Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...
Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ... - # 8

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sbsr
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 106 im Thema

Beitrag von sbsr »

Sollte man die Diskussion nicht besser in den Thread hängen, dem das Zitat entstammt? Egal.

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 17. Jan 2024, 15:22 Geht es Euch auch ähnlich ? Wie geht Ihr damit um ? Oder könnt Ihr Euch von dem "Trans"-Gefühl frei machen ?
Ja, geht mir ähnlich, und Horror beschreibt das ganz gut. Das ich auch der Grund, warum ich mir (zur Zeit mal wieder mehr denn je) die Pille wünschen würde, die mich einfach zu einem normalen Mann macht.

Sophia69 hat geschrieben: Do 18. Jan 2024, 08:17 Was ich eigentlich ausdrücken wollte ist, dass die permanente gedankliche Beschäftigung damit, dass ich eine Frau bin (da die "nackten Tatsachen" biologisch betrachtet mir etwas anderes zeigen, deshalb befasse ich mich u.a. z.B. auch mental damit, um Körperteile für mich umzudeuten) raubt mir keine Energie
Ich finde das extrem Energie raubend. Dazu reicht schon der Blick in den Spiegel, wo man einen halben Tag nach dem Rasieren schon wieder am ganzen Körper den Stoppeln beim Wachsen zusehen kann. Der ständige Kampf mit dem eigenen Körper, was kann ich tun um halbwegs weiblich zu erscheinen. Die ständigen Fragen im Kopf. Wie werde ich wahrgenommen. Ist es albern anderen gegenüber von mir in der weiblichen Form zu sprechen, obwohl ich halt so gar nicht wie eine Frau aussehe. Viele solcher Fragen, um die sich die Gedanken Tag ein Tag aus drehen.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass eine HET diesen Horror beendet, weil sich der Körper und vor allem die eigene Wahrnehmung verändert.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 107 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

sbsr hat geschrieben: Do 18. Jan 2024, 09:42 die Pille wünschen würde, die mich einfach zu einem normalen Mann macht.
Willst Du das wirklich oder ist das nur der Weg des geringsten Widerstands ? MAch was aus dem, was Du bist ... schreibt die RIchtige ... ;-)
sbsr hat geschrieben: Do 18. Jan 2024, 09:42 Wie werde ich wahrgenommen. Ist es albern anderen gegenüber von mir in der weiblichen Form zu sprechen, obwohl ich halt so gar nicht wie eine Frau aussehe.
Die Fragen habe ich mir auch gestellt. Heute stellt sich mir eher die Frage, was fühle ich, wenn ich mich selber sehe ? Anders herum gefragt, würde ich Mann sein wollen, wenn ich eine Cis-Frau wäre ? Ich glaube nicht. Welche "Pille" wünsche ich mir wirklich ?

Ich schließe heute nichts mehr aus. Das hat meine Perspektive verändert ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 108 im Thema

Beitrag von Aria »

EmmiMarie hat geschrieben: Mi 17. Jan 2024, 22:21 Seid mir bitte nicht böse, was man ohne HRT an Weiblichkeit wahrnimmt, mag auch (vielleicht) Weiblichkeit sein,
doch der Unterschied von vorher zu danach ist wie schwarz und weiss.
Mit einem T-Level hast du eine Grundtendenz, mehr aber nicht wirklich.
Sophia69 hat geschrieben: Mi 17. Jan 2024, 21:18 indem durch die Beschäftigung damit, dass ich eine Frau bin, mir dies ja auch das Gefühl verleiht, eine zu sein.
und das ist das Pferd von der falschen Seite aufgezäumt. Das Gefühl eine Frau zu sein zu haben indem ich mich damit
beschäftige, klingt einfach nur schräg für mich. Dann könnte ich alles sein, was ich mir nur vorstellen kann
und das ist was manche für gefährlich halten. Ausserdem ist beschäftigen nicht leben, das ist aber ein ganz anderes Thema.
Das was du schreibst ist sooo wahr - jedes einzelne Wort. Und der letzte Satz ist einfach nur umwerfend, danke Marie (ki)
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 109 im Thema

Beitrag von Aria »

