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Re: Partnersuche als Transgender Frau

Verfasst: Sa 15. Dez 2018, 18:33
von heike65
@marie-elle

Ich lese das hier vielfach das Menschen mit Beginn der Transition die soziale Komponenten (Kontakte, flirten oder einfache Gespräche ) leichter fallen. Ich kann das nicht nachvollziehen, würdest du mir das erklären wollen und können ?

Heike

Re: Partnersuche als Transgender Frau

Verfasst: So 16. Dez 2018, 10:31
von Marie-Elle
Hallo Heike,
heike65 hat geschrieben: Sa 15. Dez 2018, 18:33 @marie-elle

Ich lese das hier vielfach das Menschen mit Beginn der Transition die soziale Komponenten (Kontakte, flirten oder einfache Gespräche ) leichter fallen. Ich kann das nicht nachvollziehen, würdest du mir das erklären wollen und können ?

Heike
ich kann es auch nur versuchen, ob es die wahren Gründe sind weiß ich nicht.

Ich versuche es erst wieder an einem Beispiel: Ich arbeite in einem Gebäude, in dem mehrere unterschiedliche Firmen angesiedelt sind.
Die eigenen Mitarbeiter kenne ich überwiegend, zumindest Gesichter. Die der anderen Firmen gar nicht.
Ich bin jetzt etwa 4 Jahre dort, stimmt nicht ganz, aber so in etwa die 1. Hälfte als Mann, die 2. Hälfte als Frau.
Wenn ich in der früh das Treppenhaus hochgehe, hab ich als Mann kaum jemand gehabt, der mir Guten Morgen gewünscht hat.
Jetzt laufen mir immer wieder wildfremde Leute entgegen (Männer aber auch Frauen), die mir einen Guten Morgen wünschen.
Warum?

Weil ich anders wirke? Weil man Frauen eher grüßt? Weil ich als Transfrau eh so auffalle, dass mich schon jeder kennt?
Oder lächele ich mehr wie früher, komme also auf der Gegenseite anders an?

Ich hab mich früher gefühlt, als würde ich einen schweren Stein mit mir rumschleppen. Ein Geheimnis, welches keiner Wissen durfte.
Ich glaube, dass ich dadurch immer verbitternder (?) wurde, zurückgezogen, schlecht aufgelegt. Diese Stimmung war von anderen evt.
sichtbar/bemerkbar. Wenn man jemand sieht, dass man wegschaut, sich nicht traut, dem andern frontal in Gesicht zu schauen.
Jetzt ist dieser Stein weg, ich kann frei durchatmen, bin dadurch evt. auch offenen den anderen gegenüber?

Vielleicht der Beginn der Transition als eine Art Schnitt im Leben: Was hab ich "falsch" gemacht, nein, was hab ich gemacht, was mir nicht
gefallen hat und wie kann ich es besser machen. Und dann der Beginn das Leben umzubauen, aber teils mit gravierenden Einschnitten,
die mir bis heute recht schwer fallen und gefallen sind. Meine Familie. Im Job, ja, ich bin immer noch in der IT Branche tätig,
aber doch Gedanken, lieber in was IT Fremdes zu wechseln. Lacht nicht, aber mittlerweile würde ich sogar eine Stelle in einem Kindergarten
nicht ausschließen. Kommt dies von den Hormonen (knapp 1,5 Jahre)? Geht es euch auch so?

