Seite 2 von 3

Re: Erlaubt den Männern das Kleid

Verfasst: Mi 7. Okt 2015, 11:03
von Anne-Mette
Moin Ulrike-Marisa,

für mich ist die Frage, ob es in einem für Dich so wichtigen Punkt ein "basta" geben darf.
Das könnt nur ihr beide bestimmen - und Du bestimmst über Dein Hinnehmen mit (schon damals in der MAV in Berlin sage der Vorstitzende, wenn eine Diskussion über einen Antrag nicht zustande kam: "... darf ich euer Schweigen als Zustimmung auffassen?")

Du hast die Risiken angesprochen, die sich ergeben könnten, wenn ihr "das Problem" angeht. Mit "Problem" meine ich nicht das Tragen von Röcken und Kleidern, sondern das Beziehungsproblem; denn wenn ihr keinesfalls ins Gespräch kommen "dürft", wenn Du Dein Sein vor gemeinsamen Freunden und Bekannten möglichst verbergen oder gar verleugnen sollst, dann ist es ein Beziehungsproblem, das bearbeitet werden sollte...
... es sei denn, ihr habt den Status: "... der Partner/die Partnerin wird so "aufgeschlissen" wie er/sie eben ist. (smili) (ich weiß, das ist ein wenig derbe ausgedrückt).
ABER
ich habe den Eindruck, da Du das Thema immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln ansprichst, dass es ein ernsthaftes Problem für Dich ist, wie Deine Familie in diesem Punkt mir Dir umgeht. Gesund ist das bestimmt nicht; denn Du machst den Eindruck, dass Du darunter leidest.

Gruß
Anne-Mette

Re: Erlaubt den Männern das Kleid

Verfasst: Mi 7. Okt 2015, 11:25
von Ulrike-Marisa
Hallo Anne-Mette,

...natürlich ist das für mich persönlich ein ernsthaftes Problem, wo es aber für mich keine machbare zufriedenstellende Lösung gibt. Das ist ein internes Problem von uns zu Hause, wo nur der bisherige oft angesprochene Status Quo mit DW, Ohrringen, Schmuck und langen Haaren zumindest einen Korridor beschreibt, der Teil einer Lösung sein kann, sofern ich mich weiterhin damit arrangieren kann. Was außerhalb unseres näheren Umfeldes ist, das kann schon wieder unter anderen Gesichtspunkten gesehen werden...
Da ist vieles auch immer eine Frage des Standpunktes von wo aus ich eine Sache betrachte. Meine Frau betrachtet es natürlich von ihrer persönlichen Seite und Befindlichkeit heraus, aus der sie solche Dinge eben nicht ertragen kann, wie eine Frau neben sich im Haushalt oder ein Mann mit Rock. Das findet sie auch sonst nahezu unerträglich...und das hat nicht mit einer eventuellen sonstigen fortschrittlichen politischen oder sozialen Gesinnung zu tun. Das ist eine ganz persönliche Einschätzung und Sichtweise den eigenen Ehe-Partner betreffend: ich bin keine Ehepartnerin in ihren Augen und die will sie auch nicht haben etc. pp....
Mal abgesehen von folgen einer Trennung; werden dann alle Beteiligten glücklicher???? - ich weiss es nicht.

LG, Ulrike-Marisa

Re: Erlaubt den Männern das Kleid

Verfasst: Mi 7. Okt 2015, 11:36
von Anne-Mette
Liebe Ulrike-Marisa,

es kann wohl kaum jemand beantworten, wie es dann mit dem Glücklichsein aussehen würde.
Sicherlich kann es nur um Kompromisse gehen - ich möchte keine "Holzhammermethode" vorschlagen. Es ist eigentlich auch ganz allein eure Sache; aber Du hast uns gefragt... )))(:
und ich bekomme mit, dass Du darunter leidest, wie es ist.
Es geht mir auch nicht darum, dass ich sagen würde: "Deine Frau muss alles akzeptieren", aber wenn es um ein so schwergewichtiges Problem in der Partnerschaft geht, dann ist es ungut, Gespräche mit "basta" abzubügeln.

Sollte ein anderes Problem auftauchen, das eure Beziehung belastet (das wünsche ich euch natürlich nicht), dann müsstet ihr euch auch darüber auseinandersetzen...

Gruß
Anne-Mette

Re: Erlaubt den Männern das Kleid

Verfasst: Mi 7. Okt 2015, 12:08
von Amadé
In dem eingangs verlinkten Artikel sind interessante Ansätze. Es geht vor allem darum, den Rock bzw. das Kleid als Kleidungsstück für den Mann einzuführen, ohne damit seine Männlichkeit in Frage zu stellen. Würde es damit für Männer einfacher werden?

Nicht jede Frau sieht in jedem Kleid gut aus. Das Kleid muss in Farbe, Material, Schnitt, Passform und Stilrichtung zu ihr passen. Das kann Folge einer sorgfältigen Auswahl oder eines glücklichen Zufalls sein. Außerdem muss alles um das Kleid herum ebenfalls damit harmonieren. Was so leicht aussieht, ist nicht immer leicht erarbeitet. Mit einer ebenso sorgfältig ausgewählten Hose kann eine Frau den selben Eindruck vermitteln. Sie hat die Wahl.

Es ist m. E. nicht so, dass Männer bisher keine Ausdrucksmöglichkeit durch ihre Kleidung haben. Sie nutzen sie nur selten! Wenn sie sich ebenso mit der Frage beschäftigen, welche Farben und Materialien individuell zu ihnen passen, wie sie ihren Körperbau betonen oder was sie davon kaschieren wollen, allein schon welche Kleidungsgröße für sie richtig ist, und nicht zuletzt, was sie mit ihrer Kleidung ausdrücken wollen, können sie auch innerhalb des gesellschaftlichen Kleidungskanons ihren Stil finden. Ein Rock oder ein Kleid kann eine passende Ergänzung sein.

Das eigentliche Problem hat der Autor in einem früheren Beitrag benannt, der in dem Artikel verlinkt ist:
Sexuelle Orientierung (gemeint ist offensichtlich: Geschlechtliche Identität) wird heute als etwas diskutiert, das wir tief in uns tragen — als Teil unserer Identität. Aber wir tragen sie in Wirklichkeit vor allem auf der Haut.
Dadurch wird der Mann im Rock nicht als männlich wahrgenommen. Vielleicht spielt auch bei einer Partnerin die Befürchtung hinein, dass ihr Mann die männlichen Eigenschaften, die sie an ihm schätzt, vielleicht im Rock verlieren könnte. Oder dass er sie womöglich auch ohne Rock nicht in dem Maße hat, wie sie es sich wünscht.

LG Amadé

Re: Erlaubt den Männern das Kleid

Verfasst: Mi 7. Okt 2015, 15:41
von Nora_7
Seit etlichen Jahren gibt es viele Ansätze von Designern, Röcke und Kleider für Männer zu zeigen. Leider ist da wirklich wenig Tragbares dabei — wie auch meistens bei den Originalentwürfen der Designer auf den Shows. Ich selbst trage am liebsten Kleider, weil die so bequem (Shirt- und Strickkleider) sind oder so elegant aussehen (Etuikleider).

Wenn ich kreativ-konzeptionell arbeite (Homeoffice), trage ich auch meistens Kleider. Bei Frauen gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Wohlgefühl und Kleidung — so wie ich mich gerade fühle, kleide ich mich, die Kleidung als Ausdruck der eigenen Darstellung. Bei Männern ist dieser Aspekt statistisch unterentwickelt oder unterdrückt — alles hat funktional-aufgabenbezogen zu sein plus Hierarchieeffekt (z.B. Krawatte). Statistik bedeutet aber auch, dass es auch genügend Männer gibt, die das "Wohlfühlgen" in sich tragen, denn die Übergänge m/w sind fließend, nicht abrupt.

Leider fehlen bei den Männern immer noch prominente Vorbilder, so dass sich so wenige trauen.

Das ideale Männer + Unisex-Kleid sehe ich so: oben wohl eher etwas weiter geschnitten + U-Boot-Ausschnitt, unten A-Linie mit Rundumfalten oder nur hinten wie beim Kilt. So gibt es etwas Taille und für die meisten wird das Sitzen einfacher, da das Kleid vorne etwas zusammenfällt. Länge: italienisch bis knielang — gut zu laufen und die "Pendellänge" wird auf jeden Fall auch beim Sitzen überschritten.