Sophia69 hat geschrieben: Mi 17. Jan 2024, 21:24 was hat denn genau diesen "Horror" durch die HET beendet
Mein Körper hat durch die HET offensichtlich das bekommen, was er gebraucht hat. Nämlich die richtigen Hormone. Jahrzentelang fand gewissermaßen eine Art Abwehrkampf statt, der mir jegliche (Lebens)Energie raubte und mich Dinge tun ließ, die ich heute nie wieder machen würde.
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 110 im Thema

Beitrag von Aria »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 18. Jan 2024, 06:29 Was ist T-Level, Testosteron ? Worin liegt denn der Unterschied, in den physischen Veränderungen oder in der veränderten Wahrnehmung der Umwelt durch die Hormone ?
Und dazu antworte ich mal aus meiner Sicht ;)

Testosteron ist ein unglaublich "starkes" Hormon, das einen quasi stumpf für Gefühle und Empfindungen macht und darüber hinaus noch viel mehr mit unseren Körpern anstellt, was unsereins scheinbar einfach nicht abkann. Wenn sich dessen Level dann durch die HET in einem Bereich befindet, mit dem wir klar kommen und Östrogen dazu an die vorherrschende Stelle tritt, fühlt sich das einfach richtig an. Frei und komplett.

Dir jetzt alle Unterschiede und Veränderungen aufzuzählen, würde hier echt den Rahmen sprengen. Und ehrlich gesagt, kann ich mich auch nicht mehr so richtig an mein vorheriges Leben erinnern. Jedenfalls hat mich die HET einmal von links nach rechts gedreht und von unten nach oben. Da steht kein Stein mehr auf dem anderen :mrgreen:
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 111 im Thema

Beitrag von Sophia69 »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 18. Jan 2024, 08:51 Ein Paradoxon: Frau zu sein bedeutet für mich, dass ich (im Alltag) vergessen kann, eine Frau zu sein. Ziel wäre es, es einfach zu sein.
Hi Vicky,
genau was du hier schreibst, nämlich EINFACH Frau zu sein, das ist die Utopie von der ich träume! Damit ist bei mir aber auch der Traum verbunden vom Körper biologisch eine Frau zu sein. Die "Notlösung" mental Körperbereiche "umzudeuten" beruht darauf, dass ich leider auch momentan eine "relativ easy" OP hinter mir habe mit katastrophalen Ausgang, was mich in meiner Skepsis bestärkt hat davon Abstand zunehmen, nur weil der Wunsch für eine GaOP so groß ist, zu denken, "es wird schon alles gut gehen". Hier kommt jetzt immer wieder Trans ins Spiel
Vicky_Rose hat geschrieben: Do 18. Jan 2024, 08:51 dass Körperlichkeit und Selbstempfinden nicht zusammen passen
Daran ändert sich für mich sehr wahrscheinlich auch leider nichts, wenn ich den Rest meines Lebens en femme verbringe. Gut kann ich mir aber vorstellen, dass dein
Vicky_Rose hat geschrieben: Do 18. Jan 2024, 08:51 Paradoxon: Frau zu sein bedeutet für mich, dass ich (im Alltag) vergessen kann, eine Frau zu sein.
sich im Alltag breit macht, aber nie ganz verschwinden wird, was letztendlich, natürlich eine Verbesserung darstellt.

Liebe Grüße
Sophia
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 112 im Thema

Beitrag von Sophia69 »

