängen, aber ab jetzt haben wir in ihm einen Verbündeten und er wird uns helfen. Ich wollte nur schnell, dass wir uns synchronisieren, was wir alles verstanden haben".
"Was ist da zu verstehen?" grummelte Dad, "wie ich das sehe, ist mein Sohn immer noch meine Tochter — nur jetzt weiß das die ganze Stadt".
Ich fühlte mich schon wieder angegriffen. Eben noch hatte ich den Eindruck, mein Vater hätte mich so akzeptiert und verteidigt. Nun hörte er sich an wie bei einem Rückfall ganz an den Anfang, als er mich zum ersten Mal im Kleid gesehen hatte. Aber todesmutig kletterte ich auf seinen Schoss, umarmte ihn und drückte ihm einen dicken Schmatzer auf die Backe. "Danke, Dad!" Flüsterte ich, "dafür, dass du mich verteidigt hast und dass du mich Christine genannt hast und "¦"
"Um das klarzustellen", sagte er und umarmte mich zurück, "ich habe meine Meinung nicht geändert! Ich glaube immer noch nicht, dass du ein Mädchen bist oder warst. Aber das heißt noch lange nicht, dass ich irgend so einen selbstgerechten Lehrer auf dir rumtrampeln lasse! Du bist immer noch mein Kind und ich liebe dich und wenn wir Entscheidungen zusammen treffen, halten wir auch zusammen!"
Während er sprach, strich seine Hand über mein Beim hoch bis zum Po und dann hatte er auch schon die wohlgefüllte Windel in der Hand. Verflixt — gerade schien es wieder besser zu laufen zwischen uns, da wurde er daran erinnert, dass sein "¦ ehhh "¦ achtjähriges Kind eine Windel trug und sie auch dringend gebraucht hatte. "Hey, kleiner Kumpel" flüsterte er, "ich glaube, deine Windel ist etwas nass. Meinst du, du könntest dich dazu durchringen, deinen alten Dad die Windel wechseln zu lassen, sobald wir zu Hause sind? Schließlich muss ich dir nur das Kleid hochschieben, um ran zu kommen!"
"Wirklich, Dad — das würdest du tun?"
"Für einige magst du ja ein süßes, kleines Mädchen sein — für mich bist du immer noch ein ziemlich tapferer Keks — wie du das alles hier aushältst. Es wäre mir eine Ehre, deine Windel zu wechseln".
Ich kicherte etwas verlegen, "Du kannst sie ausziehen, wenn du magst, aber eine neue werde ich nicht brauchen!"
"Wenn wir versuchen, das alles positiv zu sehen", versuchte Dr. Reynolds unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen, "sehe ich mehrere Aspekte: Früher oder später wäre das alles sowieso rausgekommen. Jetzt wissen alle Bescheid und können so oder so reagieren. Christine, ich denke, du wirst überrascht sein, wie viele Verbündete du haben wirst".
"Ja", stimmte ich zu und kuschelte mich auf dem Schoss von Dad, "ich hatte mir schon Gedanken gemacht, was wäre, wenn ich jemanden von meiner alten Schule treffe — aber das hat sich ja jetzt erledigt!"
"Prima, Christine! Nun, ich würde gerne die ganze Familie Elliot morgen in der Praxis sehen. Ich werde gleich meine Sprechstundenhilfe anrufen, um einen Termin zu finden. Dich, Josh, möchte ich auch sehen! Komme bitte gleich von der Schule in die Praxis! Ich sage deiner Mom, dass sie dich dann von da abholt".
Bis wir endlich zu Hause waren, war ich durch und durch nass und eingeweicht. Und tropfte. Ich war etwas beschämt, weil ich nicht geahnt hatte, dass ich SOO nass war. "Kein Problem, kleine Erdnuss!" sagte Dad, packte mich und trug mich die Treppe rauf, "du hattest wohl einen dermaßen aufwühlenden Tag, dass du jegliche Kontrolle verloren hast! Aber das mit der Kontrolle kriegst du auch wieder hin! Solange wechsle ich dir jetzt die Windel, einverstanden?"
Ich antwortete nicht, jedenfalls nicht mit Worten. Ich warf meine Arme um seinen Hals, während er mich die Treppe rauf trug und auf mein Bett legte. In dem Moment, wäre es mir auch egal gewesen, wenn die ganze Welt beim Windelwechsel zugesehen hätte, weil es mein Dad war. Und er es einfach aus Liebe tat! Er schob mir das Kleid hoch, löste die ganzen Bändchen und legte die total durchnässte Windel zur Seite, während Mom ihm eine frische gab. "Ich brauche doch keine neue, Dad!" erinnerte ich ihn. "Dann beweise das deinem alten Dad!" antwortete er, "wenn du heute Abend immer noch trocken bist, betrachten wir dich als geheilt — aber bis dahin wollen wir nichts riskieren und unter dem Kleid sieht"™s sowieso niemand".
Er legte meinen Po auf die frische Windel und puderte mich ein. Ich konnte kaum fassen, wie zärtlich er mit seinen riesigen Händen sein konnte. "Nach dem Essen geh ich dir Einwegwindeln besorgen — die sind etwas komfortabler", sagte er während er mich wieder einwickelte. "Aber Dad — ich bin acht Jahre alt! Da kann ich doch nicht mit Windeln rumlaufen!" "Klar, kannst du das. Du kannst Windeln tragen bis du fertig damit bist — und wenn das 20 Jahre dauert. Du hast sie dir verdient!" überzeugte mich Dad.
Kurz vor dem Essen kam Gail und aß mit uns. Kaum, dass wir fertig waren, erschienen auch Amanda und Josh und wir spielten im Wohnzimmer ein Spiel. Etwas später klingelte Frau Anthony, meine Lehrerin. "Vielen Dank, dass sie kommen" begrüßte Mom sie und bat sie rein. Frau Anthony war Joshs Lehrerin gewesen und an der Art, wie sie sich begrüßten, konnte ich erkennen, dass die beiden sich gut leiden konnten. Sie blieb nicht lange, gab mir nur ein paar Bücher und Tipps und dann entschuldigte sie sich für die Vorfälle und versicherte mir, dass ihre Klasse mir keine Schwierigkeiten machen würde. Sie umarmte mich noch und ging. Josh sagte: "Sie ist wirklich sehr nett. Da hast du echt Glück, dass du sie hast!"
Später, als wir auf der Terrasse saßen fragte ich Josh, "Josh, ich muss dich noch was fragen. Als wir im Büro von Frau Davis saßen, hast Du geweint. Warum Josh? Hattest du Probleme? Ich hoffe, ich habe dir keinen Ärger gemacht.
"Nein, du hast mich nicht in Schwierigkeiten gebracht", sagte er und sah dabei versonnen in die Ferne. Dann fing er zu meinem Erstaunen wieder zu weinen an. Und diesmal verlor er seine Fassung vollständig. Er warf seine Arme um mich, legte seinen Kopf auf meine Schulter und schluchzte völlig hemmungslos.
"Was ist Josh? Was ist passiert?" bettelte ich.
"Ich habe nur daran gedacht, wie du dich fühlen musst", stammelte er, "ich wollte, ich wäre erwachsen und könnte dich nehmen und von diesem ganzen Schlamassel wegbringen. Das muss doch soo furchtbar für dich sein!"
"Soo schlimm war das auch nicht", musste ich meinen Held trösten, von dem ich gedacht hatte, er könnte alles aushalten, "ich hatte schon ziemlich Angst, aber nur bis mein Vater aufstand und für mich kämpfte. Da dachte ich, dass dieser Moment all den Ärger wert war. Unsere beiden Väter waren beide toll und mir geht es wirklich gut jetzt. Bitte hör auf zu weinen, Josh!"
Josh hörte auf. Er sah mich mit seinen dunkelbraunen Augen an und dieser Blick erinnerte mich an den Tag in dem Kiefernwald, als er meinen Kopf gehalten hatte bis ich endlich aufgewacht bin. Ich war selbst zu Tränen gerührt, als Josh flüsterte: "Du bist soo toll!" Und dann küsste er mich. Es war zwar nur ein Küss auf die Backe und danach ließ er mich los, ging rein, nahm seine Schwester und weg waren die Beiden. Aber ich war schockiert von dem kleinen Kuss, und noch mehr geschockt war ich von seinem Geständnis, dass er um mich geweint hatte. Er hatte sich in meine Situation reinversetzt und er fand den Druck und die Anspannung, die Schmerzen nicht aushaltbar. Ich wusste das zu dem Zeitpunkt noch nicht, aber diese Situation mit Josh auf unserer Terrasse hat mir für die folgende Zeit mehr Kraft gegeben, als es die stärksten Drogen hätten tun können.
Tatsächlich nutzte ich die nächsten Tage zu Hause und ließ mich sowohl von Mom als auch von Dad bemuttern. Am Donnerstag kam Gail vorbei und berichtete, dass die Schule tatsächlich einen neuen Direktor hätte, einen jungen Mann, der wirklich nett zu sein schien. Ich trug die ganze Woche Windeln, bis ich am Freitag verkündete, dass ich auch ohne könne. Tagsüber ging das auch gut, aber nachts machte ich das Bett noch eine ganze Woche nass.
Dass der Morgen, an dem ich zur Schule zurückkehrte, spannend war, war eine Untertreibung. Einige der Kinder starrten mich nur an oder zeigten auf mich und flüsterten, andere mieden mich, als wenn ich Lepra hätte. Wieder andere umschwärmten mich und versicherten mir, sie würden meine Freunde sein, wenn ich wöllte. Einige versuchten mich etwas zu hänseln, aber nach allem, was ich überstanden hatte, interessierte mich das überhaupt nicht. Die gute Nachricht war, dass mich eigentlich alle auf eine Art bewunderten — und zwar war ich diejenige, die Frau Davis losgeworden war. Es gab wohl tatsächlich niemanden, der sie leiden konnte und alle waren dankbar, dass sie weg war. Alles in Allem lief es also nicht wirklich schlecht.
Ich war schon wieder eine ganze Woche in der Schule, als wir zum ersten Mal Sport hatten. Ich hatte eine Entschuldigung für die Dusche, aber das war nicht unüblich. Fast die Hälfte der Mädchen hatte den einen oder anderen Grund, nicht zu duschen. Mom hatte mich angewiesen, an Sporttagen immer eine Slipeinlage zu benutzen und eine in Reserve dabei zu haben. Diese Sicherheitsmaßnahmen gefielen mir zwar nicht so, aber so war das immer noch besser, als irgendwann mit heraushängenden Jungensteilen erwischt zu werden.
Meine Sportsachen unterschieden sich schon deutlich von denen, die ich letztes Jahr getragen hatte: Ein einfacher Gymnastikanzug, der aussah und sich anfühlte wie der Badeanzug, den ich den ganzen Sommer getragen hatte. Statt der Bändchen über die Schultern hatte er kurze Ärmel und einen Reißverschluss im Rücken. Der hätte mir vor einigen Wochen noch große Probleme bereitet, aber inzwischen hatte ich mich daran gewöhnt, meine Sachen auf dem Rücken zu schließen. Auch an die Slipeinlagen hatte ich mich gewöhnt und Dr. Reynolds gab mir regelmäßig Injektionen, die Erektionen verhinderten. Bevor er mir die erste dieser Injektionen in den Po gab, fragte er mich "Ich möchte sicher gehen, dass du verstehst, was ich hier mache. Sobald ich diese Injektionen starte, wirst du nie wieder diese für Jungen normalen Erfahrungen von Erektionen machen. Dein Körper kann das einfach nicht mehr. Ist es das, was du willst und bist du dir sicher?"
"Legen sie los!" rief ich. Für mich waren diese Injektionen der erste Schritt, meinen Penis loszuwerden und ich konnte es gar nicht abwarten.
Re: Christine
Verfasst: Fr 30. Jun 2017, 22:12
von Diana.65
Hallo Claude.
Danke! ... für die neue Fortsetzung der Geschichte.
Ich hoffe, dass es bald weiter geht, liest sich gut und ist spannend.
Liebe Grüße,
Diana
Re: Christine
Verfasst: Mi 12. Jul 2017, 18:10
von Claude
Christine Kapitel 8 Teil 2 - Johnny kommt nach Hause
Das erste Mal, dass ich diesen Gymnastikanzug beim Sportunterricht trug und mit all den anderen Mädchen bei der Gymnastik mitmachte, war ein großer Schritt für mich. Der Anzug war ziemlich eng und elastisch, so dass ich einen leichten Druck, und zwar eine stützende Art von Druck, am ganzen Körper spürte. Zu meiner Überraschung nahmen die Mädchen überhaupt keine Notiz von mir — außer den üblichen Mädchengesprächen und dem Kennenlernen. Ich wurde völlig als eine von ihnen akzeptiert und meine Selbstsicherheit machte einen Riesenschritt vorwärts. Ich konnte tatsächlich bei den anderen mitmachen ohne Angst, ich könnte den Ball fallenlassen oder sonstwie zum Gespött werden. Ich fühlte mich toll und ich sah großartig aus. Tatsächlich kam es schnell so weit, dass ich mich zum ersten Mal in meinem Leben auf den Sportunterricht freute!
Ein Ding, das mich belastete und über das ich noch mit niemandem gesprochen hatte, war mein Bruder John. Er sollte Mitte September nach der Grundausbildung für 2 Wochen nach Hause kommen und er hatte noch keinerlei Ahnung, was alles passiert war. Wie ich schon erzählt habe, war er das Gegenteil einer Sissy und es völlig unvorstellbar, dass er etwas auch nur im Entferntesten an weibliche Kleidung erinnerndes anzuziehen in Erwägung ziehen könnte. Ich hatte keinen Anlass, zu hoffen, dass er seine kleine Schwester akzeptieren könnte und das machte mir umso mehr Sorgen, je näher das Datum kam.
Wenn man unseren großen Altersunterschied bedenkt, waren wir wirklich sehr eng. Johnny hatte seinen kleinen Bruder immer und bei Allem unterstützt, ohne sich jemals zu beschweren. Als er älter wurde, hatte er mich immer freiwillig "ge-baby-sittet" und wir haben die gemeinsame Zeit immer genossen. Unermüdlich hatte er versucht, mir mit den Ballsportarten, die ihm so leicht fielen, zu helfen und hatte immer tröstende Worte, wenn ich einfach keine Fortschritte machte. Und jetzt, tatsächlich, würde er morgen kommen. Ich konnte es kaum abwarten, hatte aber auch Angst.
"Soll ich mich wie ein Junge anziehen, solange er hier ist, Mom?" fragte ich nervös.
"Ganz wie du willst", antwortete sie, "aber das wäre nicht ganz ehrlich, oder?"
"Schon, " sagte ich, "aber — weiß nicht — ich kann mir nicht vorstellen, was er denken wird!"
"Er wird es verstehen, Liebling! Johnny liebt dich, er wird es verstehen!"
"Dad versteht mich nicht und er liebt mich auch!"
"Er gibt sich Mühe — er braucht einfach noch etwas Zeit!"
"Kann sein "¦ Manchmal frage ich mich, ob er mich wirklich noch liebt "¦ Er hat mich schon ewig nicht mehr gefragt, ob ich mit zum Angeln komme "¦"
"Du weißt, dass er dich liebt! Gib ihm noch ein bisschen Zeit, er wird drüber weg kommen. Er und Onkel Dan haben hart gearbeitet, um das Geschäft in Schwung zu bringen. Konzentrier dich lieber auf Johnny. Wenn du meine Meinung hören willst: Sei einfach du selbst, wie du das auch uns gegenüber bist!"
Ich folgte Moms Rat. Johnny war für Donnerstagnachmittag angekündigt und ich zog morgens mein ganz normales Schuloutfit an: Bluse, Rock, Kniestrümpfe und weiße Schuhe. Mom sagte immer, blau wäre MEINE Farbe und langsam glaubte ich ihr. Der Rock war im Marinestyle und die kurzärmelige Seidenbluse hellblau. Ich trug meine Haare offen und band sie aus dem Gesicht mit einem blauen Bändchen. Die blauen Strümpfe hatten ein Bündchen aus weißer Spitze. "Mom, würdest du mir bitte die Fingernägel lackieren?" fragte ich beim Frühstück.
"Christine" fragte sie etwas überrascht, "du hast noch nie nach lackierten Fingernägeln gefragt. Als nächstes willst du wohl dann Ohrlöcher?"
"Tatsächlich wollte ich dich darum bitten", sagte ich und merkte, dass ich etwas rot wurde.
"Die Nägel lackiere ich dir gleich, über das mit den Ohrlöchern reden wir später!"
Ich sah total fasziniert zu, wie Mom meine Fingernägel mit einem hellrosa Nagellack anmalte. Ich hatte sie jetzt schon seit Wochen sorgfältig gepflegt, weil ich das mit dem Nagellack schon lange geplant hatte und die damit verbundene Pflegezustandsprüfung unbedingt bestehen wollte. Die Bemühungen hatten sich auch gelohnt, denn Mom lobte Länge und Zustand meiner Nägel. Ich umarmte sie schnell "Danke Mom!" und rannte los, weil Gail und die anderen schon warteten.
Als ich von der Schule nach Hause kam, war Johnny noch nicht da. So hatte ich die Chance, mich noch kurz frisch zu machen, damit ich auch perfekt aussähe für meinen großen Bruder. Ich stellte fest, dass die Nägel noch toll aussahen und bürstete mir noch schnell die Haare — dann hörte ich unten die Haustüre. Mom hatte versprochen, ihn etwas vorzuwarnen und so wartete ich oben an der Treppe um zuzuhören und den richtigen Moment zum Runterkommen zu finden.
"Ich weiß nicht so richtig, wie ich anfangen soll" sagte Mom, nachdem sie Johnny intensiv umarmt und ihre Tränen getrocknet hatte, "es geht um Christoph!"
"Geht"™s ihm gut?" fragte mein Bruder, "wo ist denn der kleine Kerl überhaupt — ich kann es nicht abwarten, ihn zu sehen!"
"Ihm geht es gut "¦ oder "¦ ehhem "¦ IHR geht es gut. Christoph hat seinen Namen zu Christine geändert!"
"Ihr?" die Verwirrung war der Stimme meines Bruders gut anzuhören.
"Johnny, es fällt mir schwer, die letzten drei Monate in einem Satz zu-sammenzufassen. Tatsächlich geht Chris schon eine Weile zu einem Therapeuten und sie haben sich darauf geeinigt, dass Chris ein Mädchen hätte sein sollen. Chris findet, sie ist schon eins". Es war eine Weile völlig still. Ich wollte schon fast die Treppe runterrennen und ihn anschreien: "Sag doch was!" aber ich stand nur da und wartete und wusste, dass ich — sollte Johnny lachen oder Schimpfworte benutzen oder gar nichts sagen — gar nicht runtergehen würde. Ich würde einfach in meinem Zimmer bleiben und ihn vermeiden, so lange er da war. Endlich sagte Johnny: "Ich hatte mir schon Sorgen um ihn gemacht und mir war klar, dass er nicht glücklich war. Also "šman"˜ denkt, das ist sein Problem?"
"Ich sage jetzt nichts mehr, John. Du wirst statt des depressiven Jungen, den du im Juni zuletzt gesehen hast, ein sehr glückliches Kind sehen. Aber jetzt gerade hat sie furchtbare Angst, dass du sie zurückweisen könntest".
"Zurückweisen? Meinen kleinen Bru"¦ ehh Schwester? Das ist doch verrückt. Um ihn zu verstoßen — dazu gehört schon einiges mehr als nur ein Kleid. Wo ist er "¦ ehh SIE denn eigentlich?"
"Hier Johnny" sagte ich und kam gerade die letzte Stufe runter. Ich ging auf ihn zu — er hatte sich so sehr verändert. Und er sah so unglaublich toll aus in seiner weißen Uniform. Ich ging ganz langsam und er war für mich gefühlte 3 Meter groß. Ich zitterte am ganzen Körper und er kniete sich hin und ich konnte den Schock in seinem Gesicht sehen. Als das Mädchen, das ich jetzt war, brach ich in Tränen aus und warf mich in seine Arme. Ich schluchzte "ich freue mich soo sehr, dich zu sehen und es tut mir sooo leid"¦."
Johnny erwiderte meine heftige Umarmung und küsste mich auf die Stirn. Dann hielt er mich etwas auf Abstand und sah mich an. "Heeyy" er wischte mir mit seinem Handrücken die Tränen aus den Augen "Was ist das denn. Ich dachte, du freust dich, deinen Bruder wieder zu sehen statt dir die Augen auszuweinen, Christine. Na komm, trockne dir deine hübschen Augen und gib mir noch eine Umarmung. Und dann will ich die ganze Geschichte hören!"
"Ich freue mich auch, dich zu sehen!" jammerte ich, "du hast keine Ahnung, wie sehr ich dich vermisst habe. Jetzt tauchst du auf und siehst soo toll aus. Johnny, ich wollte immer sein wie du, aber jetzt "¦"
"Jetzt hast du festgestellt, dass du nicht wie ich sein kannst" unterbrach er mich, "Christine, du musst du selbst sein. Du musst deinen eigenen Weg finden, wo auch immer der hinführt. Aber so, wie das aussieht, machst du das großartig. Also, warum trocknest du nicht deine Tränen und erzählst mir alles?"
Als ich die Treppe rauf zum Badezimmer stürmte, hörte ich ihn zu Mom sagen: "Mein Gott — ich kann es nicht glauben! Sie ist wirklich ein Mädchen! Sie ist so hübsch! Das ist unglaublich!"
"Das heißt, du bist nicht entsetzt?" hörte ich Mom fragen.
"Machst du Witze?" antwortete mein Bruder, "das ist wie ein wahr gewordener Traum. Ich wäre fast nicht zur Marine gegangen, weil ich mir solche Sorgen um Chris gemacht hatte. Er war so verzweifelt und depressiv! Ich kann nicht glauben, dass ich das Problem nicht verstanden hatte. Erst vor ein paar Monaten hat er mir erzählt, dass er das Gefühl hatte, nicht dazu zu gehören. Ich fragte ihn, "šwozu"˜ dazugehören und er wusste keine Antwort. Er wusste, dass was falsch war — aber nicht was!"
"Sags ihr!" antwortete Mom, "geh jetzt mit ihr irgendwas essen und erzähls ihr. Sie braucht das! Und sie braucht dich! Es ist ihr so wichtig, dass zwischen dir und ihr alles in Ordnung ist!"
"Das ist viel mehr als in Ordnung. Selbst durch all die Tränen kann ich sehen, dass er "¦ ehh "¦ sie glücklicher ist. Und sie ist das hübscheste kleine Mädchen, dass ich jemals gesehen habe!"
"Das hatte ich gehofft, sie hat den ganzen Tag verschiedene Sachen anpro-biert, weil sie für dich perfekt aussehen wollte."
Wir gingen tatsächlich aus an dem Abend. Nachdem ich mich wiederhergestellt hatte und auf dem Klo war, ging ich wieder runter. "Komm, kleine Schwester!" sagte Johnny, als wenn er sein Leben lang noch nichts anderes gemacht hätte, "wir beide gehen aus zum Essen und du kannst mir alles erzählen — das heißt, falls mein Auto anspringt."
"Wird es!" antwortete ich, "ich habe es gestern etwas laufen lassen, die Batterie ist geladen und Reifendruck und Ölstand habe ich auch kontrolliert!"
John hatte den alten Ford zu High School Zeiten gekauft und liebte ihn wirklich, aber Grundausbildung und Auto ging nicht so gut, deshalb hatte er ihn hier stehen lassen. Er hatte mich gebeten, ihn einmal pro Woche etwas laufen zu lassen, aber natürlich ging das nicht, solange wir auf dem Campingplatz waren. Aber seit Dad es vom alten Zuhause hierher überführt hat, kümmerte ich mich sorgfältig drum. Jetzt, wo mein Bruder — mein großer Bruder und Held — zu Hause war, war sein fahrbarer Untersatz bereit für ihn. Er fuhr mir zärtlich mit den Fingern durch die Haare: "Du bist ein Schatz! Dann hast du wohl noch nicht alle Jungenqualitäten verloren?"
"Nur weil ich ein Mädchen bin heißt das noch nicht, dass ich nicht mit Autos kann!"
Seit damals habe ich oft an diesen Abend zurückdenken müssen und ich muss wirklich sagen, dass er im Ranking gleich nach dem Tanzabend mit Josh kam. Der Abend war so besonders. Johnny wollte alles wissen, wie ich das entdeckt hatte und alles drumrum. Ich erzählte ihm alles, sogar die tiefsten Geheimnisse, die ich noch nicht einmal Dr. Reynolds erzählt hatte. Ich erzählte ihm, dass ich im allerersten Augenblick, als dieses Sommerkleid an mir runterglitt, wusste, dass ich angekommen war. Und er verstand! Mein Sportskanone — typisch amerikanischer Navy Soldat und Held - er verstand! Und ich habe nicht mitgezählt wie oft er mir sagte, ich wäre hübsch!
Als ich da in unserer Nische gegenüber von meinem Bruder saß und sah, wie toll er in seiner Uniform aussah, kamen mir zum ersten Mal, seit diese ganze Transgender Geschichte angefangen hatte, Zweifel, ob ich wirklich das richtige tat. Immerhin war ich erst acht. Ich wäre so gerne wie mein Bruder gewesen. Aber ich hatte ja allen ständig bewiesen, dass ich nicht wie er war. War das alles übereilt? War ich wirklich sicher, dass ich niemals der Mann würde, der er gerade so mühelos wurde? Aber Johnny ahnte meine Zweifel und er nahm meine kleinen Hände in seine großen: "Christine, du musst tun, was du tun musst. Du bist du — so wie ich ich bin. Und wenn du wirklich irgendwann ein Marinesoldat sein willst, oder Pilot oder was auch immer — das ist heutzutage nicht mehr so ein Problem wie es das früher war. Bei der Grundausbildung hatten wir zwei Mädchen und sie waren wirklich gut. Du hast keine Türen zugemacht, sondern andere auf! Christine, wie kommt denn Dad mit dem allen klar?"
"OK" antwortete ich nur.
"Nun komm, Christine!" drängelte er, "das ist doch keine Antwort. Hey ich bins — dein großer Bruder. Wie läuft"™s zwischen Dad und dir?"
Ich erzählte ihm alles. Ich erzählte ihm, dass Dad mich noch wie einen Jungen in Mädchenklamotten behandelte — nicht wie ein Mädchen. Ich erklärte, was Dr. Reynolds empfohlen hatte und dass Dad niemals erlauben würde, dass sein Sohn kastriert würde. Oder irgendwie sonst operiert. Ich erzählte ihm, dass wir noch etwas Zeit hätten, dass ich aber operiert werden müsse, bevor die Pubertät anfing und es sonst alles viel schwieriger würde. "Und wie geht es dir damit?" fragte er mich, "ich finde, das ist ziemlich harter Tobak für einen achtjährigen. Wenn die Bälle einmal abgeschnitten sind, kann man sie nicht so einfach wieder anlöten. Vielleicht hat Dad auch ein wenig Recht."
"Ich hasse meine Genitalien!" erklärte ich heftig. "Ich muss mich regelrecht überwinden, mich überhaupt sauber zu halten. Manchmal nachts ziehe ich das Nachthemd ganz straff, so dass sich alles ganz glatt anfühlt, streichele mich und frage mich, ob ich mich jemals wirklich so schön anfühlen werde. Wenn ich die Bälle nicht los bin, bis ich Zwölf bin, werde ich nie ein richtiges Mädchen werden. Ich werde ein Typ sein, der versucht, ein Mädchen zu sein und das wird echt hart. Meine Stimme wird tiefer — wie deine — und ich werde überall Haare bekommen, an den Beinen und am Bauch — das geht einfach nicht. Dr Reynolds sagt, wenn ich diese Orchie"¦ dings, diese Kastration jetzt kriegen könnte, dann würde ich wie ein ganz normales Mädchen aufwachsen".
"Aber Dad wird das niemals zulassen, nicht wahr?"
"Nein, er sagt, ich wäre zu jung für solch eine Entscheidung. Er denkt wirklich, ich wache eines Tages auf und werde ihm danken, dass er das Ab-schneiden meiner Männlichkeit verhindert hat. Das ist verrückt, Johnny! Ich habe keine Männlichkeit — hatte ich noch nie! Und diese komischen Dinger zwischen den Beinen werden das nicht ändern!"
"Wir kümmern uns drum!" sagte Johnny, "zerbrich dir einfach nicht dein hübsches Köpfchen, OK? Dein großer Bruder kümmert sich drum!"
"Aber Johnny"¦" ich kämpfte mit den Tränen.
"Warte es einfach ab und vertraue deinem Bruder. Habe ich dich jemals im Stich gelassen?"
"Nein "¦" musste ich zugeben. Tatsächlich hatte Johnny mich noch nie ent-täuscht.
"OK! Denk einfach nicht darüber nach! Du hast mein Wort, dass du niemals die männliche Pubertät erleben wirst! Lass uns über was Anderes reden, wie läuft es in der Schule?"
