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Re: Valeries Welt

Verfasst: Mo 9. Okt 2017, 19:21
von Brigitta
Hallo Valerie,
)))(:
jetzt wird es wieder interessant - eine neue Beziehung bahnt sich an ...
Ich bin ganz gespannt, wie es weitergeht! :?:

Liebe Grüße
Brigitta ))):s

Re: Valeries Welt

Verfasst: Mo 9. Okt 2017, 19:29
von Valerie Bellegarde
Damit ihr Valeries Stimmung an diesem Spätnachmittag mitkriegt, hier nochmals zur Erinnerung der erste Vers von dem Lied. Es ist ein Südstaaten Lied, cirka von 1967. Ein ganz schwerer, schleppender Rhythmus, richtig heavy, man muss ihn geradezu mit den Füßen mitwippen:

Ode to Billie Joe

"It was the third of june, another sleepy dusty Delta day...
I was out chopping cotton and my brother was bailing hay...
And at dinner time we stopped and walked back to the house to eat
And mama hollered at the back door: "You remember to wipe your feet"...
Then she said I got some news from Chocktaw Ridge
Today Billie Joe Mc Allister jumped off the Tallahatchie Bridge"

LG, Valerie :()b

Re: Valeries Welt

Verfasst: Di 10. Okt 2017, 07:38
von Valerie Bellegarde
Guten Morgen!

Einen wunderschönen guten Morgen allen Leserinnen. )))(: Ich denke, dass es heute weitergehen wird mit den Feelings, so etwa im Laufe des Nachmittags, eventuell auch bereits früher.

LG, Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: Di 10. Okt 2017, 16:16
von Svenja80
Sehr schön, auch wenn "evt. früher" leider schon ausfällt ;)

Re: Valeries Welt

Verfasst: Di 10. Okt 2017, 16:41
von JanaH
ebenso "hibbel", ich bin schon beinahe süchtig... (he)

Re: Valeries Welt

Verfasst: Di 10. Okt 2017, 16:57
von Valerie Bellegarde
Kapitel 37: Feelings, die Zweite

Sie waren eigentlich noch keine zwei oder drei Wochen gemeinsam im Vorzimmer von Dr. Schmidt (dort beim XXXXler, dem großen und weltbekannten Autowerk mit Hauptsitz in Stuttgart) und doch waren sich inzwischen beide menschlich sehr viel näher gekommen. Hockten also am frühen Abend dort bei einer Art privaten after work party unter dieser Discokugel in dem halb-mondänen und ein wenig verstaubten Cannstatter Tanzlokal, hörten der Music-Box zu, die ganz auf Retro zugechtgemacht war und passenderweise heute auch Retro-Lieder spielte, und auf Retro ist zumindest Valerie immer schon abgefahren, denn Valerie war im Grunde bei all ihrem gelegentlichen frech-vorlauten Getue und ihrer manchmal etwas schnippischen Art (ja sie konnte zickig sein, wenn ihr einer schräg kam!) im Grunde ein durch und durch emotionales und harmoniebedürftiges Wesen.

Ich denke, Retro-Musik sagt euch was, ich meine so die 70er, 80er Jahre, amerikanischer Folk und Rock, Janis Joplin, Johnny Cash, diese Sachen. Entsprechend gelöst war die Stimmung im Raum, sie waren um diese frühe Stunde die einzigen Gäste und fühlten sich wohl. Beide redeten von sich und hörten sich auch ein wenig zu, und aus der Art wie das Gespräch verlief, resultierte ein gewisses Vertrauen zueinander, Valerie hatte das Gefühl, sie könne sich ein wenig öffnen der Kollegin gegenüber.

Diese kam dann auch gleich zum Punkt, ohne weiteres Herumgerede.

"Du sag mal ich wollte dich das schon öfters mal fragen, aber was ist eigentlich mit deiner Stimme los? Das fällt schon auf, anfangs dachte ich du hättest da was an den Stimmbändern, oder biste immer noch erkältet, oder was?

Alice blickte ihr voll in die Augen, aber Valerie erkannte nichts Böses in der Frage und auch nicht in diesen tiefliegenden blauen Augen, sah darin im Moment nichts als Zuwendung und Neugierde, auch Sympathie, aber keinerlei Hintergedanken und keine Gemeinheit. Spontan, wie Valerie sein kann und vielleicht auch ein klein wenig naiv, beschloss sie genau in diesem Moment, sich der neuen Freundin voll anzuvertrauen, ja sie sei biologisch ein Mann, oder besser gesagt, sie habe sekundäre männliche Geschlechtsmerkmale mitbekommen damals in der Adoleszenz, diese seien allerdings heute weder sehr groß noch dominant oder auffällig, obwohl sie eigentlich funktionierten (obwohl: nicht immer zufriedenstellend, wir erinnern uns an das letzte Abenteuer mit Erica).

Die ganze Geschichte kam dann also auf den Tisch, nein, nicht die ganze Geschichte, besser gesagt, stückweise, in Teilen und unsystematisch. Nein, einen Namen habe sie dafür nicht, obwohl klar sei dass sie körperlich und auch sexuell völlig zwischen den Stühlen liege, es gebe viele medizinische Begriffe für ihren Zustand, die sie jetzt aber nicht alle aufzählen wolle. Alice hörte mit großen Augen zu, hatte schon so etwas vermutet aber nicht zu fragen gewagt, klar, so was fragt man einen Menschen auch nicht ins Gesicht.

Ja und wie ist das mit deinen Gefühlen? Kannst du das steuern oder läuft das in dir ab wie ein Film und du bist nur der Zuschauer? Erklär mir bitte, wie ich das verstehen muss. Und sind deine Gedanken eigentlich die Gedanken einer Frau oder sind sie die eines Mannes? Solche Fragen purzelten aus Alice heraus, und Valerie konnte keine einzige davon zufriedenstellend beantworten, ja vielleicht fühlte sie inzwischen weniger wie ein Mann und mehr wie eine Frau, aber wie fühlen eigentlich Frauen? Zumindest damals vor ein paar Wochen in dieser Nacht mit Karl-Heinz hatte sie gedacht, sie spürte ihn in sich wie eine Frau einen Mann spürt wenn sie von ihm penetriert wird, aber war es das eigentlich, was Alice gefragte hatte?

Je tiefer die andere mit ihren Fragen drang, desto verwirrter wurde Valerie, sie hatte keine Antworten mehr, die Freundin bemerkte das dann auch bald und stellte ihre Fragerei ein, entschuldigte sich, legt ihr beruhigend eine Hand auf den Oberarm, zog sie ein wenig zu sich her, eine angedeutete Umarmung sollte das wohl sein. Dann schwieg man eine ganze zeitlang und überließ sich seinen eigenen Gedanken. Valerie schaute rüber zu Alice, fand aber in deren Gesicht nichts was auf Vorwurf oder Ablehnung hingedeutete hätte, und war wieder ruhig: Calm down man, calm down girl, sagte sie zu sich selbst und es war wieder gut, ziemlich gut.

Hatte sie in Alice wieder mal so etwas gefunden wie einen kongenialen Menschen? Einen, dem sie bedingungslos vertrauen konnte? Klar, das Verhältnis zu ihrer anderen Freundin Erica war anders, eher ein wenig oberflächlicher, mehr geprägt durch Alltagsvorlieben und gemeinsame Interessen und Hobbies. Mit Erica trieb sie gemeinsam Sport, teilte sie ihre Faible für schöne Schuhe und schöne Klamotten, und die Männer hatten die beiden ja auch schon einmal geteilt, wenigstens den einen, Michael, an diesem sagenhaften Abend nach der Oper. Mit Alice, das spürte sie jetzt, würde das etwas anderes werden, etwas tieferes, und sie meinte es in den Augen der Kollegin gesehen zu haben, diese Emotionalität und Tiefe.


Ob Valerie damit richtig liegt, besprechen wir nächstes mal.

Liebe Grüße, Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: Di 10. Okt 2017, 18:10
von JanaH
UUh, die Kurve ist scharf...
Aber mach nur gerne weiter (ap)

Re: Valeries Welt

Verfasst: Di 10. Okt 2017, 22:06
von Valerie Bellegarde
und ich begrüße auch die hippelige Jana als neue Leserin in unserem kleinen Kreis, viel Spass! (hs)
Liebe Grüße, V.B.

Re: Valeries Welt

Verfasst: Mi 11. Okt 2017, 14:48
von Valerie Bellegarde
Liebe Freundinnen und liebe Freunde von Valeries Welt,

Morgen am Donnerstag geht es vormittags weiter mit dem 38. Kapitel von Valeries Welt, es heißt "Kneipengespräche" und wird ein wenig philosophisch (so gut ich das eben kann), also ich wollte deshalb nur kurz vorwarnen.

LG, Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: Do 12. Okt 2017, 10:31
von Valerie Bellegarde
Kapitel 38: Kneipengespräche, eins

An einer anderen Stelle der Geschichte haben wir schon gehört, Valerie sei ein in sich widersprüchlicher Mensch, einerseits frech und eigenwillig, andererseits gelegentlich auch in sich gekehrt, still und bestimmt kein Kneipenhocker. Das letzte gilt sicherlich für ihre Zeit, die sie früher noch als Mann, d.h. im Männermodus verbrachte. Seit sie aber täglich Frauenkleider trägt (auch im Büro) hat sich das geändert. Sie mag es, abends rauszugehen und sich auch mal in der Öffentlichkeit als Frau zu präsentieren.

Sei es wie es sei. Valerie vollständig zu beschreiben, ist bestimmt nicht einfach. Jedenfalls schienen sich die beiden, Valerie und Alice, von Anfang an richtig zu mögen. Was auch darauf hinauslief, dass Valerie in den folgenden Wochen und Monaten sozusagen zur richtigen Kneipenhockerin mutierte. Das heißt, oft verschwanden die beiden direkt nach Büroschluss gemeinsam im nahegelegenen Cannstatter Musikcafé MAGNET (wo DJ Ali an Wochenenden die Scheiben auflegt) Dort hockten sie in ihrer Ecke, nippten an ihren Margheritas, kuschelten in diesen tiefen Plüschsesseln, die Musicbox spielte unablässig diese Retro-Musik und die beiden Mädels plauschten miteinander über ihren Alltag oder schwiegen auch nur. Oft waren sie um diese frühe Stunde noch die einzigen Gäste, später würde es voller werden, aber dann waren sie meistens schon wieder gegangen.

Wir sind jetzt wieder an einem Punkt der Erzählung angelangt, wo sich der Erzähler davor hüten muss, bei der Schilderung seiner Charaktere in allzu simple Schablonen zu verfallen. Etwa solche Denkmuster: "Valerie ist widersprücklich, leichtsinnig und emotional, man könnte fast meinen, sie ist ein wenig verrückt / Erica ist ein Gemütsmensch aber neigt zur Promiskuität / Michael ist ein businessman und sexuell unersättlich / Alice ist tief und geheimnisvoll".

Viele Menschen, natürlich auch ich als Erzähler, verfallen in solche Denkschablonen, wenn sie versuchen, ihr Gegenüber zu erkennen und vom Wesen her EINZUORDNEN, was aber meistens auf Simplifizierungen hinausläuft und demjenigen nicht gerecht wird, um den es geht. Trotzdem machen wir das, stülpen einander Schablonen über, machen denjenigen, den wir aus irgendeinem Grund nicht mögen zum Kasper, und idealisieren gleichzeitig einen anderen, machen ihn besser als er ist, und dabei projizieren wir im Grunde nur unser Idealbild in so einen Menschen hinein.

Ohne jetzt viel darüber nachzudenken, unterlag auch Valerie sehr stark solchen Denkmustern, ja man kann sagen, sie neigte zum Wunschdenken, und das trifft ganz besonders auf ihr Verhältnis zu Alice zu. Sie begann alles zu mögen und auch ein stückweit zu imitieren, was Alice betraf, kaufte sich ähnliche Hosenanzüge wie sie, trug plötzlich auch diese Cowboystiefel im Büro, und man glaubt es nicht, sie spielte sogar mit der Idee, sich die Haare wachsen zu lassen, um hoffentlich irgendwann einmal ein solche lange blonde Mähne wie Alice zu besitzen, die sie dann ebenfalls mit einem Kamm zu einer Hochsteckfrisur bändigen würde, ähnlich wie Alice, so ihre war ihre Planung.