sbsr hat geschrieben: Do 18. Jan 2024, 09:42 Ja, geht mir ähnlich, und Horror beschreibt das ganz gut. Das ich auch der Grund, warum ich mir (zur Zeit mal wieder mehr denn je) die Pille wünschen würde, die mich einfach zu einem normalen Mann macht.
Wie traurig mMn Svenja, dass du so belastet mit dem "Trans- Sein" bist. (dr)
sbsr hat geschrieben: Do 18. Jan 2024, 09:42 Ich finde das extrem Energie raubend. Dazu reicht schon der Blick in den Spiegel, wo man einen halben Tag nach dem Rasieren schon wieder am ganzen Körper den Stoppeln beim Wachsen zusehen kann. Der ständige Kampf mit dem eigenen Körper, was kann ich tun um halbwegs weiblich zu erscheinen. Die ständigen Fragen im Kopf. Wie werde ich wahrgenommen. Ist es albern anderen gegenüber von mir in der weiblichen Form zu sprechen, obwohl ich halt so gar nicht wie eine Frau aussehe. Viele solcher Fragen, um die sich die Gedanken Tag ein Tag aus drehen.
Interessant wie diese Energie, die wir aufbringen um "unsere" Weiblichkeit zu leben, sich unterschiedlich auswirken kann. Als bekennende Langschläferin, die ich bin, stehe ich geschlagene 50min. montags bis freitags eher auf um mich komplett zu rasieren zu salben und zu cremen, exklusive schminken. So früh aufstehen tue ich alles andere als gerne. Aber ich mache es, weil ich gerne wie eine bzw. viele Frau/-en mir die Beine rasiere, mit Hingabe mich eincreme und die Fältchen im Gesicht behandel :mrgreen: . In diesem Tun bin ich ich, wie ich es mag, "einfach" Frau zu sein. Anschließend liebe ich das Gefühl von FSH oder anderen Kleidungsstücken oder den Luftzug auf meiner frisch rasierten Haut zu spüren. Klar, es kostet Energie, cis Frauen müssen sich nicht täglich die Oberschenkel und den Oberkörper UND den Bart rasieren, wenn sie ihre Behaarung nicht mögen. Aber, dass dieser Aufwand mir gut tut, da ich so für mich in meiner Weiblichkeit leben kann, schenkt mir dann Freude und gibt mir letztendlich Energie zurück. (he)

Liebe grüße
Sophie
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 113 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Sophia69 hat geschrieben: Do 18. Jan 2024, 20:03 genau was du hier schreibst, nämlich EINFACH Frau zu sein, das ist die Utopie von der ich träume! Damit ist bei mir aber auch der Traum verbunden vom Körper biologisch eine Frau zu sein.
Bei dem Satz sträubt sich in mir alles. Ich weiß, was Du meinst und mir ging es auch nicht anders. Bei mir, und hier spreche ich wirklich nur von mir, war diese Haltung nichts anderes als pure Angst vor der eigenen Courage. Ich denke, ich habe für mich ziemlich an den Wurzeln gesucht und auch einiges gefunden, aber entscheidend war und ist was ich HEUTE tue. Das "einfach Frau sein" gelingt mir heute auf einer ganz anderen Ebene als noch vor einigen Jahren. Es ist nicht zwingend davon abhängig, wie ich nackt aussehe. Es war "nur" die Überwindung von Angst. Angst abgelehnt zu werden und alleine und einsam zu sein.

Bedeutet das wirklich schon "Frausein" ? Für mich scheint das ein wichtiger Schritt gewesen zu sein. Damit bin ich sicher noch nicht "fertig" mit dem Thema. Mir ist bewusst geworden, dass ich zwei verschiedene Welten lebe. Der vertraute Alltag mit Frau und Beruf und mein ebenfalls vertrautes Leben als Frau. Je vertrauter dieses Leben als Frau wird, um so mehr stellt sich doch die Frage, ob nicht doch weitergehnde Maßnahmen für mich passen, was ich bisher überzeugt abgelehnt habe. Auch das Beharren an den männlichen Aspekten in meinem Leben stellt sich zunehmend als Pfeifen im Wald heraus. HET ? Ganz unmöglich ist das für mich heute nicht mehr. OP ? Da bin ich noch sehr skeptisch.

Ich habe bis zu diesem Punkt viel Zeit gebraucht. Zeit, die mir jetzt fehlt, da ich nicht mehr die Jüngste bin. Ich bin deswegen nicht gram, denn ich lebe jetzt und nicht gestern oder morgen. Und das möchte ich Dir mitgeben. Du bist nicht viel jünger als ich und dürftest das auch langsam spüren.

