Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit
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Malvine
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Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit

Post 1 im Thema

Beitrag von Malvine »

Violetta CD hat geschrieben: Do 23. Jan 2025, 08:23 Ich ging wieder zurück zum Büro, da gab es auf halber Strecke einen unschönen Vorfall.
Ich hörte es nur hinter meinem Rücken, wie eine Frau mit 2 Kindern mit Sicherheit über mich zeterte und mich wohl auch auslachte.
Darauf war ich nicht vorbereitet, ich muss mir für solche oder ähnliche Situationen etwas Grundlegendes an Gedanken zurechtlegen.
Dieser Beitrag von Violetta hat mich etwas zum Nachdenken gebracht und ich fände es gut, wenn der Austausch hierzu nicht im ursprünglichen Beitrag stattfinden würde.

Gerade für Newbys ist allein schon der Gang in die Öffentlichkeit eine Herausforderung und wenn dann noch ein negatives Feedback - in Worten, Gesten oder Blicken - dazu kommt, dann geht es uns oft wie Violetta geschrieben hat.

Wie sind eure Strategien oder Gedanken, wenn ihr selbst solche Erlebnisse habt oder hattet?

Hier schon mal meine Erfahrung dazu.
Zum Glück hatte ich bisher nur einmal eine negative Rückmeldung in Worten, als ich an 2 Herren mit Bierflasche in der Hand vorbeigelaufen bin. Sie standen in der Fußgängerzone in einem Hauseingang und aus ihrer Richtung vernahm ich hinter mir dann ein "Scheiß Transe"....
Die jungen Mädchen oder Frauen, die sich verstohlen anschauen oder kichern, wenn ich im Laden mit meiner männlichen Stimme spreche verunsichern mich inzwischen nicht mehr wirklich.

Gerade am Anfang ist es ein Auf und Ab mit den Gefühlen - aber auch mit der Selbstwahrnehmung. Wer den Schritt nach draußen wagt hat schon einmal einiges an Selbstbewusstsein gesammelt und stellt sich der Öffentlichkeit. Aus eigener Erfahrung weiß ich wie trügerisch dieses sein kann, neigen wir doch gerade am Anfang oft dazu die Welt in rosa zu sehen, weil es keine negativen Rückmeldungen gibt.
Aber dann kommt sie, die eine harte Nuß, die uns aus der Bahn werfen will und wo wir unser komplettes Handeln in Frage stellen. Der Schritt nach draußen ist für mich auch mit der Anerkennung meiner Person verbunden - so wie ich bin. Für mich sind es dann 2 Punkte, die ich mir ins Gedächtnis zurück rufe.
1. ich muss nicht von allen geliebt und anerkannt werden. Wer sich die Blöße gibt, in der Öffentlichkeit Kritik an mir üben zu wollen, disqualifiziert sich eigentlich selbst. Er signalisiert dadurch, wie kleingeistig er eigentlich ist.
2. Es war meine Entscheidung nach draußen zu gehen - und dazu stehe ich. Für mich ist es eine Erfüllung meiner Lebenswirklichkeit. Wenn mich andere als Trans/CD wahr nehmen, dann ist das für mich OK, denn so bin ich. Ich habe ein Ideal, dem ich nachstrebe, bin und bleibe aber ein Mann, der gerne seine weibliche Seite zeigt. Ob dass nun von anderen Akzeptiert werden kann, ist mir inzwischen egal. Es geht mir um mich und nicht um die Menschen, denen ich begegne.

