Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird
Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird - # 4

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Lana
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 46 im Thema

Beitrag von Lana »

Liz hat geschrieben: Mi 30. Aug 2023, 14:47 Hier ein annähernd perfektes Passung hinzubekommen ist nicht einfach. Dies tue ich in erster Linie für mich! Natürlich möchte ich auch als Frau behandelt werden, deshalb ist es für mich nicht unerheblich, auch von anderen so wahrgenommen zu werden. Somit ist Passing für mich im Leben schon ein wichtiger Faktor. Genauso mag ich nicht mit Ballkleid ins Fußballstadion gehen, denn es passt dann für mich nicht und somit könnte ich mich auch nicht wohl fühlen.
Liebe Liz,

Wenn gutes Passing für dein Wohlbefinden wichtig ist, dann mach es bitte. Und zwar in dem Umfang, den du dafür brauchst und der dir gut tut.
An der Stelle sind wir wohl alle sehr verschieden und haben unterschiedliche Ansprüche.

Mir ist eigentlich nur wichtig, dass es meine je eigenen Ansprüche an mich selbst sind, die ich erfüllen möchte, und nicht irgendwelche Erwartungen, die ich von anderen (vielleicht sogar unbemerkt) auf mich übertragen habe. Bei mir hat es ein bisschen gedauert, bis ich bemerkt habe, dass gutes Passing gar nicht zu meinen eigenen Zielen gehört. Seitdem lebe ich leichter.
Weil es eine Diskrepanz weniger gibt zwischen den eigenen Ansprüchen an mich selbst und der äußeren, gesellschaftlichen Erwartung.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
Sophia69
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 47 im Thema

Beitrag von Sophia69 »

Liebe Lana,
dies sehe ich als sehr ähnlich, da aber eine Facette von mir auch eine gewisse Eitelkeit beherbergt , ist aus dem Wunsch heraus mich selbst als attraktive Frau sehen zu wollen auch der Anspruch damit sehr hoch und oft durchaus damit zwangsläufig anstrengend. Aber solange ich dies gerne mache, zum Beispiel eine gute Stunde jeden Morgen im Bad zu verbringen ist es für mich nicht nur OK, sondern auch befriedigender. Klar gibt es auch Tage an denen ich keine Lust auf all dies habe und mit der halben Zeit zurecht komme 🤣

Ganz liebe Grüße
Liz
Ramona B.
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 48 im Thema

Beitrag von Ramona B. »

Auch wenn es jetzt nicht unbedingt zum Thema passt:
Céline hat geschrieben: Mo 28. Aug 2023, 21:32 Mein Leben war in den Momenten in denen ich mich in die Rolle als Mädchen so sehr hineinwünschte eine sehr einsame Zeit, eine Zeit des Versteckens. Eine Zeit voller Angst und Scham vordem entdeckt zu werden. Diese Gefühle als ca 6-7 Jähriger sich im Dachboden zu verstecken und sein zu dürfen wie ich es mir wünschte sind trotz der langen Zeit immer noch da. Im Kleidchen daliegen, herum zu hüpfen und glücklich sein, ich denke diese Gedanken werden mich immer begleiten. Die Zeit verging und später lag ich nachts oft in den wenigen Kleidungsstücken die ich besaß im Bett zugedeckt und wusste jederzeit kann meine Zimmertüre aufgehen.
Das liest sich wie eine Kopie meiner eigenen Kindheit, bei mir war es genauso, begann aber erst mit Beginn der Pubertät ab einem Alter von ca.12 Jahren.

LG, Ramona
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Lass Dich von niemandem verbiegen, denn es gibt Menschen, die Dich genau so lieben und brauchen wie Du bist.
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 49 im Thema

Beitrag von Steffi Verena »

