Unsere Geschichte
Unsere Geschichte - # 2

Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
edeka
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Re: Unsere Geschichte

Post 16 im Thema

Beitrag von edeka »

Shoshana hat geschrieben: Di 30. Jul 2024, 21:50 Habe lange überlegt ob ich als x-ter Crossdresser auch noch etwas schreiben soll. Vieles ist schon geschrieben aber die Sätze hier
Genau dasselbe dachte ich auch gerade (smili) :lol:
Aber eben diese Sätze schreien nach einer Antwort :
Jade hat geschrieben: Mi 31. Jul 2024, 07:48 Wir sind beide nicht so gut darin unsere Sorgen auf den Tisch zu legen, mein Mann kann es fast garnicht - in seiner Familie wurden Probleme immer unter den Teppich gekehrt. Vorallem beim Thema Bekleidung brauchen wir beide Ruhe, das geht nicht zwischen Tür und Angel. Wir werden am WE drüber sprechen, auch wenn er im stillen hofft das ich es bis dahin vergesse und er sich nicht artikulieren muß. Er macht einfach die Dinge am liebsten mit sich alleine aus und setzt sie dann kommentarlos um. Mir ist klar, das er da oft ein Karussell im Kopf hat, aber ich kann in nicht wirklich dazu zwingen mich daran teilhaben zu lassen. Versuche starte ich, immer wieder, aber er entscheidet.
Hoffentlich klingt das jetzt nicht komplett wirr.
das klingt gar nicht wirr, sondern damit zeigst du , wo du selbst ansetzen mußt , um zu einer Lösung zu kommen !
Aus deinem Eingangsbeitrag schliesse ich, daß ihr beide so Ende 50 seid. Kann man denn da da - also er - noch sagen, 'in meiner Familie wurden Probleme unter den Teppich gekehrt' ? Er ist schon lange aus 'seiner' Familie entwachsen, Du bist seine Familie. Ihr seid schon eine Ewigkeit zusammen, und er macht Dinge die euch beide betreffen mit sich alleine aus ?
Du sagst doch selbst, sowas kann man nicht zwischen Tür und Angel bereden.
Versuche, für euer Gespräch am WE einen Rahmen zu finden, wo ihr erstens viel Zeit habt (und er nicht flüchten will), und zweitens in angenehmer entspannter Atmosphäre statt findet.
Mit angenehmer Atmosphäre meine ich jetzt nicht, Kerzenlicht und auf dem Sofa kuscheln. Sondern: Zeig ihm, daß du ihn verstehen willst, daß du zu ihm stehst, daß du ihn behalten willst. Wenn dir das gelingt, dann sollte er eigentlich anfangen, sich zu öffnen und nicht mehr flüchten, schließlich weiß er auch, was er an dir hat. Also - Vertrauen schaffen.
Dann lass ihn erst mal erzählen, du weißt nicht wieviel da kommt, du weißt nicht, wieweit seine Neigung geht. Das wird dann auch nicht alles in einem Gespräch alles geklärt werden, dafür werdet ihr noch länger brauchen. Und du wirst auch für dich deine Grenzen setzen und sie ihm mitteilen.
Das ist leicht geschrieben :wink: , ich weiß.

PS. nur weil das in diesem Faden noch gar nicht so thematisiert wurde: es gibt sooo viele Varianten der Neigungen Crossdresser/Transvestit und Transgender. Du weißt noch nicht, wohin dein Mann tendiert, vielleicht weiß er das selber nicht. Also mach dich nicht verrückt. Und es gibt auch ganz schöne Lebensläufe und Varianten. Jemand hat hier das Beispiel "Juliane" genannt.

