Seite 8 von 28

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Verfasst: So 27. Okt 2013, 07:12
von ExuserIn-2015-02-14
Hallo, Andrea,

wie gerne hätte ich Dich ins Musical begleitet, dank Deiner ausführlichen Schilderung ist es uns immer wieder vergönnt, an Deinen kulturellen Ausflügen teilzunehmen.
Du siehst sehr feminin-elegant auf dem Foto aus.

LG Deborah

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Verfasst: Di 29. Okt 2013, 08:10
von Andrea aus Sachsen
.
Kerstin hat geschrieben:Es ist schon irre was du alles so anstellst.
Anne-Mette hat geschrieben:Für mich ist es ein Genuss, Deine Berichte zu lesen
Ladylike hat geschrieben:wie immer schreibst Du sehr detailiert und mitreißend über Deine Erlebnisse.
Adriana hat geschrieben:Am ende wähle ich dann dieses Foto weil hier, obwohl dezent, viel positiver Ausstrahlung rüber kommt und dein Gesicht vieles aussagt! Sehr schön!
Anne-Mette hat geschrieben:Deine Berichte sind sehr schön. Wenn ich die in Ruhe lese, dann ist es fast so, als wäre ich dabei gewesen.
Adriana hat geschrieben:...interessant und schön zu lesen!
margitta hat geschrieben:suupi-sieht toll aus
Ladylike hat geschrieben:Du siehst sehr feminin-elegant auf dem Foto aus.
Kerstin hat geschrieben:Siehst richtig gut aus. Vor allem der Blazer steht dir.
Sabrina Verena hat geschrieben:Ein sehr schönes Bild. Und sehr sympathisch.
Tina_G hat geschrieben:Wie bei all deinen Bildern: souverän, gelassen, elegant, dezent.
Es ist wieder einmal an der Zeit, mich für die netten Kommentare zu meinen Beiträgen und Bildern zu bedanken. ---))) ---))) ---)))
Ich trage mich ja immer wieder mal mit dem Gedanken, keine Berichte mehr zu schreiben, zumindest nicht mehr so ausführlich, weil ich befürchte, damit irgendwann zu langweilen. Eure positiven Reaktionen lassen mich diese Gedanken aber immer wieder verdrängen. Außer der Frage, ob ich weiterschreibe, würde mich deshalb auch mal eure Meinung zu inhaltlichen Fragen (Umfang, Schwerpunkte, Schreibstil u.a.) interessieren.

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Verfasst: Di 29. Okt 2013, 10:15
von Claudia H.
Hallo Andrea
Ich lese deine Berichte sehr gerne und finde das sie vielen hier helfen können.Du unternimmst so viel als Frau und das sollte doch für die schüchternen Mädels hier ein Ansporn sein es auch zu versuchen.
Ich habe mich früher auch nicht rausgetraut aber durch solche Berichte bin ich mutiger geworden und heute lebe ich ganz als Frau.
L.G. Claudia

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Verfasst: Di 29. Okt 2013, 19:23
von Kerstin
Andrea aus Sachsen hat geschrieben:.
....
Ich trage mich ja immer wieder mal mit dem Gedanken, keine Berichte mehr zu schreiben, zumindest nicht mehr so ausführlich, weil ich befürchte, damit irgendwann zu langweilen. .....
Neinneinnein niemals bitte mach weiter. Einfach so wie bisher.

Andrea - du hast einen sehr lebendigen schreib stiel und man kann sich sehr gut in das Geschehen rein versetzen. Und es sind Berichte wie deine die anderen, auch mir, Mut machen sich mehr zu trauen.

Vielen Dank für deine Arbeit (flo)

Liebe Grüße
Kerstin

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Verfasst: Do 31. Okt 2013, 20:43
von Andrea aus Sachsen
.
Claudia H. hat geschrieben:Ich lese deine Berichte sehr gerne und finde das sie vielen hier helfen können.
Kerstin hat geschrieben:... bitte mach weiter. Einfach so wie bisher.
Gut, Ihr habt mich überredet.

