Anyway: Ja, Lafo ist spätestens danach ziemlich abgedreht und auch nicht unbedingt "links". Ich bin auch froh, dass er keinen Einfluss mehr hatte. Die Konsequenzen der Schröder-Politik der Deregulierung hat er aber korrekt vorausgesehen. Sein Kernsatz war, dass der Staat auch mit seiner sozialpolitischen Verantwortung "der Wirtschaft" die Rahmenbedingungen vorgeben muss, sonst leiden die Menschen. Denn dieser Aspekt spielt für Unternehmen keine Rolle.
Dein Beispiel mit dem Verkauf kommunaler Wohnungen ist exakt das gleiche wie die PPP- und Rückmiet-Projekte. Vor allem, wenn staatlich keine Regeln für erschwinglichen Wohnraum vorgegeben werden. Es gibt ja reichlich Beispiele dafür, über die ich viele Berichte gesehen habe. Die Mieten steigen, einige müssen ausziehen, in der Regel Menschen mit vergleichsweise geringem Einkommen oder Rente. Die Konzerne versuchen möglichst hohe Renditen heraus zu holen. D.h. statt in den Unterhalt und bezahlbare Mieten geht das Geld zu den Shareholdern. Ausserdem gibt es Luxusmodernisierungen, usw. Die Folgen dieses Verkaufs - des Tafelsilbers, wie du vorhin schriebst - gehen zu Lasten der Bürger*innen, die sich - in diesem Fall zurecht - von "denen da oben" im Stich gelassen fühlen und abwenden. Die Rechtsextremen profitieren massiv davon, obwohl sie laut Programm und Aussagen ihrer Führungsfiguren nichts anderes vorhat, was der größte Witz der Sache ist.
Resourcen mit allgemeiner Bedeutung rsp sozialer Komponente in die Hände profitorientierter Unternehmen zu verkaufen wird immer zu solchen Folgen führen, d.h alle müssen mehr bezahlen und finanziell schwächere fallen unten raus. Das liegt in der Natur des Systems, das abschöpfen will bzw muss. Entweder sie können auf irgendeine Art abschöpfen, oder sie werden in das Geschäft nicht einsteigen. Und der Gewinn geht aus dem System raus und nicht an die Bürger*innen.
Beispiele sind Wohnungen, Strom & Wassernetze, Krankenhäuser, Pflegeinrichtungen, usw. Und die Bahn, wobei die noch reichlich andere Probleme hat.
Muss aber nicht so sein. Mein Schwiegervater wohnt in Freiburg seit Jahrzehnten in einer schönen, seit jeher bezahlbaren Genossenschaftswohnung. Und in Wien funktioniert das seit ewigen Zeiten für 63% der Mietwohnungen (1, 2).