Re: SpOn: Geschlechterdebatte: Die Gender„Lüge
Verfasst: Sa 13. Jun 2015, 09:38
Hallo Nina, Guten Morgen zusammen,
Ich glaube nicht, dass alle Vertreter_innen der 'Gender-Theorie' das Nicht-Vorhandensein von individuellen Eigenschaften immer noch so streng annehmen. Nach allem was ich höre und lese, werden Prädispositionen, also eine Art von Eigenschaften die ganz oder teilweise in die eine oder andere Richtung bestehen, nicht durchgängig abgestritten. Vielmehr wird gesagt, dass das eigentliche Problem die Zuordnung bzw. die erzieherische und gesellschaftliche Durchsetzung der 'richtigen' Eigenschaften, der 'richtigen' sozialen (Geschlechter-)Rolle ist. Das trifft m.E. auch auf transseuelle Menschen zu; es wird ihnen etwas zugeschrieben, was nicht zu ihren eigenen Eigenschaften, zu ihrer Persönlichkeit passt. Wenn man das unter 'making gender' versteht, sieht die Sache ein wenig anders aus.
Gender wird aus meiner Sicht viel zu oft und fälschlicherweise als eine individuelle Eigenschaft betrachtet und diskutiert. Eigentlich ist Gender aber eine auf Wechselwirkungen zwischen einem Menschen und der Gesellschaft beruhende Gegebenheit. Es ist ja nicht abzustreiten, dass 'die Gesellschaft' eine ziemlich strikte Zuordnung von Eigenschaften vornimmt, die von den körperlichen Merkmalen abhängig gemacht werden. Das passiert allen Menschen, völlig unabhängig von ihrer individuellen, eigenen Verortung. 'Gender' ist aus meiner Sicht definitiv nicht der Gegenbeweis, der Transsexualität widerlegt, sondern die Beschreibung dessen, was zwischen Mensch und Gesellschaft passiert. Es ist das, was bei manchen Menschen (dir und auch mir) dazu führt, dass eine Abweichung zwischen dem eigenen 'Ich' und den äusseren Zuschreibungen entsteht. Es hat m.E. aber nichts mit dem geschlechtsbezogenen Selbstempfinden zu tun. Das ist bei dir 'Frau', bei mir 'kann ich nicht sagen' und bei anderen 'Mann'.
Das Problem sehe ich nicht in der Gender-Theorie, die am Anfang vielleicht auch einfach radikaler gedacht werden musste, als sie am Ende wirklich ist. Das ging ja vielen Theorien so. Das Problem liegt m.E. zur Zeit eher darin, dass mit alten Argumenten der Theorie hantiert wird, dass sie zum Teil (bewusst) falsch interpretiert wird und das Teile der Gesellschaft, eben auch Fleischhauer, nicht von ihrem Zuschreibungsmonopol abrücken wollen oder versuchen ihre Normalitätsfiktion aufrecht zu erhalten.
Für mich ist die Gender-Frage kein Keil zwischen Mann oder Frau oder 'Weder noch'. Es ist das Werkzeug, mit dem wir alle gemeinsam falsche Zuschreibungen und geschlechtsbezogene Diskriminierungen bekämpfen können und sollten.
In der Hoffnung so gelesen zu werden, wie ich es mir wünsche,
hab es gut
Marielle
edit: plöde Rächtsschräibveler gorickirt (jedenfalls die, die ich gefunden hab)
Ich glaube nicht, dass alle Vertreter_innen der 'Gender-Theorie' das Nicht-Vorhandensein von individuellen Eigenschaften immer noch so streng annehmen. Nach allem was ich höre und lese, werden Prädispositionen, also eine Art von Eigenschaften die ganz oder teilweise in die eine oder andere Richtung bestehen, nicht durchgängig abgestritten. Vielmehr wird gesagt, dass das eigentliche Problem die Zuordnung bzw. die erzieherische und gesellschaftliche Durchsetzung der 'richtigen' Eigenschaften, der 'richtigen' sozialen (Geschlechter-)Rolle ist. Das trifft m.E. auch auf transseuelle Menschen zu; es wird ihnen etwas zugeschrieben, was nicht zu ihren eigenen Eigenschaften, zu ihrer Persönlichkeit passt. Wenn man das unter 'making gender' versteht, sieht die Sache ein wenig anders aus.
Gender wird aus meiner Sicht viel zu oft und fälschlicherweise als eine individuelle Eigenschaft betrachtet und diskutiert. Eigentlich ist Gender aber eine auf Wechselwirkungen zwischen einem Menschen und der Gesellschaft beruhende Gegebenheit. Es ist ja nicht abzustreiten, dass 'die Gesellschaft' eine ziemlich strikte Zuordnung von Eigenschaften vornimmt, die von den körperlichen Merkmalen abhängig gemacht werden. Das passiert allen Menschen, völlig unabhängig von ihrer individuellen, eigenen Verortung. 'Gender' ist aus meiner Sicht definitiv nicht der Gegenbeweis, der Transsexualität widerlegt, sondern die Beschreibung dessen, was zwischen Mensch und Gesellschaft passiert. Es ist das, was bei manchen Menschen (dir und auch mir) dazu führt, dass eine Abweichung zwischen dem eigenen 'Ich' und den äusseren Zuschreibungen entsteht. Es hat m.E. aber nichts mit dem geschlechtsbezogenen Selbstempfinden zu tun. Das ist bei dir 'Frau', bei mir 'kann ich nicht sagen' und bei anderen 'Mann'.
Das Problem sehe ich nicht in der Gender-Theorie, die am Anfang vielleicht auch einfach radikaler gedacht werden musste, als sie am Ende wirklich ist. Das ging ja vielen Theorien so. Das Problem liegt m.E. zur Zeit eher darin, dass mit alten Argumenten der Theorie hantiert wird, dass sie zum Teil (bewusst) falsch interpretiert wird und das Teile der Gesellschaft, eben auch Fleischhauer, nicht von ihrem Zuschreibungsmonopol abrücken wollen oder versuchen ihre Normalitätsfiktion aufrecht zu erhalten.
Für mich ist die Gender-Frage kein Keil zwischen Mann oder Frau oder 'Weder noch'. Es ist das Werkzeug, mit dem wir alle gemeinsam falsche Zuschreibungen und geschlechtsbezogene Diskriminierungen bekämpfen können und sollten.
In der Hoffnung so gelesen zu werden, wie ich es mir wünsche,
hab es gut
Marielle
edit: plöde Rächtsschräibveler gorickirt (jedenfalls die, die ich gefunden hab)