Grüne fordern umfassendes Primärversorgungssystem |
Grüne fordern umfassendes Primärversorgungssystem |

Antworten
Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 27369
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: W
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Forum-Galerie: gallery/album/1
Hat sich bedankt: 201 Mal
Danksagung erhalten: 2323 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Grüne fordern umfassendes Primärversorgungssystem |

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Gesundheit/Antrag

Die Grünen-Fraktion fordert die rasche Vorbereitung und Einführung eines umfassenden Primärversorgungssystems im Gesundheitswesen. Ein leistungsfähiges und zukunftsfähiges Gesundheitssystem basiere auf einer starken, patientenzentrierten Primärversorgung. Eine leistungsfähige Primärversorgung setze eine wohnortnahe, niedrigschwellige erste Anlaufstelle für Patienten voraus, heißt es in einem Antrag (21/2823) der Fraktion.

Die primärversorgende Stelle sei bei Erwachsenen in der Regel die Hausarztpraxis, bei Kindern die Kinderarztpraxis. Die Bundesregierung verkenne bei ihrem geplanten Primärarztsystem, dass angesichts der demografischen Entwicklung und des Mangels an Hausärzten eine Versorgung nur mit multiprofessionellen Teams gelingen könne.

Es bedürfe der raschen Einführung eines umfassenden Primärversorgungssystems, das auf Digitalisierung, berufsgruppenübergreifende Teams, Koordination der Behandlung der Patienten und Prävention setze.

Die Abgeordneten fordern unter anderem konkret, dass in Vorbereitung zur Einführung eines verbindlichen Primärversorgungssystems kurzfristig Maßnahmen ergriffen werden, um sicherzustellen, dass allen Versicherten innerhalb von 20 Autominuten vom Wohnort eine hausärztliche und kinderärztliche Praxis zur Verfügung steht.

Die haus- und kinderärztlichen Praxen sollten die koordinierende Funktion innerhalb des Versorgungssystems übernehmen. Patienten sollten dort möglichst fallabschließend behandelt oder, wenn medizinisch erforderlich, an Fachärzte überwiesen werden.
missy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 462
Registriert: Do 1. Feb 2024, 13:32
Geschlecht: m
Pronomen:
Wohnort (Name): NRW
Hat sich bedankt: 173 Mal
Danksagung erhalten: 215 Mal
Kontaktdaten:

Re: Grüne fordern umfassendes Primärversorgungssystem |

Post 2 im Thema

Beitrag von missy »

Anne-Mette hat geschrieben: Mo 17. Nov 2025, 16:10 Versorgung nur mit multiprofessionellen Teams
Anne-Mette hat geschrieben: Mo 17. Nov 2025, 16:10 innerhalb von 20 Autominuten vom Wohnort
Ich mag es gerne, wenn die Grünen träumen.
Bitte nicht falsch verstehen -
ich finde, sie haben recht.

Nur erleben werden meine Süße und ich das wohl nicht mehr.

Liebe Grüße
missy
Toleranz ist lernbar, zu viel Toleranz ist heilbar.
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 4005
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: a_binär / a_gender
Pronomen: en/en/ens
Wohnort (Name): nahe Bremen
Hat sich bedankt: 295 Mal
Danksagung erhalten: 1283 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Grüne fordern umfassendes Primärversorgungssystem |

Post 3 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Ich verstehe ja den Ansatz und die Ideen. Gleichzeitig ist es zum einen wieder nur Rumklemptnerei an einem System der künstlichen Knappheit und zweitens produziert mein Hirn berufsbedingt Dutzende Situationen, wo das richtig schief laufen kann und nach Murphy auch wird / würde.

Angefangen von den notorisch unter-fortgebildeten Hausärztys, die die tatsächliche Lage falsch einschätzen und mit ihren Hausmitteln oder gar "alternativer Medizin" behandeln, was in eine fachärztliche Praxis oder in die Klinik gehört. Gibt es jetzt schon zuhauf, hab ich mehrfach im eigenen Umfeld. Die unvermeidlichen Repressionen zwecks Einsparungen - "maximal soundsoviele fachärztliche Überweisungen pro Quartal" - werden ihr übriges tun.

Selbst mit fachärztlicher Unterstützung passieren dann so Sachen wie eine Überweisung zur kardiologischen Untersuchung, wo der Hausarzt die Resultate entweder falsch gedeutet oder ignoriert hat. Bis meine Mutter zwei Monate später einfach umgekippt ist. Schwere Stenose einiger Herzgefässe (lies: 80-90% Verschluss), akute Infarktgefahr, Sauerstoffversorgung am unteren Limit: Drei Wochen Klinik, zwei Stents und ab da eine vollständige Mahlzeit an Medikamenten zum Frühstück.

"Digital vor ambulant" klingt auch gut. Die Generation ohne Internet wird ja auch langsam aussterben. Hoffentlich nicht an medizinischer Unterversorgung. Hoffentlich wird auch die Anbindung gerade in den ländlichen Räumen mit geringer Praxisdichte dann entsprechend sein. Und sicher fällt den Leuten auch noch ein, wie die Patientys einmal pro Quartal ihre Karte durch das Lesegerät der Praxis ziehen können. "20 Autominuten" sind auf dem Land gerne 90 Minuten Öffis. Auch wie das ganze gegen Datenlecks und unbefugten Zugang geschützt wird. Oh, und die ePA natürlich! "Also ohne ePA können wir Sie leider nicht behandeln".

Aber vor allem traue ich "Hausärztys" in der Regel nicht weiter, als ich sie werfen könnte, weil es meines Erachtens keinerlei echte Qualitätskontrolle der medizinischen Fähigkeiten und Behandlung nach aktuellem Stand gibt. Wie sie behandeln, wen sie wohin überweisen und was sie nicht tun, wird einfach nicht überwacht. Wenn Menschen in einem System von Knappheit genau einem Menschen ausgeliefert sind und wenig bis null Wahlmöglichkeiten haben, braucht es unabhängige Kontrolle und die Möglichkeit, die Behandlung durch eine unabhängige Stelle prüfen zu lassen.
Antworten

Zurück zu „Politik - Initiativen - Forderungen“