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Re: umoperiert

Verfasst: So 21. Aug 2016, 08:55
von Anne-Mette
Moin,
dass man sich seines "Seins" "bewusst" ist.
Für viele Menschen ist es aber nicht gleich ein "IST", sondern ein "WERDEN" - und da kommen sicherlich Gefühle und Identität ins Spiel; denn eine Diagnose gibt es nicht.
Die Selbstbeschreibung als transsexuell entsteht aus einem Prozess.

Gruß
Anne-Mette

Re: umoperiert

Verfasst: So 21. Aug 2016, 09:33
von Anke
Hallo,
CassySissy hat geschrieben:Wenn ich will, dass andere mir gegenüber tolerant werden dann bin ich es erstmal selbat Ihnen gegenüber. Statt jemanden mit Ignoranz zu Strafen kann man zum Beispiel auch bei der Frage ob man umoperiert ist sagen "Nein, aber über das Thema mag ich gerade nicht sprechen."
natürlich darf Toleranz keine Einbahnstraße sein. Aber tolerant zu sein bedeutet nicht automatisch, alles zu tun, was ein dritter so tut. Wenn mich jemand tätlich angreift, dann ist meine Toleranz definitiv am Ende. Wie sprechen also nicht über Toleranz und Nichttoleranz, sondern über die Grenzen der Toleranz.

Und die Frage eines Fremden, ob ich umoperiert bin oder nicht überschreitet diese Grenze sehr deutlich. Denn es geht ihn schlicht und ergreifend nichts an. Ich frage ja auch keinen Mann, den ich gerade kennen gelernt habe nach der Größe seines Penis, ob er beschnitten ist und ob er eine Errektion bekommen kann. Denn das geht mich erstmal nichts an.

Deshalb finde ich, dass für diese Fragen keine Toleranz angebracht ist.

Liebe Grüße

Anke

Re: umoperiert

Verfasst: So 21. Aug 2016, 09:46
von Cassy
Anke hat geschrieben:Hallo,

Und die Frage eines Fremden, ob ich umoperiert bin oder nicht überschreitet diese Grenze sehr deutlich. Denn es geht ihn schlicht und ergreifend nichts an. Ich frage ja auch keinen Mann, den ich gerade kennen gelernt habe nach der Größe seines Penis, ob er beschnitten ist und ob er eine Errektion bekommen kann. Denn das geht mich erstmal nichts an.
1. Scheinbar war die Person aber nicht fremd sondern eine langjährige Freundin.
2. Doch. Einfach doch. Wenn man gefragt wird kann man das tolerieren es ist nämlich eben kein Angriff. Wenn du darüber dann warum auch immer nicht reden magst sagst du es und dann darf den gegenüber es tolerieren. Wie schon von mir geschrieben. Toleranz bedeutet ertragen und nicht mehr und hat mit toll finden überhaupt nichts zutzen.
3. Wer offen mit seiner Gender Identität umgeht (und das ist ja auch etwas sehr schönes) muss eben auch damit rechnen das sich jemand dafür interessiert. Wäre jawohl sonst wie ein Betrieb der Tag der offenen Tür macht und sich beschwert wenn plötzlich Gäste kommen. Kann man machen, bringt aber nichts.

Deshalb sollte man sich die Frage stellen wieso will ich darüber nicht reden. Und es dann ehrlich sagen. Jedenfalls wenn man schon länger mit der Person befreundet ist.

Aber wie ebenfalls erwähnt... Es sind immer die, die die meiste Toleranz einfordern, die am wenigsten gegenüber Reaktionen anderer haben.

Cassy

Re: umoperiert

Verfasst: So 21. Aug 2016, 10:34
von ab08
Hallo, eine Anmerkung zum gesellschaftlichen Kontext:

Zivilisierte Umgangsformen, Grenzen, was geht und was nicht, sind für unser Gemeinwesen wichtig!
Es wird leider heute oft zur Gewohnheit, sich kaum um solche Konventionen zu kümmern...
vgl. einen Artikel der NN vom Freitag, den 19.8. zum Klinikum Nürnberg, wo ich bis Ende Juli unterrichtete:
http://www.nordbayern.de/region/nuernbe ... -1.5426390
(Den Beitrag halte ich für gut, denn ich kenn das Problem...)

