Hallo!
In diesem Thread finden sich so viele wunderbare Arbeiten. Ich bin immer begeistert von der Kreativität und dem Fleiß und der Akribie, mit der die UserInnen hier ihre Werke präsentieren.
Daher habe ich mich entschlossen auch einmal etwas über eines der Projekte zu schreiben, das mich in der letzten Zeit beschäftigt hat. Es wird eine Historie in Fortsetzungen, also kein „Lifebericht“ wie wir es beispielsweise von Ulrike-Marisa kennen.
Die Geschichte schwankt zwischen Mut und Wahnsinn. Oder: wie kriege ich etwas mit völlig untauglichen Mitteln und ohne jede Erfahrung fertig, wozu man sonst einen Fachmann (oder -frau) benötigt. Es geht um ein Erbstück von meinem Schwiegervater, der vor einigen Jahren verstorben ist. Danach hatte es mein Schwager in Besitz, der konnte aber nichts damit anfangen, und als er wegen einer Krankheit seinen Haushalt aufgegeben hat ist mir das Teil in die Hände gefallen…
Es geht um dieses außergewöhnliche Stück:
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Das ist, wie man unschwer erkennt, eine Gitarre. So weit so gut. Aber sie ist besonders. Sie stammt aus den 50er Jahren. Damals nannte man so etwas in Ost- wie in Westdeutschland eine „Schlaggitarre“. Verschämt vermied man die Tatsache, dass solche Art Gitarre eigentlich in den USA quasi erfunden wurden und dort gemeinhin „Jazzguitar“ genannt wurden, nach ihren häufigsten Einsatz. Das war in Deutschland so eine Sache mit dem Jazz, das war ja für den „guten Deutschen“ eine „Negermusik“ oder „Hottentottenmusik“. Aber freilich waren solche Gitarren auch gut genug für eine deutsche Tanzkapelle, da ging es nicht weniger hoch her. Und in solch einer Kapelle spielte auch mein Schwiegervater in den 50er und 60er Jahren.
Was ist nun das Besondere an diesem Instrument? Vorbild für die Schlaggitarren waren amerikanische Modelle wie die Gibson L5, ein ziemlich großes Teil mit 17“ Korpusbreite (vollkommen hohl wie eine Westerngitarre -> „hollowbody“) und 3.4“ Zargenhöhe. Da ist unser Modell etwas kleiner, nur 41 cm breit und 7 cm hoch. Aber es hat auch diese so typische gewölbte und aus einem Stück Holz geschnitzte Decke („arctop“). Diese macht den besonderen Klang dieser Gitarren aus, warm und voll und trotzdem ziemlich laut, um in einer Band gut mithalten zu können im Gesamtklang.
So etwas hat mir noch gefehlt in meiner Sammlung, ich war immer schon scharf auf eine echte Jazzgitarre. Dummerweise gibt es so etwas nicht mehr aus dem Katalog der diversen Hersteller. Nur aus „Custom Shops“ ober vom Gitarrenbauer. Das geht dann im mittleren vierstelligen Bereich los… Es gibt sie auch gebraucht und von Enthusiasten restauriert, aber auch da – je nach Zustand - meist vierstellig. So was konnte ich mir nicht leisten, bin ja nur Hobby Gitarristin.
Da war dieses Erbstück ein wahrhaftiges Geschenk. Wir werden im nächsten Teil sehen, ob wir uns wirklich freuen können.
Fortsetzung folgt…
Jenina