Wir haben ja schon persönlich darüber gesprochen, aber auch hier möchte ich es noch erwähnen
Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ... - # 11
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ExUserIn-2026-01-21
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...
Huhu Sweet V. wir beide talken ja och hinter den Kulissen sehr viel, dennoch sind deine Berichte auch hier im Forum sehr wichtig
Schön, dass du dir überhaupt die Zeit nimmst um uns in Form eines Tagebuchs hier uff dem Laufenden zu halten. Soweit lese ich sehr viel Positives und Toleranz an allen Ecken
Kein Wunder, dass du dabei aufblühst
da kann deine Genesung nur schnell vorangehen
Wir haben ja schon persönlich darüber gesprochen, aber auch hier möchte ich es noch erwähnen
ich bin super gespannt, wie deine "en femme"-Zeit nach der Reha weitergehen wird, bzw. wie viel einfluss diese jetzigen Tage auf deine Entwicklung und Entfaltung haben werden. Wie sich bisher zeigt, kommst du als Frau sehr gut zurecht und auch der Kontakt zu den Leuten scheint intensiv zu sein. Das alles freut mich so sehr für dich 
Wir haben ja schon persönlich darüber gesprochen, aber auch hier möchte ich es noch erwähnen
Liebe Grüße, Tina
+++Wissenswertes+++
Ich bin Tina und die Mutter von Jennifer. Ihr kennt sie unter ihrem Forumsnamen "Lady Jennifer"
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Reha, Tag 7
Moin
und vielen Dank für Eure zahlreichen Rückmeldungen. Schreiben macht mehr Spaß, wenn man weiß, dass frau auch gelesen wird.
Das Wochenende liegt hinter mir und die Kopfschmerzen, die mich vor allem nachts gequält haben, sind weitgehend weg. Ich habe den Tag erst einmal mit "Atmen und Entspannen" begonnen. Aber so ganz bin ich noch nicht in der Spur. Dafür hatte ich nach dem Frühstück noch Zeit mit einem anderen "Insassen" Wege gesucht, die Welt zu retten. Ich fürchte, da brauchen wir noch eine Weile. Was ich damit sagen will, der Alltag ist eingezogen. Und das fühlt sich gut an. Im Zimmer stand ich dann vor dem Spiegel und habe mich betrachtet. Nicht in einer selbstverliebten Art und Weise (bin ich sowieso, grins), sondern ich habe realisiert, dass ich meine weibliche Kleidung ganz normal im Alltag trage und nicht in einer "Ausnahmesituation" zuhause. Ich spiele nicht damit, ich lebe es einfach. Fühlt sich richtig gut an ...
Später hatte ich noch einen Termin bei der Ärztin. Blutwerte sind alle im grünen Bereich und teilweise sogar ziemlich gut. Ich würde mich gut ernähren, meinte sie. Auch stellte sie fest, dass ich die Reha "offen, aktiv und motiviert" angehen würde. Und damit hat sie genau das beschrieben, wie ich mich fühle. Mittags habe ich noch einen Vortrag über Gesundheit gehört, den ich auch gut fand. Die Inhalte waren mir weitgehend klar, aber es macht für mich Sinn, über Inhalte und Zusammenhänge nochmals klar zu werden. Nachmittags wurde es dann körperlich. Mit "Terraintraining" schnelles Gehen im Wald mit teilweise heftigen Anstiegen wurde Blutdruck und Herzfrequenz hoch getrieben. Danach bin ich noch meine übliche Runde im Schwimmbad gewesen.
Ich merke, wie ich körperlich wieder aufbaue. Ich gehe alle Treppen zu Fuß, was bedeutet, dass ich zwischen Zimmer und Behandlungsräume immerhin jedes Mal ca. 100 Stufen gehe und das mehrfach am Tag. Physisch spüre ich das Training und auch der Kopf wird frei. Ein Buch habe ich beendet, dass mir ebenfalls einige gute Anstöße gegeben hat. Allerdings waren ca. 3/4 des Buches für mich Geschwafel. Deshalb empfehle ich es nicht.
Zwischenbilanz: Wo stehe ich nach einer Woche Reha en femme ? Tinnitus rauscht noch immer, was auch zu erwarten war. Ich komme damit aber besser zurecht. Die schlimmste Phase ist hoffentlich vorüber. Der Hörschaden ist wohl bleibend. Auch da mache ich mir keine Illusionen. Auch damit lässt es sich leben und die Kontakte zeigen, dass ich damit auch umgehen kann. Das ist vielleicht die größte Gefahr, mich sozial zurück zu ziehen. Dass ich die Zeit 24/7 en femme lebe und mich auch in dieser Form den sozialen Kontakten stelle, ist vermutlich der größte Gewinn. Nach den Jahren des Grübelns und Denkens ist eine Leichtigkeit eingekehrt. Da ist die Reha für mich ein absoluter Höhepunkt. Ängste und Scham liegen komplett hinter mir und ein neues Selbstbewusstsein ist eingekehrt.
Vielleicht das wichtigste für mich: Mir ist aufgefallen, wie sehr die eigene Wahrnehmung mich ausgebremst hat. Innerlich ging ich immer davon aus, dass ich als Transmensch in zweiter Reihe stehe und mein Auftreten so etwas wie eine "Belästigung" anderer darstellt. Das war aber nur unbewusst. Hätte es mir jemand gesagt, ich hätte es verneint. Es war ein verinnerlichter Glaubenssatz. Durch den völlig normalen und ungezwungenen Umgang mit anderen Menschen hier, habe ich realisiert, wie sehr mich das behindert hat. Davon konnte ich mich ziemlich befreien. Wie jeder andere Mensch habe ich eine Vergangenheit und Veranlagungen. Und genau so kann ich das hier auch leben. Und ich merke, dass ich dieses neue Selbstbewusstsein auch nach hause in meine Ehe mitnehmen werde. Meine Sicht hat sich verändert und das fühlt sich sehr wertvoll an. Und ich denke, es wird dadurch auch meine Beziehung verändert werden.
Vor 20 Jahren, als mich meine erste Frau verließ, habe ich mir regelrecht geschworen, dass mein restliches Leben besser werden soll. Vielleicht nicht leichter, aber besser. Und das gilt heute nach wie vor. Es war der erste Schritt, um mich aus dem Sumpf zu ziehen. Jetzt habe ich wieder einen großen Schritt gemacht. Und ich habe jetzt noch zwei Wochen Zeit, das zu konsolidieren.
Aber vorher brauche ich ein Frühstück ...
und vielen Dank für Eure zahlreichen Rückmeldungen. Schreiben macht mehr Spaß, wenn man weiß, dass frau auch gelesen wird.
Das Wochenende liegt hinter mir und die Kopfschmerzen, die mich vor allem nachts gequält haben, sind weitgehend weg. Ich habe den Tag erst einmal mit "Atmen und Entspannen" begonnen. Aber so ganz bin ich noch nicht in der Spur. Dafür hatte ich nach dem Frühstück noch Zeit mit einem anderen "Insassen" Wege gesucht, die Welt zu retten. Ich fürchte, da brauchen wir noch eine Weile. Was ich damit sagen will, der Alltag ist eingezogen. Und das fühlt sich gut an. Im Zimmer stand ich dann vor dem Spiegel und habe mich betrachtet. Nicht in einer selbstverliebten Art und Weise (bin ich sowieso, grins), sondern ich habe realisiert, dass ich meine weibliche Kleidung ganz normal im Alltag trage und nicht in einer "Ausnahmesituation" zuhause. Ich spiele nicht damit, ich lebe es einfach. Fühlt sich richtig gut an ...
Später hatte ich noch einen Termin bei der Ärztin. Blutwerte sind alle im grünen Bereich und teilweise sogar ziemlich gut. Ich würde mich gut ernähren, meinte sie. Auch stellte sie fest, dass ich die Reha "offen, aktiv und motiviert" angehen würde. Und damit hat sie genau das beschrieben, wie ich mich fühle. Mittags habe ich noch einen Vortrag über Gesundheit gehört, den ich auch gut fand. Die Inhalte waren mir weitgehend klar, aber es macht für mich Sinn, über Inhalte und Zusammenhänge nochmals klar zu werden. Nachmittags wurde es dann körperlich. Mit "Terraintraining" schnelles Gehen im Wald mit teilweise heftigen Anstiegen wurde Blutdruck und Herzfrequenz hoch getrieben. Danach bin ich noch meine übliche Runde im Schwimmbad gewesen.
Ich merke, wie ich körperlich wieder aufbaue. Ich gehe alle Treppen zu Fuß, was bedeutet, dass ich zwischen Zimmer und Behandlungsräume immerhin jedes Mal ca. 100 Stufen gehe und das mehrfach am Tag. Physisch spüre ich das Training und auch der Kopf wird frei. Ein Buch habe ich beendet, dass mir ebenfalls einige gute Anstöße gegeben hat. Allerdings waren ca. 3/4 des Buches für mich Geschwafel. Deshalb empfehle ich es nicht.
Zwischenbilanz: Wo stehe ich nach einer Woche Reha en femme ? Tinnitus rauscht noch immer, was auch zu erwarten war. Ich komme damit aber besser zurecht. Die schlimmste Phase ist hoffentlich vorüber. Der Hörschaden ist wohl bleibend. Auch da mache ich mir keine Illusionen. Auch damit lässt es sich leben und die Kontakte zeigen, dass ich damit auch umgehen kann. Das ist vielleicht die größte Gefahr, mich sozial zurück zu ziehen. Dass ich die Zeit 24/7 en femme lebe und mich auch in dieser Form den sozialen Kontakten stelle, ist vermutlich der größte Gewinn. Nach den Jahren des Grübelns und Denkens ist eine Leichtigkeit eingekehrt. Da ist die Reha für mich ein absoluter Höhepunkt. Ängste und Scham liegen komplett hinter mir und ein neues Selbstbewusstsein ist eingekehrt.
Vielleicht das wichtigste für mich: Mir ist aufgefallen, wie sehr die eigene Wahrnehmung mich ausgebremst hat. Innerlich ging ich immer davon aus, dass ich als Transmensch in zweiter Reihe stehe und mein Auftreten so etwas wie eine "Belästigung" anderer darstellt. Das war aber nur unbewusst. Hätte es mir jemand gesagt, ich hätte es verneint. Es war ein verinnerlichter Glaubenssatz. Durch den völlig normalen und ungezwungenen Umgang mit anderen Menschen hier, habe ich realisiert, wie sehr mich das behindert hat. Davon konnte ich mich ziemlich befreien. Wie jeder andere Mensch habe ich eine Vergangenheit und Veranlagungen. Und genau so kann ich das hier auch leben. Und ich merke, dass ich dieses neue Selbstbewusstsein auch nach hause in meine Ehe mitnehmen werde. Meine Sicht hat sich verändert und das fühlt sich sehr wertvoll an. Und ich denke, es wird dadurch auch meine Beziehung verändert werden.
Vor 20 Jahren, als mich meine erste Frau verließ, habe ich mir regelrecht geschworen, dass mein restliches Leben besser werden soll. Vielleicht nicht leichter, aber besser. Und das gilt heute nach wie vor. Es war der erste Schritt, um mich aus dem Sumpf zu ziehen. Jetzt habe ich wieder einen großen Schritt gemacht. Und ich habe jetzt noch zwei Wochen Zeit, das zu konsolidieren.
Aber vorher brauche ich ein Frühstück ...
Viele Grüße
Vicky
Respekt ist nicht teilbar.
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Reha, Tag 8
Moin liebe Lesende,
heute wrd es wohl etwas kürzer. Vieles hat sich eingespielt. Auch die Kontakte haben sich verstetigt, aber auch erweitert. Bei vielen bin ich soweit voll akzeptiert, bei manchen hat das sogar freundschaftliches Niveau, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Da ist alles im grünen Bereich.
Heute gab es nur drei Termine: Gesprächsgruppe Hörschädigung/Tinnitus, Fango und Medi-Jet. Letzteres ist ein Wasserbett mit Massagedüsen. Da wollte ich gar nicht mehr runter. Darüber hinaus habe ich wieder einen Spaziergang in Wald und Feld gemacht und meine üblichen Schwimmrunden absolviert. Ansonsten keine wesentlichen Tätigkeiten oder Gedanken. Nach dem Abendessen hatte ich noch verschiedene lange Gespräche bei Teeologie
Fazit: Es geht auch mal ohne ...
heute wrd es wohl etwas kürzer. Vieles hat sich eingespielt. Auch die Kontakte haben sich verstetigt, aber auch erweitert. Bei vielen bin ich soweit voll akzeptiert, bei manchen hat das sogar freundschaftliches Niveau, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Da ist alles im grünen Bereich.
Heute gab es nur drei Termine: Gesprächsgruppe Hörschädigung/Tinnitus, Fango und Medi-Jet. Letzteres ist ein Wasserbett mit Massagedüsen. Da wollte ich gar nicht mehr runter. Darüber hinaus habe ich wieder einen Spaziergang in Wald und Feld gemacht und meine üblichen Schwimmrunden absolviert. Ansonsten keine wesentlichen Tätigkeiten oder Gedanken. Nach dem Abendessen hatte ich noch verschiedene lange Gespräche bei Teeologie
Fazit: Es geht auch mal ohne ...
Viele Grüße
Vicky
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Reha, Tag 9
Ich bin jetzt schon über eine Woche hier, und mir ist kein bischen langweilig. Ich kann mich unten unter Leute begeben oder hier in meinem Zimmer ein wenig zu mir selber finden. Tagsüber gibt es mehr oder weniger Programm, aber immer wieder Zeiten, in denen ich Zeitung lesen oder auch mal ein Nickerchen mache.
Der Morgen begann gleich mit einem Hammer vor dem Frühstück: 7:00 Uhr Wirbelsäulentherapie. Bei mir ging das im Rücken bis zur Schmerzgrenze. Da muss ich wohl noch einiges tun. Dann ab zum Frühstück, aber selbst da kam ich nicht so richtig in Gang. Bei der Motorelaxation ging es dann doch wieder. Hier werden uns verschiedene Entspannungstechniken speziell in Richtung Tinnitus gezeigt. HIer passierte wieder, was schon öfters passierte. Ich wurde mit männlichem Vornamen angesprochen. Ich weiß nicht, ob ich es schon einmal angesprochen habe, denn ds kommt nicht oft, aber es kommt vor. Das ist keine böse Absicht, denn die Akte werden unter meinem männlichen Vornamen geführt. Und wenn die Therapeutin nur die Liste hat, ruft sie eben den männlichen Vornamen auf. Im aktuellen Fall hat sie gleich das Problem bemerkt und mich nach der Therapie nach meinem weiblichen Vornamen gefragt. Letztlich habe ich damit keine Probleme. Einmal rief der Therapeut laut meinen männlichen Vornamen und ich rief ebenso laut zurück, dass das nur mein Aktenname ist. Die Leute wissen sowieso, dass ich einen Trans-Hintergrund habe. Wozu also aufregen oder schlechte Gefühle haben. Sie behandeln mich ja gut.