Hallo zusammen,

irgendwie geht das Grundthema, warum man zum Crossdresser wird, verloren. Auch ich habe mich das schon 1000 Male gefragt und keine Antwort bekommen und immer nur schlecht und abartig gefühlt, wenn ich mich entsprechend gekleidet habe. Mittlerweile kann ich sagen, auch dank des Forums! (wenn auch nicht als die aktivste Schreiberin, dafür aber Leserin!), dass ich mich so akzeptiere wie ich bin, denn es BEREICHERT mein Leben und ich bin zufriedener innerlich. Warum sollte ich es mir verbieten? Es bringt nichts und es ist auch nicht heilbar! Soviel steht fest! Wenn eine gute Fee mit einer Pille vorbei käme und sagen würde: Du wirst nie wieder das Verlangen haben, Damenkleidung zu tragen, wenn Du sie nimmst ... - NEIN, ich würde die Pille wegschmeißen! Es fühlt sich doch alles so gut an 👗 (he)
Bei mir war es in der Pubertät mehr ein ran tasten: erst FSH, später dann Slips, Kleid, Schuhe. Aber was die Initialzündung war, keine Ahnung. Vielleicht, weil bei uns Zuhause Damenwäsche offen herumlag und ich es einfach mal anprobiert habe und es sich gut anfühlte? Es ist zu lange her und ich kann mich nicht mehr dran erinnern. Das Gefühl und der innere Druck ist halt da und ich versuche es so gut wie möglich auszuleben.

Postings, wie die von Gabo machen mich traurig. NIEMAND hat das Recht einem anderen vorzuschreiben, wie er zu leben hat - man hat nur dieses eine Leben! Ich schreibe es ja auch niemandem vor!

@Gabo: Akzeptiere Dich so wie Du bist, jeder Mensch ist einzigartig und Du bist was Besonderes und nicht widernatürlich veranlagt - Du kennst beide Welten m/w. Sieh es als Bereicherung an, auch wenn es ins Geld geht ;-). Dein Avatar sieht doch toll aus, denke mal Du warst bei Elli :wink:

LG
Verena (flo)
Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. (Antoine de Saint-Exupéry)
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 50 im Thema

Beitrag von Martina-NB »

Steffi Verena hat geschrieben: Di 5. Sep 2023, 17:40 warum man zum Crossdresser wird, verloren. Auch ich habe mich das schon 1000 Male gefragt und keine Antwort bekommen
Bezüglich "Crossdresser" kann ich es nicht sagen, aber da gibt es ja auch verschiedene Varianten / Stufen und damit wohl unterschiedliche Ursachen.

Aber bei Transgender ist es ja doch wohl eher genetisch bedingt. Also schon immer da gewesen, aber halt oft erst spät entdeckt.

Mir wurde es mit 52 so langsam wirklich bewusst. Wenn ich jetzt aber zurück denke, lassen sich damit sehr viele "Merkwürdigkeiten" in Kindheit, Jugend und früherem Erwachsensein erklären. (Funfact am Rande: Mir hat neulich eine alte gute Freundin gesagt, ihr war das schon vor über 10 Jahren klar. Also mehr als 5 Jahre bevor es MIR klar wurde.)
SylviaM
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 51 im Thema

Beitrag von SylviaM »

Hallo

da, wie vielfach zitiert, es nun gar keine irgendwie geartete, belastbare Begründung für das Crossdressing gibt
habe ich mich nach Jahrzehnten des Suchens nach Gründen und "Heilungen" damit abgefunden, dass ich eine Laune der Natur bin, so wie vieles andere auch.
Das macht es für mich erträglicher
Gleichzeitig begründet es vielleicht auch warum ältere Jahrgänge hier verstärkt vertreten sind, weil es dauert bis man sich selbst anerkennt
Zudem gab es in meinen Jugendjahren kein Internet, dh ich fühlte mich als freak und konnte mich gar nicht zuordnen, damals waren mary & gordy das maximale der Erkenntnis
Außerdem, je älter man wird , desto mehr wird einem die Endlichkeit des Lebens bewusst und die Erkenntnis, dass man vielleicht nie wissen wird warum man so ist wie man ist, jedoch damit ins Grab hüpft.
Was für eine Verschwendung von Zeit und Unterdrückung der eigenen Seelenwelt.
Ich kann nur jeden raten, lebt es aus und macht es nicht so wie ich, denn am Ende zahlt die Unterdrückung überhaupt nicht aus, nur Jahre des Unglücklich seins

Eine traurige Syl
Jana57nrw
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 52 im Thema

Beitrag von Jana57nrw »

Hallo zusammen

Ich weiß nicht ob man Crossdresser (oder ähnliches) wird. Wenn ich meine Psychologin richtig verstanden habe, dann wird man es nicht, sondern man ist es und das von Geburt an (also genetisch Bedingt).
Bei mir war es der Klassiker. Es hatte in der Pubertät angefangen, das ich angefangen habe die Kleidung meiner Mutter heimlich zu tragen. Ich glaube ich war gut darin, das mit dem heimlich Tragen, denn sonst, wenn mich jemand erwischt hätte, dann hätte ich auch Prügel bezogen.
Da ich in einem kleinen spießigen Rotze-Kaff mit sehr konservativen Eltern aufgewachsen bin und ich den "Perfekten" Sohn mimen musste (Weil der einzige Sohn. Habe nur noch eine Schwester), habe ich es unterdrückt. Also weitest gehend unterdrückt. D.h. ich habe die Klamotten (ich habe irgendwann angefangen, wir eigene Klamotten zu kaufen, damals viel über E-Bay, weil ich aus den Klamotten meiner Mutter herausgewachsen war.) nur sehr selten getragen.
Bis hin zu der "Jana muss weg Phase" wo ich viele Klamotten entsorgt hatte. Aber wie hier schon beschrieben, ist das nicht therapierbar, bzw damals war ich noch nicht in Therapie. Ergo, habe ich mir nach dieser Phase wieder Klamotten zugelegt.
Der Hauptgrund, weshalb ich in Therapie bin ist ein anderer, aber meine Psychologin hat sehr schnell herausgefunden, das eine zweite Seele in meiner Brust schlägt und zwar die von Jana. Und sie hat mich ermutigt "Jana" mehr Raum zu geben. Und seit ich das tue geht es mir, was das angeht, etwas besser. Und auch dadurch, das ich angefangen habe Kontake, zu Menschen die wie ich sind, aufzubauen. Wie z.B. durch dieses Forum hier oder den Crossdresser-Stammtisch. Jetzt weiß ich, das ich nicht alleine bin, vielleicht immernoch ein Freak, aber nicht alleine und das es mehr von UNS gibt, als ich vorher dachte.
Es ist traurig, das es so lange dauern musste, aber ich mache jetzt das Beste daraus und blicke positiv in die Zukunft, in der Hoffnung auf viele schöne Erlebnisse als Jana.

LG Jana
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 53 im Thema

Beitrag von sbsr »

Jana57nrw hat geschrieben: Fr 8. Sep 2023, 02:14 Ich weiß nicht ob man Crossdresser (oder ähnliches) wird. Wenn ich meine Psychologin richtig verstanden habe, dann wird man es nicht, sondern man ist es und das von Geburt an.
Definitionssache. Die Veranlagung dazu ist einem wohl unbestritten in die Wiege gelegt. Wer zwar gerne würde, sich aber doch nie traut, ist das dann ein Crossdresser? Ist jemand Radfahrer, wenn er ein Fahrrad im Keller stehen hat? Die GEZ sagt ja, das Finanzamt nein.


Wir hatten mal irgendwo den Brokkoli Vergleich, das passt hier auch gut her. Irgendwann im Kindesalter wurde von den Eltern Brokkoli aufgetischt und da hieß es, das wird jetzt gegessen oder zumindest mal probiert. Wer Brokkoli mag, der hatte kein Problem damit und isst ihn ein Leben lang ungefragt. Für alle anderen blieben nur die Optionen, ihn widerwillens zu essen oder sich gegen die Eltern durchzusetzen. Mag man den Geschmack nicht besonders, wählt man vermutlich die erste Variante, um keinen Ärger zu bekommen. Ist der Ekel aber groß genug, wird man protestieren. Die Eltern tun sich im Gegenzug schwer zu erkennen, ob das Kind den Brokkoli einfach nicht essen will, oder ob echte Abneigung dahinter steckt.

So sehr sich Ärzte, Psychologen und Ernährungswissenschaftler auch anstrengen, wird man dennoch nie herausfinden, warum der eine Brokkoli mag und der andere nicht. Und letztlich ist es auch egal.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.
Jaddy
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 54 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Ja, bei der Ursache gibt es - glücklicherweise - keine wirklich belastbaren Erkenntnisse. Ebenso wie bei den anderen, von cis-hetero-binär-dyadisch abweichenden Varianten. Tatsächlich genetisch oder epigenetisch erscheint unwahrscheinlich. Aber sehr früh angelegt ist wohl ziemlich sicher. Ziemlich sicher ist auch, dass keinein irgendetwas "falsch" gemacht hat.