Flirten (zwei Richtungen: von einem selber weg und angeflirtet werden):
Ich hatte bis zum Beginn meiner Transition immer in einer großen Familie gelebt. Sei es jetzt bei den Eltern, Großeltern im gleichen Haus,
Geschwister und später in der eigenen Familie mit 2 eigenen Kindern. Mit Beginn der Transition bin ich ausgezogen (Gründe will ich hier jetzt nicht
nennen), jetzt kleine Wohnung, alleine. Mehr oder weniger Single, auch wenn guter Kontakt zu meiner Frau und den Kindern besteht.
Aber es ist einsam, ruhig, wenn man von der Arbeit kommt. Man hat oft Gedanken, die man mit jemand teilen will, brennt regelrecht drauf,
diese zu teilen, aber es ist keine(r) da, der zuhört. Oder einen aufbaut, wenn es einem schlechter geht. In den Arm nimmt, einen drückt, wärmt.
Ich glaube, es ist ein starker Wunsch bei mir da, wieder einen Partnerin oder einen Partner zu finden, wobei ersteres bevorzugt, aber zweiteres
nicht ausgeschlossen. Dadurch vielleicht auch die Reaktion "aktiv flirten", damit sich der Zustand bald ändert. Oft reicht einfach ein Lächeln,
ein freundlicher Umgang miteinander, es kamen schon schöne (wenn auch nur kurz anhaltende) Freundschaften zustande.
Aber man darf auch die Psyche nicht unterschätzen, was es mit einem macht, wenn man jemand kennengelernt hat und es dann doch nichts wird,
vielleicht auch schleichend nichts wird. Ich selbst hatte etwas erwartet, die Partnerin aber scheinbar keinerlei Gefühle für mich (oder besser gesagt
andere Ziele). Mir hat es da schon mal (kurzzeitig) regelrecht die Füssen unter dem Boden weggezogen.
(Hinweis: Ziele: Sie suchte einen Vater für ihr Kind und will noch weitere Kinder. All das kann ich nicht mehr bieten. Es hat bei mir intensive
Überlegungen/Gedanken ausgelöst, ob ich den richtigen Weg gehe. Ich kann aber nicht mehr ins "alte" Leben mit dem Stein zurück,
dass würde mich umbringen.)
Angeflirtet werden, angemacht zu werden, blöd angemacht zu werden, aufdringliche Gegenseite: Kurzum: Fällt mir aktuell noch schwer.
Zuviel Neuland, wo ich nicht weiß, wie ich mich im Zwischenzustand verhalten soll.

Liebe Grüße,
Marie

Re: Partnersuche als Transgender Frau

Verfasst: So 16. Dez 2018, 15:36
von heike65
Vielen Dank für deine Offenheit

Heike

Re: Partnersuche als Transgender Frau

Verfasst: So 16. Dez 2018, 16:35
von Simone 65
Marie-Elle . Danke für dein Schreiben .Ich sehe mich in vielen wieder was du schreibst .
Als Er hatte ich wenig bis gar keine Kontakte . Ich war alleine . ALLEINE .
Seit ich als Simone in der Welt unterwegs bin , ich habe Freunde gefunden , ich werde angesprochen . Ich habe eine Freundin . Sie wird nächstes Jahr bei mir sein . Ich hatte lange aufgegeben ein Mensch für mich zu finden . Ich hatte mich damit abgefunden für immer alleine zu sein .
Ich weiss nicht was das ist . Als Simone bin ich offener .
Eine Freundin hat mir letztes Jahr mal gesagt , ich wäre selbstbewusst . Ich habe angefangen zu weinen , den so etwas hatte noch Nie jemand zu mir gesagt .
Liebe Grüße Simone.

Habe ich was vergessen , bestimmt .

Re: Partnersuche als Transgender Frau

Verfasst: Mo 22. Jul 2019, 11:43
von Diva
Hallo,

hab den Thread erst spät entdeckt, darum wird's im Folgenden eine kleine Zitate-Schlacht, denn es gibt viel Interessantes, zu dem ich gerne etwas schreiben mag.
Caity hat geschrieben: Mi 7. Nov 2018, 15:02 Ich habe leider totale Schwierigkeiten jemanden kennenzulernen. Die Leute sind voreingenommen und kommen einfach nicht heraus aus ihrem Schubladendenken. Man bekommt nicht mal eine Chance da man immer gleich auf das was zwischen den Beinen ist reduziert wird.
Geht es euch auch so? Bitte um Erfahrungsberichte.
Da kann ich mich anschließen. Berichtete an anderer Stelle ausführlich, welche Resultate ich bei verschieden abgestuften Profiltexten hinsichtlich meiner TS auf den vielfältigsten Portalen hatte. Am Ende lief es jedoch regelmäßig auf das hinaus, was Caity schreibt. Menschen, die geschlechtlich "aus der Rolle tanzen", bekommen bei den "Normalen" keine Chance. Den meisten ist es sogar vollkommen gleichgültig, ob preOP oder postOP. Die wollen kategorisch nichts mit Leuten abseits der "Norm" zu tun haben.
Caity hat geschrieben: Do 8. Nov 2018, 20:34 Ich suche einen Mann mit dem Schwerpunkt Partnerschafft. Hatte einmal so ein Sex Date und das war komplett fürn Arsch. Hab mir danach gedacht nie wieder. Sex nur noch mit Liebe.....
Zum Glück hab ich diese Einstellung von Anfang an, sodass mir ein schmuddeliges Schlüsselerlebnis erspart blieb. Meine Einstellung war und ist: "Ohne Liebe kein Sex". Daraus folgte aufgrund von einem Jahr Misserfolgen bei der intensiven Partnersuche via Internet und 2 Jahren via Clubs, Tanzen gehen, Freizeitbeschäftigung usw. die bittere Erkenntnis: "Besser ich sterbe als Jungfrau als eine Geschändete."
Caity hat geschrieben: Fr 9. Nov 2018, 20:58 ich bekomme ja nicht mal eine chance auf ein kennen lernen. es wird sofort verurteilt nur weil ich als junge geboren wurde und einen penis habe. das find ich sehr schade und macht mich krank...
habe so schon genug unter depressionen zu leiden......
Das verwundert mich jetzt. Ich hatte auch noch eine Menge Dates mit Typen, die wussten, dass ich TS bin. Allerdings haben die oftmals meinen Ansprüchen nicht genügt. Wer mir z.B. das Gefühl geben will, welche unermessliche Gnade mir doch zuteil werden würde, weil er sich mit einer "wie mir" träfe, ist sofort unten durch. Und die ganzen ONS- und Bahnhofsklo-Fanatiker widern mich ebenfalls an. Dann verzichte ich lieber, als mich beschmutzen und erniedrigen zu lassen.

Du hast Recht: Es macht krank! Gerade die zahllosen Kerle, die mich mit den schönsten Komplimenten eindeckten, weil sie nur meine Fotos anschauten und nicht lasen und / oder begriffen, was die Formulierung "nicht als Frau geboren" bedeutet, zogen sich nach entsprechender Aufklärung unter Beleidigungen und Schmähungen gekränkt zurück, auf "sowas" wie mich reingefallen zu sein.
Passiert mir übrigens noch heute häufig im "real life". Was für Mistkerle!
Ich verurteile keinen Mann, der ein natürlich gewachsenenes weibliches Geschlechtsteil zwischen meinen Beinen erwartet. Ich verurteile die niederträchtige, menschenverachtende Art und Weise, mit der ich nach dem Outing behandelt werde. Das macht wirklich krank, wenn man es oft erleben muss.
Noemi hat geschrieben: Sa 10. Nov 2018, 21:17 Für Aussenstehende sind wir Kerle in Frauenkleidung,mit etwas Verständnis Transvestiten,wenn deren Horizont so weit reicht.
Aber von unserem Transsexuellen Hintergrund haben die keine Ahnung,geschweige einen Schimmer was das ist.
sorry dass ich mich so ausdrücken muss.
Richtig - so empfinde ich das auch. Die Gesellschaft mag aufgeklärter sein, schleppt uns nicht gleich zum Scheiterhaufen oder Galgen, aber dennoch mag niemand explizit etwas mit Trans* zu tun haben. Die Berührungsängste sind enorm. Insbesondere Männer haben neben Bier und Fußball ständig im Kopf, dass sie in ihrer Clique den dicken Max markieren können. Wenn ihnen dann unterstellt wird, dass sie schwul seien, weil sie irrtümlich eine transidente Frau wie mich angeflirtet haben, gefährdet das deren Weltbild - und schürt immensen Hass auf mich, weil ich sie "getäuscht" hätte.
Leider gehört das inzwischen zu meinem Alltag.
Caity hat geschrieben: So 11. Nov 2018, 13:33 Gegen einen Bi Mann spricht in erster Linie ja nichts, allerdings müssten Homo Männer ja aus dem Spiel sein da sie ja ausschließlich auf Männer stehen und ich nun mal eine Frau bin. Wäre das nicht der Fall wäre es ja wieder ein Bi Mann.
Dieses ganze Schubladendenken ist in der Praxis der reinste Unfug. Ich war z.B. in einer speziellen Bi-Gruppe angemeldet. Es gab etliche Annäherungen, aber nichts Konkretes. Unterm Strich kam raus, worum es wirklich ging: Dass nämlich normale Hetero-Kerle einfach nur dabei sein wollten, wenn ihre eigene Frau von einem anderen Typen oder die eines anderen vor ihren Augen ... Soviel zu Bi.
Theresa hat geschrieben: So 11. Nov 2018, 19:18 "Gleichklang" soll eine Partnerbörse sein, wo es eine Rubrik für Trans- Leute geben soll. Allerdings hat sie sich gleichzeitig sehr stark alternativer Lebensweise verschrieben, was nicht so mein Fall ist.
Ich war ein dreiviertel Jahr lang dort. Im Gegensatz zu anderen Portalen war überhaupt nichts los. Das einzige Kommunikationsthema der paar Leute dort war die spannende Frage, wie man sein Profil löschen könnte - lach.
Sonnenuhr hat geschrieben: Mi 5. Dez 2018, 22:49
Jaddy hat geschrieben: So 11. Nov 2018, 18:37
Tamara Beaujambe hat geschrieben: So 11. Nov 2018, 16:19Gibt es denn bei den einschlägigen Partnerbörsen im Internet eine Möglichkeit mehr als nur M oder F anzugeben?
Joyclub kann das meines Wissens inzwischen. Sie haben mich auch auf einfache Bitte hin auf androgyn geändert. Allerdings gehts da mehr um Sex und Party, nicht um Lebenspartnerschaften. Trans kann bei einigen angegeben werden.
Man sollte keiner Plattform trauen, die vor einer Statusänderung von F zu M oder umgekehrt oder in "ts" oder von "ts" zu "w/m" allen Ernstes ein eingescanntes
amtliches Dokument verlangt. Den Hintergrund findest du im Thread "Diskriminierung ..." in der transgender gruppe.

Mich hat das veranlasst, Joyclub zu kündigen.
JOYCLUB hat einen äußerst aggressiven, widerwärtigen und diskrimierenden Support. Kostenlose Mitgliedschaft gibt es nur für Frauen - nach dem Gesetz. Nun gut, ich hätte ja auch bezahlt, doch auch den Geschlechtseintrag "weiblich" gibt es nur für "gesetzliche Frauen". Ohne Gerichtsbeschluss, PA-Kopie und Geburtsurkunde lief da gar nichts. Ansonsten blieb immerhin der - kostenpflichtige - Beitritt als TS. Wobei die kostenlosen Standardfunktionen recht weitreichend sind und man nicht unbedingt Premium kaufen muss.
Da ich zuerst wegen meines Profilbildes glasklar und zweifelsfrei als Frau kostenlos Premium bekam und dann später wegen irgendeines "Zwischenfalls" "aufflog und als TS auf Standardmitgliedschaft gestutzt wurde, kann ich einen bitteren Vergleich ziehen:
Auch hier spiegelte sich die typische Einstellung der Gesellschaft zu TS wider. Postete ich als Frau ein Foto, gab es manchmal über 100 Likes. Dasselbe (!) Foto als TS gepostet schaffte es dann mit Ach und Krach auf ein Zehntel davon. Und nicht schön sein kann, was nicht schön sein darf ... ihr könnt mich mal! Nach dieser Kränkung schmiss ich dem JOY und seiner feinen Klientel seinen Mist vor die Füße und kehrte nie mehr zurück.
Tamara Beaujambe hat geschrieben: So 11. Nov 2018, 16:19 Gibt es denn bei den einschlägigen Partnerbörsen im Internet eine Möglichkeit mehr als nur M oder F anzugeben?
Und entsprechend auch mehr Optionen bei dem Personen die man sucht?
Neben Gleichklang und JOY gibt es m.E. noch drei spezielle Partner-Portale für TS / TG / TV / CD / DWT usw., die nicht komplett im Sumpf auf dem Niveau eines menschenverachtenden Fleischmarktes stecken. Leider ist auf zwei von den dreien tote Hose ...
Henning hat geschrieben: Do 8. Nov 2018, 18:53 Man wünscht sich einfach jemanden ,der einen so liebt wie man ist und der einen versteht,vor dem man sich nicht für jeden Mist rechtfertigen muss.
Allein schon das "sich outen müssen" belastet mich persönlich schon.
Du sprichst exakt an, woran ich beinahe zerbrochen wäre. Bei mir ist der Wunsch, jemanden zu finden, der mich als Mensch liebt und begehrt, nicht zur Floskel verkommen. Darum tut es ja so schrecklich weh, immer und überall, wo es ums Zwischenmenschliche geht, verachtet, verstoßen, beschimpft und gemieden zu werden.
Das steht im krassen Gegensatz dazu, wie sich die Männer zuerst angenähert hatten, sei es nun beim Tanzen oder im Arbeitsalltag. Es ist diese komplette Entwertung als Mensch, mit der ich nie klar kommen werde. Darum schließe ich ein Kennenlernen im "real life" außerhalb irgendwelcher Queer-Biotope kategorisch aus. Mein "Problem" ist, dass ich überwiegend als "normale" Frau gelesen werde und die Verehrer nicht wissen, woran sie sind. Es schwebt immer das Coming Out in der Luft - und ja, ich hab's satt, mich ständig erklären und rechtfertigen zu müssen!