Und wenn wir gerade dabei sind. Nicht Jede/r ann mit mir etwas anfangen und so gehen gelegentlich Menschen mir aus dem Weg oder grüßen nur muffelig. Direkte Ablehnung verspüre ich aber nicht, denn die meisten Menschen sind freundlich zu mir und gehen positiv mit mir um. Und die, die mit mir nichts anfangen können, wären mir in jedem Modus unsympathisch. Aber das ist ja ganz normal.
Was war noch heute: Sulfomoorbad (ich liebe es) und die Hörakustierin, die mit mir über mein Hörgerät gesprochen hat. Sie hat für mich einen Lautsprecher gewechselt, da der, den ich hatte etwas zu groß ist. Für die, die es interessiert. Es gibt u.a. Hörgeräte, die man hinter das Ohr klemmt und einen Akku besitzen, der drahtlos geladen wird. Der Lautsprecher sitzt aber direkt im Ohr vor dem Trommelfell. Das braucht weniger Strom und die Verstärkung wird dort erzegt, wo sie gebraucht wird. Was die Dinger sonst noch so alles leisten, erzähle ich später einmal. Zum Schluss gab es noch eine Medi-Jet-Massage. Wirklich fein. Meine abendliche Schwimmeinlage habe ich dann nach dem Abendessen absolviert. Den Gang nach draußen habe ich mir verkniffen, da es heute nur einmal geregnet hat: den ganzen Tag.
Meine Beobachtung des Tages: Interessant ist, dass je länger ich en femme lebe, um so mehr tritt das Geschlecht in den Hintergrund. Paradox. Mir ist das aufgefallen, als ich vor dem Kleiderschrank stand. Es war anders als früher. Da habe ich mit der Auswahl der Kleider immer eine Aufregung gespürt. Jetzt wähle ich mir unter meinen Kleider das aus, was ich an dem Tag tragen möchte und was sinnvoll ist. Die Aufregung hat einer schönen Normalität Platz gemacht.
Ich lebe einfach.
Ich bin, wie schon immer, in gewisser Weise in beiden Geschlechtern zuhause. Nur ist mir die männliche Welt schon immer fremd, nicht aber ein paar Eigenschaften, die eher männlich konnotiert sind. Was bedeutet das ? Ich kann und liebe es als Frau zu leben und so gelesen zu werden. Vor allem von Frauen. Hier nehme ich einen anderen Umgang untereinander wahr. Ein einfaches Beispiel sehe ich im Speisesaal. Wenn der nur wenig besucht ist, sitzen deutlich mehr Männer alleine am Tisch. Frauen finden sich viel öfter zusammen. Daneben gibg es natürlich auch gemischte Gruppen, die sich im Laufe der Zeit gefunden haben. Unter Frauen stelle ich viel mehr Verbundenheit und Kommunikation fest. Da könnten sich Männer etwas abschauen. Das ist aber nur ein allgemeiner Eindruck, der durch den Einzelfall relativiert wird. Grob gesagt: Männer sind nach meinem Eindruck einsamer (außer im Fußballstadion, grins).
So das war es für heute und ich wünsche eine gute Nacht
Der Morgen begann gleich mit einem Hammer vor dem Frühstück: 7:00 Uhr Wirbelsäulentherapie. Bei mir ging das im Rücken bis zur Schmerzgrenze. Da muss ich wohl noch einiges tun. Dann ab zum Frühstück, aber selbst da kam ich nicht so richtig in Gang. Bei der Motorelaxation ging es dann doch wieder. Hier werden uns verschiedene Entspannungstechniken speziell in Richtung Tinnitus gezeigt. HIer passierte wieder, was schon öfters passierte. Ich wurde mit männlichem Vornamen angesprochen. Ich weiß nicht, ob ich es schon einmal angesprochen habe, denn ds kommt nicht oft, aber es kommt vor. Das ist keine böse Absicht, denn die Akte werden unter meinem männlichen Vornamen geführt. Und wenn die Therapeutin nur die Liste hat, ruft sie eben den männlichen Vornamen auf. Im aktuellen Fall hat sie gleich das Problem bemerkt und mich nach der Therapie nach meinem weiblichen Vornamen gefragt. Letztlich habe ich damit keine Probleme. Einmal rief der Therapeut laut meinen männlichen Vornamen und ich rief ebenso laut zurück, dass das nur mein Aktenname ist. Die Leute wissen sowieso, dass ich einen Trans-Hintergrund habe. Wozu also aufregen oder schlechte Gefühle haben. Sie behandeln mich ja gut.
Und wenn wir gerade dabei sind. Nicht Jede/r ann mit mir etwas anfangen und so gehen gelegentlich Menschen mir aus dem Weg oder grüßen nur muffelig. Direkte Ablehnung verspüre ich aber nicht, denn die meisten Menschen sind freundlich zu mir und gehen positiv mit mir um. Und die, die mit mir nichts anfangen können, wären mir in jedem Modus unsympathisch. Aber das ist ja ganz normal.
Was war noch heute: Sulfomoorbad (ich liebe es) und die Hörakustierin, die mit mir über mein Hörgerät gesprochen hat. Sie hat für mich einen Lautsprecher gewechselt, da der, den ich hatte etwas zu groß ist. Für die, die es interessiert. Es gibt u.a. Hörgeräte, die man hinter das Ohr klemmt und einen Akku besitzen, der drahtlos geladen wird. Der Lautsprecher sitzt aber direkt im Ohr vor dem Trommelfell. Das braucht weniger Strom und die Verstärkung wird dort erzegt, wo sie gebraucht wird. Was die Dinger sonst noch so alles leisten, erzähle ich später einmal. Zum Schluss gab es noch eine Medi-Jet-Massage. Wirklich fein. Meine abendliche Schwimmeinlage habe ich dann nach dem Abendessen absolviert. Den Gang nach draußen habe ich mir verkniffen, da es heute nur einmal geregnet hat: den ganzen Tag.
Meine Beobachtung des Tages: Interessant ist, dass je länger ich en femme lebe, um so mehr tritt das Geschlecht in den Hintergrund. Paradox. Mir ist das aufgefallen, als ich vor dem Kleiderschrank stand. Es war anders als früher. Da habe ich mit der Auswahl der Kleider immer eine Aufregung gespürt. Jetzt wähle ich mir unter meinen Kleider das aus, was ich an dem Tag tragen möchte und was sinnvoll ist. Die Aufregung hat einer schönen Normalität Platz gemacht.
Ich lebe einfach.
