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Re: Blutengel

Verfasst: Fr 17. Jul 2020, 14:10
von Stephanie
Komischer Arbeitstag, heute

Heute gehe ich den Tag mal etwas ruhiger an. Ich will heute wieder mit dem Auto zur Arbeit, weil ich am Nachmittag um halb Vier einen Termin beim Rechtsanwalt habe. Und abends ist dann ja auch wieder üben mit den Jungs. Ich trage heute ein schlichtes, mittelblaues Skater Kleid mit kurzen Ärmeln und dazu silberne Ballerinas. Ich hole noch mattsilberne Sandaletten mit sechs Zentimeter hohen Pfennigabsatz aus dem Schuhschrank, für den Fall, dass es noch wärmer wird heute. Bevor ich in die Ballerinas schlüpfe, fällt mir auf, dass die Fußnägel nicht lackiert sind. "Wäre ja doof, wenn ich auf die Sandaletten wechsele", denke ich mir. Also hole ich noch einen roten Nagellack aus dem Bad. Alles packe ich dann in meine große Shopper-Tasche. Im Treppenhaus ist heute mal nichts los. Ich gehe zum Auto und fahre los. Nach zehn Minuten stehe ich auch schon auf dem Parkplatz vor der Halle. Die Fenster von unserem Großraumbüro im 1. OG sind zum Lüften offen. An einem Fenster steht Torsten. Er sieht mich und winkt. "Huhu Steffi!", sagt er dann, was Ulrich dazu bringt auch ans Fenster zu kommen. Ich gehe durch das Tor und will dann gleich ins Treppenhaus, durch den Nebeneingang. "Nee Frollein, so geht das nicht" sagt Ulrich, "eine Frau deines Standes geht bitte schön durch den Haupteingang." "Na gut," sage ich, "extra für Dich. Ich gehe unter seinem Fenster lang. Ich wippe leicht beim Gehen, so dass die lockigen "Haare" richtig schwingen, auch das Kleid schwingt dabei mit. "Oh je, meine Pheromone gehen mit mir durch", höre ich Torsten flaxen. Die Kollegen der Fertigung haben grade Pause und einige stehen zum Rauchen am Raucherplatz. Als ich auf die Tür des Treppenhauses zu gehe, kommt ein Kollege und hält mir die Tür auf. "Herzlich willkommen im Märchenschloss, schöne Frau" sagt er. "Danke", sage ich lachend.

Oben im Büro werde ich von Ulrich auf seine unnachahmliche Art angesprochen. "Tolle Haare, tolles Makeup, schickes Kleid und dann diese flachen Treter", sagt er feixend. "Ich weiß, Männer mögen keine Ballerinas", sage ich grinsend "aber vielleicht habe ich ja was für Dich." Ich zwinkere ihm zu und gehe dann zu meinem Platz. Er schaut mir hinter her und fragt: "Was denn?" Ich drehe mich um und gehe langsam rückwärts weiter. "Lass Dich überraschen", sage ich geheimnisvoll lächelnd. Ich starte meinen PC und arbeite erstmal Emails ab. Später nehme ich dann an einer Online-Besprechung aller Fertigungsoptimierer via Skype teil. Da ich nichts präsentieren muss, meistens nur zuhöre und ab und an einen Kommentar abgebe, lackiere ich nebenbei meine Fußnägel. Dazu stelle ich einen Fuß auf dem Trolley unter meinen Schreibtisch. Ich sitze halb mit dem Rücken zum Gang. Torsten kommt auf dem Weg zum Drucker bei mir am Platz vorbei. Auf dem Rückweg schnuppert er. "Wo kommt den der Geruch von Farbe oder Verdünnung her", fragt er. Ich schaue über die Schulter, nehme das Nagellackfläschen und zeige es ihm wortlos lächelnd. "Ich glaube Du hast Dich die ganze Zeit nur als Kerl verkleidet", sagt er grinsend. "Auch mal eine Umschreibung des Themas, sage ich lächelnd. Da die lackierten Fußnägel recht gut aussehen, lackiere ich die Fingernägel auch noch.

