Noch mal schnell rutschen
An der Rutsche ist schon einiges los. Thomas begrüßt uns. "Hallo ihr beiden Meerjungfrauen, wollt ihr mal zeigen, wie es geht", sagt er, "man tut sich doch schwerer als wir dachten." "Ich würde gerne erstmal schauen wollen", sage ich, "wo liegt denn die beste Zeit?" "57 Sekunden mit einem Zweier Schlauchboot", sagt ein Junge, der mit seinem Freund neben uns steht. "Aber mit Paddeln, oder?" frage ich, mit gespielt großen Augen. "Ja klar, wie den sonst?" fragt er frech. "Ohne paddeln, nur mit Schwung", antworte ich grinsend, "los Sandra, auf geht"™s"˜." "Ich dachte schon ich krieg hier gar nichts mehr zu tun", sagt sie auch grinsend. Sie legt das Boot auf Wasser, wir steigen ein und knien uns hin. "Ui, oha", sagt ein Mann der auch daneben steht."Ey, Papa!" rüffelt der eine Jungen von eben, "wenn ich das Mama erzähle." "Echt", sagt Sandra. Thomas und ich grinsen uns an. "Wir wären dann so weit", sagt Sandra. Thomas öffnet den Schieber der Startwanne. Behäbig setzen wir uns in Bewegung, um im nächsten Moment richtig fahrt aufzunehmen. Augenblicklich fängt Sandra an zu kreischen. "Typisch Mädchen", sagt der Junge, " aber die andere kreischt gar nicht." "Die ist auch eine ganz hartgesottene", sagt Thomas, "die bringt so schnell nichts aus der Ruhe." Der Kleine gibt sich erstmal zufrieden mit der Antwort.
Wir sausen unter Sandras Kreischen auf die Rampe zu. Daneben steht die Anzeigetafel, die Kristin gebastelt hat.12,2 Sekunden lese ich da. Da drunter steht noch etwas kleiner die Durchschnittsgeschwindigkeit, 29,5 km/h. Dann ist ja die Endgeschwindigkeit noch etwas höher. Dann sind wir schon über die Rampe. Ich ziehe Sandra leicht nach hinten, damit wir nicht Kopflastig werden. Kurzer Flug, dann setzen wir auf. Wir legen uns leicht nach rechts und ziehen eine leichte Kurve. Mit einem leichten Schwung stoßen wir gegen die Insel und Sandra haut auf den Buzzer. "BÖÖÖÖT!" macht die Hupe. Und Sandra haut nochmal "Böööt!" und nochmal und freut sich diebisch dabei. Jessi, Kristin und Laura sitzen auf der Insel und machen die Jury. "Da hat aber eine Spaß, was? "lacht Laura. "So isse", sage ich lächelnd. "Bööt!" "Bestzeit bisher", sagt Jessi, "25 Sekunden. "Und eine tolle Figur habt ihr auch gemacht", sagt Laura. "Danke!" sage ich. Und Sandra haut nochmal auf den Buzzer: "Bööööt!" Dann paddeln wir mit den Händen direkt zum Ufer zurück, etwas neben der Bahn, die man zur Insel fährt. Damit man dem nächsten nicht in die Quere kommt. Es kommt aber keiner, die sind alle noch am Staunen. Ich nehme das Boot auf die Schulter, die andere Hand nimmt Sandra. Händchen haltend gehen wir hoch. Niklas fotografiert uns. "Klasse ihr beiden", sagt er, " jetzt noch Palmen in das Bild "photoshoppen" und fertig ist die Werbung für den Urlaubskatalog." "Die sind so knuffig hier", sage ich zu einer Frau, die mich staunend anschaut.
Meine Kinder und die Ex sind auch grade angekommen. Die Kiddies tragen schon Badeanzüge. Sie kommen zu mir. Die beiden Jungs stehen auch bei uns. "Das ging auch nur, weil ihr schwerer seid", kritisiert der eine. "Papperlapapp", sagt meine Große und nimmt das Boot. "Komm K. wir zeigen denen mal wie es geht", sagt sie zur Kleinen. Ich wundere mich nur, weil die beiden das zum ersten Mal machen, auf dieser Rutsche, aber sie sind eben so, haben sie wohl von mir. Die Große legt das Boot aufs Wasser und beiden steigen ein. Ich gebe den beiden noch ein paar Tipps, dann sagt die Kleine zu Thomas: " Wir können los!" "Okay!" sagt der und öffnet den Schieber. Langsam setzen sie sich in Bewegung und werden auch gleich schneller. Nur kreischen tun sie nicht, aber sie jubeln laut. "Ja!! Sagt Sandra lächelnd, "das sind deine." Meine Ex steht neben uns und lächelt. " So sind sie eben", sagt sie. Die Mädels rauschen über die Rampe und das nicht grade langsam. Die Tafel zeigt 11,7 Sekunden. "Von wegen bei den Großen ist es nur das Gewicht", sagt Thomas Tochter zu den Jungs, "Mädchen können das eben." "Böööt "¦ böööt "¦ böööt "¦", macht die hupe unten in schneller Reihenfolge. Ich schüttele lachend den Kopf, Jessi und Co. ebenfalls. Und nochmal "Böööt-böööt-böööt!" Die Jungs neben mir schauen etwas pikiert. Jessi sagt den beiden Mädels noch ihre Zeit, dann uns oben über Funk. "22 Sekunden gesamt, da war unserer Rekord aber von kurzer Dauer", sage ich grinsend. Die Mädels sind mittlerweile zurückgepaddelt und kommen hoch. Die Große trägt das Boot. "So geht das", sagt die Kleine dann zu den beiden Jungs. Ein paar andere Kinder rutschen jetzt, auch ein paar Erwachsene. Der Wert der Zeit liegt bei den Meisten zwischen 40 und 50 Sekunden, meisten verfehlen sie das Ziel und müssen zurück paddeln. "Das sollte man erstmal als realistischen Wert annehmen", sage ich zu Jessi über Funk. "Denke ich auch" antwortet sie, "aber die Zeit der Mädels bleibt Referenz."
Zwei junge Männer rutschen jetzt mit einem Doppelreifen. Sie setzen auf dem Wasser auf, das Ding bremst abrupt und beide legen einen guten Stunt beim unfreiwilligen Absteigen hin. Riesen Gejohle bei den Zuschauern. Jetzt rutschen dann doch ein paar mehr Leute, es bildet sich sogar eine kleine Schlange. Die beiden Jungs von eben kriegen dann auch bessere Zeiten hin, weil meine Kleine ein paar Tipps gegeben hat. Ich stehe bei Thomas und gebe den Rutschenden auch ein paar Hinweise. Jetzt steht Sandra in der Reihe. Sie hat das Kamel dabei und grinst mich an. Dann ist sie dran, sie legt das Kamel aufs Wasser und setzt sich drauf. Obwohl sie das diesmal nicht übertrieben erotisch macht, sieht es toll aus. Der eine Junge von eben rüffelt wieder seinen Vater. "Ey Papa!" sagt er. Wahrscheinlich konnte "Papi" sein Staunen nicht verbergen. "Das sag ich Mama", sagt er noch energisch. Sandra rauscht jetzt los. Dieses Mal kreischt sie nicht, sondern jubelt, wie meine Tochter vorhin. "Hat sie sich bei uns abgeguckt", sagte meine Kleine. Viele der anwesenden Männer schauen ihr hinterher. "Die ist schon cool", sagt meine Ex, die neben mir steht. Ich drehe mich zum ihr hin und staune , sie trägt einen Badeanzug und hat das zweier Schlauchboot an der Hand. "Meine Güte, ich habe dich aber lange nicht mehr im Badeanzug gesehen!" staune ich. Sie lächelt mich nur an. Sandra ist mittlerweile unten angekommen, wie man unschwer am mehrmaligen "Böööt" hören kann. Meine Große hat eine dicke Luftmatratze ins Becken gelegt und legt sich drauf. Da Thomas mit seinen Kindern auch rutschen will, betätige ich eine Weile den Auslöser. Jetzt lasse ich meine Große los. "Juhu, ja-ha!" jubelt sie. Sie kommt unten an, setzt auf und zieht gleich leicht nach rechts. Sie kommt an der Insel an und haut auf den Taster. Die Anzeigetafel unten sieht man hier oben auch. Die Zeit blinkt und drunter steht "Bestzeit". Auf der Insel sehe ich Kristin lächeln. Ich frage sie mal, wenn ich zu Ihr hinkomme, das nächste Mal Rutschen, wie sie das macht. Die beiden Jungs sind ziemlich neidisch. "Das war doch Glück", sagt der eine. "Hey, nicht meckern, sondern besser machen", sage ich grinsend. Bedröppelt schauen sie mich an. Ich lasse noch ein paar Leute rutschen, dann ist die Große wieder oben.
"Wollen wir mal?" frage ich die Kleine. "Au ja, womit?" fragt sie. "Mit der Lufti von der Großen, ich lege mich drauf und Du setzt dich auf meinen Rücken", antworte ich. "Au ja!" sagt sie begeistert. Antje übernimmt den Start. Ich lege die Lufti aufs Wasser, dann klettert die Kleine auf meinen Rücken. "Ja-ha, cool", sagt sie. "Das wird doch nichts!" lästert einer der Jungs. "Abwarten!" sagt die Große ruhig. "Wir sind so weit", sagt die Kleine zu Antje. "Na dann, gute Reise", wünscht uns Antje lächeln und öffnet den Schieber. "Freie Bahn mit Marzipan" ruft die Kleine, während wir Fahrt aufnehmen, dann rutschen wir auch schon über die Rampe. "Juh-chu-huu-hu", rufen wir beide. Die Kleine hält sich gut fest und im Gegensatz zu Tom neulich bleibt sie auf meinem Rücken sitzen. Wir kommen auch problemlos an der Insel an und die Kleine haut auf den Taster. "Bööt! Bööt! Bööt". "Keine Bestzeit, aber eine tolle Figur habt ihr gemacht", sagt Jessi. Ich will uns grade rüber paddeln, da sagt die Kleine: "Frau Papi, guck mal zur Rutsche!" Noch so eine dicke Lufti kommt da angerauscht. Drauf liegt Sandra und auf ihren Rücken sitzt meine Noch-Gattin. "Na sowas!" staune ich kurz, und schon sind sie bei uns. "Bööt! Bööt! Bööt" macht die Hupe, weil die Gattin draufhaut. Na, Stefanie?" sagt Sandra frech. "Ihr werdet auch noch mal ein Paar", sage ich grinsend. Die beiden schütten sich aus vor Lachen. Zusammen gehen wir alle hoch. Meine Gattin steht mit den Töchtern zusammen, Sandra und ich etwas abseits. Ich nutze das und sage leise Sandra: " Ich staune grade, wie gut ihr miteinander klarkommst, kenne ich von ihr so gar nicht." "Ich erkläre es dir gerne mal ein anderes Mal" sagt Sandra, " wenn wir mehr Zeit haben und alleine sind." "OK, machen wir so", sage ich. Wir gehen wieder näher zur Rutsche.
"Mama, Mama!" rufen die beiden Jungs von eben aufgeregt, "Papa hat eben "¦ ." Offenbar ist die Mutter der beiden grade angekommen und die Jungs verpetzen ihren Vater. Ich denke mir, ich gehe da mal hin und beschwichtige, zumal die Dame etwas angesäuert aussieht. Meine Große kommt mir aber zuvor, geht hin und sagt zu den Jungs: "So petzen aber nur doofe Mädchen." Die Jungs und die Mutter schauen ihr jetzt etwas sparsam hinterher, während meine Gattin, Sandra und ich uns das Lachen schwer verkneifen müssen. Ich gehe trotzdem zu der Dame. "Entschuldigen Sie, wenn ich mich einmische, aber ich finde das etwas übertrieben, was ihre Jungs da sagen", sage ich, "es war definitiv nicht so. Das man hier den Leuten hinterer schaut und sie teilweise bewundert, ist doch völlig normal, machen wir Mädels doch auch." Ich bin kurz abgelenkt, weil sich grade zwei junge Männer auf der Rutsche bereit machen. Die beiden haben so was von durchtrainierte Körper, dass sogar ich kurz abgelenkt bin. "Boah!" staune ich noch, während die beiden losrutschen. Dann widme ich mich wieder der Dame. "Wir wurden auch gar nicht von ihrem Mann angesprochen", sage ich und setze noch obendrauf, " das man mal einer Frau hinterherschaut, kenne ich allzu gut; als ich noch auf der anderen Seite stand." Jetzt entgleisen der Dame ein paar Gesichtszüge. Ich wünsche noch einen schönen Tag und gehe wieder zu Sandra. Die hat meinen Monolog mitbekommen und grinst sich einen. "Sehr schön, Stefanie", sagt Sandra und küsst mich ausgiebig. Das ist jetzt wohl zu viel für die Dame von eben. "Ich brauch"™ jetzt einen starken Kaffee", sagt die Dame zu ihrer Freundin, die die ganze Zeit neben ihr stand. Die ist allerdings am Grinsen, wohl über die Situation eben. Zusammen gehen sie an uns vorbei. ""˜Tschuldigung, falls Sie zu dem kleinen Kaffeestand gleich hier oben gehen , dann sagen Sie zu dem Herrn, da Kaffee geht auf meine Rechnung", sage ich zu den beiden Frauen. Die Mutter der beiden Jungs schaut mich erstaunt bis ungläubig an. Sie stellen sich auch gleich da an. Als sie dran sind, schaut Enrico (der nette Mensch im Kaffeewagen, alter Kumpel von mir) zu mir. Ich zeige zur Bestätigung den Daumen hoch.
Ich wende mich den beiden Jungs zu. Die sind ein wenig frustriert, weil sie es immer noch nicht hinbekommen, mit einem Rutsch zur Insel zu kommen. Obendrein frotzeln neben meinen Kindern, auch noch ein paar andere. Ich nehme das zwei-Mann Schlauchboot und frage die beiden Jungs: "Wollen wir es mal versuchen? Soll ich mal zeigen wie es geht?" Ich zieh mir noch ein T-Shirt über den Badeanzug, falls der Mutter der Beiden mein Badeanzug sauer aufstößt. Der sitzt im Bereich der Brust etwas knapp. Obendrein ist sie auch grade vom Kaffeeholen zurück und fragt ihren Mann was wir da jetzt machen. Zu meiner Überraschung ist sie jetzt etwas entspannter. Ich lege das Boot ins Becken. "Ich würde sagen, ihr sitzt vorne, du hältst deinen Bruder fest, wenn wir über die Rampe sausen, zieh ich euch leicht nach hinten, OK?" sage ich. "OK!" sagen beide und steigen ein. Ich setze mich dahinter. "Wetten, ihr schafft es trotzdem nicht?" frozelt meine Kleine. Ich grinse sie nur an, während die Jungs sich leise aufregen. "Fertig?" fragt uns Antje. Wir nicken, dann lässt sie uns los. Wir sausen los. An der Rampe ziehe ich sie leicht nach hinten. Hu!" sagt der Große, leicht ängstlich, während der kleinere das ziemlich toll findet. Als wir auf dem Wasser landen, neige ich uns etwas nach rechtes, so dass wir eine Kurve zur Insel ziehen. Problemlos kommen wir an der Insel an und die Jungs hauen begeistert auf den Taster. "24,5 Sekunden", sagt Jessi, "schon gut, aber ausbaufähig." "Und, habt ihr euch gemerkt, wie es geht?" frage ich die beiden. "Ja, glaube schon", sagt der Große. "Dann lass uns mal zurückpaddeln", sage ich. Oben angekommen, stürmen die beiden zu ihrer Mutter. "Mami, Mami, die Frau ist ja total nett, da brauchst Du gar nicht böse auf Papi sein", sagt der kleinere. "Ha! Wer hat es ihm denn eingebrockt?", sage ich halblaut lachend, "Kindermund halt." "Vielen Dank", sagt die Mutter noch zu mir, " auch für den Kaffee." Ich lächele sie nur an und zwinkere mit dem linken Auge. Sandra kommt mir grinsend entgegen. "Naa? Kindermädchen Stefanie?" fragt sie. Auch ihr zwinkere ich zu.
Die Mutter der Jungs fragt mich dann direkt: "Gehören Sie hier zu den Leuten aus der Werkstatt?" "Auch", antworte ich. Bevor ich weiter antworten kann, plappert Antje kichernd rein: "Und unser Maskottchen ist sie!" Danach schüttet sie sich vor Lachen aus. Sandra und ich gackern gleich mit. Ich beruhige mich, dann sage ich noch: "Nebenbei bin ich Verwalterin des gesamten Areals hier." "Okeh!"" sagt die Mutter, "dafür sind sie aber ganz schön locker drauf." "Sind Verwalterinnen sonst ziemlich spaßfrei?" frage ich lächelnd, "aber danke für das Kompliment!" Sie lächelt mich nur an. Ich wende mich wieder Sandra zu und frage: "Wollen wir noch mal rutschen?" "Gerne!" antwortet sie, "ich dachte da an eine Herausforderung, wir versuchen es mit diesem Rhino." Ich glaube eher, das wird für Rhino übel enden, das ist schon ein paarmal geflickt und zwischen Kopf und der großen Rumpfkammer ist die Trennwand kaputt", antworte ich. Sandra grinst nur. Ich vermute ja schon länger, das ihr das gefällt, wenn so eine Lufti undicht wird, wenn man drauf sitzt oder liegt. Also lege ich das Teil ins Becken und setze mich drauf. Sandra setzt sich ganz dicht vor mich. Rhino ächzt jetzt schon unter uns beiden. Ich weiß jetzt nicht, wo ich mich festhalten soll", sagt sie, "ich sitze so halb auf den Griffen." "Mach mal die Beine ein wenig auseinander", sage ich und greife rechtes um ihre Hüfte an die Griffe. Natürlich ziehe ich sie dabei etwas an mich ran. "Jetzt bist Du auch noch ein bisschen zentriert, sage ich grinsend. "Sehr geil!" haucht sie leise. Die Leute oben am Becken schauen uns gebannt an. "Einen Euro für eure Gedanken", sage ich zu ein paar Männern. "Ey, du bist gemein", sagt einer grinsend. "Wir können dann los", sagt Sandra.
Antje bedient grade wieder den Auslöser. "Gute Reise, ihr beiden", sagt sie und lässt uns los. Wir sausen los. Sandra halt ihre Beine auf die vorderen angedeuteten Beine vom Rhino gelegt, ich lasse meine Beine mit auf der Bahn schleifen, damit wir die Spur halten. Das funktioniert so auch ganz gut. Wir kommen unten an der Rampe an. Von Sandra hör ich die ganze Zeit ein "Huh, huh". Ich sehe auf der Anzeigetafel aus den Augenwinkeln unsere Geschwindigkeit, 33km/h steht da. Jetzt sausen wir über die Rampe, heben ab, fliegen ein Stück und setzen dann auf dem Wasser auf. Wir liegen zwar gut, aber für Rhino ist das jetzt zu viel. Mit einem lauten dumpfen Plopp verabschiedet sich irgendwo eine Naht. Schlagartig entweicht die Luft. Mit den Schwung den wir noch haben landen Sandra und ich im Wasser. Wir tauchen gleichzeitig auf und müssen sofort loslachen. Oben sind sie ebenfalls am Johlen. Sandra dreht sich zur Insel und ruft gackernd zu Jessi: "Abbruch!" "Alles klar", kommt von Jessi zurück. "Obwohl, unsere Zeit auf der Rutsche war nicht schlecht", sage ich. Dann nehme ich den platten Rhino ins Schlepptau. Jetzt muss mich Sandra erstmal küssen. "Das war geil, Stefanie", sagt sie genießerisch. "Findeste schon gut sowas?" frage ich. "Ja total", antwortet sie Und hat wieder ein Glitzern in den Augen. Wir kommen am Ufer an. Ich suche noch eben das Leck. Eine Naht zwischen Kopf und Rumpf ist locker 10 cm aufgerissen. "Na ja, die halten sowas nicht aus", sage ich beiläufig. Sandra lacht wieder los. "Du mit deinem trockenen Humor immer", gackert sie. Oben angekommen trocknen wir uns ab. "So langsam muss ich mich bühnentauglich machen", sage ich. "Spielst du heute Abend bei den Bands mit?" fragt mich ein Mann. "Ja tue ich", antworte ich. "Oho", sagt der noch anerkennend. "Bleibst Du noch hier?`" frage ich Sandra. "Ich komme mit, vielleicht kann ich dir beim Makeup helfen", sagt sie. "Oh ja, das wär toll", sage ich. Wir gehen dann hinter der großen Halle lang, so dass wir nicht im Badeanzug über den schon recht vollen Platz müssen. Obendrein spielen abwechselnd schon der Spielmannzug und die Bags and Pipes und exerzieren dabei auf dem Platz. Das kommt auch gut an bei den Leuten, grade auch bei den älteren Herrschaften, die grade Kaffee und Kuchen verspeisen. Sandra und ich gehen durch einen Hintereingang in Werkstattgebäude und dann die hintere Treppe hoch. In den ehemaligen Umkleide- und Waschräumen ist schon was los. Einige der Musiker machen sich auch schon bereit. Von uns sind schon Alex, Carlos und Micha da.
Blutengel - # 26
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Re: Blutengel
Kurz vor dem Auftritt
Da ich noch meinen Badeanzug anhabe, will ich zum Umziehen in eine der Duschkabinen gehen. Nur sind die alle belegt. „Ey was ‘n hier los?“ meckere ich gespielt, „so viele Mädels sind wir doch gar nicht, dass hier alle 10 Kabinen besetzt sind.“ Statt das einer seine Kabine freimacht, hört man nur Gekichere. „Ey, ihr kleinen Badenüttchen, macht eine Kabine frei“, feixe ich weiter. „Oah, Steffi!!“ höre ich Rick. „Natürlich, du mittendrin“, frotzele ich. Sandra steht lachend neben mir und hat ein großes Badehandtuch dabei. Das wickelt sie um meine Hüften. „Astrein, wie früher im Freibad, wenn wir keine Lust hatten, zur Umkleide zu laufen“, frotzele ich weiter. Ich ziehe den Badeanzug von den Schultern und lege natürlich die Brust frei. Verstohlen schauen einige hin, nur Carlos tut sich keinen Zwang an. Mit seinem verschmitzten Grinsen lächelt er mich an. Ich zwinkere zurück. Mit Carlos verstehe ich mich blind, wir brauchen uns nur anschauen. Eine der Duschkabinen geht auf. Tom kommt raus, sieht mich so und bleibt mit offenem Mund stehen. Dahinter steht Antje und lächelt. „Lässt du mich bitte mal raus. Und geh wieder rein, ABKÜHLEN!“ sagt sie. Ich lache laut los. Tom kommt trotzdem raus, weiß aber nicht, wo er hinschauen soll. „Tse, so ein Bikini oder Badeanzug ist doch auch nur ein bisschen Stoff mehr drauf“, sage ich grinsend, „gleich beim Auftritt habe ich auch nicht mehr an.“ Sandra ist derweil dabei mir den Badeanzug untenrum auszuziehen. Dazu taucht sie unter das Badehandtuch. Jetzt geht die nächste Kabine auf. Raus kommt Marie, dahinter gleich Rick. Dem verschlägst gleich den Atem, auch weil Sandra mir mittlerweile den Badeanzug komplett runtergezogen hat und ein: „Boah, was für ein Anblick“ loslässt. „Ich glaube das ist nichts für dich“, sagt Marie kichernd zu Rick, „geh‘ lieber nochmal kurz rein.“ Ein riesen Gegröhle im Raum.