Prof. H-J.Voß erklärt in Vorträgen gerne die Komplexität bei der biologischen Ausdifferenzierung von Geschlecht. Dass über tausend Mechanismen von DNA, RNA, mRNA zu Proteinen, Enzymen und Hormonen quasi perfekt funktionieren müssen über Monate und zum richtigen Zeitpunkt. Dass die meisten davon bisher Vermutungen sind und was da alles mehr oder weniger vom Lehrbuch abweichen kann und trotzdem ein lebender Mensch entsteht. Das ist die biologische Seite, mit mindestens 1-2% messbaren Varianten. Ein Spektrum, das sich gar nicht verhindern lässt.

(Exkurs: Bei Klon-Experimenten mit Katzen wurde klar, dass selbst 100% genetisch identische Tiere eine vom Ausgangstier unterschiedliche Fellzeichnung entwickeln. Genetik ist nicht so einfach wie ein Kuchenrezept, sondern abhängig von vielen Umgebungsparametern zur richtigen Zeit. Siehe auch die temperaturabhängige Geschlechtsausprägung bei Reptilien oder der komplette Wechsel bei einigen Fischen)

Beim Begehren ist es auch ein Spektrum. Mindestens 10% aller Menschen begehren nicht rein heterosexuell. Mehr oder weniger strikt. Manche haben nur wenige non-hetero Episoden, andere mehr oder weniger häufige Ausflüge, einige sind sind klar bi- oder homosexuell. Die Kinsey-Skala ist inzwischen überholt. Weitere Dimensionen sind dazu gekommen. Die Intensität bis zur Asexualität. Die Unterscheidung zwischen romantischem und sexuellem Begehren. Der Grad der Bedeutsamkeit von Geschlecht der anderen Person generell wie bei Poly- und Pansexualität.

Nichts davon lässt sich mit Normen, Konventionen oder Gewalt verhindern. Jegliche Konversionstherapie zur "Heilung" ist so fruchtlos, wie eine Haarfarbe wegtherapieren zu wollen.

Mir erscheint es vollkommen logisch, dass auch die geschlechtliche Identität ein natürliches Spektrum mit Varianten ist, in Wechselwirkung mit den Normen unserer Umgebung; den sozialen, kulturellen, etc. Wenn wir uns nicht vollständig und jederzeit 100% unserem zugewiesenen Geschlecht und der Rolle zugehörig fühlen, dann sind wir irgendwie auf dem Spektrum. Manche haben nur wenige Episoden mit Kleidung oder Makeup, andere machen mehr oder weniger häufige Ausflüge, einige sind klar in beiden binären Geschlechtern oder eindeutig auf der "anderen" Seite. Und auch hier ist die Benjamin-Skala lange überholt. Neue Dimensionen. Genderfluid (fliessende Identität), Genderflux (wechselnde Intensität), Agender (kein Identitätsempfinden), und so weiter.

Nichts davon lässt sich irgendwie verhindern. Wir werden als Individuen und als Experiment der Evolution in unsere Umgebung geworfen und müssen uns irgendwie dazu verhalten. Was wäre aus uns geworden, wenn wir im antiken Griechenland aufgewachsen wären oder in Australien vor der europäischen Invasion? In China, im Kongo, auf Papua mit ganz anderen Erwartungen an uns?

Crossdresser, TV, trans* und all diese Begriffe sind meines Erachtens nützliche Marken auf der Landkarte des geschlechtlichen Spektrums. Aber sie sind nicht die reale Landschaft und auch keine trennscharfen Grenzen. Es hilft in der Kommunikation, sich eher nahe Punkt A zu verorten als bei Punkt B, aber die vollständigen Koordinaten müssten immer die aktuellen und sicher auch veränderlichen Abstände zu den verschiedenen Landmarken angeben, um korrekt triangulieren zu können.

Eine wunderbare Eigenschaft dieses Forum ist für mich die Bandbreite, die Anne-Mette von vornherein eingebaut hat. Auch wenn es deutliche Schwerpunkte gibt, ist doch sehr viel Spektrum sichtbar. Das lässt auch persönliche Veränderung zu, ohne dass eins dafür das Forum wechseln müsste.

