Hallo ihr Lieben,
seit meinem letzten Eintrag ist nun fast ein halbes Jahr vergangen. Es war eine aufregende Zeit, die mich sehr bewegte und manchmal auch lähmte. Jetzt ist etwas Ruhe eigekehrt, was meiner Seele gut tut.
Ich nehme nun schon seit 10 Monaten weibliche Hormone und seit ein paar Wochen zusätzlich Androcur, aber nur 5mg, zur Unterstützung der Feminisierung. Meine letzten Werte waren Östrogen 107 und Testosteron 1,8.
Ich fühle mich körperlich gut, wenn ich auch zunehmend feststellen muss, dass meine Kraft nachgelassen hat, woran ich mich noch gewöhnen muss. Da ich schon seit vielen Jahren laufe, es sogar eine zeitlang wettkampfmäßig gemacht habe, merke ich es dabei am stärksten. Das mag natürlich auch daran liegen, dass ich älter geworden bin, aber es fällt mir doch sehr auf, dass es besonders im letzten halben Jahr anstrengender geworden ist die Leistung aufrechtzuerhalten. Ich habe aber auch nicht mehr diesen Ehrgeiz, sondern sehe alles viel lockerer. Das Wichtigste ist mir, dass ich regelmäßig laufen kann und nicht mehr wie schnell oder wie weit.
Mein Körper, meine Figur ist weiblicher geworden und so auch meine Psyche, so dass ich immer mehr das Gefühl habe, ja das bin ich"¦Frida"¦und es macht mich glücklich.
Leider habe ich immer noch den Bartschatten. Die Bewilligung des Antrags auf Nadelepilation ist noch nicht bewilligt. Das zieht sich und nervt"¦sehr! Die nächsten Tage werde ich die noch fehlenden Unterlagen wegschicken, damit der Herr MDK endlich zufrieden ist. Ich habe einen elfseitigen transsexuellen Lebenslauf geschrieben, was ihn hoffentlich sehr beeindrucken wird. Nein, den habe ich natürlich nicht nur ihm, sondern auch meiner Psychologin geschrieben"¦und mir sicher auch.
Das Erinnern und Schreiben war gar nicht so einfach für mich und hat mich mehrmals sehr aufgewühlt, so dass ich auch öfter Pausen einlegen musste. Meine Psycho war begeistert und meinte, ich solle den unbedingt mit zu den Unterlagen für den MDK geben.
Ich war in Essen wegen eines Beratungsgesprächs und Voruntersuchung zur möglichen GaOp. Aus der Sicht der Ärztin bestehen keine Bedenken und sie hat mich auf eine vorläufige Liste gesetzt. Ich werden nun auch diesen Antrag bei der KK einreichen, um dann bei Bewilligung einen festen Termin festmachen.
Gleichzeitig stelle ich den Antrag auf Vä/Pä beim Amtsgericht D"™dorf. Ich finde zwar diese Gutachtensystem völlig daneben und habe mich bisher dagegen gewehrt, aber es nervt mich zunehmend, dass es so schwer ist, besonders bei den amtlichen Stellen, als Frida anerkannt zu werden oder Leistungen von der KK zu bekommen.
Im privaten Bereich kehrt mehr und mehr Normalität ein. Meine Frau und ich haben zwei harmonische Wochen in Nordfriesland Urlaub gemacht. Meine Transition spielte während dieser Zeit überhaupt keine Rolle. Wir waren einfach zwei Frauen mit Hund, die in einem schönen Ferienhaus an einer Gracht in Klein-Amsterdam und Umgebung eine schöne Zeit verbrachten.
Nachdem ich vor ein paar Monaten noch dachte, ich stünde vor dem Scherbenhaufen unserer Ehe hat sich dann doch alles zum Guten entwickelt. Auch für alle Anderen der Familie ist meine Veränderung kein großes Thema mehr. Über diese Entwicklung bin ich sehr glücklich.
Meiner Frau bin ich sehr dankbar, denn sie hatte am meisten zu verarbeiten und zu erleiden. Aber wir haben wieder einmal feststellen müssen, dass wir zusammen solche Tiefen und Stürme aushalten können und hinterher irgendwie auch gestärkt und gefestigt hervortreten. Das war harte Arbeit, besonders das Aushalten, wenn man meint es geht nicht mehr weiter, aber es hat sich gelohnt, wenn auch der Prozess noch nicht abgeschlossen ist, aber die neue Basis steht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Prüfung nur durch die Liebe und die lange Zeit unseren geneinsamen Zusammenlebens, die uns natürlich zusammengeschweißt hat, von uns gemeistert werden konnte.
Wir alle verändern uns im Verlauf unseres Lebens, die einen mehr und die anderen weniger, aber meine Veränderungen in einer relativ kurzen Zeit sind natürlich enorm. Sie sind für mich und besonders für mein nächstes Umfeld besonders gravierend und es kostete viel Kraft sie zu bewältigen. Es gibt dabei Höhen und Tiefen und manchmal dachte ich verzweifeilt es nicht zu schaffen, aber es hat sich gelohnt zu kämpfen.
Ich lebe nun als das, was ich eigentlich im Grund schon immer war"¦als Frida. Immer wenn ich bewusst daran denke, und das tue ich oft, ist es wie ein tiefes Atmen, ein Ein und Aus, was mich entspannt und ich fühle ein Fließen in mir und bin einfach glücklich. Ich empfinde es nicht als Verwandlung, sondern es sind Veränderungen, die ich herbeigeführt und zugelassen habe. Die Größte ist eben die, dass ich der Welt gesagt habe, was ich bin und ihr es nun offen zeige. Es ist wunderbar zu erleben, dass ich als Frida angenommen werde.
Liebe Grüße, Frida