Als wir endlich wieder zu Hause waren, war es für mich allerhöchste Zeit, ins Bett zu gehen, aber ich konnte noch eine Weile nicht einschlafen. Ich hatte ihm alles über die Schule erzählt, vom Tanzen und vom Ballett und ich wollte ihm von Josh erzählen. Aber er unterbrach mich mitten im Satz: "Du musst mir nichts von Josh erzählen. Du hast den ganzen Abend keine zwei Sätze gesprochen ohne Josh zu erwähnen. Christine, ist Josh Dein Geliebter?"
"Nein!" sagte ich bestimmt, "ich bin erst acht — was sollte ich mit einem Geliebten? Er ist übrigens elf. Er ist einfach ein sehr guter Freund!"
"Na gut — ich habe ja nur gefragt." In dem Moment wurde mir so gut wie Johnny klar, was er im Hinterkopf hatte. Ich hatte in Josh nie was anderes als einen guten Freund gesehen, aber die Bemerkung von Johnny brachte mich dazu, darüber nachzudenken. Ich fand die Vorstellung immer noch absurd, auf der anderen Seite konnte ich mir ein Leben ohne Josh auch nicht vorstellen.
Ich hatte eine supertolle Zeit mit meinem Bruder während seines Urlaubs, aber das waren nur zwei Wochen und dann musste er wieder los. Er war stationiert auf einem Flugzeugträger im Pazifik, am anderen Ende der Welt. Ich bettelte ihn an, zu bleiben aber das ging natürlich nicht. Während des Urlaubs hatte er mehr Zeit mit mir und Josh verbracht, als irgendjemand sonst von der Familie. Josh mochte ihn vom ersten Augenblick an und die beiden gingen miteinander um wie Brüder. Josh war, wie ein Bruder sein sollte und Johnny konnte mit ihm Ballspielen, was auch immer er im Sinn hatte. Obwohl ich nur an der Seite saß und den beiden bei Spielen zusah, an denen ich nicht interessiert war und die ich sowieso nicht könnte, war ich überzeugt, dass mein Bruder mich trotzdem liebte.
Jetzt war später Samstagabend und ich wurde zu Bett geschickt, trotz aller Proteste. Mom hatte mir versprochen, mich früh zu wecken, damit ich mich noch von meinem Bruder verabschieden konnte. Natürlich war ich hellwach sobald ich fertig war und im Bett lag, also schlich ich mich zum oberen Ende der Treppe, um ein wenig zuzuhören. Ich war kaum da, als ich Jonny fragen hörte: "Also Dad, Christine hat mir erzählt, dass sie eine Operation braucht, aber Du niemals zustimmen wirst. Was ist denn das Problem?"
"ER braucht keine OP, ER will sie! Das ist einfach eine dämliche Kinder-fantasie! Ihm geht es gut!"
"Es würde ihr soo viel bedeuten, wenn du anerkennen würdest, was alle anderen sehen: Dass sie ein Mädchen ist!"
"Ich habe ihn eine Weile nicht ohne Hosen gesehen, aber beim letzten Mal sah er gar nicht wie ein Mädchen aus. Hat sich da inzwischen was geändert von dem ich nichts weiß?"
"Dad, du weißt so gut wie ich, dass mehr dazu gehört, ein Junge zu sein, als ein kleines Zipfelchen Haut. Christine ist jetzt glücklich — kannst du das nicht sehen?"
"Nun, wenn ER so glücklich ist, braucht ER wohl keine OP!"
"Sie hat einen Horror davor, dass die Pubertät ihr alles kaputt macht!"
"Ist dir jemals in den Sinn gekommen, dass eine ordentliche Dosis Testosteron genau die versponnenen Ideen aus seinem Kopf herausblasen würden, die ihr da alle einpflanzt?"
"Alles, was ich weiß, ist, dass ich im Juni einen depressiven kleinen Jungen verlassen habe um im September ein glückliches und zufriedenes Mädchen vor zu finden. Ich dachte, das würde dich glücklich machen?"
"Ich soll glücklich sein, dass mein Sohn kastriert werden will und die Familienjuwelen wegwerfen will? Dass er seine Pflichten als mein Sohn verrät?"
"Seine Pflichten? Dad ist das nicht ein wenig antiquiert? Christine will doch nur, dass du stolz auf sie bist".
"Und ich will nur einen Sohn, auf den ich stolz sein kann. So, Schluss jetzt — ich will nicht weiter darüber reden!"
"Schon klar — du willst nicht. Aber wir müssen darüber reden. Auch wenn du mir sonst nicht richtig zuhörst, tu es jetzt: Ich habe ihr versprochen, dass sie ihre Orchiektomie haben wird, bevor die Pubertät anfängt. Und ich meinte das auch so. Ich weiß noch nicht wie, und tatsächlich kannte ich das Wort gar nicht, bevor sie mir davon erzählte und irgendwie werde ich das recherchieren und wie auch immer, sie wird diese Operation haben und wenn ich ihr die Dinger selber abschneiden muss. Ich habe Christine oder früher Christoph gegenüber noch nie ein Versprechen gebrochen und ich werde damit jetzt nicht anfangen!"
Mein Kopf brummte von den vielen Vorstellungen, die darin kreisten, als ich langsam wieder zum Bett zurückkroch. Würde mein Bruder tatsächlich helfen können? Ich war so stolz auf ihn! Wie konnte er sich gegen unseren Vater stellen? Es war ein wenig Hoffnung und als ich langsam in den Schlaf driftete, summte ich:
...When you wish upon a star...
...Makes no difference who you are...
Re: Christine
Verfasst: Sa 15. Jul 2017, 00:36
von Diana.65
Hallo.
Also, wenn ich diese Geschichte hier lese, dann ....
... brennen bei mir regelrecht die Sicherungen durch. (Denkpause)
Eigentlich bin ich ja, von meinem Gefühl her, nur 'Crossdresser.
Aber als ich hier gestern den neuen Teil gelesen habe, saß ich hier und ... konnte meine Tränen nicht bremsen. Irgendwie ging mir die Handlung so zu Herzen, dass ich mir an macher Stelle regelrecht vorstellen konnte selbst Christine zu sein. Ich weiss nicht, ob es anderen genau so geht.
Da kann ich meine Gefühle nicht so recht zu ordnen. Deswegen schreibe ich auch erst heute hier. Ich musste mich erst einmal wieder etwas sortieren, bevor ich schreibe.
Irgendwie ging es mir bei ähnlichen Geschichten schon mehrfach so.
@ Claude: Ich hoffe baldmöglichst auf eine weitere Fortstzung. Und Danke für deine Arbeit an der Story.
Ein schönes Wochenende wünscht euch,
eine nachdenkliche Diana.
Re: Christine
Verfasst: Sa 15. Jul 2017, 01:56
von Simone 65
Diana , du schreibst ob es anderen auch so geht. JA . Ich muss beim lesen zwischen durch immer absetzen.
Ich hoffe es geht bald weiter. LG Simone.
Re: Christine
Verfasst: Sa 15. Jul 2017, 18:52
von Christine DarkJoker
Hey Diana mir geht es so ähnlich bzw die Christine aus der Geschichte hat mit mir viele Gemeinsamkeiten. Die mir zu denken geben und das als Crossdresser.
Und ich freue mich auf den Nächsten Teil.
Liebe Grüße Christine
Re: Christine
Verfasst: So 16. Jul 2017, 08:40
von Rosi67
das ist eine schöne Geschichte. Die Gefühle des femenin Kleidens von Christine habe ich bei wiedergefunden. Ähnliche Tragegefühle kann ich nur bestätigen.
Schreibe weiter so.
LG Rosi
Re: Christine
Verfasst: Do 20. Jul 2017, 11:32
von Claude
Bonjour, der nächste Teil braucht noch - sind gerade nur mit Handy 'en Corse'!
Re: Christine
Verfasst: So 20. Aug 2017, 11:07
von Rosi67
Hallo,
wie geht es Christine? Wir haben schon lange nichts mehr von Ihr gelesen. Mit Spannung wird bereits gewartet auf den Fortgang von Christines leben.
LG Rosi
Re: Christine
Verfasst: Di 22. Aug 2017, 16:31
von Claude
Christine Kapitel 9 Adam
Susan Elliot versucht wieder eine Routine mit Kirchenbesuchen in die Familie zu bringen, trifft dabei aber überraschend auf Widerstand. Christine lernt in ihrer Klasse einen Jungen kennen und die Dinge werden komplizierter.
Ich war über den Sommer nur selten mit Dad Angeln gegangen - hauptsächlich weil er zu viel damit zu tun hatte das Haus fertigzumachen und den Computerladen aufzubauen. Der Laden lief ganz gut, aber Geld war weiterhin knapp. Jetzt ließ der Druck etwas nach — wir hatten uns gut im neuen Haus eingerichtet — und er versuchte, etwas wieder gut zu machen und lud mich jeden Samstag oder Sonntag zum Fischen ein. Manchmal kam Josh mit. Gail hatte kein Interesse und kam fast nie mit, Amanda ein oder zweimal. Auf Moms Wunsch trug ich immer Jeans oder Shorts und Sneakers, schaffte es aber trotzdem, mein ganzes Outfit so weiblich zu gestalten, dass klar zu erkennen war, dass ich ein Mädchen war. Da war zum Beispiel ein sehr feminines Top oder eine Stickerei. Meine Haare waren meist zu Zöpfchen geflochten. Trotzdem genossen wir beide die Zeit und für mich war es etwas Besonderes, dass ich Josh all die Dinge übers Angeln beibringen konnte, die Dad mit mir geübt hatte. Zwischen Dad und mir stand immer noch die Meinungsverschiedenheit über mein Geschlecht und wie es weitergehen sollte, aber wir versuchten beide, Freunde zu sein und das klappte auch ganz gut.