Und ich nehme überwiegend Akzeptanz und Unterstützung wahr für persönliche Situationen. Keine pauschalen Zuweisungen, sondern Würdigung des individuellen Erlebens und der Umstände. Das ist meiner Ansicht nach der einzig sinnvolle Umgang.

Wer kennt "Jumanji" oder hat jemals Fantasy-Rollenspiele wie Dungeons and Dragons, Schwarzes Auge oder ähnliches gespielt? Du würfelst dir eine Spielfigur mit zufälligen Eigenschaften zusammen und findest dich in einer willkürlichen Welt wieder, in der du irgendwie klar kommen musst. Du kannst lernen, Dinge erwerben, vielleicht an dir arbeiten, aber die Ausgangswerte des Würfelns kannst du nicht verändern. Du bist irgendwo in den Spektren zwischen Halbling und Elfe, Kämpfer*in und Magier*in, chaotisch-gut und neutral-böse.

Bei den Abenteuerspielen sind meist Gruppen ganz unterschiedlicher Zusammensetzung unterwegs und müssen schwierige Aufgaben lösen. Alle Figuren bringen ihre Eigenheiten ein. Manchmal hilft Magie, manchmal Intellekt, manchmal physische Stärke, meistens die Zusammenarbeit. Es könnten mehr Menschen zufrieden und glücklich leben, wenn sie und ihre Umgebung die individuellen Würfelergebnisse der Evolution als Bereicherung der Gruppe akzeptieren würden.
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 55 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Jaddy hat geschrieben: Fr 8. Sep 2023, 12:00 unserem zugewiesenen Geschlecht und der Rolle zugehörig fühlen,
An der Stelle möchte ich betonen, dass das zwei völlig verschiedene Aspekte sind. Mein Geschlecht kann ich komplett anders fühlen und wünschen. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich auch eine andere geschlechtliche Rolle anstrebe. Im ersten Fall ist das eine Perspektive, die auf das Innen und auf mich selber gerichtet ist. Andere Menschen spielen hier keine Rolle. Im anderen Fall geht es um die Interaktion mit anderen Menschen.

Ich könnte mir vorstellen, dass im ersten Fall genetische oder aber auch prenatale Einflüsse eine entscheidende Rolle haben. Im zweiten Fall würde ich der Sozialisation eine wesentliche Rolle zuschreiben. Am Ende gibt es wahrscheinlich keine Reinform, sondern ist eine Mischung aus verschiedenen Einflüssen, die sich auch noch gegenseitig beeinflussen. Und um die Sache noch mehr zu verkomplizieren, sehe ich auch lebenszeitabhängige Veränderungen.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 56 im Thema

Beitrag von Patricia »

Ich bin in letzter Zeit eher selten aktiv im Forum, aber seit ich dieses Thema "neu" entdeckt habe, muss ich ein wenig grübeln. Mein Gedanke wäre dabei eher, woran liegt es wenn man nicht zum Crossdresser wird sondern zur (trans) Frau?
Ich denke es ist auf jeden Fall ein interessantes Thema und ich finde die verschiedenen Ansichten und Standpunkte hierbei recht interessant.

Ganz am Anfang in meiner Kindheit und später fand ich mein damaliges, heimliches Crossdressing, sofern ich das überhaupt so nennen kann, spannend. Als ich es dann aber wirklich ausleben konnte und durfte wurde mir sehr schnell bewußt, dass es nicht meins ist. Ich habe es komplett eingestellt, weil es sich einfach nur falsch angefühlt hat. Ich wollte mich nicht kleiden, ich wollte sein.

LG
eine etwas planlose Patricia :D
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 57 im Thema

Beitrag von Susi T »

