Seite 2 von 4
Re: Selbstbestimmung durch Selbstmedikation
Verfasst: Di 7. Mär 2017, 14:25
von Anja
Hallo Joe,
Joe95 hat geschrieben:
Sollte ich die Möglichkeit einer Hormontherapie haben würde ich damit auch lieber Gestern als Heute beginnen.
Mal so als Zwischenruf: Was hält dich ab? Die Möglichkeit einer HRT gibt es ja...
Grüße
die Anja
Re: Selbstbestimmung durch Selbstmedikation
Verfasst: Di 7. Mär 2017, 14:37
von Joe95
Anja hat geschrieben: Di 7. Mär 2017, 14:25
Hallo Joe,...
Mal so als Zwischenruf: Was hält dich ab? Die Möglichkeit einer HRT gibt es ja...
Grüße
die Anja
Ganz ehrlich, ich war bisher der Überzeugung da wäre eine Diagnose (zumindest in richtung)- Transsexualität von nöten, ähnlich wie Denise es beschreibt.
CDenise hat geschrieben: Di 7. Mär 2017, 11:46...
Ich möchte einfach das Recht haben zum Arzt zu gehen und nach einem klärenden, meinetwegen mahnenden Gespräch, Check etc. mit einem Plan für das weitere Vorgehen (Bluttests, Endokrinologe, Urologe) und dem Gefühl einer guten Betreuung die Praxis wieder verlassen.
Selbst wenn ich die Kosten selbst tragen würde, scheint es nicht so einfach zu sein....
Wobei ich der Meinung bin dass es sich um Geschlechtsangleichende Maßnahmen handelt, aber das ist dann noch ein anderes Thema...
Re: Selbstbestimmung durch Selbstmedikation
Verfasst: Di 7. Mär 2017, 14:53
von Anja
Hallo Joe,
Joe95 hat geschrieben:Ganz ehrlich, ich war bisher der Überzeugung da wäre eine Diagnose (zumindest in richtung)- Transsexualität von nöten, ähnlich wie Denise es beschreibt.
Das stimmt, man benötigt eine Indikation für die HRT vom Psychologen. Wenn du unter deinem Körper, so wie er jetzt ist, leidest, wäre der offizielle Weg doch kein Problem. Schließlich dient die HRT dazu, Leidensdruck zu verringern.
Die Medikamente kann übrigens jeder Arzt verschreiben, sofern er gewillt ist. Ich habe mit der HRT über meinen Hausarzt angefangen, noch bevor ich die Indikation hatte. Natürlich macht sowas nicht jeder Arzt mit, aber ich habe ein langes Gespräch mit meinem Hausarzt geführt und die Medikamente selbst bezahlt (Privatrezept). Ist nicht der offizielle Weg, aber ich konnte und wollte nicht auf die Indikation warten...
Grüße
die Anja
Re: Selbstbestimmung durch Selbstmedikation
Verfasst: Di 7. Mär 2017, 15:04
von Joe95
Danke, Anja...
Aber ich glaube der Haken bei der Sache ist immer noch die Diagnose.
Wäre ich Transsexuell wie du und andere hier würde das wohl kein Problem.
Aber ich bin ja keine Frau...
Ich denke das ist auch der Grund warum Denise dieses Thema hier überhaupt begonnen hat.
Re: Selbstbestimmung durch Selbstmedikation
Verfasst: Di 7. Mär 2017, 15:16
von Anja
Hallo Joe,
wenn man es wirklich will, kommt man auch an die Medikamente. Wie gesagt. Das kann jeder Arzt verschreiben.
Man muss sich dann aber im Klaren sein, das in einem Notfall z.B. man sich dann Fragen der Krankenkasse gefallen lassen muss. Oder eventuelle Kostenübernahmen (z.B. bei Leberschäden) abgelehnt werden, da die durch unkontrollierte Einnahme von Medikamenten aufgetreten sind, für die man keine Indikation hatte.
Ich bin den Weg über den Hausarzt gegangen, weil ich
1. die Dosis der Medikamente durch diverse Gespräche im Freundeskreis recht gut selbst abschätzen konnte. Und ich habe dabei auf meinen Bauch gehört, wieviel wovon mir gut tut. Somit machte ich mir keine allzu großen Sorgen, das keine Überwachung erfolgte.
und
2. war von Anfang an klar, das ich nur die Lücke bis zur Indikation schließen wollte.
