Mein Weg zu mir selbst
Mein Weg zu mir selbst - # 4

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
Sabrina-Eileen
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Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 46 im Thema

Beitrag von Sabrina-Eileen »

Liebe Violetta! (moin)
Violetta-TransFlower hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 07:54 Meinen herzlichen Glückswunsch 🍀 zu diesem, für Dich äußerst wichtigen Schritt.
Ich freue mich mit Dir darüber. (smili)
Vielen lieben Dank. Da habt ihr wirklich einen großen Anteil dran. Dank eurer Anregungen bin ich noch einmal in mich gegangen und habe über meine erste Idee, erst in Norwegen anzufangen, nachgedacht. Und es war sowas von richtig, nicht bis nächstes Jahr zu warten. (smili)

Und ich bekomme langsam etwas Angst vor mir selber. :lol: Heute wollte ich eigentlich erst einkaufen, mich dann schminken, umziehen und noch einmal spazieren gehen. Aber da hatte ich heute keine Lust dazu. Einkaufen mache ich morgen alles zusammen und so habe ich mich heute gleich in aller Ruhe zurecht gemacht. Das gleiche Prozedere wie gestern: Perücke und die Silikonbrüste in den Korb, Brille dazu und dann ab ins Auto. Die Stelle für die Haare und die Brüste war nicht weit, also hin und mich im Auto fertig gemacht. Noch die richtige Brille auf die Nase und dann ging es zum Geocachen, ein großes Hobby von mir. Ich hatte mir eine kleine Runde in Breitenfeld, einem Ortsteil von Großheide, rausgesucht. Aber in Großheide liegen ja auch noch 2 Caches. Also auf zum Edeka in Großheide. Der Cache ist auf der Rückseite, also sicher nicht so schlimm. Ich parkte in einem Wohnstraße etwa 50 m entfernt. Wie selbstverständlich bin ich aus dem Auto und zum Cache. Aber ausgerechnet in dem Moment kommt ein Saugwagen der die Abwasserbehälter neben dem Cache leer machen will. Umdrehen? Kneifen? Nein, Augen zu und durch. Ich ging zu dem Stromkasten, holte den Petling und begann, meinen Namen in das Logbuch zu schreiben. Da höre ich von hinten ein freundliches "Moin". Ich habe immer wieder geübt, das "Moin" sanfter und weiblicher klingen zu lassen. Also Premiere. Ich drehte mich um, lächelte und sagte "Moin". Das klang, glaube ich, eher wie eine Ziege, die in einen Blecheimer pinkelt als nach einer weiblichen Stimme. Aber egal, was solls. Ich schrieb noch schnell das Datum, packte das Logbuch in den Petling, versteckte diesen wieder und ging langsam und ohne Hast zum Auto. Dort konnte ich dann erst einmal durchatmen. Aber genau darum bin ich heute dahin gefahren. Ich möchte üben, mit anderen Menschen zu agieren. Die beiden Abwassermenschen sehe ich wahrscheinlich nie wieder.

Dann ging es noch zu einem anderen Cache in Großheide, aber da war ich zu blind. Also auf nach Breitenfeld. Ich parkte am Wald, naja, was die Ostfriesen halt so Wald nennen, schnappte mir den Rucksack und ging durch den Wald. Es ist schön, einfach die Ruhe zu genießen. Um die Runde zu laufen, musste ich ein Stück die Straße entlang gehen. Aber einen kleinen Abstecher machte ich zu einem Cache in einem Bushaltestellenhäuschen. Hier fuhren dann Radfahrer an mir vorbei ohne Notiz von mir zu nehmen. Die Suche brach ich aber schnell ab, da in dem Häuschen Schwalben nisten und die wollte ich nicht stören. Also die etwa 500 m an der Straße entlang. Die Autofahrer schauten, aber nicht irgendwie auffällig, so zumindest mein Eindruck. Dann ging es wieder in den Wald und dort machte ich erst noch einmal Pause, genoss die Sonne und machte das angehangene Foto. Dort saß ich sicher 20 Minuten und dann ging es langsam wieder zurück zum Auto. Auf dem Waldweg kam mir dann noch ein Traktor entgegen. Der ältere Mann grüße freundlich und lachte. Ich weiß nicht warum, grüßte freundlich zurück und lächelte. Am Auto angekommen war ich glücklich und zufrieden mit mir. Und ein wenig ängstlich vor meinem eigenen Mut.
Violetta-TransFlower hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 07:54 Das ist auch gut so, denn Angst ist kein guter Ratgeber.
Wenn Du ängstlich gewesen wärst, hätte es Dir mit Sicherheit auch keinen Spaß gemacht, denke ich.
Ja das stimmt, dann wäre ich nur verkrampft unterwegs gewesen. Und auch heute war keine Angst da. Selbst am Stromkasten beim ersten Cache. Ich denke, so kann ich wirklich lernen, auf Menschen zu reagieren. Zum Glück sieht man durch die Schminke nicht, wenn mein Kopf rot wird. :lol:
Violetta-TransFlower hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 07:54
Ich wollte Dir schon länger etwas dazu schreiben, wie ich es gemacht habe.
Als ich im Herbst 2024 die ersten Kleider (XL) bestellt habe, sah ich meine "Wampe", die sich seeehr deutlich mit einer Wölbung abzeichnete.
Das war für mich die Initialzündung, zuerst den Zucker aus meinem Leben zu kicken. Ab Anfang Dezember 24 dann, zog ich es durch.
Seitdem esse und trinke ich keine extrem zuckerhaltigen Sachen mehr (Süßigkeiten, Kuchen, Cola, Limonade... solche Dinge), nur im Ausnahmefall, wie etwa einem Kaffetrinken an Geburtstagsfeiern mal ein oder zwei Stück Kuchen.
Dann besteht meine Ernährung zu großen Teilen aus Gemüse und Vollkornbrot. 2 Mahlzeiten am Tag genügen mir, manchmal auch nur eine.

Du solltest eine große Selbstdisziplin und einen eisernen Willen dafür entwickeln, wenn Du das durchziehen willst, denn der Hunger wird sich immer melden und die Versuchung ist groß, wenn Du Nahrungsmittel oder Süßes im Haus hast, welche Du nicht mehr konsumieren möchtest.
Ich kenne das. Ich habe selbst alles,was Süßkram ist, damals erstmal aus dem Haus geschafft, damit ich nicht in Versuchung komme, das Zeug doch wieder in mich hineinzustopfen.
Heute habe ich meine Zuckersucht lange überwunden, bin bei Kleidergröße M und meinem Idealgewicht angekommen, aber es war über Monate hinweg, kein leichter Weg.

Ich wünsche Dir auch hierbei viel Erfolg !
Auch hier noch einmal vielen lieben Dank für deine Tipps. Ich esse seit Jahren nur noch 2 Mahlzeiten. Das bekommt mir am besten. Die Antidepressiva sind ja leider dafür bekannt, dass sie auf dem Stoffwechsel und das Sättigungsgefühl gehen. Dazu kommt, dass ich eine Stressesserin bin und dann meist Süßes. Da habe ich jetzt angefangen, den Zucker langsam zu reduzieren. Schokolade habe ich alle weggegeben und nur noch ein bisschen Eis im Haus. Mir hilft es, wenn ich alles abwiege und in einer App, die an Weight-Watschers angelehnt ist, eintrage. So habe ich die Kontrolle. Ich denke, die ersten 4 bis 6 Wochen werden schwer. Cola und Co trinke ich jetzt seit Anfang des Jahres nicht mehr. Das war auch schwer, aber mittlerweile brauche ich das nicht mehr. Da schaffe ich es auch, den Hunger auf Kuchen zu besiegen. Und ich weiß ja, ich mache das nur für mich, für mein neues Leben. (smili)
Violetta-TransFlower hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 07:54 Es wäre schön, wenn Du uns auch darüber auf dem Laufenden hälst.
Gerade für mich, die noch kurz vor Ihrer HRT steht, sind die Erfahrungen von Anderen diesbzüglich sehr wichtig.
Das mache ich, versprochen. Ich bin doch auch froh, wenn ich helfen kann. Ich trage nun seit 5 Tagen 2 mal am Tag das Gel (jeweils 2 Hübe) estradiol auf und nehme alle 3 Tage eine Vierteltablette Androcur. Jetzt heißt es warten, bis sich erste Veränderungen bemerkbar machen. Für mich ist es eine wahnsinnig spannende Zeit und ich bin froh und dankbar, dass ich so gute Ärzte, Therapeuten und natürlich auch euch habe. (ki)

So, das mal wieder etwas von meinem Leben auf der Überholspur. Ich wünsche euch einen schönen Abend.
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Liebe Grüße

Sabrina
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Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 47 im Thema

Beitrag von Violetta-TransFlower »

Liebe Sabrina, (dr)
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 18:27 und dann ging es zum Geocachen
Ein interessantes Hobby und vor Allem hast Du dann gleich Bewegung, welche immer gut tut.
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 18:27 Umdrehen? Kneifen? Nein, Augen zu und durch. Ich ging zu dem Stromkasten, holte den Petling und begann, meinen Namen in das Logbuch zu schreiben. Da höre ich von hinten ein freundliches "Moin". Ich habe immer wieder geübt, das "Moin" sanfter und weiblicher klingen zu lassen. Also Premiere. Ich drehte mich um, lächelte und sagte "Moin". Das klang, glaube ich, eher wie eine Ziege, die in einen Blecheimer pinkelt als nach einer weiblichen Stimme.
Hihi, die Ziege und das Blech, manches Mal klappt es mit dem Anheben der Stimme nicht ganz so, wie wir uns das vorstelen.
Das geht mir auch oft so.
Aber ich habe mal selbst probiert, Euer Gruß "Moin" eignet sich wunderbar für eine höhere und sanftere Stimmlage, weil keine "harten " Buchstabe darin vorkommen. Ich selbst sage meist "Hallöchen".

Ich finde es auch gut, daß Du nicht zurückweichst vor etwas schwierigeren Situationen.
Solche Dinge lassen Dein Selbstbewußtsein immer weiter wachsen.
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 18:27 Die Suche brach ich aber schnell ab, da in dem Häuschen Schwalben nisten und die wollte ich nicht stören.
Das finde ich total lieb von Dir, ich bin auch eine große Freundin unserer Vogelwelt.
Vor meinem Küchenfenster hängt immer ein großer Meisenknödel, der gerade jetzt, wo schon die zweite Brut flügge geworden ist, stark anflogen wird vom Nachwuchs.
Der Knödel ist schon wieder alle.

Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: https://i.ibb.co/R4dtwSL2/20260715.jpg

Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 18:27 Ich denke, die ersten 4 bis 6 Wochen werden schwer.
Ja, das ist so.
Aber nach diesem Zeitraum, es kann auch ein, zwei Wochen länger dauern, hast Du Dein Bedürfnis nach Zucker relativ überwunden.
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 18:27 So, das mal wieder etwas von meinem Leben auf der Überholspur.
Ja, Du hast eine ähnliche Dynamik wie ich am Anfang, vielleicht sogar noch schneller. (yes)
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 17:45 Ich höre gerne Metal und Norwegen ist das Land meines ❤️
Eins interessiert mich in diesem Zusammenhang brennend, vielleicht sowas hier:
(EMPEROR sind aus Norwegen und eine meiner Lieblings Black Metal Bands.)



mag ihre Piepmätze und Metal
Deine Violetta 💜 🌺
🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
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Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 48 im Thema

Beitrag von Sabrina-Eileen »

Hallo ihr Lieben,

jetzt ist es doch einige Zeit her, dass ich hier berichtet habe und zwischenzeitlich ist doch einiges passiert. Aber irgendwie hatte ich den Kopf nicht frei fürs Schreiben. Heute aber passt es, also fange ich mal an.

Am 22. Juli, einem Mittwoch, stand mein nächster Ausflug an. Ich hatte mir eine rund 7 km lange Geocacherunde bei Neuschoo rausgesucht. Das Wetter war recht windig und bewölkt, aber es sollte trocken bleiben. Also zu Hause bis auf die Perücke soweit zurecht gemacht und das gleiche Prozedere wieder wie bei den beiden anderen male. Dann ging es zum Parkplatz an der Neuapostolischen Kirche und ich lief los. Zunächst längs der Hauptstraße und dann auf die Nebenstraßen. Diese führten an einzelnen Häusern vorbei und ich hangelte mich von Cache zu Cache. Nur der Wind meinte, er müsse meine Haare immer ins Gesicht wehen. An Haarspray hatte ich bis dahin nicht gedacht. :lol:

Dann kam ich an einem Haus vorbei, wo der Mann im Garten fleißig am werkeln war. Und da man ja immer darauf achtet, wer im eigenen Revier so läuft, schaute er zu mir. "Moin" von ihm und mein "Moin" klang heute nicht wie die Ziege von Vorgestern. Mehr Beachtung schenkte er mir dann auch nicht. (yes) Ansonsten fuhren nur ein paar Autos vorbei ohne auf mich zu achten. Nach rund 10.000 Schritten und 17 Geocaches war ich wieder am Auto und fuhr glücklich nach Hause.

An nächsten Tag hatte ich wieder Therapie bei meiner Psychologin. Wir besprachen meine Idee mit dem Brief an meine Nachbarn und ich bekam die Aufgabe, mir einen Kaffee unterwegs zu holen.

Die nächste kleine Geocachetour machte ich dann am Samstag den 25. Juli. Wieder ohne Perücke auf dem Kopf aus dem Haus und dann ging es nach Schweindorf. Hier war eine kleine Runde geplant, die im Ort begann und nach einer Runde durch Wiesen und Felder auch wieder ein Stück durch den Ort führte. Ich parkte bei der Feuerwehr und los ging es. An dem Tag war es recht warm und ich nicht so gut drauf, daher ging es eher gemächlich. In einem Vorgarten arbeiteten 2 Männer und unterhielten sich aber gerade mit einer Frau, die vom Einkaufen kam. Man beachtete mich nicht weiters. Mein Herzschlag ging also wieder in den Normalbereich. Der Radfahrer, der mich überholte, grüße im Vorbeifahren und auch mein "Moin" klingt immer besser, finde ich. (smili) Nach dem 3. Cache setzte ich mich auf eine Bank in die Sonne. Plötzlich kam der Radfahrer wieder angefahren, bleib stehe und fragte, ob ich eine christliche Broschüre möchte. Ich lehnte dankend ab und wünschte ihm ein schönes Wochenende. Ich kann nicht einschätzen, ob er einfach neugierig war, was das für eine große Frau war, die er überholt hatte. Aber egal. Auf der Rund begegneten mir noch mehrere Radfahrer die nicht wirklich Notiz von mir nahmen. Dann aber kam mir eine Frau mit Kinderwagen entgegen und der größere Sohn für mit dem Kettcar vorher. Mein Herz schlug etwas schneller aber das "Hallo" vom Jungen, seiner Mutter und mir passte. Kein intensiver Blick oder dumme Kommentare. Das tat gut. Am Auto angekommen machte ich erst mal die Türen auf zum Durchlüften. Gegenüber von der Feuerwehr war nun ein Mann mit dem Schneiden von Hecken beschäftigt. Ein kurzer Blick, ein Nicken über die Straße und mehr nicht. Ich saß noch rund 10 Minuten im Auto und fuhr dann zufrieden nach Hause.

An dem Nachmittag verfasste ich den Brief an meine Nachbarn. Am Sonntag las ich noch einmal quer und mir gefiel der Text. Also ausgedruckt und in Umschläge gesteckt. Am Montag (27. Juli) war Männertag angesagt und nach dem Einkaufen schmiss ich die 6 Briefe in die Kästen. Bis dato ergaben sich noch keine Begegnungen mit meinen Nachbarn. Außer das Grüßen aus dem Auto heraus. Immerhin kamen sie nicht mit Fackeln und Mistgabeln auf mich zu. :lol:

Am nächsten Tag (28. Juli) wollte ich eine Runde durch den Brockzeteler Wald drehen. Ich machte mich zurecht, hatte zwischenzeitlich auch Haarspray und ging das erste mal seit langem wieder vollständig aus dem Haus. Ein verdammt gutes Gefühl, kann ich euch sagen. Dann fuhr ich Richtung Aurich und parkte beim Combi Popens. Ich beobachtete die Menschen auf dem Parkplatz, dann nahm ich meine Glücksbringer, meine EC-Karte und allen Mut und ging zum Bäcker um mir einen Kaffee zu holen. Erst war auch keiner vor mir. Ich bestellte meinen Kaffee, sagte, dass ich mit Karte zahlen möchte und weder Milch noch Zucker möchte. Nach dem Zahlen stellte ich mich an die Seite um auf den Kaffee zu warten. Und ich denke, die Menschen haben nicht alle verabredet, so eine Art WirstellenSabrinaaufdieProbeFlashmob. :lol: Aber egal, ich musste ja zum Auto. Also Deckel auf den Kaffee und dann im Slalom durch die Menschen, ohne Hektik und Fluchtgedanken. Was für eine Erfahrung. Am Auto hieß es Durchatmen und dann erst einmal auf die Schulterklopfen. So schwer war es ja eigentlich nicht. Die anschließende Geocaherunde war entspannt und außer 3 flüchtigen Begegnungen auch sehr ruhig. Aber irgendwie macht Spazierengehen im stimmigen Erscheinungsbild süchtig. Ach ja, und ich habe für mich entschieden, dass blaue Fingernägel nicht zu mir passen.

Auf Grund verschiedener Termine und der Hitze konnte ich dann erst 2. August wieder aufbrechen. Auch wieder ohne Verstecken aus dem Haus, welch tolles Gefühl. Dann fuhr ich erst nach Westerholt und wollte mir den üblichen Kaffee holen. Beim Lorenz war es um kurz vor 10 sehr voll mit Gästen, die dort frühstückten. Ich stellte mich an, schaute, was es für eine Auswahl an Kaffees gibt und sah mich im Café um. Das war eine Aufgabe aus meiner Therapie. Natürlich schauten die Menschen, aber nur oberflächlich, wie es schien. Dann war ich an der Reihe und ich wurde von einem jungen Mädel so Anfang 20 bedient. "Hallo, was darf es sein?" "Hallo, ich hätte gerne einen großen Kaffee zum mitnehmen." "Sehr gerne. Darf es sonst noch etwas sein?" "Nein danke." "Das macht dann 4,10 EUR, wie möchte Sie zahlen?" "Mit Karte bitte." "Alles klar, kann losgehen." Dann ging ich zur Seite und sie gab mir meinen Kaffee. "Milch, Zucker und Deckel sind da hinten." "Ah ja, vielen Dank." "Sehr gerne und ich wünsche Ihnen noch einen schönen Sonntag." "Danke, den wünsche ich Ihnen auch. Tschüss." "Tschüss." Sie hat bestimmt gemerkt, dass ich trans bin, aber ich wurde mit unendlich viel Empathie und Freundlichkeit bedient. Das tat meiner Seele in dem Moment richtig gut. Dann ging ich zum Auto und bleib noch einen Moment sitzen um das Erlebte zu reflektieren. Dann fuhr ich weiter zum Ogenbarger Wald. Dort angekommen, zog ich die Wanderschuhe an und setzte mich auf die Ladekante des Kofferraumes um den Kaffee zu trinken. Dann kam ein weiteres Auto auf den Parkplatz. Schauen und es stiegen 2 Frauen aus und ein kleiner Junge. "Hallo." "Hallo. Oh, ich denke, du hast das gleiche Ziel wie wir." "Ah, ihr macht auch Geocahen?" "Ja, wir wollen diese Runde laufen." "Ich auch, brauche aber noch etwas. Aber wir sehen uns dann sicher unterwegs." "Ja, bestimmt, dann dir viel Spaß." "Danke, den wünsche ich euch auch." So viel Kommunikation hatte ich schon lange nicht mehr. Als dann die eine Frau die andere mit "Schatz" ansprach, wusste ich, dass ich mich bei den beiden nicht verstellen muss. Ich hatte am Anfang einen Abstecher gemacht zu einem anderen Cache und hatte die 3 erst kurz vor dem letzten Cache eingeholt, als sie schon von diesem zurückkamen. Es gab noch ein wenig Smalltalk und nach knapp 7 km war ich dann erschöpft aber glücklich wieder am Auto. (smili)

Ich merke, wie es mir psychisch einfach gut geht, wenn ich in meinem äußeren Erscheinungsbild meinem Inneren entspreche. So langsam erobere ich mir meine Welt. Ich bin euch so unendlich dankbar, dass ihr mir Mut gemacht habt. Meine Hausärztin meinte am Dienstag, ich solle doch gerne als Sabrina kommen. Ich sagte ihr, dass ich das sowieso geplant hatte und sie schrieb dann Sabrina-Eileen auch in die Akte. (he)

Eigentlich wollte ich gestern wieder raus, aber morgen kommen die ersten Interessenten zur Besichtigung des Hauses. Da muss ich noch einmal alles vorbereiten. Als ich heute dann die Kosmetik, die Perücken und alles wegräumte, kam es mir ein Stück weit wie Verrat vor. Aber ich weiß, dass es sein muss. Samstag habe ich Zeit und mir schon wieder eine kleine Runde ausgesucht, inklusive Kaffee. :lol: Und am Sonntag kommt meine beste Freundin zum Frühstück. Dann will ich ihr Sabrina vorstellen, allerdings erst nur auf Bildern. Sicher ich sicher.

Die Hormone nehme ich jetzt seit gut 3 Wochen und ich denke, dass ich langsam an Kraft verliere und auch eher mal friere. Das kannte ich so noch nicht. Auch da bin ich gespannt, wie es weitergeht.

So, das war mal die Zusammenfassung der letzten Tage. Wie immer, vielen Dank fürs Lesen. (moin)
Liebe Grüße

Sabrina
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