Ich finde dieses Vorgehen ethisch bedenklich. Letztlich zielt es darauf ab, auf die Organe von Personen zugreifen zu können, die es aus irgendwelchen Gründen nicht in dieses Register geschafft haben. Wer wird das wohl sein? Marginalisierte Menschen, Nicht-Muttersprachler, Menschen ohne Schulabschluss, prekär Beschäftigte, Minderheiten aller Art. Also genau die, die den besonderen Schutz der Gesellschaft brauchen, werden wieder mal allein gelassen, oder, schlimmer noch, zu einer Entscheidung hinmanipuliert, die sie nicht treffen würden, wenn sie sich unabhängig informieren könnten.
Eine Organentnahme ist irreversivel und ein massiver Eingriff in die menschliche Integrität, noch dazu zum besonders sensiblen Zeitpunkt kurz vor dem Tod in der aktiven Sterbephase. Wer das möchte, soll die Möglichkeit dazu haben, auch in einer Form, so dass Dritte (v.a. Die Hinterbliebenen) damit nicht behelligt werden. Der Standardfall muss aber immer sein, dass nichts gemacht wird, so lange man nicht ausdrücklich zustimmt (opt-in).
So sieht es nach Übervorteilung von benachteiligten, schlechter informierten Gruppen aus, und genau das ist es auch. Zudem kann ein Versagen des Systems nicht ausgeschlossen werden. Was passiert, wenn das Register gerade nicht erreichbar ist? Bei diesen Entscheidungen herrscht immer Zeitdruck, und wenn erstmal Tatsachen geschaffen sind, ist es schwer, dieses wieder zu revidieren.
Ich möchte größtmögliche Sicherheit, dass ich im Sterbeprozess nicht in die Mühlen dieses Business komme. Ich möchte in Frieden und mit einem integren Körper von dieser Welt gehen. Organtransplantation lehne ich ab - in beide Richtungen.
Wer sich mal mit dem Ablauf bei Organspenden detailliert beschäftigt hat, wird verstehen können, wie ich zu diesem Schluss gekommen bin.
Alle anderen mögen sich dringend folgende Informationen zu Gemüte führen und sich dann nochmal überlegen, ob sie das wirklich für sich wollen. Es soll ja eine fundierte Entscheidung sein, und das ist nur dann der Fall, wenn auch die negativen Seiten vollständig und transparent gewürdigt werden:
https://initiative-kao.de
Schon beim Versagen des Gehirns soll der Mensch tot sein, obwohl alle anderen Körperfunktionen noch erhalten sind. Die Transplantationsmediziner, die Bundesärztekammer, aber auch der Staat behaupten das.
Können wir ihnen, die nicht mehr den sterbenden Menschen, sondern nur dessen lebensfrische Organe sehen, trauen?
Tatsächlich müssen transplantable Organe lebensfrisch sein, also von einem Menschen stammen, der noch maschinell beatmet wird. Er wird gepflegt, sein Herz schlägt, er ist warm und kann Fieber haben. Er bewegt sich spontan und reagiert auf Berührung.
Beim Einschnitt des Chirurgen in den Körper des Organspenders steigt in vielen Fällen der Blutdruck rasant an. Deshalb bekommen Spender bei der Organentnahme immer muskelentspannende Mittel und Opiate. Oft sogar eine Vollnarkose.
Es stellt sich die Frage: wie tot sind "Hirntote", denen ihre Organe entnommen werden?
Ganztot, halbtot, scheintot, sterbend oder noch lebend?
LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal