Ein ganz normaler Tag einer TS
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Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Julia65

Ein ganz normaler Tag einer TS

Post 1 im Thema

Beitrag von Julia65 »

Hallo liebe Froumsgemeinde!
Prolog.
Ich bin noch relativ neu hier im Forum, jedoch keineswegs neu, was Crossdressing angeht. Ich habe hier schon einige nette Leute kennengelernt, per Forenbeiträge, per PN und auch im Chat. Ich habe hier Leute getroffen, die zur Zeit gerade etwas erleben, dass ich aus meiner eigenen Vergangenheit gut kenne. Ich habe hier Leute kennengelernt, die in etwa gerade da stehen, wo ich gerade stehe. Und ich habe auch Leute kennengelernt, die da schon sind, wo ich hinwill, aber auch welche, die ganz andere Wege gingen. Ich habe einige interessante Erlebnisberichte gelesen, die mich an eigene Erlebnisse erinnern. Erlebnisse von Tagen oder Stunden als Frau in der Öffentlichkeit. Oder eben spannende Erlebnisse, wenn jemand überhaupt zum ersten mal bei Nacht und Nebel ein paar Schritte in hohen Schuhen im Freien macht. Was fühlt man da? Was denkt man? Was befürchtet man? Worauf achtet man? Und vor allem: Was denken oder sagen Passanten, die einen sehen? Solche Berichte lese ich nach wie vor gerne und freue mich mit den Autoren über schöne Berichte.
Inzwischen bin ich in einer Situation, wo ich mit derlei Berichten nicht mehr wirklich aufwarten kann. Ich lebe nun seit ca. 7 Monaten vollständig als Frau. Der Psychologe sagt dazu "lebt als Frau in allen sozialen Bereichen". Aber da es ja auch für mich immernoch recht neu ist, geniesse ich diese neue Situation natürlich immernoch. Mehr noch, ich kann es noch viel mehr geniessen, weil die Spannung etwas raus ist. Ich habe kein Herzklopfen mehr, ich brauche keine Angst mehr zu haben, erwischt zu werden. Auch mein Passing ist inzwischen schon besser geworden und ich bin wohl relativ unauffällig inzwischen. Das habe ich wohl den Hormonen, dem IPL, Douglas und H&M, der Übung, den inzwischen etwas länger gewachsenen Haaren und einigem mehr zu verdanken.
Trotzdem möchte ich heute einen Erlebnisbericht schreiben, den ich heute - Blick auf die PC Uhr und räuspern- äh, gestern in Kiel erlebt habe. Was ist es? Ein tolles Erlebnis en femme draussen? Oder der ganz normale Alltag? Nach 7 Monaten als Frau würde ich das mal als so ein "Zwischending" bezeichnen. Es ist immernoch eine tolle Sache, aber auch inzwischen normaler Alltag, irgendwie. Ich schreibe das Erlebnis aber auf, weil ich heute unterwegs immer und immer wieder an die gelesenen Berichte denken musste und auch an meine ersten Schritte draussen, lange vor meinem Outing. Vielleicht ist es für einige von euch interessant zu lesen, wie man sich vielleicht fühlt, wenn diese en femme Ausflüge allmählich zum Alltag werden.

