Moin!
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Aschenputtel
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Moin!

Post 1 im Thema

Beitrag von Aschenputtel »

Hallo,

nur wenige Monate ist es her, da war "en femme" noch ein Fremdwort für mich. "Bartschatten"? Nie gehört.

Heute klingt "en femme" für mich süß und schön; etwa so wie frische Cup-Cakes. Das Wort "Bartschatten" hat eine düsteren, beklemmenden Klang bekommen; so als hauchte mir jemand mit kalter Stimmer "Lord Voldem...psst..." ins Ohr.

Ich bin froh, dass es dieses Forum hier gibt. Viel Ermutigendes und Nützliches habe ich hier gelesen. Das hat mir weiter geholfen. Jetzt würde ich gerne ein bißchen mitreden, um zu spüren, dass ich auf dieser Welt nicht alleine bin mit meiner Leidenschaft.

In den letzten Wochen habe das Forum erstmal von A bis Z durchgelesen (Hinweis: Ich neige gelegentlich zu leichten Übertreibungen). Ich finde es schön, dass der Ton hier immer so freundlich und respektvoll ist (naja, meistens jedenfalls). Ist ja nicht überall so im Internet.

Und jetzt bin auch hier.

Übrigens, ich bin das Aschenputtelchen. Mitte Vierzig. Glücklich verheiratet mit
der besten Ehefrau von allen. Ich habe eine bezaubernde kleine Tochter, einen coolen Job und ein klitzekleines Genderproblem.

Siebziger Jahre:

Mutti geht mit mir durch die Fußgängerzone. Eine alte Bekannte begrüßt sie herzlich:
"Hallo, lange nicht gesehen! Du hast aber ein hübsches Töchterchen!". Kann man schon mal verwechseln. Jeans, buntes T-Shirt, die hellblonden Haare. Mich hat das sehr berührt.
Meiner Mutter und ihrer Bekannten war die Sache offensichtlich peinlich. Zwei Dinge aber habe ich damals gelernt: Erstens, als Junge für ein Mädchen gehalten zu werden, ist voll peinlich, irgendwie. Zweitens, es gefällt mir, für ein hübsches Mädchen gehalten zu werden.
Seitdem achtete ich sorgfältigst darauf, mich nicht zu mädchenhaft zu geben. Fragte mich jemand nach meiner Lieblingsfarbe antwortete ich prompt und mit fester Stimme: "Blau, dunkelblau.". War vielleicht nicht ganz die Wahrheit, aber die Frager
waren immer zufrieden damit.

Ein paar Jahre später:

Habe dann gelesen, wahrscheinlich in der Bravo, den Wunsch nach andersgeschlechtlicher Kleidung gäbe es gar nicht so selten. Meist wäre es "so eine Phase" in der Pubertät, in der man sich über seine sexuelle Identät klar wird. Ich dachte mir dann: "Also gut. Abwarten, Tee trinken. Dann geht das schon irgendwann weg.".

ca. drei Jahrzehnte später:

Erkenntnis bisher: Tut es nicht. Habe hartnäckig versucht, es zu ignorieren.
Nichts ausprobieren, nie Klamotten kaufen. Naja, fast nie. Nur in Phantasien, nur Nachts, da konnte ich es nicht verdrängen. Also redete ich mir ein, es wäre alles nur so eine sexuelle Sache. Einen kleinen Fetisch hat doch wohl jeder. Mit dem Rest meines Lebens hat das nichts zu tun. Kein Problem. Ich bin ja stark. Ich kann das trennen.
Oder doch nicht?

Vor ein paar Monaten. Späte Nacht, Vollmond:

Schlaflos im Netz herumsurfend bleibe ich an einem Video hängen. Google herum. Lande bei Vera Wylde und bin fasziniert, dass die total positiv zu ihrer weiblichen Seite steht. So hatte ich das noch nie gesehen. Bald entdecke ich dann auch Jessica Who, Jula Böge, Frau Babsner, mysvenja, Lynn Conway, Liliana Saupe und viele andere. Und auch dieses Forum hier.

