Mauerbau - am 13. August 1961
Mauerbau - am 13. August 1961 - # 2

Sabrina Verena
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Re: Mauerbau - am 13. August 1961

Post 16 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Hallo Violetta,
ich kann mir ganz gut vorstellen, dass der Eine oder Andere Transportpolizist froh ist, dass die Mauer weg ist.
Die Reichsbahn war ja auch in Westberlin für den S- und U- Bahn Verkehr zuständig.
Also waren Transportpolzisten an Bord der Züge im Westen, nicht nur zur Fahrkartenkontrolle.
Aber wenn ein Wessi beim Schwarzfahren in einem Zug erwischt wurde, taten die Transportpolizisten natürlich ihre Pflicht und wurden von der Westpolizei wegen Amtsanmaßung belangt.
Da die Transportpolizisten im Westen keine Amtsbefugnisse hatten. An Bord der Reichsbahnzüge aber schon.
LG Verena
Solange Du in Dir selber nicht zuhause bist, bist Du nirgendwo zu Haus.

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Rusza
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Re: Mauerbau - am 13. August 1961

Post 17 im Thema

Beitrag von Rusza »

Ich habe nie verstanden,warum Leute versucht haben,die DDR-Grenze zu überwinden und sich damit in eine tödliche Gefahr begeben haben.Es gab doch die Möglichkeit einen Ausreiseantrag zu stellen,welcher meist nach zwei bis fünf Jahren bewilligt wurde.Eine Republikflucht war derart schwer,das sich das Risiko nur für wenige gelohnt hat.Entweder man wurde beim Fluchtversuch verhaftet und ging dafür ins Gefängnis oder man wurde gar erschossen.Siehe Tote Berliner Mauer.Mich selbst hat der Tod der 18-jährigen Marienetta Jirkowski nachdenklich gemacht.Sie wollte am 22.November 1981 die Berliner Mauer überwinden.Ihre beiden Freunde hatten es geschafft,sie selbst wurde am letzten Hindernis von der Leiter geschossen.Ein völlig sinnloser Tod.Heute errinnert ein Gedenkstein an diese damals noch sehr junge Frau.Außerdem wurde ein Platz nach ihr benannt.
conny
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Re: Mauerbau - am 13. August 1961

Post 18 im Thema

Beitrag von conny »

So problemlos war das mit den Ausreiseanträgen* ja nicht. Längst nicht alle wurden wurden positiv beschieden.
Mit der Antragstellung war man doch fortan ein Feind der DDR mit entsprechenden Repressalien.
*aus Wikipedia:
"Wer einen Ausreiseantrag in den Westen stellte, musste zum Teil mit langwierigen und harten Schikanen rechnen,bis hin zur strafrechtlichen Verfolgung und Inhaftierung....Ausreiseanträge wurden als „Rechtswidrige Ersuchen – RWE“ bezeichnet und als solche zwar registriert, jedoch nicht im Sinne eines Verwaltungsverfahrens bearbeitet. Keinem einzigen Antragsteller wurde jemals ein schriftlicher Genehmigungs- oder Ablehnungsbescheid ausgehändigt.....Der Antrag konnte auch dazu beitragen, dass der Antragsteller beim MfS intern als Feindlich-negative Person eingestuft wurde."
Michi
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Re: Mauerbau - am 13. August 1961

Post 19 im Thema

Beitrag von Michi »

Rusza hat geschrieben: Do 14. Aug 2025, 20:42 Ich habe nie verstanden,warum Leute versucht haben,die DDR-Grenze zu überwinden und sich damit in eine tödliche Gefahr begeben haben.Es gab doch die Möglichkeit einen Ausreiseantrag zu stellen,welcher meist nach zwei bis fünf Jahren bewilligt wurde.
Soweit ich mich erinnere, funktionierten Ausreiseanträge und ihre Bewilligung erst in den 1980er Jahren so leidlich. Davor war das wohl eher die Ausnahme. Höchstens Rentner hatten es da leichter, weil deren Arbeitskraft nicht mehr nutzbar war.

