Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15
Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15 - # 3

Lavendellöwin
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Re: Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15

Post 31 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Natalie_cross hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 00:49 alias Marco

Hey..

ich schreib dir jetzt ganz offen, wie dein Text auf mich wirkt..

zum einen gab es den copy / paste schon x mal - aber dadurch wird er nicht insgesamt richtig.
Er wirkt sogar ziemlich uninformiert...wirklich "eigene" Meinung oder Theorien sehe ich da nicht

und zum anderen tust du dann das:
Deine Argumentation im Text verschiebt die Verantwortung für gesellschaftliche Spannungen und Gewalt auf die Sichtbarkeit und Ausdrucksformen queerer Menschen.
Das ist weder sachlich noch gerecht. Einzelne Ausreißer rechtfertigen keine pauschale Ablehnung oder Einschränkung von Rechten.
Sprache, Symbole und Sichtbarkeit sind wichtige Werkzeuge für Gleichberechtigung – und sollten nicht als „Trigger“ für Intoleranz missverstanden werden.
Wer für mehr Akzeptanz eintritt, sollte sich für Dialog, Aufklärung und Empathie einsetzen – nicht für Rückzug oder Anpassung an Vorurteile.

Und was mich am MEISTEN stört: weder schwul, lesbisch, bi, pan, trans* oder inter* und nicht-binär sind irgendwie ungewöhnlich.
Also nicht ungewöhnlicher wie eine Person die Zwerghühner züchtet (das machen mehrere tausend Menschen, sind die deshalb eine Randgruppe?)
oder die Wohnung mit allen möglichen Devotionalien dekoriert.
Ich halte mich nicht für besonders, wirkt vielleicht beim ersten Eindruck so, meist werd ich nicht mal nach meiner "Besonderheit"
gefragt. Ich bin einfach, nicht mehr und nicht weniger-und wenn ich ob meiner blossen Existenz Freiwild für Gewaltangriffe werden soll,
hört tatsächlich der Spass auf. Vielleicht sollte sich die Person die grade den Job verloren hat und deshalb nicht gut aufgelegt ist,
die Energie in eine andere Richtung lenken oder sich fragen ob der Jobverlust nicht ganz generell an ihrem Verhalten oder Können liegt..

Jedenfalls sind deine Aussagen doch sehr..wie war das "stino"...(auch eine Zuweisung einer Gruppe an die andere und deshalb - Mist!)

Kopfschüttelnd Marie (flo)
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Re: Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15

Post 32 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Puh...mittlerweile hab ich hier Informationen über Menschen bekommen die ich vielleicht gar nicht wissen wollte. (Ok was scroll ich auch nicht weiter...😁) Denn, was gehen mich denn die sexuellen Präferenzen anderer Leute an? Ich dränge meine doch auch nicht anderen auf. Und ob Menschen sich an Bondage, Peitschen oder beim Petplay usw. laben...who cares? Das wird ja auch niemandem verboten. Und da Geschmäcker verschieden sind reicht es doch vollkommen aus wenn man es betreiben kann ohne das sofort die Sittenpolizei vor der Tür steht. All diese Gesetze wurden im Laufe der Zeit doch abgeschafft. Zu tun gibt's immer was, aber niemand kann verlangen das jemand etwas gut finden MUSS. Der kleinste Nenner Akzeptanz sollte doch reichen. Und daher sehe ich das Zurschaustellen dieser sexuellen Präferenzen auch kritisch. Ich seh schon kommen das irgendwann noch die Natursekt- und Kaviar-Liebhaber auch zu ihrem Recht kommen möchten. Nur dann ist spätestens alles zu spät. 😔
Ich unterscheide auch zwischen Identität, schwul-lesbisch-trans- inter... usf. und Sexualität. Und die ist so privat wie Religion.
Da kommen mir gleich wieder diese unseligen Geschichten von irgendwelchen Typen in den Sinn die einem ihre Eskapaden aufdrängten, quasi geistigen Hausfriedensbruch betrieben.

LG Heike
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Re: Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15

Post 33 im Thema

Beitrag von Natalie_cross »

Lavendellöwin hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 16:41
Manche Leute wollen scheinbar meine Argumente missverstehen. 🤷‍♂️

Wenn man etwas erzwingt (wie zum Beispiel mit dem Gender Unsinn) kann das übel nach hinten los gehen.
Lies mein Statement nochmal ohne die ideologische Krawatte - vielleicht verstehst du was ich meine.

Ich habe weder die Verantwortung auf quer Leute geschoben noch sonst was von dem was du mir vorwirft. Ich habe versucht zu erklären - wie der Mechanismus Zustande kommt und das eine gewisse Penetranz in der Berichterstattung sich eher Gegenteilig auf die Akzeptanz und Toleranz auswirkt (auswirken kann).
Wenn du daraus liest das die Verantwortung dann bei quer Leuten liegt - willst du mich scheinbar missverstehen oder hast das Bedürfnis Zoff zu generieren.

Wenn man im Bestreben Toleranz und Akzeptanz zu erreichen den Menschen (die nun mal in der Mehrheit sind - kann ich leider auch nicht ändern) mit absoluter Penetranz auf die Nerven geht und das immer und immer wieder unter die Nase reibt - ist es nachvollziehbar und eine abwehr Reaktion das dem einen oder anderen unter bestimmten Bedingungen die Sicherung durchbrennt und das an entsprechenden Personen auslässt.
Mehr als mich davon distanzieren kann ich dann auch nicht machen! Wenn du das immer noch falsch verstehen willst - bitte - dein Problem. Genau diese Penetranz und Rücksichtslosigkeit ist das was einigen von den stinos auf drn Keks geht.

Das ist nur ein Beispiel wie die stinos in der Gesellschaft auf zu viel Präsenz reagieren. Das aus "zuviel des guten" auch mal in einer Art Lynch wütigen Mob enden kann - sollte sogar für dich nachvollziehbar sein.

Ausleben ist das eine. Die rechte des einen hören aber da auf wo andere eingeschränkt werden um die einen durchsetzen zu können.

Wenn fu das jetzt immer noch nicht verstehen willst - dein Problem - nicht meins. Ich habe jetzt mehrfach versucht zu erklären - warum die Gewalt gegen quere Leute zunimmt. Das da ist ein grund dafür. Ein anderer ist - und das kannst du natürlich auch gerne wieder falsch verstehen - das bestimmte Migranten mit muslimischen Kultur Hintergrund quer als Frevel ansehen - und diese Fackeln nicht lange...


Die Organisatoren von Queeren Veranstaltungen sind also in beiderlei Hinsicht gut beraten entsprechend mäßigend auf die Teilnehmer ein zu wirken - im eigenen Interesse. Jetzt begriffen? Ich hoffe - weil die Ursachen werden nicht anders oder besser in dem du mich persönlich angreifst anstatt der Ursache ins Gesicht zu sehen.

Auch damit habe ich das weder gut geheißen noch sonst irgendwelche deiner Vorwürfe mir gegenüber umgesetzt.
Genau diese Penetranz meine ich! Man erklärt dir in ruhe wie einem 5 jährigen warum das so sein kann. Anstatt die Ursache zu erkennen - schimpfst du den Boten der dir versucht zu erklären warum das so ist.


