Wally hat geschrieben: Mo 8. Jan 2024, 14:48
Jaddy hat geschrieben: Mo 8. Jan 2024, 13:40
Nichts ist billiger als erneuerbare, nichts ist teurer als nuklear.
Ach so:
deshalb fehlen dem Habeck jetzt schon wieder die nächsten 60 Milliarden Euro für erst durch die "Energiewende" nötig gewordene Gaskraftwerke...
Weisst du dselbst, dass das Unfug ist, oder? Meines Wissens wird da nichts gefördert, sondern maximal Kredite verbürgt für die 100% privaten Projekte. Die Liste neue Gaskraftwerke ist allerdings kurz. Ein Dutzend Projekte, bis auf 2 alles "in Planung" mit unbestimmtem Zeitplan. Die Energiekonzerne wollen die eigentlich gar nicht, weil sich die Dinger wirtschaftlich nicht mehr lohnen. Der erzeugte Strom ist im Normalfall zu teuer genau wie jeder fossile. Nur durch das Preissystem(1) können sie ihn überhaupt absetzen und nur in Fällen, wo weder heimische Erneuerbare, noch Importstrom verfügbar ist, erwirtschaften sie Geld.
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Nora_7 hat geschrieben: Mo 8. Jan 2024, 15:16"Frankreich will in den kommenden Jahren zusätzlich zu bereits geplanten sechs Atomkraftwerken acht weitere Meiler bauen
Tja ja, EPR. Sämtliche Projekte damit wurden und werden zig mal teurer und verzöger(te)n sich massiv. Keines davon arbeitet wirklich wirtschaftlich oder wird jemals wirtschaftlich arbeiten, ohne dass die jeweiligen Staaten direkte Förderungen, Abnahmegarantien zu sehr hohen Preisen, Versicherungen usw übernehmen. Finnland hat sich massiv übernommen. Gerne mal nachlesen.
In UK ist Hinkley Point C finanziell am absaufen. Der chinesische Partner hat Ende 2023 erklärt, keinen weiteren Penny mehr zahlen zu wollen. Die Baukosten sind von 16 auf 37 Milliarden Euro gestiegen. Schon bei der Planung war klar, dass das Kraftwerk bei einem Preis von unter 90 Pfund/MWh Verluste schreiben würde. Die Regierung Cameron sicherte deshalb "für 35 Jahre ab Inbetriebnahme eine garantierte Einspeisevergütung in Höhe von 92,5 Pfund/MWh plus einem jährlichen Inflationsausgleich auf Preisbasis 2012 zu (derzeit 107 Euro/MWh). Mit Stand September 2023 würde die Einspeisevergütung bereits 128,09 Pfund/MWh bzw. 147,27 Euro/MWh (0,147 Euro/kwh) betragen. ... Sollten die Kernreaktoren aufgrund ausschließlich politischer Umstände abgeschaltet werden müssen, werden die Betreiber für den entgangenen Ertragsausfall durch die Regierung finanziell entschädigt." (
Wiki)
D.h. die Betreibenden ahnen wohl schon, dass sie keine 60 Jahre lang produzieren werden. Insgesamt fördert die UK Regierung Hinkley Point C mit ~100 Milliarden Euro. Dies und die Abnahmegarantie kommen aus Steuergeldern und gehört _eigentlich_ auf die Stromrechnung.
Durchschnittlicher Großhandelspreis in D 2023: 95€/MWh, wobei Fossilstrom der teuerste Anteil ist. Je mehr Erneuerbare, desto billiger - eigentlich(1).
Ich mache mal ne wirklich schräge und daumenbreite Gegenrechnung auf. Eine aktuell käufliche Hausanlage der Größenordnung 10kWp(2) kommt auf umgerechnete Kosten von 50-70 €/MWh. Das sind keine kommerziellen Großanlagen, die noch effektiver sind. Für 100 Mia Euro hätte UK sich 5 Millionen solcher Anlagen aufstellen können. Das wären 500 GWp und ca 50 TWh/a. Hinkley Point C wird 3,8 GWp liefern. Bei bester Verfügbarkeit (~70%)(3) sind das 23,5 TWh/a, also weniger als die Hälfte. Ein Niedrigzins-Förderprogramm für private Installationen wäre also viel billiger gewesen, schneller, dezentraler, ausfallsicherer.
