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Re: EMMA: Warum müssen wir uns eigentlich immer noch entscheiden?

Verfasst: Fr 18. Dez 2015, 12:21
von ExUserIn-2026-04-08
Hallo Astrid,

ein bisschen Wasser in den Wein muss sein. Was die Damendusche betrifft, bin ich mir nicht sicher, ob das immer funktioniert. Es hängt immer von den Randbedingungen ab. In der Schwimmbadverwaltung, ich hatte sie im Vorfeld meines ersten Besuchs kontaktiert, hat man mir von einem Fall in Stuttgart erzählt, wo ein TG wohl Aufsehen erregt hat. Das war noch nicht einmal in der Dusche. Aber ich weiß natürlich nicht, wie diese Person aufgetreten ist. Und es dürfte ein Unterschied sein, ob jemand in eine volle Damendusche in der Spitzenzeit geht oder eher in Randzeiten. Auch ist es wichtig, ob es Duschabtrennungen gibt oder nicht. Verhalte ich mich provozierend oder deutlich zurückhaltend ist auch ein Punkt. Als Mann in sehr knappen Bikini mit der Haltung "ich darf das jetzt" glotzend in eine besetzte Damendusche zu gehen, in der gerade Frauen nackt duschen, ist aus meiner Sicht ein berechtigter Grund für einen Rauswurf. Anders herum wird schon eher ein Schuh daraus. Wenn man alleine in der Dusche ist und im Badeanzug in der Einzelkabine duscht, und wenn jemand herein kommt, sich deutlich unauffällig verhält, führt das sicher eher zur Akzeptanz. Aber es geht ja um die Auslotung der Möglichkeiten.
Leider habe ich es bis heute nicht geschafft, mich von diesem Negativ-Filter zu befreien, obwohl ich auch immer wieder zu guten Einsichten gelange.
Wie schon geschrieben, dafür habe ich Jahrzehnte gebraucht. Es ist ein Prozess, der bei mir noch lange nicht abgeschlossen ist. Ich bin auch nicht so cool, wie das vielleicht bei Dir ankommt. Aber die innere Haltung ist mir wichtig. Sie gibt mir die Kraft, Dinge zu tun, die ich mich früher wegen der Schere im Kopf, nie getraut hätte. Und nach kurzer Zeit werde ich tatsächlich cooler...

Re: EMMA: Warum müssen wir uns eigentlich immer noch entscheiden?

Verfasst: Fr 18. Dez 2015, 20:27
von Lina
Astrid hat geschrieben:Danke Lina, damit bestätigst Du ja das, was ich versuche auszudrücken: ...
Sei doch mal ehrlich: Hättst Du Deinen Job als leitende Angestellte mit Kundenkontakt in einem der größten deutschen Konzerne noch inne, wenn Du Dich bei Deinem Outing als "Zwischenwesen", wie Vicky es formuliert, präsentiert hättest und dementsprechend leben wolltest?
...

Liebe Grüße - Astrid

Das ist zwar eine Seite davon. Nun dachte ich gerade in dem Moment besonders an Intersexuelle: Von denen wird ja auch erwartet - wenn es Kinder sind sogar erzwungen - dass sie das eine oder andere sein sollen. Da ist es mir nun auch Egal, ob sie deswegen später vielleicht nicht im Vorstand von BMW sitzen werden, wenn sie sich nicht bemühen, möglichst eher männlich oder weiblich zu sein. Sollte aber jeder selber entscheiden.

Ob es generell nicht gehen würde in einem deutschen Konzern, weiß ich nicht mal so genau - in vielen bestimmt nicht, aber ganz ausschließen könnte ich es auch nicht.

Re: EMMA: Warum müssen wir uns eigentlich immer noch entscheiden?

Verfasst: Sa 19. Dez 2015, 13:07
von ExUserIn-2026-04-08
victim blaming
Das ist starker Tobak. Und ich kann es nicht nachvollziehen. Aber lassen wir das.

