Hi,
@Anne-Mette: Danke für die Lenkung des Beitrags.
@betty: Warum treibt es uns nach draußen? Eigentlich darf ich mich nicht dazu äußern,
da ich noch nie wirklich draußen war.Trotzdem will ich mal versuchen zu erklären,
was bei mir dahinter steckt (reine Selbstanalyse! - ein Psychologe deutet hier vieleicht was anderes):
Es hängt wohl mit der inneren Salamitaktik des Verstandes zusammen, den Widerspruch
zwischen unseren zwei Seelenkörpern aufzulösen. (Danke an Vicky für den Begriff "Two-Spirits").
Grundlage ist das Wechselspiel zwischen Selbsterkenntnis, Zweifel, Verdrängung, Scham, Aufbruch, Glück und Zerstörung.
welche sich in unserem Geist abspielt. Wie kommt es nun zur ersten "Scheibe" der Salami?
Der "männliche" Geist erkennt irgendwann , das er sich selbst (ohne Not!) versucht mit dem
geschlechtlichen Gegenüber zu identifizieren [Selbsterkenntnis]. Das führt umgehend zu einem
inneren Widerspruch mit der rollenspezifischen Erziehung unseres bisherigen "Ichs" [Zweifel].
Da nicht sein kann, was nicht sein darf wird die Auseinandersetzung mit dem Widerspruch tunlichst
vermieden [Verdrängung]. Doch dieser Teil hat wenig qualitativen Bestand (quantitativ hat er bei mir
gut 20 Jahre durchgehalten). Jetzt folgt die "erste" innere Schleife: im Kampf um die gedankliche
"Normalität" unterliegen irgendwann die "Verdrängungskräfte" dem Verlangen der gegengeschlechtlichen Identifikation,
also wieder am Ausgangspunkt. Diese Schleife wiederholt sich, in der Hoffnung das unser Verstand die scheinbare "Sinnloskeit"
unseres Unterfanges erkennt und den "Normalzustand des inneren männlichen Rollenbildes" wiederherstellt.
Tatsache ist jedoch das es sich dabei um eine selbstverstärkende Rückkopplung handelt die nur
durch ein Weiteres Element unterbrochen wird: Das Bewusstsein "nicht stark genug gewesen zu sein"
führt zur [Scham]. In der nächsten inneren Schleife wird nicht nur weiterhin das "Ident - Problem"
hinterfragt sondern auch "wofür" soll ich mich den eigentlich "schämen"? Wir sind jetzt an einem
ganz entscheidenden Punkt. Es ist die Phase des [Aufbruchs]. Wir bauen nun in die Schleife
die Analyse der Möglichkeiten ein, einen winzigen Teil unserer bisher rein gedanklichen
"Zweitidentität" in die die Realität zu transformieren. (Bei mir war es der Kauf des ersten weiblichen Kleidungsstückes).
Bleiben wir bei den Schleifen. Die langersehnte Befriedigung des Geistes durch eine reale Präsenz
eines Elementes, welches logischerweise nur für den bisher rein gedanklich zugelassenen Teil unseres Ichs
gedacht ist, führt zum nächsten Element: zum [Glück] (Der schönsten Stelle der Schleifen

).
Die nächste Runde (Schleife) lässt nicht lange auf sich warten und wird nach der [Selbsterkenntnis],
um das Element [Zerstörung] (ich werfe die gekaufte Sachen weg) ergänzt.
Das war die erste Scheibe der Salami!
Ich habe dann nicht nur die physische Seite zerstört, sondern auch einen Teil
meines "unzulässigen" Inneren. Aber der Schein trügt. Man zerstört nicht das
was man liebt. Im Gegenteil es stirbt Schleife für Schleife immer ein wenig mehr
von dem was man eigentlich
nicht ist. Mit jeder Schleife lässt man ein
bischen mehr zu und zerstört entsprechend dem Mechanismus auch etwas mehr.
Es ist scheinbar eine Art Evolution. In welche Richtung die geht, erfahre ich,
wenn ich mir selbst die Frage stelle, welcher Teil meines Inneren von mal zu mal
stärker geworden ist. Die Scheiben werden im Laufe der Zeit immer dicker und ich
stand irgendwann komplett "en femme" mit Makeup vor dem Spiegel. Neben dieser
physischen Evolution hat es natürlich auch eine geistige gegeben. Ist es doch nicht mehr
der Zweifel an einem Gedanken sondern ein starkes emanzipiertes Ich, was seinen
Raum gefordert hat und ihn auch bekommen hat. (Na, welche Seite war nun wohl stärker?)
Gibt es ein Ende?
Wir sind nun wieder an einem ganz entscheidenden Punkt. Gibt es ein Ende der Schleife?
Für manche ja. Es sind diejenigen deren geistiges Gleichgewich zwischen den Seelen
erreicht ist. Sie sind sich dessen was sie sind und was sie sein wollen voll bewusst (Eine Folge der
abgeschlossenen Selbsterkenntnis) Sie sind Selbstbewusst und frei von Zweifeln.
Sie müssen nichts mehr Verdrängen und empfinden auch keine Scham mehr vor sich selber.
Sie sind glücklich so wie sie sind und sehen keine Notwendigkeit einer zerstörerischen Komponente.
Für die die weiterreisen
sind noch viele Schleifen notwendig, z.B. die Bewältigung der Situation nach einem Outing oder gar eine GAOP
und die Lebenssituation danach... Hierüber kann ich nicht berrichten, da ich noch nicht dort bin (aber auf der Reise).
Abschliesend nochmal zurück zur Kernfrage "was treibt euch nach draußen?"
Es ist vermutlich auch so ein Scheibchen. Ab einen bestimmten Zeitpunkt
sucht der nunmehr emanzipierte "zweite" Teil einen Ausweg aus der ihn
umgebenden sozialen Einzelhaft. Auch er ist Mensch. Lasst ihn leben.
LG
Tessa.