Verärgerte Grüße -

Natalie alias Marco
Lavendellöwin
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Re: Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15

Post 34 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Natalie_cross hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 20:18 Genau diese Penetranz meine ich! Man erklärt dir in ruhe wie einem 5 jährigen warum das so sein kann. Anstatt die Ursache zu erkennen - schimpfst du den Boten der dir versucht zu erklären warum das so ist.

Hey..

sei so lieb und reiss dich doch bitte zusammen...

Ich wurde als ich ein Kind war vergewaltigt, später keine Ahnung wie oft in die Genitalien getreten und geschlagen.
Und ich sage dir was, hätte ich zurückgesteckt wäre ich nicht da wo ich jetzt bin. Zurückstecken führt an der Stelle zu nichts,
das sage ich dir aus Erfahrung..und das ist mir passiert, da war alles noch sehr weit weg für Sexualität für mich, alles ganz weit weg von CSDs.
Das war passiert aus dem einzigen Grund, das ich so bin wie ich bin. Weil ich damals so einen alten Sack, der vermutlich heute AfD wählen würde,
gesagt hab, das ich ein Mädchen bin.

Was hätte ich tun sollen, mich in Luft auflösen? Du weisst nicht mal im Ansatz wie mein Leben war und jetzt ist, also hör doch bitte
auf mich mit Dingen belehren zu wollen, die einfach zu nichts führen. Auch dieser sorry Käse mit den muslimischen Menschen, eine gute Freundin von mir
ist Muslima, sie trägt sogar Vollverschleierung und hat das Land verlassen eben wegen deiner genannten wütenden Mobs und der Angst davor..
Hint -> sie ist Deutsche.

und das kann es einfach nicht sein, das zu sagen ist nicht penetrant sondern einfach mein Grundrecht...

abschliessend ich geh nicht mal auf CSDs, ich trage auch nicht die angesprochenen Outfits, aber ich bestehe darauf, das jede Person so sein darf
wie sie ist, ob sie gendert oder nicht, irgendwo den Regenbogen oder eine Prideflagge an sich trägt oder sich grün anstreicht und auf den Händen läuft.

Naja dann, Marie (flo)
Zuletzt geändert von Lavendellöwin am So 6. Jul 2025, 21:49, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15

Post 35 im Thema

Beitrag von Jaddy »

[/quote]
Natalie_cross hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 00:49 Du behauptest zum Beispiel ich würde Gewalt gegen quere Leute "selbst vertreten". Das habe ich weder so gesagt noch so gemeint. Es ist auch kein Widerspruch - Gewalt zu verurteilen (im Sinne von sich distanzieren) aber die Gründe dafür zu verstehen. Nur weil man versteht warum etwas passiert (also die potentiellen Auslöser dafür benennen kann) heißt man das nicht zugleich gut oder "vertritt das selbst" wir du dich so schön ausgedrückt hast.
OK, Missverständnis. Ich meinte nicht, dass du die Gewalt vertrittst, aber eben die Gefühle des "zu viel" teilst und die daraus folgende Reaktanz.

Aus deinen Sätzen geht für mich hervor, dass du ebenso empfindest: "Toleranz erzwungen", "queere Propaganda", "das Gendern" deiner Meinung nach[sic!] übergriffig, übergestülpt, zwangsweise, etc. und auch die Verwendung faktisch unsinniger talking points anti-queerer Kräfte wie "Genderwahn" oder "72 Geschlechter"(1).

Deshalb meine Frage, ob das auch deine eigene Wortwahl wäre. Aus den Formulierungen spricht für mich, dass du die Ansichten nicht nur rein intellektuell nachvollziehst, sondern auch in größerem Masse teilst, wenn auch nicht die Angriffe.
Natalie_cross hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 00:49 Was "mir persönlich" zu viel wird - ist nicht teil der Debatte. Das stellt also nicht meine persönliche Sicht direkt da - sondern so wie es ein großer Teil der stinos da draußen empfindet - der eine mehr der andere weniger.

Ich habe versucht das Empfinden der "stinos" da draußen in verständliche Worte zu fassen. Das da natürlich ein breites Spektrum bei ist von "mir egal schon wieder was über quer" bis hin zum tobsuchts Anfall wenn ein quer Thema zur Sprache kommt - weiß ich wohl. Gewaltakte werden wohl eher in der Gruppe der tobsuchts Anfälle zu suchen sein.
Jeder hat so seine "Schwelle" bis dem der Kragen platzt.
Hier sehe ich eine ziemliche Projektion einerseits, denn es erscheint zwar plausibel, aber echte Erkenntnis ist das nicht. Wie groß irgendwelche Zahlenverhältnisse sind, wer mit welchen Fragen in welcher Klientel welche Ergebnisse erzeugt und dann medial präsentiert, ist sehr sehr offen.

Selbst der Mechanismus an sich ist fraglich. Schliesslich setzen solche Themen in der Berdürfnispyramide sehr weit oben an. Heisst: Wenn ich sonst nichts zu meckern finde, mir nichts besseres vorstellen kann und mich an die eigentlichen Themen nicht rantraue, gehe ich halt gegen Menschen, die anders sind als ich und die ich als schwächer einschätze. Weshalb sich also Menschen über Sternchen oder Regenbögen aufregen, statt über Mieten, Jobs, Energiepreise oder soziale Ungerechtigkeiten, wäre deshalb noch ein ausführliches Forschungsthema.

Dein Ansatz ist also erstmal reine Behauptung, so wie ich das sehe. Scheinbar plausibel, sicherlich popu..-äh-lär, aber eben unbelegt.

Der wesentliche Punkt aber, den du nicht beantwortest (meine dritte Frage), ist die Legitimität. Auf der einen Seite sind die Grundrechte jedes Menschen, auch queerer. Das heisst auch sichtbare Existenz, gleichberechtigte Teilhabe, Diskriminierungsverbot usw. Da sind wir uns hoffentlich einig.

Das heisst aber auch, dass jede Einschränkung eben dieser Rechte entweder verdammt gute und (rechtlich) tragfähige Gründe braucht, im Sinne einer Rechtsgüterabwägung, oder aber die Grundrechte von Menschen verletzt. Ja, in der Liga spielen wir bei solchen Themen. Auf einer Höhe mit Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Behindertenfeindlichkeit, usw.

Also welche deiner Grundrechte verletzen Regenbögen oder Sternchen deiner Meinung nach? Oder fallen die nicht eher unter die gleiche Kategorie wie Kirchengeläut, Schützenfeste, Kindergeschrei oder Karnevalsumzüge, die zwar lästig sind, aber eben zu erdulden sind, weil andere Menschen auch ihre Rechte auf Entfaltung haben.

Also kurz gesagt: Deine Meinung ist dir ja unbenommen. Sobald diese aber in Aktivität zur Beschneidung der Rechte anderer umschlägt, ist die Grenze der Legitimität überschritten, und ziemlich wahrscheinlich auch die der Legalität.