Um genau diesem psychischen Dauerstress zu entrinnen, hatte ich mich vor drei Wochen nach langer (Frust-)Pause aufgerafft, es noch ein Mal zu probieren: aber auf einem speziellen Trans*Portal. Die Männer, die dort suchten, wollten keine Cis-Frauen und wüssten wohl einigermaßen, was bei wer / wem dran bzw. nicht dran wäre. Von den "Normalen" hatte ich jedenfalls den Kanal voll.

Ich erstellte ein ziemlich selbstbewusst-humoriges Profil, das an sich schon die meisten Spinner abschreckt, geizte nicht mit ästethischen Fotos (kein FSK18!!), denn Profile ohne Fotos finde ich kontraproduktiv, wenn man wirklich wen kennenlernen möchte. Gleich am zweiten Tag bekam ich eine sehr lange, reizend formulierte Zuschrift von einem offenbar charmanten Mann. Als ich dann noch sein beigefügtes Foto öffnete, war's dann quasi schon geschehen. Ich ließ alle anderen Zuschriften liegen, wir verabredeten uns innerhalb von ein paar Tagen zum Date und schrieben uns derweil herrliche Texte ...
Das mag jetzt kitschig klingen, aber es war tatsächlich besagte Liebe auf den ersten Blick. Ich schreibe ja im Sex & Partnerschaftsthread etwas ausführlicher darüber. Dass ausgerechnet mir als Pessimistin, Gescheiterte, seelisch Tote so ein Glück zuteil wurde, kann ich noch immer nicht fassen. Ich gebe wirklich alles, dass es nicht zerbricht. Mir ist vollkommen klar, dass ich einen Mann wie ihn niemals mehr wiederfinde. Andersherum ist er nicht unerfahren und weiß offenbar auch, dass er eine Frau wie mich nicht so leicht wiederfinden dürfte. Er ist der erste Mensch, der mich tatsächlich liebt, wie ich bin - und das noch auf Augenhöhe. Das ist ein wahnsinnig schönes Gefühl.

Leider kann diese Ausnahme keine Regel bestätigen. Sein passender Kommentar am Anfang war: "Menschen wie wir lernen sich normaler Weise nicht auf Portalen kennen." Ja - wo aber sonst? Im Alltag wären wir uns niemals begegnet. Es gab keine einzige andere Zuschrift, die auch nur annähernd an seine herankam. Ums Aussehen geht es mir erst in zweiter Linie. Von seinen Worten fühle ich mich umarmt, erst recht jetzt, da wir uns inzwischen persönlich kennen- und lieben gelernt haben.
Übrigens: Mein Liebster ist heterosexuell, kein bisschen homosexuell oder bi und ich bin preoOP. Soviel zu den Schubladen.