Mir wurde klar: So geht das nicht weiter. Ich kann nicht das ganze Leben vor mir selbst weglaufen. Doch. Kann ich schon. Will ich aber nicht. Echt nicht.

Bald darauf:

Endlich habe ich es meiner Frau erzählt. Hatte echt Schiss davor. Und schlechtes Gewissen nach all den Jahren. Die beste Ehefrau von allen hat es mit Fassung und vor allem sehr liebevoll aufgenommen: <3

Habe mit inzwischen ein paar schöne Anziehsachen gekauft. Erst im Internet, später auch in diesem "Real Life". Erfreue sehr mich daran, obwohl ich bisher kaum Zeit zum Dressen hatte.

Hier und jetzt:

Die Garderobe ist auch noch recht unvollständig. Einiges muss ich noch improvisieren. Die empfindsameren unter Euch mögen bitte kurz weghören. Unter meinen süßen grünen Rock trage ich noch eine Männerunterhose. Nennt frau das dann HWT?

Und überhaupt. So viele Fragen. Was bin ich wirklich? Was möchte ich ausleben? Wie passt das in mein Leben rein? Möchte ich einen weiblichen Namen? Und wenn ja, welchen? Möchte ich ein Coming-Out auch gegenüber anderen Personen? Wie erkläre ich es meiner Tochter? Und, wie werde ich den verdammten "Bartsch...psst..." los?

Freue mich auf den Austausch mit Euch

))):s

Aschenputtelchen
"Ich glaub', eine Dame werd' ich nie." (ob die Knef das wohl so gemeint hat)
Dwt-Lilo-SL
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Re: Moin!

Post 2 im Thema

Beitrag von Dwt-Lilo-SL »

Moin Moin Aschenputtel,
Ich begrüße dich aufs herzlichstes in diesem Forum, und ich kann dir mitfühlen, wie es bei dir ist
bzw. wie bei mir mal früher es auch so war.
Das Thema Bartschatten ist echt schlimm habe zum Glück nur ein helle Haarfarbe!.
Also ich freuen mich für dich und hoffe auf regen Gedankenaustausch.
Woher stammst du denn? nördlich oder südlich der schlimmen Hansestadt ???
GLG Lilo aus dem Norden von Schleswig-Holstein -- also fast in der Nachbarschaft Grins
Seufzer gleiten die Seiten des Herbstes entlang,
Treffen mein Herz mit einem Schmerz dumpf und bang
Sabrina Verena
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Re: Moin!

Post 3 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Hallo Aschenputtel! )))(:
Sei herzlich willkommen. :)p
Kommt Zeit kommt Rat.
Ich denke Du wirst hier die Gelegenheit finden, zu erkennen, wo Du stehst und wie weit Du Deine weibliche Seite auslebst.
Ich wünsche Dir ein reichen Erkenntnisgewinn und viel Spaß bei uns.
Liebe Grüße
Verena :()b
Solange Du in Dir selber nicht zuhause bist, bist Du nirgendwo zu Haus.

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Ulrike-Marisa
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Re: Moin!

Post 4 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin Aschenputtelchen,

wie die Lebenswege sich doch immer wieder gleichen oder zunindest ähnlich sind. Herzlich willkommen hier im Forum. Da gibt es für viele Fragen auch Antworten, die aber oftmals auch neue Fragen aufwerfen, die diskutiert werden können....
Es ist nie zu spät, im Leben etwas zu ändern oder sich auch zu etwas zu bekennen. Ich habe es erst mit 57 richtig erkannt, was mit mir los ist und wohin ich sozusagen gehöre auch mit Hilfe des Forums, das mir letztlich die Augen geöffnet hat.

Viel Spass hier und neue Erkenntnisse wünscht, Ulrike-Marisa )))(:

...ich bin das, was ich bin und nicht das, was andere in mir zu sehen glauben... :wink:
Dana
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Re: Moin!

Post 5 im Thema

Beitrag von Dana »

Moin Moin Aschenputtel

Willkommen im Forum und viel Spaß beim stöbern.
Da du ja aus der Hamburger Ecke kommst, könnte es vielleicht sein, das man sich mal über den Weg läuft
--- Ich bin nur verantwortlich für das was ich schreibe, nicht für das was Andere verstehen! ---

Liebe Grüße
Dana
Isabelle71

Re: Moin!