Ein gnaz normaler Tag.
Am Wochenende und auch am Montag bin ich arbeiten gewesen. Ich fahre Pizza aus in Kiel. Heute, am Dienstag, habe ich frei. Ich habe erstmal ausgeschlafen und mich dann lange mit Kaffee an den PC gesetzt, hier im Forum gestöbert, etc. Ich hatte noch einiges auf dem Zettel. Es galt einige Besorgungen zu machen. Ich brauche neues Make-Up. Meine Tube ist fast leer, die ich mal von Moni geschenkt bekam. Dieses Make-Up, so sagte sie mir, gäbe es bei Aldi. Da ich selten zu Aldi komme, stand also Aldi auf dem Programm. Ausserdem der DM -Markt, weil ich dort mein Augen-Make-Up-Entferner bekomme. Auch da muss ich extra mit dem Auto hin, ist nämlich auch nicht in der Nähe. Morgen am Mittwoch habe ich um 14 Uhr einen Termin bei meiner Psychologin, die mir bei den letzen Therapiestunden Geschenke machte. Ja, wirklich, ich bekam von ihr mal eine Handtasche geschenkt. Eine Woche später eine Backmischung für Muffins. Letztens schenkte sie mir einen alten, aber funktionsfähigen Vorwerk-Staubsauger. Es ist eine sehr liebe Therapeutin. Also dachte ich, muss ich ihr doch auch mal was mitbringen. Ausserdem sammle ich seit dem Jahr 2000 die Becher vom Kieler Weihnachtsmarkt, wo immer das aktuelle Jahr draufsteht. Ich muss also noch zum Weihnachtsmarkt, mir so einen Becher von 2012 besorgen. Ich brauchte noch einiges mehr, also schrieb ich am frühen Nachmittag eine Einkaufsliste. Dann ging es daran sich fertig zu machen. Das allerdings dauert als Frau deutlich länger als es damals als Mann gewesen ist. Also erstmal ab ins Bad. Rasieren ist leider eine tägliche Übung. Obwohl die IPL-Behandlung schon recht anständige Fortschritte gemacht hat (IPL = ImpulsLichtverfahren, ähnlich Laser zur Haarentfernung) , kommt immer wieder noch der Bartschatten an der Oberlippe und ein paar winzige Stellen am Kinnbereich hartnäckig durch. Also Rasieren und den restlichen Schatten mit Make-Up abdecken ist immernoch Pflicht. Nach der Rasur gehts unter die Dusche. Eine Freundin empfahl mir ein spezielles Shampoo das meine strohigen strapazierten Haare stärken soll. Ich will sie ja richtig lang wachsen lassen. Nach dem Duschen heisst es leicht föhnen. Dann gehts vor den Kleiderschrank. ( Ich trage nach wie vor Männerunterhosen, weil die einfach bequemer sind). Einen BH der Körbchengrösse B lege ich an. Obwohl bei mir ein Brustansatz inzwischen nicht mehr zu übersehen ist, muss ich den BH noch ein wenig ausstopfen, mit Sneaker-Söckchen, das geht ganz prima. Dann ein orangenes enges T-Shirt darüber. Blick in den Spiegel: sieht gut aus. Blick auf das Thermometer für draussen: -3 Grad. Also eine dünne Strumpfhose angeozogen und darüber eine stark glänzenden schwarze Leggins. Socken an (Männersocken sind das noch, sieht ja keiner). Den dunklen Jeansmini angezogen und dann, nicht vergessen: Erst die Stulpen bis zu den Knien hocch anziehen und danach die Stiefel. Schwarze sehr hohe Kunstlederstiefel mit ca. 9cm Absatz. Kein Keil, aber auch keine Pinne. Darüber einen grau-silbernen Longpulli mit kurzen Ärmeln und Rundausschnitt. Dieser ist mit einigen Glitzersteinen versehen. Er ist recht lang, aber ich achte darauf, dass er nicht so arg weit hinunterreicht, damit vom Jeansmini noch deutlich mehr als eine Handbreit zu sehen bleibt. Dann gehts zurück ins Bad: Mit etwas Camouflage, den mir die nette Verkäuferin im Douglas mal passend für meinen Hautton heraussuchte, deckte ich den leicht sichtbaren Bartschatten an Oberlippe und Kinn etwas ab. Die anderen Gesichtspartien kann ich da nun schon vernachlässigen. Nun trage ich das Fixierpuder mit den Fingern auf. Weisses Puder, ich sehe ein bisschen aus wie ein Clown. Es soll einen Moment einwirken. Diese Pause nutze ich, um mich einen Moment hinzusetzen und ein paar Züge an meiner elektrischen Zigarette zu nehmen und nochmal kurz ins Forum zu schauen. Nach etwa 3 bis 5 Minuten pinsel ich mir das Pude wieder ab. Es soll verhindern, dass sich ggf. Mineralwasser beim Trinken in Baileys verwandeln kann. Nun trage ich einfaches Make-Up gleichmässig im Gesicht auf. Dann kommt der Kajal dran. Die inneren Augenecken lasse ich aus. Ich ziehe einen Lidstrich am Oberlied, am Unterlied, auf dem Feuchten Treppchen udn auch etwas in den Augenwinkeln anch aussen. Dann trage ich den Mascara auf. Beides in schwarz. Dann etwas hellen Lidschatten und rötliches Rouge auf die Wangenknochen. Pinker Lippenstift. So, nochmal Kontrollblick, ja, sieht gut aus. Nur die Haut am Kinn und Oberlippe ist besonders unter dem Make-Up etwas grobporig. Ich hoffe, das wird mal besser. Ich lege mein dünnes Halskettchen an, und lackiere mir die Fingernägel mit dem gleichen Pink wie der Lippenstift.
