Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
Gemischtes Doppel – meine hybride Welt - # 2

Lebensplanung, Standorte
Joo
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt

Post 16 im Thema

Beitrag von Joo »

Hallo Michi,
vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
MichiWell hat geschrieben: Di 9. Sep 2025, 01:32 Es ist für mich völlig in Ordnung, wenn du oder andere darin ihre Erfüllung gefunden haben. Doch die Vorstellung, dass in (d)einer erträumten idealen Welt diese Vorstellung irgendwie die Lösung für alle trans* Menschen sein könnte, finde ich falsch.
Diese Vorstellung habe ich nicht und fände sie auch völlig unangebracht - ja geradezu übergriffig.
MichiWell hat geschrieben: Di 9. Sep 2025, 01:32 Darin lese ich vor allem deine Selbstwahrnehmung und vielleicht auch Unsicherheit im Außen. Aber das wird den vielfältigen Persönlichkeitsausprägungen nicht mal ansatzweise gerecht. Beispielsweise wäre es in (d)einer idealen Gesellschaft genau so gut möglich, ganz nach Befinden an dem einen Tag in klar männlicher Erscheinung aufzutreten, und am nächsten in eindeutig weiblicher, wenn es eine bestimmte Person als für sich passend empfindet.


Ist das denn nicht die Realität nichtgeouteter Transmenschen? Nur, dass die Außenwelt und das biologische Geschlecht hier bestimmt, welche Kleidung der nichtgeoutete Transmensch trägt.
Für mich ist meine hybride/androgyne Erscheinung genau das, was meinem inneren Empfinden Ausdruck verleiht und keine „Krücke“, wie Du es nennst, mit der ich mir behelfe, weil ich ‚den Mann‘ nicht komplett verbergen kann. Mein Kopf mit seinen überaus männlichen Gesichtszügen stört mich überhaupt nicht, eben so wenig wie mein Penis, den ich weder hasse noch weghaben möchte. Die einzige körperliche Veränderung, die ich herbeisehne, ist die nach eigenen Brüsten.

Das Hybride an mir ist ja nicht, dass meine Kleidung irgendwie androgyn oder genderneutral ist, also sowohl als männlich wie auch als weiblich ‚gelesen‘ werden könnte, sondern dass auf meinem feminin präsentierten Körper ein deutlich männlicher Kopf sitzt. Und nein, ich habe überhaupt kein Bedürfnis, mich zu schminken oder eine Perücke zu tragen, um weiblicher rüberzukommen. Dass das verwirrend und komisch wäre für alle, die mich so zu sehen bekämen, ist mir schon klar. Dennoch kann ich damit gut leben und habe auch nicht den Anspruch, die Blaupause für andere Menschen zu sein.

LG Joo
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt

Post 17 im Thema

Beitrag von Michi »

Hallo Joo,

schön, dass du noch reagiert hast.
Joo hat geschrieben: Do 13. Nov 2025, 18:52 Hallo Michi,
vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
MichiWell hat geschrieben: Di 9. Sep 2025, 01:32 Es ist für mich völlig in Ordnung, wenn du oder andere darin ihre Erfüllung gefunden haben. Doch die Vorstellung, dass in (d)einer erträumten idealen Welt diese Vorstellung irgendwie die Lösung für alle trans* Menschen sein könnte, finde ich falsch.
Diese Vorstellung habe ich nicht und fände sie auch völlig unangebracht - ja geradezu übergriffig.
Ich war nicht sicher, wie das von dir gemeint war. Deswegen hatte ich auch meine Begründung dazu geschrieben.

Dadurch, dass ich schon länger dabei bin, habe ich öfter mal wahrgenommen, dass eine hybride/androgyne Erscheinung mehr ein Kompromiss war, weil die biologische Herkunft auf Grund der durch Pubertät und Alter geschaffenen Tatsachen nur noch schwer zu verbergen ist. Weil man natürlich über die Jahre eine Entwicklung durchmacht, die auch durch die ganzen Umstände beeinflusst wird, lässt sich heute nur schwer sagen, ob man es sich eher schön-redet oder doch alles genau so sehen würde, wenn man heute 20-30-50 Jahre jünger wäre, und noch Einfluss auf die körperliche Entwicklung nehmen könnte. Ich will damit deine persönliche Position nicht in Abrede stellen, habe mich nur an der Euphorie gerieben, die ich im Zusammenhang mit deinem "übergeschlechtlichen Traum" wahrgenommen habe.

