Treue, Betrug, Verrat, Lüge..
Treue, Betrug, Verrat, Lüge.. - # 3

Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
Frieda
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 31 im Thema

Beitrag von Frieda »

Guten Morgen liebe Community❣️☺️

Das Thema ruht nicht in mir. Immer wieder mal schwappt es unregelmäßig in mir hoch. Vor ein paar Tagen fand ich in Youtube von "die Frage" 3 Videos, wo sich Frank genau mit dieser Thematik des Lügens beschäftigt hat.

Im ersten Video sagt die Dipl.-Psychologin Christiane Schubert einen Satz, den ich zutreffend finde, für jeden Menschen... "Mit Lügen versuchen wir etwas Unangenehmes zu vermeiden, oder etwas Angenehmes zu erhalten."❣️

Im zweiten Video gefällt mir extrem, wie toll Jakob von sich selbst erzählt und er auch manches von sich erzählt, was er gedacht hatte bevor es sein Outing als Homosexueller und Dragqueen gab. Er spricht manches aus, was auch hier bei uns im Forum thematisiert wurde/wird.

Ich stelle euch beide Videos hier rein, wer Interesse hat kann sich sehr gerne die kurzen Videos (ca 15 Minuten) ansehen.
Euch allen ein schönes WE❣️🙋"â™€ï¸🌈

Namaste 🙏



•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

*Wer mag, ich bin gerne da mit 💖,👂und📝*
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 32 im Thema

Beitrag von Fen »

Hallo Frieda,

Ich habe das zweite Video gesehen. Recht anschaulich.

Vor ca. 20 Jahren hätte ich auch selber gesagt: was MUSST Du denn auch so herumlaufen? Es ist ja klar dass Du dann gemobbt wirst. Verbirg dich doch einfach und tue so also wärst du wie alle anderen.

Dies hätte ich bezüglich des Drag-Äusseren gedacht. Bezüglich der Homosexualität ist das was anderes.

Jakobs Vater wird in dem Video gar nicht erwähnt. Habe aber die Kommentare nicht durchgelesen. Vielleicht wird das dort thematisiert.

Gerade in der Schulzeit war es sehr wichtig für mich, dazu zu gehören. Ich denke, das geht jedem Kind so. Ich fühlte mich aber dennoch oft wie ein Außenseiter.

Liebe Grüße
Fen
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 33 im Thema

Beitrag von elfe »

Hallo, habe deinen Artikel gelesen und natürlich hat es viel wahres. Allerdings ist es für mich nach 2 Jahren des ungewollten outings immer noch schwer. Ich hab meinen Mann sehr lieb und eigentlich ist er der perfekte Partner. Aber er macht es mir nicht sehr leicht mit der Situation umzugehen. Er ist zu Hause nur noch mir frauenklamotten unterwegs. Da hab ich ja kein Problem mehr. Allerdings fragt sich immer noch mein Kopf warum er eine Privatsphäre braucht. Was geht in seinem Kopf rum??? Warum wird beim Computer ein anderes Fenster aufgemacht wenn ich komme ? Ist es soo schrecklich dass ich daran nicht teilhaben darf??? Ich finde dass jedes Geheimnis in einer Partnerschaft zu viel Raum für Kopfkino zulässt. Das frisst einen innerlich auf. Reden funktioniert nicht. Er macht sofort zu. Ich weiss nicht wie ich dieses Problem lösen könnte ohne dass wir zum streiten anfangen. Für meinen Partner ist es so für ihn ok. Für mich nicht. Das thema wird totgeschwiegen und solange ich nicht damit anfange Fragen zu stellen ist alles " ok" Bin schon daran an mir zu arbeiten dass ich ihn nur als sehr sehr guten Freund sehe. Vielleicht komme ich dann mit meinen Gefühlen klar. Daher leidet auch unser sexualleben leider darunter.
Ich finde dass wir Frauen nach einer gewissen Zeit damit klarkommen dass unsere Partner frauenklamotten anzieht aber ich denke dass auch der Partner an sich arbeiten muss. Und das heisst nicht nur in frauenklamotten rumzulaufen. Auch wenn ihm vielleicht einiges peinlich ist. Immerhin bin ich seit über 25 Jahren seine Partnerin und er weiss dass er mir vertrauen kann.
Habe bis jetzt immer noch keine Lösung für Offenheit gefunden.
Irgendwann befürchte ich dass das Fass übergehen wird. Und davor habe ich eigentlich Angst.
L.g. Elfe
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 34 im Thema

