Carry hat geschrieben: Fr 13. Mär 2020, 10:50
Hallo liebe Ralf-Marlene,
natürlich kann ich nur von mir und meiner persönlichen Wahrnehmung sprechen ...aber für mich kann ich sagen, ja, ich habe da tatsächlich Schwierigkeiten mit "Zuschreibungen" - vor Allem bei Personen, die sich ja eigentlich selbst keine Zuschreibung geben wollen.
...
Liebe Carry,
danke für diesen Text, der ja ganz viel von Deinen Schwierigkeiten spricht, die Du, wie eigentlich alle in dieser Gesellschaft geprägten Menschen, auch die sich als nichtbinär empfindenden, haben.
Ja, wir müssen alle Grenzen hinterfragen und als sicher geglaubten Boden verlassen.
Nun zu Deiner unausgesprochenen Frage, als was ich meist gelesen werde. Ich werde meist als Frau gelesen, auch wenn ich bei vielen Menschen die Irritation spüre. Gerade durch meine Vergangenheit als schwuler Mann ist es für mich schwer meine "weiblichen" und "männlichen" Anteile nachzufühlen. In direkter Spiegelung haben mir Menschen gesagt, dass meine Stimme mit ihrer Ausprägung männlicher wird, wenn ich wütend oder engagiert werde, ansonsten ohne jede Schulung sehr weiblich wirkt. Als Mann wurde ich immer als "zu weibisch" gelesen, als Frau passt die Statur nicht. So werde ich als weibischer Transvestit mit weibischem Gehabe gelesen, obwohl mir die selben Menschen sagen, dass ich nicht diesen unangenehmen nölenden tuntigen Tonfall habe...
Mir ist es unwichtig wer ich bin. Ich bin eher weiblich, habe aber eindeutig eine männmliche Sozialisation durchlebt und somit männliche Anteile.
Ich nenne mich jetzt Marlene und Frau, weil die meisten sich geweigert haben Ralf-Marlene anzuerkennen und nicht nur der Name Marlene mehr Buchstaben hat, sondern auch Marlene den ünbergroßen Anteil an meinem Wesen hat. Ich kann nicht mit solcher Sicherheit sagen wie andere, dass ich mich zu 100% als Frau fühle, weiß aber4, dass ich eindeutig kein Mann im gesellschaftlichen Sinne bin
Ich reagiere allerdings auch nicht böse, wenn mich alte Bekannte, was selten passiert, mit Ralf ansprechen, solange es nicht böse gemeint ist. Um einen bösen Zungenschlag zu hören ist Frau allerdings sensibel genug.
Wie ich gelesen werde scheint mir also weniger von meinem Gefühl als von der Unfähigkeit oder mangelnden Bereitschaft meiner Umwelt abzuhängen, mir mein eigenes Identitätsgefühl zuzugestehen.
Wobei ich sagen muss, die meisten meiner Mitmenschen respektieren mich, es sind vielleicht 2% von denen, die mit mir umgehen, die glauben mir mitteilen zu müssen, dass ich wahlweise
- mir selber meiner Identität nicht sicher bin
- nicht in der biologischen/natürlichen Ordnung lebe
- schon bald, sehr bald, in der Hölle landen werde
- nie eine Frau sein kann, weil...
und ähnliche Dinge, die ich alle so schon von dem einen oder anderen Menschen gehört habe.
Liebe Grüße