Daniela04 hat geschrieben: Fr 28. Mär 2025, 18:14
Deine Geschichte mit Deinem Outing gegenüber Deiner Frau und nun schon auf den Weg in die Transition ist sehr spannend, kannst Du etwas mehr erzählen?
Liebe Daniela - jupp, das kann ich (und sorry fuer die spaete Antwort).
Sich seinem Partner nach so vielen Jahren zu Outen ist ein Problem. Und zwar nicht nur inhaltlich (meine Frau haette sich vermutlich keine T-Frau ausgesucht), sondern insbesondere durch das gestoerte Vertrauen. Es tut schon weh zu lernen, dass der Partner ueber 25 Jahre nicht so offen und ehrlich war, wie erwartet. Ich habe mir grosse Muehe gegeben mir vorzustellen, welche Fragen meine Frau wohl an mich haben wuerde. Und ich habe erst mit ihr gesprochen, nachdem ich diese Fragen mit Klarheit beantworten konnte. So ist dieses Gespraech sehr positiv verlaufen.
In den kommenden Monaten haben wir uns beide langsam an unsere neuen Rollen und Erscheinungsformen gewoehnt. Wir sind in dieser Zeit sehr vorsichtig aufgetreten, damit wir die gegenseitigen Grenzen respektieren, und gemeinsam herausfinden koennen, wie es weitergeht. Insbesondere haben wir den Kreis der Eingeweihten nur sehr langsam erweitert, um sicherzustellen, dass wir mit unserer engsten Familie und unseren besten Freunden kein weiteres Porzellan zerschlagen. Auch diese Phase ist ausserordentlich gut verlaufen. Die allermeisten Menschen haben positiv auf unsere Offenheit reagiert (und die wenigen anderen waren uns nicht so wichtig), und meine Frau hat schrittweise mehr Mut und Zuversicht entwickelt. Es hat sich dann aber gezeigt, dass es sehr anstrengend ist, zwei Persona gleichzeitig zu leben. Und durch die grosser Ueberlappung dieser beiden Lebensformen war es dann schwer der Umwelt zu erklaeren, wann welche Persona erscheint. Mit anderen Worten: die Welt hat sich eine gewisse Einigkeit gewuenscht (und ich mir auch). Dies hat dann die Transition beschleunigt.
Natuerlich gibt es immer wieder Zweifel. In solchen Momenten versuche ich, mich auf die Wahrheit zu konzentrieren. Und fuer mich ist diese Wahrheit, dass ich mich zum ersten Mal in meinem Leben wohl fuehle, wenn ich an einem Spiegel vorbeikomme. Dass ich zum ersten Mal in meinem Leben keine Probleme habe, andere Menschen kennenzulernen und mit ihnen Smalltalk zubetreiben. Und dass ich (seit ich Hormone nehme) zum ersten Mal mit meinen Emotionen im Reinen bin. Fuer mich gibt es deshalb keinen Weg zurueck, sondern nur Vorwaerts. Dazu gehoert dann auch, dass Ausweise und Kreditkarten den neuen Namen tragen und damit dann irgendwann Normalitaet einkehrt.
Liebe Gruesse, Liz