Joo hat geschrieben: Do 13. Nov 2025, 18:52
MichiWell hat geschrieben: Di 9. Sep 2025, 01:32 Darin lese ich vor allem deine Selbstwahrnehmung und vielleicht auch Unsicherheit im Außen. Aber das wird den vielfältigen Persönlichkeitsausprägungen nicht mal ansatzweise gerecht. Beispielsweise wäre es in (d)einer idealen Gesellschaft genau so gut möglich, ganz nach Befinden an dem einen Tag in klar männlicher Erscheinung aufzutreten, und am nächsten in eindeutig weiblicher, wenn es eine bestimmte Person als für sich passend empfindet.


Ist das denn nicht die Realität nichtgeouteter Transmenschen?
Nicht (bzw. nur teilweise) geoutet ist der Wechsel durch äußere Umstände beeinflusst, und es wird i.d.R. klar getrennt, wem sich die Betreffenden in ihrem biologischen Geschlecht präsentieren oder aber in ihrem gefühlten Geschlecht.

Was ich mein(t)e: Heute äußerlich als Frau zur Arbeit gehen und morgen als Mann.


Beste Grüße
Michi
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Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt

Post 18 im Thema

Beitrag von Joo »

Liebe Liz,
sorry für die arg verspätete Antwort. Ich denke, du hast recht, wenn du schreibst:
girlnamedliz hat geschrieben: Di 9. Sep 2025, 03:59 Aber die Menschen (zumindest in meiner Umgebung) lieben Kategorien. Und es scheint mir, dass eine Erscheinung zwischen den Welten dazu fuehrt, dass die Leute mehr Zeit damit verbringen herausfinden zu wollen, was hier eigentlich Sache ist. In eindeutiger Ausrichtung erscheint mir das schneller abgetan. Ein kurzer Blick, Schublade auf, Mensch reinsortiert, und dann geht es auch schon weiter mit dem eigenen Leben.
Unser ganzes Denken findet ja in Kategorien statt und Menschen wollen Klarheit und einfach wissen, ‚was Sache ist‘. Das geht auch meiner Frau so, die wie wild recherchiert hat seit meinem Coming Out und unbedingt wissen will, wo ich einzuordnen bin…, sie kam auch mit den Begriffen „Enby“, „non-binär“, „agender“ und so was auf mich zu und hätte gerne die Schublade, in die sie mich reinstecken könnte.

Wir haben schon oft und auch nach deiner Antwort wieder darüber geredet. Während ich mich wohlfühle, so wie ich bin, eben als Mensch, der diese beiden Seiten, den männlichen Körper und die weibliche Seele, in sich trägt und sich trotzdem als Einheit empfindet, ist es für sie immer verwirrend. Sie sieht den Kopf des Mannes, den sie geheiratet hat und dazu den Körper in der Kleidung einer Frau. Am schlimmsten ist wohl für sie, dass es bei mir eben nicht nur so ein reines „Kleidungsding“ ist, sondern auch Gefühle damit einhergehen, eben dass ich mich auch weiblich fühle. Mit der Frau in mir kommt sie leider nicht gut zurecht, obwohl sie von Anfang an sehr akzeptierend war und will, dass ich das lebe, was ich bin. Aber ich sehe deutlich, dass sie unter meinem Tran*sein leidet und das tut ihr weh. Und so leiden wir beide… Unser Dilemma.

Was mir Mut und Hoffnung gibt, sind die Gespräche und die Nähe, die wir fühlen, das gegenseitige Bemühen um Verständnis und die bedingungslose Akzeptanz meiner selbst durch sie. Dafür bin ich unendlich dankbar.

LG Joo
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt

Post 19 im Thema

Beitrag von Joo »

Hallo Michi,
du schreibst:
MichiWell hat geschrieben: Do 13. Nov 2025, 20:26 Was ich mein(t)e: Heute äußerlich als Frau zur Arbeit gehen und morgen als Mann.
Das aber wäre gender-fluid und das bin ich nicht. In mir ist kein Widerspruch, ich springe nicht zwischen den Welten, ich fühle meine Identität als Einheit und lebe sie fast kontinuierlich. Ich kann das typisch Männliche oder das typisch Weibliche in mir nicht finden, konnte ich glaube ich noch nie. Natürlich ist mir auch klar, dass diese eindeutige Uneindeutigkeit für viele meiner Mitmenschen ein Problem ist, aber ich fürchte, damit werde ich leben müssen.

Vieles von dem, was mich (im wahrsten Sinne des Wortes) anzieht und ausmacht, würde ich dem Weiblichen zurechnen. Dennoch habe ich, bis auf die letzten zwei Jahre, immer offen als Mann gelebt, ohne dass sich durch mein Coming Out etwas an meiner inneren Welt geändert hätte. Was sich aber geändert hat, ist mein Gefühl, endlich zu meiner wahren Identität stehen zu wollen.

LG Joo
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt

Post 20 im Thema

Beitrag von girlnamedliz »

Lieber Joo,
Joo hat geschrieben: Sa 15. Nov 2025, 15:49 Mit der Frau in mir kommt sie leider nicht gut zurecht, obwohl sie von Anfang an sehr akzeptierend war und will, dass ich das lebe, was ich bin. Aber ich sehe deutlich, dass sie unter meinem Tran*sein leidet und das tut ihr weh. Und so leiden wir beide… Unser Dilemma.

Was mir Mut und Hoffnung gibt, sind die Gespräche und die Nähe, die wir fühlen, das gegenseitige Bemühen um Verständnis und die bedingungslose Akzeptanz meiner selbst durch sie. Dafür bin ich unendlich dankbar.
Das kann ich gut nachvollziehen. Meine Frau war und ist meine groesste Unterstuetzerin. Ohne ihren Mut und ihre Hilfe haette ich niemals meine Transition begonnen. Gleichzeitig hat sie von Anfang an klargemacht, dass sie sich selbst nicht als lesbisch identifiziert. Und das wirft natuerlich Fragen auf. Was sind wir jetzt eigentlich? Als was bezeichnen wir uns jetzt? Waehrend ich sie immer als meine Frau bezeichne, bin ich jetzt ihr "Partner." Das ist kein Begriff, den ich besonders mag, aber ich werde mich wohl daran gewoehnen muessen.

Unsere Beziehung ist jetzt anders als sie vorher war, und es gibt nur ein Vorwaerts, kein Zurueck. Als es nur um Kleidung ging, war das noch einfacher, weil man die irgendwann ablegt. Die Hormone bringen aber dauerhafte koerperliche Veraenderungen mit sich, sowohl in Form, als auch in Funktion. Und geplante chirurgische Eingriffe werden das in wenigen Monaten nochmals verstaerken. Was aber bleibt, ist die emotionale Naehe. Da sind all die gemeinsamen Erinnerungen an 26 Jahre turbulente Ehe. Da ist ein wunderbarer erwachsener Sohn. Da sind gemeinsame Sorgen um den Zustand unserer Demokratie und Welt. Da ist die Freude, die wir zusammen am Leben haben, und der Halt, den wir uns jeden Tag gegenseitig geben. Und da sind gemeinsame Traeume und Plaene fuer die Zukunft.

Insofern ist es vermutlich unerheblich, wie wir das nennen. Nein, sie hat sich das alles nicht ausgesucht und sie haette mich, so wie ich heute bin, wohl niemals geheiratet. Aber, wenn wir uns begegnet waeren, dann waeren wir vermutlich schnell beste Freundinnen geworden. Damit kann ich leben.

Viel Glueck auf Deinem Weg,
LG, Liz

EDIT: Tippfehler
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt

Post 21 im Thema

Beitrag von Joo »

Liebe Liz,
was du da schreibst, berührt mich sehr, weil die Worte deiner Frau auch die Worte meiner Frau sind.
girlnamedliz hat geschrieben: Sa 15. Nov 2025, 19:22 Gleichzeitig hat sie von Anfang an klargemacht, dass sie sich selbst nicht als lesbisch identifiziert. Und das wirft natuerlich Fragen auf. Was sind wir jetzt eigentlich? Als was bezeichnen wir uns jetzt? Waehrend ich sie immer als meine Frau bezeichne, bin ich jetzt ihr "Partner." Das ist kein Begriff, den ich besonders mag, aber ich werde mich wohl daran gewoehnen muessen.
Als ich meine weibliche Seele offenbarte, habe ich keinen Augenblick an diese Konsequenz gedacht. Mittlerweile ist mir schmerzlich bewusst geworden, welche emotionale Verwerfung mein Geständnis bei meiner Frau ausgelöst hat. Auch sie sieht mich heute wohl mehr als Partner und nicht mehr als Mann. Wie auch, wenn ich täglich vor ihr mein „Frausein“ lebe. Andererseits möchte und kann ich auch nicht so tun „als ob“, ihr etwas vorspielen, was nicht ist, und in der Scheinwelt einer fiktiven Realität verharren.

Wenn ich dich richtig verstehe, bist du auf dem Weg zu einer vollständigen körperlichen Transition. Das ist bei mir nicht der Fall. Dennoch denke ich, dass der Weg der Transition, ob OP oder nicht, auch von den Partnerinnen mitgegangen werden muss und danach nichts mehr so sein kann, wie es war. Um so bewundernswerter finde ich das Verhalten unserer Partnerinnen. Während wir in unserem neuen Leben zu uns selbst finden, erleben sie nur Verlust.
girlnamedliz hat geschrieben: Sa 15. Nov 2025, 19:22 Was aber bleibt, ist die emotionale Naehe. Da sind all die gemeinsamen Erinnerungen an 26 Jahre turbulente Ehe. Da ist ein wunderbarer erwachsener Sohn. Da sind gemeinsame Sorgen um den Zustand unserer Demokratie und Welt. Da ist die Freude, die wir zusammen am Leben haben, und der Halt, den wir uns jeden Tag gegenseitig geben. Und da sind gemeinsame Traeume und Plaene fuer die Zukunft.
Liz, deine Sätze sprechen mir aus dem Herzen. Meine Frau und ich leben schon 45 Jahre zusammen. Und ein Leben ohne sie erscheint mir ehrlich gesagt undenkbar und übersteigt meine Vorstellungskraft. Wir beide lieben unsere Kinder und Enkel und ich hoffe, dass wir einen Weg finden, den wir gemeinsam gehen können. Dir und deiner Frau wünsche ich das Gleiche. Was mich dabei optimistisch stimmt, ist der Eindruck, dass du und ich mit starken und selbstbewussten Frauen verheiratet sind und sich schon vor langer Zeit unsere Seelen gefunden haben.
Auch ich wünsche Dir/Euch auf deinem/eurem Weg alles erdenklich Gute.

LG Joo

P.S.: Übrigens, eure Sorgen um den Zustand der Welt und die Demokratie in den USA teilen wir.
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt

Post 22 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

girlnamedliz hat geschrieben: Sa 15. Nov 2025, 19:22 nicht als lesbisch identifiziert
Hey...


das tun wir tatsächlich beide nicht. Aber ich glaube das hat nichts damit zu tun, was wir jetzt sind.
Also bei meinem Lieblingsmenschen und mir. Die sexuelle Orientierung bestimmt doch nicht, ob man ein Paar ist.
Wir küssen und kuscheln, umarmen uns und haben uns jede Minute im Herzen, mehr "Sexualität" hat seit 13 Jahren
nicht mehr bei uns stattgefunden.
Aber bei meinem Lieblingsmenschen und mir ist Sexualität nicht die Basis der Beziehung. Das ist uns, für uns
nicht so wichtig. Mein Lieblingsmensch ist jetzt aber auch nicht die typische Frau und findet wenig Gefallen
am Frausein, heute würde man sagen sie ist eher gender-queer.

Wir sind Partnerinnen..
Joo hat geschrieben: So 16. Nov 2025, 13:35 nicht mehr als Mann
Du kannst nicht sein was du nicht bist und es aber vermissen. Für mich schwer vorstellbar.
Noch viel schwerer vorstellbar ist für mich heute mal Sexualität mit männlicher Konnotation gelebt zu haben.
Ich bin froh, das nie davon eine Zeugung ausging wenn es mein Samen geschafft hätte, das würde mein heutiges Selbstverständnis völlig ins Wanken bringen.
Joo hat geschrieben: So 16. Nov 2025, 13:35 Dennoch denke ich, dass der Weg der Transition, ob OP oder nicht, auch von den Partnerinnen mitgegangen werden muss und danach nichts mehr so sein kann, wie es war. Um so bewundernswerter finde ich das Verhalten unserer Partnerinnen. Während wir in unserem neuen Leben zu uns selbst finden, erleben sie nur Verlust.
Ja, es geht ein Teil und da ist auch Verlust. Sogar ich empfinde an gewissen Punkten Verlust. Manchmal ist das so, wenn ich auf die Person
die ich früher war zurück schaue, weil ich kannte diese Person ja auch und davon ist immer weniger da. Es war nicht so, das ich mich nicht mochte.
Es war nur vieles nicht richtig..ich bin mir nicht sicher ob jemand den Gedanken so nachvollziehen kann.
Die nahen Menschen die uns auf dem Weg begleiten sind gewissermassen auch in einer Transition, weil auch sie das tief in ihren Gedanken mitleben.
Mein Lieblingsmensch sagt oft, das sie es spannend findet, das ist vielleicht der naturwissenschaftliche Hintergrund, wir forschen beide gerne.
Vieles ist nicht mehr wie es war und vieles wird neu geschrieben, es ist nicht nur Verlust, sondern auch neue Erfahrung.
Joo hat geschrieben: So 16. Nov 2025, 13:35 Und ein Leben ohne sie erscheint mir ehrlich gesagt undenkbar und übersteigt meine Vorstellungskraft..
Das ist auch bei mir so, wir sind jetzt 23 Jahre zusammen und ich kann mir niemanden anderen vorstellen, der meine Hand
hält, wenn ich im Januar aus der Narkose nach der OP aufwache..ich freu mich sehr darauf.

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Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt

Post 23 im Thema

Beitrag von Slothorpe »

Hallo Joo,

Habe den Beitrag erst gerade eben entdeckt…
Ich selbst lebe mich auch in einem hybriden Style aus, der mir irgendwie sehr entspricht, d.h. Kleide, Röcke, Strümpfe, hohe Schuhe, teilweise feminine Oberteile.aber keine Schmike, Perücke usw. Bin äußerlich schon als biologischer Mann erkennbar, innerlich fühle ich mich schon immer zwischen den binären Polen.

Ich lebe das inzwischen offen aus, sowohl mein näheres Umfeld (meine Frau, meine Kinder, meine Freunde, im Sport, Nachbarn…) kommen damit, manchmal nach kurzem Aha-Moment, damit problemlos klar und auch in der Öffentlichkeit habe ich bisher (so gut wie) keine Probleme gehabt.

Ich will damit sagen, das kann ein guter und richtiger Weg sein, wenn es zu Dir passt…

Liebe Grüße
Michi
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt

Post 24 im Thema

Beitrag von Michi »

Joo hat geschrieben: Sa 15. Nov 2025, 17:04
MichiWell hat geschrieben: Do 13. Nov 2025, 20:26 Was ich mein(t)e: Heute äußerlich als Frau zur Arbeit gehen und morgen als Mann.
Das aber wäre gender-fluid und das bin ich nicht.
Hallo Joo,

ich habe dir das nirgendwo zugeschrieben. Falls du es dennoch so verstanden haben solltest, tut es mir leid. Es doch war nur ein Beispiel dafür, dass es noch weitere Möglichkeiten gibt, als die von dir im Post 1 dieses Threads fast schon euphorisch beschriebene Möglichkeit. Ich wollte damit nur aufzeigen, dass es in einer solchen idealen, freien Welt viel mehr als nur die von dir beschriebene Möglichkeit geben würde. Tatsächlich hatte ich diese Möglichkeit des äußerlichen Switchens zwischen männlicher und weiblicher Geschlechter-Präsentation für mich vor Jahren in Erwägung gezogen. Aber es war im Grunde nicht mehr als eine Kompromissvorstellung, mit dem ich mir eine Zeit lang versuchte, mir das Leben vom Kopf her erträglicher zu machen.

Joo hat geschrieben: Sa 15. Nov 2025, 17:04 In mir ist kein Widerspruch
Ich möchte .. und das schreibe ich nicht, um dir irgendwie zu nahe zu treten oder dich irgendwie verletzen zu wollen .. bitte sagen dürfen, dass ich das auf Grund deiner Ausführungen in diesem Thread etwas anders wahrnehme. Ich bin lange genug dabei um sowohl aus eigener Erfahrung als auch der von anderen sagen zu können: Nicht gerade wenige von uns haben über die vielen Jahre der Suche nach sich selbst mehr als nur einmal die Antwort gefunden, wer sie denn nun sind. Dafür gibt es auch hier im Forum genug Beispiele. Es ist normal, zu versuchen, das Innere mit den äußeren Gegebenheiten/Zwängen irgendwie in Einklang zu bringen. Dass man das nicht bewusst macht, ist ebenso normal wie dabei das Innere gegenüber dem Äußeren zurückzustellen, weil es die Kompromissfindung zweifellos erleichtert. Damit will ich keineswegs die Forderung aufstellen, die eigenen Bedürfnisse und Befindlichkeiten kompromisslos durchzusetzen, auch wenn ich Betroffene kenne, bei denen es aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr anders ging, und wofür ich ebenso vollstes Verständnis habe.

Joo hat geschrieben: Sa 15. Nov 2025, 17:04 Was sich aber geändert hat, ist mein Gefühl, endlich zu meiner wahren Identität stehen zu wollen.
Ich würde sagen, damit geht die Reise erst richtig los. Ich wünsche dir alles Gute dabei. (has-o)


Beste Grüße
Michi

PS: Ich bin heute mal wieder nicht sonderlich fit. Wenn etwas unverständlich erscheint, will ich an einem anderen Tag gerne versuchen, es noch mal besser zu erklären.
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt

Post 25 im Thema

Beitrag von girlnamedliz »

Joo hat geschrieben: So 16. Nov 2025, 13:35 der Weg der Transition, ob OP oder nicht, auch von den Partnerinnen mitgegangen werden muss und danach nichts mehr so sein kann, wie es war. Um so bewundernswerter finde ich das Verhalten unserer Partnerinnen. Während wir in unserem neuen Leben zu uns selbst finden, erleben sie nur Verlust.
Ich weiss nicht, ob ich dem so 100% zustimmen moechte. Mein maennliches ich war nicht unbedingt liebenswert. Spaetestens seit der Pubertaet hat mich diese unerklaerliche Wut auf alles, jeden, und die welt verfolgt, gepaart mit einer zunehmenden Gleichgueltigkeit, was eigentlich aus mir oder aus der Welt wird. Ich habe diese Wut in einen Beruf verwandelt, bin um die Welt gereist als der Kampfhund, mit der Aufgabe aus Sweatshops in Asien billige Konsumprodukte herauszubekommen. Und die Welt hat mich dafuer gehasst - und ich mich selbst auch.

Wie meine Frau in alldem immernoch den Menschen erkennen konnte, den sie mal geheiratet hat, weiss ich nicht. Ich weiss aber sehr genau, dass unsere Beziehung sehr viel besser geworden ist. Es gibt keine Geheimnisse mehr, unser gegenseitiges Vertrauen ist heute nahezu grenzenlos. Ich sehe positiv in die Zukunft, und kann meine Power gezielt als schoepferisches Werkzeug einsetzen - statt nur als Dampfhammer. Unser Leben ist zwar bunter, aber auch deutlich leiser geworden. Behaglicher. Froehlicher. Fast moechte ich unbeschwerter sagen - aber die Unbeschwertheit bekommt natuerlich immer wieder mal heftige Daempfer.

