Sophia69 hat geschrieben: Fr 19. Jan 2024, 11:45
XSoll ich die Sehnsucht ablegen, falls dies überhaupt funktioniert, danach einen cis Frauen ähnlichen Körper haben zu wollen? Kann ich mich trotz *trans im Einklang als Frau mit meinen körperlichen Fakten wohlfühlen ohne "Umdeutung" der speziellen Körperregionen?
Vicky hat aus meiner Sicht schon das Wesentliche dazu geschrieben. Ich will's nur bezüglich "Sehnsucht" und "Umdeutung" noch etwas ergänzen.
Meine Sehnsucht nach einem weiblichen Körper ist nicht die Sehnsucht nach
irgendeinem weiblichen Körper; wenn schon, dann hätte ich da sehr konkrete Wunschvorstellungen: schön sollte er sein, jung und sexy. Ich werde übrigens nächste Woche 75

-- Auf Deutsch: diese Sehnsucht ist verdammt irreal. Sie unterscheidet sich darin auch kaum von der Sehnsucht der allermeisten Frauen nach einem jüngeren, schöneren, anziehenderen Körper! Wie die allermeisten Frauen muss halt auch ich mich mit dem zufrieden geben, was ich habe bzw. was ich mir mit vertretbarem Aufwand aneignen kann: vom erträumten Ideal bleibt das meilenweit entfernt. Das Erreichbare muss genügen - und es genügt auch!
In der Praxis heißt das für mich: seit drei Jahren (also seit ich vollständig als Frau lebe) ziehe ich jeden Morgen meine Hüftpolsterhose und den BH mitsamt Silis an (obwohl ich seit 25 Jahren Brustimplantate habe - die sind mir aber für den Alltag zu klein) - und dann suche ich mir genüsslich aus, was ich heute darüber tragen will: meist Rock/Bluse, oft ein Kleid, selten (nur zu sportlicher Betätigung) mal eine sehr feminine Damenhose. Durchweg trage ich Oberbekleidung, die meine weiblichen Körperformen deutlich herausstellt und betont. Ich guck mich im Spiegel an, es gefällt mir (wenn nicht, dann wechsle ich halt nochmal), und dann beginne ich wohlgelaunt meinen Alltag und freue mich darauf, mich so auch in aller Öffentlichkeit zu zeigen, wie sich's an dem Tag eben gerade ergibt. Die anfängliche Aufregung und Ängstlichkeit dabei hat sich natürlich längst gelegt; ich erlebe ja jeden Tag, dass das völlig problemlos ist. Aber der Genuss, mich auch anderen Leuten so zu zeigen, wie ich mir selber gefalle, ist geblieben und bereichert zuverlässig meinen Alltag.
Ich bin dabei alles andere als eine perfekte Frau: meine Halbglatze, das schüttere Greisenhaar (ich trage KEINE Perücke), der Adamsapfel, die männlichen Gesichtszüge, die großen Hände und Füße und die männliche Stimme verraten nur allzu deutlich, dass ich nicht als Frau auf die Welt gekommen bin. Ich kann das nicht verstecken und versuch's auch gar nicht mehr. Trotzdem kleide ich mich als Frau, ich trage Damenschmuck, ich nenne mich "Waltraud Helene" (auch amtlich in allen Ausweisen), ich
fühle mich weiblich - ich BIN eine Frau
Ich muss nicht perfekt sein: welche Frau ist denn schon perfekt? Wenn Leute mit meinem Aussehen nicht klarkommen (das gibt's - wenn auch zum Glück nur sehr selten), dann ist das deren Problem, nicht meines. Ich kann und muss nicht Jedem gefallen.
Der Aufwand, den ich für mein Äußeres treibe, hält sich sehr in Grenzen; mich stundenlang zu schminken ist nicht mein Ding. Die diversen Polster empfinde ich schon lange nicht mehr als Maske; ich identifiziere mich damit. So, wie ich diese (relativ üppigen) Formen einmal als optimal für mich erkannt habe, weil ich mich damit am wohlsten fühle und mir im Spiegel damit am besten gefalle, so
bin ich einfach. Wenn ich morgens in den Spiegel gucke, bevor ich mir die Polster überziehe, dann fehlt da was: dann fühle ich mich unvollständig. Aber dem lässt sich ja leicht abhelfen... Die Oberbekleidung habe ich mir konsequent passend zu dieser Körperform zusammengestellt: das ist eben der Kleidungsstil, den
ich für
mich gefunden habe, der
mir gefällt, in dem
ich mich wohlfühle.
Sehnsucht hat man dann, wenn das, was man hat, nicht ausreicht. Mir genügt es, um mich im Alltag trotz aller Unvollkommenheit wohlzufühlen. Ich bin damit hoch zufrieden; für "Sehnsucht" besteht da einfach kein Anlass mehr.