30.10.2013
Heute ist gar kein Andrea-Tag, aber eine kleine Episode möchte ich euch nicht vorenthalten. Ich habe heute (eigentlich schon gestern) zum ersten Mal als Andrea Post bekommen. Nicht die moderne elektronische, sondern ganz klassisch. Das Leipziger Opernhaus schickte mir die Karten für zwei Vorstellungen am kommenden Wochenende.
Das war aber so nicht vorgesehen, denn ich hatte bei der Bestellung angegeben, dass ich die Karten vor Ort an der Kasse abholen möchte, deshalb das ganze unter meinem weiblichen Namen.
Was hätte durch die Postzustellung nicht alles passieren können: Meine Tochter hätte den Brief sehen und neugierige Fragen stellen können. Die männliche und weibliche Adresse unterscheiden sich bei mir zwar außer der Anrede nur durch einen einzigen Buchstaben, aber ein übereifriger Postbote hätte den Brief womöglich zurückgeschickt. Auch wenn die Post sich verspätet hätte oder ich gestern schon abgereist wäre, stünde ich jetzt ohne Karten da.
Die letzte Woche war für mich sehr stressig. Zum einen hatte ich einige Überstunden gemacht, um den "Brückentag" am kommenden Freitag herauszuarbeiten. Zum anderen klappte es mit der Unterbringung meiner Tochter bei Verwandten nicht wie geplant, was mein Vorhaben in Frage gestellt hätte.
Zum Glück ist aber nichts von alldem passiert und für alles andere konnte ich eine Lösung finden. Somit steht meinem nächsten kulturellen Höhepunkt nun nichts mehr im Wege.
Jetzt wisst ihr also, was ich vorhabe und könnt schon auf meinen Bericht gespannt sein. Sollte es dagegen hier jemanden geben, der bzw. die das Wort Oper schon nicht mehr hören kann: Ihr dürft meinen nächsten Bericht auch überspringen.

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Verfasst: Do 31. Okt 2013, 21:35
von Kerstin
Andrea aus Sachsen hat geschrieben:.
.... Sollte es dagegen hier jemanden geben, der bzw. die das Wort Oper schon nicht mehr hören kann: Ihr dürft meinen nächsten Bericht auch überspringen.
Pfff...
Das einzige was passiert, ist das ich irgentwann einmal mitkomme.


Viel Spaß
Kerstin

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Verfasst: So 3. Nov 2013, 00:30
von Victoria
Hallo Andrea,

ich habe heute Abend faszinierend deine Erlebnis(Reise)-Berichte gelesen.

Bin jetzt erst dazu gekommen deine Berichte zu lesen und konnte nicht aufhören, bis ich am hoffentlich vorläufigen Ende angekommen bin.

Einen wunderschönen fesselnden Schreibstil hast du.

Bitte schreibe weiter :)

Lieben Gruß und gute Nacht :))b
Claudi

P.S.: Ich hoffe, das ich das irgendwann auch erleben darf

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Verfasst: So 3. Nov 2013, 00:57
von Inga
Hallo, Andrea,

ich finde, es macht einfach Spaß, von deinen Erfahrungen und Ausflügen zu lesen. Das ist überhaupt nicht langweilig. Außerdem finde ich es gut, dass du dich nicht beirren lässt, sondern als Frau so intensiv deinen Interessen nachgehst und immer wieder Neues wahr nimmst.

Liebe Grüße
Inga

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Verfasst: Di 5. Nov 2013, 01:00
von Andrea aus Sachsen
.
1.11.2013
Nachdem mir die Opernkarten für das kommende Wochenende als Andrea gerade noch rechtzeitig persönlich zugeschickt wurden, konnte es jetzt losgehen. Ja, ich hatte gleich für zwei interessante Aufführungen Karten bestellt, weil ich mich einfach nicht für eine von beiden entscheiden konnte. Es ging, wie in meinem letzten Beitrag schon erwähnt, nach Leipzig. Dort war ich als Andrea noch nie (von der Durchreise zum Forumstreffen nach Berlin mal abgesehen).
Der Tag begann wieder mit dem üblichen Ritual: Bereits am Vorabend war der Koffer weitestgehend gepackt und alles andere zurechtgelegt. Nach dem Aufstehen dann anziehen, schminken, Brötchen holen, frühstücken, Handtasche packen und los ging"˜s zum Bahnhof! Ich trug heute einen wadenlangen braunen Stufenrock, meine blau-grün-weiß gemusterte Bluse, schwarze Stiefel und darüber meinen cremefarbenen Anorak (siehe Foto in meiner Galerie von einem früheren Ausflug: gallery/image_page.php?album_id=677&image_id=6910).
Gegen 11 Uhr war ich in Leipzig. Mein Hotelzimmer sollte ab 14 Uhr zur Verfügung stehen, also habe ich meinen Koffer vorerst in einem Schließfach im Hauptbahnhof deponiert.
Ich hatte mir vorgenommen, mal so richtig in den zahlreichen Damenmodegeschäften zu stöbern. Vorrangig wollte ich nach einem "kleinen Schwarzen" und nach festlichen Blusen Ausschau halten, um bei künftigen Theaterbesuchen etwas mehr Auswahl zu haben.
Beginnen konnte ich gleich in den Promenaden im Hauptbahnhof, war aber von dem Angebot enttäuscht: Fast alles nur Alltagskleidung und nicht unbedingt für meine Altersgruppe geeignet!
Meinen Einkaufsbummel wollte ich am Markt fortsetzen, blieb aber auf dem Weg dorthin in einem größeren Einkaufszentrum "hängen". Viel besser fand ich das Angebot dort aber auch nicht. Es fehlte ein Laden, der sich etwas auf das festliche spezialisiert hatte. Ich probierte zwar das eine oder andere Teil an, aber mehr um es mir vorzumerken für den Fall, dass ich woanders nichts finde. Notfalls hätte ich am nächsten Tag noch einmal vorbeikommen können.
Fündig geworden bin ich schließlich bei H&M. Dort gab eine kleine Auswahl "kleine Schwarze", von denen zwei mir ganz gut gefielen. Da diese in fast allen Größen vorrätig waren, nahm ich von denen je 2 verschiedene Größen mit in die Kabine. Dort musste ich mich aber zuerst in die Schlange von etwa 10 Damen einreihen, die das gleiche vorhatten.
Die Dame unmittelbar vor mir war wahrlich nicht zu übersehen: Etwa 10 cm größer als ich und auch mit einem Rock bekleidet. Da lag natürlich der Verdacht auf CD nahe. Als sie aber an der Reihe war und mit der Verkäuferin, die vor den Kabinen die Stücke nachzählte, ein paar Worte wechselte, war mir klar, dass sie doch "echt" war.
Es war gar nicht so einfach, die Kleider über den Kopf zu ziehen, ohne die Perücke herunterzureißen oder die Sachen mit Schminke zu beschmieren. Von beiden Kleidern hatte mir die jeweils kleinere der ausgewählten Größen besser gepasst. Ich entschied mich für ein Kleid, das vorn mit kleinen Pailletten bestickt ist. Für gerade mal 29,95 € war es auch sehr preiswert. Dass ich es gleich bei einer der kommenden Vorstellungen anziehe, schloss ich aus, da ich dazu erst in Ruhe geeignete Accessoires aussuchen wollte.
An der Kasse musste ich wieder inmitten zahlreicher anderer Damen warten. Der Laden war für meine Begriffe nicht sehr überlaufen, aber einige der Damen vor mir schienen ihren gesamten Monatslohn in Bekleidung umzusetzen. Da war ich mit einem einzigen Stück fast Außenseiterin.
Inzwischen war die Mittagszeit schon fast vorbei. In dem Einkaufszentrum gab es zwar auch Gastronomie, aber nur fremdländische Küche, die mir nicht zusagte, oder verschiedenes aus der Fastfood-Ecke. Da die Zeit, mich nach Alternativen umzuschauen, langsam knapp wurde, entschied ich mich notgedrungen zu letzterem.
