Mirjam hat geschrieben: Di 17. Mär 2020, 15:37
ich komme da praktisch nur mit dem Zug hin,
Hallo Mirjam!
Es gibt sozusagen nur noch einen Notfallfahrplan bei der Bahn und dem ÖVPN, viele Verbindungen fallen aus, bei S-Bahnverbindungen wird auf einigen Strecken nicht an allen Stationen angehalten.
Der Chefarzt von der Uniklinik Essen hat gerade bei Markus Lanz erzählt, dass Leute in der Klinik Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung stehlen, wenn sie Zugriff darauf bekommen.
Es wurde beobachtet wie einige Mitbürger mit Behältern in das Gebäude kommen, Toiletten, die Spender auf den Gängen usw. ablaufen und dann die mitgebrachten Behälter füllen.
Der Professor sagte auch das viele Aussagen wie: "Wir können alle testen, wir brauchen sofort mehr Intensivbetten, Beatmungsgeräte", nicht stimmen bzw. sofort nicht durchzusetzen sind.
Die Uniklinik Essen hat 183 Intensivbetten, kann aber nicht alle belegen weil der Pflegenotstand besteht. Deshalb werden die Vorschriften gelockert.
Ein weiteres Thema in den Berichten in den Nachrichtensendungen war, dass Apotheken Desinfektionsmittel selbst mischen dürfen, wurde schon im Februar erlaubt, doch muss auch das nötige Personal vorhanden sein um die Arbeit erledigen zu können. Bei der gezeigten Apotheke haben sie Stand Heute Mittag, 800 L Desinfektionsmittel hergestellt, doch die Menge die täglich gemischt wird reicht nicht aus.
Was heute auch angesprochen wurde ist, dass unser bestehender Föderalismus in der jetzigen Situation die Arbeit des Bundes behindert, es zu Verzögerungen durch die Bundesländer kommt. Jetzt fällt auf, dass für einen solchen Notstand wie mit Corona, in der Pandemieverordnung ein Gesetz vergessen wurde, dass dem Bund solange diese Krise dauert, die alleinige Handlungsfreiheit gibt um diese Kriseensituation schneller bewältigen zu können. Bei Gesetzgebung etc. würde sich nichts für die Bundesländer ändern in einem solchen Fall wie jetzt, es geht nur um die Notfallsituation. So könnte der Bund dann auch sofort die Bundeswehr einsetzen und müsste nicht warten bis Landkreise bzw. die Bundesländer um Amtshilfe bitten. Dadurch geht auch viel Zeit verloren, bis da mal eine Entscheidung von einigen Landräten getroffen wird. Es zeigt sich ja auch schon anhand der Schulschließungen, wie unterschiedlich schnell die Bundesländer das durchgezogen haben oder wie Bayern die Alleingänge gestartet hat.
Was jetzt gewaltig auffällt ist das sparen, sparen, sparen der Bundesländer z. B. beim Personal von Polizei und Unikliniken, Schließung von Kliniken weil die Länder kein Geld für den Betrieb und Erhalt zur Verfügung gestellt hatten. Alles Probleme die bekannt sind, jetzt sich aber die Auswirkungen zeigen.
Leider gibt es auch die Mitbürger die sich beschweren, weil sie nicht mehr in die Kirche, Disko usw. dürfen und Unterschriften anfangen zu sammeln. "Beten kann man überall", war eine Antwort von befragten Leuten in Innenstädten. "Dafür braucht es diese unnötigen Gebäude nicht", antwortete ein Passant dem Reporter.
Der Professor der Uniklinik Essen zitierte noch einen Satz von Helmut Schmidt: "In der Krise wird der Charakter der Menschen deutlich".
Es ging um das stehlen, hamstern, Personal beleidigen und bedrohen in den Lebensmittelläden.
Wir sind geschockt von einem Vorfall:
Eine Kassiererin in dem Discounter wo mein Neffe arbeitet, wurde heute Abend um ca. 19.00 Uhr von einem Kunden geohrfeigt, weil er nicht einen Karton voll Flüssigseife kaufen durfte. Dabei steht am Regal, dass man nur max. 3 Flaschen bzw. Nachfüllpacks bekommt. Mein Neffe ist der Kassiererin zur Hilfe gekommen, er war zuständig in der Schicht für den Markt und ist jetzt im Krankenhaus. Der Kunde hat ihm, mit einer vollen PET-Flasche Cola, einen Scheitel gezogen. Platzwunde, am Hinterkopf, Arzt vermutet auch ein Schleudertrauma, da er gebrochen hat, ihm schwindlig ist, der Nacken schmerzt und vielleicht eine Fisur der Schädeldecke. Momentan wartet J. noch immer das er endlich ein CT gemacht bekommt. Stationär wird er nicht aufgenommen, wird nach Hause geschickt, damit die Betten für Coronaptienten frei bleiben. Darum warte ich jetzt darauf, dass er sich meldet damit ich ihn abholen kann. Meine Schmerzen sind jetzt am Anschlag, doch darf ich kein Tramadol nehmen, wenn ich noch Auto fahren muss. Da in der Filiale nur 1 + 1 Besetzung, keine Vertretung einspringen konnte da noch immer 6 Mitarbeiter krank, blieb J. bis zum Schluss im Markt, die Wunde notdürftig verbunden.
Als er sich bei mir meldete, habe ich unseren Doc Zuhause angerufen, wohnt einen Ort weiter, der dann sofort zur Filiale gefahren ist um ihn zu versorgen und brachte ihn dann auch ins Krankenhaus.
In dem Fall ist mein Neffe genauso verückt wie ich früher, wenn ich mich mit Schmerzmittel vollgepumpt hatte, damit der Markt weiterläuft, die Ware ins Regal kommt. Gedankt hat dies keiner, nur die Gesundheit hat darunter gelitten. Hoffe das er jetzt nicht mehr solche Dummheiten macht, seine Gesundheit und sein Leben sind zu kostbar. Der Schläager konnte sich absetzen, da von den anderen anwesenden Kunden keiner den Mum hatte, um ihm auf den Parkplatz zu folgen und das Kennzeichen vom Auto aufzuschreiben. Mein Neffe und die Dame an der Kasse wissen nur das es kein Stammkunde war.
Wie weit wird sich die Gewaltbereitschaft noch steigern, wohin soll das noch führen frage ich mich gerade. Meine Frau lasse ich auf jeden Fall nicht mehr alleine zum einkaufen gehen und auch ich werde nur mit Begleitung die Besorgungen in den Lebensmittelläden erledigen.
Jetzt warte ich halt auf den Anruf von J. Zum Glück habe ich erst um 12.30 Uhr meinen Behandlungstermin, kann so noch etwas schlafen. Blutabnehmen um 8.00 Uhr fällt aber aus.
Gruß an alle!
Michaela M.