Ob man die Risiken eingehen will, muss jeder für sich entscheiden.
Grüße
die Anja
Re: Selbstbestimmung durch Selbstmedikation
Verfasst: Di 7. Mär 2017, 15:47
von Joe95
Das sind Widersprüche, die mir Probleme bereiten.
Einerseits darf es jeder Arzt verschreiben, andererseits gilt es als unkontrolliert weil die Indikation fehlt.
Eigentlich hat die Therapie doch genau die gleichen Ursachen im gleichen Rahmen mit dem gleichen Ziel wie bei einer TS.
Das einzige was wirklich fehlt ist eine Bezeichnung für das Geschlecht.
Hieße es z.B. "Transsexuell, Mann zu Männin" anstatt "Transsexuell, Mann zu Frau" wäre eine Indikation schnell gefunden, da sie ja in etwa der kleinen Lösung entspricht.
Re: Selbstbestimmung durch Selbstmedikation
Verfasst: Di 7. Mär 2017, 16:03
von Anja
Hallo Joe,
begründen tut es dann ja der Psychologe. Ich kenne mich nicht mit allen Details aus. Ich weiß nicht, ob eine F64.0 für die Hormonindikation vorliegen muss. Wie vorhin gesagt, es dient ja der Reduzierung von Leidensdruck. Und vielleicht könnte ein Psychologe das ein deinem Fall auch entsprechend anders begründen als z.B. in meinem Fall.
Da fehlen sicherlich noch Erfahrungswerte. Aber wenn du dich nach einem weiblicherem Körper sehnst, wäre es doch einen Versuch (oder auch zwei) durchaus wert?
Es muss ja nicht unkontrolliert sein. Du kannst ja auch dem Arzt, der es verschreibt, um eine Laboranlayse deines Blutes bitten... Die Kosten hierfür halten sich auch in Grenzen.
Auch sollte die Thromboseneigung überprüft werden.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Ob man den gehen möchte, muss jede(r) für sich selbst entscheiden...
Grüße
die Anja
Re: Selbstbestimmung durch Selbstmedikation
Verfasst: Di 7. Mär 2017, 16:07
von Britt
Hallo Joe,
man braucht keine Indikation vom Psychologen für die HRT! Ich hatte auch nie eine. Meine HRT ist auch nicht unkontrolliert. Den Nachweis einer Psychotherapie benötigst du nur für die Kostenübernahme der Krankenkasse bei den operativen Eingriffen.
Grüße,
Britt
Re: Selbstbestimmung durch Selbstmedikation
Verfasst: Di 7. Mär 2017, 16:35
von Anja
Britt hat geschrieben:man braucht keine Indikation vom Psychologen für die HRT!
Britt hat geschrieben:Den Nachweis einer Psychotherapie benötigst du nur für die Kostenübernahme der Krankenkasse bei den operativen Eingriffen.
Das sind doch zwei verschiedene Paar Schuhe!
Grüße
die Anja
Re: Selbstbestimmung durch Selbstmedikation
Verfasst: Di 7. Mär 2017, 16:56
von Britt
Anja hat geschrieben: Di 7. Mär 2017, 16:35
Britt hat geschrieben:man braucht keine Indikation vom Psychologen für die HRT!
Britt hat geschrieben:Den Nachweis einer Psychotherapie benötigst du nur für die Kostenübernahme der Krankenkasse bei den operativen Eingriffen.
Das sind doch zwei verschiedene Paar Schuhe!
Grüße
die Anja
Das meine ich doch auch. Für die Hormone wird keine Indikation gefordert, obwohl viele Ärzte es verlangen. Der Psychologe von dem du schreibst wird die HRT nicht benötigt.