Post 6 im Thema

Beitrag von Isabelle71 »

Auch von mir ein herzliches Willkommen.

Das sich die entsprechenden Teile der Lebenswege gleichen, kann ich voll und ganz bestätigen. Und wenn die Erkenntnis, das man eine starke weibliche Seite hat, durchsickert, ist man ganz erfüllt von Glückshormonen. Da gehört, wenn es sie gibt, auch eine verständnisvolle Partnerin dazu. Die hast Du ja, und das ist enorm wertvoll.

Liebe Grüsse, Isabelle
Andrea aus Sachsen
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Re: Moin!

Post 7 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Hallo Aschenputtel,
was für eine klasse Vorstellung! Danach kann ich mir gut vorstellen, wie es dir die letzten Jahrzehnte ergangen ist. Vieles verlief bei mir ähnlich.
Dieses Forum zu finden, war so ziemlich das Beste, was dir in dieser Situation passieren konnte. Da du inzwischen schon viel hier gelesen hast, weist du ja, was wir so alles treiben und was uns beschäftigt.
Wenn auch die Fragen, die dich im Moment am meisten beschäftigen, nur du selbst beantworten kannst, hier wirst du viele Anregungen und nützliche Tipps für deinen weiteren Weg finden.
Ich heiße dich nachträglich hier im Forum herzlich willkommen und wünsche dir viel Erfolg bei allem, was du dir vorgenommen hast.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
Lieschen
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Re: Moin!

Post 8 im Thema

Beitrag von Lieschen »

Hallo,

und danke schön für deine amüsante Vorstellung! Du fängst ja gut an. Vera Wylde kannte ich noch gar nicht, frau lernt eben nie aus. Bei youtube aber schon eine ganze Playlist gefunden: http://www.youtube.com/watch?v=Pj_K6gCF ... 1-TUdwmHdg

In Hamburg gibts beim Winter-Pride demnächst auch ein oder zwei Girlsdays aus dem Forum. Vielleicht kannst du ja auch kommen:
viewtopic.php?f=76&t=7033&hilit=hamburg ... 630#p78079

Tschüs, Lieschen (stolze Ostfriesin)
An die Rausgemobbten und/oder Ausgeschlossenen, die hier evtl. (nur) noch still mitlesen (Hugo, Darialena, Breakfast@Tiffany, ingedie2te u. A.): bitte schreibt mir doch kurz, in welchen Foren ihr euch jetzt aufhaltet.
lieschen-77ätgmx.de
ReaGirl

Re: Moin!

Post 9 im Thema

Beitrag von ReaGirl »

Hi!

Nette einleitende Vorstellung :)

Ich wünsche viel Spaß hier, und keine Sorge, ich bin auch noch nicht vollständig in der Ausstattung und der ein oder andere bestimmt auch. Was "Frau" auch alles braucht ;)
Tina_G
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Re: Moin!

Post 10 im Thema

Beitrag von Tina_G »

Hallo Aschenputtel,

auch von mir ein herzliches Willkommen. Deine ausführliche Vorstellung liest sich wirklich sehr gut. Ich bin mir sicher, dass deine Beiträge das Forum bereichern werden.
Zum Thema Unterwäsche findest du hier bestimmt gute Anregungen und auch, welche schönen weiblichen Vornamen es gibt ;-)

Liebe Grüße
Tina
Aschenputtel
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Re: Moin!

Post 11 im Thema

Beitrag von Aschenputtel »

Vielen Dank für die herzliche Begrüßung!

(smili)

Aschenputtelchen
"Ich glaub', eine Dame werd' ich nie." (ob die Knef das wohl so gemeint hat)
Jeanne Lucia

Re: Moin!

Post 12 im Thema

Beitrag von Jeanne Lucia »

Herzlich willkommen auch von mir!
ExuserIn-2015-02-14

Re: Moin!