Violetta hatte auch mal von einem Kontakt mit einem Kinder gesprochen, das sich nach ihrer männlichen Stimme erkundigt hat. Dies ist für mich eine ganz andere Sache. Kinder sind neugierig und fragen oft ungeniert.
Auf die Frage nach der Stimme würde ich einfach mit einer Gegenfrage antworten, ob es denn schlimm ist, wenn meine Stimme männlich klingt? Wenn ein ja als Antwort kommt, dann erkläre ich einfach, dass ich es leider nicht ändern kann, aber ich trotzdem gerne eine weiblichere Stimmlage hätte.
Und auf die Frage nach der Kleidung gäbe es dann auch eine Antwort á la weil ich sie schön finde und ab und zu gerne anziehe.
Kinder sind oft mit einfachen Antworten zufrieden und können damit deutlich besser umgehen wie Erwachsene.

Grundsätzlich finde ich es vorteilhaft, wenn wir uns gedanklich schon einmal mit solchen Herausforderungen aus dem täglichen Leben beschäftigen. Es erleichtert uns den Umgang mit uns selbst, wenn es soweit ist.

LG
Malvine
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Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit

Post 2 im Thema

Beitrag von Annette »

Moin Moin

Dies ist ein sehr guter und auch interessanter Thread.

Was mich betrifft, von Beginn an mache ich sehr schöne und gute Erfahrungen in der Öffentlichkeit. Dabei bemerke ich oft, dass die meisten Leute sich gar nicht für mein trans Sein interessieren. Sie behandeln mich freundlich und höflich, und das reicht mir. Im Übrigen finde ich, dass dieses Nicht-Interesse auch eine Form von Toleranz ist. Gerade zu Beginn meiner Transition war ich oft zu Tränen gerührt, gerade wegen der Offen- und Aufgeschlossenheit unserer Gesellschaft.

Doch Vorsicht! Es gibt auch Blindgänger, Querschläger und Rohrkrepierer. Die erkennt man sofort an ihrem fehlgeleiteten und zum Teil aggressiven Benehmen. Hatte ich auch bereits mehrmals. Ich bin ziemlich groß und kräftig gebaut, doch vor allem habe ich früher Krav Maga gemacht. Das gibt mir eine gewisse Sicherheit. Dennoch bin ich bei solchen Begegnungen sehr auf der Hut, versuche die Situation einzuschätzen. Einmal wurde ich von zwei Kerlen angemacht, die riefen mir nach “Sch*** Transe! Wir f*** dich, du ***!” Ich fühlte mich denen überlegen, machte kehrt, ging auf sie zu. Und schon waren sie weg. Ein andermal war's schlimmer, es kam zum Angriff. Der arme Kerl. Mehr möchte ich nicht erzählen. Und selbst wenn ich mir einiges zutraue, es gibt den einen oder anderen gefährlichen Psychopathen da draußen, und dann ist Vorsicht geboten. Weglaufen ist sowieso immer (!) die beste Option, die Chancen, sich rauszuwinden, stehen äußerst gut, und es wird kein juristisches oder medizinisches Nachspiel geben.

Echte Gewalt ist trotzdem sehr selten, und bei eventuellen Belästigungen handelt es sich zumeist um das Übliche. Irgendein junger Gockel, der bei seinen Begleitern Eindruck schinden möchte. Da geh ich erst gar nicht darauf ein.

Letztendlich kann ich mir sehr gut vorstellen, wie es ist, gerade für Newbies. Oft ist es nicht die beschämende Situation selbst, sondern die Gedanken, Zweifel und Sorgen, die danach aufkommen und einem das ganze Selbstvertrauen erschüttern. In diesem Sinne ist es gut, dass es einen Thread gibt, in dem man sich darüber austauschen kann.