Davon mal abgesehen wurden nicht nur die Ausreisewilligen vom Staatsapparat auf das Übelste schikaniert, sondern auch ihr familiäres Umfeld. Die Stasi hat mit ihren IMs den Freundes- und Kollegenkreis unterwandert und die Ausreisewilligen und deren Familien systematisch gemobbt und isoliert. Stasi-Mitarbeiter und SED-Bonzen haben die Ausreisewilligen nach Gutsherrenart erpresst, ihr Eigentum für einen Appel und ein Ei an sie zu "verkaufen". Sie wurden teilweise auch zwangsumgesiedelt, oder nach Antragstellung willkürlich verhaftet, aus fadenscheinigen Gründen verurteilt und über Jahre weggesperrt. Man hat sie jahrelang auf gepackten Koffern sitzen lassen, weil ja nach Bewilligung des Antrags die Ausreise unmittelbar erfolgen musste.

Von daher kann ich schon nachvollziehen, dass Menschen so unter Druck gestanden haben, dass sie das Risiko eingegangen sind.


Und mal den Bogen zu uns gespannt: Warum gingen Menschen das Risiko ein, sich als trans* zu outen, obwohl sie damit riskierten, ihr gesamtes Leben, Job, Familie, Wohlstand wegzuwerfen?!
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Mauerbau - am 13. August 1961

Post 20 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Man kann keine Menschen für ewig in einem Staat einsperren. Und die, die es geschafft haben sind für mich Helden, die, die es leider nicht schafften: RIP
Hier ein Bericht dazu.
https://www.bpb.de/mediathek/video/424/nichts-wie-raus/
"Es ist nicht die Zeit in deinem Leben, es ist das Leben in deiner Zeit." Bruce Springsteen
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Re: Mauerbau - am 13. August 1961

Post 21 im Thema

Beitrag von Violetta-TransFlower »

Sabrina Verena hat geschrieben: Do 14. Aug 2025, 12:26 Hallo Violetta,
....
Aber wenn ein Wessi beim Schwarzfahren in einem Zug erwischt wurde, taten die Transportpolizisten natürlich ihre Pflicht und wurden von der Westpolizei wegen Amtsanmaßung belangt.
Da die Transportpolizisten im Westen keine Amtsbefugnisse hatten. An Bord der Reichsbahnzüge aber schon.
LG Verena
Vielen Dank, liebe Verena (ki)

Das ist ein Aspekt, den habe ich noch gar nicht gewusst.
Maya hat geschrieben: Mo 11. Aug 2025, 01:37 Was man hier alles lernt ist ja unglaublich.
Wie Maja auch neulich so treffend bemerkte, im Forum können wir Alle immer wieder etwas lernen, nicht zuletzt durch das Wissen der Anderen. (yes)

Dankbar
Deine Violetta 💜
🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
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Re: Mauerbau - am 13. August 1961

Post 22 im Thema

Beitrag von Violetta-TransFlower »

Rusza hat geschrieben: Do 14. Aug 2025, 20:42 Ich habe nie verstanden,warum Leute versucht haben,die DDR-Grenze zu überwinden und sich damit in eine tödliche Gefahr begeben haben.Es gab doch die Möglichkeit einen Ausreiseantrag zu stellen,welcher meist nach zwei bis fünf Jahren bewilligt wurde.Eine Republikflucht war derart schwer,das sich das Risiko nur für wenige gelohnt hat.
MichiWell hat geschrieben: Do 14. Aug 2025, 21:45
Soweit ich mich erinnere, funktionierten Ausreiseanträge und ihre Bewilligung erst in den 1980er Jahren so leidlich. Davor war das wohl eher die Ausnahme. Höchstens Rentner hatten es da leichter, weil deren Arbeitskraft nicht mehr nutzbar war.

Davon mal abgesehen wurden nicht nur die Ausreisewilligen vom Staatsapparat auf das Übelste schikaniert, sondern auch ihr familiäres Umfeld. Die Stasi hat mit ihren IMs den Freundes- und Kollegenkreis unterwandert und die Ausreisewilligen und deren Familien systematisch gemobbt und isoliert. Stasi-Mitarbeiter und SED-Bonzen haben die Ausreisewilligen nach Gutsherrenart erpresst, ihr Eigentum für einen Appel und ein Ei an sie zu "verkaufen".
Danke, liebe Michi, daß Du hier schon Vieles aufgeklärt hast.

Ich kann da etwas aus eigener Erfahrung berichten.
Wenngleich ich noch sehr jung war.

Es müsste ungefähr in meinem 14. Lebensjahr gewesen sein, also Mitte der 80er Jahre.
In meiner Parallel Klasse der Oberschule war damals ein Junge, dessen Eltern hatten einen Ausreiseantrag gestellt.
Er war ab diesem Zeitpunkt in der Schule oft isoliert und stand Allein herum.
Irgendwann habe ich ihn dann mal gefragt, warum er immer so allein sei.
Da erzählte er mir das mit dem Ausreiseantrag und ich war total geschockt und konnte es gar nicht verstehen, da sich mir die politischen Verhältnisse in der DDR wirklich erst ab diesem Alter erschlossen haben.
So ungefähr ab dem Eintritt in die "Freie Deutsche Jugend".

Es gab da eine, glaube ich, monatliche Veranstaltung, die nannte sich "FDJ Studienjahr ", das war zur Vorbereitung auf die Jugendweihe.
Mit der Jugendweihe, wurden wir zu "Erwachsenen " erklärt und waren ab diesem Zeitpunkt, vollwertige Mitglieder der Gesellschaft.
Bei diesem Studienjahr wurden von einem Mädel, das ein paar Jahre älter war, als wir, die überwiegend politischen Botschaften der sozialistischen Gesellschaft an uns herangetragen.
Jedenfalls erzählte dieses Mädel damals so einen hahnebüchenen Schwachsinn, daß ich Sie dann irgendwann fragte,
"Glauben Sie eigentlich selbst, was Sie uns hier erzählen ?"
Daraufhin schmiss Sie mich aus der Veranstaltung und ich mußte mich zuerst bei meinem Klassenlehrer und dann noch beim Schuldirektor, der aber wirklich damals in Ordnung war, antanzen und dazu "Stellung nehmen ".

Ich musste die Veranstaltung Studienjahr aber weiterhin besuchen, hab dann aber lieber mein vorlautes Plappermündchen gehalten, da ich schon geahnt habe, wenn Du hier den Mund noch weiter aufreist, geht es nicht mehr nur zum Direktor, da kommen dann Andere ins Spiel und dann wird es gefährlich für mich. 🫢

Ungefähr ab diesem Zeitpunkt begriff und verstand ich, warum die Eltern des Jungen aus meiner Parallel Klasse den Ausreiseantrag gestellt haben.
Der Junge hatte mit Sippenhaft zu kämpfen, deswegen war er immer so isoliert und Allein.
Das ganze Prozedere hat sich bei dieser Familie, soweit ich mich erinnere, ein paar Jahre hingezogen und sie mussten Haus, Hof, Heimat, Freunde und Bekannte zurücklassen, was sehr traurig 😢 ist.
Ich habe sie Alle nie wieder gesehen.

Hat schon in ihrer Jugend
gerne ihre Meinung offen geäußert
Eure Violetta 💜
🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
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Re: Mauerbau - am 13. August 1961

Post 23 im Thema

Beitrag von Rusza »

MichiWell hat geschrieben: Do 14. Aug 2025, 21:45 Von daher kann ich schon nachvollziehen, dass Menschen so unter Druck gestanden haben, dass sie das Risiko eingegangen sind.
Hallo noch mal...