Nachdem mein Magen einigermaßen zufriedengestellt war, holte ich meinen Koffer aus dem Schließfach am Hauptbahnhof und fuhr 6 Stationen mit der Straßenbahn zum Hotel. Das Einchecken ging wie immer problemlos.
Jetzt hatte ich etwas Zeit zum Verschnaufen und um mich auf den ersten Opernabend vorzubereiten. Ich habe mein Makeup noch einmal erneuert und mein Theateroutfit angezogen: Den erst vor wenigen Tagen gekauften wadenlangen schwarzen Godetrock, meine weinrote Bluse, hautfarbene Strumpfhosen und schwarze Sandaletten. Für den Weg zur Oper (7 Stationen mit der Straßenbahn) zog ich darüber noch meinen grau melierten Blazer und tauschte die Sandaletten gegen ein Paar Pumps.
Auf dem Spielplan stand "Rigoletto" von Giuseppe Verdi, dem italienische Meister, dessen 200. Geburtstag dieses Jahr vielerorts gefeiert wird. Da es mein erster Besuch in der Leipziger Oper war, galt mein Interesse nicht nur der Inszenierung sondern auch der Kleiderordnung der anderen Besucher(innen). Zu letzterer gab es nicht viel Überraschendes: Von Jeans, T-Shirt und Turnschuhen bis hin zum eleganten langen Abendkleid war die komplette Bandbreite vertreten. Die Damen kleideten sich hier aber deutlich farbenfroher im Vergleich zu meinem Besuch in Dresden vor einigen Wochen, wo die Farbe Schwarz überaus deutlich dominierte.
Von meinem neuen Outfit habe zwar Fotos machen lassen, aber aufgrund schwacher Beleuchtung und unpassendem Hintergrund fiel die Qualität so schlecht aus, dass ich davon hier nichts zeigen möchte. Bei Gelegenheit reiche ich aber gern etwas nach.
Die Musik von Giuseppe Verdi war natürlich wieder einsame Spitze. Das habe ich nicht anders erwartet, da ich das Werk dank meiner CD-Sammlung schon fast auswendig kenne. Aber auch das Bühnenbild passte gut dazu. Die technischen Möglichkeiten, zum Drehen, Heben und Senken des Bühnenbodens ermöglichten, jede Szene (eine spielte z.B. in einem Kellerverlies) in einer passenden Umgebung zu zeigen.
Näheres zur Handlung und Entstehungsgeschichte des Werkes kann hier nachgelesen werden: http://de.wikipedia.org/wiki/Rigoletto
Es gab zwei Pausen, was bei einem Stück, das nur knapp zwei Stunden dauert, eher ungewöhnlich ist. Als ich mich in einer Pause gerade nach einem Imbiss angestellte hatte, fragte mich eine junge Frau (ich schätze sie mal Anfang 20), wie lange denn die Pause dauere. Das konnte ich gar nicht genau sagen, da ich mich immer nach den drei Klingelzeichen richte. Ich war übrigens vom Outfit der jungen Dame beeindruckt: "Kleines Schwarzes" und verschiedene Accessoires, die für meine Begriffe perfekt zueinander und zu ihrem Typ passten.
Ich fragte die Frau, ob sie zum ersten Mal in der Oper sei. Nein, in der Nachbarstadt Halle wäre sie schon mal gewesen, aber für ihren Freund, der sie begleitete, war es echt das erste Mal. Wir unterhielten uns noch etwas über die Aufführung und der Freund schien begeistert von dem Stück und der Atmosphäre zu sein. Nur sein überaus legerer Kleidungsstil passte da meines Erachtens nicht so recht dazu. Meinen Rat, er solle sich beim Outfit mal etwas an seiner Freundin orientieren, habe ich mir verkniffen. Wahrscheinlich hätte er sowieso nicht das verstanden, was ich damit meinte. Ich dagegen habe mir durchaus einige Anregungen abgeguckt, was ich demnächst mal zu meinem "kleinen Schwarzen" tragen könnte.
Die Aufführung kam offenbar auch bei den anderen Besuchern gut an. Es gab reichlich Applaus. Allerdings war die Veranstaltung nur zu etwa 80% ausgebucht.
Damit war dieser phantastische Opernabend leider schon zu Ende. Ich holte meine Sachen von der Garderobe, wechselte noch einmal die Schuhe und fuhr zum Hotel zurück.

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Verfasst: Sa 9. Nov 2013, 08:52
von Andrea aus Sachsen
.
2.11.2013
Ein neuer Andrea-Tag begann, zunächst wieder mit Schminken und Frühstück im Hotel. Ich trug mein beiges Strickkleid, anthrazitfarbene Strumpfhosen und schwarze Stiefel. Draußen zog ich meinen cremefarbenen Anorak darüber. Das Foto in meiner Galerie stammt von einem früheren Ausflug in diesem Outfit: gallery/image_page.php?album_id=677&image_id=6798
Für den heutigen Vormittag hatte ich mir einen Besuch im Asisi-Panometer vorgenommen. Dort wird zur Zeit das angeblich weltgrößte Panoramabild "In den Wirren der Völkerschlacht" gezeigt. Das historische Ereignis dazu jährte sich ja erst vor wenigen Tagen zum 200. Mal.
Nach etwa 30 Minuten mit der Straßenbahn und 5 Minuten Fußweg stand ich plötzlich vor einer riesigen Menschenschlange. Mit so einem Andrang hatte ich wahrlich nicht gerechnet. Aber was soll"™s, wenn ich einmal da bin! Mit dem Wetter hatte ich übrigens Glück. Es gab zwar einige Regenschauer, aber immer dann, wenn ich irgendwo drin war. So blieb ich auch trocken, als ich etwa 20 Minuten vor dem Panometer warten musste.
Vor mir war ein Mann an der Kasse, der nur große Geldscheine bei sich hatte. Während die Kassiererin noch nach Wechselgeld suchte, sagte ich, dass ich wechseln könne. Sie ließ sich dadurch aber nicht beirren, bis der Mann vor mir wiederholte, dass "der Herr" wechseln kann, ohne sich nach mir, die damit wohl gemeint war, umzudrehen. Auweia! Hatte er mich schon erkannt, als wir zeitweise nebeneinander in der Schlange standen oder hat ihn nur meine Stimme zu dieser Aussage gebracht? Es war natürlich auch dumm von mir, jemanden von hinten anzusprechen. Wie dem auch sei, die Kassiererin hatte inzwischen ihr Wechselgeld zusammen und die Sache sich erledigt.
Ich wollte eine Führung mitmachen, aber die nächste, in der noch ein Platz frei war, begann erst in über einer Stunde, obwohl wegen des Andrangs deutlich mehr Führungen als sonst angeboten wurden. Ich konnte die Zeit aber nutzen, einen ersten Blick auf das Panoramabild und die begleitende Ausstellung zu werfen. Mindestens genauso interessant war ein Film über die Entstehung des Bildes. Kaum vorstellbar, welche Sisyphusarbeit dahintersteckt, alle Details an der richtigen Stelle ins rechte Licht zu rücken. Mein Respekt vor dem Künstler und seinem Team stieg dadurch ungemein.
Die Führung brachte auf unterhaltsame und anschauliche Weise einige historische Hintergründe und Details der Leipziger Völkerschlacht näher. Erst danach hatte ich Zeit, das Panoramabild mir etwas genauer anzusehen. Der beste Blick bietet sich von einem Podest in der Mitte des Raumes. Klar, dass bei dem Andrang an diesem Tag auch hier etwas Geduld gefragt war, um diesen Blick mal nach allen Seiten zu haben.
Das Bild stellt übrigens keine Szene der Völkerschlacht dar, sondern deren Auswirkung auf die Stadt Leipzig, genauer gesagt, die chaotischen Zustände nach der Schlacht von der Thomaskirche aus betrachtet, als zig-tausend Soldaten (etwa das Vierfache der damaligen Einwohnerzahl) teilweise schwer verletzt in die Stadt strömten. Obwohl Leipzig von direkten Kampfhandlungen verschont blieb, waren die Auswirkungen für die Stadt verheerend.
Nach diesem ausgiebigen Exkurs in die Geschichte, war die Mittagszeit schon wieder so gut wie vorbei. Ich fuhr zurück ins Stadtzentrum und fand zum Glück eine Gaststätte für ein richtiges Mittagessen. Danach blieb gerade noch etwas Zeit für einen kurzen Spaziergang um den Markt, bevor ich wieder zurück ins Hotel fuhr.
Jetzt galt es, mich für den nächsten großen Opernabend vorzubereiten. Da am Vorabend einige Frauen sehr schöne festliche Kleidung trugen, entschloss ich mich, diesmal mein langes rotes Abendkleid anzuziehen. Das sollte sich später als gute Entscheidung erweisen.
Wegen des milden Wetters verzichtete ich diesmal auf einen Wechsel der Schuhe und ging gleich in meinen schwarzen Sandaletten los. Darüber zog ich nur meinen cremefarbenen Anorak. In der Straßenbahn bin ich mit diesem Outfit, außer beim Einsteigen, wahrscheinlich nicht allzu sehr aufgefallen, da ich auf meinem Sitzplatz größtenteils nur obenherum zu sehen war.
