Habe mir für die Zeit der Feiertage auch ein paar Bücher zugelegt.
Anfangen möchte ich mit einer uneingeschränkten Empfehlung für all jene, die sich mit dem Thema Transsexualität beschäftigen:
Telefonate mit Denise
von Jana Henschel und Denise Cline
Ich bin keine Schnellleserin, dennoch hatte ich die gut 250 Seiten innerhalb eines Tages, genauer genommen in knapp 7 Stunden, verschlungen. Jana Henschel, Journalistin, beschreibt in einem sehr gut und flüssig lesbaren Stil, zumeist in Dialogform, ihre teils nächtelangen Telefonate mit Denise. Ihre Fragen sind jene Fragen, die sich wohl jeder stellen würde, der zum ersten mal mit Transsexualität in Berührung kommt - wann begann es? Wie? Wie fühlt sich das an? Wie ist es jetzt? Die sich daraus entwickelnde Geschichte rührt zuweilen sehr an - aus Mitgefühl wegen der teils sehr unschönen Vorgeschichte, aber auch aus Freude für das Glück, dass Denise dennoch letztlich gefunden hat. Der Weg dazwischen wird dadurch sehr anschaulich und nachempfindbar.
Neben dem Verlag freut sich sicherlich auch die Taschentuch Industrie - einige Stellen haben mich wirklich zu Tränen gerührt. Zum Teil wegen der bewegenden Geschichte aber vor allem einige Stellen, an denen ich mich mehr als deutlich wiedergefunden habe. In unserer Gruppe hat es bei anderen TS Gleiches ausgelöst und sie fanden es ebenfalls großartig.
Einen etwas wissenschaftlicheren Ansatz zum Thema Transsexualität liefert folgendes Buch:
Transsexualität - Transidentität, Begutachtung, Begleitung, Therapie, Udo Rauchfleisch
Hierin schildert der Schweizer Psyochologie Professor Udo Rauchfleisch gut lesbar und verständlich seinen Zugang zum Thema Transsexualität. Er belegt seine Thesen mit einer breiten Palette an Literaturverweisen sowie einigen Beispielen aus seiner Praxis bei der Begleitung von Transsexuellen. Rauchfleisch ist seit den 1970er Jahren praktizierend tätig und hat in seiner Praxiszeit hunderte Betroffene kennengelernt.
Für ein Fachbuch ist es erstaunlich gut zu lesen und liefert eine Menge Hintergrundwissen aus Sicht der Psychologie. Rauchfleisch vermittelt dabei einen sehr verständnisvollen Eindruck - kein professural erhobener Zeigefinger. Ich bin noch nicht ganz durch, würde es aber dennoch für thematisch Interessierte durchaus jetzt schon empfehlen. Ist nur leider nicht ganz billig - ca. 24€.
Der richtige Brocken, an den ich mich noch nicht herangetraut habe, der aber schon hier liegt, wird aber dieses Werk:
Die soziale Konstruktion der Transsexualität, Stefan Hirschauer
Da Rauchfleisch dieses Buch von Hirschauer praktisch auf jeder Seite mindestens einmal zitiert oder darauf verweist, scheint es mächtig gehaltvoll zu sein. Das Ding hat 350 dicht bedruckte Seiten. Der Beschreibungstext auf Amazon deutet es schon an:
"Die soziale Konstruktion der Transsexualität ist die empirische und theoretische Analyse eines Phänomens, das sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts in den westlichen Gesellschaften etablieren konnte und kulturelle Grundüberzeugungen von der Körpergebundenheit und Konstanz der Geschlechtszugehörigkeit von Personen herausfordert. Die Untersuchung beruht auf interaktionsanalytischen und genealogischen Forschungsarbeiten sowie auf einer umfassenden Ethnographie der heterogenen Praktiken auf den Stationen eines medikalisierten Geschlechtswechsels: psychiatrische Diagnostik, Endokrinologie, plastische Chirurgie, Stimmtherapie, Justiz und Subkultur."
Das ist schwere Kost. Na mal sehen, wann ich dazu komme...
Meine aktuelle Bücherlist mit kurzer eigener Bewertung dessen, was ich bereits gelesen habe, habe ich auf meiner Homepage
https://sites.google.com/site/nicolebea ... /literatur
Liebe Grüße
nicole