Also: Wirtschaftlich ist Kernenergie aktuell nicht. Sie war es nie, sondern funktionierte ausschliesslich mit staatlicher Förderung. 237 Mrd Euro in der BRD seit 1970. Und sie wird auch nie wirtschaftlich werden. Auch nicht mit den angeblichen neuen Wunderreaktoren. Die ersten Firmen sind bereits am Ende, bzw ziehen sich wegen Unwirtschaftlichkeit raus, denn die Entwicklung bis zur Marktreife wird noch Jahrzehnte dauern. Diese heisse PR-Luft wird u.a. von Fossilfirmen gesponsort, um Erneuerbare als vorhandene Alternative zu torpedieren. Das war übrigens bei der Brüter-Technik schon mal der Fall. Kalkar plus Wiederaufarbeitung in Wackersdorf sollten es richten. Bis die Betreiberfirmen wegen Unwirtschaftlichkeit aus den Projekten ausgestiegen sind, 1989 und 1991, also alles zu CDU-Zeiten.
Und egal wie: Die Problematik der dazu gehörigen Industrie bleibt. Hoch radioaktives Material muss transportiert, aufbereitet und gelagert werden. Dabei darf nicht ein Fehler passieren. Weder versehentlich noch absichtlich. Kernfusion? Noch mehr Jahrzehnte entfernt. Nicht mal absehbar. Gleiches PR-Theater wie bei den "neuen Reaktoren".
Nora_7 hat geschrieben: Mo 8. Jan 2024, 15:16Und auch die Erzeugung von Windenergie kann Probleme machen: ... Siemens Gamesa
Klar. Wenn eine Firma sich wegen "Kostenoptimierung" minderwertige Qualität einkauft und die Zuliefernden bis unter die Wirtschaftlichkeit drücken will, passiert sowas. Hab ich in der Auto-Industrie im Projektgeschäft auch erlebt. Große Anlagenfirmen, die unter Preis anbieten und ihre Subs durch Verzögerungen über die Klinge springen lassen, um sie nicht bezahlen zu müssen. Das hat aber nichts mit der Profitabilität der Windenergie als solches zu tun.
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Und dann war da noch...
Nicole Fritz hat geschrieben: Mo 8. Jan 2024, 16:04Nach meiner Erkenntnis (wer mag, nenne es "Verschwörungstheorie") braucht man nur eine passende Antenne ca. 25 m hoch in die Luft zu bringen, um den Energiebedarf eines ganzen Dorfes zu decken. ... Jeder, der bisher versuchte, so genannte freie Energie zu vermarkten und zu verkaufen, kam entweder unter mysteriösen Umständen ums Leben, oder gab es schließlich auf.
Also Sorge zu verschwinden hab ich nicht, aber Bedarf an Strom. Also zeig mir das mal bitte funktionierend in der Praxis. Ich habe da allerdings ein Verdacht, warum die Leute aufgaben: Es ist einfach Unfug.
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(1) Das Merit-Order-Prinzip zum Schutz der Fossilen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Merit-Order Auch schön erklärt von der Anstalt: Video und Faktencheck unter
https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/d ... 2-100.html
(2) lässt sich zB bei e-on schlüsselfertig kaufen. 18500€, 57m^2, 10 kWp, ~10 MWh/a. Betriebsdauer 30-40 Jahre praktisch wartungsfrei. Ertrag also mindestens 300 MWh, macht 61 €/MWh, umgerechnet 6,1 ct/kWh. Da ist also zum Endverbrauchspreis noch jede Menge Luft für Speicher, Finanzierung, usw.
(3) In Frankreich war die Verfügbarkeit in 2023 übrigens bei unter 50%. Wenn dir mal eben so 50% der Stromproduktion wegfallen, wird es schon hart.