Etwa 20 Minuten mache also dann erstmal nix. Natürlich wird man in der Zeit über FB angeschrieben und tippt dann vorsichtig mit 2 Fingern die Antwort. Klar, wenn einer einen einmal am Tag anschreibt, dann genau dann, wenn man gerade den Nagellack aufgetragen hat. Jetzt lege ich Ohrringe an. Ich entscheide mich für die riesigen Creolen in Pink. Ohrringe, Nagellack und Lippenstift haben ziemlich den gleichen Farbton.
In die Handtasche stecke ich Handy, Portemonaie, Dampfe, Einkaufszettel, was brauch ich noch? Dann lege ich noch ein Armband und die Armbanduhr an, schlüfpe in meine grüne Steppjacke , schwinge mir die weisse Handtasche über die Schulter und verlasse die Wohnung nach einem letzen Ganzkörperkontrollblick in den Spiegel. Inzwischen ist es 18 Uhr und längst dunkel draussen.
Ich gehe zu meinem Auto auf dem Parkplatz neben unserem Haus. (Wohnsiedlung mit mehrern mehrstöckigen Häusern). Das Türschloss ist eingefroren, Mist. Also versuche ich es an der Beifahrertür. Da geht sie auf. Also klettere ich ein Stück in meine Auto um die Fahrerseite zu öffnen und drappiere meine Handtasche auf dem Beifahrersitz. Eine Frau, dessen Hund gerade 3 Meter neben mir sein Geschäft verrichtet, beobachtet mich dabei. Ich nicke ihr lächend zu. Dann fahre ich los. In der Nähe des Weihnachtsmarktes, der in der Innenstadt in der Fussgängerzone liegt, ist auf Anhieb kein Parkplatz zu finden und es herscht reichlich Verkehr. Also entschliesse ich mich, ins Karstadt-Parkhaus zu fahren. Ausserdem habe ich von da aus, einen direkten Zugang zum Sophienhof. (Überdachte, 2 etagige, Einkaufszone). Ich ziehe mein Ticket und finde rasch einen Parkplatz. Abschliessen kann ich die Fahrertüre noch immer nicht, also wieder von der Beifahrerseite aus verriegeln. Dann gehe ich zu der Parkhaustür und nach 3 Ecken stehe ich im Sophienhof und gleich inmitten von zig Menschen, die an den Weihnachtsbuden entlangschlendern, dort in den Cafes sitzen oder am Geländer einfach nur stehen. Einige schauen mich an, als ich aus dieser Seitengasse komme, vom Parkhaus her, aber ohne irgendeine Reaktion. Jetzt ist der Moment gekommen, wo ich mal wieder an meine ersten Schritte en femme denken muss. In so ein Getümmel hätte ich mich niemals getraut. Spätestens hier wäre ich auf dem Absatz umgedreht und schnellen Fusses zum Auto zurückgeschlichen in der Hoffnung das niemand von mir Notiz nimmt. An dieser Stelle fielen mir so manche der Berichte im Forum ein. Ich schmunzelte ein wenig und ging im Sophienhof an den Geschäften und den weihnachtlich geschmückten Verkaufsbuden vorbei. Ich ging auf das Ende vom Sophienhof zu um über die Rolltreppe zur Fussgängerzone zu gelangen, weil da der Weihnachtsmarkt ist. Ein Mann, der vor mir herging, hielt mir die Glastür auf. Ich bedankte mich dafür. Meine Stiefel machten die einzigen deultich klackernden Schrittgeräusche.