LG ascona )))(:
Jade
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Re: Unsere Geschichte

Post 17 im Thema

Beitrag von Jade »

ascona hat geschrieben: Mi 31. Jul 2024, 09:48
Shoshana hat geschrieben: Di 30. Jul 2024, 21:50 Habe lange überlegt ob ich als x-ter Crossdresser auch noch etwas schreiben soll. Vieles ist schon geschrieben aber die Sätze hier
.......
PS. nur weil das in diesem Faden noch gar nicht so thematisiert wurde: es gibt sooo viele Varianten der Neigungen Crossdresser/Transvestit und Transgender. Du weißt noch nicht, wohin dein Mann tendiert, vielleicht weiß er das selber nicht. Also mach dich nicht verrückt. Und es gibt auch ganz schöne Lebensläufe und Varianten. Jemand hat hier das Bei

LG ascona )))(:
Hallo Ascona 😀

Vielen Dank für deine Antwort!
Ich sag mal so: natürlich hast du Recht, mir Ende 50 sollte man es nicht mehr auf die Erziehung schieben wenn die Streitkultur nicht so gut funktioniert 😂 aber so ging es am schnellsten zu erklären wie es bei uns so ist.

Und ja, du hast total Recht mit dem Hinweis auf ein angenehmes Umfeld wenn man dicke Brocken wälzen muss. Auch das es viele Spielarten gibt ein CD zu sein weiß ich. Gleichfalls ist mir klar, dass er noch nicht am Ende seines Weges ist.
Für mich ist es manchmal nicht so einfach damit klar zu kommen. Das hat verschiedene Gründe die zum Teil auch tief in meiner Person liegen. Wir müssen einfach reden.

Liebe Grüße
Jade
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Re: Unsere Geschichte

Post 18 im Thema

Beitrag von Jade »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 31. Jul 2024, 09:11 Hallo Jade,

Du schreibst, Du seiest das Problem. Ich sehe in einer Beziehung nicht so sehr die Schuldfrage im Mittelpunkt, sondern die der Verantwortung und zwar der eigenen Verantwortung. Das ist ein ganz anderer Ansatz.

......

Verantwortung in der Beziehung bedeutet für mich, den eigenen Dingen auf den Grund zu gehen. Nur dann kann ich wachsen und mit mir die Beziehung. Der Andere ist gezwungen, damit umzugehen und seine Schritte zu gehen. Ansonsten gibt es Spannungen, die zum Problem werden können. Wir sind für das eigene Wachsen auf andere Menschen, die uns nahe stehen, angewiesen. Das ist nicht bequem, aber lohnend. Dabei ist es wichtig, dass wir nicht den Anderen uns anpassen wollen und uns nicht dem anderen anpassen. Kompromisse sind mMn hier fehl am Platz. Es geht darum, etwas aus den vermeintlichen Problemen etwas Neues zu machen. Wenn Du zu viele Zitronen gekauft hast, mach eine Limo draus. Du hast Dir einen weiblichen Mann "eingefangen"? Mach etwas aus Deiner Liebe. Für Dich. Es wird auch für ihn gut werden, denn es öffnen sich Türen für Euch, die Ihr sonst nie öffnen könntet. Zum Abschluss noch mein Lieblingsgedicht:

https://www.zgedichte.de/gedichte/khali ... liebe.html
Hallo Vicky Rose,

Dankeschön. Ich hatte gerade am Ende des letzten Absatzes Tränen in den Augen. Viel Stoff zum nachdenken.

Liebe Grüße
Jade
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Re: Unsere Geschichte

Post 19 im Thema

Beitrag von Juliane »

ascona hat geschrieben: Mi 31. Jul 2024, 09:48 .... Jemand hat hier das Beispiel "Juliane" genannt.

LG ascona )))(:


.............eieieijei, was für eine Steilvorlage ascona :wink: .

Dann will ich mal, auch wenn so vieles hilfreiches bereits geschrieben wurde.

