Nabend Vicky, Nabend zusammen,
kein neues, aber ein immer noch sehr spannendes Thema
Wie seht Ihr das ?
Kurz:
Ich sehe es ziemlich ähnlich wie du

(sofern ich dich richtig verstanden habe)
Lang:
Die Antwort auf die Frage nach dem Geschlecht steht und fällt mit der Antwort auf die Frage, ob es jenseits der Fortpflanzungsfunktion (einschliesslich der zugehörigen Aspekte '
sexuelle Attraktion' und '
Brutpflege') weitere, inhärente und unabänderliche geschlechtsspezifische Merkmale und/oder Eigenschaften gibt, anhand derer Geschlecht bestimmt werden kann; oder ob es sie nicht gibt.
A) Wenn es solche Merkmale bzw. Eigenschaften gibt, ist das Nachdenken über die eigene Position, samt der erdachten Antworten, hinfällig. Dann ist man eh schon 'verurteilt' bevor man geboren wurde und es wird nur noch eine Frage der Zeit sein, ab wann Methoden zur Bestimmung der kategorischen Zuordnung zur Verfügung stehen.
B) Wenn es sie nicht gibt, ist das Nachdenken darüber eigentlich auch hinfällig; jedenfalls soweit es über das notwendige Mass zur Selbstbestimmung und Selbstbeschreibung hinausgeht. Die Selbstbestimmung dürfte, um sprachlich und soziologiosch exakt zu werden, dann allerdings nicht mehr in den Kategorien Mann und Frau erfolgen, weil diese Begriffe eine Funktion der Arterhaltung beschreiben würden, die grade keinen Bezug zu den übrigen Eigenschaften und Merkmalen von Menschen hat.
Aus meiner Sicht (abgeleitet aus der Annahme B) entsteht entweder ein Paradoxon, wenn jemand sagt ein Mann / eine Frau zu sein, weil er / sie die entspr. Genitalien oder irgendeine andere zwingende Vorbedingung hat
und irgendeine Tätigkeit oder Eigenschaft damit assoziiert oder wir haben es
zugleich mit einer üblen sprachlichen Unschärfe zu tun, weil die Wörter
Mann und
Frau (jeweils für sich) Homonyme sind, mit denen (in quasi wahrheitswidriger Weise) zwei unterschiedliche Gegenstände bzw. Sachverhalte bezeichnet werden; nämlich zwingende Kategorien betreffend Sex und Gender (zwischen denen evident keine zwingende Kopplung besteht).
Man kann folgend auch die Frage stellen, ob der Begriff 'Gender' tatsächlich etwas substanziell Faktisches beschreibt oder ob Gender nur die Benennung der faktisch vorhandenen Auswirkungen eines uralten, kolossalen Fehlers der Menschheit ist, deren Benennung in dem Moment überflüssig wird, in dem dieser Fehler samt seiner Auswirkungen beseitigt wird.
Weil ich letzteres als richtig vermute, bin ich an einer Stelle nicht ganz deiner Meinung:
....aber ich denke die Kraft des Weiblichen in uns zu suchen und zu leben bringt uns richtig weiter.
Ich würde es so formulieren:
Die Kraft dessen, was uns individuell ausmacht, in uns zu suchen und zu leben und daraufhin zu wirken, dies grade nicht in Kategorien zu denken, bringt uns richtig weiter.
Aber: All das basiert auf Annahmen, die ich nicht beweisen kann. Soviel ich weiss, hat auch niemand sonst sie bisher beweisen können; widerlegen allerdings auch nicht. Es sieht für mich so aus, als befänden wir uns am Anfang der Beweisaufnahme in einem Indizienprozess, in dem auch die bestellten Sachverständigen bisher nur ein großes P (für 'Planlos') im Gesicht haben. Für eine Verurteilung zu 'männlich' oder 'weiblich', lebenslänglich oder auf Bewährung, scheint es mir jedenfalls viel zu früh zu sein, auch wenn der Name des Volkes das Urteil schon vor ewigen Zeiten gesprochen hat.
habt es gut
Marielle