Viggy hat geschrieben: Do 9. Feb 2017, 17:44
Ich war mal in einer Selbstverteidigungskurs und mir wurde da das gleich erzählt wie hier auch schon gesagt wurde.
Auch meine Freundinnen die so ein kurz hatten haben das gleiche gelernt.
Reine Geld verbrennung meiner meinung nach. Wenn man wirklich sich verteidigungen will sollte man Kampfsport machen und bereit sein auch dieses Wissen zu nutzen.
So sehe ich das auch.
Ich mache Kampfkunst seit über 15 Jahren (mit 3 Jahren Pause) in einer KungFu Schule in München, natürlich altersbedingt im Rahmen meiner Möglichkeiten. Unser Meister vertritt die Meinung: Wer kämpft, verliert. Soll heißen Kämpfen nur wenn unvermeidbar. Nur so nebenbei.
Was ich aber sagen will, ich glaube nicht, dass man bei einem Selbstverteidigungskurs wirklich lernt, sich effektiv zu verteidigen. Was in der Turnhalle in Ruhe ausgeführt funktioniert, sieht in der Realität unter Panik ganz anders aus, da ist alles wieder vergessen. Dann lieber doch nicht drauf bauen und gleich weglaufen, wenn noch möglich.
Es dauert Jahre mit ständigen Wiederholungen, bis man erstens überhaupt schnelle Reflexe und zweitens intuitiv die richtige Abwehr zur jeweiligen Angriffsituation parat hat. Also spart euch das Geld für solche Kurse, besucht lieber regelmäßig Kampfkunst/sport-Schulen.
Das ist genau, wie ich auch schon erwähnt habe: Man bekommt fast überall ein Spektrum von Techniken und körperlicher Ertüchtigung, was dafür verwendet werden KANN. Ob, oder welche Teile davon in Praxis eine Chance haben zu funktionieren, muss man aber in möglichst realitätsnahen Szenarien herausexperimentieren.
Lassen wir erst mal Kampf-SPORT außen vor. Es gibt Leute, die darin gut sind und sich dafür interessieren. Ich gehöre nicht dazu. Für mich ging es immer um realen Kampf. Basta, finito - nichts Anderes.
Der Anfang von meiner Ausbildung darin bekam ich bei einer Behörde (unwichtig welche) - 25 Angriffswinkeln, 25 Verteidigungen und Gegenangriffe. Überwiegend Jiu-Jitsu-basiert. Einige dieser lagen mir gar nicht und würden für MICH niemals im realen Leben funktionieren.
Von da kam ich zu Karate - schlagen, treten, parieren. Problematik: Funktioniert am besten, wenn man viel Platz hat. In dem Karate-Stil wurden kaum griffe zum festhalten, kontrollieren, würgen geübt. Sparring ohne wesentlichen Kontakt. Jetzt hätte ich natürlich das doof so weiter machen, wie es mir gezeigt wurde und nichts anderes. Dann hätte ich wunderbare Schläge und Tritte, die ich fast immer mit Leichtkontakt ausführen würde. Reflexe sitzen tief. Schwierig das im realen Kampf zu lassen. Ich habe damals schon Security-Jobs gemacht - also wäre das nie gegangen. Einerseits machte ich immer wieder bei Jiu-Jitsu und Aikodo mit - halten, hebeln, werfen, teils suchte ich mir die für mich persönlich realistischeren Techniken aus - also ein ganz kleines Spektrum von Griffen, Schlägen, Tritten - Ellbogen und Knie auch - was auch auf kurzer Distanz funktioniert. Und diese immer wieder - Stundenlang am Sandsack - bis eine wirkliche "Kraftübertragung" spürbar war. Und bis die Reflexmäßig und schnell waren. Von den ursprünglichen ca. 25. Jiu-Jitsu-Techniken sind überwiegend zwei übrig geblieben. Von etwa 100 Konfrontationen mit "Troublemakern" im Security-Job habe ich wahrscheinlich 60 mal eine von diesen beiden benutzt. Die sitzen einfach. Ich kann die abwandeln, setups für die machen und in vielen Situationen zum funktionieren bringen
Genau das meine ich mit: Überall bekommt man eine Grundlage, man muss die aber selber für sich herausexperimentieren, sodass die wirklich sitzen und real eine Chance für Erfolg bieten.
Ich habe später - was auch für diese Denkweise natürlich ist - in einem Ableger von Bruce Lee's Jun Fan trainiert. Da wird ein Minimum von Techniken trainiert und NIE nach dem Prinzip "er tut das, dann tue ich das". Wenn man z.B. sechs Monate lang ca. fünf Techniken, die etwa 80% von den üblichsten Angriffstypen abfangen können - also die selben fünf Techniken in unterschiedlichen Szenarien, mit wechselnder Schutzausrüstung, dann stehen die Chancen gut, dass wenn man angegriffen werden sollte - auch völlig überraschend - dass eine Serie dieser Techniken ohne Zögern kommt auch funktioniert. Man kämpft wie man trainiert. Das ist einfach so.
Wer aber nicht wie ich die Möglichkeit hat, direkt mit einem alten Freund von Bruce Lee in Kontakt zu treten, muss halt tun was ich tat, als ich selber es für völlig utopisch hielt mit einem alten Freund von Bruce Lee zu trainieren: Sich das beste herauspicken, was zur Verfügung steht.
Worauf ich also hin will: Man hört ständig dieses - "ich habe mal dies trainiert, ich habe mal dies gehört, soll das wirklich was bringen" etc. Nein, das bringt alles gar nichts, wenn man so denkt. Es bringt was wenn man Focus darauf hat, was man will. Das kann natürlich bedeuten, dass man in Sportverein X trainiert, nach sechs Monaten feststellt, dass das zu weit von dem ist, worauf man sein Fokus hat. Oder wie bei mir, dass ich eigentlich ein für mich gutes Konzept aus der Ecke der Karate-Systeme, die ICH gebrauchen konnte, der Fokus beim allgemeinen Gruppentraining im Dojo wo ganz anders lag - und deshalb habe ich Karate fallen lassen und bin weiter gegangen.
Was immer man tut - 50% der Bevölkerung ist Übergewichtig. Da kann man wohl genausogut die physische Energie die sonst als Fett gespeichert wird in eine Aktivität investieren, die irgendwann einem Leben und Gesundheit bewahren kann, aber die Aktivität soll natürlich zu einem gewissen Punkt Spaß machen. Und Spaß macht wohl sowieso alles, wo man merkt, dass man was lernt oder sich hinterher stark fühlt. Wenn man nur in irgendeiner Trainingshalle geht, 45 min lang "Pflichtübungen" macht und dann bis zum nächsten Mal nicht mehr darüber nachdenkt ... OMG ... dann sollte man was ändern.