Ja, was haben WIR gemacht.
Genauer, meine Tochter und ich.
Ich habe eine Esszimmergruppe, bestehend aus einem 6-eckigen ausziehbaren Tisch mit 6 Stühlen.
Das besteht alles noch aus richtigem, massiven Holz, verarbeitet in solider Schreinerarbeit.
Passt fast wie massgeschneidert in unseren Erker.
Daran hänge ich sehr.
Leider hat der Zahn der Zeit etwas daran genagt und alles bedarf einer Aufarbeitung.
Eigentlich wollte ich das weggeben zur Aufarbeitung. Alten Klarlack abschleifen, oder abbeizen und neu lackieren.
Dachte ich..........
Da will keiner dran gehen. Absolut keiner. Nicht mal ein locker befreundeter Schreiner, der seit 25 Jahren mein Kunde ist.
Der damals verwendete Lack sitzt derart hartnäckig auf dem Holz, dass ein abschleifen extrem zeitaufwändig und damit unbezahlbar wird.
Eine andere Firma, spezialisiert auf Möbelaufbereitung, sagt mir, dass sie mit diesen Stühlen ihr komplettes Abbeizbad ruinieren würden.
Sandstrahlen kam noch in Betracht. Auch hier bei der einzigen Firma, mit entsprechend grosser Sandstrahlkabine eine Abfuhr, man würde ausschliesslich Metall sandstrahlen.
Also habe ich mir gesagt, dass ich mal wieder eine Entspannungsübung brauche und das selbst in die Hand nehme.
An Maschinen ist hier alles vorhanden und meine Frau und ich haben zunächst versucht den alten Lack abzuschleifen.
Nach stundenlangen Versuchen mit Schwingschleifer, Bandschleifer, Dreiecksschleifer und per Hand haben wir aufgegeben. Der Schreiner hatte recht.
Ich habe keine Ahnung was da damals für ein Lack verwendet wurde. Unglaublich, sowas habe ich noch nie gesehen.
Lange Rede, kurzer Sinn, ich habe mich fürs Sandstrahlen entschieden. Bei mir in der Garagenzufahrt.
Da ich schon mal gesandstrahlt habe, weiss ich wovon ich rede. Nämlich von einer riesen Sauerei.
Der Begriff sandstrahlen ist geblieben. Quarzsand wird jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr verwendet und ist sogar verboten.
Heute wird ein Strahlgut überwiegend auf Glasbasis verwendet.
Als ich mein Vorhaben in unserer Familiengruppe kundtat, meldete sich sofort meine Tochter, die unbedingt dabei sein wollte.
Die ist sich für absolut nix zu schade. Kommt ganz nach ihrem Vater.
Meine Tochter ist Industrie-Mechanikerin. Früher Schlosser genannt. Die wollt unbedingt auch mal sandstrahlen.
Wir haben dann an der Garage eine Gewebeplane aufgehangen und losgelegt.
Der "flüsterleise" Kompressor mit seinen 96db(A)

stand hinter dem geschlossenen Garagentor. Den Druckschlauch haben wir unter dem Tor herausgeführt.
Zunächst mal gaaaaaaanz vorsichtig rangetastet. Schliesslich wollen wir nur den Lack abstrahlen und keine Furchen ins Holz fräsen.
Der Kompressor sollte nicht zu klein sein. Mindestens 250l Ansaugleistung und mindestens einen 50L Behälter(besser 100 oder noch mehr) sollte schon sein, damit es Spass macht.
Normalerweise wird mit recht hohem Druck gestrahlt. So 6-10bar. Wir haben uns dann jedoch auf 4bar geeinigt.
Damit flog der Lack nur so davon. Bis in die allerletzte Ritze, ohne Schäden im Holz zu hinterlassen. Sandstrahlen war eine gute Entscheidung.
Vom Ergebnis waren wir beide begeistert und würden das in jedem Fall genau so wiederholen. Fast genau so,
Beim nächsten mal werden wir diese Ganzkörperkondome in Form von Wegwerfanzügen tragen.
Die hatten wir leider nicht. Das Ganze ist nämlich wirklich eine riesen Sauerei, für die ich jetzt nichts Vergleichbares nennen könnte.
Das Strahlgut zieht am Körper in jede Ecke und klebt wie die Pest an der Haut. Wirklich extrem. Vor Allem in die Haare. Und ausbürsten, oder kämmen ist nicht.
Aber unter der Dusche ist das ruckzuck wieder raus. Für so eine einmalige Aktion war das OK. Da geht das mal ohne Vollanzug.
Wir haben beide weder Hautrötungen, noch sonst irgendwelche Körperblessuren.
Aber Handschuhe, Schutzbrille und mindestens eine FFP2 Maske sind Pflicht!!!
Aus den Klamotten liess sich das Strahlgut übrigens super einfach ausklopfen. Da blieb fast nix hängen. Nur auf der Haut klebte das Zeug wie der Teufel.
Auf dem Foto kann man deutlich den Unterschied an dem Smilie sehen, den meine Tochter in die Lehne oben gestrahlt hat.
Im Hintergrund auf der Plane das bereits verwendete weisse Strahlgut.
Teuer war das alles übrigens auch nicht.
Eine Sandstrahlpistole für den privaten, gelegentlichen Einsatz kostet nur 20-25 EUR; 25Kg Strahlgut 15-20EUR und einen Kompressor kann man für kleines Geld mieten, falls nicht schon vorhanden.
Der Spass den wir hatten.....................unbezahlbar
Meine Tochter hat schon gefragt, wann wir den Tisch machen. Ich habe den Verdacht, den will sie alleine machen.
Meine Frau darf jetzt den Lack aussuchen und den neuen Stoffbezug. Den Stoff beziehe ich aber selbst. Das macht mir wieder keiner gut genug.
Liebe Grüsse
Maya
Sandstrahlen-Web-1.jpg