Bei uns ist es jetzt ziemlich genau 25 Jahr her, das ich mich geoutet habe.
Dieser Schritt fiel mir, nach jahrelangem Versteckspiel, unheimlich schwer. Zumal wir da bereits
fast Silberhochzeit hatten. Und ich war mir da noch lange nicht bewußt, wie weit meine Sehnsucht
Frauenkleidung tragen zu wollen, gehen würde.
Nachlesen kannst du es hier im Forum unter:

viewtopic.php?t=23270&hilit=julianes+weg

Und Fragen kannst du gerne weiterhin stellen. Und wenns zu vertraulich werden sollte, gerne
auch per PN.
Ansonsten viel Glück und Erfolg! Und überfordere deinen Mann nicht. Er weiß mit Sicherheit nicht
wo er steht und wohin er will. Das kann nur langsam wachsen und ich hoffe ihr bekommt die Kurve.
Denn eine gute Ehe, eine Partnerschaft, sollte das aushalten. Auch wenn es nicht bei allen hier geklappt
hat und häufig, zumindest sinnbildlich, eine Menge Geschirr zu Bruch gegangen ist.

Liebe Grüße )))(: , Juliane
Die mich kennen mögen mich. Die mich nicht mögen können mich. Frei nach Konrad Adenauer
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Re: Unsere Geschichte

Post 20 im Thema

Beitrag von Jade »

Juliane hat geschrieben: Mi 31. Jul 2024, 14:04
ascona hat geschrieben: Mi 31. Jul 2024, 09:48 .... Jemand hat hier das Beispiel "Juliane" genannt.

LG ascona )))(:


.............eieieijei, was für eine Steilvorlage ascona :wink: .

Dann will ich mal, auch wenn so vieles hilfreiches bereits geschrieben wurde.

Bei uns ist es jetzt ziemlich genau 25 Jahr her, das ich mich geoutet habe.
Dieser Schritt fiel mir, nach jahrelangem Versteckspiel, unheimlich schwer. Zumal wir da bereits
fast Silberhochzeit hatten. Und ich war mir da noch lange nicht bewußt, wie weit meine Sehnsucht
Frauenkleidung tragen zu wollen, gehen würde.
Nachlesen kannst du es hier im Forum unter:

viewtopic.php?t=23270&hilit=julianes+weg

Und Fragen kannst du gerne weiterhin stellen. Und wenns zu vertraulich werden sollte, gerne
auch per PN.
Ansonsten viel Glück und Erfolg! Und überfordere deinen Mann nicht. Er weiß mit Sicherheit nicht
wo er steht und wohin er will. Das kann nur langsam wachsen und ich hoffe ihr bekommt die Kurve.
Denn eine gute Ehe, eine Partnerschaft, sollte das aushalten. Auch wenn es nicht bei allen hier geklappt
hat und häufig, zumindest sinnbildlich, eine Menge Geschirr zu Bruch gegangen ist.

Liebe Grüße )))(: , Juliane
Hallo Juliane,

ja, du wurdest mir mehrfach dringend ans Herz gelegt 😉
Zu meiner Schande bin ich gerade so mit den hier eintreffenden, tollen Nachrichten beschäftigt das ich zu deiner Geschichte noch nicht gekommen bin.
Tja, was soll ich sagen: Ich dachte wirklich bis vor kurzem, wir bekommen es gut hin hier. Sein langsames vorwärts kommen, meine Akzeptanz - das passt schon ganz gut.
Aber jetzt hat es mich an einer vielleicht doch dünnhäutigen Stelle erwischt. Vielleicht auch an einem Tag an dem ich nicht stabil war. Wer weiß. Jedenfalls waren offene Ohren und Menschen mit ähnlicher Geschichte extrem wichtig.
Darum werde ich deine auch lesen, versprochen!

Danke erstmal...
Jade
Lavendellöwin
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Re: Unsere Geschichte

Post 21 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Jade hat geschrieben: Di 30. Jul 2024, 16:55 Ich liebe meinen Mann, er ist mein Fels in der Brandung, mein bester Freund, mein Teampartner und mein Liebhaber. Aber ich kann mir nicht vorstellen irgendwann mit meiner besten Freundin zusammen zu leben.

Liebe Jade,

auch von mir ein "Happy Welcome"...

wenn ich den Satz so lese, bin ich, oder Personen wie ich wohl der "worst case" für dich.
Wir, ich und mein Lieblingsmensch sind jetzt auch genau das, beste Freudinnen.
Und glaub mir, hätte ich nur noch die kleinste Chance gesehen einen anderen Weg zu gehen ich hätte es getan.
Der Schmerz war aber so gross, das ich nicht mehr anders konnte.