Die Online-Besprechung ist mal wieder so nach der Art "1000 Gründe, warum es nicht geht". Nach einiger Zeit fragt einer: "Stefan, was sagst Du denn dazu. Du hast doch immer gute Lösungsansätze." "Ups, der weiß noch nichts von meiner Verwandlung"", denke ich mir. Da kein weiterer Stefan in der Runde dabei ist, entscheide ich mich erstmal zu schweigen. "Stefan bist Du noch da?" fragt er wieder. Was mich veranlasst zu sagen: "Welchen Stefan meinst Du denn?" Meine Kollegin Meike aus unserem Team höre ich leise kichern. "Na Dich!" sagt er wieder. "Kann nicht sein, ich bin Stefanie!" sage ich. "Da steht Stefan in der Auflistung der Teilnehmer", sagt der Kollege etwas energisch. "Tatsächlich", sage ich, dann sind das "i" und das "e" heruntergefallen." Der Kollege ist jetzt verwirrt. "Äh, wie jetzt", fragt er. "Scheint so, als hat es sich noch nicht so ganz rumgesprochen", sage ich, "wartet mal, ich mach mal die Kamera an." Die Kamera geht an und mein Gesicht erscheint auf den Bildschirmen, von Raunen bis Oh! und Ah! ist alles dabei. "Wenn ihr ein Problem mit dem Namen Stefanie habt, sagt einfach Steffi, den Spitznamen hatte mein "Zwillingsbruder" ja auch schon", sage ich. "Wie kommt"™s?" fragt ein anderer. "Das sollten wir ein anderes Mal besprechen", sage ich, "das würde hier den Rahmen sprengen." "Stell einfach einen Termin ein, Steffi", sagt meine Team-Kollegin Meike, "meinetwegen in der Pause." "OK", sage ich und mache die Kamera wieder aus. "Nee Steffi, bitte anlassen", sagt ein weiterer Kollege. "Warum denn?" frage ich ganz leicht schnippisch. "Du siehst schön aus", antwortet er. "Danke", sage ich, und dann: "Na gut!" Ich schalte die Kamera wieder an. Einige andere trauen sich dann auch. Meistens lassen wir sie ja aus. Ich habe dann auch tatsächlich eine Idee und bringe sie ein. Der Termin ist nun zu Ende, dafür hagelt es jetzt Emails in Bezug auf meine neue Erscheinung. Also stelle ich einen Termin ein, in dem ich die Kolleginnen und Kollegen aufklären möchte. Direkt nach dem Mittag mache ich das dann.
Kurz vor dem Mittag prüfe ich ob der Nagellack trocken ist. Sieht so weit ganz gut aus. Ich hole die Sandaletten aus der Tasche und ziehe sie an. Von vorne höre ich Ulrich: "Frollein Stefanie, kommst Du mit zum Essen?" "Gerne", antworte ich und stehe auf. Beim nach vorne gehen klackern die Absätze ordentlich. Ich komme bei Ulrich und Torsten an. "Besser so?", frage ich. Ulrich ist selten sprachlos, aber eben habe ich es geschafft. Andreas kommt hinter mir heran. "Das hättet ihr mal von hinten sehen sollen, boah! was ein Anblick", sagt er. Wir gehen ins Treppenhaus. War der Belag im Büro etwas schalldämmend, so klackern meine Absätze hier umso stärker und der Hall ist auch ordentlich. Grinsend gehe ich hinter meinen Kollegen die Treppe herunter. "Geil", sage ich, "auf höheren Absätzen zu laufen ist schon was Feines." "Ach, und ich dachte das machst Du für uns", sagt Ulrich gespielt entrüstet. "Hihi", sage ich nur.

Das ich beim Betreten der Kantine genauer angeschaut werde, als andere Frauen bin ich ja gewöhnt. Aber heute ernte ich teilweise extrem neidische bis böse Blicke. Es gibt ein paar Damen, die gerne die Bewunderung auf sich ziehen. Ich persönlich habe das nicht nötig, ich ziehe mich so an, weil es in erster Linie mir gefallen soll. Aber diesen eben genannten Damen habe ich wohl die Tour versaut. Gefühlt alle Herren schauen mich an. Meine Kollegen bekommen das ebenfalls mit. "Komisch, ich habe doch nichts Außergewöhnliches an", sage ich als wir in die Essenausgabe gehen. Ariane an der Kasse hat meine Aussage mitbekommen. "Es ist Deine ganze Erscheinung, Steffi", sagt sie, "es stimmt einfach alles." "Na gut", sage ich lächelnd. Und Gabi, eine andere Kollegin von der Kantine sagt: "Mach diesen hochnäsigen Weibern mal ordentlich Konkurrenz, mit Deiner natürlichen Art." "Ups, Du gehst aber hart ins Gericht", sage ich zu Gabi. "Was ich mit denen schon alles erlebt habe "¦ "¦", sagt sie und winkt ab. Nachdem ich mein Essen zusammengestellt habe, gehe ich mit Andreas zur Kasse und bezahlen. Dann warten wir auf die anderen. Ulrich kommt dazu. "Die andern Beiden können sich nicht entscheiden, lass uns schon mal einen Platz suchen. "OK", sage ich. Ich drehe mich um und will grade losgehen, da renne ich beinahe Sandra über den Haufen. Die bleibt angewurzelt stehen und mustert mich von oben bis unten ab. "He was ist denn hier heute los?" frage ich, "ich bin doch so wie immer." Sandra fängt sich, wird knallrot im Gesicht und geht schnell wieder raus. Mit großen Augen schaue meine Kollegen an. Ulrich zuckt mit den Schultern und geht zu einigen freien Plätzen, ich folge ihm mit Andreas. Der Rest von unserer Gruppe kommt auch nach. "Ist schon komisch heute", sage ich, "oder ist mir das sonst nicht aufgefallen." "Na, Sie haben schon ein gutes erhabenes Auftreten", sagt der Herr neben mir, "etwas anmutiges, fast königliches." "Oh danke", sage ich, "na ja, ich heiße ja auch Stefanie." "Was bedeutet der Name?" fragt der Herr wieder. "Die gekrönte", antworte ich und zwinkere ihm zu. "Oh!", sagt er nur kurz.