Ich trat Joshs Holzschuhtanzverein bei und wir wurden Tanzpartner. Das machte mehr Spaß, als ich mir vorgestellt hatte. Wir Mädchen trugen alle Baumwollkleider mit mehreren Lagen Unterkleidern, so dass die Kleider herrlich schwangen, wenn wir uns drehten — und dass machten wir ständig. Das Gefühl war so toll und so weiblich! Außerdem gingen wir noch zu einem Gesellschaftstanzverein. Ich bedauerte das sehr, aber wir hatten fürs Ballett weder Zeit noch Geld. Außerdem gab es beim Ballett etwas, dass mich meine Genitalien noch mehr hassen ließ, nämlich hält der Mann seine Partnerin häufig über seinem Kopf und hat dabei seine Hand in ihrem Schritt. Wenn die Partnerin nun sowas hat wie ich, kann das sowohl peinlich als auch ziemlich schmerzhaft sein. So musste meine Ballettkarriere pausieren — zumindest erstmal. Trotzdem hatte ich die Zeit meines Lebens.
Kurz nachdem Johnny wieder weg war, passierte Mom und mir ein schwerer Fehler in der Einschätzung. Wir hatten so viel um die Ohren, dass wir seit unserem Einzug nicht mehr in der Kirche gewesen waren. Mom war aber immer gerne mit ihren Söhnen in die Kirche gegangen — ich auch - und so zogen wir Ende September unsere besten Sachen an und fuhren los. Unglücklicherweise wählten wir die Kirche aus, die wir früher auch immer besucht hatten. Wir wurden an der Tür abgefangen und uns wurde deutlich gemacht, dass Mom es eigentlich besser wissen sollte, als das abartige Verhalten ihres Sohnes zu unterstützen und dass ich an diesem heiligen Platz nichts zu suchen hätte, solange ich als Gotteslästerung bekleidet wäre, schließlich wäre mein Jungenkörper Gottes glorreiche Schöpfung. Ich wollte ihnen schon sagen, dass sie mit meiner Mutter nicht so reden sollten, aber Mom stoppte mich und sagte, Gott würde sich darum kümmern. So dankte sie ihnen nur für die offenen Worte und wir fuhren wieder. Dad war furchtbar wütend, aber das konnte ich nicht richtig nachvollziehen. Schließlich hatten sie mit anderen Worten dasselbe gesagt wie er. Jedenfalls war unsere Kirchenkarriere erstmal vorbei.
Am darauffolgenden Donnerstagabend, kam Pastor Hatcher bei uns zu Hause vorbei und äußerte Bedauern, dass die Situation "schlecht gelaufen" war. Aber seine Position ändern wollte er nicht. "Um ehrlich zu sein, " antwortete Mom, "hat es mich überrascht, welche Position sie und die Kirche eingenommen haben, Pastor!"
"Frau Elliot", begann der Prediger, zögerte dann und bat Mom, mich aus dem Raum zu schicken. "Nein, das kann ich nicht", antwortet Mom, "es geht hier um Christine und dies ist ihr Zuhause. Wenn sie etwas sagen wollen, dass sie nicht hören soll, will ich es auch nicht hören."
"Nun gut", sagte der Pastor mit einem Seufzen, "Tatsache ist, Susan, dass wir alle ziemlich schockiert sind, dass sie ihrem Sohn erlauben, damit weiterzumachen!"
"Und was meinen sie mit "damit"?"
"Also ehrlich: Sie erlauben einem Jungen, ein Mädchen nachzuahmen, sogar wie eines zu leben und einen Mädchennamen zu benutzen! Also!!"
"Christine glaubt, die Nachahmung hat stattgefunden, als sie einen Jungen gespielt hat. Damit schienen sie kein Problem zu haben!"
Der Prediger warf meiner Mutter einen Blick zu, der jede andere einge-schüchtert hätte, nicht aber meine Mutter. "Susan, das ist das Lächerlichste, was ich jemals gehört habe. Ich kann nicht glauben, dass sie sich dermaßen von einem Kind auf der Nase rumtanzen lassen."
"Das ist aber eine Erkenntnis!" sagte Mom und ich konnte die Ironie in ihrer Stimme hören, "ich wünschte nur, wir hätten uns von ihnen schon vor Jahren beraten lassen. Dann hätten wir uns viel Geld erspart, das wir uns kaum leisten konnten, ganz abgesehen von Familienstreitereien, Arztuntersuchungen, -beratungen und Therapien. Sie schnipsen nur mit den Fingern und haben die Antwort. Also lagen all die Ärzte und Therapien die ganze Zeit falsch!"
"Susan, sie brauchen nicht sarkastisch zu werden!"
"Was empfehlen sie denn, wie ich mit einem bigotten Idioten wie ihnen umgehen soll, Herr Pfarrer? Wenn ich nicht ein wenig sarkastisch werden dürfte, würde ich wahrscheinlich richtig wütend werden. Ich denke, diese Unterhaltung ist beendet. Ich erlaube nicht, dass sie meine Tochter mehr verärgern, als sie es schon getan haben."
Ich war so stolz auf meine Mom. Auf der anderen Seite war ich aber auch traurig, dass unser Leben mit der Kirche zu Ende zu sein schien. Ich mochte die Kirche und das Singen im Kirchenchor und einmal durfte ich sogar das Solo singen. Jetzt, so schien es, hatte ich eine Sünde begangen, die mich als Christen disqualifizierte. Ich fragte Mom danach, aber sie wusste auch keine Antwort. Sogar Dad stimmte mir zu, hatte er sich doch von der Kirche Hilfe beim Umgang mit der Situation erhofft. Nun, diese Option hatten wir wohl nicht.
Am folgenden Sonntag gingen wir zu einer anderen Kirche. Für mich war das komisch, aber die Leute waren freundlich und Mom und Dad hofften, dass das unsere neue kirchliche Heimat werden könnte. Wir waren schon dreimal da, als eines Abends zwei von den Dekanen vorbeikamen. Einer von ihnen lobte anfangs mein Aussehen wie zum Beispiel "endlich mal ein Mädchen, das sich auch kleidet wie ein Mädchen". Sein Verhalten änderte sich drastisch, als Mom ihm meine Situation erklärte. "Warum hast du ihm das gesagt?" fragte ich unter Tränen, als sie wieder weg waren. "Das musste ich", sagte Mom, "irgendwann hätten sie das sowieso rausgefunden und ich wollte nicht, dass sie denken, wir hätten sie hintergangen!"
Bei der dritten Kirche war es dasselbe, diesmal kam der Pastor. Er musste gar nichts sagen, ich konnte alles in seinem Gesicht lesen, als Mom die Ereignisse des Sommers erläuterte. Die vierte Kirche war toleranter, aber Mom sagte, sie hätten nicht so viele Angebote für Kinder und so traten wir dort auch nicht ein. Dad hatte schon ziemlich resigniert und so versuchten wir nur noch eine und wurden wieder abgewiesen. "Ich denke, ich verstehe", sagte er zum Pfarrer, "mein ganzes Leben habe ich die Kirche für einen Ort gehalten, wo Sünder versuchen, ein besseres Leben zu führen und sich dabei gegenseitig zu helfen. Nun scheint es umgekehrt zu sein. Du musst perfekt zu sein, um zu einer Kirche gehören zu können. Das Ziel werde ich wohl niemals erreichen, so bleibt das wohl eine Geschichte zwischen mir und Gott."
Um nicht den Anschluss zu verlieren, bot Mom an, den Kirchenunterricht zu Hause zu machen. Nach kurzer Zeit hatten wir unsere eigene Version von Sonntagsschule. Mom war die Lehrerin oder besser Moderatorin und die "fantastischen vier Amanda, Josh, Gail und ich waren die Schüler. Wir hatten wirklich eine tolle Zeit sonntags. Ohne es zu wollen, hatte diese Kirchengeschichte uns viel enger zusammengebracht. Sogar Dad und Amandas Eltern machten manchmal mit.
Als es langsam kälter wurde, beschloss Mom, dass es für mich Zeit wurde, Strumpfhosen zu tragen. "Du wirst sie hassen", sagte sie, "ich wollte, es ginge anders, aber wenn du darauf bestehst, Röcke und Kleider zu tragen, müssen wir irgendwie dein Beine bedecken."
"Aber Mom, mir ist nicht kalt!" und es war wahr. Selbst an sehr frischen Morgenden hatte ich außer Unterwäsche nichts an unter dem Rock. Manchmal Kniestrümpfe aber meist nur Socken und es fühlte sich überhaupt nicht kalt an.
"Ich möchte nicht, dass du dich erkältest!" sagte sie bestimmt und gab mir ein paar Strumpfhosen. Diese waren viel dicker als die, die ich schon mal angehabt hatte und während ich hineinschlüpfte fiel mir auf, dass sie den langen Unterhosen, die ich als Junge getragen hatte, etwas ähnlich waren. Die Strumpfhosen waren nur viel bequemer und außerdem hatten sie Füße und ich würde nicht mehr ständig aufpassen müssen, dass die Socken auch ordentlich saßen.
"Ich mag sie!" verkündete ich, als ich sie hoch- und zurechtgezogen hatte. "Ich würde mir nur wünschen, sie wären nicht so dick. Ich glaube, diese sind zu warm."
"Du magst sie?!?" rief Mom überrascht. "Ich hätte gedacht, du hasst sie. Die meisten Mädchen weigern sich, welche zu tragen."
"Ich mag sie!" wiederholte ich, "aber kannst du mir etwas dünnere besorgen? Diese sind zu dick!" Wieder einmal fanden wir einen Kompromiss. Mom ließ mich dünnere anziehen und ich liebte sie. Dafür hatte ich an richtig kalten oder stürmischen Tagen dicke anzuziehen und Mom legte fest, wann das war. Ich akzeptierte Moms Urteil ohne zu murren. Die meisten Mädchen liefen den ganzen Winter mit bloßen Beinen rum, hatten dafür aber auch häufig Erkältungen oder Husten. Was mir auffiel war, dass sich niemand über mich lustig machte. Ich war zwar so ziemlich das einzige Mädchen, dessen Beine immer bedeckt waren, aber irgendwie bewunderten mich alle, wie ich mit diesen "hässlichen Strumpfhosen" rumlaufen konnte, ohne mich zu beschweren. Hässliche Strumpfhosen?? Ich liebte sie!!
Wie ich schon erwähnt habe, lief es in der Schule nach dem größeren Zwischenfall am ersten Tag eigentlich reibungslos. Ich hatte zwar nicht so viele Freunde, aber die brauchte ich ja auch nicht. In der Schule hatte ich Josh und Gail und am Wochenende zusätzlich noch Amanda. Und es gab eine Handvoll Mädchen in meiner Klasse, mit denen ich mich etwas anfreundete, aber von den Jungen schien niemand Zeit für mich zu haben, aber das wunderte mich nicht wirklich. Aber da war ein Junge in meiner Klasse, Adam, von dem ich irgendwann den Eindruck bekam, dass er mich beobachtete. In der Klasse, im Speisesaal und sogar auf den Gängen. Es war nicht diese Art "šbeobachten nach einer Gelegenheit sich über mich lustig zu machen"˜. Auch nicht die Art, die Mädchen sich von Jungen wünschen. Es war mir nicht so richtig klar — er schien irgendwie jede meiner Bewegungen zu studieren. Eines Tages hatte Adam seine Chance und er ergriff sie. Josh war auf einem Ausflug und Gail hatte einen Zahnarzttermin, also saß ich beim Mittagessen alleine. Als ich mein Mittagessen und meine Milch auspackte, kam Adam vorbei und fragte, ob er sich zu mir setzen dürfe. "Klar!" sagte ich. Den ganzen Ärger von vor einigen Monaten war fast vergessen, außerdem würde er sich hier in der Cafeteria nichts trauen.
Wir saßen da und fingen zu essen an und sprachen kaum. Adam war offensichtlich nervös. Er sprach über Gail und wie hübsch sie wäre und das wir drei wohl gute Freunde sein mussten, weil wir ständig zusammen waren. Wir sprachen über den Mathe Unterricht und seine Schwierigkeiten mit der Multiplikation. "Wenn du magst, helfe ich dir nach der Schule" bot ich an.
"Wirklich?" freute er sich, "ginge das auch heute? Du könntest mit zu mir nach Hause kommen. Meine Mom wird da sein, aber sie wird uns nicht stören!"
"Ich denke schon, ich muss nur meine Mom anrufen und sagen, wo ich bin!"
Adam schien noch nervöser zu werden und als wir mit dem Essen fertig waren, gingen wir wieder zum Unterricht. Als der Unterricht dann zu Ende war, rannte Adam hinter mir her wie ein kleiner Hund. Ich dachte schon, nun "¦ dass er vielleicht 'auf mich stand' "¦ Mann-o-mann — was lag ich falsch!
Wir brauchten etwa eine halbe Stunde, um zu ihm nach Hause zu laufen. Dann bestand seine Mutter darauf, dass wir eine kleine Pause mit Keksen und Milch machten. Ich rief Mom an und sie versprach, mich abzuholen, wenn wir fertig wären. Schließlich führte Adam mich hoch in sein Zimmer.
Ich war nicht vorbereitet auf den Anblick von Adams Zimmer. Er sah eigentlich aus wie ein typisches Jungenzimmer — bis auf die Tatsache, dass es total aufgeräumt und pingelig sauber war. Das Bett war gemacht, es lagen keine Klamotten rum und sein Schreibtisch war aufgeräumt. "Da hast du aber Glück!" sagte ich, "räumt deine Mom dein Zimmer immer so auf wie heute?" "Tut sie nicht — ich räume immer auf, bevor ich in die Schule gehe. Ich hasse Unordnung".
Spätestens hier hätte ich eine Ahnung haben sollen, worum es eigentlich ging, aber schließlich war ich erst achteinhalb. Also machten wir uns an die Multiplikation und innerhalb kürzester Zeit kriegte Adam das wirklich perfekt hin. "Du solltest Lehrer werden, wenn du mal groß bist", sagte er zu mir, "du kannst wirklich besser erklären als Frau Anthony". "Danke", antwortete ich, "aber du warst auch viel besser, als ich befürchtet habe".
"Ja"¦", druckste er rum, "Christine "¦ darf ich dich was fragen?"
"Klar!"
"Wie ist das? Ich meine, ein Mädchen zu sein?"
"Weiß nicht"¦ so ähnlich, wie ein Junge zu sein "¦ ich denke darüber nicht nach "¦ ich bin eben einfach so, wie ich bin "¦"
"Aber du warst mal ein Junge, nicht wahr?"
"Na ja — nicht ganz "¦ Ich dachte, ich wäre einer, aber "¦"
"Und, wie ist das? Zuerst ein Junge zu sein und dann ein Mädchen? Ist das ein großer Unterschied?"
Ich sah Adam an, vermutlich hatte ich ihn noch nie richtig angesehen. Zumindest nicht auf die analysierende Art wie jetzt. Für einen Achtjährigen sind alle einfach andere Leute, zumindest solange sie nicht enge Freunde sind. Bei mir war das jedenfalls so. Nun gut, ich "studierte" andere Mädchen, aber mich interessierte nur, was sie trugen, wie sie aussahen und ob sie mich anstarrten. Als ich jetzt diesen Jungen studierte, entdeckte ich Überraschendes, es war ein wenig wie in den Spiegel zu schauen.
Adam war ein kleiner Junge, sogar noch kleiner als ich. Er hatte ziemlich dunkle Haut, schwarze Haare und dunkelbraune Augen. Die Augen waren etwas ähnlich wie Joshs, ernst und durchdringend. Er trug sein Haar etwas länger, nicht ganz bis zur Schulter aber glatt und glänzend und sorgfältig gekämmt. Seine Kleidung war normal für einen achtjährigen Jungen, Jeans und T-Shirt, aber alles sauber und gepflegt. Sollte ich tatsächlich jemanden wie mich selbst gefunden haben? Ich betrachte seine Hände und mir fiel erst jetzt auf, wie lang seine Finger waren und wie lang und gepflegt seine Nägel.
"Weiß nicht, Adam, schwer zu erklären. Mein Doktor hat mir einiges zu lesen gegeben und mir erklärt, dass viele Jungen Probleme damit haben, dass sie Jungen sind. Einige entdecken irgendwann, dass sie schwul sind, andere ziehen gerne Mädchensachen an und wieder andere wollen Mädchen werden. Aber ich "¦"
"Du WARST einfach ein Mädchen, nicht wahr?" half er mir.
"Ja "¦ ich meine, als ich das erste Mal ein Kleid in der Öffentlichkeit anhatte, das fühlte sich an "¦ irgendwie "¦ habe ich mich zum ersten Mal im Leben wohlgefühlt."
"Wurdest du nicht gehänselt und so "¦?"
"Oh ja — ständig! Was da in der Schule alles passiert ist"¦"
"Hat dich das nicht verletzt?"
"Natürlich hat es das! Tut es immer noch, und ich kann nicht mit den anderen Mädchen zusammen duschen, weil ich ja noch die Jungenteile habe und mein Dad ist unglücklich, dass ich die ganze Zeit ein Mädchen bin "¦ das ist schon manchmal ganz schön hart "¦"
"Aber warum machst du das dann? Ich mein, warum ziehst du dich nicht wie ein Junge an und benimmst dich einfach wie ein Junge?"
"Weil ich KEIN JUNGE bin, Adam!"
"Aber, woher weißt du das? Ich meine, unter deinem Kleid siehst du aus wie ein Junge, oder?"
"Keine Ahnung woher, Adam — ich weiß es einfach! Aber warum fragst du all diese Fragen?"
Zu meiner großen Überraschung fing Adam zu weinen an. "Weil "¦ weil, jedes Mal, wenn ich dich angucke und mir vorstelle, dass du ein Junge warst, dann finde ich, wie viel Glück du gehabt hast. Ich habe mir immer versucht vorzustellen, wie es wäre, ein Mädchen zu sein. Und du bist immer so hübsch!"
"Hast du das deiner Mom und Dad erzählt?" fragte ich, weil das für mich das normalste von der Welt gewesen wäre. Moms und Dads waren doch schließlich genau dafür da!
"Bist du verrückt?" fragte Adam so heftig, dass ich Angst bekam. "Mein Dad hat uns verlassen, als ich noch ein Baby war und Mom würde mich umbringen — da bin ich sicher!"
"Dein Dad ist weg — aber warum?" Die Erkenntnis, dass viele Kinder bei nur einem Elternteil aufwuchsen war noch nicht zu mir durchgedrungen.
"Keine Ahnung — er ist halt abgehauen "¦"
Ich fühlte mich nicht ganz wohl mit der neuesten Richtung dieser Unter-haltung, aber ich hatte Glück und Adams Mutter rettete mich und ordnete eine Essenspause an. "Christine, würdest du gerne bleiben? Ich könnte deine Mutter anrufen — wir haben genug zu essen."
"Vielen Dank!" antwortete ich, "aber ich glaube, ich sollte nach Hause gehen."
"Bitte bleib!" bettelte Adam. Keine Ahnung warum, aber ich verspürte einen Drang, zu bleiben. Vermutlich war das meine Neugier, wohin Adam das Thema noch treiben würde, wenn er die Chance hätte.
Es war ein tolles Essen — vor allem, wenn man bedenkt, dass Adams Mom den ganzen Tag gearbeitet hatte. Adam hatte mir erzählt, dass er seiner Mom erklärt hatte, wer ich bin, was bedeutete, dass sie wusste, dass ich DAS Mädchen war, aber sie ließ sich überhaupt nichts anmerken. Sie war freundlich und nett und ihre einzige Bemerkung war, dass ich aber einen gewaltigen Appetit für so ein kleines und hübsches Mädchen hätte. Nach dem Essen halfen Adam und ich beim Spülen und Aufräumen und dann war es auch halb acht — die Zeit, wo Mom mich abholen wollte.
