Hi ihr Lieben
da die Vorstellungsthemen nur zur einer kurzen Vorstellung dienen sollen, habe ich hierfür mal einen eigenen Thread eröffnet.
Achtung, es folgt viel Text, aber ich musste es einfach mal aufschreiben
In meiner ersten Woche im Forum ist mir mehr klar geworden als in den Jahren zuvor
Damals hatte ich hauptsächlich meinen Fokus auf die überwiegend fiktiven Geschichten im Themenbereich "Eigene Berichte und Geschichten" gelegt.
Das lag vor allem daran, dass ich das Thema nur bei gelegentlichen "Frau-sein-Schüben" im stillen Kämmerlein während der Erregung abgearbeitet habe.
Ich wollte es irgendwie nicht weiter vertiefen oder Klarheit schaffen, doch der Gedanke, dass etwas nicht stimmte, war immer wieder da. Es dauerte damals eine ganze Weile, bis ich eine Freundin hatte.
Mit der Beziehung nahmen die Schübe zwar etwas ab, aber das Thema war nie vollständig vorbei
Ehrlich gesagt, dachte ich anfangs, dass sich meine Gefühlslage durch die Beziehung ändern würde und dass ich das "Frau-Sein" irgendwie ablegen könnte. Aber dem war nicht so.
Es war eher so, dass ich mich noch mehr eingeengt fühlte, vor allem durch die Angst vor Ablehnung. Sexuell gesehen setzte sich die Misere leider fort.
Beim eigentlichen Akt konnte ich trotzdem nicht an etwas anderes denken als an die Vorstellung, eine Frau zu werden. Andernfalls klappt es einfach nicht
Ausgelebt habe ich das "Frau-Sein" immer im Geheimen bei mir zu Hause, da wir noch nicht zusammenlebten.
Leider gab es dann über die Jahre immer wieder das Thema, warum ich sexuell so distanziert sei, ob ich nicht auf sie stände und was genau das Problem wäre.
Dem ganzen bin ich aus Angst vor Ablehnung immer ausgewichen, da ich mir die Reaktion nicht vorstellen konnte und sie nicht verletzen wollte.
Ich kannte ihre Meinung zu diesem Thema durch unauffällige Fragen zu verschiedenen Themen in den Jahren und wusste, dass ein Outing keine gute Idee wäre
Die Beziehung ist auch genau wegen meines geringen Interesses dann gescheitert, und sie hat vor gut zweieinhalb Wochen Schluss gemacht
Es war für mich wie ein Weckruf, jetzt etwas zu ändern und mich tiefgreifend mit dem Thema auseinanderzusetzen. Deshalb gehe ich jetzt einen anderen Weg und starte meine Selbstfindung.
Durch die ganze Herzlichkeit und die vielen Tipps in diesem Forum und den gleichgesinnten Mitgliedern habe ich mich jetzt auch direkt schon bei zwei Events für das nächste Jahr angemeldet
Eines ist noch wegen der Warteliste in der Schwebe, aber bei dem anderen bin ich definitiv dabei (Gala26)
Ich bin teilweise sehr direkt und offen mit meinen Schilderungen, aber die Zeit, es nicht auszusprechen, ist vorbei. Ich wünsche mir mehr Klarheit für mich und das wird nur so möglich
In dieser Woche habe ich sehr viel nachgedacht. Dabei sind mir auch viele Verhaltensweisen aus meiner Kindheit bewusster geworden. Ich habe mich oft verkleidet, hatte sehr gerne eine kurze Schürze an
(die gebunden eigentlich wie ein Rock aussieht). Schon vor der Pubertät wollte ich gerne lackierte Nägel haben, als ich das bei meiner Mutter sah, und ich hatte auch Spielzeug, das nicht typisch für Jungs war.
Außerdem wollte ich immer blonde, lange Haare haben (heute eher rot). Meine Mutter hatte öfter erwähnt, dass sie gerne ein Mädchen gehabt hätte und dass für mich auch schon der Name ausgewählt worden war
– natürlich Sabrina
In der vierten Klasse hatten wir Schwimmunterricht und eines der Mädchen hatte als erste einen fast zweigeteilten Badeanzug an
(im Bauchbereich war dieser nur durch einzelne Stücke wie bei einem Netz verbunden). Ich träumte davon, auch einen solchen Badeanzug zu tragen
Dann kam die Pubertät und der Drang, ein paar alte High Heels meiner Mutter anzuziehen. Dadurch startete das Gefühl erst richtig in mir. Mir gefielen die Schuhe, die Optik und das Gefühl beim Laufen,
sowie das Geräusch dabei. Lange blieb es bei den Schuhen, bis meine Mutter mein Versteck mit ihren alten Schuhen fand. Es wurde nie direkt angesprochen, aber ich hatte sehr große Scham
Als Nächstes kam dann der Drang, einen Minirock zu tragen
der mir aber zu klein war. Als ersten Nagellack hatte ich Tipp-Ex verwendet und mir French Nails gemacht. Der Vorteil war, dass es schnell wieder entfernt werden konnte.
In den Jahren bastelte ich mir auch ein eigenes Kleid aus rotem Satin-Stoff und versuchte, Brüste durch ausgestopfte Socken zu imitieren. Dieser Stand blieb dann bis zum Anfang meines Studiums mit 19 Jahren
und änderte sich durch eine gleichaltrige Frau, die Interesse an mir hatte
Ich hatte vorher nie so eine direkte Anziehung zu Frauen gehabt, aber plötzlich war sie da. Da ich sehr zurückhaltend und distanziert war, verlor sie jedoch auch das Interesse.