Der WEihnachtsmarkt war wunderschön, wie immer, aber sehr voll. Ich schlenderte also an den Verkaufsbuden vorbei, auf den Glühwein- und Punschstand zu, weil ich ja einen Becher haben will. Wieder erinnere ich mich daran, wie ich früher immer sehr genau versucht habe mitzubekommen, ob ich beäugt werde, ob Leute mich länger anschauten oder sogar schmunzelten oder tuschelten. Ich muss sagen, ein bisschen achte ich auch heute noch darauf. Aber weniger aus Angst oder Panik, jetzt mehr aus Interesse, ob mein Passing gut ist. Einige Leute schauen mich an, klar, bei dem Gewühl. Einge vielleicht auch eine Idee länger, aber es lässt sich nirgends ein Anzeichen von Gaffen, Erstaunen, Schmunzeln oder Tuscheln feststellen. Fein, so bin ich zufrieden. Als ich den Punschstand erreiche, lese ich Kinderpunsch: 2 euro. Ein Blick auf die Becher: Jawohl, da sind auch aktuelle. (Es werden dort auch immer Becher der Vorjahre verwendet, aber die hab ich ja schon, ich will ja einen aktuellen). Einer der Servierer wird auf mich aufmerksam, weil ich schon mein Protemonaie aus der Tasche friemelte und meine pinken Stoff-Fingerhandschuhe ausgezogen hatte. Er sah mich freundlich fragend an: "Kinderpunsch", sagte ich nur, weil es durch die Gespräche und der Musik eh kaum möglich war, ganze Sätze druchzubringen. Der Mann schaut hilfesuchend eine Kollegin an, dann wieder zu mir: "Haben wir nicht mehr. Fliedersaft?" "Ja, bitte, aber einen aktuellen Becher bitte". Er füllt ihn mir ab und kassiert. Während eine Frau über meine Schulter hinweg einen Punsch annimmt, verstaue ich meine Geldbörse wieder in der Handtasche, ziehe die Handschuhe an und beginne meinen Weg über den Weihnachtsmarkt fortzusetzen, diesmal mit dem Becher Fliederbeersaft in der Hand. Das warme Getränk tut gut. Auf Alkohol verzichte ich eigentlich immer. Einerseits, weil ich noch fahren muss und nicht viel vertragen kann, ausserdem sind Alkohol und Hormontherapie keine Freunde und ich bin eh keine Freundin von Alkohol. Nun schaue ich mir die vielen hübschen Dinge an, die dort angeboten werden, auf der Suche nach einer netten Kleinigkeit für meine Therapeutin. Nach ein paar Runden über den vollen Weihnachtsmarkt entscheide ich mich für eine kleine Schneekugel in der ein Weihnachtsmann steht. Sehr hübsch und bunt, schön weihnachtlich. Ich kaufe sie an einem Stand, an dem die Verkäuferin gerade mit einer Kundin spricht, die sie offenbar kennt, denn sie unterhalten sich über private Dinge. Ich reiche die 3 Euro dafür zu ihr und deute mit der anderen Hand auf die Schneekugel. "Soll ich sie einwickeln, damit sie nicht kaputt geht?" "Oh, ja bitte, vielen Dank". Dann verstaue ich sie in der Tasche und bewege mich allmählich wieder zurück zum Sophienhof. Den Saft habe ich leergetrunken und auch die Tasse wandert in die Handtasche. Ganz schön praktisch, so eine Handtasche. Die Nase läuft, wohl ausgelöst durch den warmen Saft. Ich zieh ein gebrauchtes Tempotuch aus der Tasche und schnaufe mir die Nase. Das Geräusch dabei dürfte nicht sehr damenhaft klingen, also mache ich es möglichst schnell und leise und achte darauf möglichst nicht so viel zu reiben beim Naseputzen, damit ich nicht das Make-Up entferne. Das ist im Winter echt eine üble Sache: Mir läuft im Winter andauernd die Nase, auch wenn ich keinen Schnupfen habe. Gar nicht so toll, wenn man noch mit Make-Up einen Bartschatten verstecken muss. Naja. Wird schon gutgehen. Vielleicht kann ich ja gleich mal heimlich einen Blick in einen Spiegel werfen um zu schauen, wie es mit dem Make-Up steht.
Ich schlendere noch einmal durch den kompletten Sophienhof und werde von einer jungen Frau angesprochen. Zwei davon stehen dort und sprechen Leute an. "Hallo, junge Frau, haben Sie vielleicht einen Augenblick Zeit?" Ich lächle die junge Frau an, und sage: " Ja, aber nur einen Augenblick" . Stimme. Ja, meine Stimme ist mit Sicherheit männlich. Aber mir wurde schon des öfteren von Freundinnen gesagt, dass meine Stimme dennoch recht weich wäre und dass , wenn meine äusseres Passing gut wäre, sich niemand etwas bei meiner Stimme denken würde, denn es gäbe ja schliesslich auch Frauen mit tiefer Stimme. Naja, so ganz recht glauben kann ich das nicht, aber ich achtete ein wenig darauf, wie die junge Frau nun reagierte. Und sie reagierte eigentlich ganz genauso wie alle anderen auch: gar nicht. "Wenn Sie mal mit mir hier rüber kommen mögen..." sie schlug einen Ordner an einem Stand auf... " es geht um die Hilfe von Kleinkindern und Neugeborenen....haben Sie selber auch Kinder?" Ich verneinte und unterbrach sie nach einigen Sätzen: "Es geht sicherlich doch darauf hinaus, dass ich etwas spenden soll? Ich bin dazu aber wirklich nicht in der Lage, tut mir leid." " Ok, " lächelt sie" einen schönen Tag noch". "Ihnen auch". Ich takelte davon.
Nach einer ganzen Runde im Sophienhof, bei der ich "nanunana" besuchte und einen Modeschmuckladen, in dem ich mit mir kämpfen musste, nicht 5 Euro für süsse Nikolaus-Ohrhänger auszugeben, steuerte ich schliesslich wieder das Parkhaus an. Ich wollte nun zur Stormanstrasse fahren, weil dort DM und Aldi ganz praktisch nebeneinander lagen. Im Parkhaus war es etwas wärmer als draussen und mein Türschloss an der Fahrerseite funktionierte. Toll.
Ich fuhr also zur Stormannstrasse und hielt auf dem Parkplatz zwischen Aldi und DM. Ich ging in den Aldimarkt, der sehr leer war, und kaufte eine 30er Packung Tempos und 2 Tuben von dem MakeUp. Dann legte ich das ins Auto. Inzwischen war mein Türschloss wieder eingefroren. Mist. Dann ging ich in den DM Markt vor dessen Tür gerade eine Horde Jugendlicher stand. Ich stöckelte mitten durch die Gruppe durch, die mir eine "Gasse" machen musten, damit ich in den Laden konnte. Eine der Mädels der Gruppe erzählte grade aufgeregt wohl eine lustige Geschichte und liess sich auch nicht von mir dabei stören. So what, keine Reaktion. Es fühlt sich ganz normal an und immer wieder vergesse ich inzwischen die Leute abzuscannen, ob vielleicht gefafft, gelacht oder getuschelt wird. Da ich aber beim lesen der Berichte im Forum auch immer wieder an eigene ähliche Erlebnisse in meiner Verangenheit erinnert wurde, dachte ich heute oft daran, ein wenig Aufmerksamkeit den Leuten beizumessen.
Ich ging zielstrebig auf das Regal zu, wo mein Augen-Make-Up Entferner ist. Ich kenne das schon und weiss wo es liegt. 1,45 Euro pro Flasche. Ich nehme 3 Flaschen, sammle noch Rasierschaum für Ladies ein und schaue noch bei den Nagellacken und Kosmetika um dann zur Kasse zu gehen. 2 Männer stehen vor mir an der Kasse. Als der erste fertig war, bekam er ein 2 Euro-Stück als Wechselgeld zurück. Er legte es auf den Rand des Kassenhäusschens und fragte die Kassiererin, ob sie ihm dafür 4 50-Cent-STücke geben könne. Diese schaute auf die geschlossene Kassenschublade. Ich kramte 4 solche Münzen aus meiner Geldbörse und legte sie daneben und lächelte den jungen Mann an, während ich mir das 2 Euro-Stück nahm. Er lächtelte und bedankte sich. Ich bezahlte mein zeug und die Kassiererin wünschte mir noch einen schönen Abend. Dann fuhr ich nach Hause.
Ich parkte, ging in die Wohnung und leerte erstmal meine Einkäufe aus. Ich nahm das kleine Fläschchen Türschloss-Enteiser und steckte es in die Handtasche und verliess die Wohnung sofort wieder. Ich wollte etwas davon in das Türschloss meines Autos sprühen und anschliessend noch in den grossen Lebensmittelladen gehen, der hier direkt um die Ecke ist. Es ist Plaza , sowas wie Real, mit soetwas wie ein Einkaufszentrum angebaut.
Der Weg führt an einem Spielplaz vorbei. Neben dem Weg, den ich entlangging, war eine Sträucherreihe und daneben, etwas erhöht die Zugänge zu drei Haustüren zu Nachbarhäusern. Ich sah plötzlich eine Person mit einer roten Pizzatasche und einem mir ach so bekannten roten Pullover. Ein Arbeitskollege. Ich pfiff. Er blieb stehen und sah sich um. Ich rief: "Hier, hier unten". Er war etwa 5 bis 8 Meter von mir entfernt. Ich ging noch ein paar Schritte weiter in die Nähe einer Laterne, damit er mich sehen konnte. Ich sagte: "Na? Ist grad viel los?" Er sah mich und antwortete: " Ach, du bist das. Ja, jetzt geht es grad langsam los." Ich: " Na dann gute Schicht. Und vorsichtig fahren". Er ging dann auf die Haustüre zu und ich setzte meinen Weg fort. Ja, ich gehe ja auch seit gut einem halben Jahr als Frau zur Arbeit. Aber was heisst das? Die Kleidervorgaben sind deutlich: Dunkle lange Hosse, Firmen T-Shirt, bzw. Pullover, Firmenkappe. Hm, und mit hohen Absätzen ist bei dem Job auch nix drin. Also , was ist bei der ARbeit an mir Frau? ich habe Stulpen an, ok, Dann Ohrringe udn bin geschminkt. Naja, meine Haare sind etwas länger als die der meisten Kollegen, aber das wars dann auch schon. Um so glücklicher machte es mir vor einigen Tagen, als Kunden mal endlich deutlich auf mich als Frau reagierten. Lange hatte ich darauf gelauert. Aber nie eine Reaktion bemerken können. Die Kunden waren wie immer, nett und freundlich. ABer neulich hatte ich endlich mal etwas bemerkt. Nur ein kleiner Kommentar einer Kundin, als ich die letzten Stufen im Treppenaus auf die zuging: "Ach, heute mal das Fräulein vom Dienst?". Ach nachdem ich mit ihr sprach, blieb sie wohl bei dieser Wahrnehmung, denn am nächsten Tag begrüsste sie mich mit: "Heute mal wieder die Dame, bei dem Wetter". Hurra, Kiel, eiskalter Wind, es schneit, das Passing hält. ;-)
Im Plaza nahm ich mir einen Einkaufswagen und steuerte nach der Süsswarenabteilung die Frischwarenabteilung an, dort legte ich Wurst in meinen Wagen und sah plötzlich ein seltsam vertrautes Gesicht. Ines. Eine Bekannte, mit der ich vor ca. 12 Jahren mal zusammen in einem CAD-Kurs war. Wir hatten später gelegentlich Kontakt und sie hat mich auch mal zuHause besucht. Wir haben auch mal telefoniert. ABer seit etwa 10 Jahren hatten wir uns gänzlich aus den Augen verloren. Ich sah sie an, sie sah mich an, ohne eine Reaktion, etwas verstört vielleicht, weil ich sie so anschaute. Ich sagte: "Ines?" Sie ging an mir vorbei , nicht ohne den Blick auf mir zu lassen. Sei rätselte wohl, wer ich sein könnte, aber sie machte einen sehr hilflosen Eindruck. Ich sagte: "Wenn du Ines Ts....... heisst, dann kennen wir uns" Immernoch schaute sie mich hilflos an, nickte aber. Ich sprach weiter: " Ich hiess mal Ulrich... wir haben zusammen im bfw den Kurs gemacht und uns auch mal getroffen dann. " Dann erhellte sich ihr Gesicht: "Ach, das ist doch schon bestimmt 10 Jahre her. Ja, ich war mal bei dir, du hast doch so ein grosses Aquarium gehabt." "Ja," sagte ich, " ein Meerwasseraqaurium, aber das habe ich lange nicht mehr". Wir unterhielten uns eine Weile über alte Zeiten. Ich sagte: "Tja, und jetzt heisse ich Julia". Sie lächelte und schien es toll zu finden.
Was ich daran erwähnenswert finde: Die Situation war das wiedertreffen einer bekannten Person nach recht langer Zeit, was im Mittelpunkt stand. Dass ich jetzt eine Frau war, war eher zweitrangig. Und das fand ich gut.
Und was noch? Sie wohnt tatsächlich in dem Haus unter dem Dach, indem meine Transgener-Selbsthilfegruppe ist udn wo ich neurdings etwa 2 mal im Monat bin. Wir erklärten und gegenseitig wie wir und im Facebook am besten finden könnten und trennten unsere Wege dann erstmal. Der Laden machte um 21 Uhr zu und es wurde Zeit.
Zu Hause verstaute ich die Einkäufe nachdem ich feststellen musste, dass durch das Wetter das Treppenaus enorm eingedreckt war. Seit einiger Zeit ist der Putzplan ziemlich vernachlässigt worden, also entschloss ich mich noch flott das Treppenhaus zu putzen, das geht ja schnell. Raus aus der Jacke, Ohrhänger ab, die Haare fix zu einem kleinen Zöpfchen gebunden, raus aus den hohen Stiefeln und braune flache Stiefel dafür angezogen udn ab ins Treppenhaus. Beim Putzen fiel mir ein, dass ich mir früher immer mal überlegt hatte, ob ich es nicht wagen könnte, eiskalt mal im Rock die Treppe zu putzen, oder zumidest in Leggins. Aber ich wagte es nicht. Beim Putzen fiel mir dann ein, dass ich ja jetzt im Minirock die Treppe putzte und es mir völlig egal war, ob mich jemand dabei sehen würde.
Als ich feritg war und die Putz-Utensilien wieder verräumt hatte, fiel ich müde auf meinen Sessel vor dem PC. Ich öffnete den Chat vom Crossdresser-Forum und schrieb dort: Ob ich denn auch mal mein Erlebtes berichten sollte? Es hiesse: Au ja, mach das doch mal.......
... somit gemacht. Uff.
Epilog:
Ich selber habe irgendwie das Gefühl, dass der Bericht eher langweilig ist. Wirklich ein ganz normaler Tag, aber gerade in dem Zusammenhang, Crossdresser- Transsident könnte es ja vielleicht mal interessant sein.
Wenn nicht ausdrücklich gewünscht, werde ich in Zukunft auf Berichte dieser Art verzichten und lediglich (dann wohl auch etwas kürzer gefasst) Berichte schreiben, in denen ich etwas besonders nennenswertes erlebt habe.