Ich mache das mal am Beispiel Sprache deutlich. Ich spreche übrigens ständig mit Glottisschlag oder -y nach Phettberg/Kronschläger und die meisten in meiner Umgebung tun es auch.

Ich bin nichtbinär. Weder Herr noch Frau, kein der/die/das, kein sie/er/es. Nicht seit neulich oder als Phase, sondern seit Jahrzehnten. "Sehr geehrte Damen und Herren" und ähnliches beinhaltet mich nicht, sondern schliesst mich sogar explizit aus, weil beide binären Gender als abgeschlossene Aufzählung genannt werden. "Beinhaltet" beinhaltet übrigens einen Glottisschlag, ebenso wie Theater, Spiegelei, usw.

Nun hat das Verfassungsgericht den Bund (nicht nur) 2017 dazu verdonnert, nichtbinäre Menschen ausdrücklich als gleichberechtigt anzuerkennen. Dabei kommt es ausdrücklich nicht auf irgendwelche Körperlichkeiten an, sondern auf die selbstbestimmte Identität. Das "divers" wurde eingeführt (2018) und ergänzte die Option "ohne Eintrag" (2013). Das Diskriminierungsverbot aufgrund des Geschlechts in Artikel 3(3) GG schützt also auch meine nichtbinäre Existenz. Sag nicht nur ich, dazu gibt es Rechtsgutachten von Verfassungsfachleuten.

Mich nicht mit anzusprechen, auf welche Weise auch immer, ist also keine Petitesse, sondern aktive Ausgrenzung. Gerade wenn Männer und Frauen explizit genannt werden. Für Behörden und überhaupt staatliche Stellen verbietet sich rein binäre Sprache also schon mal komplett, aber im Privatbereich gilt das gleiche. Ich würde mich ja über das Böhmermann'sche Inklusivum freuen ("... und alle dazwischen und ausserhalb"), nehme aber auch den Glottisschlag bzw. Asterisk. Wer das nicht über die Lippen bringt: "Geehrte Anwesende" u.ä. geht natürlich auch.

Warum bin ich da so pingelig? Ich weiss nicht, ob du eine Vorstellung hast, wie sich "explizit nicht mitgedacht" in der Praxis auswirkt. Ich habe mal ein paar ausgewählte Aspekte zusammengeschrieben. Du kannst ja mal gucken, wie viele du für dich abhaken kannst. Bei mir sind es 6 von 31. Bei den 25 anderen ist faktische Diskriminierung aufgrund meines Geschlechts mindestens hochwahrscheinlich. Entsprechende Fälle kommen in der Community laufend vor.

Die explizite Nichtnennung und damit auch Nichtbeachtung bedeutet für mich, ständig vor zwei falschen Türen zu stehen, hinter denen beidesmal Konflikte und potenzielle Gefahr lauert. Der Glottisschlag, der Asterisk oder einfach nur die kleine Mühe, genderneutral zu formulieren ("Anwesende") ist einerseits aktiver Respekt, andererseits Erinnerung, Geschlecht/Gender einfach wegzulassen, wo es keine Rolle spielt. Das würde uns allen das Leben erleichtern. Ich bestehe nicht auf Sternchen. Nur auf Gleichbehandlung statt Ausschluss.

Insofern ändern Sternchen etc für mich sehr viel. Ich bemerke die Mühe, ich fühle mich etwas sicherer und tatsächlich habe ich es in Bereichen leichter, die sich auch sprachlich aktiv bemühen.

Wer sich dem aktiv verweigert, kann eigentlich nur zwei Gründe haben. Entweder mangelnde Aufklärung - die sechs Absätze hier drüber -, oder eine ausdrücklich negative (feindliche) Haltung Menschen wie mir gegenüber (und trans Personen, gender-nonkonformen und sogar Frauen). Alles andere wie "Sprachästhetik" oder so ist vorgeschoben mangels echter Argunente oder der Feigheit, die wahren Gefühle zu nennen. Ebenso mit Regenbögen.

Deshalb kann ich deine Hypothese von "zu viel" zwar rein intellektuell nachspielen, aber nicht als Begründung akzeptieren. Die ganze Denkweise ist schon im Ansatz anti-demokratisch, unanständig und unmenschlich, wie oben begründet.

Aus therapeutischer Sicht fände ich viel spannender, welche inneren Anteile eigentlich wirklich getriggert werden, um solche Ablehnung zu produzieren. Queere Menschen nehmen ja anderen nichts weg. "It's not a cake". Eine gefühlte Beeinträchtigung durch sichtbare queere Menschen sagt also mehr über das Innenleben der getriggerten Person als über reale Verhältnisse.



Zum Thema "zu viel vs weniger":
Natalie_cross hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 00:49 Ich möchte meine Kleider auch mal ausführen können ohne Gefahr zu laufen verprügelt zu werden. Darum appelliere ich speziell an die Organisatoren von quer Veranstaltungen Maß und Weitblick walten zu lassen. Und auch jeder Teilnehmer kann dazu beitragen das die Akzeptanz wächst statt schrumpft..
Zum Beispiel anstelle irgendwelche mit Hunde Maske was darstellen das ein Mindestmaß an Niveau hat. Auf zu deutliche Darstellung von "sexualisierten Dingen" möglichst zu verzichten bzw auch seine Mitstreiter dazu auffordern sich zu mäßigen. Ich hoffe du verstehst was ich meine!
Erstmal: Ich hatte schon viel mit CSD-Orgas zu tun. Es gibt immer Regelungen, was gezeigt werden darf und was nicht. Dass in einem Demo-Zug wie in Köln mit mehreren tausend Demonstrierenden auch mal unerwünschte Extreme dabei sind, die natürlich auf Bildern und Videos landen, selbst wenn sie danach von Ordnungsleuten raus gefischt werden, ist klar.

Andererseits ist ein persönliches Gefühl verletzter Grenzen (innerhalb der Demo-Regeln) vor allem ein sehr guter Grund, sich mit den eigenen Massstäben auseinander zu setzen. Also: Warum triggert mich das, obwohl ich gar nicht gemeint bin? Fühle ich Fremdscham? Fürchte ich, mit diesen Leuten gleichgesetzt zu werden?

Vor allem aber: Mache ich Leute, deren Kink ich nicht nachvollziehen kann, bewusst oder unbewusst für meine Probleme verantwortlich, mich offen zu zeigen, obwohl doch für mich eigentlich die queerfeindlichen Leute hier das Problem sind? Heisst: Die Angreifenden zu entschuldigen, weil sie sich überfordert fühlen könnten, und andere Queers dafür verantwortlich zu machen, wenn du angegriffen wirst, ist schon eine heftige Täter/Opfer Umkehr.