Liebe Grüße
Andrea

Re: umoperiert

Verfasst: So 21. Aug 2016, 10:42
von Anke
Hallo,

1. Tatjana schrieb über eine Bekannte, die ihr nach langer Zeit über den Weg gelaufen ist. Damit ist sie keine Freundin, sondern tenenziell fremd.

2. Dann ist deiner Meinung auch in Ordnung, Menschen die ich flüchtig kenne über ihre Genitalien zu befragen? Ernsthaft? Bei mir fällt das unter schlechtes Benehmen.

3. Interesse ist nicht immer nur positiv. Für mich hat diese Frage in diesem Kontext etwas voyeuristisches. Menschen die mir nahe stehen und sich positiv interessieren, die fragen zuerst wie es mir geht und dann ergibt sich daraus ein Gespräch, in das dann auch eine Frage nach der OP hineinpasst.
CassySissy hat geschrieben:Es sind immer die, die die meiste Toleranz einfordern, die am wenigsten gegenüber Reaktionen anderer haben.
Ich weiß nicht, was solche Sprüche sollen. Als konstruktiven Diskussionsbeitrag kann ich sie nicht interpretieren. Ich möchte dich bitten, so etwas zu lassen. Denn pauschale Angriffe führen nicht zu einer guten Diskussion, sondern vergiften nur die Diskussionsatmosphäre.

Liebe Grüße

Anke

Re: umoperiert

Verfasst: So 21. Aug 2016, 14:04
von Andrea aus Sachsen
.
Daenerys Targaryen hat geschrieben:Mich würde mal interessieren, ob die Menschen immer noch von "umoperiert" sprechen, wenn eines Tages eine weibliche TS schwanger werden und ein männlicher TS Spermien produzieren kann. Klar, das ist (leider) noch Science Fiction, aber vielleicht sieht dann alles anders aus.
In diesem Fall hielte ich den Begriff "umoperieren" durchaus für angebracht. Derzeit halte ich diesen vor allem deshalb für unpassend, weil er so etwas wie einen "kompletten Umbau" suggeriert, was nach heutigem Stand der Medizin bei weitem nicht möglich ist.
Ansonsten lehne ich den Begriff, der diesem Thread den Titel gab, nicht komplett ab. Zu weit ist dieser unter Nichtbetroffenen verbreitet. Wenn er von anderen verwendet wird, belasse ich es meist mit einem diskreten Hinweis auf dessen Unkorrektheit. Wegen der weiten Verbreitung halte ich es sogar für sinnvoll, gelegentlich selbst darauf zurückzugreifen, indem ich zum Bespiel sage: "Dafür (für die GaOP) wird oft fälschlicherweise noch umoperieren gesagt." Dann weiß mein Gesprächspartner meist sofort Bescheid, worum es geht.
Der Versuch, unbeliebte Begriffe mit der Holzhammermethode auszutreiben, ist meines Erachtens kontraproduktiv. Aktiv gesprochene Sprachen entwickeln gewöhnlich eine Eigendynamik: Neue Begriffe entstehen, werden verwendet oder auch nicht, finden mehr oder weniger starke Verbreitung. Einige verschwinden irgendwann wieder aus dem gebräuchlichen Wortschatz. Einfluss haben wir darauf nur sehr bedingt.

Re: umoperiert

Verfasst: So 21. Aug 2016, 15:54
von Anke
Hallo,

den Begriff "umoperiert" finde ich zwar nicht gerade glücklich, aber auch nicht tragisch. Auf die Idee, dass er suggerieren könnte, dass die Ursprungsmerkmale noch zu erkennen sind, bin ich bis jetzt nicht gekommen. Für mich hat der Begriff etwas unbeholfenes. Im realen Leben ist er mir bisher kaum begegnet, eher mal in einem der schlechteren Presseartikel.

Dagegen geht "umgebaut" gar nicht, Gegenstände wie Häuser werden umgebaut, aber keine Menschen. Dieser Begriff ist für mich abwertend und diffamierend.

Liebe Grüße

Anke

Re: umoperiert

Verfasst: So 21. Aug 2016, 20:13
von Magdalena
Hallo,

ich muß Anke und Andrea aus Nürnberg zustimmen, was die Art des Gespäches geht. Man musss nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Je nach dem wie ich mit dem Gesprächsparter verbunden bin, Freund oder nur gelegentliches treffen. Es gehört für mich auch zum Anstand meine Gesprächspartner nicht bloß zu stellen. Wer nur nach Sensationen aus ist, der ist da bei mir auch an der falschen Adresse. Wer dagegen auch an mir als Person Interesse zeigt, dem nehme ich auch eine unpassende Bezeichnung nicht übel. Denn vor einigen Jahren sind mir die einzelnen Begrifflichkeiten auch nicht geläufig gewesen. Erst als ich mich bewusst mit mir und dem Thema CD und TS beschäftigt habe, bin ich selber tiefer in Definitionen, Ursachen eingestiegen. Auch weil ich weiter immer noch Lernende bin, kann ich nur vieles mit meinen eigenen Worten beschreiben. Auch wenn es dann nicht immer konform ist, aber es hat mit mir zu tun und ist authentisch.

Viele Grüße Magdalena

Re: umoperiert

Verfasst: So 21. Aug 2016, 21:06
von Tatjana_59
CassySissy hat geschrieben:
Anke hat geschrieben:Hallo,

Und die Frage eines Fremden, ob ich umoperiert bin oder nicht überschreitet diese Grenze sehr deutlich. Denn es geht ihn schlicht und ergreifend nichts an. Ich frage ja auch keinen Mann, den ich gerade kennen gelernt habe nach der Größe seines Penis, ob er beschnitten ist und ob er eine Errektion bekommen kann. Denn das geht mich erstmal nichts an.
1. Scheinbar war die Person aber nicht fremd sondern eine langjährige Freundin.
2. Doch. Einfach doch. Wenn man gefragt wird kann man das tolerieren es ist nämlich eben kein Angriff. Wenn du darüber dann warum auch immer nicht reden magst sagst du es und dann darf den gegenüber es tolerieren. Wie schon von mir geschrieben. Toleranz bedeutet ertragen und nicht mehr und hat mit toll finden überhaupt nichts zutzen.
3. Wer offen mit seiner Gender Identität umgeht (und das ist ja auch etwas sehr schönes) muss eben auch damit rechnen das sich jemand dafür interessiert. Wäre jawohl sonst wie ein Betrieb der Tag der offenen Tür macht und sich beschwert wenn plötzlich Gäste kommen. Kann man machen, bringt aber nichts.

Deshalb sollte man sich die Frage stellen wieso will ich darüber nicht reden. Und es dann ehrlich sagen. Jedenfalls wenn man schon länger mit der Person befreundet ist.

Aber wie ebenfalls erwähnt... Es sind immer die, die die meiste Toleranz einfordern, die am wenigsten gegenüber Reaktionen anderer haben.

Cassy
Ich finde Anke hat es ziemlich gut ausgedrückt.
Irgendwo ist die Grenze der Toleranz.
Nein es war keine langjährige Freundin, sondern eine langjährige Bekannte.
Stimmt ich fordere durchaus Toleranz ein, ob die meiste kann ich nicht beurteilen, wahrscheinlich nicht.
Allerdings würdest du dich wundern wenn du die Latte meiner Toleranzgrenze kennen würdest, die ist sehr sehr hoch gelagert.
Auf Grund der relativ wenigen Postings die ich schreibe, behaupte ich dass du das überhaupt nicht einschätzen kannst.
Ich kann dir versichern dass es meine Freunde schon lange nicht mehr nötig haben von mir aufgeklärt zu werden, Freunde, nicht Bekannte, egal wie lang ich diese Person, oder andere kenne.

Leider ist hier wenn ein Thema eröffnet wird mittlerweile häufig die * Ich hau erst mal drauf Situation * eingetreten, das war früher nicht so schlimm.
Ich habe auf das erzählt was mir passiert ist, mit der Frage, geht es euch auch manchmal so? Oder so ähnlich zumindest.
Doch das interessiert dich nicht wirklich viel Cassy.