Mom und Frau Williams verstanden sich auf Anhieb prächtig. Während sie sich noch unterhielten, fragte Adam mich, ob ich am Samstag vorbeikommen wollte. "Wir könnten ein wenig spielen — ich habe ein neues Videospiel und ich wette, das gefällt dir. Nachmittags könnten wir ins Kino gehen."
"Weiß nicht "¦ ich frag normalerweise meine Kusine, bevor ich alleine was unternehme." Mom hatte das gehört und sagte: "Gail geht am Samstag mit ihrer Mutter shoppen. Ich denke, es wäre toll, wenn du den Samstag mit Adam verbringst — das heißt natürlich, wenn seine Mutter nichts dagegen hat"¦"
"Wir fänden das beide toll!" freute sich Frau Williams, "ich versuche ständig Adam anzutreiben, sich mehr um Freundschaften zu bemühen, aber das ist das erste Mal, dass er auf jemanden zugegangen ist."
"Das kenne ich — Christine ist genauso. Sie hat ihren kleinen und festen Freundeskreis und versucht überhaupt nicht, ihn größer zu machen. Ich bringe sie um neun rüber?"
So war ich verplant — ob es mir gefiel oder nicht. Ich hatte nicht wirklich etwas dagegen, aber einfach den Tag mit Josh zu verbringen wäre schon bequemer gewesen. Amanda würde wohl mit ihren neuen Freunden unterwegs sein. Die Truppe hatte Das Einkaufscenter für sich entdeckt und verbrachte jede freie Minute da — was auch immer sie da trieben.
"Das ist toll!" rief Josh, als ich ihn anrief und ihm die Neuigkeit ver-kündete. "Ein paar Jungen haben mich gefragt, ob ich bei einem Basket-ballturnier mitspielen könnte, aber ich wollte dich nicht alleine zu Hause sitzen lassen. Jetzt hast du ja auch was zu tun." Nun gut — keine Hilfe in Sicht. Ich wusste, dass Josh sehr gerne Sport machte und er wusste, dass ich das nicht mochte. Und ich wusste, dass er diverse Gelegenheiten, Basketball oder Fußball oder so zu spielen abgesagt hatte, weil er Zeit mit mir verbringen wollte. Ich konnte mich also wirklich nicht beschweren, trotzdem kam ich mir irgendwie vernachlässigt vor. "Toll!" sagte ich, "wir sehen uns morgen in der Schule!" Mom rief schon, dass es Zeit wäre, ins Bett zu gehen.
Der nächste Tag war ein Donnerstag. Als ich auf dem Weg zur Cafeteria war, tauchte plötzlich Adam auf und fragte fröhlich: "Was dagegen, wenn wir zusammen essen?"
"Ich bin einverstanden — aber Gail und Josh werden da sein."
"Toll, die wollte ich sowieso kennenlernen — wenn du nichts dagegen hast"¦"
Ich hatte absolut nichts dagegen. Josh und Adam verstanden sich auf Anhieb prächtig und bald waren wir vier dabei, uns angeregt zu unterhalten. Adam war ein nettes Kind und ich war froh, dass wir alle so gut miteinander auskamen. Als es klingelte und das Ende der Pause anzeigte, zog mich Gail zum Klo. "Der ist wirklich süß!" sagte sie begeistert, sobald wir allein waren.
"Ja, kann sein!" antwortete ich, während ich mein Geschäft erledigte.
"Du willst mir doch nicht wirklich erzählen, dass dir das nicht aufgefallen ist?" warf sie mir von der anderen Seite der Tür vor. "Wie hast du ihn überhaupt kennengelernt?"
"Er ist einfach ein Kind in meiner Klasse", verteidigte ich mich, "er hat mich gebeten, ihm mit Mathe zu helfen, und dabei haben wir uns angefreundet. Ich mag ihn — und Du?"
"Ohhh jaaa!" rief sie, als es klingelte.
"Du gehst jetzt besser zum Unterricht!" sagte ich, während ich fertig wurde, "wir sehen uns nach der Schule!"
Tatsächlich sah ich Gail nach der Schule, aber ich sprach nicht mit ihr. Adam hing schon an meinem Arm, als wir noch nicht einmal das Schulgebäude verlassen hatten. Als wir rauskamen, sah ich Gail und Josh da stehen und offensichtlich auf mich warten. Sie winkten und riefen "Bis später!" und gingen weg. Ich war verwirrt — ich hatte noch nicht begriffen, dass sie dachten, Adam und ich hätten was am Laufen. "Vielleicht kannst du mit mir nochmal für den Mathetest Morgen üben. Ich bin noch nicht sicher, dass ich ihn bestehe "¦" schlug Adam vor. Ich war noch total verwirrt, dass Gail und Josh so hastig verschwunden waren und sagte OK. Tatsächlich berauschte es mich ein wenig, Adam zu helfen. Er schien Mathe von mir sehr schnell zu lernen, während Frau Anthony vergeblich versuchte, irgendwas in seinen Kopf zu kriegen.
"Das ist eigentlich ganz einfach!" dozierte ich, sobald wir in seinem Zimmer waren, "multiplizieren ist wie addieren — nur dass du es mehrmals tun musst. Wenn du addieren kannst, kannst du auch multiplizieren."
"Vielleicht ist das das Problem — addieren kann ich auch nicht wirklich!"
"Da kann ich dir nicht helfen — du musst erstmal das Einmaleins des Addierens lernen. Ab da kann man sich den Rest herleiten."
"Und wie macht man das?" fragte er völlig verwirrt.
"Das ist einfach! Mein Dad hat mir beigebracht zu addieren wie Computer das tun. Die arbeiten nicht nach Tabellen und Regeln sondern sie wiederholen einfach das Addieren von Einsen und Nullen."
Ich nahm einen Stift von Adam und zeigte ihm, wie 10 plus 10 20 ergab und 100 plus 100 200 und so weiter. So zerlegst du Zahlen in Hunderter, Zehner und Ziffern, addierst die einzelnen Teile und dann setzt du alles wieder zusammen."
"Hört sich kompliziert an, ich denke, auf Papier rechnen ist schneller!"
"Ich wette, ich schlage dich beim Addieren von 2 dreistelligen Zahlen!" schlug ich vor, "schreibe 2 Zahlen auf das Papier und die addieren wir dann — mal gucken, wer zuerst fertig ist!"
Adam nahm den Stift und schrieb 361. Dann wollte er die nächste Zahl darunter schreiben, aber ich stoppte ihn: "Nicht da drunter" Auf die andere Seite des Papiers."
"Ich kann die nicht addieren, wenn sie nicht in der Nähe stehen", beschwerte er sich, "Das kann niemand!"
"OK, " seufzte ich, "schreibe die andere Zahl auf die andere Seite und ich mache das. Und schreibe dieselben Zahlen oben auf eine Seite." Adam schrieb als zweite Zahl 556. Während er die beiden Zahlen auf ein anderes Blatt kopierte, schrieb ich das Ergebnis: 917.
"Wie hast du das gemacht?" fragte er verwundert.
"Wie ich gesagt habe — ich habe 300 und 500 zusammengezählt und 800 raus-gekriegt. Dann 60 und 50 und das ist 110. Davon habe ich 100 abgezogen und zu den 800 hinzugefügt — macht 900. Und dann noch 1 plus 6 gibt 7. Also neunmal Hundert, einmal 10 und 7 mal 1 sind 917."
"Wow!" rief er, "funktioniert das immer?"
"Klar, aber wenn die Zahlen größer werden, muss man sich schon mal Notizen machen. Wenn du nicht weißt, dass 7 plus 5 12 ergibt, hast du ein Problem. Du kannst deine Finger benutzen wie Frau Anthony uns beigebracht hat, aber mein Dad hat mir geholfen, mir die Tabellen zu merken. So bin ich viel schneller und kann auch mit Fausthandschuhen noch rechnen."
Wir rechneten ein paar Additionen, dann erklärte ich ihm, wie man multi-plizierte durch wiederholte Additionen. Ich merkte, wie seine Augen anfingen zu leuchten. "Hey, das ist einfach! Mom, guck mal was ich kann!"
"Du bist wirklich ein guter Lehrer, Christine!" lobte Frau Williams, "ich habe Adam sich noch nie auf einen Mathetest freuen gesehen. Er behauptet, er wird eine Eins kriegen!"
"Das hoffe ich auch, Frau Williams, " sagte ich schüchtern, "eigentlich habe ich nichts weiter gemacht, als ihm zu zeigen, wie mein Dad mir das beigebracht hat."
"Ich wünschte, mein Dad wäre hier!" sagte Adam nachdenklich.
"Das wünschte ich auch, Liebes!" Fügte seine Mom hinzu, "aber vermutlich hat der wichtigeres zu tun!"
"Ich hasse ihn!" rief Adam heftig.
"Du kannst ihn nicht hassen". Rügte ihn seine Mutter, "du kennst ihn ja nicht einmal."
"Stimmt, er ist nicht mal lange genug geblieben, dass ich ihn kennenlernen konnte. Deswegen hasse ich ihn!"
"Wir sprechen heute Abend darüber — Jetzt ist es Abendessenszeit und danach bringe ich dich nach Hause, Christine."
"Oh vielen Dank, aber Mom hat gesagt, sie würde mich um 7 abholen."
Adam und du, ihr vertragt euch wohl prima!" sagte Mom, als wir nach Hause fuhren.
"Er ist nett!" antwortete ich, "und er tut mir leid. Ich habe ihm dieses und jenes erklärt, wie Dad es mir gezeigt hat und das hat ihn richtig traurig gemacht. Ich glaube, mir ist bisher noch nie so richtig aufgefallen, wie viel Dad und du für mich tut."