Auf dem Spielplan stand "La Traviata", eins der berühmtesten und meistgespielten Werke von Giuseppe Verdi. Und es handelte sich, wie ich erst vor Ort erfuhr, um eine besondere Aufführung: Erstmals nach über einem Jahr Zwangspause wurde eine seit vielen Jahren beliebte und oft gespielte Inszenierung wieder aufgeführt, nachdem zwischenzeitlich eine Instandsetzung des Bühnenbildes erforderlich war. Die Instandsetzung wurde durch Spenden finanziert und dieser Umstand sorgte für ein gewisses (lokales) Medieninteresse und einige (mir nicht näher bekannte) prominente Gäste.
Erstaunlicherweise hatte das auch entscheidenden Einfluss auf die Kleiderordnung der "normalen" Besucher. Abgesehen von einigen wenigen "Ausrutschern" habe ich noch nirgendwo so viele exklusive Abendkleider gesehen, wie an diesem Abend in der Leipziger Oper. Hinzu kamen noch einige Damen und Herren vom Opernchor, die sich, unübersehbar durch die extrem weiten Reifröcke der Damen, vor Beginn der Vorstellung und in der Pause unter das Publikum mischten und für zahlreiche Fotomotive herhalten mussten. Ich habe mir diese Gelegenheit auch nicht entgehen lassen: gallery/image_page.php?album_id=677&image_id=8190 Ich weiß nicht, ob man mir ansieht, wie wohl ich mich in dieser Atmosphäre gefühlt habe.
Das Bühnenbild, von dem ich schrieb, besteht übrigens nur aus dem Bühnenboden, aus dem in einer Szene (künstliche) Blumen "wachsen", die später "gepflückt" werden. Mehr war nicht dazu. Braucht es auch nicht! Verdis Musik spricht sowieso für sich, und dazu die herrlichen (eigentlich die damenhaften) Kostüme in zwei großen Ballszenen — ein Genuss, wie ich ihn gar nicht in Worte fassen kann!
Die Handlung und Entstehungsgeschichte der Oper können Interessent(inn)en hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/La_Traviata
Die Vorstellung war übrigens so gut wie ausverkauft und der Beifall danach wollte nicht enden. Zum Abschluss gab es noch eine Autogrammstunde mit den Hauptdarstellern. Ich habe mich zwar für diese "Kritzelei" noch nie interessiert, aber heute sah ich darin eine gute Gelegenheit, den schönen Abend noch etwas zu verlängern. Erstaunlicherweise waren nur sehr wenige Autogrammsammler unter den Besuchern, sodass ich ohne Drängelei zu den Darstellern kam und mit denen noch ein paar Worte wechseln konnte.
Einen kleinen Wermutstropfen dieses überaus erlebnisreichen Tages gab es auf der Fahrt zurück ins Hotel, als ich zum zweiten Mal an einem Tag erkannt wurde: In der Straßenbahn setzte sich ein Mann (ca. Mitte 40) mir gegenüber und schaute mich permanent an. Nur wenn ich zurücksah, wandte er seinen Blick von mir ab. So wartete ich, bis ich aussteigen konnte um diese unangenehme Situation zu beenden. Doch der Mann stieg auch aus und sprach mich noch an der Haltestelle an.
Er duzte mich gleich und wollte wissen, wie ich heiße. Nach einigem Zögern nannte ich meinen weiblichen Namen. Er sagte daraufhin: "Nein, du bist nicht Andrea." Ich entgegnete ihm: "Gut, wenn das so ist, was möchtest du von mir?" Er erklärte mir dann, dass er Friseur sei und meine Haare gern anders gestalten würde. Er fragte auch, ob das meine echten Haare wären und hatte schon ziemlich genaue Vorstellungen, wie meine Frisur danach aussehen könnte. Ich erwiderte, dass ich an derartigen Veränderungen kein Interesse habe.
Wir unterhielten uns noch kurz über das, was mich in diesem Outfit hierher treibt, aber sehr ergiebig war das Gespräch nicht. Auf meine Erklärung, dass ich von außerhalb komme, hier im Hotel übernachte, in der Oper war und das alles als Frau viel Spaß macht, kam mehrmals nur ein zweiflerisches "Ich glaub"™s nicht!" Als ich fragte, was er nicht glaube oder ob er noch etwas wissen möchte, blieb er sprachlos. So trennten sich unsere Wege. Ich hatte nur noch wenige Meter bis zum Hotel.
Das war das Ende eines Andrea-Tages, den ich wohl so schnell nicht vergessen werde. Was für eine Mischung aus kulturellem Hochgenuss, interessantem Geschichtsunterricht, aber auch Momenten, die mich nachdenklich stimmten!

