Kübra GümüÅŸay dürfte der eine oder die andere kennen. Ihr Buch
Sprache und Sein beschäftigt sich mit dem Thema Identität, was es für mich interessant macht, zumal ihr Hintergrund der Autorin ermöglicht, die Verhältnisse auch aus anderen Perspektiven als nur der deutschen Binnensicht zu betrachten. Allein das ist schon bereichernd.
Ausgehend von Sprache, wie unterschiedlich sie sein und was man mit ihr ausdrücken kann, schafft sie eine Verbindung zu den Menschen, die ungefragt als Vertreter einer Gruppe kategorisiert werden. Das sind bei ihr die
Benannten, weil diese Personen von anderen, Außenstehenden, als Gruppe mit einer Bezeichnung" benannt" werden. Damit werden dem Individuum die ganzen Stereotypen dieser Gruppe ungefragt zugewiesen, egal, ob sich die Person mit all diesen Zuschreibungen identifizieren kann oder nicht.
Die Auswirkungen dieses Prinzips spielt sie am Beispiel ihrer eigenen Identität durch und zeigt auf, was diese Benennungen mit den
Benannten machen und wie sich die Zuweisung einer Kategorie auf deren Leben auswirken kann.
Dabei geht es hauptsächlich um Migration und Islam als Identitäten. Das lässt sich großenteils direkt auf die Problematik der Geschlechtsidentität übertragen, weshalb in dem Buch auch viel für unser Thema drinsteckt.
Ein paar Beispiele:
Der afroamerikanischer Psychologe Claude Steele [...] fand heraus, dass die Angst, negativen Stereotypen zu entsprechen, dazu führen kann, dass genau das Prophezeite eintritt. Soziale Identität beeinflusst schulische Leistungen und Erinnerungsvermögen, sie wirkt sich darauf aus, unter welchem Beweisdruck Menschen stehen und wie entspannt sie sich in einer bestimmten Umgebung fühlen. [...]
Der Einfluss von Stereotypen auf Menschen ist unabhängig von der Anwesenheit Einzelner, die diese Stereotypen für richtig halten. Sie wirken einfach deshalb, weil sie in der Gesellschaft existieren und weil die davon Betroffenen das wissen.
Einmal sagte mir ein weißer, nichtmuslimischer Freund aus der Medienwelt, dass er schlechte Nachrichten für mich habe. Er glaube, dass Islam und Migration künftig nicht mehr zu den wichtigsten Themen der Öffentlichkeit gehören werden. -»Ist das die schlechte Nachricht?-«, fragte ich ihn lachend. Ich konnte mir nichts Schöneres vorstellen, als nicht mehr die Rolle des Sündenbocks für gesellschaftspolitische Krisen zu spielen.
Man muss nur
nichtmuslimisch durch
cis-hetero und
Islam und Migration durch
Gender und Trans* ersetzen, dann passt die Aussage immer noch. Zumindest auf mich
https://www.hanser-literaturverlage.de/ ... 950-t-3118
LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal