Hallo ihr Lieben,
ich lese gerade das Silmarillion von J.R.R. Tolkien. Dabei ist mir eine Stelle aufgefallen. Zum Hintergrund: Die Valar sind ziemlich mächtige Wesen, quasi (Halb-)Götter, die ihre Gestalt wechseln können.
Wenn sie jedoch sich zu kleiden wünschen, so gehen manche der Valar in männlicher und manche in weiblicher Gestalt, denn diesen Unterschied des Gemüts kannten sie schon von Anbeginn, und er wird in der Wahl, die ein jeder trifft, nur verkörpert, nicht geschaffen, so wie auch bei uns Mann und Weib am Kleide zu erkennen, doch nicht durch das Kleid geschaffen sind.
Ich finde zwei Dinge interessant. Erstens, dass das Geschlecht als Unterschied des Gemüts bezeichnet wird und damit ausdrücklich nichts mit Körperlichkeit zu tun hat. Ich finde diese Formulierung sehr reflektiert und fortschrittlich.
Zweitens, dass die Kleidung das Geschlecht nur verkörpert, aber nicht schafft. Auch da hat er wohl Recht, denn ich kann mich im Kleid männlich fühlen und in typisch männlicher Kleidung sehr weiblich. Wir alle wissen, dass es durch Äußerlichkeiten allein nicht getan ist. Darüber hinaus wäre es natürlich wünschenswert, nur auf Basis der Kleidung die Schubladen generell erst mal zuzulassen und auch (cis) Männern das Tragen von Kleidern, Röcken und co. zuzugestehen. Aber das verzeihe ich dem Tolkien mal.
Hat zufällig jemand die englische Originalfassung? Da würde mich dieser Satz auch mal interessieren.
Liebe Grüße,
Melissa