Mir wäre das Risiko einfach zu groß gewesen,denn die Absicherung der DDR-Grenze war in den 1980-er Jahren fast perfekt.Vor allem die Berliner Mauer zu überwinden war allein und ohne mindestens eine Leiter nicht möglich.Ich bin selbst am 1.April 1983 mit der Volkspolizei in Konflikt geraten.Es war Karfreitag.Ich bin mit zwei Freundinnen und einem Kumpel nach Ostberlin gefahren.Da wir abends im Bowlingcenter abgewiesen wurden,sind wir ziellos mit der U-und S-Bahn herumgefahren.Meine Freundin hatte dann die Idee mal in der Dämmerung in den Friedrich Ludwig Jahn-Sportpark einzudringen.Dort spielte damals der Berliner FC Dynamo,der Lieblingsfußballverein von Stasichef Erich Mielke.Gesagt,getan.Der Stadionzaun war leicht zu überwinden.Wir sind die Treppe hoch zum Oberring und haben dann auf den Rängen Platz genommen.Das leere Stadion wirkte gespenstisch.Die beiden Mädchen gingen dann rüber zur anderen Kurve Richtung Hinterlandsmauer,welche an einem Teil des Stadions eine Barriere bildete.Auf einmal bemerkte mein Kumpel das gegenüber unterhalb der Anzeigetafel ein Hund gerannt kam.Nichts wie weg.Ich rief noch "Beate,Heike,schnell weg,ein Hund ". Wir haben es nur geschafft,weil der Hund etwa 150 Meter entfernt war,als wir ihn sahen.Wir sind zum U-Bahnhof Dimitroffstraße gelaufen.Kaum waren wir dort, kamen zwei,später noch ein dritter Funkstreifenwagen der Volkspolizei mit Blaulicht.Wir wurden mitgenommen auf ein Polizeirevier.Dann wurden wir wie die Verbrecher behandelt.Leibesvisite und Ausweiskontrolle.Wir mußten etwa eine Stunde warten,dann mußte ich mitkommen.Ein Mitarbeiter der Stasi hat dann mit mir ein Gespräch geführt.Im Gegensatz zu den Polizisten war er freundlich.Ich fragte ihn ob wir Hausfriedensbruch begangen haben.Nein,darum ging es ihm nicht.Er meinte das Stadion liegt in Grenznähe.Darum ging es also.Mir wurde klar,das auch das Hinterland abgesichert wurde.Die hatten uns wohl schon gesehen,bevor wir den Hund bemerkt hatten.Er stelte mir alle möglichen Fragen über meine Einstellung zum Sozialismus in der DDR und so weiter.Schließlich wurden auch die anderen drei befragt.Gegen Mitternacht kam ein junger Stasimitarbeiter zu uns in den Raum und freute sich.Er machte sich glaube ich lustig über uns.Dann rief er " Ab nach Hause,ihr könnt gehen !". Ohne irgendeine Erklärung.Wir sind gegangen und nächsten Tag früh nach Hause gefahren. Ab,weg aus Berlin,zurück nach Dresden.Richtig freuen konnten wir uns aber nicht.Die Sache hätte auch anders ausgehen können.Immer wenn ich zu Fußballspielen im Friedrich Ludwig Jahn-Sportpark oder im Stadion der Weltjugend war sind die Errinnerungen wieder wach geworden.So viel dazu,das man eine reelle Chance gehabt hätte,die DDR-Grenze zu überwinden.
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Re: Mauerbau - am 13. August 1961

Post 24 im Thema

Beitrag von conny »

Wie schnell man mit dem DDR-Staatsapparat in Konflikt kommen konnte hat man ja sehr oft gehört. Diejenigen, die heute behaupten, dass man nicht alles sagen darf, wissen nicht, welchen Unfug sie reden.
Die Reaktionen hier betreffen aber Deinen Beitrag zu den Ausreiseanträgen, die eben nicht so einfach dazu führten, dass man irgendwann die DDR als Alternative zur Flucht ohne Probleme verlassen konnte.
Bei denjenigen die die Flucht versucht haben, war offenbar der Leidensdruck in dem restriktiven Leben zu groß.
Die Alternative: Knast.
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Re: Mauerbau - am 13. August 1961

Post 25 im Thema

Beitrag von Violetta Arden »

Wenn ich von hier aus nach Deutschland schaue, ist die Mauer zwar physisch weg....aber irgendwie scheint sie immer noch da zu sein. Und die Begriffe Ossis und Wessis werden ja auch immer noch angewendet....
Aber zumindest kann man sich frei bewegen....
Und es ist wieder eine Erinnerung daran, Politikerworte nicht für bare Münze zu nehmen......es hat niemand die Absicht, eine Mauer zu bauen..../ich gebe mein Ehrenwort...... usw.
Ein Datum als Mahnmal.
Violetta
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Re: Mauerbau - am 13. August 1961

Post 26 im Thema

Beitrag von Juliane »

Hier mein erster Kontakt zu den Grenzern an der innerdeutschen Grenze.

