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Re: Bundesratsinitiative der dgti
Verfasst: Mi 4. Nov 2015, 17:15
von Anke
Daenerys Targaryen hat geschrieben:Also... die Initiative der dgtI zitiert die SOC in Bezug auf die Neutralität der Gutachter, um Kinder und Jugendliche vor Konversionstherapien zu schützen, nimmt aber - verständlicherweise - keinen Bezug zur in den SOC angeführten Notwendigkeit der Erfassung der psychischen Gesundheit bei TS und der Empfehlung einer Psychotherapie. Nun kann man darüber diskutieren, ob das grundsätzliche Anführen der SOC, die eine Psychotherapie empfehlen, in erheblichem Maße die Glaubwürdigkeit eines Papiers unterminiert, das sich für die Abschaffung des Gutachterverfahrens einsetzt. Wer dies bejaht, muss den Fehler aber vor allem bei den Leuten suchen, die die SOC in ihrer Gesamtheit als verbindliche Richtlinien sowohl für die medizinische als auch die rechtliche Seite interpretieren und nicht bei der Initiative der dgti.
Hallo,
da bin ich schon bei Daenerys, trotzdem sind die SOC ein ziemlich heißes Eisen. Denn in der Praxis entfalten sie die Wirkung von verbindlichen Richtlinien. Die handelnden Akteure, also Krankenkassen, Krankenhäuser, Ärzte wollen bei dem was sie tun auch rechtlich auf der sicheren Seite sein. Und wenn es zu streitigen Rechtsfällen kommt, dann ist die Einhaltung solcher Standards ein wirkungsvoller Schutz. Umgekehrt wird ein Richter die Nichteinhaltung von Standards zumindest kritisch bewerten. Dann geht das sehr schnell zu Lasten eines Arztes, der nach bestem Wissen und Gewissen unbürokratisch helfen wollte. So etwas kann Existenzen zerstören und dann kann ich gut verstehen, dass sich kaum jemand darauf einlässt.
WPATH ist eben auch kein Interessenverband für Transsexuelle sondern für die, die mit der Behandlung von Transsexuellen ihre Brötchen verdienen. Und das schlägt sich auch in den SOC nieder.
Deshalb bin ich über den Bezug zu den SOC in der Initiative auch nicht glücklich.
Liebe Grüße
Anke
Re: Bundesratsinitiative der dgti
Verfasst: Mi 4. Nov 2015, 20:19
von JuliaS (†)
Bei aller eventuell begründeten Kritik am dem was wir Mainzer, ja ich hänge da auch mit drin, gerade versuchen zu erreichen, es ist ein Anfang. Es geht darum mittel- bis langfristig eine Verbesseung und Erleichterung für kommende Generationen zu erreichen. Wenn wir uns jetzt anfangen gegenseitig zu zerstreiten wird das nichts und liefert unseren Gegnern nur Handhaben uns weiterhin zu kujonieren.
Gruß
Julia
Re: Bundesratsinitiative der dgti
Verfasst: Mi 4. Nov 2015, 22:50
von Anke
Daenerys Targaryen hat geschrieben:Habe ich das bisher richtig verstanden? Falls nicht, bitte korrigieren. Denn ich sehe immer noch keinen Grund, die dgti-Initiative nicht gut zu heißen.
Hallo,
ich kann Daenerys da zustimmen. Im Grundsatz ist das eine gute Sache.
Liebe Grüße
Anke
Re: Bundesratsinitiative der dgti
Verfasst: Mi 4. Nov 2015, 23:04
von Claudia-Luisa
Davor kann ich die Augen nicht verschließen :
S1-Leitlinie: Störungen der Geschlechtsidentität im Kindes- und Jugendalter
akuteller Stand: 08/2013 gültig bis 01.08.2018
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitli ... -08_01.pdf
"Störungen der Geschlechtsidentität im Kindes- und Jugendalter (F64)
1 Klassifikation
1.1 Definition
Störungen der Geschlechtsidentität sind durch ein anhaltendes und starkes Unbehagen über und/oder Leiden am eigenen biologischen Geschlecht charakterisiert. Sie gehen einher mit dem Wunsch oder der Beteuerung, dem anderen Geschlecht anzugehören und entsprechend leben zu wollen. Das Unbehagen über das eigene Geschlecht kann bis zum Wunsch nach gegengeschlechtlicher hormoneller Behandlung und nach einer operativen Geschlechtsumwandlung führen.
"4.2 Hierarchie der Behandlungsentscheidung und Beratung
Die bei Störungen der Geschlechtsidentität generell indizierte Behandlung ist die individuelle psychoanalytische, tiefenpsychologisch fundierte oder kognitiv-behavioral orientierte Psychotherapie.
Ziel der psychotherapeutischen Behandlung ist nicht die Beseitigung der Geschlechtsidentitätsstörung, dieses ist nur in Einzelfällen möglich, wird jedoch häufiger im Kindesalter beobachtet............"Eine gegengeschlechtliche Hormontherapie sollte in der Regel nicht vor dem 16. Lebensjahr begonnen werden. Geschlechtskorrigierende operative Eingriffe sollten frühestens nach dem 18. Geburtstag begonnen werden."
"4.5 Besonderheiten bei stationärer Behandlung
Bei Notwendigkeit einer stationären Aufnahme ergeben sich oft Schwierigkeiten, ob die Patienten als männliche oder weibliche Personen zu behandeln sind, z.B. Unterbringung im Mädchen- oder im Jungenzimmer, Benutzung von Bad, Toilette. Generell sollten Patienten, die sich schon in der Alltagstestphase befinden und als Person des Gegengeschlechts leben, in dieser Rolle akzeptiert und behandelt werden. Das schließt auch die Verwendung des vom Patienten gewählten Vornamens ein. Patienten, die noch nicht in die Alltagstestphase eingetreten sind, sollten nach ihrem biologischen Geschlecht behandelt werden."
Liebe Gruesse
Karin (C.-L.)
Re: Bundesratsinitiative der dgti
Verfasst: Do 5. Nov 2015, 07:55
von Beatrix
Claudia-Luisa hat geschrieben:Davor kann ich die Augen nicht verschließen :
S1-Leitlinie: Störungen der Geschlechtsidentität im Kindes- und Jugendalter
akuteller Stand: 08/2013 gültig bis 01.08.2018
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitli ... -08_01.pdf
[...]
Was soll uns dieser ganze Post schon wieder sagen?
Was stört dich daran?
Nach deinem Postings bleiben bei mir immer mehr Fragen als Antworten übrig.
Re: Bundesratsinitiative der dgti
Verfasst: Do 5. Nov 2015, 08:23
von Claudia-Luisa
Liebe Beatrix,
wer keine Informationen möchte, braucht es ja nicht zu lesen.
Manchmal sprechen die Dinge für sich.
Liebe Grüße
Karin ( C. - L. )
Re: Bundesratsinitiative der dgti
Verfasst: Do 5. Nov 2015, 08:32
von Beatrix
Manchmal sprechen die Dinge für sich.
Nehmen wir mal an ich wäre blind:
Also WAS stört dich an dieser S1-Leitlinie?
Re: Bundesratsinitiative der dgti
Verfasst: Do 5. Nov 2015, 09:02
von Claudia-Luisa
Ja stimmt! In Blindenschrift ist diese Leitlinie meines Wissens noch nicht übersetzt.
"Störend" finde ich u.a.:
Eine gegengeschlechtliche Hormontherapie sollte in der Regel nicht vor dem 16. Lebensjahr begonnen werden."
Re: Bundesratsinitiative der dgti
Verfasst: Do 5. Nov 2015, 09:26
von ab08
An Karin gerichtet, aber die Formulierung reizt mich doch zum Kommentieren:
Beatrix63 hat geschrieben:Nach deinem Postings bleiben bei mir immer mehr Fragen als Antworten übrig.