Was wir immer noch sind, wir sind ein Team, verstehen uns oft blind, halten uns gegenseitig und fangen
auf wenn die andere an ihre Grenzen kommt, wir sind beide der Fels für die andere.

Ich möchte dich für ihn nach deiner Grenze fragen. Ist es die Kleidung, wie weit geht deine "Toleranz"?
Ist deine Grenze weit vor dem Schritt den ich getan habe? Wo stehst du?

Ich weiss, das ich eine extrem besondere Person an meiner Seite habe und würde sie dauerhaft wohl für nichts
eintauschen wollen. Wir waren im Januar sogar zusammen bei dem Vorgespräch für meine angleichende OP.
Ich wollte das sie da ist, wer denn sonst?
Seit ich das Leben so wie jetzt lebe, bin ich ein offenes Buch geworden..ich werde nichts mehr verheimlichen.
Das eckt aber auch an, wo ich früher um des lieben Friedens willen eher meinen Mund zu behielt.

Ich kann dir nicht sagen was in deinem Liebsten steckt, ich bin mir aber zu 100% sicher, das er leidet.
Und du leidest, das ist ziemlich unschön..und ganz offen, das ist nicht partnerschaftlich.
Verheimlichen, alleine mit sich den Deal machen schmerzt und das weil Vertrauen fehlt und Angst da ist.
Die Hürde muss weg..und ich send euch Kraft dafür...

alles Liebe Marie (flow)

PS..was mir noch unter den Nägeln brennt, nur weil eine Person mal Rock oder hohe Schuhe trägt
und sich einen weiblichen Namen gibt wird sie nicht zur Frau...ich denke du weisst das da viel mehr dazu gehört.
In diesem Leben werde ich nie haben, was meinen Schmerz wirklich auflöst
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
manchmal_melissa
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Re: Unsere Geschichte

Post 22 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Hallo Jade,

erstmal schön, dass du da bist. Ich empfinde die Sicht von Partnerinnen immer als sehr bereichernd.

Zunächst würde ich gern das meiste, was schon gesagt wurde, unterschreiben: Lass dir Zeit, redet miteinander.
Aber ich würde auch gern noch zwei Dinge hinzufügen"¦

Was mir am stärksten im Kopf war, als ich eure Geschichte gelesen habe, war: Sei nicht so streng mit dir. Du bist nicht das Problem. Mich erinnert sehr viel von dem, was du sagst, an meine Frau. Sie hat sich sehr oft Vorwürfe gemacht, weil sie nicht so tolerant war, wie sie dachte. Es ist und bleibt eine Ausnahmesituation, eine Belastungsprobe für fast jede Beziehung, und es ist absolut okay, überfordert zu sein und Grenzen zu haben.

Gleichzeitig möchte ich deinen Mann ein wenig in Schutz nehmen. Ich ertappe mich beim Lesen solcher Stories ganz oft dabei, wie ich denke: Was für ein Idiot? Sie ist doch offen, warum redet er nicht? Warum verheimlicht er Dinge, wenn es gar nicht notwendig ist? Aber dann merke ich, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dass ich genauso war. Das Thema ist oft so schambehaftet, dass man es nicht teilen will. Das hat ganz viel damit zu tun, dass man sich erst mal selbst akzeptieren muss, und das ist manchmal ein sehr langer Prozess. Dafür wünsche ich euch viel Glück!

Liebe Grüße,
Melissa
Joan Autumn
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Re: Unsere Geschichte

Post 23 im Thema

Beitrag von Joan Autumn »

Liebe Jade,

Toll, das Du hier bist, deine Gedanken teilst und Antworten auf Fragen suchs und auch findest.

Kennt dein Mann das Forum? Könnte ihm auch helfen, denke ich.