Ich schaue in der Kantine herum. Sandras Kolleginnen sehe ich, aber von ihr ist nichts zu sehen. Ein paar Minuten später kommt sie aber dann doch. Sie schaut sich kurz um, sucht ihre Kolleginnen, sieht mich und geht dann in die Essenausgabe. Meine Kollegen beobachten sie ebenfalls. "Wenn sie immer noch in Dich verliebt ist", sagt Torsten, "dann hast Du jetzt wahrscheinlich noch eine Schippe bei ihr draufgelegt." Der Herr neben mir hat das mitbekommen, und fragt: "Ach, Sie sind das, die unserer Sandra so den Kopf verdreht haben." Ich schaue ihn mit weit offenen Augen an. "Echt so schlimm?" frage ich. Er nickt und lächelt dabei. "Aber ich verstehe Sandras Taktik nicht", sage ich leise und schaue den Herrn an. "Sie ist bei uns im Trakt so etwas wie die Lieblings Kollegin", sagt er, "wenn es ihr nicht gut geht, dann leiden wir alle mit." "So wie jetzt wahrscheinlich", sage ich. Er nickt. "Ich verstehe dann erst recht nicht, warum sie mich am Donnerstag dann so abserviert hat und sich selbst dadurch ins Abseits geschossen hat", sage ich. "Gehen Sie doch zu ihr hin und reden mit ihr", sagt der Herr. Ich schüttele leicht den Kopf und sage: "Nein, das soll sie machen. Ich habe auch meinen stolz." "Soll ich ihr das sagen?" fragt er. "Wenn sie möchten, ich kann es Ihnen ja nicht verbieten", antworte ich. So langsam nervt mich dieses ganze Getue. Andreas und Torsten haben das schon bemerkt und ziehen meine Aufmerksamkeit auf sich. Kurz danach sind wir auch schon wieder am Blödeln.

"Die Arbeit ruft", sage ich in die Runde. "Auf geht"™s", sagt Ulrich. Wir bringen unsere Tabletts weg. Als ich meins auf das Transportband stelle, sehe ich Sandra. Sie sitzt mitten zwischen ihren Kolleginnen vor einer Wand. "Wenn ich da jetzt hingehe, kann Sie noch nicht mal flüchten", denke ich mir, "ach nee, ich lasse es lieber." Beim Weg zum Ausgang beobachtet sie mich die ganze Zeit, selbst als ich hinschaue und sie im Blick behalte. Sie schaut melancholisch, fast traurig. Ich folge weiter meinen Kollegen und verlier sie dann aus dem Blick, als ich durch die Tür gehe. "Du bist aber auch wahnsinnig in sie verknallt, oder?" fragt Torsten. Ich nicke. "Aber ich bin ziemlich hin- und hergerissen", antworte ich, "andererseits will ich mich nicht auch schon wieder binden, ich koste das Single Dasein grade voll aus." "Kommt Zeit, kommt Rat", sagt Andreas.

Ich habe noch ein paar Minuten Zeit, bevor der Online-Termin losgeht. Also schnell noch ein Kaffee geholt. Dann gehe ich Online. Nach und nach komme alle anderen dazu. Ich erkläre meinen Werdegang und was in Zukunft noch kommt in allen Einzelheiten. Es gibt auch einige Rückfragen und auch Lob. Nach knapp dreißig Minuten sind wir dann auch fertig. Um Drei mache ich dann Feierabend und gehe zu meinem Auto. Noch kurz wieder die Ballerinas für das Autofahren angezogen, dann fahre ich Richtung Innenstadt und parke dann im Parkhaus am Schloss. Die Anwaltskanzlei ist gleich gegenüber. Beim Aussteigen wechsele ich wieder auf die Sandaletten. Ein paar Blicke ernte ich schon, als ich durch die im Schloss gelegene Einkaufspassage gehe. Genauso ist es beim Überqueren des Vorplatzes. Fünf Minuten vor dem Termin bin ich da und melde mich an der Anmeldung. Ich habe den Vorzimmerdamen telefonisch mitgeteilt, wie ich erscheine, aber die Dame am Empfang bewundert mich erstmal. Schließlich fängt sie sich und sagt: "Das hätte ich so jetzt nicht erwartet. Sie sehen sehr gut aus." "Danke", sage ich. Ich werde aufgefordert in einem Wartebereich Platz zu nehmen.

Re: Blutengel

Verfasst: Do 23. Jul 2020, 19:38
von Stephanie
Hallo ihr lieben Leute, danke für den vielen Zuspruch, auch per PN. Ich würde gerne mit der Geschwindigkeit weitermachen. Leider hat mich in der Nacht von Freitag auf Samstag letztes Wochenende ein Schlaganfall im Hirn ausgebremst. Ist aber nicht so fies, wie es sich anhört. Er konnte nicht viel Schaden anrichten. Ich bin recht früh von meiner Familie gefunden worden. Wahrscheinlich geht es demnächst zur Reha, vielleicht habe ich da ein wenig Zeit die Geschichte weiter zu schreiben.
Passt gut auf euch auf.
Liebe
Grüße
Stefanie

Re: Blutengel

Verfasst: Do 23. Jul 2020, 19:44
von Satinxsilk
:shock: Ach du schreck da wünsche ich gute und schnell genesung. Passt auf dich auf.

Re: Blutengel

Verfasst: Do 23. Jul 2020, 20:35
von bella49
GUTE BESSERUNG, Stephanie! ---)))

Ist zwar schade für Dich und Deinen tollen Roman, aber wir können warten!
Wichtig ist erst mal Deine Gesundung! Ich drücke Dir sämtliche Daumen!

Re: Blutengel

Verfasst: Do 23. Jul 2020, 21:59
von Bibi Melina
auweia da wünsche ich dir auch gute besserung und erhol dich gründlich (nurse)

mit lieben gruss Die Hexemelina

Re: Blutengel

Verfasst: Do 23. Jul 2020, 22:04
von Diana.65
Hallo Stefanie.

(nurse) Dann wünsche ich dir erst mal gute Besserung. Pass gut auf dich auf!

Auch wenn ich deine Fortsetzungen immer sehnsüchtig erwarte, lass dir bitte die Zeit, die du brauchst, um dich wieder vollständig zu erholen.

Liebe Grüße,
Diana.

Re: Blutengel

Verfasst: Do 23. Jul 2020, 23:01
von Kerstin
Shit......
Gute Besserung und pass auf dich auf.

Re: Blutengel

Verfasst: Fr 24. Jul 2020, 05:28
von Kristin_Engel
Gute Besserung....

Re: Blutengel

Verfasst: Fr 24. Jul 2020, 09:36
von Kim
Hi Stefanie
Auch von mir ganz liebe Genesungswünsche.
Werde schnell wieder Gesund.

Glg Kim

Re: Blutengel

Verfasst: Fr 24. Jul 2020, 09:40
von Bea Magdalena
Hallo Stefanie,

Ohjeee,
gottseidank bist Du frühzeitig von Deiner Familie gefunden worden!

Wünsche Dir gute Genesung!

Alles Liebe und Gute
Bea

Re: Blutengel

Verfasst: Fr 24. Jul 2020, 10:36
von Jenny17
Hallo Stefanie! )))(:
Ich wünsche Dir gute Besserung und dass Du bald zur REHA kannst!!
Ganz liebe Grüße!
Jenny (ki)

Re: Blutengel

Verfasst: Fr 24. Jul 2020, 11:12
von Anjali-Sophie
Hallo Stefanie (888)
Auch ich wünsche dir eine schnelle Genesung , und das alles wieder gut wird,bin in Gedanken bei dir und drücke dir die Daumen

Ganz liebe Grüße ! (ki) (cof) ---))) ---))) ---)))
Anjali-Sophie

Re: Blutengel

Verfasst: Fr 24. Jul 2020, 22:42
von Dunja
Hallo Stephanie,

Das ist keine erfreuliche Nachricht.
Wie die anderen wünsche ich dir eine gute Besserung und erhol dich richtig.

GlG Dunja

Re: Blutengel

Verfasst: Sa 25. Jul 2020, 20:17
von Stephanie
Hallo Mädels, nur eine Korrektur: es war eine Hirnblutung, kein Schlaganfall. Sorry dafür. Die Aufregung halt.

LG Steffi

Re: Blutengel

Verfasst: Sa 25. Jul 2020, 21:15
von Bibi Melina
Auch schlimm genug
Trotzdem gute Besserung