Annette
HeikeCD
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Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit

Post 3 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Malvine hat geschrieben: Do 23. Jan 2025, 11:38 Grundsätzlich finde ich es vorteilhaft, wenn wir uns gedanklich schon einmal mit solchen Herausforderungen aus dem täglichen Leben beschäftigen. Es erleichtert uns den Umgang mit uns selbst, wenn es soweit ist.
Hallo,

eigentlich schon, aber ich habe mir da im Vorwege als ich draußen war eher keine Gedanken drum gemacht. Es kommt ja doch anders wie gedacht. Ich hab nur für mich überlegt wenn es Sprüche sind, ignorieren und weitergehen. Das eskaliert sonst eventuell. Nimm deine beiden Typen mit den Bierflaschen, am Ende bekommt man die an den Kopf, oder schlimmer, die wird zerschlagen und dann Richtung Gesicht...
Ich leg mir da nichts vorgefasstes zurecht, sondern handle situatonsbedingt. In 99,9% der Fälle werden das dumme Sprüche sein, Gelache usw. Who cares?
Für andere Fälle dann eben Pfefferspray, allerdings, hat jemand schon was intus, Alkohol, Drogen, wirkt das verzögernd. Daher im Zweifel die "12" mit den Pumps oder Stiefelletten anpeilen.

LG Heike
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Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit

Post 4 im Thema

Beitrag von Slatjana »

Danke für diese Rubrik. Mir ging soetwas ähnliches durch den Kopf. Ich hatte noch keine blöden Bemerkungen, aber eine Auswahl an schlagfertigen Antworten würde ich dankbar aufnehmen.
Einmal war ich im langen roten Rock, Top und High Heels Sandaletten im Cafe und ein angesäuselter Mann hat mich gefragt, bist du ein Mann oder eine Frau? Ich habe ihm barsch und im tiefsten Bass geantwortet: das sieht man doch! Dann war er total freundlich.
Why don`t you knock it off with them negative waves? Why don`t you dig how beautiful it is out here?
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Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit

Post 5 im Thema

Beitrag von Susi T »

Negative Erlebnisse in der Öffentlichkeit haben alle Menschen schonmal und sind Frauen erst recht nicht fremd.
Du bist zu dick/dünn, zu groß/klein, nicht weiblich/schön genug, oder wirst genau deswegen dumm angemacht.
Da mag bei uns nochmal eine Extraportion Ungewöhnlich dazukommen, ändert sich aber nicht Grundsätzlich.
"Haste Die gesehen? wie die rumläuft, bei ihrer Figur/Alter, die brauch sich nicht wundern, wenn..."
Und wir fragen uns warum so viele nurnoch unauffällig rumlaufen...was leider dazu führt, das wir schon auffällig durch die Sorgfalt unserer Kleidungsauswahl/Styling sind.

Ich glaub solche kleinen Gegebenheiten kommen immer mal wieder vor, auch wenn die selten sind und dann hilft es die positiven Ereignisse gedanklich Griffbereit zu haben(und da habe ich in den letzten Jahren viele gesammelt, was stören mich da die paar schlechten).
Oder wie gerne gesagt wird:"Kopf hoch und Krönchen wieder aufsetzen" Brust raus, Bauch rein und ein Lächeln auflegen, das der schönen Erinnerung angemessen ist.

Ich hab Heutzutage keine auffällige Stimme, aber das hat auch länger gedauert bis es so stabil wurde.
Und so erinnere ich mich Heute eigentlich ganz gerne an dem negativen Erlebnis bei meinen Lieblingsbäcker.
Früh Morgens und die einzige Bedienung mit ständig schlechter Laune fragt mich mürrisch was ich möchte.
Weiblich gekleidet rutscht aber meine Stimme in den männlichen Bereich und die schaut mich völlig entgeistert an. Mustert mich von oben bis unten und bedient mich fast 10 Sekunden lang nicht.
Also wie gesagt, Krönchen auf und an was schönes denken. Ihr nochmal nett sagen was ich möchte, meinen Einkauf fertig erledigen und eine Woche später wieder hin.
Heutzutage strahlt sie jedesmal wenn sie mich sieht, so wie ihre Kolleginen auch, wir unterhalten uns nett wenn Zeit ist und alles ist gut.
Bei anderen Auffälligkeiten reicht auch normalerweise ein freundliches Lächeln, auch wenn die Auffälligkeiten mittlerweile in der Mehrzahl der Fälle nichts mehr mit trans zu tun haben. Eine große sportliche Frau in meinem Alter die dann auch noch nicht Schlabberlook trägt, da gibt es manchmal gezicke, die ich weiterhin mit Freundlichkeit kontere. Ansonsten gibt es zusätzlich von anderen Frauen (mit Niveau) auch Anerkennung und Freundlichkeiten.
Liebe Grüße Tira (flo)
Das beste Make-up einer Frau ist Glücklich sein
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Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit

Post 6 im Thema

Beitrag von Annette »

Moin

Es steht mir nicht zu, zu allem den passenden Ratschlag zu haben. Aber eines hab ich sehr schnell verstanden, und das ist ein wichtiger Grundsatz (gilt übrigens auch für alle anderen Lebensbereiche):

Ganz egal was du bist und was du tust, je mehr du zu dir selber stehst, desto besser wird man dich akzeptieren.

Diese Erfahrung habe ich sehr oft gemacht und viele andere trans Personen haben dasselbe von sich behauptet.

Liebe Grüße
Annette
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Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit

Post 7 im Thema

Beitrag von Desiree Maxima »

@Malvine - vielen Dank für dieses neue Thema! Es kommt genau zur rechten Zeit, denn ich spüre, wie es mich immer mehr nach draussen drängt. Nämlich nicht mehr nur zu den Trans*/CD-Treffen, sondern ich merke, wie ich langsam mehr möchte.
Malvine hat geschrieben: Do 23. Jan 2025, 11:38 Wie sind eure Strategien oder Gedanken, wenn ihr selbst solche Erlebnisse habt oder hattet?
Bin schon am sammeln der Ideen, Sprüche und Argumente, die hier von den Erfahreneren kommen :-)
Annette hat geschrieben: Do 23. Jan 2025, 16:04 Ganz egal was du bist und was du tust, je mehr du zu dir selber stehst, desto besser wird man dich akzeptieren.
Tja, leicher gesagt als getan, grade am Anfang. Dabei kenne ich genau das bei einem anderen "Problemfeld" von mir. Je selbstbewußter ich mit diesem "Makel" umgehe, umso weniger kratzt es mich, was andere denken oder sagen.

Als Desiree fürchte ich mich vor den Blicken der anderen am meisten, und leider auch vor dem was andere denken, sagen oder tun könnten. Und zwar nur als Desiree. Als Mann ist es mir mittlerweile echt egal, was andere über mich denken oder reden. "Wer hinter meinem Rücken redet, ist bereits in der idealen Position, um mich am A.... zu lecken" ;-) Klingt gut, ist aber leider noch nicht so ganz bei meiner femininen Seite angekommen.

Alles Liebe
Desiree
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Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit

Post 8 im Thema

Beitrag von Malvine »

Desiree Maxima hat geschrieben: Do 23. Jan 2025, 16:43 Und zwar nur als Desiree.
Es ist insoweit verständlich, da wir uns in der weiblichen Rolle schon emotional sehr weit aus dem Schutzraum der Männlichkeit hinaus gewagt haben und uns angreifbar machen. Im Rückblick auf meine bisherige 3-jährige Erfahrung kann ich zumindest sagen, ich bin an den Herausforderungen gewachsen und mein Selbstverständnis hat sich positiv entwickelt. Eine gewisse Routine im Auftreten bringt Sicherheit und Selbsachtung.
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Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit

Post 9 im Thema

Beitrag von missy »

Ich glaube, ich sollte gar nicht raus gehen.
Nicht mal in den Hausflur.
Es macht mir Angst.
STUBENSISSY.
missy
Toleranz ist lernbar, zu viel Toleranz ist heilbar.
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Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit

Post 10 im Thema

Beitrag von Malvine »

missy hat geschrieben: Do 23. Jan 2025, 17:30 Es macht mir Angst.
Du bist der einzige Mensch, der dich dazu animieren/zwingen könnte vor die Tür zu gehen (moin)
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Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit

Post 11 im Thema

Beitrag von Christiane »

missy hat geschrieben: Do 23. Jan 2025, 17:30 Es macht mir Angst.
Angst essen Seele auf!
Diesen Spruch hatte ich seeeeehr lange im Flur neben den Spiegel hängen. Hat mir meine Liebste damals hingehängt - Recht hatte sie. (he)
Nein - nicht wegen meinem Cross damals - sondern wegen meiner Schuppenflechte.
Die Blicke - die Sprüche - das Verhalten anderer Menschen - haben mich zu Beginn der Erkrankung voll fertig gemacht.
Die ersten 3 Jahre wäre ich am liebsten nur Nachts raus.
Bin sogar aus dem Hallenbad geflogen, obwohl es zuerst geheißen hatte, "Wenn Sie abgeschuppt sind - kein Problem."
Klar, wer will schon Material im Becken lassen. Und trotzdem fühlten sich andere Badegäste "belästigt" und haben Terz beim Bademeister gemacht.
Dem war das Megapeinlich - und sie haben auch den Eintritt erstattet und sich drölfmal entschuldigt.
Trotzdem - Ihr könnt Euch vorstellen, wie da mein Selbstwertgefühl darunter gelitten hat.
Trotz 32 Grad draußen - nur mit langer Hose und langärmlig. Als es ganz schlimm war noch mit dünnen Baumwollhandschuhen.
Am Badesee - unter dem Baum waren wir allein, obwohl die Wiese brechend voll war - Alle hielten mindestens 8 Meter oder mehr Abstand.
Jetzt könnt Ihr Euch meinen Horror vor meinem ersten "Außenauftritt" vorstellen, oder?
Mittlerweile ist es mir schietegal, ob sich jemand den Hals verrenkt (heute bei Aldi, wegen meinem Vorbau), oder nen blöden Spruch losläßt.
Ich schau ihn dann an, wie damals mein Essen beim Bund - das reicht in 99% der Fälle. :lol:
Das andere 1% kriegt nen blöden Spruch zurück - der Blick dazu - erledigt. Hat bis jetzt immer gereicht.
Ich wurde auch im MM schon blöd wegen meiner Ohrstecker angemacht.
Hab einfach geantwortet, daß mich sein Intimpiercing auch nicht interessiert. :mrgreen:
Da ist ihm dann nix mehr eingefallen.
Klar, kommt immer auf die Situation an. Ich bin aber immer noch der Meinung, daß wir uns hier im Vergleich zu anderen Ländern doch sehr frei bewegen können.
Und - ich muß jetzt nicht unbedingt durch einen sozialen Brennpunkt stöckeln. Das würde ich hier auch nicht machen - nicht mal im MM.
LG
Christiane
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Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit

Post 12 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

missy hat geschrieben: Do 23. Jan 2025, 17:30 Ich glaube, ich sollte gar nicht raus gehen.
Nicht mal in den Hausflur.

Hey..

da brauchst du nun wirklich keine Angst zu haben, da wohnen keine Monster oder so...

ich bin grade wieder in einem Laserzyklus, damit ich endlich mal bald vollständig diese
Haare aus dem Gesicht habe.

Nur hatte ich heute auch einen Termin in der Frauenklinik beim Endokrinologen, weil
ich schon fast 1,5 Jahre nicht mehr da war-und das sah er wirklich gar nicht gerne.
Ich musste ja auch besprechen wann ich aus seiner Sicht die Hormone vor der
grossen OP absetzen soll wenn überhaupt und ein paar Kleinigkeiten mehr, weil
ich grade nicht ganz zufrieden bin, meine Hormone von einer Firma aus Ungarn kommen..etc..

Die Behandlerinnen vom Laserlabor hatten mir aber für 72 Stunden nach den Lasern
verboten a) mich zu rasieren und b) irgendwelche Kosmetika zu benutzen.
Da steh ich nun heut früh in Bad und seh mich gar nicht gerne.
Die gelaserten Haare stecken auch noch teils im Haarkanal und kommen erst nach und nach
raus, was schon mit rasieren nicht schön aussieht.

Aber ich musste, also Tiefflug und ab in die Uniklinik, es gibt Schöneres.
Einen Zwischenfall gab es trotzdem nicht, alles schick, solang man nicht irgendwie völlig
auffällig ist, eben ein neutral weiblicher Look ansonsten.
Weil ich Lust hatte hab ich danach noch beim Piercer reingeschaut, aber die kennen mich ja auch
schon eine ganze Weile...

was ich aber tatsächlich nicht so recht verstehe, warum denkt ich euch Sprüche aus,
anstatt ganz normal zu erklären was Sache ist? Weil meist ist es eh so, das die bessere
Wortwahl sowieso erst ein paar Minuten später kommt und eine Erklärung
warum grade etwas nicht ganz passing ist bei den meisten Menschen Verständnis erzeugt.

Tatsächlich habe ich grade ein Aktivierungschoaching bei einer ganz lieben Coachin,
da hatte ich Montags meinen ersten Termin nach einer Lasersitzung am Freitag.
Siehe oben. Das Coaching ist nur für Frauen..
was sagt sie zu mir? "Ich seh nicht was du siehst, für mich bist du eine unter vielen".
Fein..

habt es gut, Marie
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit

Post 13 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

Hey Missy,
für den Beginn rate ich dir, in der Öffentlichkeit erst mal diese geschützten Räume aufzusuchen, damit meine ich Lokalitäten, wo Frauen normalerweise in der Überzahl sind bzw, wo sich Männer eher nicht aufhalten. Zum Beispiel ein Kaufhaus, die Damenabteilung. Oder ein größeres Schuhgeschäft, wo du in Ruhe alleine anprobieren kannst ehe du mit deinem Einkauf zur Kasse gehst. So habe ich vor 10 Jahren ebenfalls angefangen. Mit der Zeit normalisiert sich alles und die Aufregung geht weg, während der Spaßfaktor steigt und damit auch dein Bewegungsradius. Viel Erfolg wünsche ich dir, und immer einen Schritt nach dem anderen machen.

LG, Valerie
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Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit

Post 14 im Thema

Beitrag von Maya »

missy hat geschrieben: Do 23. Jan 2025, 17:30 Ich glaube, ich sollte gar nicht raus gehen.
Nicht mal in den Hausflur.
Es macht mir Angst.
STUBENSISSY.
missy
Hmmm, das wäre aber schade, denn da entgeht Dir Vieles. (cry)
Wie wäre es denn, wenn Du dich zum ersten Ausgang mit jemand Anderem, vorzugsweise hier aus dem Forum, treffen würdest? (dr)
Hier gibt es doch jede Menge private Treffen.
Wenn man beim ersten Mal nicht alleine ist, hilft das ungemein.
Frag doch mal jemanden, mit dem du Kontakt hast, ob man sich nicht mal treffen will. :roll:

LG

Maya
Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.
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Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit

Post 15 im Thema

Beitrag von Annette »

missy hat geschrieben: Do 23. Jan 2025, 17:30 Ich glaube, ich sollte gar nicht raus gehen.
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Hallo

Eines Tages wirst du alt sein und alles hinter dir haben. Du wirst dich fragen ob es das nun war. Und spätestens dann wirst du dir wünschen, du hättest einen einzigen Tag zurück, um doch noch das leben zu können, was du bist. Nur einen einzigen Tag! Aber leider...

Doch halt! Noch bist du nicht an diesem Punkt angekommen, und du hast noch einiges vor dir! Also nutze deine verbleibende Zeit, krieg dich in die Höhe, und mach!

Du wirst sehen!

Annette
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