Ich weiß nicht, ob Ängste für Dich auch eine Rolle spielen, aber wenn es so ist, setze Dich schonungslos damit auseinander. Was ist es WIRKLICH, was Dich am gefühlten Leben als Frau hindert. Was sind vorgeschobene Gründe, was echte ? Ich habe eine (vorläufige) Antwort in meinen Gefühlen gefunden. Sie hat mich Schritte gehen lassen, die vor 5 oder 10 jahren noch undenkbar waren. Jetzt stehe ich vor neuen Fragen. Aber der Weg bis hierher war nicht von Körpermanipulationen abhängig. Das sind erst die letzten Schritte und ob die nötig werden, wird die Zeit zeigen. Wesentlich war für mich viel mehr das Zulassen und nicht das Träumen eines weiblichen Bewusstseins im Alltag. Ich möchte es mit der Brille auf der Nase vergleichen. Ich spüre, dass sie da ist und sie tut mir gut, da ich wieder gut sehen kann. Gleichzeitig vergesse ich sie aber auch über weite Strecken. Ich bin dankbar für meine Brille und für meine Weiblichkeit. Dieses Annehmen macht mein Leben weicher und ruhiger, bei Brille und Weiblichkeit. Auch wenn meine Beiträge machmal anders wirken, denn das sind "nur" die unruhigen Zeiten.

Ich möchte einfach nur sagen, "lass` doch los". Und ich kann das Grinsen einiger hier sehen, denn ich habe auch nicht losgelassen, obwohl es mir immer wieder gesagt wurde (ja, ich bin damit noch nicht fertig...;-)). Das ist nicht einfach. Bei mir waren es die Ängste, die mich daran gehindert haben und es manchmal noch tun. Aber es wurde besser, viel besser. Dein Job ist es, bei Dir selber hinzuschauen und Deine Schritte zu gehen. Niemand sagt, das es einfach ist und zur Glückseligkeit führt. Aber mir hat es mindestens ein Stück weit Frieden gegeben. Vor vielen Jahren habe ich ein Zitat von Lou Andreas Salome gelesen. Sinngemäß sagte sie, das wahre Glück einer Frau liege in ihrem Frieden. Ein Satz, der mich tief berührt hat.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 114 im Thema

Beitrag von Sophia69 »

Hi Vicky,

du hast geschrieben: "Ich möchte einfach nur sagen, "lass` doch los". (Ich zitiere hier auf die altmodische Art und Weise, ohne dass du darüber in Kenntnis gesetzt wirst , da mit dem Handy die hier bereitgestellten Features bei mir nicht funktionieren und Anne- Mette sonst wieder die Hände über dem Kopf zusammen schlägt :lol: (dies soll ein Spaß sein), was meinst du damit genau? Soll ich die Sehnsucht ablegen, falls dies überhaupt funktioniert, danach einen cis Frauen ähnlichen Körper haben zu wollen? Kann ich mich trotz *trans im Einklang als Frau mit meinen körperlichen Fakten wohlfühlen ohne "Umdeutung" der speziellen Körperregionen?

Liebe Grüße
Sophia
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 115 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Sophia69 hat geschrieben: Fr 19. Jan 2024, 11:45 Soll ich die Sehnsucht ablegen, falls dies überhaupt funktioniert, danach einen cis Frauen ähnlichen Körper haben zu wollen? Kann ich mich trotz *trans im Einklang als Frau mit meinen körperlichen Fakten wohlfühlen ohne "Umdeutung" der speziellen Körperregionen?
Ich kann und will Dir nicht sagen, was Du tun sollst. Aber was meine ich damit und das ist nur meine persönliche Perspektive ? Die Sehnsucht funktioniert bei mir nicht. Im Gegenteil, die Unterdrückung schafft nur noch mehr inneren Druck. Für mich war es wichtig, meine Ängste zu erkennen und los zu lassen. Meine Ängste liegen im Verlassen werden und im Einsam sein. Diese Ängste habe ich mir irgendwann zugelegt und nun stecken sie in mir und dominieren mein Verhalten, wenn es um Trans geht. Früher, vor den Zeiten mit Internet, hat mich das gesteuert. Aber im Laufe der Zeit habe ich verstanden, dass dadurch auch meine Beziehungen kaputt gingen. Niemand kam an mich heran, nicht einmal ich selber. Die Angst verlassen zu werden wurde zur selbsterfüllenden Prophezeihung. Irgendwann habe ich erkannt, dass Liebe, auch die Selbstliebe, heißt "ja" zu sagen. Ja zu sagen, zu mir selber und darauf zu vertrauen, dass ich mir begegne.