LG Joan
Es gibt nur zwei Tage im Leben, die Du nicht ändern kannst: Gestern und Morgen. (Dalai Lama)
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Re: Unsere Geschichte

Post 24 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Jade hat geschrieben: Mi 31. Jul 2024, 11:17 mir Ende 50 sollte man es nicht mehr auf die Erziehung schieben wenn die Streitkultur nicht so gut funktioniert 😂
Ich glaube auch, auf die Erziehung kann man es nicht mehr schieben, aber es wird mMn sehr stark unterschätzt, wie sehr die Mechanismen, die der Erziehung zugrunde liegen das ganze Leben wirken. Sich davon zu befreien ist nicht immer leicht und vor allem, es kommt nicht von alleine. Und das ist Teil dessen, was ich oben beschreiben wollte. Auch das Denken was Mann ist und was Frau hat viel damit zu tun. Die strikte Zweiteilung ist anerzogen. Wir brauchen das eigentlich nur für die Fortpflanzung. Wie oft machen wir das im Leben ? Die strikte Zweiteilung unterdrückt aber Fähigkeiten und Talente, die in uns allen stecken. Ich zitiere Wikipedia:
Emanzipation stammt von dem lateinischen Wort emancipatio, das "Entlassung des Sohnes aus der väterlichen Gewalt" bedeutet.
Es geht darum, eigenständig zu werden. Für mich sind die Entwicklung der eigenen Talente und Fähigkeiten ein wesentlicher Baustein davon, sonst tue ich mir Gewalt an oder es wird mir Gewalt angetan. Die strikte Zeiteilung der Geschlechter ist in unserer Kultur etwas, was mir als Mensch Gewalt antut. Davon durfte ich mich ein großes Stück weit emanzipieren und das steht für Transgendermenschen bewusst oder unbewusst ganz weit vorne. Wir konzentrieren uns auf unsere Talente, weil wir gar nicht anders können und leisten damit einen Beitrag für eine Gesellschaft in der der Mensch und nicht das Geschlecht im Vordergrund steht. Letztlich tut sich die Geellschaft damit selbst Gewalt an. Viele merken das nur nicht.

Kleidung ist dabei wesntliches Ausdrucksmerkmal. Sie ist für mein Wohlbefinden wesentlich, aber letztlich nutzen Transgender damit diesen Kommunikationskanal den die Gesellschaft uns zur Verfügung stellt. Das, was Menschen in den Schubladen halten soll, wird zum Bummerang. Je strikter die Regeln, umso mehr Gewalt (-> totalitäre Staaten). Was hat das mit meiner oder Deiner Partnerschaft zu tun ? Es ist die Gewalt, die Menschen angetan wird, wenn man ihre Entwicklung unterdrückt. Und wir unterdrücken unsere Entwicklungsmöglichkeiten, wenn wir nicht lernen, über unsere eigenen Befindlichkeiten zu reden. Das fällt nicht vom Himmel. In Transgenderkreisen wird oft über die fehlende Toleranz im eigenen Umfeld geklagt und ich habe ja auch aufgezeigt, dass uns tatsächlich einiges aufgezwungen wird.

Aber der allererste Schritt ist die Reflexion über die eigene Position und der Austausch darüber in einer vertrauensvollen Situation. Aber habt Ihr das irgendwann einmal gelernt oder erfahren ? In fortgeschrittenem Alter ist das ein langer Prozess, zu dem man den Willen haben muss. Das ist Emanzipation von überkommenen Gedankengut. Es gibt nicht die eine Wahrheit über Mann und Frau, sondern nur die persönliche Einstellung, die im Laufe des Lebens wächst und sich auch verändern kann. Vieles passiert von alleine, aber wichtiges muss man aktiv angehen.

Weiblichkeit und natürlich auch Männlichkeit kann mMn so viel mehr sein als wir in den üblichen Schubladen finden. Wir müssen nur Augen und Ohren öffnen und die Sinnlichkeit entdecken, die in uns allen steckt. Die Sinnlichkeit, die in mir als Transgendermensch lebt ist so viel mehr als das, was mir die übliche Schublade verspricht. Ich glaube, es macht Angst, sich darauf einzulassen, auch als PartnerIn. Es ist die Ungewissheit, wohin das führt. Aber die Kontrolle aufzugeben und sich dem Lauf der Zeit zu überlassen, kann sehr spannend und bereichernd sein.