„Sagt mal, was habt ihr denn da drinnen gemacht?“ frage ich die beiden Paare, „ich darf mich hier draußen umziehen und verstöre die Anwesenden, während ihr die Duschen blockiert.“ Sandra ist mittlerweile dabei, mir ein Höschen und den Rock anzuziehen. Natürlich kommt sie auch an die Stellen, die richtig kribbeln. Was ich mit rollenden Augen und einem langgezogenen „Mmmh!“ kommentiere. Nebenbei lege ich mir einen halterlosen BH an. Sandra zieht mir das große Badelaken von den Hüften. Ich komplettiere mein Outfit obenrum mit dem schwarzen Top. Sandra kommt mit den Strumpfhosen. Erst ich die ziehe die durchscheinende schwarze an. Zwischendurch geht wieder eine Duschkabine auf. Micha nebst Cordula kommen raus. Ich sage diesmal nichts. Aber Micha rüffelt mich an, wegen meiner leicht obszönen Umkleideaktion und der damit verbundenen Sprüche. Er hat manchmal so etwas “korrekte“ Ansichten. „Hätteste nicht warten können?“ fragt er zu allem Überfluss. Das ich bis eben etwas angepisst war, weil ich nicht in eine Kabine kam, lasse ich jetzt raus. „Ey, in 20 Minuten ist unten Treffen, irgendwie muss ich auch noch fertig werden und ihr vertändelt eure Zeit mit euren Damen in so ‘ner Kabine.“ Da war er wohl nicht drauf vorbereitet, trotzig zieht er Cordula hinter sich her in den nebenan liegenden Übungsraum. Sandra schaut mich erstaunt an. Carlos kommt grinsend zu uns. „Manchmal braucht er so eine Ansage“, sagt er leise zu Sandra und mir, „er ist jetzt ein wenig bockig, aber das gibt sich gleich wieder. Er ist manchmal etwas genau.“ „Ist doch wahr“, maule ich noch leise vor mich hin., „aber das haben sie (die Jungs) im JB über dich auch gesagt.“ „Ach, sieh an“, lacht Carlos, „aber eher aufs musikalische bezogen, da stimmts schon, dass ich etwas genauer bin.“ Sandra fängt an mich zu schminken. Sie legt mir ein Smokey Eye aus verschiedenen Grautönen auf die Augenlider und zieht einen schwarzen Lidstrich auf Ober- und Unterlid. Die Umstehenden staunen. „Uiii, sieht das geil aus“, sagt Gesine, die seit ein paar Minuten im Raum ist, „kriegst Du das bei mir auch noch hin?“ Da Sandra mit meinen Augen durch ist, fängt sie bei Gesine an. Ich ziehe noch die Netzstrumpfhose über die schwarze. „ Ja! Genauso!“ sagt Sandra. „Ich würde bei dir Blautöne nehmen, weil du blaue Augen hast“, sagt Sandra, „ist das OK?“ „Ja, gerne“, sagt Gesine, während ich vorm Spiegel stehe und begutachte, was Sandra da gezaubert hat. „Alter Schwede!“ sage ich. Alle im Raum schauen mich an und lächeln. „Was denn, Stefanie?“ fragt Sandra mit einem leicht süffisanten Unterton, „nicht gut?“ „Doch, doch, total genial!“ antworte ich. „Das ist immer so niedlich, wenn sie sich so selbst bewundert“, sagt Sandra dann noch. „Sie ist ja auch sonst niedlich“, sagt Dennis. „Finde ich auch“, sage ich und versuche das Rot-werden zu überspielen. Klappt nur nicht, weil Sandra es gleich kommentiert. „Zu cool, wie die beiden sich gegenseitig immer hochnehmen“, lacht Gesine.
Ich ziehe jetzt die Schuhe an, die Sandra mir reicht. Samantha kommt rein. Carlos spricht sie gleich an. „Sag mal, das Outfit von Steffi sieht ja wohl heiß aus, oder?“ Samantha schaut mich staunend an, dann schaut sie zu ihrem Carlos. „War klar, dass dir das gefällt“, sagt sie, „aber ja, Steffi kanns tragen.“ Und dann leiser zu Sandra: „Vielleicht kannst Du mich ja auch mal beraten!?“ „Na klar“, antwortet Sandra, „mit deiner Figur brauchst du dich nicht verstecken.“ „Mein Reden“, sagt Carlos. „Hat er wieder mitbekommen“, rüffelt Samantha, der hat seine Ohren überall.“ Carlos grinst nur. „Warum hast Du denn diese Schnürstiefeletten an?“ fragt Körnel grinsend. „ Na das Outfit ist ja schon freizügig“, antworte ich, „wenn ich jetzt noch Stilettos dazu anziehe, ich vermute da zielt deine Frage hin, dann würde ich so langsam nuttig aussehen. Und die Dinger hier sind sau bequem für den langen Abend.“ „OK,“ grinst Körnel. „Ich finde das sieht schon richtig stimmig aus“, sagt Samantha. Cordula kommt rein und plappert gleich los: „Was ist denn noch so passiert, Micha ist etwas angefressen.“ Dann sieht sie mich. „OK, vergesst meine Frage“, sagt sie dann, „boah, zeig mal, Steffi.“ Cordula schaut mich verzückt an. „Um auf Deine Frage zurückzukommen, nichts weiter“ antworte ich. „Hm, er ist ja auch etwas neidisch, weil du mit Carlos so ein tolles Team bist“, sagt sie dann noch. „Ich kam mir auch lange Zeit wie das fünfte Rad an Wagen vor“, sagt Carlos, „das ist anders, seitdem Steffi da ist.“ „Ach so, du bist auch nicht von Anfang in der Gruppe“, sage ich. „Genau“ antwortet Carlos. „Ist er ein bisschen sauer, weil Carlos nicht da im JB war, wo Micha maßgeblich dran beteiligt war mich in die Gruppe zu kriegen und ich häng mich dann zum Dank an Carlos ran“, kommentiere ich feixend, „OK, das kann schon mal zu Missstimmungen führen.“ „Klasse, Steffi“, kommt jetzt aus einer Ecke im Raum. Frank hat sich das ganze angehört und ist ziemlich erheitert. „So isser“, sagt Cordula.
Britta kommt rein. „In sieben Minuten ist unten Ansage“, sagt sie, „ihr müsstet euch dann langsam in Bewegung setzen.“ Dann sieht sie mich. „Ui, Steffi, mein Friedel ist ja sonst ziemlich abgehärtet“, sagt sie, „mal sehen, was er dann sagt, wenn er Dich sieht und die ganze Zeit mit dir so auf der Bühne unterwegs ist. Sieht das gut aus.“ „Danke, ist auch nicht zu übertrieben?“ frage ich. „Nee!“ kommt von Mehreren. Also setzen wir Musiker uns in Bewegung. In der Werkstatt treffe ich Friedel. “Na, hast dich hier umgezogen?“ frage ich. Statt mir gleich zu antworten schaut er mich von oben bis unten an und wieder zurück. In der Werkstatt wird’s ruhig. Nach einiger Zeit sagt Friedel lächelnd: „Ja, genau so hab ich mir das ausgemalt.“ Britta staunt nur. „Da kann doch nix mehr schiefgehen“, sagt er noch und hakt mich unter. Zusammen gehen wir raus. Britta staunt und fragt Sandra: „Ist Steffi eine Zauberin? Was hat sie denn mit Friedel gemacht?“. „Ja, auf ihre spezielle Art und Weise ist sie durchaus eine Zauberin und ich habe sie auch noch nicht ganz kennengelernt“, antwortet Sandra lächelnd. Wir stehen dann mit allen Musikern hinter den beiden mittleren Bühnen. Die jeweiligen Partner*innen sind auch dabei. Grade spielt die Dudelsacktruppe und kommt grade auf der von uns linken Bühne zusammen. Auf der rechten steht der Spielmanns-/Fanfarenzug. Die beiden Gruppen haben sich den ganzen Nachmittag über abgewechselt und haben auch guten Zuspruch erhalten. „Steffi zitterst Du leicht? „fragt mich Friedel leicht besorgt. „Die Aufregung, das geht oben auf der Bühne gleich weg“, antworte ich. „Hm, OK“, sagt er nur und scheint trotzdem beunruhigt.
Jetzt geht Harald, als Chef der Werkstatt und als quasi Hauptorganisator auf die Bühne, Mick ist auch mit dabei. Zusammen begrüßen sie offiziell die Zuschauer und erklären ein paar Hintergründe. Mick stellt dann die vier Bands vor, entsprechend gehen wir auf die Bühne. Ich lasse meinen Blick zur Ablenkung über die Zuschauermenge schweifen. Wer so alles da ist, von Leuten, die ich kenne. Sandra und die jeweiligen Partner*innen der Musiker*innen sammeln sich grade vor der Mitte der beiden Bühnen. Meine Kollegen sehe ich auch weiter hinten stehen. Auch die früheren Kollegen aus dem Werkzeugbau sind da, Torte grüße ich prompt. Meine Eltern, meine Schwestern, sowie Tante und Onkel stehen an einer Bierbude weiter hinten. Hans und Elvira stehen auch da. Auch meine Ex und die Kinder haben sich dort eingefunden. Die Nachbarn sind auch da, sogar die beiden Krankenschwestern sind dabei. Harald und Mick erklären noch die Belegung der Bühnen. Die mittleren Bühnen sind für die 4 Bands. Wenn man von den Zuschauern schaut, sind Band 1 (Micha, Tom mit Colonel , Grufti , Terry , Taste) und wir (Band 3) auf der rechten Bühne, demnach sind Band 2 und Band 4 auf der linken Bühne. Wir verlassen dann fast alle die Bühne und nur Band 1 bleibt gleich oben. Sie nehmen ihre Instrumente und legen gleich los. „With a little help from my Friends“ von den Beatles ist ihr Einsteiger. Das geht auch gleich richtig gut los. Das Publikum macht gleich ordentlich mit.
„Ich wollte mal kurz zu meinen Eltern und Co., mal Hallo sagen“, sage ich zu Sandra. „Ich komme mit“, sagt sie. Händchenhaltend fädeln wir uns zwischen den Zuschauern durch, die grade richtig abgehen. Es dauert allerdings etwas, bis wir durchkommen, weil wir dauernd angemacht werden. Sandra ist schon recht angesäuert. Den nächsten Typ, der uns mit „na ihr beiden süßen“ anspricht, frage ich gleich direkt: „Was los, willst ficken?“ Sandra prustet vor Lachen los. Der Typ schaut mich erstaunt an. Da er nicht reagiert, zieht Sandra mich kichernd weiter. Ich laufe direkt in Tortes Arme. „Jetzt muss ich dich aber mal drücken“, sagt er. „Greif zu“, sage ich grinsend. Tut er dann auch. Tortes Frau steht hinter ihm und schaut etwas missmutig. Ich zwinkere ihr lieb zu. Dann schiebt mich Sandra weg. „Ich bin dran“, sagt sie. Tortes Frau schaut noch etwas aufgeregter. Ich stelle mich neben ihr und nehme sie in den Arm. „Hat er noch nichts erzählt?“ frage ich. „Nee, was denn? Aber du kommst mir irgendwie bekannt vor“, antwortet sie. Also kläre ich sie erstmal auf. „Das ist ja stark“, sagt sie hinterher und dann zu Torte, „das hätteste mir aber ruhig mal erzählen können.“ „Und lass Sandra mal los, wir wollen noch weiter“, frotzele ich. Wir gehen weiter, an den ehemaligen Kollegen vorbei. Wir klatschen dabei ab. Ich sehe Egon mit seiner Freundin Tina, von der er sich grade fast panisch losreißt, weil ich auf ihn zusteuere. „Was hat er denn?“ wundert sie sich. Nachdem ich sie über meine Verwandlung kurz aufgeklärt habe. „Ach so, hat er sich wieder unglücklich verliebt“, grinst sie, „aber Du… Grandios!“ „Danke“, sage ich noch und weiter geht’s .
Jetzt kommen wir auch endlich bei meinen und Sandras Eltern an: Thomas, Sandras älterer Bruder ist mit seiner Frau grade angekommen. Mein Vater schaut mich die ganze Zeit erstaunt an. „Nun schau Dir mal unsere älteste Tochter an“, sagt er dann begeistert zu meiner Mutter. Ich werde auf der Stelle knallerot im Gesicht. „Boah, was ‘ne Ansage! „ sage ich überwältigt. Die umstehenden lächeln. „Hat sie von mir“, haut meine Mutter ganz trocken raus. Meine Mutter ist gute 20 Jahre älter, als ich und sieht noch trotzdem noch gut aus. Da meine Nachbarn auch in der Nähe stehen, stelle ich meine Mutter als meine ältere Schwester vor. Ebi kennt sie allerdings und sagt: „Wenn man es nicht besser weiß, Jaa… .“ Jetzt ist meine Mutter sichtlich gerührt. Sie gibt mir ein Dankeschön-Küsschen hinters Ohr. Die weitere Unterhaltung ist dann auch recht locker und ungezwungen. Meine Nachbarn staunen nur. Jetzt sehe ich auch, dass Jochen da ist, in Begleitung einer Dame, die er vor einiger Zeit mal bei sich vernascht hat. Jochen versucht die ganze Zeit mich vorsichtig anzuschauen. Mal sehen, ob er mich irgendwann mal drauf anspricht. Mein Outfit scheint seine Wirkung nicht zu verfehlen.
Auf den Bühnen findet grade der erste Wechsel statt. Band Nr. 2 mit Frank, Carlos, Dennis, Peter und Katharina legen los. Ihr erstes Stück hat auch mit Freunden zu tun. „Friends will be friends“ von Queen ist deren Einsteiger. „Spitze! Eine Schlagzeugerin!“ freut sich mein Vater, als er Katharina am selbigen sieht, „sieht man aber auch selten.“ „Ich muss dann langsam zurück, wir sind dann dran“, sage ich in die Runde, „kommst Du mit, Sandra?“ „Ich bleibe noch etwas hier, ist grad so lustig“, antwortet sie. „OK“, sage ich und mache mich auf den Weg. Ich komme grade in die Nähe von Torte und den ehemaligen Kollegen. Die Band fängt grade an „Tie your Mother down“ von Queen zu spielen, als ich hinter Egon ankomme. Der ist grade abgelenkt von der Musik. Tina hat mich gesehen, ich lege den Finger auf den Mund. Tina grinst.Peter spielt das Intro, dann fängt Dennis an zu singen. Zeitgleich umarme ich Egon von hinten und singe ebenfalls mit.
„Get your party gown, a-get your pigtail down, a-get your heart beatin′, baby, got my timin' right, I got my act all tight, it′s gotta be tonight, my little school babe… .”
Egon erschreckt sich natürlich, und dann noch ein zweites Mal, als er merkt, wer das hinter ihm ist. Ich halte auch ordentlich fest, weil er schon wieder ausreißen will. „Ich wollte nur mal Hallo sagen“, sage ich erotisch in sein Ohr, „ich bin’s, die Stefanie.“ Tina rollt sich total ab, Egon ist doch etwas wie paralysiert. Ich verabschiede mich nett und lasse ihn los. Nebenbei fällt mein Blick auf Sandra. Sie hat das wohl mitbekommen und lacht herzlich. Ich gehe an Torte vorbei. „Steffi, gib mir Fünf“, sagt er lachend, „eiskalt erwischt.“ Ich komme dann bei meinen Leuten an. Gemeinsam schauen wir Band zwei zu, während die ihre letztes Lied spielen. Langsam finden wir uns vor unserer Bühne ein. Dennis verabschiedet sich vorrübergehend und sagte uns an, wir betreten unsere Bühne. Lukas, der Lebensgefährte von Frank hat sich bereiterklärt, dass er sich um meine Gitarren kümmert, also nachstimmen, evtl. neue Saiten aufziehen, falls mal eine reißen sollte. Nun steht er da und hat eine schwarze Fender Stratocaster mit weißem Schlagbrett in der Hand. Er grinst mich lieb an, während ich mich frage, was jetzt wieder los ist. Ich spreche Lukas auch direkt an: „Ich sollte doch von Alex eine komplett schwarze kriegen.“ „Jetzt hast Du deine Eigene“, grinst Lukas mich an und hängt sie mir um. „Bitte sehr die Dame“, sagt er. Ich bin ja ein wenig überrascht, während meine Bandkollegen einen kleinen Beifall klatschen. Aus den Augenwinkeln sehe ich meinen Vater und Hans, wie sie Sandra auf den Tresen von der Bier Bude setzen. Natürlich schaut sie in meine Richtung und grinst. Ich zeige auf die Gitarre und frage Lukas: „Sandra?“ „Jepp!“ antwortet der lächelnd, „sie meinte die blaue passt nicht ganz zum Outfit.“ „Tse“, sage ich nur und denke mir meinen Teil. 1800:- kostet so ein Teil. Ich weiß, dass sie das gerne für mich tut. Finanziell tut es ihr auch nicht weh, aber es ist trotzdem komisch.
Friedel geht ans Mikro und sagt uns kurz an und auf welche Richtung sich die Leute einstellen müssen. Blues ist jetzt dran. Dann schaut er zu mir: „Steffi, du bist etwas überrascht, willst noch was sagen?“ Ich nicke, schaue zu Sandra und sage ins Mikro: „Sandra, Du Schlingel“, und dann etwas leiser, das man es trotzdem noch hört: „danke schön.“ Etwas Jubel bricht los und ich glühe auf. Zur Ablenkung sagt Friedel: „Fangen wir mit B.B. King an“ und spielt das Intro von „Playing with my Friends“. Fast zeitgleich fangen wir anderen mit an.
Da ich noch meinen Badeanzug anhabe, will ich zum Umziehen in eine der Duschkabinen gehen. Nur sind die alle belegt. „Ey was ‘n hier los?“ meckere ich gespielt, „so viele Mädels sind wir doch gar nicht, dass hier alle 10 Kabinen besetzt sind.“ Statt das einer seine Kabine freimacht, hört man nur Gekichere. „Ey, ihr kleinen Badenüttchen, macht eine Kabine frei“, feixe ich weiter. „Oah, Steffi!!“ höre ich Rick. „Natürlich, du mittendrin“, frotzele ich. Sandra steht lachend neben mir und hat ein großes Badehandtuch dabei. Das wickelt sie um meine Hüften. „Astrein, wie früher im Freibad, wenn wir keine Lust hatten, zur Umkleide zu laufen“, frotzele ich weiter. Ich ziehe den Badeanzug von den Schultern und lege natürlich die Brust frei. Verstohlen schauen einige hin, nur Carlos tut sich keinen Zwang an. Mit seinem verschmitzten Grinsen lächelt er mich an. Ich zwinkere zurück. Mit Carlos verstehe ich mich blind, wir brauchen uns nur anschauen. Eine der Duschkabinen geht auf. Tom kommt raus, sieht mich so und bleibt mit offenem Mund stehen. Dahinter steht Antje und lächelt. „Lässt du mich bitte mal raus. Und geh wieder rein, ABKÜHLEN!“ sagt sie. Ich lache laut los. Tom kommt trotzdem raus, weiß aber nicht, wo er hinschauen soll. „Tse, so ein Bikini oder Badeanzug ist doch auch nur ein bisschen Stoff mehr drauf“, sage ich grinsend, „gleich beim Auftritt habe ich auch nicht mehr an.“ Sandra ist derweil dabei mir den Badeanzug untenrum auszuziehen. Dazu taucht sie unter das Badehandtuch. Jetzt geht die nächste Kabine auf. Raus kommt Marie, dahinter gleich Rick. Dem verschlägst gleich den Atem, auch weil Sandra mir mittlerweile den Badeanzug komplett runtergezogen hat und ein: „Boah, was für ein Anblick“ loslässt. „Ich glaube das ist nichts für dich“, sagt Marie kichernd zu Rick, „geh‘ lieber nochmal kurz rein.“ Ein riesen Gegröhle im Raum.
„Sagt mal, was habt ihr denn da drinnen gemacht?“ frage ich die beiden Paare, „ich darf mich hier draußen umziehen und verstöre die Anwesenden, während ihr die Duschen blockiert.“ Sandra ist mittlerweile dabei, mir ein Höschen und den Rock anzuziehen. Natürlich kommt sie auch an die Stellen, die richtig kribbeln. Was ich mit rollenden Augen und einem langgezogenen „Mmmh!“ kommentiere. Nebenbei lege ich mir einen halterlosen BH an. Sandra zieht mir das große Badelaken von den Hüften. Ich komplettiere mein Outfit obenrum mit dem schwarzen Top. Sandra kommt mit den Strumpfhosen. Erst ich die ziehe die durchscheinende schwarze an. Zwischendurch geht wieder eine Duschkabine auf. Micha nebst Cordula kommen raus. Ich sage diesmal nichts. Aber Micha rüffelt mich an, wegen meiner leicht obszönen Umkleideaktion und der damit verbundenen Sprüche. Er hat manchmal so etwas “korrekte“ Ansichten. „Hätteste nicht warten können?“ fragt er zu allem Überfluss. Das ich bis eben etwas angepisst war, weil ich nicht in eine Kabine kam, lasse ich jetzt raus. „Ey, in 20 Minuten ist unten Treffen, irgendwie muss ich auch noch fertig werden und ihr vertändelt eure Zeit mit euren Damen in so ‘ner Kabine.“ Da war er wohl nicht drauf vorbereitet, trotzig zieht er Cordula hinter sich her in den nebenan liegenden Übungsraum. Sandra schaut mich erstaunt an. Carlos kommt grinsend zu uns. „Manchmal braucht er so eine Ansage“, sagt er leise zu Sandra und mir, „er ist jetzt ein wenig bockig, aber das gibt sich gleich wieder. Er ist manchmal etwas genau.“ „Ist doch wahr“, maule ich noch leise vor mich hin., „aber das haben sie (die Jungs) im JB über dich auch gesagt.“ „Ach, sieh an“, lacht Carlos, „aber eher aufs musikalische bezogen, da stimmts schon, dass ich etwas genauer bin.“ Sandra fängt an mich zu schminken. Sie legt mir ein Smokey Eye aus verschiedenen Grautönen auf die Augenlider und zieht einen schwarzen Lidstrich auf Ober- und Unterlid. Die Umstehenden staunen. „Uiii, sieht das geil aus“, sagt Gesine, die seit ein paar Minuten im Raum ist, „kriegst Du das bei mir auch noch hin?“ Da Sandra mit meinen Augen durch ist, fängt sie bei Gesine an. Ich ziehe noch die Netzstrumpfhose über die schwarze. „ Ja! Genauso!“ sagt Sandra. „Ich würde bei dir Blautöne nehmen, weil du blaue Augen hast“, sagt Sandra, „ist das OK?“ „Ja, gerne“, sagt Gesine, während ich vorm Spiegel stehe und begutachte, was Sandra da gezaubert hat. „Alter Schwede!“ sage ich. Alle im Raum schauen mich an und lächeln. „Was denn, Stefanie?“ fragt Sandra mit einem leicht süffisanten Unterton, „nicht gut?“ „Doch, doch, total genial!“ antworte ich. „Das ist immer so niedlich, wenn sie sich so selbst bewundert“, sagt Sandra dann noch. „Sie ist ja auch sonst niedlich“, sagt Dennis. „Finde ich auch“, sage ich und versuche das Rot-werden zu überspielen. Klappt nur nicht, weil Sandra es gleich kommentiert. „Zu cool, wie die beiden sich gegenseitig immer hochnehmen“, lacht Gesine.
