Anastasia Biefang: -«Divers-» oder -«keine Angabe-»? In die alte Schublade will ich nicht
Anastasia Biefang: -«Divers-» oder -«keine Angabe-»? In die alte Schublade will ich nicht

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Jaddy
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Anastasia Biefang: «Divers» oder «keine Angabe»? In die alte Schublade will ich nicht

Post 1 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Anastasia Biefang kommentiert in Mannschaft.com (paywall, aber Firefox Reader-Modus liefert den ganzen Artikel)
Die Geschlechterdebatte ist wieder voll entbrannt und wir sind immer noch nicht weiter. Am Geschlecht scheiden sich nach wie vor die Geister — zumindest, wenn es um das weibliche Geschlecht geht. Die Frau als Opfer patriarchaler Herrschaft wie eh und je. Warum sollte das im Sport anders sein? Und warum sollten sich Frauen nicht einem Geschlechtstest unterziehen (ausser bei Olympia)? Das müssen schliesslich alle, oder? Oh nein, cis Männer müssen das meines Wissens nicht. Der Frau haftet also immer noch etwas Bedrohliches an und die Steigerung dieser Bedrohung ist die trans Frau.

Wer sind wir also? Wer bin ich? Und warum interessiert das so viele Menschen? Am 1. August konnte ich endlich meinen Antrag auf Personenstandsänderung stellen. Am 1. November tritt in Deutschland das Selbstbestimmungsgesetz in Kraft (MANNSCHAFT berichtete). Endlich können wir selbstbestimmt -«divers-» oder -«keine Angabe-» wählen.

In meiner ständigen Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschlecht komme ich immer wieder auf die Frage zurück: -«Was macht unser Geschlecht eigentlich aus?-» Wir sind so darauf sozialisiert Geschlecht über Zuschreibungen zu definieren, über stereotype Geschlechterrollen zu leben oder einfach nur auf eine vereinfachte biologische Reduktion der natürlichen Vielfalt zurückzufallen, dass wir das ureigenste Menschliche an und in uns verkennen.

Schmeissen wir die Kategorie Geschlecht doch endlich über Bord. Statt an dieser Kategorie festzuhalten, um sich Zuschreibungen aller Art zu bedienen, wünsche ich mir, dass wir uns auf Augenhöhe, mit Respekt und Achtsamkeit begegnen. Dass gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe nicht durch willkürlich festgelegte Geschlechter(rollen) bestimmt wird.

Lust auf ein Experiment? Lasst uns die Welt neu ordnen. Ich entziehe mich den binären Kategorien. Ob ich ab November -«divers-» oder -«keine Angabe-» bin, weiss ich noch nicht. Aber in die alte Schublade will ich nicht mehr. Wir müssen neue Wege gehen. Das schafft Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben ohne patriarchale Unterdrückung. Ich bin raus!
Edit: Hups! Quelle vergessen. https://mannschaft.com/a/divers-oder-ke ... -ich-nicht
Vesta
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Re: Anastasia Biefang: «Divers» oder «keine Angabe»? In die alte Schublade will ich nicht

Post 2 im Thema

Beitrag von Vesta »

Jaddy hat geschrieben: Sa 19. Okt 2024, 22:13 Schmeissen wir die Kategorie Geschlecht doch endlich über Bord.
Warum etwas wegschmeissen, was mind. 99% der Menschen wichtig ist?
... durch willkürlich festgelegte Geschlechter(rollen) ...
Dass Frauen Kinder gebären und Männer sie nur zeugen ist jetzt nicht so willkürlich.

Der zitierte Artikel scheint mir doch arg weltfremd.
Jaddy
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Re: Anastasia Biefang: «Divers» oder «keine Angabe»? In die alte Schublade will ich nicht

Post 3 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Vesta hat geschrieben: So 20. Okt 2024, 00:06
Jaddy hat geschrieben: Sa 19. Okt 2024, 22:13 Schmeissen wir die Kategorie Geschlecht doch endlich über Bord.
Warum etwas wegschmeissen, was mind. 99% der Menschen wichtig ist?
Die Frage ist, was wichtig ist. Klar ist, dass wir in der jetzigen gesellschaftlichen Realität mit Vergeschlechtlichung bis ins Kleinste konfrontiert werden. Es ist prakitsch nicht möglich sich nicht irgendwie dazu zu verhalten. Es ist aber bei weitem nicht so, dass 99% mit dem cis-binären Schema kongruent gehen.
Ipsos-PI__Pride_Gender Identity_Jun2021 A.png
Und der Rest sind ja nun auch nicht nur hardcore Maskulisten und Tradwifes. Da hat sich doch zumindest für einige vieles entspannt und sie können Dinge tun, die früher als "unweiblich" oder "unmännlich" galten. Geschlecht wird auch in der Allgemeinheit immer mehr als das Spektrum wahrgenommen, dass es ist. Also ja: Es mag für 99% wichtig sein, sich da irgendwie zu orientieren und zu verhalten, aber das heisst nicht, dass Geschlecht, zumal durch andere zugeschrieben, eine sinnvolle Kategorie für alltägliche Dinge ist.