So, und jetzt brauche ich einen (cof) ;-) (moin)
Viele Grüße
Vicky

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Re: Unsere Geschichte

Post 25 im Thema

Beitrag von SylviaM »

Hallo Jade

auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum.
Da meine eigenen Beziehung nicht gerade zum besten steht und ich auch der Schweiger vor dem Herrn bin, sind meine Zeilen mit Vorsicht zu genießen

Dennoch
Eine Beziehung besteht aus Kompromissen, ein geben und ein nehmen, am Ende muss für einen selbst wesentlich mehr rauskommen als man gibt, sonst geht man unter
Und es ist immer zu zweit, nie die Verantwortung eines einzelnen
Ich schätze deine Toleranz, doch Toleranz heißt nicht mögen. Es gibt Grenzbedürfnisse für dich und für ihn und wahrscheinlich werdet ihr an diese heranstoßen. CDs (ich schließe mich damit ein) sind auch immer etwas narzisstisch veranlagt und daher loten wir die Grenzen immer weiter aus. Wo diese sind müsst ihr für euch herausfinden und sie verändern sich auch mit der Zeit. Was heute noch ok für dich ist, ist es morgen nicht mehr und umgekehrt.
Wie die vorigen Beiträge schon erwähnt haben geht dies nur wenn ihr miteinander sprecht, und das ist das schwierigste daran
Wenn ich dir gegenüber sitzen würde, sässest du einen Mann gegenüber, der sich schämt und auch nicht glücklich ist, dass er so ist wie er ist. Und nein, Mann weiß nicht wohin die Reise geht (wobei soviele gar nicht eine Transition am Ende machen, wenn er auch noch gerne Mann ist dann eher nicht). Das alles ist nicht gerade gut für ein Gespräch. Und die Angst mit eine unbedachten Äußerung alles kaputt zu machen.Mir hat es zB geholfen meine Gedanken als Brief zu sortieren
Bei dir höre ich auch zwei? Ängste heraus. Zum Einen dass dein Mann am Ende deine beste Freundin sein will (warum sollte das für dich auch ein Lebensentwurf sein wenn du weder Bi noch lesb. bist). Und es ist mehr als fair diese Angst und am Ende no Go für dich auch ihm so aufzuzeigen
als Grenze die nicht überschritten werden kann ohne dass du selbst untergehst (wobei siehe oben, soviele gegen den Weg gar nicht)
Und die andere Angst ist die nicht mitgenommen zu werden und dadurch immer wieder überrascht zu werden, die dadurch verbundene Unsicherheit.
Denn auch du kannst Stand heute nicht sagen wo deine Grenzen genau wären und was noch aus deiner Sicht "tolerable" ist, sprich gerade abgibst zu dem was du bekommst von ihm.
Ich wünsche euch für eurer Gespräch alles gute. Vielleicht hilft es ja, wenn du über deine Ängste und Sorgen beginnst. Einer muss ja mal anfangen.
Und es hat nichts mit genügend Toleranz zu tun, sondern immer mit: Ziehe ich aus einer Beziehung mehr als ich investiere
Alles Gute
Syl
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Re: Unsere Geschichte

Post 26 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

SylviaM hat geschrieben: Do 1. Aug 2024, 12:59 Ziehe ich aus einer Beziehung mehr als ich investiere
hmmm..mir sind eben alle Züge entglitten...darf ich fragen ob du das ernst meinst?

Wenn das wirklich so wäre würdest du die andere Person von vorne weg benachteiligen
und das kann es ja nun wirklich nicht sein. Das wäre Ausnutzen par excellence und mega toxisch.

Aber gut, mehr sag ich lieber nicht... :shock:
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Re: Unsere Geschichte

Post 27 im Thema

Beitrag von Susi T »

Ich will es mal positiv äußern:
"Ideal ist es doch wenn beide sich gegenseitig Glücklich machen und das fast ganz von alleine geschieht, einfach weil man sich liebt"
Das beste Make-up einer Frau ist Glücklich sein
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Re: Unsere Geschichte

Post 28 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

SylviaM hat geschrieben: Do 1. Aug 2024, 12:59 Und es ist mehr als fair diese Angst und am Ende no Go für dich auch ihm so aufzuzeigen als Grenze die nicht überschritten werden kann ohne dass du selbst untergehst
Sorry, da komme ich nicht mit. Paarbeziehung funktioniert mMn ganz anders. Ängste haben auch nichts mit Fairness zu tun. Fairness hat etwas mit meinem Verhalten zu tun. Ich bin nicht für die Ängste meiner Partnerin verantwortlich. Aber ich kann etwas dafür tun, dass meine Partnerin die Ängste überwinden kann. Aber ganz bestimmt nicht damit, das Grenzen aufgebaut und überschritten werden. Hier geht es um Empathie und Verständnis. Dann kann man/frau seine/ihre Schritte gehen und bisherige eigene Grenzen selber verschieben. E gibt mMn keine unüberwindbaren Hindernisse. Man muss nicht die Grenzen überwinden, aber man kann. Angst ist ein schlechter Ratgeber, aber ein gutes Warnsignal. Es gilt die eigenen Ursachen der Warnungen zu ergründen und vielleicht eine neue Perspektive einzunehmen. Sonst kann die Angst zum Gefängnis werden. Angst zu überwinden heißt, Freiheit und Autonomie zu gewinnen.

Dabei müssen die Partner nicht einer Meinung sein, aber die Beziehung wird intimer. Differenzen zu akzeptieren und sich gegenseitig zu achten und zu vertrauen sind für mich zentrale Elemente. Da folge ich ganz David Schnarch, der das Thema in seinem Buch "Psychologie sexueller Leidenschaft" beschrieben hat. Für mich eine der wenigen Perlen unter den Beziehungsbücher, wo leider eine Unmenge an Zeug geschrieben wird, das viel zu kurz springt. Wer eine intensive Beziehung will, muss sich immer wieder neu erfinden. Der/die Partnerin ist "Mittel zum Zweck" und gleichzeitig Anker, Sparringspartner, Projektionsleinwand etc. und umgekehrt ist man das für die andere Seite auch. Die Balance einer Beziehung, wie ich sie verstehe, zeigt sich nicht im ausgeglichenen Geben und Nehmen. Das ist etwas für Krämerseelen. Die Balance zeigt sich darin, ob beide Seiten bereit, willens und aktiv daran arbeiten, sich selber weiter zu entwickeln und daei immer tiefer in die eigene Seele und die des Partners/in zu steigen und es auch einmal auszuhalten, dass da scheinbar unüberwindliche Grenzen gibt. Es geht darum, bei sich selber die Spreu vom Weizen zu trennen. Das ist ein schmerzhafter Prozess. Das ist für mich Liebe und ganz ehrlich: Ich knabbere auch noch heftig daran.

@Jade: ich hoffe nicht, dass ich mit meinen Worten Deinen Fred missbraucht habe, aber das war mir jetzt eine Herzensangelegenheit... (flo)
Viele Grüße
Vicky

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Re: Unsere Geschichte

Post 29 im Thema

Beitrag von Jade »

SylviaM hat geschrieben: Do 1. Aug 2024, 12:59 Hallo Jade

auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum.
Da meine eigenen Beziehung nicht gerade zum besten steht und ich auch der Schweiger vor dem Herrn bin, sind meine Zeilen mit Vorsicht zu genießen

Dennoch
Eine Beziehung besteht aus Kompromissen, ein geben und ein nehmen, am Ende muss für einen selbst wesentlich mehr rauskommen als man gibt, sonst geht man unter
Und es ist immer zu zweit, nie die Verantwortung eines einzelnen
Ich schätze deine Toleranz, doch Toleranz heißt nicht mögen. Es gibt Grenzbedürfnisse für dich und für ihn und wahrscheinlich werdet ihr an diese heranstoßen. CDs (ich schließe mich damit ein) sind auch immer etwas narzisstisch veranlagt und daher loten wir die Grenzen immer weiter aus. Wo diese sind müsst ihr für euch herausfinden und sie verändern sich auch mit der Zeit. Was heute noch ok für dich ist, ist es morgen nicht mehr und umgekehrt.
Wie die vorigen Beiträge schon erwähnt haben geht dies nur wenn ihr miteinander sprecht, und das ist das schwierigste daran
Wenn ich dir gegenüber sitzen würde, sässest du einen Mann gegenüber, der sich schämt und auch nicht glücklich ist, dass er so ist wie er ist. Und nein, Mann weiß nicht wohin die Reise geht (wobei soviele gar nicht eine Transition am Ende machen, wenn er auch noch gerne Mann ist dann eher nicht). Das alles ist nicht gerade gut für ein Gespräch. Und die Angst mit eine unbedachten Äußerung alles kaputt zu machen.Mir hat es zB geholfen meine Gedanken als Brief zu sortieren
Bei dir höre ich auch zwei? Ängste heraus. Zum Einen dass dein Mann am Ende deine beste Freundin sein will (warum sollte das für dich auch ein Lebensentwurf sein wenn du weder Bi noch lesb. bist). Und es ist mehr als fair diese Angst und am Ende no Go für dich auch ihm so aufzuzeigen
als Grenze die nicht überschritten werden kann ohne dass du selbst untergehst (wobei siehe oben, soviele gegen den Weg gar nicht)
Und die andere Angst ist die nicht mitgenommen zu werden und dadurch immer wieder überrascht zu werden, die dadurch verbundene Unsicherheit.
Denn auch du kannst Stand heute nicht sagen wo deine Grenzen genau wären und was noch aus deiner Sicht "tolerable" ist, sprich gerade abgibst zu dem was du bekommst von ihm.
Ich wünsche euch für eurer Gespräch alles gute. Vielleicht hilft es ja, wenn du über deine Ängste und Sorgen beginnst. Einer muss ja mal anfangen.
Und es hat nichts mit genügend Toleranz zu tun, sondern immer mit: Ziehe ich aus einer Beziehung mehr als ich investiere
Alles Gute
Syl

Hallo Sylvia,

Warum sollte ich deine Zeilen mit Vorsicht genießen? Da ist viel Wahres drin zu lesen. Wie du beschreibst, wie du als Mann vor mir sitzen und dich schämen würdest - ja, dir Szene kenne ich.
Wir haben an dem Abend, an dem das Thema endlich richtig auf den Tisch kam beide viel geheult, mein Mann und ich. Aber es war befreiend und reinigend und danach danach lange Zeit eigentlich auch alles gut - für uns beide.
Vor einiger Zeit hat mein Mann die nächste Runde eingeläutet und gleich umgehauen. Das war nicht gut. Aber um so mehr ich hier gerade mit euch schreibe, umso besser kann ich meine Situation einordnen. Wir werden am Wochenende nochmal in Ruhe miteinander reden, mein Mann und ich und dann schauen wie wir zusammen einen Weg finden.

Dankeschön für deine Nachricht!
Liebe Grüße
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Re: Unsere Geschichte

Post 30 im Thema

Beitrag von Jade »

Joan Autumn hat geschrieben: Do 1. Aug 2024, 06:31 Liebe Jade,

Toll, das Du hier bist, deine Gedanken teilst und Antworten auf Fragen suchs und auch findest.

Kennt dein Mann das Forum? Könnte ihm auch helfen, denke ich.

LG Joan
Hallo Joan,

Dankeschön für deine Nachricht! Ich bin mir nicht sicher ob mein Mann dieses Forum kennt, könnte wohl sein denn er ist auf einigen zumindest als Mitleser unterwegs.
Im Moment möchte ich euch auch eher nicht offiziell mit ihm teilen. Ich will nicht sagen daß ihr eine Art safe space zum informieren für mich seid aber: doch, schon.

Herzliche Grüße
Jade
Antworten

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