Insofern ist klar: Meine Transition ist fuer sie nicht nur ein Verlust, sondern auch Gewinn. Ein Gewinn an Naehe, Geborgenheit, Zuversicht. Lebensqualitaet. Und vielleicht bist Du an dieser Stelle ein bischen zu hart mit Dir?


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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt

Post 26 im Thema

Beitrag von Joo »

Liebe Liz,
Joo hat geschrieben: So 16. Nov 2025, 13:35 Während wir in unserem neuen Leben zu uns selbst finden, erleben sie nur Verlust.
girlnamedliz hat geschrieben: So 16. Nov 2025, 23:35 Ich weiss nicht, ob ich dem so 100% zustimmen moechte.
Du hast recht, ich hätte vielleicht das „nur“ weglassen sollen, das war sicher etwas zu extrem, zu undifferenziert formuliert, Danke für’s ‚Zurechtrücken‘.

In der Tat ist es auch bei uns so, dass nach meinem Coming Out und den vielen tiefgehenden Gespräche danach eine ganz besondere Nähe zwischen uns entstanden ist. Das ist schön und tut uns beiden gut.

Aber ansonsten spüre ich bei meiner Frau eine große Traurigkeit über alles, was für sie ‚verloren‘ ist. Darüber haben wir schon oft geredet und auch eben gerade wieder länger. Sie schildert mir immer offen die Gefühle, die sie in dieser Hinsicht hat. Es tut mir natürlich weh, wenn sie sagt, dass sie mich nicht mehr als (ihren) Mann sehen kann. Aber mal ehrlich, wie sollte sie? Für mich ist es jetzt stimmig und ich fühle mich wohl dabei, die Frau, die ich in mir spüre, nun jeden Tag leben zu können. Sie aber fühlt sich in unserer Beziehung nicht mehr ‚stimmig‘ und ihr Wohlgefühl ist weg. Das ist schon ein großer Verlust.

Und während ich mich nach meinem Coming Out befreit fühlte und entlastet, weil der Verheimlichungsdruck endlich weg war, spürt meine Frau jetzt die Last meines Transseins und die Leichtigkeit in ihrem Alltag ist sozusagen weg. Auch dies ein Verlust für sie. Ich hoffe, Du verstehst, was ich damit meine. Also während unsere Vertrautheit ineinander, unsere tiefe Verbundenheit in den letzten beiden Jahren eher gewachsen ist, ist es doch so, dass ich dadurch, dass ich jetzt zu mir selbst stehen kann, einen Gewinn habe, während meiner Frau jetzt etwas fehlt, nämlich ‚der Mann‘ an ihrer Seite, den sie bräuchte, um sich ‚richtig‘ zu fühlen.

Ich selbst sehe sie immer noch als meine Frau und es schmerzt mich (ebenso wie wohl auch Dich), dass unsere Partnerschaft nun ‚auf eine andere Ebene‘ gehoben wurde. Aber damit muss ich, müssen wir nun leben.
Mein Name ist Mensch.
Die Toleranz der Anderen ist meine Freiheit.
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt

Post 27 im Thema

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Hallo Michi,

Du hast geschrieben:
MichiWell hat geschrieben: Do 13. Nov 2025, 20:26 dadurch, dass ich schon länger dabei bin, habe ich öfter mal wahrgenommen, dass eine hybride/androgyne Erscheinung mehr ein Kompromiss war, weil die biologische Herkunft auf Grund der durch Pubertät und Alter geschaffenen Tatsachen nur noch schwer zu verbergen ist.
Ich kann dir da nur zustimmen. Natürlich lebe ich einen Kompromiss, und zwar den, den ich kann und will, und den, von dem ich glaube, dass er der beste für mich in meiner Welt ist. Die Diskrepanz zwischen meiner Biologie und meiner Seele zwingt mich dazu. Die Frage für mich ist doch nur, wie weit ich mich in welche Richtung bewege. Das ‚was wäre, wenn‘ hilft mir nicht weiter. Ich habe in den letzten zwei Jahren viel gewonnen, mehr als ich mir jemals erträumt hätte. Ich kann in meinem privaten Rahmen meine Identität uneingeschränkt leben und genießen. Dafür bin ich sehr dankbar.

LG Joo
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