Sophia69 hat geschrieben: Di 23. Jan 2024, 00:52
"sich als höher qualitative Frau" betrachten, als diejenigen die "einfach nur so" sich weiblich fühlen.
Ich wäre mit einer solchen Aussage vorsichtiger. Ich fühle mich auch als Frau, aber ich denke, die physischen Maßnahmen haben eine ganz andere Wirkung, die wir uns nicht so vorstellen können. Ich denke, wir dürfen uns als Frau fühlen, aber das Fühlen als Frau ist mit HET und GaOP etwas anderes. Ich meine, es ist nicht besser oder schlechter, erst einmal anders. Und ich nehme jeder die Aussage ab, dass unter der Wirkung von weiblichen Hormonen das Fühlen ein ganz anderes ist. DAs macht unser Fühlen, die wir diese Maßnahmen nicht durchgeführt haben, weder schlechter noch verändert es für mich irgend etwas.
Bis vor kurzem habe ich eine HET für mich auch kategorisch abgelehnt. Heute weiß ich, dass das für mich vielleicht doch in Frage kommen könnte. Wenn ich rationale Randbedingungen als Grund angebe, keine HET zu machen, stellt sich die Frage, was passiert, wenn sich die Randbedingungen ändern ? Logisch, die HET kommt in Reichweite und damit muss ich mich auseinander setzen. Wenn ich dann aber eine HET machen will, zeigt das doch nur, dass mein Gefühl für Weiblichkeit dadurch präsenter und für mich besser wird. Oder anders gesagt, meine Weiblichkeit, wie ich sie heute lebe, ist nicht vollständig.
Nehmen wir an, ich würde eine HET machen und mich danach viel besser im Sinne der Weiblichkeit fühlen. Wäre es da nicht verständlich, wenn ich auf die Zeit vor der HET als eine Zeit der Unvollständigkeit schaue ? Aber genau das machen die unter uns, die diesen Weg gegangen sind. Sie haben ein gutes Gespür, ob wir unsere Weiblichkeit wirklich leben. Das Du und ich sie spüren, ist für mich unbestritten, aber leben wir sie auch ganz ? Oder lassen wir uns von rationalen Gründen davon abhalten ? Wenn wir den Kompromiss eingehen und auf weitere Maßnahmen verzichten, sollten wir das nicht beklagen, sondern uns freuen, dass wir unsere Weiblichkeit so leben können, wie wir es tun. Es kommt aber vielleicht die Zeit, in der wir den Kompromiss hinterfragen. Dann müssen wir vor uns selber klar werden, welche Schritte wir gehen wollen.
Was Menschen erkennen, die den ganzen Weg mehr oder weniger gegangen sind, ist unsere Angst, die uns vermeintlich an unsere Glaubenssätze bindet. Sie legen den Finger in die Wunde. Und wir reagieren mit Antworten, sie würden in uns Frauen 2.Klasse sehen. Dabei sind wir es selber, die wir uns in diese Situation begeben. Wenn Du Deine Weiblichkeit ohne Maßnahmen leben willst, ist das völlig ok. Aber Deine eigenen Bekundungen zu Deiner Sehnsucht sagen doch etwas anderes. Was wirklich für Dich passt, musst Du selber entscheiden.
Ich kann Dich so gut verstehen. Denn mir geht es ähnlich. Ich habe hier so oft gesagt bekommen, dass ich durch meine Grübelei mir selber im Weg stehe. Und das stimmt auch. Ich habe mich intensiv mit meinen Ängsten auseinander gesetzt und schon verändert sich meine Welt. Ich lebe meine Weiblichkeit immer deutlicher, so dass sie auch für andere erkennbar wird. Zuhause bin ich fast ständig en femme und ich zeige mich in dezenter Weise auch auf meiner Arbeit so. Das sind kleine Schrittchen zu einem Mehr an gelebter Weiblichkeit und ich spüre, dass ich auch immer mehr bereit bin, das für mich anzuerkennen. Und es hat definitiv eine andere Qualität in meinem Empfinden für Weiblichkeit. Ich bin überzeugt, dass eine HET das noch verstärken kann. Noch bin ich nicht so weit, aber ich habe den Eindruck, dass es kommen könnte.
Aber diese höhere Qualität für meine Gefühle machen mich nicht zu einer "besseren" Frau. Ich glaube, das ist ein tiefes Missverständnis. Menschen, die in ihrer Not den ganzen Weg gegangen sind, erkennen die Not der Menschen, die das nicht tun, aber daran verzweifeln. Die Sehnsucht nach einem weiblichen Körper und letztlich nach einem Leben in Weiblichkeit ist diese Not. Sie legen den Finger in unsere Wunde und das tut uns weh ... Aber für diesen Schmerz sind wir selber verantwortlich, wenn wir nicht danach handeln.