Liebe Beatrix,
entschuldige bitte meine provokante Formulierung:
Aber bei komplexeren Themen ist das normal!
Hab Fakultas in Mathematik/Physik (mit guten Abschlüssen):
Da ist typisch - Student geht zum Professor, denn er hat eine Frage - Normalerweise verläßt er das Zimmer und hat
mehrere neue unbeantwortete Probleme.
"Perfekte Problemlösungen" und
"endgültige klare Antworten" gibt es nicht.
Mein Lieblingsbuch ist "Per Anhalter durch die Galaxis" vom leider früh verstorbenen Douglas Adams
Quintessenz:
Die Frage/Problemstellung ist im Grunde wichtiger als die Antwort!
Nix für ungut, danke für Deine Anregung zum Nachdenken
und ganz liebe Grüße
Andrea
Re: Bundesratsinitiative der dgti
Verfasst: Do 5. Nov 2015, 09:27
von Beatrix
Wenn ich so rückblickend mich an meine Jugend erinnere, würde ich sagen, daß das so in Ordnung ist.
Kinder sind in manchen Dingen öfter mal etwas sprunghaft. Da sollte man ruhig etwas warten bis sich ihre Meinung gefestigt hat. An irgendeiner Stelle muß der Gesetzgeber schließlich auch eine Grenze ziehen, da sich nicht alle Kinder gleich schnell entwickeln. Die Übergangszeit bis dahin kann man ja heutzutage (relativ) gut mit Hormon-Blockern überbrücken. Immerhin hat dein Kind jemanden der es unterstützt

.
Als sich das bei mir so langsam herauskristallisierte, stand ich mit meinen Gefühlen alleine da. Meine Mutter war krank und ist kurz danach gestorben, alle hatten ihre eigenen Sorgen und das Internet war noch nicht erfunden.
Liebe Grüße
Beatrix
Re: Bundesratsinitiative der dgti
Verfasst: Do 5. Nov 2015, 09:34
von Beatrix
Das scheint ein Standardspruch von Physikern zu sein...
ab08 hat geschrieben:Mein Lieblingsbuch ist "Per Anhalter durch die Galaxis" vom leider früh verstorbenen Douglas Adams
Quintessenz: Die Frage/Problemstellung ist im Grunde wichtiger als die Antwort!
D.h. Du hast am 25.5 auch immer dein Handtuch dabei?
Die Antwort ist 42, leider wurde die Frage nur nie präzise gestellt!
Liebe Grüße
Beatrix
Re: Bundesratsinitiative der dgti
Verfasst: Di 10. Nov 2015, 10:05
von Anne-Mette
Moin,
der südschleswigsche Wählerverband SSW in Schleswig-Holstein wird die Initiative unterstützen.
Gruß
Anne-Mette
Re: Bundesratsinitiative der dgti
Verfasst: Mi 11. Nov 2015, 10:46
von nicole.f
Wie Daenerys schon so richtig sagte, geht es hier bei dieser Initiative _nicht_ um die medizinische Behandlung und/oder deren Richt- oder Leitlinien.
Dies müssen wir klar trennen, daher steige ich jetzt gar nicht in die Diskussion und Entwicklungen der AWMF Leitlinien ein (wer möchte, könnte dafür ja auch mal einen eigene Strang aufmachen?).
Die Initiative zielt einzig auf die Abschaffung der Begutachtungspflicht nach TSG ab, mehr nicht. Teile, und ich sage mit Absicht _Teile_, von bestimmten Richt- und Leitlinien werden darin nur zitiert, um vereinzelte und ganz spezifische Sachverhalte zu belegen, klarzustellen oder deutlicher zu machen. Damit sollen sich nicht die gesamten Regelwerke zu Eigen gemacht werden, es geht nur um einzelne Aspekte.
Liebe Grüße
nicole