Vielleicht habe ich mich genau genug ausgedrückt. Was Du beschreibst, ist für mich Manipulation. Die Möglichkeiten der Manipulation reichen von subtil bis ziemlich direkt.

Ich vertrete die These, dass viele sich selber in einem "Gedanken-Käfig" halten. Ich habe das auch und mache es teilweise immer noch. Es geht mir darum, zu eigenem Denken anzuregen. Wir haben alle mehr Möglichkeiten, als wir denken. Aber das gibt es nicht zum Nulltarif. Und es gibt keinen Weg zurück. Wenn wir erkannt haben, wieviel wir tatsächlich für uns tun können, ist viel erreicht. Die eine kann es im Job, die andere vielleicht nicht. Aber irgendwo gibt es für uns Möglichkeiten, uns der Manipulation, zumindest teilweise, zu entziehen.

Insofern müssen wir uns immer wieder neu entscheiden oder es wird für uns entschieden. Die Manipulationen, Du nennst es Zwänge, sind aber etwas, was uns nicht zwingen muss. Für mich ist es inkonsequent, wenn man beklagt, dass es äußeren Druck gibt, aber nichts dagegen tut. Und der erste Schritt ist aus meiner Sicht, dass man sich genau das bewusst macht.

Re: EMMA: Warum müssen wir uns eigentlich immer noch entscheiden?

Verfasst: Sa 19. Dez 2015, 18:17
von Lina
Zumindest bevor man auch noch jemanden des Victim Blamings beschuldigt, sollte man erst mal genauer definieren wer nun Opfer sein soll und ab wann man von Opfer sprechen kann.
Eine Seite, dass es noch - soweit bekannt - keine Transfrau im Daimler-Chrysler oder AEG vorstand sitzt. So völlig abgesehen von fachlichen Qualifikationen weis ich aber auch 100 andere Gründe, weshalb ich von der Persönlichkeit her wahrscheinlich nicht ins Personalprofil rein passen würde. Ich glaube nicht, dass man da nur von "Opfer" sprechen kann. Andererseits, wenn ich Top-BWLer oder so was wäre und mir ein Konzern aussuchen sollte, wo ich sagen würde - das ist für mich eine interresante Branche, dann wäre es eher etwas in Medien/Werbung/Kommunikation (ist auch so meine Branche), oder es wäre eine andere Branche mit einem kreativen Touch, wie Mode, Kosmetik, Design-Hotels u.ä. Und dabei fällt mir ein, dass einer der Obergurus bei Lancome in der Tat normalerweise in einem durchgestylte weiblichen Look erscheint, sich trotzdem beim Männernamen nennen lässt und soweit mir bekannt keine Absicht hat, daran was zu ändern.

Also trotz, der komischen konservativen Erwartungen mancher Menschen, erwarte ich doch, dass man vielleicht die "Opferrolle" etwas differentierter betrachtet. Es ist einfach so, dass wenn man irgendwie was Besonderes ist, dann wird man auch oft nicht ins "Allgemeinbild" rein passen. Das ist einfache Logik.

Re: EMMA: Warum müssen wir uns eigentlich immer noch entscheiden?

Verfasst: Mo 21. Dez 2015, 08:32
von Astrid
Hallo Vicky,

danke dafür, daß Du das Beispiel Schwimmbadbesuch nochmal detailliert erläutert hast.
Allerdings zeigt mir dieses Beispiel auch, wieviel Sensibilität und Anpassung an das geschlechtstypische Erscheinungsbild doch erforderlich ist , um diesen Schritt problemlos gehen zu können. Inwieweit man als "Zwischenwesen" hier noch auf Akzeptanz stößt - bei der Badleitung ebenso, wie bei den Besucherinnen - bleibt fraglich. Aber Du schreibst es ja selbst, hier ist ein Herantasten nötig. Das sehe ich auch so. Wie eigentlich bei allem, wenn man sich abseits der üblichen (ungeschriebenen) Geschlechternormen bewegt.

Deinen letzten Beitrag, in dem Du über den "Gedankenkäfig" schreibst, finde ich gut und richtig.
Allerdings sehe ich es so, daß dieser Gedankenkäfig nur sekundär hinderlich für unsere freie Entfaltung ist. Primär, denke ich, ist es das Geflecht aus Beziehungen und vor allen Dingen Abhängigkeiten in denen sich jeder bewegt, was ich vielleicht fälschlicherweise als Zwang bezeichnet habe. Und die sind freilich individuell anders. Der Gedankenkäfig baut sich erst darum herum auf, gespeist durch richtige, sowie natürlich häufig auch falsche Annahmen. Klar, hier kann man wohl am ehesten zu Veränderungen ansetzen, weil jeder für seine Gedanken selbst verantwortlich ist.
Im Zusammenleben mit anderen wird's dann schon schwieriger und auch unbequemer (soviel zu meiner Faulheit :wink: ), aber nicht unmöglich, wie gute Beispiele zeigen. Doch im Moment sehe ich die allumfängliche Entscheidungsfreiheit (siehe Topic) noch nicht als gegeben.

Liebe Grüße - Astrid

Re: EMMA: Warum müssen wir uns eigentlich immer noch entscheiden?

Verfasst: Mi 23. Dez 2015, 07:40
von MarieB
Hallo,

ich war ja neulich bei einer Psychotherapeutin. Danach bin ich mit der Erkenntnis raus, dass es für die Psychotherapeuten die sich mit Transidentität beschäftigen eben wohl nicht nur schwarz und weiß, sprich Mann und Frau kennen. Sie sagte, dass es eben Ziel der Therapie sein kann, herauszufinden wo genau mein Weg ist. Wie viel Zeit ich wie verbringen will, wo ist für mich die Situation so gestaltet wie es für mich am besten ist, Hormone ja oder nein, usw.

D.h. für mich, dass es da also schon angekommen ist, dass es eben nicht nur Entscheidung zwischen einem Leben als Mann oder einem Leben als Frau gibt.

Problem dabei: Ich denke, dass genau dass die Variante ist, mit der die Gesellschaft die meisten Probleme hat. Es wird Verständnis geben, wenn man komplett entweder das eine oder das andere will und lebt. Da wir man mitunter sogar Unterstützung beim Arbeitgeber bekommen. Aber was wäre, wenn ich meinen Arbeitgeber informieren würde, das ich zukünftig mal als Mann und mal als Frau zur Arbeit komme, gerade so wie es meinem Seelenleben entspricht?

Die Antwort würde mir sicher nicht gefallen.

LG
Marie

Re: EMMA: Warum müssen wir uns eigentlich immer noch entscheiden?

Verfasst: Mi 23. Dez 2015, 08:06
von exuserin-2017-01-16
Hallo Marie, genau die selben Gedanken habe ich auch. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier das ständige Hin und Her wird die meisten Mitmenschen verunsichern. Ich weiß auch nicht was ich will mal ist es so mal so. Der Psychologe hat mich gefragt, was ich von unseren Sitzungen erwarte ? Meine Antwort war ich möchte einen Weg finden mit meinen beiden Seelen klar zu kommen ohne eine ganz aufgeben zu müssen. Wenn ich der weiblichen Seite mehr Freiräume einräume wird meine männliche Hälfte ganz schön verdrängt, was mir dann wieder Angst macht da ich den Teil meines Lebens auch mag.
Ich wünschte als richtiges Mädchen geboren worden zu sein das Zwilling Leben ist schon ganz schön anstrengend
Lg Uta

Re: EMMA: Warum müssen wir uns eigentlich immer noch entscheiden?

Verfasst: Mi 23. Dez 2015, 08:07
von Anni
Hallo Marie )))(:
MarieB hat geschrieben: ... dass es eben nicht nur die Entscheidung zwischen einem Leben als Mann oder einem Leben als Frau gibt.
DAS aber wollen / können bis dato wohl die Wenigsten verstehen / akzeptieren / tolerieren :roll:

Und genau da liegt ein Grundübel - solange sich die " Betroffenen " nicht trauen , im Real-Life dazu zu stehen , solange wird sich nicht grundlegend etwas ändern .