Ich bin, wie schon immer, in gewisser Weise in beiden Geschlechtern zuhause. Nur ist mir die männliche Welt schon immer fremd, nicht aber ein paar Eigenschaften, die eher männlich konnotiert sind. Was bedeutet das ? Ich kann und liebe es als Frau zu leben und so gelesen zu werden. Vor allem von Frauen. Hier nehme ich einen anderen Umgang untereinander wahr. Ein einfaches Beispiel sehe ich im Speisesaal. Wenn der nur wenig besucht ist, sitzen deutlich mehr Männer alleine am Tisch. Frauen finden sich viel öfter zusammen. Daneben gibg es natürlich auch gemischte Gruppen, die sich im Laufe der Zeit gefunden haben. Unter Frauen stelle ich viel mehr Verbundenheit und Kommunikation fest. Da könnten sich Männer etwas abschauen. Das ist aber nur ein allgemeiner Eindruck, der durch den Einzelfall relativiert wird. Grob gesagt: Männer sind nach meinem Eindruck einsamer (außer im Fußballstadion, grins).
So das war es für heute und ich wünsche eine gute Nacht
Viele Grüße
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Re: Reha, Tag 9
Liebe Vicky,
Mein Ziel ist es, genau diese Aufregung, die die Auseinandersetzung mit meinem Gender mit sich bringt, immer weiter zu reduzieren. Sie zeigt sich am Kleiderschrank, aber auch mal draußen, wenn sich mir etwa die Frage aufdrängt, ob ich so"richtig" bin, wie ich eben bin. Als Exot und gewissermaßen Außenseiter zwischen all den Cis-Menschen um mich herum.
In jedem Fall verbrauchen diese Gedanken sehr viel Energie, die mir an anderer Stelle fehlt. Meine ist wohl, meine Kraft nicht ständig in die innere Aushandlung meiner Identität zu stecken, sondern sie für den Alltag zu verwenden, der schon anstrengend genug ist. Einen selbstverständlichen Umgang mit mir zu finden ist das Ziel.
Dann wird auch die Kleiderfrage irrelevant, hoffentlich
Ich freu mich für dich, dass du Stück für Stück vorankommst
LGL
Oder doch nicht?Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 7. Feb 2024, 20:41Interessant ist, dass je länger ich en femme lebe, um so mehr tritt das Geschlecht in den Hintergrund. Paradox.
Das ist doch eine schöne ErfahrungVicky_Rose hat geschrieben: Mi 7. Feb 2024, 20:41Die Aufregung hat einer schönen Normalität Platz gemacht.
Mein Ziel ist es, genau diese Aufregung, die die Auseinandersetzung mit meinem Gender mit sich bringt, immer weiter zu reduzieren. Sie zeigt sich am Kleiderschrank, aber auch mal draußen, wenn sich mir etwa die Frage aufdrängt, ob ich so"richtig" bin, wie ich eben bin. Als Exot und gewissermaßen Außenseiter zwischen all den Cis-Menschen um mich herum.
In jedem Fall verbrauchen diese Gedanken sehr viel Energie, die mir an anderer Stelle fehlt. Meine ist wohl, meine Kraft nicht ständig in die innere Aushandlung meiner Identität zu stecken, sondern sie für den Alltag zu verwenden, der schon anstrengend genug ist. Einen selbstverständlichen Umgang mit mir zu finden ist das Ziel.
Dann wird auch die Kleiderfrage irrelevant, hoffentlich
Ich freu mich für dich, dass du Stück für Stück vorankommst
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Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...
Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass hier ein "Denkfehler" stecken könnte, der eine Ursache für den Energieverbrauch darstellt. Sind wir wirklich Exoten und Außenseiter oder machen wir uns dazu, wenn wir solche Gedanken haben ? Bsp. Reha, ja ich weiß, das ist nicht repräsentativ, aber vielleicht ein gutes Beispiel. Ich hätte darauf verzichten können, hier en femme zu leben. Dann wäre das eine vertane Chance, die ic mir immer vorgeworfen hätte. Ich hätte auch denken können, dass ich immer eine perfekte Frau darstellen muss. Das htte mich extrem viel Energie gekostet und wäre für die Menschen nicht authentisch, da ich eine Rolle spielen würde. Ich hätte mich als eine Art "Störenfried" sehen können, wie ich aufgenommen werde. Auch das kostet eine Menge Energie.Lana hat geschrieben: Mi 7. Feb 2024, 21:39 Als Exot und gewissermaßen Außenseiter zwischen all den Cis-Menschen um mich herum.
Egal wie, ich glaube, der einzige Weg, der mich kaum Energie kostet, dafür viel Gewinn einbringt, ist mein Ding hier zu machen. Ich habe die gleichen Rechte. Ich bin ein Mensch, der so gut ist, wie alle anderen und keiner zweiter Klasse. Ich bin kein Störenfried, sondern habe viel Spaß mit den Menschen um mich herum. Und ich bin jedem Einzelnen dankbar, der mich meine Normalität spüren lässt. Das ist es für mich hier geworden: Es ist normal, trans zu sein. Das heißt nicht, dass es einfach ist, aber die Probleme tauchen an anderer Stelle auf, nicht in meinem Kopf.
Viele haben mir hier gesagt, lebe es doch einfach und mache Dir nicht so einen Kopf. Jetzt weiß ich, was sie meinten. Und jetzt bist Du dran. Lebe es und mach Dir keinen Kopf...
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...
Danke für deine Worte. Im Prinzip ist es mir klar. Und trotzdem sind diese Gedanken da, mal mehr, mal weniger. Zur Zeit gerade leider wieder mehrVicky_Rose hat geschrieben: Mi 7. Feb 2024, 22:06Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass hier ein"Denkfehler" stecken könnte, der eine Ursache für den Energieverbrauch darstellt. Sind wir wirklich Exoten und Außenseiter oder machen wir uns dazu, wenn wir solche Gedanken haben ? [...]
Viele haben mir hier gesagt, lebe es doch einfach und mache Dir nicht so einen Kopf. Jetzt weiß ich, was sie meinten. Und jetzt bist Du dran. Lebe es und mach Dir keinen Kopf...
Lebe es doch einfach, ja, wenn das so einfach wäre. Gerade geht es nicht, und ich versuche zu verstehen, woran es liegt. Es gab ja durchaus schon Zeiten, in denen es besser geklappt hat, so ähnlich wie bei dir gerade in der Reha. Vielleicht kommen die irgendwann wieder...
Genieße diesen Zustand und erhalte es dir für danach!
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Reha, Tag 10
Gestern war einiges mehr los im Programm. Ich hätte es gleich aufschreiben sollen, denn heute geht es weiter. Doch dazu komme ich in einem späteren Beitrag.
Also Programm Tag 10:
Wirbelsäulentherapie, die war wieder deutlich heftig und sie hat gut getan
Gesprächsgruppe Tinnitus, wir hatten eine Hausaufgabe: Wir sollten unserem Tinnitus einen fröhlichen Namen geben, da die Bewertung des Tinnitus ein entscheidendes Faktum ist, wie man damit umgeht und wie man sich damit fühlen kann. In der NAcht vorher habe ich darüber gegrübelt und habe zu einem Namen gefunden und mir eine kleine Geschichte darum ausgedacht:
Zu einer Zeit, in der ganz Gallien besetzt war ... ganz Gallien ? Nein ein kleines rebellisches Dorf leistet Widerstand. Dort lebten Asterix und Obelix und die ganzen Freunde. Eines Nachts (mein Hörsturz kam über Nacht) kam jemand ins Dorf und wenn er nun schon einmal da war durfte er auch bleiben. Er war ein Freund einer speziellen Musik und freundete sich mit Troubadix dem Barden an. Sein Name war Pfeifnix ....