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Verfasst: Sa 9. Nov 2013, 13:36
von conny
hallo andrea,

ich hatte schon auf deinen bericht gewartet :wink: .

schön, dass dir die aufführungen gefallen haben. allgemein findet die oper nach neuer ausrichtung jetzt wieder mehr zuspruch.
dass du mit dem kleiderkauf und dem essen gehen suchen mustest, wundert mich. im innenstadtring gibt es doch zahleiche geschäfte die auch bezahlbare abendgarderobe anbieten und jede menge restaurants für jeden geschmack (nicht in den höfen am brühl mit eher jugendlicher zielgruppe).
ich kann dir bei nächster gelegenheit gerne ratschläge geben, wenn du möchtest. )))(:

lg
conny

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Verfasst: Sa 9. Nov 2013, 14:13
von Andrea aus Sachsen
.
Danke Conny für den Hinweis! Einen Teil davon hatte ich ja schon bei meinem kurzen Spaziergang um den Markt am Folgetag gesehen. Beim nächsten Leipzig-Besuch werde ich meinen Einkaufsbummel dort beginnen.
conny hat geschrieben:(nicht in den höfen am brühl mit eher jugendlicher zielgruppe).
Du sagst es, aber genau da bin ich diesmal "hängengeblieben"!

Nun noch kurz zum Abschluss des Andrea-Wochenendes:

3.11.2013
Noch völlig überwältigt von den Erlebnissen der vergangenen zwei Tage, habe ich mich im Hotel wieder in Andrea verwandelt und bin frühstücken gegangen. Ich trug wie am Vortag mein beiges Strickkleid, anthrazitfarbene Strumpfhosen und schwarze Stiefel. Hier im Hotel war ich übrigens während der gesamten Zeit die einzige Frau im Rock oder Kleid — was für ein Kontrast zu dem Opernbesuch am Vorabend!
Ich habe mir für diesen Tag nichts Besonderes mehr vorgenommen. Ich packe meine Sachen in den Koffer und bezahlte die Hotelrechnung. Der Mann an der Rezeption wünschte zum Schluss: "Gute Heimreise, Frau "¦!" Na also, es geht doch noch!
Auf der Heimfahrt ist nichts Besonderes passiert, außer dass der Schienenersatzverkehr zwischen zwei Stationen auf der Fahrt Richtung Chemnitz für etwas Abwechslung sorgte.
Gegen 13 Uhr war ich wieder zu Hause. Meine Mutter hatte auf mich gewartet und wir haben gemeinsam Mittag gegessen.
Bevor ich dann wieder in den Männermodus wechseln musste, habe ich noch einmal mein neu erworbenes "kleines Schwarzes" anprobiert und meinen Fundus nach passenden Accessoires durchsucht. Ja, so eine weiße Halskette, wie sie die junge Dame in der Oper trug, würde auch mir stehen. Nur ein paar passende Strumpfhosen müsste ich mir noch besorgen.
Vielleicht trage ich das Kleid bei meinem nächsten Opernbesuch. Einer ist ja für dieses Jahr noch geplant.