Ob Du eine weibliche Körperausstattung hast oder nicht ist aus meiner Sicht erst einmal zweitrangig. Sag "ja" zu Dir. Stell Dich vielleicht vor den Spiegel und sage es einfach laut: "Ich bin trans und das fühlt sich gut an." Dein Körper reagiert auf das, was Du fühlst und was in Deinem Kopf passiert. Zieh doch an, was Du willst und gehe spazieren oder einkaufen. Ein Leben als Frau ist möglich. Probiere Dich aus. Ich habe mit kleinen Schritten viel erreicht (ja, und ich brauche noch viele).

Schalte Dein Hirn aus und mache, was Du im Inneren spürst. Mein Inneres zu erkennen, hat bei mir einige Zeit gedauert und ich brauchte viel Geduld. Es ist für mich nicht der "Kick" oder die Aufregung, die ich verspüre, wenn ich en femme bin, sondern es ist die Zufriedenheit, dass ich das tue, was zu mir gehört. Es ist ein Paradox, aber je mehr ich meine Weiblichkeit lebe, um so mehr vergesse ich es. Es wird für mich zum Normalsten der Welt. Ich gestalte meinen Körper weiblicher, wenn mir danach ist und lasse es, wenn es mir nicht wichtig ist. Ich habe auch keine Angst mehr davor, eine HRT als (Teil-)Lösung zu denken. Warum auch ? Wenn es das ist, vertraue ich darauf, dass ich es erkennen werde.

Warum und wovor sollte ich Angst haben ? Ja, ich bin trans und das macht mir keine Angst mehr. Es ist herrlich, so zu leben. Kleidung ist nur ein Teil davon. Es steckt im Kopf und will raus. Dann lasse ich es heraus. Und wow, damit geht es mir gut. Ja, ich habe eine unstillbare Sehnsucht nach einem weiblichen Körper, aber hey, den, den ich habe, ist auch nicht schlecht. Er erlaubt mir, ein Grenzgänger zwischen den Geschlechtern zu sein. Und wenn mich irgendwann eine Seite in Beschlag nimmt, ist es Zeit, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Bis dahin genieße ich alles, was dazu gehört, ob mit Sillies oder nicht, in Alltagskleidung oder in Dessous.

Hey, es ist mein Leben und das lasse ich mir nicht mehr vorschreiben.

Das meine ich mit loslassen. Ich denke, Du weißt das für Dich auch schon lange, aber vertraust Du Dir auch genug, das zu tun ? Die "unüberwindlichen" Hinderungsgründe steckten nur in mir selber. Ist das bei Dir anders ? Überfordere Dich nicht und tue nur das, was Du wirklich tun willst. Und wenn Du Deine Ziele heute nicht erreichst, dann ist morgen auch noch ein Tag. Kein Grund zu verzweifeln oder hart mit Dir ins Gericht zu gehen.

Ist das falsch gedacht ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 116 im Thema

Beitrag von Wally »

Sophia69 hat geschrieben: Fr 19. Jan 2024, 11:45 XSoll ich die Sehnsucht ablegen, falls dies überhaupt funktioniert, danach einen cis Frauen ähnlichen Körper haben zu wollen? Kann ich mich trotz *trans im Einklang als Frau mit meinen körperlichen Fakten wohlfühlen ohne "Umdeutung" der speziellen Körperregionen?
Vicky hat aus meiner Sicht schon das Wesentliche dazu geschrieben. Ich will's nur bezüglich "Sehnsucht" und "Umdeutung" noch etwas ergänzen.

Meine Sehnsucht nach einem weiblichen Körper ist nicht die Sehnsucht nach irgendeinem weiblichen Körper; wenn schon, dann hätte ich da sehr konkrete Wunschvorstellungen: schön sollte er sein, jung und sexy. Ich werde übrigens nächste Woche 75 :roll: -- Auf Deutsch: diese Sehnsucht ist verdammt irreal. Sie unterscheidet sich darin auch kaum von der Sehnsucht der allermeisten Frauen nach einem jüngeren, schöneren, anziehenderen Körper! Wie die allermeisten Frauen muss halt auch ich mich mit dem zufrieden geben, was ich habe bzw. was ich mir mit vertretbarem Aufwand aneignen kann: vom erträumten Ideal bleibt das meilenweit entfernt. Das Erreichbare muss genügen - und es genügt auch!

