Guten Morgen Vicky,
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 19. Feb 2019, 07:45
Drachenfrau hat geschrieben: Mo 18. Feb 2019, 21:48
dann kann ein Mensch sich in der absoluten Konsequenz nur selbst betrügen.
Guten Morgen,
darin dürfte eine Menge Weisheit liegen. Aber man muss es auch in seiner Radikalität erfahren. Ein anderer Satz, der im Grunde das Gleiche ausdrückt, lautet:
Man ist für seine Gefühle selber verantwortlich.
ja es ist fast schon eine brutale Erkenntnis, wenn man die Verantwortung für sich selbst => seine Gefühle => seine Bedürfnisse sieht.
Es ist fast nicht mehr möglich, mit dem Finger auf andere zu zeigen und zu sagen: Du hast mich verletzt, du sollst mich glücklich machen, "¦..
Dieser Finger macht automatisch eine treffsichere Kehre um 180 Grad.
Aua.
Ich finde, man darf wütend sein.
In einer PN hatte ich dir ja schon das eigene Thema damit angerissen.
Ich spürte, dass da in mir Wut ist, an die ich nicht heran kam — ich wollte sie auflösen, aber nichts, was ich tat, brachte sie hervor.
Selbst die Provokation einer Therapeutin brachte nichts.
Denn — es war Wut, die meine Mutter hatte auf ihren verstorbenen Bruder, der vor ihrer Geburt verstarb und Wut auf ihre Eltern.
Erst eine Familienaufstellung konnte mir helfen und das war auch noch ein "Nebeneffekt", denn diese Wut war nicht das Kernthema.
Indem ich das Kernthema aufarbeiten konnte, ging diese Wut auch fort.
Seitdem liebe ich es, wenn Wut in mir aufsteigt.
Diese Wut erzählt mir eine Menge über mich.
Dass mir gerade überhaupt nicht gefällt, was jetzt passiert. Es ist eine Einladung an mich ist, heraus zu finden, welches Gefühl mit der Wut hoch kommt, z. B. Traurigkeit und welches Bedürfnis auf tragische Weise sich nicht erfüllt.
Fatal ist es jedoch, wenn man in der aufgestiegenen Wut verharrt und diese ausagiert.
Ja, das wird destruktiv für andere und was viele gar nicht bemerkten, ganz stark für sich selbst.
So hast du es auch in etwa mit deinen eigenen Worten geschrieben.
"Jenseits von Richtig und Falsch gibt es einen Ort. Dort treffen wir uns.
Rumi"
Diesem Zitat bin ich das erste Mal in der GfK nach Marshall Rosenberg begegnet und es hat einen starken Lernprozess angestoßen, der nicht abgeschlossen ist solange immer noch etwas mal wieder in diese Richtung in mir aufkeimt.
Das Leben kann sehr spannend sein.
So wie wir, gesellschaftlich erzogen, gelernt haben, wie man zu erwarten hat, wie das Leben funktioniert — ist eine Illusion. Wie du schreibst, es gilt, sich von diesen "Lebensrichtlinien" abzuwenden.
Ja, ich habe etwas weit gegriffen, denn ich frage mich schon sehr lange, wo all die Partnerinnen/Frauen in einer stillen Ecke wütend sind und voller Schmerz, voller Trauer — wahrscheinlich auch allein und/oder einsam.
Es gibt ein Kollektiv, das auf alle Frauen (im logischen Weiterdenken auch auf Männer, alle Menschen) gleich wirkt — jeder doch individuell darauf reagiert, empfindet und deswegen auch individuell dort abgeholt werden sollte, wo er/sie gerade stehen.
Das Thema, dass der "Mann" nun eine Frau ist, das kann man nicht wirklich mit einer Frau/einem Menschen besprechen, die/der nicht in dieser Situation ist und noch schlechter, wenn das gegenüber weder für die eine noch für die andere Seite mitfühlend sein kann.
Das kann sehr einsam und hilflos machen => Hilflosigkeit bringt wieder Aggression/Wut bis hin zur Gewalt hervor.
In dem Augenblick, in dem ich als Partnerin gesagt bekommen habe "du, ich bin eine Frau", wurde ich auf mich selbst zurückgeworfen. Direkt, brutal, geradewegs.
Zwar habe ich es anders empfunden, weil ich das Thema Selbstverantwortung schon kannte, dennoch fand auch in mir ein Prozess statt und ich musste mich mit mir auseinander setzen, mit dem, was mich bewegt.
Damals nannte ich es schon meine eigene Transition.
Ich kam stärker in das Interesse an Drachen, nenne mich hier deswegen auch Drachenfrau und fand inzwischen sogar Bücher und Frauen, die in den Überlieferungen/Mythen eine Verbindung von Weiblichkeit und dem Wesen, der Energie der Drachen sehen.
Drachen standen für mich u.a. für ihre Wildheit, Ungezähmtheit und nachdem ich diesen Spruch fand, wurde mir bewusst, wie gezähmt wir sind und wie sehr die wahre Lebenskraft und Lebensmacht blockiert sind.
Immer mehr reiße ich diese Blockaden auf und möchte so viele wie möglich mitnehmen auf diese Reise, sich selbst zu ergründen, den eigenen Drachen in sich zu finden und das Feuer in den Himmel zu speien.
Viele Grüße,
Ulla