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Verfasst: Sa 9. Nov 2013, 20:06
von Kerstin
Andrea aus Sachsen hat geschrieben:.
2.11.2013
.....Fahrt zurück ins Hotel, als ich zum zweiten Mal an einem Tag erkannt wurde: In der Straßenbahn setzte sich ein Mann (ca. Mitte 40) mir gegenüber und schaute mich permanent an. Nur wenn ich zurücksah, wandte er seinen Blick von mir ab. So wartete ich, bis ich aussteigen konnte um diese unangenehme Situation zu beenden. Doch der Mann stieg auch aus und sprach mich noch an der Haltestelle an.
Er duzte mich gleich und wollte wissen, wie ich heiße. Nach einigem Zögern nannte ich meinen weiblichen Namen. Er sagte daraufhin: "Nein, du bist nicht Andrea." Ich entgegnete ihm: "Gut, wenn das so ist, was möchtest du von mir?" Er erklärte mir dann, dass er Friseur sei und meine Haare gern anders gestalten würde. Er fragte auch, ob das meine echten Haare wären und hatte schon ziemlich genaue Vorstellungen, wie meine Frisur danach aussehen könnte. Ich erwiderte, dass ich an derartigen Veränderungen kein Interesse habe.
Wir unterhielten uns noch kurz über das, was mich in diesem Outfit hierher treibt, aber sehr ergiebig war das Gespräch nicht. Auf meine Erklärung, dass ich von außerhalb komme, hier im Hotel übernachte, in der Oper war und das alles als Frau viel Spaß macht, kam mehrmals nur ein zweiflerisches "Ich glaub"™s nicht!" Als ich fragte, was er nicht glaube oder ob er noch etwas wissen möchte, blieb er sprachlos. So trennten sich unsere Wege. Ich hatte nur noch wenige Meter bis zum Hotel.
.....!
Hallo Andrea

Vielen Dank für deinen tollen und lebendigen Bericht.

Die zitierte Begebenheit empfinde ich als extrem unangenehm und ich wäre zu diesem Zeitpunkt entweder auf Flucht oder Kampf eingestelt gewesen.

Vielleicht beim nächstenmal ein Taxi nehmen.


Liebe Grüße
Kerstin

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Verfasst: So 10. Nov 2013, 07:08
von ExuserIn-2015-02-14
Hallo, Andrea,

ich bin mal wieder von deinen schönen Erlebnissen sehr beeindruckt. Gedanklich konnte ich alle deine Schritte nachvollziehen, was bei deinem flüssigen sprachlichen Stil ein Genuss ist. Vielleicht solltest du in Zukunft darauf achten, deine Stimme etwas weicher und leiser klingen zu lassen, verwende auch nach Möglichkeit eine weibliche Diktion.
Das unschöne Erlebnis mit dem unterbelichteten Frisör tut mir leid für dich, aber ein gewisses Restrisiko bleibt immer bei uns scheinbaren Ladies.
Aber wie ich dich kenne, lässt du dich durch solche negativen Ausrutscher nicht beirren in deiner Andrea-Existenz.
Ich freue mich auf den nächsten Andrea-Bericht. Alles Gute!

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Verfasst: So 10. Nov 2013, 10:16
von Andrea aus Sachsen
.
Kerstin hat geschrieben:Die zitierte Begebenheit empfinde ich als extrem unangenehm und ich wäre zu diesem Zeitpunkt entweder auf Flucht oder Kampf eingestelt gewesen.
Unangenehm war die Situation in der Tat, aber ich staune selbst, wie ruhig und gelassen ich dabei geblieben bin. Trotzdem werde ich solche Situationen künftig nicht unnötig provozieren. Ein Hotel in der Nähe vom Theater, ein unauffälligeres Outfit oder Umziehen im Theater sind da sicher angebrachter.
Andererseits habe ich mich ein wenig geärgert, den Mann nicht gefragt zu haben, woran er mich erkannt hat. Da wären vielleicht ein paar Hinweise zur Verbesserung meines Passings herausgekommen.
Ladylike hat geschrieben:Aber wie ich dich kenne, lässt du dich durch solche negativen Ausrutscher nicht beirren in deiner Andrea-Existenz.
Natürlich mache ich weiter, gerade jetzt, da ich wieder um eine Erfahrung reicher bin!