Re: umoperiert

Verfasst: Sa 3. Sep 2016, 18:04
von Franka
Ich finde die Frage an sich erst mal nicht weiter verwerflich.
Es kommt ganz darauf an wie sie gestellt wird. Ist es wirkliches Interesse und Neugier oder soll es eher small talk oder gar eine bösartige Frage sein?
Dazu kommt dann natürlich auch noch das eigene Befinden. Bin ich gut gelaunt? Habe ich Zeit? Mag ich mein Gegenüber?
All das wird sicherlich meine Antwort, falls es überhaupt eine gibt, beeinflussen.

LG Franka

Re: umoperiert

Verfasst: So 4. Sep 2016, 12:30
von exuserin-2017-01-16
Hi , an dem Umoperiert störe ich mich nicht so sehr, eher an den Schwierigkeiten auf dem Weg dahin.
Was die Fragen zum Thema OP angeht sage ich nur eine Frau braucht keinen Penis. I.d.R. verstehen es die Leute wenn sie sich mit der Problematik vertraut gemacht haben sie wissen das es für die meisten von uns dazugehört endlich richtig zu sein.
Einer Freundin habe ich jetzt mal erzählt: es sitzt ein Lindwurm vor der Höhle, dieser muß erst von einem Prinz in Form von Dr.Schaff ,Lied oder so erlegt werden, damit die Prinzessin aus der Grotte raus kommen kann. (smili)
LG Uta

Re: umoperiert

Verfasst: So 4. Sep 2016, 13:54
von Tatjana_59
ddaniela hat geschrieben:Hallo,

Genau Tatjana, vielleicht ist es besser gar nicht so viel preis zu geben.

Mir ist das auch letztens klar geworden das ich solche oberflächlichen Gespräche oder Fragen versuche aus dem Weg zu gehen, wenns möglich ist und wenn nicht versuche ich keine Antwort zu geben. Ich muss nicht Antworten, egal was ist oder wer das ist.

Reden ist Silber schweigen ist Gold.

Liebe Grüße,
Daniela.
Manchmal ist es besser weniger über sich preiszugeben, dazu passt dein letzter Satz, reden ist Silber und schweigen ist Gold allerbestens.
Ich denke mir das immer öfter.
Denn viele sind im Denken einfach zu oberflächlich, du hast das alles super auf den Punkt gebracht, zumindest für mich.

Lg Tatjana

Re: umoperiert

Verfasst: So 4. Sep 2016, 14:07
von Tatjana_59
uta hat geschrieben:Hi , an dem Umoperiert störe ich mich nicht so sehr, eher an den Schwierigkeiten auf dem Weg dahin.
Was die Fragen zum Thema OP angeht sage ich nur eine Frau braucht keinen Penis. I.d.R. verstehen es die Leute wenn sie sich mit der Problematik vertraut gemacht haben sie wissen das es für die meisten von uns dazugehört endlich richtig zu sein.
Einer Freundin habe ich jetzt mal erzählt: es sitzt ein Lindwurm vor der Höhle, dieser muß erst von einem Prinz in Form von Dr.Schaff ,Lied oder so erlegt werden, damit die Prinzessin aus der Grotte raus kommen kann. (smili)
LG Uta
Prinzen in Form von Dr Schaff oder Dr Liedl, der Gedanke gefällt mir, musste ich richtig schmunzeln.
Nur haben es Prinzen an sich das sie das Ungeheuer erst erlegen, dann die Prinzessin klauen.
Was da wohl meine Frau dazu sagen würde? :lol:

Lg Tatjana

Re: umoperiert

Verfasst: So 4. Sep 2016, 14:31
von Tatjana 15
Ich bin überrascht wie sehr mich dieses Thema berührt, umso da es mich (noch?) gar nicht betrifft. Es betrifft mich da ich es nicht gemacht habe, und gar nicht weiß ob es überhaupt passieren soll.
Irgendwie hat mich das was Daniela geschrieben hat berührt
ddaniela hat geschrieben:
Ab dem Punkt wo es um die OP geht, wirds für mich schwierig. So wie in einem Dialog letztens ...... im Nachhineien kam ich mir dann doch ein wenig komisch vor.
Ich glaube das ist was sehr intimes, über das ich nur mit den wenigsten reden würde. Wenn ich es nicht von mir heraus tun würde wäre mir eine Frage dazu auch von jedem unangenehm.