Alice selbst war von ihrem gesamten Wesen her sicherlich etwas weniger gefühlig gestrickt als Valerie und bestimmt einen Tick kontrollierter oder rationaler, trotzdem harmonierte sie gut mit der Kollegin, mit der sie vieles gemeinsam hatte, den Intellekt, den Humor, und natürlich war da immer auch das gemeinsame Arbeitsgebiet und natürlich hatten sie das gemeinsame Büro, in dem sie täglich 7 Stunden und länger zusammensaßen, und die gemeinsame Nähe zum Chef Dr. Schmidt, all das verbindet und schweißt zusammen.

Valeries Outing als Transmensch hatte Alice zunächst ein wenig erstaunt bzw. irritiert, nicht mehr. Sie war viel zu rational, als dass sie sich nicht sofort mit den Thema tiefer auseinandergesetzt hätte, was heißt, sie googelte und las alles, was sie zum Thema Cross und Trans in die Finger kriegen konnte. Der Nebel lichtete sich bald, und die Dimensionen des ganzen Themas wurden ihr ein wenig klarer. Nicht dass sie alles zum Thema kapiert hätte (wer kann das von sich behaupten?), aber man kann sagen, sie verstand die Kollegin danach ein wenig besser.

Im Büro selbst war der Alltag eingekehrt, der Chef war viel verreist, ab und zu auch mit Valerie zusammen, vor allem dann, wenn wichtige Meetings anstanden, in denen auch mal ihre schnelle Hilfe in Spezialdingen gefragt war, d.h. wenn der Chef schnell mal ECHTE facts and figures brauchte. Sie hatte bei diesen Reisen meistens den neuen blaugrauen Hosenanzug an und flache Schuhe. Für abends allerdings, wenn der Chef sie auch mal ins Restaurant einlud, (was vorkam) hatte sie immer einen engen Rock im Koffer und natürlich High heels, weil sie wusste, dass Dr. Schmidt das an ihr mochte.

Am kommenden Samstag oder Sonntag möchte ich weiterzählen über die beiden Freundinnen, bis cirka 14.00 am Nachmittag dann, ciao und liebe Grüße,

Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: Do 12. Okt 2017, 17:32
von Svenja80
Ich mag Deinen Schreibstil, insbesondere auch die gelegentliche Vermischung von Fiktion und Realität.

Re: Valeries Welt

Verfasst: Do 12. Okt 2017, 23:02
von Valerie Bellegarde
Ich weiß, Svenja, du bist eine meiner treuesten Leserinnen. Es ist nur eine Geschichte, aber trotzdem auch für mich eine schöne Erfahrung, anderen im Forum damit eine Freude zu machen.

LG, Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: Fr 13. Okt 2017, 08:26
von Dwt-Lilo-SL
Hallo Valerie,
Danke für die Geschichte und den bisherigen Verlauf.
Ich finde diesen Schreibstil schön, einfühlsam und doch direkt.
Mache bitte weiter so
glg Lilo

Re: Valeries Welt

Verfasst: Fr 13. Okt 2017, 08:32
von Simone 65
Hallo Valerie. Ich weiss , es ist nur eine Geschichte , deine Geschichte . Ich lese gerne weiter.
Im Kapitel 33 und davor schreibst du wie Valerie entjungfert wurde. Du nimmst es als selbstverständlich, das Valerie Erfahrungen schon hat . Warum? Valerie als wirkliche Jungfrau , das wäre doch eins ganz andere Geschichte . Nur ein Gedanke .
Ich habe lange überlegt , ob darauf antworte . Ich weiss , wovon ich da schreibe. LG Simone.

Re: Valeries Welt

Verfasst: Fr 13. Okt 2017, 10:01
von Dwt-Lilo-SL
Hallo Valerie,
Danke für die Geschichte und den bisherigen Verlauf.
Ich finde diesen Schreibstil schön, einfühlsam und doch direkt.
Mache bitte weiter so
glg Lilo