Und drittens hat solches Appeasement noch nie funktioniert. Alle Freiheiten, die wir heute geniessen, wurden durch Aktivismus und "Überforderung" ertrotzt und das ist noch nicht so lange her. §175 galt bis 1994. Legal trans sein gab es erst 50 Jahre nach Hirschfeld wieder, aber dafür Zwangsscheidung, Zwangssterilisation und Zwangs-OPs bis 2009 bzw 2011. Ehe für (fast) alle erst ab 2017; Jahrzehnte lang verzögert wegen "Bacuhgefühl" und religiöser Privilegiendenke. Psychiatrische Zwangsbegutachtung wegen Vornamen und Personenstand, fachlich längst als Unfug nachgewiesen, gab es bis quasi "neulich". Und es fehlt noch sehr viel allein bis zur rechtlichen Gleichstellung. Vom Alltag mal ganz zu schweigen. Es war immer irgendwelchen Leuten "zu viel" und kein "weniger" wird je "wenig genug" für die andere Seite sein.

Mach die Probe bei dir selbst: Wie wenig inklusive Sprache wäre dir "wenig genug"? Wäre das ein Jota mehr als "generisches Maskulin" oder Doppelnennung? Wo käme ich denn vor? Und wie wäre es an anderen Stellen, zum Beispiel bei Anredeauswahl, bei Räumen mit den zwei Türen, bei (Sport)Vereinen usw.? Wo dürfte ich denn unbehelligt von ständiger binärer Vergeschlechtlichung in Wort und Tat teilhaben, dass du dich nicht überfordert fühlst?

Woher nimmt sich eigentlich irgendwer das Recht zu sagen "so wie du bist/aussiehst, gewähre ich dir nicht die gleichen Rechte, wie ich sie mir nehme" oder gar "weil du so bist verpügle ich dich"? Und mit welchem Recht könnte irgendwer sagen "Ja, die Gewalt finde ich zwar nicht gut, aber ich kann es verstehen und entschuldigen. Hätte die Person eben nicht so abweichend von der Norm sein dürfen". Das ist das klassische "hätte sie nicht so einen kurzen Rück getragen".



Zu deinen Behauptungen zur Sprache: Gendergerechte Sprache mit oder ohne Sternchen ändert wie beschrieben eine Menge. Mindestens für mich. Für mein Sicherheitsgefühl und die Akzeptanz meiner Existenz ausserhalb der Binarität. Gleichzeitig auch in den Köpfen der Schreibenden und der Lesenden. 400 Seiten psycholinguistische Studien samt Erörterung und Zusammenfassung stelle ich gerne zur Verfügung. "Zerstört die Sprache" und "Lesbarkeit" ist nachweislich rein subjektiv und rational getestet Unfug. Vorgeschobene Befindlichkeit, um nicht sagen zu müssen "ich will diese Leute gar nicht haben".

Jeder Text kann mehr oder weniger leicht lesbar und verständlich geschrieben werden. Selbst in Leichter Sprache und Einfacher Sprache kann geschlechtergerecht formuliert werden. Mit oder ohne Sternchen. Wer Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache lernt, hat (auch nachweislich) ganz andere Probleme als Sternchen. Artikel und Pronomen für Dinge mal allen voran. Komposita. "Amtsprache". Zu Lesbarkeit, Leseverständnis, schwerer Sprache und Spracherwerb gibt es reichlich Studien. Ergebnis: Sternchen sind das geringste Problem der deutschen Sprache. Tatsächlich hilfreich sind professionelle Überarbeitungen; gerade bei Texten von Behörden, Banken und allem, was mit Fachsprache und Rechtsdingen zu tun hat.

Du magst es übergriffig finden. Ich finde auch manche Sprache und Schreibe schwer erträglich. Verkürzte Grammatik zum Beispiel. Falsch verwendete Artikel. Hingerotztes wie im Rap. Reisserische Hetze wie bei der BILD.

Aber auch übermässig komplizierte, mit überflüssigen, selten benutzten und nur wenigen Menschen bekannten Lehnwörtern durchsetzte Vielwörterbandwurmsatzkonstruktionen, gespickt mit unverständlichen Komposita, sich über halbe Seiten erstreckend, als würde Thomas Mann im Nebenerwerb, sich zwischen drei Absätzen der Buddenbroks noch für drei Groschen als lohnschreibend verdingend, indem er, die Geschäftsbedingungen, das Kleingerdruckte, die rechtlichen Schlingen und Fallstricke der Kontors-Rechtskanzlei aufs Undurchdringlichste zu einem gordischen Knoten aus verschachtelten Nebensätzen und einem Netz aus eingeschobenen Phrasen verwebend, die in solchen Rechtsdingen Unerfahrenen und Ungeübten in einen Abgrund der Paragraphen, Ausschlüsse, Verpflichtungen, Gebühren ziehen und schliesslich dem Wahnsinn überliefern.

Ich habe gerade heute einen zwölfseitigen Brief der Sparkasse an meine Mutter gelesen. Ob mit oder ohne Sternchen ist der einfach vollkommen unbrauchbar.

Dennoch: Ich kann dies schlimm finden, du etwas anderes. Das gibt uns noch lange nicht das Recht, es anderen verbieten zu dürfen oder Menschen deswegen verbal oder physisch zu attackieren. Vielfalt, persönliche Entfaltung, respektiert und nicht diskriminiert zu werden sind Grundvoraussetzungen unserer Gesellschaftsordnung. Ganz platt geasgt: Toleranz ist kein Gnadenakt, sondern Pflicht. Das zu leben erfordert nun mal auch ein gerüttelt Mass an get over it.

Ich muss und will auch nicht überall Sternchen oder ähnliches haben; nur gleichgestellt mit angesprochen werden. Die meisten, und zwar die sinnvollen Handreichungen zum Thema geben haufenweise Tipps, wie das mit möglichst wenig Sternchen geht. Aber wenn es sich nicht vermeiden lässt - oder die Person nicht hinreichend schreib- und textkompetent ist -, ist der Asterisk der Rettungsring. Ich habe hier recht viel Text geschrieben, alles gendergerecht, ohne ein einziges Sternchen.



(1) "Genderwahn" wurde von Rechtsextremen erfunden. Ob unsere Sprachgewohnheit, bei wirklich allem stets Geschlecht zu betonen, nicht der wahre Wahn ist, wäre mehrere Diskussionen wert. Wo du "die 72 Geschlechter" her hast, weiss ich nicht. Es könnte auf die Auswahlliste mit über 60 Optionen bei Facebook-Profilen zurückgehen. Das hatte wohl mehr mit Marketing zu tun, war aber nie irgendeine Forderung der TIN* Community, soweit ich mich auskenne, und reichte auch nie über Facebook hinaus. Wenn Leute das dermassen diskutieren, ist das reine Empöritis. Tatsächlich geht es letztlich nur darum dass Menschen selbst darüber bestimmen, ob sie als Männchen, Weibchen oder weder noch angesprochen und behandelt werden. Und das ist einfach minimaler Respekt - neben den Grund- und Persönlichkeitsrechten.
Zuletzt geändert von Jaddy am Mo 7. Jul 2025, 00:30, insgesamt 1-mal geändert.
Andrea aus Sachsen
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Re: Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15