Es hat Spaß gemacht die Geschichte zu erzählen und führte zu leichten Lachanfällen ...
Muskelaufbautraining: zu deutsch Muckibude.
Nach dem Mittagessen gab es die psychologische Einzelberatung: Das war für mich ganz wichtig, da ich hier die Frage meines Transdaseins besprechen konnte. Natürlich ist eine Stunde viel zu wenig, aber das Ansprechen der Dinge meiner Vergangenheit und Gegenwart hat richtig gut getan. Meine Psychologin hat auch wunderbar zugehört und ich habe das Gefühl, dass sie mich verstanden hat. Zum ersten Mal konnte ich über all die Dinge, die mir klar, aber auch unklar sind, reden. Das war für mich wie eine Offenbarung. Da sie eine neutrale Position hat und emotional nicht eingebunden ist, war das freie Sprechen für mich viel einfacher als wenn ich mit Menschen rede, die emotional mit mir verbunden sind. Ich glaube, Ihr versteht, was ich meine. Wahrscheinlich bekomme ich noch einmal einen Termin. Psychologengespräche sind hier begehrt. Ich vermute, sie wird mir empfehlen, mich zuhause um eine Therapie zu bemühen. Und ich glaube, das könnte sehr sinnvoll sein. Durch die Perspektive von außen, bekomme ich auch einen anderen Zugang zu meinem Thema. Es hat mich sehr gefreut, als sie sagte, dass es schlau sei, die geschützte Umgebung der Reha nutze, um das Frau-leben, auszuprobieren. Gleichzeitig spüre ich aber auch, dass diese Erfahrungen mein Alltagsleben zuhause massiv beeinflussen werden. Aber ist es nicht das, was ich auch suche ? Ich glaube schon.
Terraintraining, hier haben wir wieder eine neue Route durch die Wiesen gewählt, denn im Wald ist alles total matschig und nass.
Zum Abschluss gab es noch Gleichgewichts- und Schwindelträinig. Hier hatten wir verschiedene Stationen in der Halle aufgebaut, die zum Thema passen. Balacieren an verschiedenen Geräten und Wackelbretter, ein Ballspiel auf Wackelbretter, Kletern an einer Kletterwand (nicht sehr hoch, aber man gut quer klettern) etc.
Fazit: Und wieder habe ich das Gefühl als Frau unter Frauen akzeptiert zu sein. Natürlich nicht bei allen, aber bei einigen dafür in sehr herzlicher Weise. Ich spüre die Freude, wenn sie mich sehen und mit mir reden. Eine hat mich sogar von sich aus umarmt. Das hat mich tief berührt und zusammen mit dem Gespräch bei der Psychologin bin ich ziemlich aufgewühlt. Für mich kann ich sagen, dass es von elementarer Bedeutung ist, dass ich mir selber ganz tief drinnen erlaube, auch Gedanken und Gefühle zu haben, die ich mir früher nie zugestanden hätte. Früher war es eher ein Zwiespalt zwischen Frau fühlen wollen und es mir nicht erlauben, da Angst, Scham und Prägung mich daran gehindert haben, zuzulassen, dass ich ein tief sitzendes weibliches Element in mir fühle. Da wird noch einiges zu schreiben sein.
So, Fortsetzung mit dem heutigen Tag wird folgen. Vielleicht schon heute Abend, denn ich habe wieder Neues zu berichten.
Bis später.
Also Programm Tag 10:
Wirbelsäulentherapie, die war wieder deutlich heftig und sie hat gut getan
Gesprächsgruppe Tinnitus, wir hatten eine Hausaufgabe: Wir sollten unserem Tinnitus einen fröhlichen Namen geben, da die Bewertung des Tinnitus ein entscheidendes Faktum ist, wie man damit umgeht und wie man sich damit fühlen kann. In der NAcht vorher habe ich darüber gegrübelt und habe zu einem Namen gefunden und mir eine kleine Geschichte darum ausgedacht:
Zu einer Zeit, in der ganz Gallien besetzt war ... ganz Gallien ? Nein ein kleines rebellisches Dorf leistet Widerstand. Dort lebten Asterix und Obelix und die ganzen Freunde. Eines Nachts (mein Hörsturz kam über Nacht) kam jemand ins Dorf und wenn er nun schon einmal da war durfte er auch bleiben. Er war ein Freund einer speziellen Musik und freundete sich mit Troubadix dem Barden an. Sein Name war Pfeifnix ....
Es hat Spaß gemacht die Geschichte zu erzählen und führte zu leichten Lachanfällen ...
Muskelaufbautraining: zu deutsch Muckibude.
Nach dem Mittagessen gab es die psychologische Einzelberatung: Das war für mich ganz wichtig, da ich hier die Frage meines Transdaseins besprechen konnte. Natürlich ist eine Stunde viel zu wenig, aber das Ansprechen der Dinge meiner Vergangenheit und Gegenwart hat richtig gut getan. Meine Psychologin hat auch wunderbar zugehört und ich habe das Gefühl, dass sie mich verstanden hat. Zum ersten Mal konnte ich über all die Dinge, die mir klar, aber auch unklar sind, reden. Das war für mich wie eine Offenbarung. Da sie eine neutrale Position hat und emotional nicht eingebunden ist, war das freie Sprechen für mich viel einfacher als wenn ich mit Menschen rede, die emotional mit mir verbunden sind. Ich glaube, Ihr versteht, was ich meine. Wahrscheinlich bekomme ich noch einmal einen Termin. Psychologengespräche sind hier begehrt. Ich vermute, sie wird mir empfehlen, mich zuhause um eine Therapie zu bemühen. Und ich glaube, das könnte sehr sinnvoll sein. Durch die Perspektive von außen, bekomme ich auch einen anderen Zugang zu meinem Thema. Es hat mich sehr gefreut, als sie sagte, dass es schlau sei, die geschützte Umgebung der Reha nutze, um das Frau-leben, auszuprobieren. Gleichzeitig spüre ich aber auch, dass diese Erfahrungen mein Alltagsleben zuhause massiv beeinflussen werden. Aber ist es nicht das, was ich auch suche ? Ich glaube schon.
Terraintraining, hier haben wir wieder eine neue Route durch die Wiesen gewählt, denn im Wald ist alles total matschig und nass.
Zum Abschluss gab es noch Gleichgewichts- und Schwindelträinig. Hier hatten wir verschiedene Stationen in der Halle aufgebaut, die zum Thema passen. Balacieren an verschiedenen Geräten und Wackelbretter, ein Ballspiel auf Wackelbretter, Kletern an einer Kletterwand (nicht sehr hoch, aber man gut quer klettern) etc.
Fazit: Und wieder habe ich das Gefühl als Frau unter Frauen akzeptiert zu sein. Natürlich nicht bei allen, aber bei einigen dafür in sehr herzlicher Weise. Ich spüre die Freude, wenn sie mich sehen und mit mir reden. Eine hat mich sogar von sich aus umarmt. Das hat mich tief berührt und zusammen mit dem Gespräch bei der Psychologin bin ich ziemlich aufgewühlt. Für mich kann ich sagen, dass es von elementarer Bedeutung ist, dass ich mir selber ganz tief drinnen erlaube, auch Gedanken und Gefühle zu haben, die ich mir früher nie zugestanden hätte. Früher war es eher ein Zwiespalt zwischen Frau fühlen wollen und es mir nicht erlauben, da Angst, Scham und Prägung mich daran gehindert haben, zuzulassen, dass ich ein tief sitzendes weibliches Element in mir fühle. Da wird noch einiges zu schreiben sein.
So, Fortsetzung mit dem heutigen Tag wird folgen. Vielleicht schon heute Abend, denn ich habe wieder Neues zu berichten.
Bis später.
Viele Grüße
Vicky
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...
Ich weiß auch noch nicht, wie das bei mir weiter geht. Hier bin ich in einem geschützten Bereich. Im Alltag sehen die Anforderungen anders aus. Wesentlich ist für mich hier, dass ich eine viel tiefere Erfahrung über mein Leben mache. DAs wird dann der Masstab, wie es weiter geht. Es wird definitiv nicht so sein wie hier, aber auch nicht, wie vor der Reha. Für mich ist zentral, wie ich mich und meine Gefühle bewerte. Es ist gut für mich Weiblichkeit zu leben. Das muss auch in meinem Alltag möglich sein.Lana hat geschrieben: Mi 7. Feb 2024, 22:51 Lebe es doch einfach, ja, wenn das so einfach wäre. Gerade geht es nicht, und ich versuche zu verstehen, woran es liegt. Es gab ja durchaus schon Zeiten, in denen es besser geklappt hat, so ähnlich wie bei dir gerade in der Reha. Vielleicht kommen die irgendwann wieder...
Weiblichkeit ist ein Begriff für eine sehr differenzierte Gefühlslage. Damit kann ich Weiblichkeit in den unterschiedlichsten Formen leben. Es gibt nicht die eine Weiblichkeit, die mit Kleidung einhergeht. Es hat für mich auch viel mit der Annahme und dem Zulassen der eigenen Gefühle zu tun. Das meine ich nicht nur oberflächlich, sondern richtig in die Tiefe gehend. Und das erfahre ich hier in der Reha.
Viele Grüße
Vicky
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Reha, Tag 11
Moin,
es ist schon spät. Ab 22 Uhr ist hier Nachtruhe im Haus. Fast wie in einer Jugendherberge ...
Zum Ende der Woche hatte ich Entspannungsprogramm:
Sulfomoorbad, wie immer himmlisch ...
Motorelaxation, hier progressive Muskelentspannung. Wir liegen bequem auf der Matte, spannen gezielt Muskeln und und entspannen diese wieder. Das gibt für mich ein schönes entspanntes Gefühl. Aber es macht auch etwas mit meiner Psyche. Ich fühle mich ganz in mir wohl. Mein Körper fühlt sich so an, wie ich es mir wünsche. Es ist schwer zu beschreiben, fast ein Schweben. Und als die Therapeutin am Ende die Verbindung zwischen dem entspannten Körper und der Psyche anspricht, spüre ich ganz genau, was sie meint. Es ist fast magisch, wie ich als Transmensch darauf reagiere.
Den Abschluss bildete noch einmal das Gleichgewicht/Schwindel-Training. Wie gestern konnte man zwischen den verschiedenen Stationen frei wählen, was man wollte. Ich habe mich wieder voll hineingestürzt, weil es mir total viel Spaß macht, auf Wackelbrettern zu stehen und Ball zu spielen oder auf einem Balken herum zu turnen. Das fiel mir auch ziemlich leicht. Da kam die Therapeutin (eine andere) auf mich zu und zeigte mir ein paar Steigerungen. Dabei hatte sie offensichtlich auch ihren Spaß. Das ging dann schon in Richtung Schwebebalken. Springen auf dem Balken oder Drehungen mit Springen und passender Beinhaltung. Holla, Dieser Frauensport macht so richtig Spaß. Glücklicherweise ist der Balken in Bodennähe, damit nichts passieren kann.
Am Nachmittag habe ich mich mit einer Bekannten der letzten Tage zum Kaffee verabredet. Hier bahnt sich vielleicht eine Freundschaft an. Es ist richtig schön, so vertraut miteinander umzugehen. Es ging um Familie, Erlebnisse und eine Menge Quatsch mit viel Lachen. Ich habe es total genossen. Nach dem Abendessen habe ich noch lange mit einem anderen Patienten gesprochen und wir haben auch über alles mögliche wie Reisen u.a. unterhalten.
Das Programm für nächste Woche ist auch schon fertig. Das erzähle ich aber nächste Woche. Mal sehen, was ich morgen mache. Im Moment habe ich noch keinen Plan. Leider ist jetzt etwas im Schwimmbad kaputt, so dass es gesperrt ist. Ich hoffe, dass es bald wieder in Betrieb geht. Vielleicht mache ich in Kultur ...
Fazit: die Woche war intensiv und mein Körper zeigt deutliche Verbesserungen in der physischen Konstitution. Mein Leben hier wirkt deutlich auf meine Psyche. Immer öfter und immer länger denke ich nicht mehr daran, in welchem Modus ich eigentlich unterwegs bin und wenn ich daran denke, fühle ich mich wohl in meiner Haut. Auf der anderen Seite ist mir auch klar, dass das nicht ewig so andauern wird. Es ist ein wenig wie eine Traumwelt, aber doch ganz real. Vielleicht ist es deshalb so intensiv ? Jedenfalls geht hier so viel in Erfüllung, was ich mir erträumt habe. Einfach so akzeptiert zu werden, wie ich mich fühle und zeige. Im Kreis von Frauen aufgenommen zu werden, ist wie ein kleines Wunder. Da wird mir teilweise so viel Wärme und Verbindung entgegen gebracht, wie ich nicht zu hoffen wagte. Im Mittelpunkt stehe ich trotzdem nicht. Ich bin auch nichts besonderes, sondern einfach eine unter vielen. Ich bin einfach nur high ....
Für heute ist dann wieder Schluss.
es ist schon spät. Ab 22 Uhr ist hier Nachtruhe im Haus. Fast wie in einer Jugendherberge ...
Zum Ende der Woche hatte ich Entspannungsprogramm:
Sulfomoorbad, wie immer himmlisch ...
Motorelaxation, hier progressive Muskelentspannung. Wir liegen bequem auf der Matte, spannen gezielt Muskeln und und entspannen diese wieder. Das gibt für mich ein schönes entspanntes Gefühl. Aber es macht auch etwas mit meiner Psyche. Ich fühle mich ganz in mir wohl. Mein Körper fühlt sich so an, wie ich es mir wünsche. Es ist schwer zu beschreiben, fast ein Schweben. Und als die Therapeutin am Ende die Verbindung zwischen dem entspannten Körper und der Psyche anspricht, spüre ich ganz genau, was sie meint. Es ist fast magisch, wie ich als Transmensch darauf reagiere.
Den Abschluss bildete noch einmal das Gleichgewicht/Schwindel-Training. Wie gestern konnte man zwischen den verschiedenen Stationen frei wählen, was man wollte. Ich habe mich wieder voll hineingestürzt, weil es mir total viel Spaß macht, auf Wackelbrettern zu stehen und Ball zu spielen oder auf einem Balken herum zu turnen. Das fiel mir auch ziemlich leicht. Da kam die Therapeutin (eine andere) auf mich zu und zeigte mir ein paar Steigerungen. Dabei hatte sie offensichtlich auch ihren Spaß. Das ging dann schon in Richtung Schwebebalken. Springen auf dem Balken oder Drehungen mit Springen und passender Beinhaltung. Holla, Dieser Frauensport macht so richtig Spaß. Glücklicherweise ist der Balken in Bodennähe, damit nichts passieren kann.
Am Nachmittag habe ich mich mit einer Bekannten der letzten Tage zum Kaffee verabredet. Hier bahnt sich vielleicht eine Freundschaft an. Es ist richtig schön, so vertraut miteinander umzugehen. Es ging um Familie, Erlebnisse und eine Menge Quatsch mit viel Lachen. Ich habe es total genossen. Nach dem Abendessen habe ich noch lange mit einem anderen Patienten gesprochen und wir haben auch über alles mögliche wie Reisen u.a. unterhalten.
Das Programm für nächste Woche ist auch schon fertig. Das erzähle ich aber nächste Woche. Mal sehen, was ich morgen mache. Im Moment habe ich noch keinen Plan. Leider ist jetzt etwas im Schwimmbad kaputt, so dass es gesperrt ist. Ich hoffe, dass es bald wieder in Betrieb geht. Vielleicht mache ich in Kultur ...
Fazit: die Woche war intensiv und mein Körper zeigt deutliche Verbesserungen in der physischen Konstitution. Mein Leben hier wirkt deutlich auf meine Psyche. Immer öfter und immer länger denke ich nicht mehr daran, in welchem Modus ich eigentlich unterwegs bin und wenn ich daran denke, fühle ich mich wohl in meiner Haut. Auf der anderen Seite ist mir auch klar, dass das nicht ewig so andauern wird. Es ist ein wenig wie eine Traumwelt, aber doch ganz real. Vielleicht ist es deshalb so intensiv ? Jedenfalls geht hier so viel in Erfüllung, was ich mir erträumt habe. Einfach so akzeptiert zu werden, wie ich mich fühle und zeige. Im Kreis von Frauen aufgenommen zu werden, ist wie ein kleines Wunder. Da wird mir teilweise so viel Wärme und Verbindung entgegen gebracht, wie ich nicht zu hoffen wagte. Im Mittelpunkt stehe ich trotzdem nicht. Ich bin auch nichts besonderes, sondern einfach eine unter vielen. Ich bin einfach nur high ....
Für heute ist dann wieder Schluss.
Viele Grüße
Vicky
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...
Das ist für mich die wesentliche Aussage. Sie geht über deinen zentralen Punkt, die Frage der Geschlechtsidentität, weit hinaus.Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 9. Feb 2024, 13:19 Wesentlich ist für mich hier, dass ich eine viel tiefere Erfahrung über mein Leben mache.
Wenn ich deine Zeilen lese, spüre ich, wie wach, offen und präsent du bist.
Und freue mich, dass du diese Erfahrung machen darfst.
LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...
Und ich wünsche mir, dass noch mehr von uns auch eine solche Erfahrung machen können. Dazu braucht es keine Reha, sondern den Wunsch und ein offenes Auge für Möglichkeiten. Ich möchte Mut manchen. Ganz im Sinne von "Wenn Du einen guten Bootsbauer haben willst, mache ihm Lust auf die See". Es muss jede/r für sich selber entscheiden, ob er/sie aus dem eigenen Kokon heraus will.
Ich mache mir auch selber Mut, wenn ich die Dinge aufschreibe, damit ich nicht wieder hinter meine eigenen, alten Begrenzungen zurück falle und ich mich Scheingründen unnötig klein mache.
Viele Grüße
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Reha, Tag 12 und 13
Wochenende und kein Internet.... 
Ich hatte am Wochenende einen Durchhänger und in den Nächten ziemliche Rückenschmerzen. Woran lag's ? Ich weiß es nicht genau, aber ich habe das Gefühl, dass eine längeres Gespräch mit einem anderen Patienten. Eigentlich total harmlos, aber es hat mich in alte Denk- und Verhaltensschemen zurück geworfen und das hat mir nicht gut getan. Neben den physischen Schmerzen hatte ich auch seelisch ein Tief. Ich wusste gar nicht, dass ich so sensibel darauf reagiere. Als ich am Samstag mit einer Patientin ein persönlicheres Gespräch geführt hat, sagte sie beiläufig, dass es manchmal schwer ist, im hier und jetzt zu leben. Da hat es bei mir "klick" gemacht. Ich habe mein Leben wieder auf den Augenblick ausgerichtet und die Rückenschmerzen wurden kleiner. Heute Abend sind sie nahezu weg. Übrigens ging das Gespräch u.a. um Transthemen und ich hoffe, einen kleinen Beitrag zur Verständigung geleistet zu haben. Das Thema habe ich an der Stelle eingebracht. Sie sagte daraufhin, dass sie sich nie getraut hätte, das Thema anzusprechen. Hier müssen wohl wir auf die Menschen zugehen ...
Später am Samstag habe ich noch ein weiteres persönliches Gespräch mit einer anderen Patientin geführt. Hier ging es um die Gewalt, die von ihrem Vater ihr gegenüber ausging. Und was sie noch von Ärzten in den 1970ern erzählte, ließ mir die Haare zu Berge stehen. Pfusch bei Implantaten, die ihr zwangsweise in der Jugend eingesetzt wurden, weil sie keine Brüste entwickelte ... Das geht unter die Haut.
Der Sonntag begann wie jeder Tag mit dem Frühstück. Dort saß ich mit meinen üblichen Frauen zusammen, als sich noch ein paar andere Frauen dazu gesellten. Wir kamen schnell in ein fröhliches Gespräch und sie luden mich ein, zusammen zum Umzug zu gehen. Ich bin ja nicht so der Faschingsfan und habe ihnen beim Mittagessen zugesagt. In Standardklamotten wollte ich aber nicht dorthin und so habe ich mir meine schwarze Lederhose und ein schwarzes Top angezogen. Dazu noch warme Unterwäsche und eine Jeansjacke. Der Clou war aber mein Gesicht, dass ich als Katze geschminkt habe. Mit Eyeliner und Lidschatten ist mir das im zweiten Versuch geglückt. Ich würde Euch gerne ein Bild zeigen, doch ich habe mein Lesegerät von der SD-Karte vergessen. Ich liefere nach. Die Erste, die mich sah, sagte nur "wie süß" ... Draußen nieselte es und nachdem ich die knappe halbe Stunde in den Ort gelaufen bin, fing es richtig an zu regnen. Zum Aufwärmen habe ich mir erst einmal einen Kaffee gegönnt und bin dann herum gezogen. In der Zwischenzeit war es wieder trocken und der Himmel wurde kurzzeitig blau. Ich traf auch ein paar Leute, aber nicht meine Mädels vom Morgen. Da ich mit denen, die ich traf, nicht viel anfangen konnte, bin ich alleine herum gezogen und habe mir die vielen Köstüme angesehen. Ich war schon seit fast 50 Jahren nicht mehr auf einem Umzug. Die Kostüme sind vielfältiger geworden und an der Strecke war es ziemlich laut. Als der Zug kam, wurde es unerträglich. Ich bin hier, um meinen Ohren Gutes zu tun und nicht, um sie zu zerstören. Die Klinik wird auch in Zukunft viele Patienten haben. Ich ging in eine Nebenstraße, von der ich den Zug sehen konnte. Aber selbst mit einem Abstand von gut 50 m war es mir zu laut. Wie können Eltern ihren kleinen Kindern das antun ?
Ich ging also zurück. Gesehen hatte ich sowieso genug und als ich in der Klinik war, konnte ich den Zug noch durch die geschlossenen Scheiben hören. Und das bei einem Abstand von 30 min zu Fuß ! Da ich mir mit der Schminke so viel Mühe gegeben habe, beschloß ich, mich erst nach dem Abendessen abzuschminken. Im Speisesaal habe ich dafür von vielen Komplimente bekommen. Das fühlt sich echt gut an ...
So, das war's vom Wochenende. Mein Merksatz für heute: Lebe im hier und jetzt, wann immer es geht. Mich hat es aus dem Loch geholt.
Ich hatte am Wochenende einen Durchhänger und in den Nächten ziemliche Rückenschmerzen. Woran lag's ? Ich weiß es nicht genau, aber ich habe das Gefühl, dass eine längeres Gespräch mit einem anderen Patienten. Eigentlich total harmlos, aber es hat mich in alte Denk- und Verhaltensschemen zurück geworfen und das hat mir nicht gut getan. Neben den physischen Schmerzen hatte ich auch seelisch ein Tief. Ich wusste gar nicht, dass ich so sensibel darauf reagiere. Als ich am Samstag mit einer Patientin ein persönlicheres Gespräch geführt hat, sagte sie beiläufig, dass es manchmal schwer ist, im hier und jetzt zu leben. Da hat es bei mir "klick" gemacht. Ich habe mein Leben wieder auf den Augenblick ausgerichtet und die Rückenschmerzen wurden kleiner. Heute Abend sind sie nahezu weg. Übrigens ging das Gespräch u.a. um Transthemen und ich hoffe, einen kleinen Beitrag zur Verständigung geleistet zu haben. Das Thema habe ich an der Stelle eingebracht. Sie sagte daraufhin, dass sie sich nie getraut hätte, das Thema anzusprechen. Hier müssen wohl wir auf die Menschen zugehen ...
Später am Samstag habe ich noch ein weiteres persönliches Gespräch mit einer anderen Patientin geführt. Hier ging es um die Gewalt, die von ihrem Vater ihr gegenüber ausging. Und was sie noch von Ärzten in den 1970ern erzählte, ließ mir die Haare zu Berge stehen. Pfusch bei Implantaten, die ihr zwangsweise in der Jugend eingesetzt wurden, weil sie keine Brüste entwickelte ... Das geht unter die Haut.
Der Sonntag begann wie jeder Tag mit dem Frühstück. Dort saß ich mit meinen üblichen Frauen zusammen, als sich noch ein paar andere Frauen dazu gesellten. Wir kamen schnell in ein fröhliches Gespräch und sie luden mich ein, zusammen zum Umzug zu gehen. Ich bin ja nicht so der Faschingsfan und habe ihnen beim Mittagessen zugesagt. In Standardklamotten wollte ich aber nicht dorthin und so habe ich mir meine schwarze Lederhose und ein schwarzes Top angezogen. Dazu noch warme Unterwäsche und eine Jeansjacke. Der Clou war aber mein Gesicht, dass ich als Katze geschminkt habe. Mit Eyeliner und Lidschatten ist mir das im zweiten Versuch geglückt. Ich würde Euch gerne ein Bild zeigen, doch ich habe mein Lesegerät von der SD-Karte vergessen. Ich liefere nach. Die Erste, die mich sah, sagte nur "wie süß" ... Draußen nieselte es und nachdem ich die knappe halbe Stunde in den Ort gelaufen bin, fing es richtig an zu regnen. Zum Aufwärmen habe ich mir erst einmal einen Kaffee gegönnt und bin dann herum gezogen. In der Zwischenzeit war es wieder trocken und der Himmel wurde kurzzeitig blau. Ich traf auch ein paar Leute, aber nicht meine Mädels vom Morgen. Da ich mit denen, die ich traf, nicht viel anfangen konnte, bin ich alleine herum gezogen und habe mir die vielen Köstüme angesehen. Ich war schon seit fast 50 Jahren nicht mehr auf einem Umzug. Die Kostüme sind vielfältiger geworden und an der Strecke war es ziemlich laut. Als der Zug kam, wurde es unerträglich. Ich bin hier, um meinen Ohren Gutes zu tun und nicht, um sie zu zerstören. Die Klinik wird auch in Zukunft viele Patienten haben. Ich ging in eine Nebenstraße, von der ich den Zug sehen konnte. Aber selbst mit einem Abstand von gut 50 m war es mir zu laut. Wie können Eltern ihren kleinen Kindern das antun ?
Ich ging also zurück. Gesehen hatte ich sowieso genug und als ich in der Klinik war, konnte ich den Zug noch durch die geschlossenen Scheiben hören. Und das bei einem Abstand von 30 min zu Fuß ! Da ich mir mit der Schminke so viel Mühe gegeben habe, beschloß ich, mich erst nach dem Abendessen abzuschminken. Im Speisesaal habe ich dafür von vielen Komplimente bekommen. Das fühlt sich echt gut an ...
So, das war's vom Wochenende. Mein Merksatz für heute: Lebe im hier und jetzt, wann immer es geht. Mich hat es aus dem Loch geholt.
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Reha; Tag 14
Heute morgen bin ich ur Ärztin beim Termin: "Wie lange hätten Sie gerne Verlängerung ?" Das war dann doch etwas überraschend. Na ja, ich denke, den Monat machen wir noch voll. Ansonsten habe ich noch Hoffnung für meinen pusierenden Tinnitus. Der hat vielleicht organische Gründe und ich bekomme eine Sonographie. Ansonsten war es sehr ruhig. Fango, Hörtechnikgruppe (welche Zusatzgeräte gibt es für Schwerhörige ?) und das war es dann auch schon. Abends habe ich zum ersten Mal Bingo gespielt. Fast hätte es zum Hauptgewinn gereicht. Aber das denken sich wahrscheinlich alle Teilnehmer. Es war ja nur ein Spaß, denn die Gewinne erinnern mich z.T. an Gruselwichteln. Dann gab der Veranstalter noch ein Minikonzert zum Fasching. Es geht zunehmend in die Routine. Anstrengend wird es diese Woche. Jeden Morgen Wirbelssäulentherapie, meist um 7 Uhr. Dafür ist wieder zeitig Schluss.
Und Schluss ist auch für heute von mir ...
Und Schluss ist auch für heute von mir ...
Viele Grüße
Vicky
Respekt ist nicht teilbar.
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Reha, Tag 15
Ich habe heute ein Bändchen von Erich Kästner mit Epigrammen in der kleinen Hausbibliothek gefunden. Hieraus ein Zitat:
Nur als Anregung zum Nachdenken. Wo habt Ihr Eure offenen Türen ? Überseht Ihr auch offene Türen ? Ich finde hier nur offene Türen ...Nur Geduld
Das Leben, das die meisten führen,
zeigt ihnen, bis sie's klar erkennen:
Man kann sich auch an offnen Türen
den Kopf einrennen.
Viele Grüße
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