Post 13 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2015-02-14 »

Ein herzliches Willkommen Cinderella,

Dein Märchen hat ein wirkliches Happy-end gefunden, dank Deiner Frau.
Euch beiden noch eine gute Zeit.
nicole.f
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Re: Moin!

Post 14 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Bon soir ma chere Aschenputtel!

Du hast das wunderbar beschrieben!
Und es ist sooo bekannt, alles was Du beschreibst. Sehr viele von uns haben genau diese oder eine sehr ähnliche Geschichte zu erzählen. Und auch das mit dem Alter passt mal wieder perfekt dazu - sehr viele beginnen sich endlich zwischen 35 und 45 zu befreien - genau wie Du :)

Und insofern kann ich nur bestätigen und bekräftigen, was Du auch schon rausgefunden hast: Du bist keinesfalls alleine!

Und auch die, die Du öffentlich gefunden hast, sind noch eine winzige Gruppe im Vergleich zu denen, die es vermutlich dort draußen gibt, die sich aber nur nicht trauen, sich zu zeigen - weder öffentlich, selbst unter Pseudonym, noch privat vor Ihren Partnern und schon gar nicht vor Freunden. Das dies sehr viel Mut und auch einen gewissen Leidensdruck erfordert, hast Du ja auch schon festgestellt :) Ich habe dies mal versucht in einem Text etwas zusammenzufassen, vielleicht kannst Du damit ja etwas anfangen:
https://sites.google.com/site/nicolebea ... erkenntnis

Jula Böges Homepage hast Du ja auch schon gefunden, hast Du auch, bzgl. Deines Forums Namens, ihre Erklärung dazu gelesen?
http://www.julaonline.de/aschenputtel.htm
Fiel mir nur gerade wieder ein :)

Allgemein kann ich die Texte in Julas Leseecke grundsätzlich nur wärmstens empfehlen, oder auf Papier in ihrem Buch.
Aschenputtel hat geschrieben:Hallo,

nur wenige Monate ist es her, da war "en femme" noch ein Fremdwort für mich. "Bartschatten"? Nie gehört.

Heute klingt "en femme" für mich süß und schön; etwa so wie frische Cup-Cakes. Das Wort "Bartschatten" hat eine düsteren, beklemmenden Klang bekommen; so als hauchte mir jemand mit kalter Stimmer "Lord Voldem...psst..." ins Ohr.
Spannend!
Wie hast Du das so lange ausgehalten?
Aschenputtel hat geschrieben: Ich bin froh, dass es dieses Forum hier gibt. Viel Ermutigendes und Nützliches habe ich hier gelesen. Das hat mir weiter geholfen. Jetzt würde ich gerne ein bißchen mitreden, um zu spüren, dass ich auf dieser Welt nicht alleine bin mit meiner Leidenschaft.
Wie zuvor schon erwähnt, damit bist Du keinesfalls alleine!
Selbst vorsichtigste Schätzungen gehen von Millionen von uns aus. Nur leider sieht man davon viel zu wenige, nicht einmal versteckt hinter Pseudonymen. Das Internet, und gerade Foren wie dieses, haben hier aber schon extrem geholfen! Wenn ich mich etwas zurück erinnere an meine Zeit Anfang 20, da gab es gerade mal Mailboxnetze per Modem und Telefon, das Internet fing da gerade erst an. Wenn ich damals schon zur Verfügung gehabt hätte, was es heute an Informationen und Plattformen gibt, um sich auszutauschen etc., was wäre dann wohl alles schon viel früher passiert?
Insofern ist es schon viel besser, als es noch in Deiner und meiner frühen Anfangszeit war.
Und es wird ständig besser - langsam, aber es wird.
Aschenputtel hat geschrieben: ...
Und jetzt bin auch hier.

Übrigens, ich bin das Aschenputtelchen. Mitte Vierzig. Glücklich verheiratet mit
der besten Ehefrau von allen. Ich habe eine bezaubernde kleine Tochter, einen coolen Job und ein klitzekleines Genderproblem.
"Klitzeklein" - wie süß :)
Aschenputtel hat geschrieben: ...
Ein paar Jahre später:

Habe dann gelesen, wahrscheinlich in der Bravo, den Wunsch nach andersgeschlechtlicher Kleidung gäbe es gar nicht so selten. Meist wäre es "so eine Phase" in der Pubertät, in der man sich über seine sexuelle Identät klar wird. Ich dachte mir dann: "Also gut. Abwarten, Tee trinken. Dann geht das schon irgendwann weg.".

ca. drei Jahrzehnte später:

Erkenntnis bisher: Tut es nicht. Habe hartnäckig versucht, es zu ignorieren.
Diese Erkenntnis ist schon sehr viel wert!