Auch wenn das Thema heist: "Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird", So ist die Frage nach Cross/Trans ja auch erlaubt.
Ich selber habe zwar nie Cross ausgelebt, aber ich kenne einige Crossdresser und lebe mit einem dieser ganz besonderen Menschen zusammen.
Zu glauben das sich Crossdresser nur als Frau kleiden ist ein gewaltiger Fehler. So einige sind mit Herz und Seele Frau wenn sie als Crossdresser unterwegs sind. Das kann ganz tief rein gehen und sollte nicht unterschätzt werden. Sie haben es aber geschafft auch an ihrem Leben als Mann gefallen zu finden und das ist gut, denn der trans Weg ist Steinig und nicht immer eine Erfolgsgeschichte. Alles was hilft sowas zu meiden ist gut. Wenn also eine solche Teilzeitfrau ihre gelegendliche Entspannung en femme bekommt, das Leben als Mann aber auch seine positiven Seiten hat, dann kann es so genau richtig sein. Nicht weniger als trans, sondern sogar vieleicht mehr, beides in einem schönen Gleichgewicht. Keine Disphorie, aber ein hoher weiblicher Anteil, der gesehen und gelebt werden möchte(damit keine Disphorien entstehen?). Vieleicht ist das etwas der Trick am Crossdressen, aber die Veranlagung spielt mit Sicherheit eine gewaltige Rolle mit, sonst wäre es ja leicht.
Liebe Grüße, Tira (flo)
Das beste Make-up einer Frau ist Glücklich sein
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 58 im Thema

Beitrag von Martina-NB »

So einige sind mit Herz und Seele Frau wenn sie als Crossdresser unterwegs sind. Das kann ganz tief rein gehen und sollte nicht unterschätzt werden. Sie haben es aber geschafft auch an ihrem Leben als Mann gefallen zu finden und das ist gut,
[/quote]

Das was Du beschreibst wäre dann wohl (wenn wir in Kategorien denken wollen) eine Form von non-binary.
Stelle ICH mir extremst anstrengend vor, so eine "Doppel-Rolle", aber solange diese Menschen damit gut klar kommen, ist ja alles in Ordnung.
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 59 im Thema

Beitrag von Patricia »

Ich finde es auch schön wenn sich die betroffene Person mit beiden Seiten des Lebens arrangieren kann. Es gab Zeiten da hätte ich mir das so sehr für mich gewünscht. Heute passiert das auch langsam, wenn auch auf eine völlig andere Art und Weise als ich es mir je gedacht hätte (yes) .

Ich kenne auch so einige Transfrauen die das Jahrelang so gemacht haben, bis sie ihren Weg gehen konnten und damit für inneren Frieden sorgen konnten. Laut den Aussagen meiner damaligen Lebensgefährtin, war es auch bei mir so, dass die beiden Seiten völlig unterschiedlich waren. O-Ton: Wenn du im Fummel bist, wirst du zu einer komplett anderen Person, Alles an Dir ändert sich.

Lange Zeit habe ich mich ja auch schon irgendwo im nicht binärem Bereich gesehen und das tue ich bis zu einem gewissen Grad auch noch heute. Aber Frau mit männlichen und nicht-binären Anteilen fühlt sich irgendwie am Besten an :)

Um zu dem ursprünglichem Thema zurückzukehren. Ich denke es ist völlig unwichtig warum jemand crossdressed, es wird so viele verschiedene Gründe geben wie Sand am Meer. Das wichtigste ist, dass die betroffene Person sich damit wohl fühlt und das ist das Einzige was wirklich zählt. Die gesellschaftlichen Pseudo-Normem diesbezüglich sind sowieso Mummpitz. Kleidung kann per se kaum männlich oder weiblich sein :)

LG
Patricia
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 60 im Thema

Beitrag von Maya »

Martina-NB hat geschrieben: Sa 9. Sep 2023, 09:15 Das was Du beschreibst wäre dann wohl (wenn wir in Kategorien denken wollen) eine Form von non-binary.
Stelle ICH mir extremst anstrengend vor, so eine "Doppel-Rolle", aber solange diese Menschen damit gut klar kommen, ist ja alles in Ordnung.
Nö.
Ich betrachte mich z.B nicht als non-binär.
Ich bin sicher voll binär.
Nur eben nicht nur in eine Richtung.
Ich fühle mich entweder männlich, ODER weiblich.
Niemals etwas dazwischen. Ich kann da wunderbar umschalten. Frag mal meine Frau. :D
Der gefällt mein Verhalten nämlich gar nicht, wenn ich hier die Frau bin.
Und deshalb gehe ich zu 100% konform mit Tiras Beitrag. Da finde ich mich voll wieder.
Anstrengend ist das übrigens überhaupt nicht. Im Gegenteil.
Mich zwingt ja niemand zu einem bestimmten Zeitpunkt zu switchen.
Das mache ich wie ich will.
Und deshalb ist das so toll, wenn man beide Seiten geniessen kann.

LG

Maya
Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.
Hakuna Matata
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