Zensus 2022: Nur 969 Menschen divers | taz
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Anne-Mette
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Zensus 2022: Nur 969 Menschen divers | taz

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Erstmals hat der Zensus Menschen gezählt, die als "divers" gemeldet sind. Die Zahlen liegen der taz exklusiv vor. Warum sind sie so niedrig?

https://taz.de/Zensus-2022/!6022108/
ChristinaF
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Re: Zensus 2022: Nur 969 Menschen divers | taz

Post 2 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Vielleicht liegts daran, dass sich die einen oder anderen darüber "schämen" und so auf die Frage(n)
gar nicht eingingen?
LG Christina
Susi T
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Re: Zensus 2022: Nur 969 Menschen divers | taz

Post 3 im Thema

Beitrag von Susi T »

Es wurde ja im weiteren Verlauf ganz gut erläutert.
Scheint ja mehr die Frage nach der offiziellen Registrierung gewesen zu sein und wer hat schon in seiner Geburtsurkunde Divers stehen, wenn das überhaupt erst seid ein paar Jahren möglich ist?
Also war nicht die Frage wer Divers ist, sondern wer einen Eintrag auf Divers hat, kein Wunder das die Zahlen so niedrig sind.
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Jaddy
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Re: Zensus 2022: Nur 969 Menschen divers | taz

Post 4 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Im Artikel steht das meiste, was ich auch im Fediverse kommentiert habe, aber zusammengefasst:

In repräsentativen Studien verorten sich 1..4% aller Menschen als nicht cis. Jüngere mehr, ältere weniger.

Davon sind ca 1/3 nichtbinär. Weltweit einheitlich. So schon berichtet in der S3 Leitlinie "Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit" (https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/138-001)

Bisher benötigt eine Änderung des Eintrags in Deutschland entweder eine ärztliche Bescheinigung über körperliche Intergeschlechtlichkeit gemäss eines viel zu eng definierten Katalogs oder zwei psych. Gutachten nach TSG und ein amtsgerichtliches Verfahren. Kosten 1500..2000 Euro.

Nicht alle intergeschlechtlichen Menschen sind auch nichtbinär, sprich: wollen keinen Eintrag "divers" oder eine komplette Streichung des Eintrags.

Durch TSG Gutachten einen nichtbinären Eintrag zu bekommen ist unglaublich schwierig, weil es quasi keine Gutachtenden gibt, die Nichtbinarität attestieren können/wollen. Einfach weil diese Gutachten und die Leute auf binäre Transidentität ausgerichtet sind und ausschliesslich Stereotypen abhaken: Kleidung, Makeup, Gehabe, Masturbationsverhalten. Sprich: Es sollen ihnen traditionelle Klischees vorgetanzt werden.

Wenn Menschen ihren Eintrag auf nichtbinär ändern, bekommen sie von der Krankenkasse keine angleichenden Maßnahmen mehr bezahlt. Zum Beispiel Mastektomie, Orchiektomie, Epilationen, genital-OPs.

Das alles sind Gründe, die ich von vielen Menschen aus meinen trans und nichtbinären Communities kenne. Das sind in Summe übrigens mehr als 900 Leute.

Was auch geäussert wird: Angst vor Folgen, wenn Unbefugte dies erfahren. Ja, trans, inter und nichtbinäre Menschen haben Angst vor rechten und "konservativen". Viele mir bekannte Menschen wollten auch im Zensus, falls sie betroffen gewesen wären, nicht ihren wahren Eintrag angeben, weil sie Nachteile befürchten (auch wenn das relativ unwahrscheinlich ist).

Fazit: Von dem ca. 1% nichtbinärer Menschen haben *bisher* nur die wenigstens den Eintrag geändert, weil es schlicht fast unmöglich ist und ggf höchstens Nachteile hat - ausserdem ist der Eintrag im Alltag quasi belanglos (ich bin seit 2019 amtlich "divers").

Ab 1. November ist die voraussetzungslose Änderung ohne Atteste und Gutachten möglich.

Also lasst uns mal Ende 2025 schauen, wie viele es dann sind.

Im übrigen: Verfassungsmässige Rechte gelten auch dann, wenn es nur eine einzelne Person betrifft.
Inga
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Re: Zensus 2022: Nur 969 Menschen divers | taz

Post 5 im Thema

Beitrag von Inga »

Hi,

immerhin sind 969 Menschen deutlich mehr als jene, die beim Beruf "Bundeskanzler" angeben könnten: Das wäre nur 1 Person unter den 82 Mio.

Im Übrigen gefällt mir Jaddys letzter Satz: "Verfassungsmässige Rechte gelten auch dann, wenn es nur eine einzelne Person betrifft."

Liebe Grüße
Inga
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