Aubergine hat geschrieben: Mo 10. Dez 2018, 12:35
denn in diesem Post geht es mir nicht um euch!
Schon klar Ellen, da bin ich ganz bei Dir. Aber wem sollen denn plakative Aussagen, gerade in einem Bereich in dem es gerade nicht um schwarz-weiße Betrachtungen geht, nutzen ? Es geht mMn eher um Differenzierungen und Nuancen und um das, was uns Menschen verbindet und nicht unterscheidet. Ich denke, Männer und Frauen haben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Wenn man das erkennen kann, werden Unterschiede weniger wichtig.
Unterschiede machen uns zu Individuen, das Gemeinsame zu Menschen. Vielleicht ist es für Betroffene, sowohl Transmenschen als auch deren Partner, einfacher, wenn man sich das vor Augen führt. Bei vielen Paaren bedeutet das Trans* des Partners z.B. eine Auseinandersetzung mit der Kategorie Geschlecht. Wenn man das macht, muss man viele Positionen hinterfragen, die man bisher eingenommen hat. Manche sind anerzogen, manche sind vielleicht angeboren, manche sind wichtig, manche nicht. Alle diese Dinge müssen individuell beantwortet wissen. Ist es wichtig, was andere denken, hat es einen Einfluss auf mein Leben etc. ? Kann und will ich damit leben ? Und natürlich die sehr intimen Fragen, die noch dazu kommen.
Das sind schwere Belastungen. Aber wie jede Krise birgt sie auch Entwicklungspotential. Eine Krise zeigt, dass man sich bewegen muss. Der Ausgang ist offen. Das macht Angst. Aber es öffnet u.a. die Möglichkeit sich und den Partner in einer neuen Weise kennen zu lernen. Unterschiedliche werden deutlicher. Die Harmonie, wie sie üblicherweise der Liebe zugesprochen wird, nimmt scheinbar ab. Aber eine Krise, die gemeinsam durchgestanden (nicht verdrängt) wird, lässt Unterschiede in größerem Maß zu, als vor der Krise. Gleichzeitig wird das gemeinsame Fundament fester, aber eben nicht so, wie das uns Liebesfilme und Schnulzen vorbeten.
Ein anderer Aspekt ist die Frage des Vertrauens. Wieso kommt er erst heute damit. Warum hat er mich belogen, etc. ? Das ist eine berechtigte Frage. Ich würde an dieser Stelle zurückfragen, wieso man die "Schuld" beim Anderen sucht. MMn ist das eine Frage, die den Keil noch tiefer treibt. Ist in einer Partnerschaft nicht die Frage viel wichtiger, was man selber dazu beigetragen hat ? Wenn ich meine Partnerin belogen habe und sie mich fragen würde, was sie denn dazu beigetragen hat, würde das bei mir alle Tore öffnen, statt sie zu schließen. Es geht nicht um Schuld, sondern um Dynamik. Wieso konnte es soweit kommen ? Steht an erster Stelle. Damit muss man im eigentlichen Konfliktpunkt noch lange nicht einer Meinung sein. Ein gutes Team arbeitet für eine Idee. D.h. was kann ich für diese Idee tun, was kann ich verändern, dass wir der Idee gerecht werden.
Trans ist zuerst ein Problem von Marias Mann, nicht von Maria. Es berührt aber auf unterschiedlichenen Ebenen die Ehe. Das sollte man nicht vermengen. Auch die Frage, was diese verschiedenen Ebenen mit Maria machen, stellt sich ihr. Sie wurde nicht gefragt, ob sie sich damit auseinander setzen will, sondern sie wurde mit dieser Frage zwangsweise konfrontiert. Jetzt muss sie damit umgehen. Wie gesagt, das macht ratlos, ruft (versteckte ?) Ängste auf und macht hilflos. Diese Hilflosigkeit macht wütend. Aber diese Wut setzt Energie frei. Jetzt kommt es darauf an, wie man damit umgeht. Ich kann sie gegen mich oder meinen Partner einsetzen. Man kann aber auch die Ärmel aufkrempeln und Wege einschlagen, sie positiv zu nutzen.
Wie sieht die Idee aus, die die Partnerschaft tragen soll ? Die Frage darf man nicht verwechseln mit der Frage wie man es gerne selber hätte. Letztere ist Bequemlichkeit. Jetzt wird das Getreide gedroschen, wie Khalil Gibran es formuliert. Lasse ich mich auf den Prozess ein oder bleibe ich an der Oberfläche ? Lasse ich mich darauf ein, geht das nur zu zweit. Das ist der Punkt, den Lukas Möller in "Die Wahrheit beginnt zu zweit" beschreibt. Die Schmerzen, die das in mir erzeugt, sind meine Schmerzen und der Partner ist nicht die Ursache sondern der Katalysator. Ohne ihn käme ich nie an diese Stelle. Und jetzt kommt Charlie Chaplin zum Zug, in dem er die Selbstliebe in den Vordergrund stellt. Man hat die Chance zu erkennen, das Konflikte zu Leben gehören, das man Dinge wichtig genommen hat, die es nicht wert sind. Was ist denn wirklich wichtig im Leben ?
Und wohin führt das alles ? Eine Garantie für den Fortbestand der Ehe gibt es nicht, aber man weiß sehr viel mehr über sich, nimmt sich ernster und ist auch ein Stück gereifter. iesen Prozess machen beide automatisch auf einem ähnlichen Niveau, es sei denn einer steigt aus. Dann ist die Partnerschaft gescheitert. Aber wenn beide sich diesem Prozess unterziehen, führt das zu einer viel besseren Partnerschaft.
Klingt doch spannend oder ?