Wichtig ist meine Erachtens, was Anastasia Biefang um den von dir zitierten Satz herum schreibt:
Wir sind so darauf sozialisiert Geschlecht über Zuschreibungen zu definieren, über stereotype Geschlechterrollen zu leben oder einfach nur auf eine vereinfachte biologische Reduktion der natürlichen Vielfalt zurückzufallen, dass wir das ureigenste Menschliche an und in uns verkennen.
Statt an dieser Kategorie festzuhalten, um sich Zuschreibungen aller Art zu bedienen, wünsche ich mir, dass wir uns auf Augenhöhe, mit Respekt und Achtsamkeit begegnen. Dass gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe nicht durch willkürlich festgelegte Geschlechter(rollen) bestimmt wird.
Heisst: Wenn es um Teilhabe und Möglichkeiten geht, sollten die allen Menschen gleichermassen offenstehen. Unabhängig davon, wie sie sich geschlechtlich selbst verorten und vor allem davon, wie sich andere anmassen, sie zu kategorisieren. "Das kannst/darfst du als Mann/Frau nicht" sollte längst Geschichte sein.
... durch willkürlich festgelegte Geschlechter(rollen) ...
Dass Frauen Kinder gebären und Männer sie nur zeugen ist jetzt nicht so willkürlich.
[/quote]

Ach je :) Du möchtest also alles von Klamotten und Aufmachung über stereotypisches Gehabe, Sexismus und den Druck auf alle, sich entlang dieser Rituale zu bewegen an Zeugung und Geburt festmachen? Ich meine okay, kann eins schon argumentativ hinbasteln, ist aber schon sehr letztes Jahrhundert und ignoriert mal locker über hundert Jahre Erkenntnisse, dass sich Männchen und Weibchen beim restlichen Leben kaum unterscheiden. Die Überschneidungen der Normalverteilungen bei Fähigkeiten und Fertigkeiten ist höher als die Abweichungen innerhalb. Sprich: Ausser beim zeugen und gebären findet sich die Mehrheit der Männer und Frauen im gleichen Segment wieder. Statistische Differenz: ~10%. Daraus lässt sich nun wirklich nicht seriös eine grundsätzliche Unterschiedlichkeit in allen Lebenslagen konstruieren.

Richtig ist: Menschen können sich entscheiden, welche Fähigkeiten sie ausprägen und nutzen wollen. Das ist aber etwas völlig anderes, als ihnen aufgrund ihrer Fortpflanzungsorgane etwas zuzuschreiben.

Der Punkt ist Wahlfreiheit. Wer in den dem einen oder anderen Rollenbild zufrieden ist, soll das gerne so leben. Überholt ist aber, andere darauf festzulegen. Und "weil du Kindern gebären kannst, musst du auch harmoniebedürftig, umsorgend und gefühlig sein" gehört dazu.
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Magdalena
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Re: Anastasia Biefang: «Divers» oder «keine Angabe»? In die alte Schublade will ich nicht

Post 4 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Hallo,

ich sehe es mal so. Es gibt heute viele Möglichkeiten sich zu definieren. Sicher spielen dabei auch die klassischen Rollenbilder hier hinein. Gerade auch wer sich auf den Weg der Transition begibt, möchte doch auch in dem angestrebten Geschlecht gelesen werden. Ohne gleich Stereotypen zu entsprechen. Wirsins doch alle Induvidien. Jede/r ist individuell und einzigartig. Es ist auch so dass es Menschen gibt, welche sich nicht in einem der Geschlechterrollen wiederfinden. Es sollte so auch akzeptiert werden.

Viele liebe Grüße von Magdalena
Lebe jeden Tag.
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Re: Anastasia Biefang: «Divers» oder «keine Angabe»? In die alte Schublade will ich nicht

Post 5 im Thema

Beitrag von Vesta »

Jaddy hat geschrieben: So 20. Okt 2024, 03:01 Es ist aber bei weitem nicht so, dass 99% mit dem cis-binären Schema kongruent gehen
Auch die meisten Homo-, Bi- und Asexuellen und wohl auch die Mehrheit der Transsexuellen ordnen sich eindeutig einem der beiden Geschlechter männlich oder weiblich zu und möchten auf diese Kategorie keineswegs verzichten.
Du möchtest also alles von Klamotten und Aufmachung über stereotypisches Gehabe, Sexismus und den Druck auf alle, sich entlang dieser Rituale zu bewegen an Zeugung und Geburt festmachen?
Ich will nur sagen, dass die Geschlechterrollen (teilweise) keineswegs so willkürlich sind, wie von der Autorin behauptet. Zeugung und Geburt sind nur das deutlichste Beispiel.

Dabei gilt: Die Zuordnung zu einem Geschlecht zwingt keineswegs dazu, die Geschlechterrollen, traditionell oder nicht, übernehmen zu müssen.
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