Alternativ: wenn unten eng, dann elastische Stoffe wie Strick. Bei eng kann es schon schwierig sein, den männlichen Gang beizubehalten, da es auch irgendwie suboptimal aussieht. Manchmal auch bei weit: Meine Frau stört es ziemlich, wenn ich meinen Kilt mit der Hüfte zum Schwingen bringe — macht halt Spass (aber: "du geht"™s jetzt ja wie eine Frau").

Zusammengefasst: es ist nicht einfach, eine Harmonie zwischen männlicher Figur, Gang und gleichzeitig Eleganz im Kleid herzustellen. Aber es sollte machbar sein.

Nora_7

Re: Erlaubt den Männern das Kleid

Verfasst: Mi 7. Okt 2015, 16:56
von Mayu
Ohne gleich gesteinigt zu werden... Würd da nicht ein Teil vom Reiz zusammenbrechen wenn "garnichts" dabei wäre wenn Mann sich in Frauenkleider schmeißt?

Vielleicht bin ich immernoch zu fetischorientiert, wobei das auch allmählich nachlässt und eher ein reiner Spaß an der Verwandlung in den Vordergrund rückt. Aber wenns da keine Unterschiede mehr gäbe, ich weiß nicht, mir würde was fehlen.

Re: Erlaubt den Männern das Kleid

Verfasst: Mi 7. Okt 2015, 17:13
von Nora_7
Es geht bei dem Aufruf ja um das Kleid bei Männern allgemein. Wie ich beschrieben habe, sehe ich da schon einen Bedarf an gestalterischen Anpassungen, die bei CDs ja keinen Sinn machen. Auch eine Damenhose ist anders geschnitten als eine Männerhose. Also eigentlich kein Problem.

Nora_7

Re: Erlaubt den Männern das Kleid

Verfasst: Mi 7. Okt 2015, 17:23
von Amadé
Ich finde, die Frage von Mayu muss gestellt werden. Ich glaube nicht, dass sich Ludwig XIV. besonders weiblich fühlte, als er sich um 1700 mit zierlichen Schuhen auf hohen Absätzen, langen Seidenstrümpfen, lockiger Langhaarperücke und viel Schminke im Gesicht in Pose geworfen hat.

LG Amadé

Re: Erlaubt den Männern das Kleid

Verfasst: Mi 7. Okt 2015, 17:48
von Natascha030
Hallo Zusammen,

ich muss das Kleid (oder den Rock) mal mit einem Badeanzug ergänzen! In Kürze mache ich mit meiner Frau wieder Auqafitness (es sind ca. 15, meist ältere Damen und ich sehr wahrscheinlich wieder der einzige "Kerl"). Als ich vor Jahren uff Kur war, trug ich ständig beim Schwimmsport einen Damenbadeanzug von Lidl. Ich fand ihn total bequem und er kaschierte ja auch ein bisschen. Nun wollte ich mir (sogar einen Badeanzug für Herren) zulegen, der Kommentar meiner Frau; "Dann kannst Du allein dahin gehen!". Zu Hause trage ich ab und zu Strumpfhosen (wenn es kühl wird) und auch einen Damenschlafanzug! Ich weiss auch nicht, ob es je toleranter wird? Auch finde ich, dass die Umwelt bereits schon einmal toleranter war! Ich habe nun auch keine "Freundin" mehr, mit welcher ich meine Weiblichkeit in der Öffentlichkeit ausleben kann (nicht einmal mehr zum Fasching!). Also lebe ich von meinen Erinnerungen, welche immer sehr schön waren! Viele von uns dürfen leider nur davon träumen, also kann ich, so gesehen, doch sehr glücklich sein.

Liebe Grüsse aus B ä r-lin,

Natascha :-)

Re: Erlaubt den Männern das Kleid

Verfasst: Mi 7. Okt 2015, 17:54
von Anne-Mette
Moin,
Zu Hause trage ich ab und zu Strumpfhosen (wenn es kühl wird) und auch einen Damenschlafanzug! Ich weiss auch nicht, ob es je toleranter wird? Auch finde ich, dass die Umwelt bereits schon einmal toleranter war!
Ich lasse normaler Weise keine Umwelt in meine privaten Räume )))(: - und schon üerhaupt nicht ins Schlafzimmer, es sei denn (nein, das sage ich lieber nicht :mrgreen: )

Es ist sicherlich schwierig, von der Umwelt zu verlangen, dass sie eine Veränderungskraft entwickelt, die bei Partnerinnen für positive Veränderungen sorgt.
Da müsste schon sehr viel Zeit mit großen Veränderungen ins Land gehen.