In der Praxis heißt das für mich: seit drei Jahren (also seit ich vollständig als Frau lebe) ziehe ich jeden Morgen meine Hüftpolsterhose und den BH mitsamt Silis an (obwohl ich seit 25 Jahren Brustimplantate habe - die sind mir aber für den Alltag zu klein) - und dann suche ich mir genüsslich aus, was ich heute darüber tragen will: meist Rock/Bluse, oft ein Kleid, selten (nur zu sportlicher Betätigung) mal eine sehr feminine Damenhose. Durchweg trage ich Oberbekleidung, die meine weiblichen Körperformen deutlich herausstellt und betont. Ich guck mich im Spiegel an, es gefällt mir (wenn nicht, dann wechsle ich halt nochmal), und dann beginne ich wohlgelaunt meinen Alltag und freue mich darauf, mich so auch in aller Öffentlichkeit zu zeigen, wie sich's an dem Tag eben gerade ergibt. Die anfängliche Aufregung und Ängstlichkeit dabei hat sich natürlich längst gelegt; ich erlebe ja jeden Tag, dass das völlig problemlos ist. Aber der Genuss, mich auch anderen Leuten so zu zeigen, wie ich mir selber gefalle, ist geblieben und bereichert zuverlässig meinen Alltag.

Ich bin dabei alles andere als eine perfekte Frau: meine Halbglatze, das schüttere Greisenhaar (ich trage KEINE Perücke), der Adamsapfel, die männlichen Gesichtszüge, die großen Hände und Füße und die männliche Stimme verraten nur allzu deutlich, dass ich nicht als Frau auf die Welt gekommen bin. Ich kann das nicht verstecken und versuch's auch gar nicht mehr. Trotzdem kleide ich mich als Frau, ich trage Damenschmuck, ich nenne mich "Waltraud Helene" (auch amtlich in allen Ausweisen), ich fühle mich weiblich - ich BIN eine Frau :()b Ich muss nicht perfekt sein: welche Frau ist denn schon perfekt? Wenn Leute mit meinem Aussehen nicht klarkommen (das gibt's - wenn auch zum Glück nur sehr selten), dann ist das deren Problem, nicht meines. Ich kann und muss nicht Jedem gefallen.

Der Aufwand, den ich für mein Äußeres treibe, hält sich sehr in Grenzen; mich stundenlang zu schminken ist nicht mein Ding. Die diversen Polster empfinde ich schon lange nicht mehr als Maske; ich identifiziere mich damit. So, wie ich diese (relativ üppigen) Formen einmal als optimal für mich erkannt habe, weil ich mich damit am wohlsten fühle und mir im Spiegel damit am besten gefalle, so bin ich einfach. Wenn ich morgens in den Spiegel gucke, bevor ich mir die Polster überziehe, dann fehlt da was: dann fühle ich mich unvollständig. Aber dem lässt sich ja leicht abhelfen... Die Oberbekleidung habe ich mir konsequent passend zu dieser Körperform zusammengestellt: das ist eben der Kleidungsstil, den ich für mich gefunden habe, der mir gefällt, in dem ich mich wohlfühle.

Sehnsucht hat man dann, wenn das, was man hat, nicht ausreicht. Mir genügt es, um mich im Alltag trotz aller Unvollkommenheit wohlzufühlen. Ich bin damit hoch zufrieden; für "Sehnsucht" besteht da einfach kein Anlass mehr.
Herzliche Grüße
Wally
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 117 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hi Wally,

für mich ist da ein Widerspruch:
Wally hat geschrieben: Fr 19. Jan 2024, 18:26 für "Sehnsucht" besteht da einfach kein Anlass mehr.
Wally hat geschrieben: Fr 19. Jan 2024, 18:26 Meine Sehnsucht nach einem weiblichen Körper ist nicht die Sehnsucht nach irgendeinem weiblichen Körper; wenn schon, dann hätte ich da sehr konkrete Wunschvorstellungen ...
Wie meinst Du das ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 118 im Thema

Beitrag von Mira. »

Hallo zusammen,

ich habe mich hier verirrt und bin aber kleben geblieben. Ihr schreibt viele Eindrücke aber auch Wünsche.