Post 36 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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Ich gehöre zu denen, die ein gespaltenes Verhältnis zu der ganzen CSD-Bewegung haben. So wie ich es verstehe, soll diese für Akzeptanz von Menschen aus dem LSBTIQ-Spektrum werben. So weit gehe ich hier voll mit.
Ich komme zwar nicht aus der Werbebranche, weiß aber, dass es darauf ankommt, eine Sache oder Menschen, die beworben werden sollen, in einem positiven Licht darzustellen. Dieser Grundsatz wird meines Erachtens hier eklatant verletzt, was zu einer gegenteiligen Wirkung führt. Die meisten Außenstehenden fühlen sich durch die schrillen Outfits und unrealistischen Darstellungen von Lebenssituationen eher abgestoßen. Selbst ich als Betroffene sehe mich dadurch nicht vertreten und gehe nicht zu CSD-Veranstaltungen.
Mir geht in diesem Zusammenhang immer wieder der Gedanke durch den Kopf: „Die Leute sollen von mir aus knallbunte Plakate tragen, sich sonst aber als ganz normale Menschen präsentieren.“ Ob das zu mehr Akzeptanz führen würde?
Vielleicht gibt es ja hier im Forum Expert(inn)en mit anderen Vorschlägen, wie unsere Belange besser rübergebracht werden könnten.
Mein Fazit: Es ist wichtig, die Interessen von LSBTIQ einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen. CSD-Veranstaltungen in ihrer heutigen Form halte ich dafür jedoch nur sehr bedingt bis gar nicht geeignet.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
Jaddy
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Re: Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15

Post 37 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Claudia hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 15:13
Jaddy hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 13:18 Wir demonstrieren auch für unsere Rechte als Teil der queeren Community und Ponyplay ist nicht unser einziges Label.
Sorry, aber das passt für mich nicht zusammen und gehört nach meinem Empfinden auch nicht in die queere community. Ihr lebt Euren Fetisch aus, aber das hat nichts mit queer zu tun.
Hast du mal genau hingeschaut, was auf Pride Parades von Anfang an zu sehen war und ist? Jede Menge Fetisch. Harnesse, Ledermanschetten, Ketten, Peitschen, Bondage, Halsbänder und Leinen, usw. Hankies in allen Farben und auf beiden Seiten. Bären, Femmes, Twinks, Butches, Hunks, alle Varianten der Village People, usw.

Auch wenn sich hetero-Stinos vielleicht über die Dosen Crisco an manchen Gürteln gewundert und die die Poppers-Inhalatoren nicht erkannt haben: Es ging immer darum, das zu zeigen, was an Fetisch normalerweise verborgen aber gleichzeitig Normalität ist. Und Pride statt Scham.

Von Anfang an drehte es sich immer ganz zentral um "normabweichende" Sexualität und Geschlecht. Letztlich wer mit wem als was Sex haben darf und dass sich andere da - "get over it" - raus zu halten haben.

Das ist viel grundsätzlicher und rabiater, als ne Hundemaske oder ein Pferdekopf. Lasst euch doch nicht von Puscheln oder Federboas einlullen.
Claudia hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 15:13 Ihr könnt das gerne tun und Anfeindungen sind nicht zulässig, nur ist das für mich etwas sehr Privates und gehört nicht in die Öffenlichkeit! Meine bondage-fantasien lebte ich immer zu Hause aus, nicht in der Öffentlichkeit.
Das kannst du für dich so halten. Gleichzeitig sind wir uns offenbar einig, das andere das insbesondere im Rahmen der Demo-Regeln anders machen.
Claudia hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 15:13
Jaddy hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 13:18 Wenn du dich aufbrezelst und einen schönen Tag in der Stadt hast, ist das nichts anderes, als wenn ich mit ein paar Leuten Pony-Play mache.
Oh doch, das ist etwas anderes. Gut, ich brezel mich nicht auf, wenn ich in die Stadt gehe, sondern laufe da in Alltgskleidung rum. Aber ich lebe in der Öffentlichkeit meine Identität und präsentiere keinen Fetisch.
Ah. Gedanke Nummer eins: Dürften dann "nur Crossdresser" oder klassische Transvestiten also nicht mit gleichem Recht durch die Stadt laufen? Weil es bei ihnen keine "Identität" ist? Wo ziehst und begründest du die Grenze und was gibt dir das Recht dazu?

Gedanke Nummer zwei: Ein paar Leute spielen irgendwo auf einer Wiese Ball. Mehr nicht, nichts besonderes. Nun ziehen sich die gleichen Leute Hundemasken und Pfotenhandschuhe an, und spielen auf allen Vieren mit dem Ball. Wo ist der fundamentale Unterschied? Gleiches lässt sich mit Rikscha vs Sulky durchspielen. Keine Gewalt, kein Sex, nicht mal inszeniert. Und genauso viel oder wenig "Präsentation" wie eine (erkennbar) crossgedresste oder trans Person - die ja sogar unter viele Menschen geht.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie Menschen quasi in volllkommen andere Denkmuster umschalten, sobald sie irgendetwas mit Sexualität und_oder Geschlecht assoziieren. "Das tut man nicht in der Öffentlichkeit", obwohl es nur um Klamotten geht. Egal ob "Kleidung des anderen Geschlechts", Hundemaske oder Zuggeschirr. Das eigene schamtrainierte Sexualitäts-Hirn fantasiert etwas nicht existentes hinzu und skandalisiert dadurch ein eigentlich völlig unspektakuläres Geschehen.
Martina
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Re: Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15

Post 38 im Thema

Beitrag von Martina »

MelanieD hat geschrieben: Fr 4. Jul 2025, 17:55

Springer gehört halt zu einem signifikanten Teil der Fossil-Industrie. Damit erwarte ich dann auch bei LGBTQ Themen eher fossile Berichterstattung...

LG
Melanie
Hallo Melanie,

gute Besserung dem Husten! 😉 Ich sprach nicht von der Berichterstattung, sondern von den Kommentaren der Leserschaft, die sich mehrheitlich ablehnend äußert - mit wenigen Ausnahmen. Diese Kommentare lassen bei mir den Puls steigen, was ich aber für den Großteil der Berichterstattung nicht an mir feststellen kann. Richtig ist, dass man etwas genauer hinschauen muss, was Fakten und was Meinungen sind; dies sauber zu trennen fällt vielen Redakteuren bedauerlich schwer, und es ist ein themenunabhängiges Phänomen. Was an aktuellen Fakten fossil sein soll, müsste man mir erklären. Und Erwartungen sind dazu erfunden, um enttäuscht zu werden - zu nichts anderem taugen sie nach meiner Erfahrung.

Viele Grüße! 🌹
Martina
Jaddy
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Re: Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15

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Beitrag von Jaddy »

Andrea aus Sachsen hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 22:35 Ich gehöre zu denen, die ein gespaltenes Verhältnis zu der ganzen CSD-Bewegung haben. So wie ich es verstehe, soll diese für Akzeptanz von Menschen aus dem LSBTIQ-Spektrum werben. So weit gehe ich hier voll mit.
Ich komme zwar nicht aus der Werbebranche, weiß aber, dass es darauf ankommt, eine Sache oder Menschen, die beworben werden sollen, in einem positiven Licht darzustellen. Dieser Grundsatz wird meines Erachtens hier eklatant verletzt, was zu einer gegenteiligen Wirkung führt. Die meisten Außenstehenden fühlen sich durch die schrillen Outfits und unrealistischen Darstellungen von Lebenssituationen eher abgestoßen. Selbst ich als Betroffene sehe mich dadurch nicht vertreten und gehe nicht zu CSD-Veranstaltungen.
Mir geht in diesem Zusammenhang immer wieder der Gedanke durch den Kopf: „Die Leute sollen von mir aus knallbunte Plakate tragen, sich sonst aber als ganz normale Menschen präsentieren.“ Ob das zu mehr Akzeptanz führen würde?
Vielleicht gibt es ja hier im Forum Expert(inn)en mit anderen Vorschlägen, wie unsere Belange besser rübergebracht werden könnten.
Mein Fazit: Es ist wichtig, die Interessen von LSBTIQ einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen. CSD-Veranstaltungen in ihrer heutigen Form halte ich dafür jedoch nur sehr bedingt bis gar nicht geeignet.
Ich kann deine Bedenken nachvollziehen. Gleichzeitig...

Die Prides waren von Anfang an nie eine Sache von zaghaften Bitten oder Appeasement. Das wurde Jahrzehnte lang versucht, führt aber nachweislich zu nichts. Es wachsen Generationen um Generationen nach, die die gleichen Anfeindungen bringen wie ihre Großeltern. Gleichzeitig wurden die Bittstellenden von den Machthabenden immer nur weiter vertröstet. Es sei nicht die Zeit, man müsse erst die Leute mitnehmen, usw.

Der Grundgedanke der Pride Demos war deshalb immer radikaler, als sich das heute manche vorstellen bei all der Feierstimmung: "Wir haben die Schnauze voll vom warten und vertrösten. Wir bitten nicht, sondern wir fordern unsere Rechte auf Gleichstellung und Teilhabe, die uns in jeder Hinsicht zustehen. Egal wen wir wie lieben, egal wie wir uns geschlechtlich verorten. Ihr seid diejenigen im Unrecht und wir lassen uns das nicht mehr gefallen."

Ja, zwischendurch dachten viele, dass es jetzt doch mal gut sei mit der Exzentrik und dem Schrillen. Es sei ja nun so viel erreicht und man könnte doch einfach zu Pride als Folklore übergehen. Das kam vor allem von denen, die sich relativ komfortabel unscheinbar in Bürgerlichkeit einrichten können. Wir sehen aber nun, was viele der nicht so privilegierten Queers immer prophezeiht haben: Es ist nicht vorbei. Sämtliche Gleichberechtigung und Toleranz kann sehr schnell wieder abgerissen werden. Die Grenzen wurden nur ein wenig gedehnt.

Wie gesagt wurde kein einziger Fortschritt durch Leisetreterei erreicht. Auch wenn es immer die nervige und unspektakuläre Sacharbeit im Hintergrund brauchte, also die Aufklärenden, die Interessenvertretungen, den Aktivismus in Politik und Zivilgesellschaft hinein. Der wesentliche Impact kam immer durch das Zusammenwirken von "den schrillen und exaltierten" auf der einen Seite und der simplen Gewöhnung durch die "netten Schwulen/Lesben von nebenan" (die möglicherweise im Darkroom die heftigsten Sessions haben).

Das funktioniert in praktisch jedem Bereich so. Ein nicht queeres Beispiel sind Tattoos, PIercings, bunte Haare. Vor 40 Jahren nur bei Punks, Leuten am gesellschaftlichen Rand; undenkbar für Mama und Papa Reihenhaus. Heute reichlich unspektakulär und geradezu hip. Frauen in Hosen, mit Kurzhaarfrisur, usw. Alles erst Skandal, dann Gewöhnung.

Genau so brauchte es sowohl Rosa von Praunheim, Hella von SInnen, Dirk Bach und Olivia Jones, wie Alfred Biolek, Anne Will, Sven Lehmann und Ulrike Folkerts. Oh, und nicht zuletzt Klaus Wowereit und Guido Westerwelle. Leider haben wir sehr wenige als nicht-cis bekannte Personen.

Dass in der breiten Mehrheit Homosexualität praktisch kein Aufregethema mehr ist - es sei denn vielleicht in der eigenen Familie -, liegt genau daran. Trotzdem gibt es immer wieder nicht nur physische Gewalt, sondern auch aktivie Diskriminierung in Jobs, Vereinen, Gemeinden, usw.

Fazit: Ohne einen gewissen schrillen Anteil geht es nicht. Sie sind die Scouts und Sensoren für die Lage. Sie dehnen die Grenzen und was ihnen passiert droht prinzipiell uns allen. Gleichzeitig brauchen wir sichtbare, selbstbewusste queere Normalität. Wie gesagt: Die Firniss der Akzeptanz ist dünn. In Polen, Ungarn, Italien etc - und im Osten - sehen wir das, und auch in unserer neuen Regierung. Bitten wird nicht helfen. Das hat es nie.

Ich wünschte mir gleichzeitig, dass sehr viel mehr Menschen wie du zu CSDs gehen. Erstens um einen eigenen Eindruck von der Harmlosigkeit der ganzen Sache zu kriegen. Hier wurden Dinge diskutiert, die du wahrscheinlich nie erleben wirst oder die in der Realität viel unspektakulärer sind, als eins sich das von der Beschreibung oder anhand eines Videos vorstellt. Zweitens, um genau die Fraktion zu verstärken, "die knallbunte Plakate tragen, sich sonst aber als ganz normale Menschen präsentieren". Die gibt's da übrigens jede Menge. Die kommen bloss nicht in die Zeitung oder ins Fernsehen.
Jaddy
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Re: Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15

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Beitrag von Jaddy »

Natalie_cross hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 20:18 Ich habe versucht zu erklären - wie der Mechanismus Zustande kommt und das eine gewisse Penetranz in der Berichterstattung sich eher Gegenteilig auf die Akzeptanz und Toleranz auswirkt (auswirken kann).
Wenn du daraus liest das die Verantwortung dann bei quer Leuten liegt - willst du mich scheinbar missverstehen oder hast das Bedürfnis Zoff zu generieren.
Also wenn ich das mal in die Kernaussagen zerlege, dann bin ich rein semantisch schon etwas irritiert. Korrigiere mich gerne, falls ich was missverstehe, aber ich lese da:

1. "eine gewisse Penetranz in der Berichterstattung [über queere Belange] wirkt möglicherweise [negativ] auf Akzeptanz und Toleranz"
2. Das ist ein Mechanismus - also sinnbildlich quasi "technisch bedingt", richtig?
3. "Die Verantwortung dafür liegt nicht bei den queeren Menschen"

Hm, bei wem denn dann? Bei jenen, die berichten? Oder bei jenen, die das als [zu] penetrant empfinden?
Warum diskutieren wir hier über queere Selbstverzwergung und Besänftigungstaktik, wenn wir nichts dafür können?
Was bedeutet Penetranz genau? Überproportionale Häufigkeit? Aufforderung zur "Queerwerdung"?
Ist dieser Mechanismus irgendwie naturgesetzlich zwangsläufig?
Ist er überhaupt nachgewiesen? Was sind seine Parameter?

Mal im Ernst. Queere Themen, queere Realitäten, queere Leute sind in bundesdeutschen Medien ebenso unter- und fehlrepräsentiert wie Menschen mit Migrations- und_oder Fluchtgeschichte, Schwarze, Farbige, Behinderte, Arme, Alte, nichtchristliche und nichtgläubige usw. Das ist real und verifiziert. Sowohl im fiktionalen Bereich (Figuren, Themen), wie als reale Personen (Moderation, Kunst, Musik, Schauspiel). Bei Frauen sieht es nur in wenigen Bereichen besser aus. Das einzige wirklich zigfach überrepräsentierte Thema sind Mord, Totschlag und andere Verbrechen.

Kurz: Zu wenig und zu falsch. Die deutschen Medien sind überproportional weiss, deutsch, autochton, männlich, cis, hetero, binär, "ablebodied", jünger und finanziell besser gestellt im Vergleich zur realen Bevölkerung. Wenn dir das anders vorkommt, ist das deine ganz eigene Interpretation, aber nicht die Wirklichkeit draussen.
Natalie_cross hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 20:18Wenn man etwas erzwingt (wie zum Beispiel mit dem Gender Unsinn) kann das übel nach hinten los gehen.
Okay, mal Butter bei die Fische: Wer ist man und was tut es? Wer zwingt dich zu was? Du darfst sicher schreiben und reden, wie du magst. OK, in manchen Jobs werden für offizielle Kommunikation bestimmte Sprachregelungen vorgeschrieben. Betrifft dich das? Belastet dich das? Wirst du in deinem beruflichen oder sonstigen Umfeld gezwungen, mit Glottisschlag oder ähnlich genderneutral oder -inklusiv zu reden? Musst du viele Sternchen schreiben?


Weisst du, ich habe den Eindruck, dass du eigentlich einfach sehr frustriert bist. Keine Ahnung wovon, aber Sternchen und Regenbögen werden kaum die tatsächliche Ursache sein. Also versteige dich doch nicht in diese pseudo-rationale Argumentation, die stets im vagen und ungefähren bleibt mit "man" und einer angeblichen (schweigenen) Mehrheit, die von zu viel Vielfalt quasi zwangsläufig aggressiv wird.

Ich könnte mehr damit anfangen, wenn du deine eigene Gefühlslage darlegen würdest. Ohne Referenz auf diese oder jene andere, die schuld sind oder offenbar nur Spiegel deines eigenen Innenlebens. Ich könnte bestens damit umgehen, wenn du von deiner gefühlten Überforderung schreiben würdest. Selbst wenn es Sternchen und Regenbögen sind. Weil es eigentlich nicht die Sternchen und Regenbögen sind. Ich habe eigentlich keine Lust, deine - sorry - sehr schwache Argumentation zu zerlegen. Das ist sowohl fachlich als auch rhetorisch viel zu einfach, aber führt zu nichts ausser noch mehr Frust.

Also Angebot: Schreib' um was es wirklich bei dir geht. Hier im Offenen oder privat.
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Re: Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15

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Beitrag von Rusza »

Andrea aus Sachsen hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 22:35 Die meisten Außenstehenden fühlen sich durch die schrillen Outfits und unrealistischen Darstellungen von Lebenssituationen eher abgestoßen.
Der Meinung bin ich auch.Deswegen gehe ich auch nur so angezogen,wie die meisten Frauen in meinem Alter, auf die Straße oder zu Veranstaltungen, aber immer unauffällig und trotzdem modisch.Damit bin ich viele Jahre lang gut gefahren.Auf keinen Fall möchte ich provozieren oder mich als Selbstdarstellerin präsentieren.
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Re: Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15

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Beitrag von Claudia »

Jaddy hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 22:56 Hast du mal genau hingeschaut, was auf Pride Parades von Anfang an zu sehen war und ist? Jede Menge Fetisch. Harnesse, Ledermanschetten, Ketten, Peitschen, Bondage, Halsbänder und Leinen, usw. Hankies in allen Farben und auf beiden Seiten.
Dann macht dazu Eure eigene Fetisch-Demo. Nur hat das nichts mit queer zu tun. Und der CSD ist nunmal eine queere Demo. Und für mich wird damit der CSD irgendwie missbraucht. Und damit wird das eigentliche Anliegen der queeren-community kaputt gemacht.

Jaddy hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 22:56
Claudia hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 15:13
Jaddy hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 13:18 Wenn du dich aufbrezelst und einen schönen Tag in der Stadt hast, ist das nichts anderes, als wenn ich mit ein paar Leuten Pony-Play mache.
Oh doch, das ist etwas anderes. Gut, ich brezel mich nicht auf, wenn ich in die Stadt gehe, sondern laufe da in Alltgskleidung rum. Aber ich lebe in der Öffentlichkeit meine Identität und präsentiere keinen Fetisch.
Ah. Gedanke Nummer eins: Dürften dann "nur Crossdresser" oder klassische Transvestiten also nicht mit gleichem Recht durch die Stadt laufen? Weil es bei ihnen keine "Identität" ist? Wo ziehst und begründest du die Grenze und was gibt dir das Recht dazu?
Bei diesen "nur Crossdressern" geht es auch um die Identität. Sie ist nicht so dauerhaft und ausgeprägt wie bei trans-Personen. Und wenn diese unterschwellige zweite Identität besonders stark wird, dann will/soll sie auch ausgelebt werden. Lies hier doch mal die Berichte der "CDs", wann und warum sie sich dann gedrängt fühlen nach draußen zu gehen.

Jaddy hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 22:56 Gedanke Nummer zwei: Ein paar Leute spielen irgendwo auf einer Wiese Ball. Mehr nicht, nichts besonderes. Nun ziehen sich die gleichen Leute Hundemasken und Pfotenhandschuhe an, und spielen auf allen Vieren mit dem Ball. Wo ist der fundamentale Unterschied? Gleiches lässt sich mit Rikscha vs Sulky durchspielen. Keine Gewalt, kein Sex, nicht mal inszeniert.
Dann sollen sie so spielen, wenn ihnen das Spaß macht, nur... hat das absolut nichts mit dem CSD zu tun.

Ich fasse es nochmal ganz kurz zusammen wie ich den CSD ursprünglich empfinde und wozu er geschaffen wurde.
Es geht dabei ausschließlich um Identität und Orientierung. Alles andere an besonderen Vorlieben gehört dort nicht hin. Dafür müsste eine eigene Demo inszeniert werden.

LG Claudia
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Re: Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15

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Beitrag von Violetta-TransFlower »

Lavendellöwin hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 21:44 Ich wurde als ich ein Kind war vergewaltigt, später keine Ahnung wie oft in die Genitalien getreten und geschlagen.
Meine liebe Marie,

Es tut mir unendlich leid und weh, was ich jetzt hier von Dir gelesen habe. (cry)
Ich bin sprachlos, fassungslos, schockiert und absolut traurig 😢 😭.

Nach einiger Zeit die ich jetzt weinend und schluchzend vor meinem Smartphone saß und keinen klaren Gedanken fassen konnte, kann ich Dir nur mein aufrichtiges Mitgefühl senden und Dich virtuell in den Arm nehmen. (dr)

Fühl Dich gedrückt und ein wenig getröstet
Von
DEINER Violetta 💜💜💜

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🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
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Re: Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15

Post 44 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Claudia hat geschrieben: Mo 7. Jul 2025, 11:02
Jaddy hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 22:56 Hast du mal genau hingeschaut, was auf Pride Parades von Anfang an zu sehen war und ist? Jede Menge Fetisch. Harnesse, Ledermanschetten, Ketten, Peitschen, Bondage, Halsbänder und Leinen, usw. Hankies in allen Farben und auf beiden Seiten.
Dann macht dazu Eure eigene Fetisch-Demo. Nur hat das nichts mit queer zu tun. Und der CSD ist nunmal eine queere Demo. Und für mich wird damit der CSD irgendwie missbraucht. Und damit wird das eigentliche Anliegen der queeren-community kaputt gemacht.
:lol: Du bist echt spassig :) Ich hab dir gerade beschrieben, dass Fetisch in allen Formen schon immer Teil der Prides / CSDs war. Selbst die hetero-dominierten BDSM-Gruppen laufen seit mindestens 30 Jahren auf den Prides mit. Sichtbar, mit eindeutigen SIgnalen. "Ich war dabei, Gandalf".

Hast du vielleicht nicht so mitbekommen, das ist deine Sache. Aber daraus eine sehr putzige Privatdefinition zu machen, die es historisch nie gegeben hat und die wesentliche Teile seit Anbeginn der Prides rausdrängen will ist, nunja, mindestens skurril. Motto: "Ein Geisterfahrer? Hunderte!" :)
Claudia hat geschrieben: Mo 7. Jul 2025, 11:02
Jaddy hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 22:56
Claudia hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 15:13 Oh doch, das ist etwas anderes. Gut, ich brezel mich nicht auf, wenn ich in die Stadt gehe, sondern laufe da in Alltgskleidung rum. Aber ich lebe in der Öffentlichkeit meine Identität und präsentiere keinen Fetisch.
Ah. Gedanke Nummer eins: Dürften dann "nur Crossdresser" oder klassische Transvestiten also nicht mit gleichem Recht durch die Stadt laufen? Weil es bei ihnen keine "Identität" ist? Wo ziehst und begründest du die Grenze und was gibt dir das Recht dazu?
Bei diesen "nur Crossdressern" geht es auch um die Identität. Sie ist nicht so dauerhaft und ausgeprägt wie bei trans-Personen. Und wenn diese unterschwellige zweite Identität besonders stark wird, dann will/soll sie auch ausgelebt werden. Lies hier doch mal die Berichte der "CDs", wann und warum sie sich dann gedrängt fühlen nach draußen zu gehen.
Okay, also Teil-Identität, starkes Bedürfnis, wichtiger Teil der Persönlichkeit, das macht es für dich aus? Und "berechtigt" deiner Meinung nach auch zur Teilnahme an Pride Demos?
Es mag dich überraschen und so wenig nachvollziehbar sein, wie Crossdressing / trans für cis Menschen, jedoch...
Claudia hat geschrieben: Mo 7. Jul 2025, 11:02
Jaddy hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 22:56 Gedanke Nummer zwei: Ein paar Leute spielen irgendwo auf einer Wiese Ball. Mehr nicht, nichts besonderes. Nun ziehen sich die gleichen Leute Hundemasken und Pfotenhandschuhe an, und spielen auf allen Vieren mit dem Ball. Wo ist der fundamentale Unterschied? Gleiches lässt sich mit Rikscha vs Sulky durchspielen. Keine Gewalt, kein Sex, nicht mal inszeniert.
Dann sollen sie so spielen, wenn ihnen das Spaß macht, nur... hat das absolut nichts mit dem CSD zu tun.
... solche Spiele sind gerade für die Wuffels eine dauerhafte, unterschwellige zweite Identität. Für sehr viele Petplay-Leute und für viele andere BDSM-Varianten auch. "Urlaub vom Mensch sein müssen" sagen wir oft. Frag die Wuffels mal, bervor du dein eigenes Kopfkino auf sie projezierst. Frag Nighty, wie wichtig ihm das ist und wie genauso wenig unterdrückbar wie Crossdressing.

Was du wohl eigentlich sagen willst: Ich will die Leute da nicht sehen, weil mir ihre Darstellung peinlich ist. Und dafür blendest du belegbare Herkunft und Geschichte locker aus.
Claudia hat geschrieben: Mo 7. Jul 2025, 11:02 Ich fasse es nochmal ganz kurz zusammen wie ich den CSD ursprünglich empfinde und wozu er geschaffen wurde.
Es geht dabei ausschließlich um Identität und Orientierung. Alles andere an besonderen Vorlieben gehört dort nicht hin. Dafür müsste eine eigene Demo inszeniert werden.
BDSM und Fetisch sind sexuelle Orientierung und für viele auch ein wichtiger (Teil-)Aspekt ihrer Identität. Frag mal in DS-Beziehungen. Frag mal Sissies, wenn dir das thematisch näher liegt.
Es geht nicht nur um wer mit wem, sondern auch ums was. Praktiken waren schon immer Ziel der Unterdrückung von Sexualität. Deshalb wurden sie auch immer schon gezeigt.
Du kannst das gerne anders empfinden, aber die Geschichte der Prides wirst du damit nicht umschreiben.
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Re: Mitreden! Deutschland diskutiert Angriff auf die Vielfalt: Wird "queer" zum Feindbild? 30.6.: 20:15

Post 45 im Thema

Beitrag von Susi T »

Du bist anders, also kann ich mit dir machen was ich will.

NEIN!!! Ich darf sein, du musst mich nicht verstehen, aber respektieren, denn ich bin Mensch und hab die gleichen Rechte.

Darum geht's beim CSD dachte ich, schon komisch was manche für ihre Bubble und sich persönlich herleiten.
Ein "Ich darf sein, aber andere nicht" stand da nie zur Diskussion.

Das was Marie sagt ist kein Einzelerlebniss, das ist ein Basic was viel zu viele von uns erlebt haben und ich wehre mich dagegen das sowas erlaubt und gewollt ist. Aber es war früher so und ist es teilweise immernoch.
Meine geschlechtliche Ausprägung, meine Sexualität und mein Gender geht niemand etwas an, schon garnicht um es zu misbrauchen oder zu seinem Vorteil/meinen Nachteil zu nutzen.
Dafür steht CSD, Protest gegen Ausgrenzung

Ob ich da manche Grenzbereiche mag oder nicht spielt keine Rolle. Steht jeder Gruppe frei ihre eigene Aktion zu starten.
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