Daher mein Appell : nicht quatschen / jammern ---- machen :!: ... und mir braucht jetzt Keine/r um die Ohren zu hauen , wie schwer DAS doch sei ...
ich mach es seit Jahren und weiß , wovon ich rede :wink:

LG von frecher Anni

Re: EMMA: Warum müssen wir uns eigentlich immer noch entscheiden?

Verfasst: Mi 23. Dez 2015, 08:38
von Anne-Mette
Moin,
und mir braucht jetzt Keine/r um die Ohren zu hauen
Ich habe nur eine elektronische Ausgabe von EMMA erhalten )))(: - die kann manfrau keinem um die Ohren hauen (smili)
Schon in Berlin hatte ich einmal Schwierigkeiten mit dem Erwerb, wurde aber schließlich am Bahnhof Zoo fündig.
Hier hatte ich die Auswahl unter sehr vielen "Frauenzeitschriften" (vom Titel her; sie heißen etwas mit FRAU, drehen sich aber um Kochen, Putzen, Stylen, Abnehmen...)
Als ich eine Verkäuferin direkt nach EMMA fragte, meinte die: "... so etwas? Ham wir nich!"
Schade, wo ich doch in manchen Fällen Printausgaben bevorzuge. Wie soll ich die jemandem um die Ohren hauen, damit die Katze verscheuchen... )))(:

Gruß
Anne-Mette

Re: EMMA: Warum müssen wir uns eigentlich immer noch entscheiden?

Verfasst: Mi 23. Dez 2015, 08:46
von Anni
Hallo Anne - Mette )))(:

.... hat Dein PC keinen Henkel ???? :lol:

... aber vorher bitte nicht vergessen , den Stecker zu ziehen - wegen der Kollateralschäden :mrgreen:

LG von frecher Anni

PS : Printform ist ja schön und gut ... elektronisch hat's aber auch Vorteile ! Bücher- und Zeitschriftenregale nehmen viiieeel Platz weg - DEN braucht
Frau für KLEIDERSCHRÄNKE !!!! (ap)

Re: EMMA: Warum müssen wir uns eigentlich immer noch entscheiden?

Verfasst: Mi 23. Dez 2015, 10:58
von ExUserIn-2026-04-08
Die Antwort würde mir sicher nicht gefallen.
Die Antwort erfährst Du nur, wenn Du fragst ... :roll: :wink:

Bei SAP (-> Beirag von Anne-Mette zur Dokumentation der Antidiskriminierungsstelle des Bundes) heißt es:
Transgender-Mitarbeiter haben das Recht, ihre Geschlechtsidentität offen und ohne Angst vor möglichen Konsequenzen auszudrücken.
Transgender sind für SAP:
Transgender:
Eine Vielzahl unterschiedlicher Individuen, die ihr soziales Geschlecht (Gender) als abweichend von ihrem biologischen Geschlecht empfinden und/oder ihr soziales Geschlecht davon abweichend ausdrücken, entweder durch ein entsprechendes soziales Verhalten oder durch eine Geschlechtsumwandlung. Es handelt sich dabei um einen Sammelbegriff, der transsexuelle Menschen sowie andere Menschen, die nicht den gängigen Geschlechterrollen entsprechen, zusammenfasst. Nicht alle Individuen, die sich als Transgender verstehen, unterziehen sich einer Geschlechtsangleichung.
Nicht schlecht oder ? Es geht also vorwärts. Wie das bei SAP gelebt wird weiß ich nicht. Aber es schriftlich zu fixieren, finde ich schon einmal beachtlich. Ich fürchte, es wird noch lange dauern, bis das allgemeiner Konsens ist. Aber vielleicht irre ich mich da.