Das Gefühl, gerne eine Freundin zu haben, blieb jedoch. Also meldete ich mich bei Online-Singlebörsen an und hatte mal mehr, mal weniger Kontakt zu Frauen.
Parallel dazu ging ich mehr und mehr auf echte, nicht selbstgebastelte Frauenkleidung über. Das lag zum einen daran, dass ich durch mein Studium immer sehr weit von meinem Wohnort entfernt war und
so weniger Angst bei dem Einkauf hatte. Den Anfang machte ein BH, das Gefühl, ihn zum ersten Mal zu tragen, werde ich nie vergessen
Weitere Kleidung wie Oberteile, Röcke sowie Nagellack und Mascara kamen hinzu, ebenso ein eigenes und passendes Paar High Heels – alles heimlich.
Irgendwann wurde der Drang stärker und führte zu einer kleinen Sammlung an Heels, Oberteilen, Röcken und Kleidern, als ich Mitte 20 war.
Es folgte ein gleichbleibendes Level meines "Frau-Seins", das allerdings nur in sehr seltenen Momenten ausgelebt wurde, wenn ich alleine zu Hause war.
In der Corona-Zeit fasste ich dann den Mut, bei Special-Trade einzukaufen. Eine Perücke und Diamond-Deluxe-Brüste in B-Cup kamen zu meinem Outfit hinzu, da das ständige Ausstopfen der BHs sich nicht richtig anfühlte
und ich gerne das Gefühl von Brüsten haben wollte, ebenso wie das Gefühl, lange Haare zu besitzen
Dieses Jahr gab es ein Upgrade auf Aphrodite-Brüste in C-Cup, die ich sehr gerne auch über Nacht trage. Beim Kauf dieser Brüste war ich zum ersten Mal optisch als Frau vor einer anderen Person.
Ansonsten blieb alles bisher im Verborgenen.
Was mir auch wieder bewusst wurde: Meine Ex-Freundin hatte oft kritisiert, dass es mir egal wäre, wie ich herumlaufe, da ich meine männliche Kleidung eher zweckmäßig als optisch auswähle
und mich nicht wirklich style. In meinem "Frau-Sein" ist es genau andersrum: Da wird gezielt ausgewählt und gestylt, so gut es in der kurzen Zeit geht
Außerdem hat sie oft gesagt, dass ich sensibel wäre, was ich selbst so nie gesehen habe.
Körperlich habe ich keinen starken Muskelaufbau und mein Bartwachstum hat extrem lange auf sich warten lassen. Ansonsten wurde ich in der Schule eine Zeit lang von einem Mitschüler gemobbt,
mit der Aussage „Frauenfingernägel“, da meine Fingernägel eher die typische Form wie bei Frauen besitzen. Von der Statur her habe ich ein eher breiteres Becken, weshalb die Verkäuferin bei Special-Trade
zunächst dachte, dass ich etwas unter der Leggings trage
Das ist mir aufgefallen, da mein Lederkombi im Brustbereich schlechter zugeht. Im T-Shirt zeichnet sich das auch ein bisschen ab
Für einen Drei-Tage-Bart brauche ich immer noch eine Woche. Aber an anderen Körperstellen (Beine, Bauch, Arme) hat der Haarwuchs etwas mehr zugenommen.
Vielleicht sollte ich mein Hormonlevel einfach mal testen lassen, wenn ich mich jetzt schon auf den Weg der Selbstfindung begebe
Aber auch meine männliche Seite ist stark ausgeprägt, gerade bei den Hobbys und Interessen.
Umso wichtiger ist es nun, herauszufinden, wie ich mich selbst sehe
In meinem privaten Umfeld ist die Hemmschwelle, meine weibliche Seite in irgendeiner Form anzusprechen, leider noch sehr hoch, da ich bei meinem Bruder wohne
Bisher weiß niemand etwas von meiner weiblichen Seite, außer vielleicht meine Mutter, wobei ich glaube, dass sie den High-Heels-Zwischenfall damals nur als Versuch in meiner Pubertät abgetan hat.
Durch die ganze mediale Präsentation und die teilweise falschen Darstellungen in der Gesellschaft hatte ich auch immer den Eindruck, dass Transgender sich nur auf Transsexualität bezieht
Das Schubladendenken stelle ich für mich in Zukunft ab
Erst wenn man sich stärker damit beschäftigt, erkennt man den Unterschied und die Vielfalt des Themas. Es ist nicht alles schwarz, weiß oder grau, sondern sehr individuell, und es gibt keine Formel für alle.
Hier muss in Zukunft unbedingt mehr Klarheit in der Welt geschaffen werden, damit jeder die Unterschiede auch versteht und nicht alles in eine gemeinsame Schublade packt.
Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse und Vorstellungen, wie er sich seine Gegenwart und Zukunft vorstellt
Am Ende sind wir alle nur Menschen, die versuchen, irgendwie in der Welt zu überleben. Der geringste Widerstand kann helfen, aber ab und zu muss es auch krachen
und etwas Neues entstehen kann. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es nun weitergeht und ob ich früher oder später Klarheit für mich selbst finden werde
Beim Schreiben sitze ich jetzt wieder mit hohem Blutdruck, erhöhtem Herzschlag und diesem komischen, aufregenden,
flatternden Gefühl im Bauch vor meinem Text
In diesem Sinne: Für mehr Klarheit und Selbstfindung in der Zukunft!
Liebe Grüße
Sabrina