Britt
Re: Selbstbestimmung durch Selbstmedikation
Verfasst: Di 7. Mär 2017, 23:06
von stiefelchen60
Ich glaube, dass viele Endokrinologen sich durch eine Diagnose absichern wollen. Kurzer Verlauf:
Mein Besuch beim Psychiater dauerte etwa eine dreiviertel Stunde. Auf seine Frage, was er für mich tun könne, antwortete ich:"Ich möchte vom Fachmann eine Bestätigung, dass ich transsexuell bin". Seine Gegenfrage:"Wielange leben sie schon so?" meine Antwort: "Schon seit Jahrzehnten". Darauf er: "Da brauchen sie doch keine Bestätigung mehr!" So bekam ich schriftlich (natürlich mit Rechnung) meine Diagnose.
Mit meinem schriftlichen Outing und der Diagnose-Bestätigung bat ich einen Endokrinologen in Nürnberg, der auch andere Transsexuelle betreut, um ein Informationsgespräch. Dabei wurde auch der Satz geäußert: Er habe ja die Absicherung (= Diagnose des Psychiaters) als ich zusicherte, dass ich die Hormonersatztherapie anstrebe.
Beim Besuch einer Selbsthilfegruppe,zu der es mich kein zweites Mal hinzog, lernte ich eine TS kennen, die behauptete, ihr Endo hätte sie so mit Hormonen vollgepummpt, dass sie das Gefühl habe, schwanger zu sein (wörtliche Aussage).
Bei meinem Endo habe ich das Gefühl, dass er alles tun möchte aber mit der Vorsicht, Risiken so weit wie möglich auszuklammern.
Alwina
Re: Selbstbestimmung durch Selbstmedikation
Verfasst: Di 7. Mär 2017, 23:45
von Anne-Mette
Moin,
natürlich gibt es auch solche Begebenheiten; ich habe aber auch von ganz anderen gehört - und selbst erlebt.
Da war die Rede von "Monaten und mehreren Sitzungen/Gesprächen", bis es losgehen sollte mit den Hormonen.
Einige BehandlerInnen spielen ihre Macht aus, manche lassen ihre Patienten sogar "am langen Arm verhungern".
Da es viel zu wenige Psychologen gibt, halten viele Partienten sich an dem Strohhalm fest, den sie haben; denn bis sie einen neuen Psychologen gefunden haben...
Das ist entwürdigend.
Gruß
Anne-Mette
Re: Selbstbestimmung durch Selbstmedikation
Verfasst: Di 7. Mär 2017, 23:47
von Nora_7
An dieser Stelle sollte man auch mal daran denken, wie ein Gesundheitswesen funktioniert. Alle zugelassenen Therapien beruhen auf Dignosen und belegbarem Nutzen von Therapien. "Ein bisschen weiblich" ist da sicher nicht enthalten. Denn es fehlen klinische Erfahrungen (=Studien), und kein Arzt sollte ich auf Derartiges einlassen. Und bei Komplikationen werden die Krankenkassen sicher hinterfragen, warum die Solidargemeinschaft die Konsequenzen derartigen Verhaltens tragen soll.
Nora_7
NB: Ich bin selbst auch im Gesundheitswesen tätig und befasse mich mit innovativen Gesundheitsformen und deren Vertragsgestaltungen
Re: Selbstbestimmung durch Selbstmedikation
Verfasst: Mi 8. Mär 2017, 06:55
von Michelle_Engelhardt
Ich habe es ja schon in meiner Geschichte erzählt. Mit 42 Jahren habe ich erst mein weibliches Ich entdeckt bzw. angenommen. Relativ spät eigentlich. Dementsprechend dauerte es 13 Monate, bis ich von meiner Psychologin die Indikation für die HRT und somit die Diagnose F64.0 bekam. Sie wollte da absolut auf Nummer Sicher gehen, denn auch Ärzte bzw. Psychologen können für Medikationen haftbar gemacht werden, wenn ich richtig informiert bin. Das sie sich da möglichst absichern wollen, ist irgendwo verständlich.
LG
Michelle
Re: Selbstbestimmung durch Selbstmedikation
Verfasst: Mi 8. Mär 2017, 07:45
von Nina_68
Hallo,
Ich habe keine Ahnung von Hormonen und kann Dir nur google empfehlen.
Ich fände es gut, wenn hier sinnvolle Medikationen und Beschaffungswege ohne einen Arzt aufgezeigt würden. Irgendwas im Web zu bestellen ist doch auch nicht ok, oder?
LG
Nina