Gruß
Anne-Mette

Re: Erlaubt den Männern das Kleid

Verfasst: Mi 7. Okt 2015, 18:03
von Natascha030
Moin moin Anne-Mette,

wie jetzt? Öffentlichkeit ins Schlafzimmer? Das wissen nur meine Frau und ich! Mit dem Badeanzug ist schade, es wäre doch wirklich nix dabei..... Im nächsten Leben werde ich einfach eine Frau! Dann gibt es diese Probleme nicht, lach.... Allerdings..., werde ich dann wissen, dass ich einmal ein Mann war?

Schönen Abend noch,

L.G.

Natascha :-)

Re: Erlaubt den Männern das Kleid

Verfasst: Mi 7. Okt 2015, 19:40
von exuserin-2017-01-16
Der Bedarf scheint ja da zu sein , wenn man die vielen Männer auf den Faschingsveranstaltungen als Frauen verkleidet sieht. Nur außerhalb dieses erlaubten Rahmens werden es sich die wenigsten trauen.
Ich möchte als Mann kein Kleid anziehen zumindest nicht wenn ich als Mann erkennbar bin, als Uta natürlich sehr gerne.
Lg Uta

Re: Erlaubt den Männern das Kleid

Verfasst: Do 8. Okt 2015, 07:10
von Astrid
Hallo Kornelia,

ich habe auch keine Ahnung, aber ich schließe darauf, da ich hier oft lese "en femme", "als Frau" oder "Passing" und das in Abhängigkeit von der jeweils getragen Kleidung und dem Styling.

Mir ist es gleichgültig, worüber sich jemand als was definiert; mir tut auch niemand leid deswegen.
Ich für mich kann sagen, daß ich kein anderer Mensch werde, wenn ich dem weiblichen Geschlecht zugewiesene Kleidung trage. In mir "wohnt" auch nicht Astrid, oder kommt mal zum Vorschein. Ich bin ich, egal wie ich gekleidet bin. Geschlecht ist für mich nur für die Fortpflanzung relevant. Ansonsten definiere ich mich als Mensch.
Das ist der Standpunkt, von dem ich die Thematik im Moment betrachte. Diese Einstellung bietet mir die größtmögliche Freiheit, mich zu kleiden wie ich möchte und mich zu verhalten wie ich möchte. Ohne mich dabei an gemeingültigen Geschlechtsmustern orientieren zum müssen. Einzig begrenzt durch mein persönliches Level an Courage, das auch bis zur letzten Konsequenz so durchzuziehen.

Liebe Grüße - Astrid

Re: Erlaubt den Männern das Kleid

Verfasst: Do 8. Okt 2015, 09:57
von biene38
Astrid hat geschrieben: ich habe auch keine Ahnung, aber ich schließe darauf, da ich hier oft lese "en femme", "als Frau" oder "Passing" und das in Abhängigkeit von der jeweils getragen Kleidung und dem Styling.
Wenn man es auf einen gemeinsamen Nenner bringen möchte, sind es Menschen, die Interesse an schöner Kleidung haben, die sehr auf ihr Äußeres achten, die sich gerne pflegen und schminken, deren Erscheinungsbild ihnen sehr wichtig ist, die attraktiv sein wollen.

Der Unterschied liegt dann eher darin, wie sie wahrgenommen werden möchten. Die einen fühlen sich wohler, wenn sie sich an das gewohnte gesellschaftliche Bild anpassen, d.h. sich so zurecht machen, dass sie dem gewohnten Bild "Frau" zugeordnet werden, und somit weniger auffallen.
Als Mann mit Kleid fällt man definitiv mehr auf.
Die Intention bleibt aber die gleiche, die Lust an Mode und am eigenen Erscheinungsbild.

Re: Erlaubt den Männern das Kleid

Verfasst: Do 15. Okt 2015, 18:36
von bruna
Hallo

ja, wie sähe es aus, wenn sich mehr trauen würden?

Herzliche Grüsse