Ich habe das auf meiner oben beschrieben Seite mal so zusammengefasst:

Es gibt fünf wichtige Erkenntnisse, die jede Transidente Person verinnerlichen sollte:

1. Es ist nicht falsch / verboten / schlimm!
Menschen, die sich dem anderen als dem Geburtsgeschlecht zumindest teilweise zugehörig fühlen, gibt und gab es in fast allen Kulturen und Epochen. In einigen genossen sie sogar ein erhöhtes Ansehen - bspw. die Bishounen in Japan oder die Two-Spirits der Indianer Nord-Amerikas. In den industriellen westlichen Kulturen ist diese Eigenart nur leider nicht sehr hoch angesehen. Zumindest aber werden wir mehr und mehr toleriert - immerhin. Doch von wahrer Akzeptanz sind wir noch weit entfernt.

2. Wir können nichts dafür!
Transidentität ist kein selbstgewähltes Schicksal. Die Ursachen sind nach wie vor unklar. Klar ist aber, wir können nichts dafür und es gab nie eine Möglichkeit, dass wir es hätten verhindern oder aufhalten können. Es ist einfach so wie es ist und wir müssen damit lernen zurecht zu kommen.

3. Andere können nichts dafür!
Für Eltern, Familie und Partner wird dies vielleicht etwas beruhigend oder tröstlich sein - niemand hat etwas "falsch" gemacht, niemand ist Auslöser, siehe 2., die Ursachen sind unklar.

4. Es war immer da und es wird immer da sein.
Dies ist mit 1. die wohl wichtigste Erkenntnis. Trotz aller Versuche, und die kennt sicherlich jede(r) von uns, werden wir diese Eigenschaft niemals los. Es ist nicht therapierbar, es ist nicht entwöhnbar und wir können es auch nicht bewusst ablegen. Wir müssen damit als Teil unserer Persönlichkeit leben und leben lernen.

5. Wir sind nicht allein!
Die Dunkelziffer ist hoch und eines ist sicher, wir sind keinesfalls eine verschwindende Minderheit. Es gibt aktuell praktisch keine Studien darüber, wieviele, gerade M2F, transidente Menschen es wirklich gibt. Schätzungen schwanken zwischen 1% und 10% der männlichen Bevölkerung. Da die meisten aber versteckt leben, aus purer Scham und Angst entdeckt zu werden, gibt es keine genaueren Zahlen.
Aschenputtel hat geschrieben: Nichts ausprobieren, nie Klamotten kaufen. Naja, fast nie. Nur in Phantasien, nur Nachts, da konnte ich es nicht verdrängen. Also redete ich mir ein, es wäre alles nur so eine sexuelle Sache. Einen kleinen Fetisch hat doch wohl jeder. Mit dem Rest meines Lebens hat das nichts zu tun. Kein Problem. Ich bin ja stark. Ich kann das trennen.
Oder doch nicht?

Vor ein paar Monaten. Späte Nacht, Vollmond:

Schlaflos im Netz herumsurfend bleibe ich an einem Video hängen. Google herum. Lande bei Vera Wylde und bin fasziniert, dass die total positiv zu ihrer weiblichen Seite steht. So hatte ich das noch nie gesehen. Bald entdecke ich dann auch Jessica Who, Jula Böge, Frau Babsner, mysvenja, Lynn Conway, Liliana Saupe und viele andere. Und auch dieses Forum hier.

Mir wurde klar: So geht das nicht weiter. Ich kann nicht das ganze Leben vor mir selbst weglaufen. Doch. Kann ich schon. Will ich aber nicht. Echt nicht.
Was ich hier spannend finde ist, dass Du ja eher sagen müsstest, "nicht mehr", oder? Du bist doch schon gut 40 Jahre lang davor weggelaufen?
Warum auf einmal jetzt nicht mehr?
Nicht falsch verstehen, ich finde das ja super! Mich würde nur interessieren, worin für Dich jetzt der qualitative Unterschied zu früher besteht?
Einfach nur darin, dass Du gesehen hast, dass es auch andere gibt?
Oder geht diese Erkenntnis tiefer?
Aschenputtel hat geschrieben: Bald darauf:

Endlich habe ich es meiner Frau erzählt. Hatte echt Schiss davor. Und schlechtes Gewissen nach all den Jahren. Die beste Ehefrau von allen hat es mit Fassung und vor allem sehr liebevoll aufgenommen: <3
Das ist ganz super und auch ganz wichtig, dass Du es Deiner Partnerin sagst und sie auch in diese Entwicklung mit einbeziehst:
https://sites.google.com/site/nicolebea ... -partnerin

Das sie es dann auch noch so gut aufgenommen hat, ist spitze!

Dennoch wäre ich an Deiner Stelle weiterhin vorsichtig und achtsam, wie sie auf was reagiert. Es gibt sehr viele Berichte, in denen es auch so begann, aber dann doch bald umschlug. Der Hintergrund ist wohl, dass sich viele Partnerinnen, wenn man es ihnen erstmal nur sagt, sich noch nicht so recht vorstellen können, wohin das führen wird. Wir wissen es ja meist selbst noch gar nicht! Mit etwas gutem Willen und des Partners wegen wird dann schnell gesagt, dass sie damit kein Problem hätten. Doch es nagt trotzdem an vielen.

Mit der Zeit wird auch Dein en-femme größere Ausmasse annehmen. Es kommen mehr Bekleidungsteile hinzu, Schmuck, vielleicht leichte körperliche Veränderungen wie rasierte Beine, Brust und Arme? Vielleicht mal beidseitige Ohrringe? Make-Up? Alles das gehört für viele einfach dazu und die Freiräume dies alles zu tun, lassen wir uns selbst gegenüber auch nur langsam zu. Für die Partnerin erscheint es dann oft so, als wenn es immer und immer mehr würde, was viele verängstigt. Und dann kommen die Ängste hinzu, wohin das schlussendlich führen wird - ist mein Mann vielleicht transsexuell? Oder schwul? Oder ich lesbisch, weil ich ihn auch als Frau liebe?

Was ich damit nur sagen möchte ist, bleib mit ihr im Gespräch. Rede mit ihr über Veränderungen und Neues. Nimm sie mit und gib ihr die Sicherheit, dass sich an Deiner Person nichts ändert und ändern wird. Du bist und bleibst Du, nur es kommt jetzt eine neue Facette ans Tageslicht, die aber schon immer da war.
Aschenputtel hat geschrieben: Habe mit inzwischen ein paar schöne Anziehsachen gekauft. Erst im Internet, später auch in diesem "Real Life". Erfreue sehr mich daran, obwohl ich bisher kaum Zeit zum Dressen hatte.

Hier und jetzt:

Die Garderobe ist auch noch recht unvollständig. Einiges muss ich noch improvisieren. Die empfindsameren unter Euch mögen bitte kurz weghören. Unter meinen süßen grünen Rock trage ich noch eine Männerunterhose. Nennt frau das dann HWT?
Das ist einfach grossartig! HWT!
Aschenputtel hat geschrieben: Und überhaupt. So viele Fragen. Was bin ich wirklich? Was möchte ich ausleben? Wie passt das in mein Leben rein? Möchte ich einen weiblichen Namen? Und wenn ja, welchen? Möchte ich ein Coming-Out auch gegenüber anderen Personen? Wie erkläre ich es meiner Tochter? Und, wie werde ich den verdammten "Bartsch...psst..." los?

Freue mich auf den Austausch mit Euch

))):s
Aschenputtelchen
Ich mich auch, sei herzlichst willkommen!
Und drücke mal Deine Frau von uns! Alles wird gut - genau genommen sogar besser!

Cordialement
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
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