Meine Familie stammt komplett aus Norddeutschland. Wir hatten deswegen keine Kontakte in die DDR. Das änderte sich als ich meine Frau kennenlernte, deren Familie durch den Krieg, die Flucht und Vertreibung über ganz Deutschland verteilt war. Auch deswegen haben dann wir, zahlreiche Pakete hin und her geschickt. Nach der Grenzöffnung besuchte uns die Cousine meiner Frau mit Familie noch Ende November erstmalig.

Und über Ostern 1990 waren wir dann zu Besuch bei ihnen auf Usedom. Fast 8 Stunden Fahrt von Hamburg, denn ich habe mich exakt an die Geschwindigkeitsregeln gehalten. Westmark wollte ich diesem Staat nicht auch noch zahlen. Am Grenzübergang Gudow haben wir dann unsere nagelneuen Reisepässe vorgezeigt, die man damals, zur Einreise in die Noch-DDR brauchte. Der missmutige, dicke, schwitzende Grenzer, in seinem Glaskasten, studierte sie dann ausgiebig und fragte warum wir ganz neue Reisepässe hätten. Was denn mit den bisherigen alten sei.

Meine Antwort war wahrheitsgemäß, dass wir noch nie Reisepässe benötigt hätte. Er fragte zurück ob wir denn niemals in die DDR eingereist seien, was ich verneinte. Gerade konnte ich mir noch auf die Zunge beißen und den Satz: „Wir waren noch nie im Paradies“ verkneifen. Daraufhin telefonierte er kurze Zeit, gab dabei offensichtlich die Daten der Pässe durch und wartete anschließend quälend lange Sekunden. Danach legte er sie auf das Laufband und meinte, dass wir denn ja gewissermaßen „Einstand“ bezahlen müssten.

Einen Moment lang war ich sprachlos ob dieser Frechheit, Schmiergeld in Westwährung zu erbetteln. Dann reichte ich einen 5-Markschein rüber und konnte vorfahren an den nächsten Glaskasten, wo uns die Pässe, mit den Wünschen für einen schönen Urlaub, zurückgegeben wurden. Ich bat meine Frau dann den Namen dieses Grenzers zu notieren. Wenn ich den nach einer eventuellen Wiedervereinigung noch einmal treffen würde, wollte ich mir die 5 Mark wiederholen.
Habe ich aber nicht! Den Zettel haben wir bei der Ausreise nämlich weggeworfen, denn der dortige Grenzer ließ uns, ohne Kontrolle und Durchsuchung, nach Lübeck-Schlutup ausreisen. Und dass, obwohl wir eine ganze Handvoll Bernstein rausgeschmuggelt haben.
Aber bei jeder der zahlreichen Passagen der ehemaligen Grenze nach Mecklenburg-Vorpommern, wird diese Erinnerung an die Schikane an der ehemaligen Grenze wieder wach.
LG Juliane
Die mich kennen mögen mich. Die mich nicht mögen können mich. Frei nach Konrad Adenauer
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Re: Mauerbau - am 13. August 1961

Post 27 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Liebe Juliane,

Du weißt, dass ich an jener Grenze zu Schleswig-Holstein meinen Wehrdienst habe leisten müssen. Wir uns quasi bewaffnet gegenüber standen. Heute schreiben wir uns. Und ich durfte Dich persönlich in Hamburg kennen lernen.

Damals, als Du in den Osten fährst, ist die Mauer schon zerbröckelt. Und mit der Ostmark war zu der Zeit kein Blumentopf zu gewinnen. Und es sollten doch blühende Landschaften entstehen. Sehe es mal als Aufbauhilfe, ha ha.

Im Ernst, vor dem Mauerfall hätte der Grenzer massive Probleme für sein Handeln bekommen können. Und was noch schlimmer wäre, sogar für Dich und Deine liebe Frau. Hinter allem wurde ganz schnell Spionage, Kontaktaufnahme mit dem Klassenfeind vermutet. Gut, dass diese Zeiten der Vergangenheit angehören.

Viele liebe Grüße von Magdalena
Lebe jeden Tag.
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Re: Mauerbau - am 13. August 1961

Post 28 im Thema

Beitrag von Lina »

missy hat geschrieben: Mi 13. Aug 2025, 11:06 ... und leider gibt es die Politiker-Lügereien in mindestens dem Umfang wie früher.
Ist das wichtig?

Oder ist es wichtig, dass jeder die Möglichkeit hat, so was anzusprechen, wenn es passiert?
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