Euch allen eine schöne Adventszeit, und natürlich bin ich sehr neugierig auf Reaktonen zu meinen, diesen Ergüssen.
Eure
Julia
Sandra82
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Re: Ein ganz normaler Tag einer TS

Post 2 im Thema

Beitrag von Sandra82 »

Hallo Julia,

dein Bericht ist wunderbar! Etwas schwer zu lesen wegen der wenigen Absätze vielleicht.
Dennoch, das Lesen macht Mut den weg weiter zu gehen.
Irgendwann scheint man ja doch in einem echten Leben anzukommen.

Danke für die (gar nicht mal so langweilige) Beschreibung eines normalen Tags!

- Sandra
Joselle

Re: Ein ganz normaler Tag einer TS

Post 3 im Thema

Beitrag von Joselle »

Guten Morgen Julia,

vielen Dank für Deinen Bericht.

Mich ermutigt Dein Bericht, den Schritt in die Öffentlichkeit endlich zu gehen.

Dein Bericht ist zwar lang, aber man(n) kann sich auch mal Zeit nehmen und ihn in Ruhe lesen.

Und:

Auf mich wirkte er nicht langweilig und ich freue mich auf weitere Berichte (smili)

Einen guten Start in den Tag wünscht

Joselle
Marion71
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Re: Ein ganz normaler Tag einer TS

Post 4 im Thema

Beitrag von Marion71 »

Hallo Julia

Dein Bericht ist äusserst kurzweilig. Ich habe ihn sehr gern gelesen und würde mich über weitere Berichte freuen. Es sind ja grade die kleinen Begebenheiten und Beobachtungen, die bislang spannend sind. Der Spruch: "Hurra, Kiel, eiskalter Wind, es schneit, das Passing hält." ist wirklich gut!

Viele Grüsse, Marion
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Mila_1981
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Re: Ein ganz normaler Tag einer TS

Post 5 im Thema

Beitrag von Mila_1981 »

Auch ich fand deinen Bericht toll!
Es ist einfach schön zu sehen, dass alles klappen kann, wenn Frau nur ihren Weg geht. Ich wünsche dir auch weiterhin alles Gute und viel Erfolg!

LG,
Mila
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Inga
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Re: Ein ganz normaler Tag einer TS

Post 6 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Julia,

vielen Dank für deinen schönen Bericht. Du schreibst nicht nur von einem ganz normalen Alltag. Du gibst den Alltäglichkeiten auch so viel Farbe. Besonders schön fand ich deine Vergleiche, wie du früher in ähnlichen Situationen die Leute "gescannt" hast und jetzt viel lässiger den Leuten begegnest. Ganz besonders fand ich die Begegnung mit deiner alten Bekannten im Supermarkt. So kann es also auch gehen!

Ich freue mich schon, wenn du wieder etwas aus dem Alltag schreibst.

Liebe Grüße
Inga
Caira

Re: Ein ganz normaler Tag einer TS

Post 7 im Thema

Beitrag von Caira »

Sehr schöner Bericht, Julia!
Ach ja, das liebe Wort "unauffällig" ... der heilige Gral der TS.
Wir arbeiten dran ... ;-)

LG Nika
Julia65

Re: Ein ganz normaler Tag einer TS

Post 8 im Thema

Beitrag von Julia65 »

Hallo,
ich bin ganz gerührt von den vielen positiven Feedbacks.
Ich war wirklich etwas besorgt, weil nun gar nichts spektakuläres zu berichten war.
Vielen lieben Dank für die Antworten, das hilft mir sehr. So scheint der Bericht ja wirklich das zu schaffen, was er soll. Nämlich einigen zeigen, wie es sich entwickeln könnte.
LG
Julia
Dana
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Re: Ein ganz normaler Tag einer TS

Post 9 im Thema

Beitrag von Dana »

Moin Moin Julia

Ich wollte nur das du den Bericht schreibst, damit du ne kurze Nacht hast. Ist gemein von mir, ist schon klar. So bin ich nun mal.
Nein, mal ernst. Ich finde es ganz nett sowas zu lesen. Einfach mal aus dem realen Leben und trotzdem spannend.
Habe mich gefreut das du deinen Schlaf dafür geopfert hast.

Danke Julia ---))) (flo)
--- Ich bin nur verantwortlich für das was ich schreibe, nicht für das was Andere verstehen! ---

Liebe Grüße
Dana
Caira

Re: Ein ganz normaler Tag einer TS

Post 10 im Thema

Beitrag von Caira »

Hallo Julia,
mir kommen mittlerweile die alltäglichsten Dinge schon spektakulär vor. Man "eiert" immer zwischen den Rollen. Als "Mann" hat man sich zB nie Gedanken gemacht, ob es nun "zu soo" oder "zu soo" ausschaut. Derzeit ist es für mich immer wieder eine Kompromissgeschichte, mit der Du Dich in deiner Position recht sicher nicht mehr beschäftigen musst. Aber vielleicht kennst Du das noch aus den Anfängen. Ich trage z.B. jeden Tag Mascara, etc. aber habe ein ungutes Gefühl in die Drogerie mich eben an das Regal zu stellen - immer noch - obwohl ich ja Kundin bin - gute Kundin. Da gehts mir an vielen Ecken so, gerade was halt typisch weiblich ist - ich bin doch aber eins. *heul* Ich ziere mich aber, es wird besser, aber ich ziere mich halt noch. Ziehst was an, fragst dich, obs nun schon "too much" ist. Weiß nicht, ob Du das als Frau - angekommen - sowas immer noch kennst. Ich denke eher weniger, es geht in den Alltag über und man fällt halt net mehr auf.

Das immer wiederkehrende Ausloten der Grenzen ist zwar irgendwie auch spannend, aber zugleich auch sehr nervig, weil man viel Kraft drauf verwendet und es nicht einfach laufen lassen kann. Ich weiß aber, dass es temporär ist und man dann doch irgendwann in die Sparte "unauffällig" reinrutscht. Mei, ob man an der Kasse merkt, dass ich tief spreche - mir echt egal. Mir gehts eher um die optisch Unauffälligkeit. So genau guckt da ja keiner und hin und wieder rutsche ich schon jetzt durchs Raster, aber es sollte eigentlich andersrum sein. Geduld ....

LG Nika
Yasmine
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Re: Ein ganz normaler Tag einer TS

Post 11 im Thema

Beitrag von Yasmine »

Hi Julia,
ein schöner Bericht und vor allem so normal :). Das tut auch mal gut, so etwas zu lesen...
Danke.
LG
Yasmine
ChristinaF
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Re: Ein ganz normaler Tag einer TS

Post 12 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Steffi_W hat geschrieben:So einen "normalen" Tag als Frau würde ich auch gerne mal erleben.
Und warum machst du es nicht? Bei deinem Aussehen ist's ja fast schon ein Muss.
LG
Chrissie
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