Könnte mich hier ohne groß zu überlegen direkt in die Kette einreihen. Privat waren die Diskussionen, wer oder besser was ich eigentlich bin zwischen meiner Frau und mir ein großes Thema.
Meine Frau hat mich erst vor einigen Tagen gefragt, ob ich mir sicher bin nicht im falschen Körper geboren zu sein.
Auf die Frage habe ich ein klares und direktes "Nein" geantwortet.

Warum?
Ganz einfach.
Ich war vor vielen Jahren in der Situation, dass ich mir die Frage auch gestellt hatte, wohin führt Dein Weg. Ich habe seinerzeit auch Frauen nachgeschaut und sie um ihre Figur und Aussehen beneidet.
Ich habe sie eigentlich um alles beneidet. Also war eigentlich der Wunsch da, eine Frau zu sein.
Wie gesagt, ich habe mich lange damit auseinandergesetzt und es hat mich innerlich auch oft zerrissen. Meine Launen waren dementsprechend.

Mir haben in der Zeit Gespräche mit meiner Frau und ihre Unterstützung sehr geholfen. Für mich habe ich daher und dadurch einen inneren Frieden gefunden.

Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass ich der gesellschaftlichen Vorstellung entsprechen wollte. Ich wollte in der Masse z.B. im Rock oder mit Make Up nicht auffallen, da ich Angst hatte, mich zu blamieren
oder irgendwo anzuecken.
Das war meine Schwachstelle.

Mittlerweile sehe ich die Welt da ein wenig anders. Die Rollen von Mann und Frau in unserer Gesellschaft verändern sich. Ich versuche nicht mehr dem gesellschaftlichen Ideal einer Frau zu entsprechen,
wenn ich "weiblich" gekleidet bin.
Wenn ich auffalle, dann ist das so. Wenn nicht, dann habe ich auch alles richtig gemacht.

Mein Fazit daraus, ich kann und werde nie wie eine biologische Frau sein.
Sich mit dem Thema auseinandersetzen ist absolut normal, das Ziel sollte aber nicht aufgrund eines (aus meiner Sicht) gesellschaftlichen Zwanges oder einer fehlenden Akzeptanz gesteckt werden.
Wie bereits angesprochen, man muss mit sich ins Reine kommen und sich akzeptieren, wie man ist.
Und ob ich eine Hose mit Hemd oder ein Kleid trage, ich bleibe ich.

Liebe Grüße Mira
Ohne meine Frau wäre ich irgendwas aber nicht das was ich bin oder auch sein kann.
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 119 im Thema

Beitrag von MelanieD »

Aria hat geschrieben: Do 18. Jan 2024, 19:34 Testosteron ist ein unglaublich "starkes" Hormon, das einen quasi stumpf für Gefühle und Empfindungen macht
Das würde ja bedeuten, dass Männer im Vergleich zu Frauen "stumpf für Gefühle" sind. Sorry, das ist Quatsch.

Wenn ich mal kurz google, finde ich Belege für einen Einfluss auf Emotionskontrolle und damit auch auf Verhalten, aber NICHT auf ein Abstumpfen per se. Und auch dort gibt es dann Unterschiede zwischen Jugendlichen und Erwachsenen.

Als das Bild der Jungs, die Testosteron gesteuert irgendeinen Mist verzapfen, ok. Aber nicht, dass die nix fühlen.
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 120 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Mira. hat geschrieben: Mo 22. Jan 2024, 11:55 ich kann und werde nie wie eine biologische Frau sein.
Es gibt Unterschiede, die sich aus der Perspektive zum Begriff "Frau" ergeben:

- Frausein (biologisch)
- sich als Frau fühlen,
- in der Rolle als Frau leben
- sich als Frau präsentieren
- ...
Viele Grüße
Vicky

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