Ich ziehe jetzt die Schuhe an, die Sandra mir reicht. Samantha kommt rein. Carlos spricht sie gleich an. „Sag mal, das Outfit von Steffi sieht ja wohl heiß aus, oder?“ Samantha schaut mich staunend an, dann schaut sie zu ihrem Carlos. „War klar, dass dir das gefällt“, sagt sie, „aber ja, Steffi kanns tragen.“ Und dann leiser zu Sandra: „Vielleicht kannst Du mich ja auch mal beraten!?“ „Na klar“, antwortet Sandra, „mit deiner Figur brauchst du dich nicht verstecken.“ „Mein Reden“, sagt Carlos. „Hat er wieder mitbekommen“, rüffelt Samantha, der hat seine Ohren überall.“ Carlos grinst nur. „Warum hast Du denn diese Schnürstiefeletten an?“ fragt Körnel grinsend. „ Na das Outfit ist ja schon freizügig“, antworte ich, „wenn ich jetzt noch Stilettos dazu anziehe, ich vermute da zielt deine Frage hin, dann würde ich so langsam nuttig aussehen. Und die Dinger hier sind sau bequem für den langen Abend.“ „OK,“ grinst Körnel. „Ich finde das sieht schon richtig stimmig aus“, sagt Samantha. Cordula kommt rein und plappert gleich los: „Was ist denn noch so passiert, Micha ist etwas angefressen.“ Dann sieht sie mich. „OK, vergesst meine Frage“, sagt sie dann, „boah, zeig mal, Steffi.“ Cordula schaut mich verzückt an. „Um auf Deine Frage zurückzukommen, nichts weiter“ antworte ich. „Hm, er ist ja auch etwas neidisch, weil du mit Carlos so ein tolles Team bist“, sagt sie dann noch. „Ich kam mir auch lange Zeit wie das fünfte Rad an Wagen vor“, sagt Carlos, „das ist anders, seitdem Steffi da ist.“ „Ach so, du bist auch nicht von Anfang in der Gruppe“, sage ich. „Genau“ antwortet Carlos. „Ist er ein bisschen sauer, weil Carlos nicht da im JB war, wo Micha maßgeblich dran beteiligt war mich in die Gruppe zu kriegen und ich häng mich dann zum Dank an Carlos ran“, kommentiere ich feixend, „OK, das kann schon mal zu Missstimmungen führen.“ „Klasse, Steffi“, kommt jetzt aus einer Ecke im Raum. Frank hat sich das ganze angehört und ist ziemlich erheitert. „So isser“, sagt Cordula.
Britta kommt rein. „In sieben Minuten ist unten Ansage“, sagt sie, „ihr müsstet euch dann langsam in Bewegung setzen.“ Dann sieht sie mich. „Ui, Steffi, mein Friedel ist ja sonst ziemlich abgehärtet“, sagt sie, „mal sehen, was er dann sagt, wenn er Dich sieht und die ganze Zeit mit dir so auf der Bühne unterwegs ist. Sieht das gut aus.“ „Danke, ist auch nicht zu übertrieben?“ frage ich. „Nee!“ kommt von Mehreren. Also setzen wir Musiker uns in Bewegung. In der Werkstatt treffe ich Friedel. “Na, hast dich hier umgezogen?“ frage ich. Statt mir gleich zu antworten schaut er mich von oben bis unten an und wieder zurück. In der Werkstatt wird’s ruhig. Nach einiger Zeit sagt Friedel lächelnd: „Ja, genau so hab ich mir das ausgemalt.“ Britta staunt nur. „Da kann doch nix mehr schiefgehen“, sagt er noch und hakt mich unter. Zusammen gehen wir raus. Britta staunt und fragt Sandra: „Ist Steffi eine Zauberin? Was hat sie denn mit Friedel gemacht?“. „Ja, auf ihre spezielle Art und Weise ist sie durchaus eine Zauberin und ich habe sie auch noch nicht ganz kennengelernt“, antwortet Sandra lächelnd. Wir stehen dann mit allen Musikern hinter den beiden mittleren Bühnen. Die jeweiligen Partner*innen sind auch dabei. Grade spielt die Dudelsacktruppe und kommt grade auf der von uns linken Bühne zusammen. Auf der rechten steht der Spielmanns-/Fanfarenzug. Die beiden Gruppen haben sich den ganzen Nachmittag über abgewechselt und haben auch guten Zuspruch erhalten. „Steffi zitterst Du leicht? „fragt mich Friedel leicht besorgt. „Die Aufregung, das geht oben auf der Bühne gleich weg“, antworte ich. „Hm, OK“, sagt er nur und scheint trotzdem beunruhigt.
Jetzt geht Harald, als Chef der Werkstatt und als quasi Hauptorganisator auf die Bühne, Mick ist auch mit dabei. Zusammen begrüßen sie offiziell die Zuschauer und erklären ein paar Hintergründe. Mick stellt dann die vier Bands vor, entsprechend gehen wir auf die Bühne. Ich lasse meinen Blick zur Ablenkung über die Zuschauermenge schweifen. Wer so alles da ist, von Leuten, die ich kenne. Sandra und die jeweiligen Partner*innen der Musiker*innen sammeln sich grade vor der Mitte der beiden Bühnen. Meine Kollegen sehe ich auch weiter hinten stehen. Auch die früheren Kollegen aus dem Werkzeugbau sind da, Torte grüße ich prompt. Meine Eltern, meine Schwestern, sowie Tante und Onkel stehen an einer Bierbude weiter hinten. Hans und Elvira stehen auch da. Auch meine Ex und die Kinder haben sich dort eingefunden. Die Nachbarn sind auch da, sogar die beiden Krankenschwestern sind dabei. Harald und Mick erklären noch die Belegung der Bühnen. Die mittleren Bühnen sind für die 4 Bands. Wenn man von den Zuschauern schaut, sind Band 1 (Micha, Tom mit Colonel , Grufti , Terry , Taste) und wir (Band 3) auf der rechten Bühne, demnach sind Band 2 und Band 4 auf der linken Bühne. Wir verlassen dann fast alle die Bühne und nur Band 1 bleibt gleich oben. Sie nehmen ihre Instrumente und legen gleich los. „With a little help from my Friends“ von den Beatles ist ihr Einsteiger. Das geht auch gleich richtig gut los. Das Publikum macht gleich ordentlich mit.
„Ich wollte mal kurz zu meinen Eltern und Co., mal Hallo sagen“, sage ich zu Sandra. „Ich komme mit“, sagt sie. Händchenhaltend fädeln wir uns zwischen den Zuschauern durch, die grade richtig abgehen. Es dauert allerdings etwas, bis wir durchkommen, weil wir dauernd angemacht werden. Sandra ist schon recht angesäuert. Den nächsten Typ, der uns mit „na ihr beiden süßen“ anspricht, frage ich gleich direkt: „Was los, willst ficken?“ Sandra prustet vor Lachen los. Der Typ schaut mich erstaunt an. Da er nicht reagiert, zieht Sandra mich kichernd weiter. Ich laufe direkt in Tortes Arme. „Jetzt muss ich dich aber mal drücken“, sagt er. „Greif zu“, sage ich grinsend. Tut er dann auch. Tortes Frau steht hinter ihm und schaut etwas missmutig. Ich zwinkere ihr lieb zu. Dann schiebt mich Sandra weg. „Ich bin dran“, sagt sie. Tortes Frau schaut noch etwas aufgeregter. Ich stelle mich neben ihr und nehme sie in den Arm. „Hat er noch nichts erzählt?“ frage ich. „Nee, was denn? Aber du kommst mir irgendwie bekannt vor“, antwortet sie. Also kläre ich sie erstmal auf. „Das ist ja stark“, sagt sie hinterher und dann zu Torte, „das hätteste mir aber ruhig mal erzählen können.“ „Und lass Sandra mal los, wir wollen noch weiter“, frotzele ich. Wir gehen weiter, an den ehemaligen Kollegen vorbei. Wir klatschen dabei ab. Ich sehe Egon mit seiner Freundin Tina, von der er sich grade fast panisch losreißt, weil ich auf ihn zusteuere. „Was hat er denn?“ wundert sie sich. Nachdem ich sie über meine Verwandlung kurz aufgeklärt habe. „Ach so, hat er sich wieder unglücklich verliebt“, grinst sie, „aber Du… Grandios!“ „Danke“, sage ich noch und weiter geht’s .
Jetzt kommen wir auch endlich bei meinen und Sandras Eltern an: Thomas, Sandras älterer Bruder ist mit seiner Frau grade angekommen. Mein Vater schaut mich die ganze Zeit erstaunt an. „Nun schau Dir mal unsere älteste Tochter an“, sagt er dann begeistert zu meiner Mutter. Ich werde auf der Stelle knallerot im Gesicht. „Boah, was ‘ne Ansage! „ sage ich überwältigt. Die umstehenden lächeln. „Hat sie von mir“, haut meine Mutter ganz trocken raus. Meine Mutter ist gute 20 Jahre älter, als ich und sieht noch trotzdem noch gut aus. Da meine Nachbarn auch in der Nähe stehen, stelle ich meine Mutter als meine ältere Schwester vor. Ebi kennt sie allerdings und sagt: „Wenn man es nicht besser weiß, Jaa… .“ Jetzt ist meine Mutter sichtlich gerührt. Sie gibt mir ein Dankeschön-Küsschen hinters Ohr. Die weitere Unterhaltung ist dann auch recht locker und ungezwungen. Meine Nachbarn staunen nur. Jetzt sehe ich auch, dass Jochen da ist, in Begleitung einer Dame, die er vor einiger Zeit mal bei sich vernascht hat. Jochen versucht die ganze Zeit mich vorsichtig anzuschauen. Mal sehen, ob er mich irgendwann mal drauf anspricht. Mein Outfit scheint seine Wirkung nicht zu verfehlen.
Auf den Bühnen findet grade der erste Wechsel statt. Band Nr. 2 mit Frank, Carlos, Dennis, Peter und Katharina legen los. Ihr erstes Stück hat auch mit Freunden zu tun. „Friends will be friends“ von Queen ist deren Einsteiger. „Spitze! Eine Schlagzeugerin!“ freut sich mein Vater, als er Katharina am selbigen sieht, „sieht man aber auch selten.“ „Ich muss dann langsam zurück, wir sind dann dran“, sage ich in die Runde, „kommst Du mit, Sandra?“ „Ich bleibe noch etwas hier, ist grad so lustig“, antwortet sie. „OK“, sage ich und mache mich auf den Weg. Ich komme grade in die Nähe von Torte und den ehemaligen Kollegen. Die Band fängt grade an „Tie your Mother down“ von Queen zu spielen, als ich hinter Egon ankomme. Der ist grade abgelenkt von der Musik. Tina hat mich gesehen, ich lege den Finger auf den Mund. Tina grinst.Peter spielt das Intro, dann fängt Dennis an zu singen. Zeitgleich umarme ich Egon von hinten und singe ebenfalls mit.
„Get your party gown, a-get your pigtail down, a-get your heart beatin′, baby, got my timin' right, I got my act all tight, it′s gotta be tonight, my little school babe… .”
Egon erschreckt sich natürlich, und dann noch ein zweites Mal, als er merkt, wer das hinter ihm ist. Ich halte auch ordentlich fest, weil er schon wieder ausreißen will. „Ich wollte nur mal Hallo sagen“, sage ich erotisch in sein Ohr, „ich bin’s, die Stefanie.“ Tina rollt sich total ab, Egon ist doch etwas wie paralysiert. Ich verabschiede mich nett und lasse ihn los. Nebenbei fällt mein Blick auf Sandra. Sie hat das wohl mitbekommen und lacht herzlich. Ich gehe an Torte vorbei. „Steffi, gib mir Fünf“, sagt er lachend, „eiskalt erwischt.“ Ich komme dann bei meinen Leuten an. Gemeinsam schauen wir Band zwei zu, während die ihre letztes Lied spielen. Langsam finden wir uns vor unserer Bühne ein. Dennis verabschiedet sich vorrübergehend und sagte uns an, wir betreten unsere Bühne. Lukas, der Lebensgefährte von Frank hat sich bereiterklärt, dass er sich um meine Gitarren kümmert, also nachstimmen, evtl. neue Saiten aufziehen, falls mal eine reißen sollte. Nun steht er da und hat eine schwarze Fender Stratocaster mit weißem Schlagbrett in der Hand. Er grinst mich lieb an, während ich mich frage, was jetzt wieder los ist. Ich spreche Lukas auch direkt an: „Ich sollte doch von Alex eine komplett schwarze kriegen.“ „Jetzt hast Du deine Eigene“, grinst Lukas mich an und hängt sie mir um. „Bitte sehr die Dame“, sagt er. Ich bin ja ein wenig überrascht, während meine Bandkollegen einen kleinen Beifall klatschen. Aus den Augenwinkeln sehe ich meinen Vater und Hans, wie sie Sandra auf den Tresen von der Bier Bude setzen. Natürlich schaut sie in meine Richtung und grinst. Ich zeige auf die Gitarre und frage Lukas: „Sandra?“ „Jepp!“ antwortet der lächelnd, „sie meinte die blaue passt nicht ganz zum Outfit.“ „Tse“, sage ich nur und denke mir meinen Teil. 1800:- kostet so ein Teil. Ich weiß, dass sie das gerne für mich tut. Finanziell tut es ihr auch nicht weh, aber es ist trotzdem komisch.
Friedel geht ans Mikro und sagt uns kurz an und auf welche Richtung sich die Leute einstellen müssen. Blues ist jetzt dran. Dann schaut er zu mir: „Steffi, du bist etwas überrascht, willst noch was sagen?“ Ich nicke, schaue zu Sandra und sage ins Mikro: „Sandra, Du Schlingel“, und dann etwas leiser, das man es trotzdem noch hört: „danke schön.“ Etwas Jubel bricht los und ich glühe auf. Zur Ablenkung sagt Friedel: „Fangen wir mit B.B. King an“ und spielt das Intro von „Playing with my Friends“. Fast zeitgleich fangen wir anderen mit an.
Wäre ich schlank, würde euch das nur unnötig geil machen...