"Ach du Engel, wir lieben dich eben!"
"Meinst du Dad auch? Obwohl ich nicht mehr Christoph bin?"
"Natürlich liebt er dich immer noch — du wirst sehen, eines Tages ist das Thema keines mehr."
"Glaube ich nicht, Mom! Ich weiß, dass Dad mich liebt, aber ich werde für immer das Mädchen sein, das mal ein Junge war. Sogar Adam "¦ er fragt mich, wie das so ist."
"Verletzt dich das, Liebes?"
"Natürlich verletzt mich das, Mom! Ich hasse es, eine Missgeburt zu sein. Aber das ist wohl mein Schicksal"¦"
Der Freitagmorgen begann mit dem Mathetest. Macht euch keine Sorgen, wenn ihr mit dem Test nicht fertig werdet. Das ist eine Aufgabe, mit der ihr vermutlich nicht fertig werdet." Sagte Frau Anthony, "ich will einfach sehen, wie weit jeder von euch ist. Gebt euer bestes und ich korrigiere die, während ihr bei der Gymnastik seid!" Sie verteilte die Aufgaben und wir machten uns an die Arbeit.
"Und? Wie war"™s?" fragte ich Adam auf dem Weg zum Mittagessen. Ich hätte eigentlich nicht fragen müssen — so wie er strahlte.
"Ich habe eine "eins"", sagte er, "das war so cool — Frau Anthony dachte, ich hätte betrogen, weil ich noch nie eine "eins" in Mathe hatte. Und ich habe auch nicht wie üblich rumgekritzelt."
"Du hättest betrogen? Und was hast du gesagt?"
"Ich habe ihr erklärt, dass du es mir gestern beigebracht hast. Daraufhin murmelte sie: "Das ist eine Erklärung!" Dann hat sie mir eine "Eins" gegeben. Ich glaube, sie weiß, wie toll du bist, Christine!"
"So toll bin ich nun auch wieder nicht — ich habe einfach einen tollen Dad "¦" Dann fiel mir ein, dass ich sowas nicht mehr sagen wollte, aber jetzt gerade konnte noch nicht einmal das Adams Stimmung trüben.
Als wir dann zum Essen am Tisch saßen, fehlte Josh. "Er sitzt mit ein paar Freunden dort drüben" erklärte Gail.
"Warum?" fragte ich.
"Weiß nicht "¦ vielleicht kommt er sich ein wenig vernachlässigt vor. Ich meine, du hast in letzter Zeit ziemlich viel Zeit mit Adam verbracht."
"Das ist doch verrückt!" rief ich, "kann ich nicht zwei Freunde haben?"
"Christine", erklärte mir Gail ganz leise, "Ich denke, es ist an der Zeit, dass du merkst, dass Josh nicht nur "ein Freund" sein möchte. Er denkt, dass du langsam sehr eng mit Adam wirst und Adam in deinem Alter ist und Josh sieht auch, dass Adam wirklich süß ist "¦"
"Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich auf der Leitung gestanden. Alle, sogar unsere Eltern, dachten, dass Josh und ich ein Paar wären — nur ich nicht. Klar liebte ich Josh — und er mich -, aber ich liebte auch meine Eltern und Gail und Johnny. Für mich mit meinen 8 Jahren war das alles. Wie auch immer, ich musste das mit Josh wieder hinkriegen. Adam erzählte derweil Gail glücklich von seinem Mathetest. Also schlang ich mein Essen schnell runter und ging rüber zu dem Tisch, an dem Josh mit seinen Freunden saß.
"Guck jetzt nicht" hörte ich einen von den Jungs sagen, "dein kleiner transsexueller Freund kommt gerade rüber "¦" "Ihr Name ist Christine!" blaffte ihn Josh an. Eigentlich wollte ich die Bemerkung übergehen, aber Josh machte allen klar, dass er mit solchen Sprüchen nichts zu tun haben wollte — egal ob mir ins Gesicht oder hinter meinem Rücken.
"Ich habe gehört, was du gesagt hast — Danke!" sagte ich, als wir draußen und alleine waren.
"Schon OK — Niemand darf sowas über dich sagen, wenn ich dabei bin. Was wolltest du eigentlich, Christine?"
"Weiß nicht "¦ Josh "¦ nun, vielleicht müssen wir über Adam reden?"
"Sieht so aus, als wäre er ein nettes Kerl. Ich glaube, du magst ihn sehr, oder?" Es waren nicht seine Worte — es war die Stimme, mit der er sie sagte, die klarmachte, dass sie ihm sehr schwer fielen.
"Josh, er ist ein Freund. Er brauchte Hilfe mit Mathe und ich habe ihm geholfen. Dabei haben wir uns angefreundet. Josh, meine und deine Eltern predigen mir ständig, ich bräuchte mehr Freunde."
Josh guckte mich mit einem sehr merkwürdigen Blick an und sah dabei aus, als würde er gleich anfangen zu weinen. Was um alles in der Welt war "¦ "ich habe mit meinem Dad gestern Abend über dich gesprochen "¦" sagte er nach langer Pause.
"Dein Dad? Über mich?"
"Christine, es ist OK. Dad hat mir erklärt, dass du fast drei Jahre jünger bist als ich und dass ich nicht erwarten kann, dass du "¦ bei "¦ mir bleibst. Drei Jahre ist einfach viel, wenn man erst acht ist. Er sagte, wenn du jemanden in deinem Alter gefunden hast, solle ich mich für dich freuen. Er sagte, ich solle auch versuchen, jemanden in meinem Alter zu finden."
"Jemanden finden?" fragte ich verwirrt, "wofür jemanden finden? Will dein Vater nicht, dass wir befreundet sind, nur weil du älter bist?"
"Natürlich können wir Freunde sein! Ich dachte nur "¦ ich meine, ich "¦ ich würde gerne "¦ den Leuten sagen, dass du meine Freundin bist "¦"
Ich war gelinde gesagt völlig fassungslos. "Du hast allen was erzählt?" stammelte ich.
"Tut mir leid, Christine — ich dachte, du wüsstest das. Und ich dachte, du würdest genauso fühlen "¦"
"Wirklich?"
"Nun ja "¦ ich weiß, du bist noch sehr jung, aber ich dachte "¦"
"Ich?"
"Christine, du weißt, dass ich dich liebe!"
"Deine richtige Freundin?"
"Ich wollte dich nicht verletzen, Christine "¦ ich dachte nur "¦"
"Ich bin erst acht! Und ich bin "¦ ehh "¦ weißt du "¦ also"¦"
"Du bist so toll! Und wenn schon - erst acht! Wenn ich 23 bin bist du 20! Aber Dad sagt, ich solle nicht versuchen, dich zu halten, wenn du lieber "¦"
Da war es schon wieder! Dieses elektrische Gefühl, dass ich das erste Mal hatte, als ich in Gails Sommerkleid schlüpfte. Dieses Gefühl von "¦ "šdas ist soo richtig"˜ und von angekommen bei der Bestimmung.
"Ich möchte deine richtige Freundin sein! Ich möchte allen sagen, dass du mein Schatz bist! Aber "¦ ich meine "¦ was ist wenn wir älter werden? Ich weiß noch gar nicht, ob Dad mir jemals diese Operation erlaubt. Vielleicht bin ich für immer ein "¦"
"Das ist egal!" sagte Josh, "damit komme ich klar!"
"Aber Josh", sagte ich nach einigem Zögern, "ich weiß noch nicht mal, was Freundin eigentlich bedeutet. Was wird denn jetzt anders?"
"Keine Ahnung, ich nehme an, wir verbringen Zeit miteinander und gehen Tanzen und so was "¦"
"Aber das machen wir doch schon "¦ verstehe ich nicht "¦"
"Da ist noch etwas "¦" sagte er zunehmend nervös, und er wurde richtig rot. Er war so süß, aber irgendwas sagte mir, dass es nicht die passende Gelegenheit zum Kichern war. "Manchmal" er murmelte so leise, dass ich ihn kaum verstand, "also, ich meine "¦ manchmal umarmen Jungen ihre Freundin und sie "¦ küssen!"
Diese elektrische Gefühl von Gänsehaut wieder! Dieses Mal gemischt mit etwas Panik. "Du willst mich küssen?" "Wenn du willst?" "Jetzt?"
"Nein!" und er ließ meine Hand fallen, als wenn sie plötzlich zu heiß ge-worden wäre. "Vielleicht heute Abend!"
"Aber ich dachte, du hättest ein Turnier morgen. Musst du da nicht heute Abend trainieren?"
"Wollte ich eigentlich, aber das hier ist wichtiger! Heute Abend gibts einen Tanzabend in der Mittelstufe und ich sollte da hin. Ich würde mich freuen, wenn du mitkämst. Und vielleicht "¦"
"OK", sagte ich freudig, "aber was ist mit Adam. Er hat nicht viele Freunde und er hofft, dass ich ihm weiter helfe mit der Schule."
"Das ist OK", sagte Josh großmütig. "Aber du musst ihm sagen, dass du jetzt einen festen Freund hast und dass du mit ihm heute Abend ausgehst!"
Wow, das war ein kleiner Preis — alle Mädchen an der Schule fanden Josh Reynolds einen "šTraum"˜ und jetzt war er mein fester Freund! Meiner! Und alles, was ich dafür tun musste, war Zeit mit ihm zu verbringen — und tanzen — und ihn manchmal küssen! Und Adam sagen, dass ich vergeben bin! War eigentlich nichts dabei, mit dem ich nicht klar käme!
Später ging ich — nein: schwebte ich zurück zum Unterricht. Acht Jahre alt (nun gut - beinahe neun ), noch nicht mal ein richtiges Mädchen und schon einen richtigen Freund! Und mein Freund war der coolste Junge der ganzen 6.Klasse!