Das waren in Kürze meine Erfahrungen und ich wünsche allen mindestens auch 1x im Leben so viel Glück, wie ich es jetzt offenbar erleben darf.

LG
-Diva

Re: Partnersuche als Transgender Frau

Verfasst: Mo 22. Jul 2019, 13:37
von Michelle_Engelhardt
Ich kann alles 100% unterschreiben, was im letzten Beitrag zu lesen ist. Divas Partner und mein Ex (ebenfalls hetero) sind da absolute Ausnahmen. Wer hierzulande als TS Mädel einen Partner für eine Beziehung sucht, sollte eine gehörige Portion Geduld, ein dickes Fell und Optimismus mitbringen. Wer allerdings nur an Spaß interessiert ist, wird schnell fündig.

LG
Michelle

Re: Partnersuche als Transgender Frau

Verfasst: Mo 22. Jul 2019, 14:36
von ExuserIn-2019-11-01
Diva hat in Ihrem Post sehr schön zusammengefasst, was die Ursprungsposterinnen und sie haben erfahren müssen. Meine eigenen Erfahrungen sind ziemlich deckungsgleich und inzwischen habe ich auch für mich "entschieden", daß ich auf eine Partnerschaft verzichten werde. Nicht, weil ich mich nicht einsam fühlen würde oder keine Gesellschaft benötige, aber es ist offensichtlich tatsächlich so, daß selbst sich tolerant gebende Menschen, mit denen man nur eine Freundschaft pflegen möchte, irgendwann in den gesamtgesellschaftlichen Abwehrmodus zurückfallen.

Ein sich anbahnender Kontakt über das Portal queer-sie-sucht-sie.de begann zunächst freundlich. Als ich nach dem dritten Nachrichtenaustausch sicherheitshalber anmerkte, daß ich im Profil "transidenten Hintergrund" angegeben habe, was die Dame offensichtlich überlesen hatte, wurde ich unvermittelt auf unfreundliche Art gefragt, was ich beruflich gemacht habe und derzeit mache. Alles klar! Ich habe geantwortet, daß ich zwar nicht als Shemale meinen Lebensunterhalt verdiene, aber auf den Kontakt mit charakterlosen Menschen wie sie sehr gut verzichten kann.

Die Alternative wäre natürlich eine Detransition. Das Ergebnis wäre mit absoluter Sicherheit, daß ich wieder eine Rolle - die des Mannes - spielen würde, die ich über die letzten Jahre zu verachten gelernt hatte und die mich sicher wieder totunglücklich werden ließe und da hilft mir dann auch keine Partnerin, von der ich sowieso nicht weiss, wie glücklich ich mit ihr werden würde und wie lange überhaupt.

In Konsequenz all' dessen werde ich jeden einzelnen Tag als Frau geniessen, Kontakt-Gelegenheiten nicht suchen, aber die Augen offenhalten. Und einige nette Menschen, die ich von früher kenne oder neu kennengelernt habe, sind mir auch eine große seelische Stütze.

Liebe Grüße!

Re: Partnersuche als Transgender Frau

Verfasst: Mo 22. Jul 2019, 15:26
von Michaela_mit_a
Die Frage wie man diejenige Freundin oder Partnerin trifft, die zu einem passt, ohne Jahre auf den Zufall zu hoffen, hat mich natürlich auch beschäftigt.
Nach ein paar Tagen Herzschmerz und Einsamkeit habe ich für mich recherchiert und mir zwei Portale näher angeschaut.
Finya und Lovescout. Angemeldet, ehrlich ausgefüllt, nichts verheimlicht, klargestellt, dass ich nur nach einer Frau und nur als Freundin suche.

Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Während ich bei Finya tonnenweise männliche Offerten bekomme, ist das bei Lovescout rein weiblich und deutlich angenehmer.
Beide kostenfrei, bei Lovescout kostet es allerdings eine monatliche Gebühr, die ich eigentlich zu hoch finde, wenn man miteinander schreiben möchte.
Auf beiden Plattformen habe ich aber Kontakt zu netten Frauen geknüpft, zwei davon treffe ich im August das erste Mal auf einen Kaffee.

Hoffe ich behalte meine bisher positiven Erfahrungen. Werde berichten :-)
LG, Michaela