Svetlana L hat geschrieben: Do 13. Apr 2017, 17:37
Julia93 hat geschrieben: Mi 12. Apr 2017, 14:31Wer biologisch als Mann geboren wurde, aber sich ernsthaft als Frau identifiziert und wo man auch merkt, dass der Wille dahinter steckt, diese Person identifiziere ich schon automatisch als Frau.
Wer biologisch als Frau geboren wurde, aber sich als Mann identifiziert (copy-paste Definition aus der zweiten Zeile), die Person identifiziere ich ebenfalls als Mann.
Das finde ich beim ersten Lesen irgendwie problematisch. Da ist also jemand, der männlich (oder weiblich) geboren ist, sich aber weiblich (oder männlich) identifiziert - so weit so gut. Woran merkst du denn jetzt, dass der Wille - wofür auch immer - dahintersteckt und das auch noch ernsthaft? In meinen Augen heißt das, dass nicht das zählt, wie sich diese Person selbst identifiziert, sondern nur das, was du ihm_ihr zuschreibst. Sollten wir darüber nicht schon längst hinaus sein? Vielleicht habe ich es aber auch nur falsch interpretiert; lasse mich aber gern aufklären
Ich sag es mal so: Keiner sieht mir an, dass ich mich als Frau fühle, wenn ich im öffentlichen Leben unterwegs bin, da ich die meiste Zeit als Mann outdoor gehe. Nur mal angenommen ich würde jetzt darauf bestehen als 'Frau' angesprochen zu werden, während ich vor dir mit nem Drei-Tage-Bart, Männerklamotten und ungeschminkt vor dir stehe - würde doch niemand tun!
Umgekehrt dagegen würde ich einen Mann, der als Frau gekleidet durch die Stadt geht und wo ich merke, dass er das nicht tut, weil er ne Wette verloren hat oder zum Karneval geht, natürlich auch als Frau betrachten und so behandeln. Weil man merkt durchaus wenn jemand es ernst mit der Sache meint und wenn jemand es einfach nur aus Spaß oder andersweitigen Gründen macht, die nix mit Transgender oder dem Wunsch das andere Geschlecht zu sein zu tun haben.
Muss aber auch dazu sagen, dass das in der Gesellschaft auch weniger auffällt, weil ich die Leute generell Sieze, oder, falls ich sie kenne, duze - und da verfällt man sowieso ins Geschlechtsneutrale, wenn man sie direkt anspricht.
Und da du meinst, dass wir in der Gesellschaft darüber hinaus sind, was wir einer Person zuschreiben: Nein, sind wir nicht und das werden wir auch nie.
Bestes Beispiel ist dafür das Berufsleben im Bezug auf Bewerbungen und Bewerbungsfotos. Da zählt generell auch nur der beste Eindruck, unabhängig vom Geschlecht.
Als Firmenchef bewertest du da dann doch auch automatisch Leute aufgrund ihres Aussehens ohne sie wirklich zu kennen außer aufgrund ihres Lebenslaufs und dem, was sie im Bewerbungsgespräch erzählen um sich zu vermarkten.
Und das ist auch im realen Leben so: Menschen neigen nun mal dazu andere Menschen aufgrund ihres Aussehens zu bewerten.
Das gilt für mich, das gilt für dich, das gilt für uns alle.
Und das wird auch niemand ändern, weil es auch schon immer so war und mit großer Wahrscheinlichkeit so bleiben wird.
Insofern, machen wir uns nix vor: Selbst wenn die Toleranz in der Bevölkerung gegenüber Crossdressern & Transgendern zunimmt, wird man Personen immer nach optischen Maßstäben betrachten.
Und vermutlich ist dann eher das Problem sich klar zu machen, dass es im Grunde genommen scheiß egal ist, was dein Gegenüber von dir denkt, wenn du im Kleid und komplett geschminkt über die Straße gehst.
Je besser und natürlicher man es angeht, umso unwahrscheinlicher ist es auch, dass man automatisch für das biologische Geschlecht gehalten wird.
Alles andere... ergibt sich halt.
Wir sind alle auch nur Menschen und haben unsere Vorbehalte gegen unsere Mitmenschen, wieso sollte es umgekehrt anders sein?
In der Realität ist es leider nicht anders: Ich hab schon von genug Fällen gehört, wo Transleute über andere Transleute regelrecht hergezogen sind auf Internetplattformen oder sonst wo,
es gibt genug Fälle, wo innerhalb der LGBT-Community Leute ständig aneinander geraten, weil sie über ihre Mitmenschen trotz der gleichen/ähnlichen Problematik herziehen,
es gibt genug Transleute, die anderen Leuten vorwerfen, dass sie nur gegen ihre Meinung sind, nur weil er/sie trans ist...
Sowohl in der Gesellschaft als auch unter uns gibt es leider viel zu viele Leute, die Toleranz fordern, aber Toleranz nicht leben können.
Und das finde ich traurig, besonders dann, wenn man eigentlich denkt, dass man mit besagten Leuten auf derselben Seite steht.
Wenn ich so was schreibe, dann mein ich das auch ernst.
Aber nicht, weil ich eine(r) von denen bin, sondern weil ich die Welt unvoreingenommen zu betrachten suche.
Aber weiß, dass die Welt nicht dasselbe mit mir und anderen macht.
Und es wohl leider auch nie machen wird.