Beitrag von Shoshana »

Hallo elfe,

du hattest ja eine längere Schreibpause hier und ich hatte gehofft, dass ihr in der Zwischenzeit weiter gekommen seid. Aus deinem neuen Text lese ich aber eine ziemliche Frustration raus. Vielleicht helfen dir meine Gedanken dazu weiter.
elfe hat geschrieben: Di 13. Dez 2022, 18:23 Er ist zu Hause nur noch mir frauenklamotten unterwegs. Da hab ich ja kein Problem mehr.
Da würden sich viele hier mehr als glücklich schätzen aber weiß er, dass du da kein Problem (mehr) hast?
elfe hat geschrieben: Di 13. Dez 2022, 18:23 Allerdings fragt sich immer noch mein Kopf warum er eine Privatsphäre braucht. Was geht in seinem Kopf rum??? Warum wird beim Computer ein anderes Fenster aufgemacht wenn ich komme ? Ist es soo schrecklich dass ich daran nicht teilhaben darf???
Privatspäre braucht jeder - mehr oder weniger ausgeprägt. Da solltest du ihm keinen Vorwurf draus machen aber Heimlichtuerei ist etwas anderes. Für mich liest sich das als ob er noch immer Angst hat oder sich für einen Teil seiner Persönlichkeit schämt. Durch bohrende Fragen oder Vorwürfe wirst du ihn nur weiter in sein Schneckenhaus treiben. Leider gibt es für das Herauslocken kein Patentrezept. Horche doch mal in dich, ob es da irgendwelche subtilen Hinweise gegeben haben könnte. Eventuell ist es auch etwas das er nach Außen hin heftig ablehnen würde.
elfe hat geschrieben: Di 13. Dez 2022, 18:23 Bin schon daran an mir zu arbeiten dass ich ihn nur als sehr sehr guten Freund sehe. Vielleicht komme ich dann mit meinen Gefühlen klar. Daher leidet auch unser sexualleben leider darunter.
Da mußte ich jetzt erstmal schlucken. Klingt für mich nach dem Anfang vom Ende.
Kennt er diese Entwicklung und wie steht er dazu? Denke damit seid ihr an einem Punkt angelangt bei dem externe Hilfe dringend benötigt wird.

LG, Shoshana
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 35 im Thema

Beitrag von elfe »

Hallo shoshana, ich denke auch dass ihm etwas ziemlich peinlich mir gegenüber ist. Er möchte auch vor mir keine Feinstrumpfhose anziehen. Kann ich nicht verstehen denn er sitz ja auch mit frauenkleider u brüsten neben mir. Leider weiss ich keine Lösung für das Problem. Ich möchte ihm doch nur helfen aber ich glaube er will das ich mich nicht in seine zweite Persönlichkeit einmischen. Ich liebe meinen Partner aber die andere Seite ist sehr fremd für mich. Darum reden wir nicht mehr darüber. Ich glaube dass er denkt dass es so wie es ist alles ok ist. ( an und für sich haben wir ja eine harmonische Beziehung)Es wäre alles so schön wenn er nur offener zu mir wäre.
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 36 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Hi Elfe,

Eine harmonische Beziehung? Ohne Offenheit? Sorry, aber machst du dir da etwas vor? Du hast alles getan, was du tun konntest um ihn zu verstehen. Jetzt ist er dran, seinen Ar*** zu bewegen.
Du willst ihm helfen? Was soll das bringen? Hilf dir selbst, da hast du mehr davon. Verständnis hat dich nicht weiter gebracht. Er mauert immer noch. Was hat es gebracht, als du versucht hast mit Hammer und Meissel ein Loch in die Mauer zu schlagen die er um sich herum gebaut hat? Sorry, aber wie wäre es, wenn ihn du mit Steinen und Zement symbolisch einmauern würdest. Wer von euch beiden wäre dann einsamer? Vielleicht braucht er kein Verständnis von dir sondern Härte.
Entschuldige bitte wenn ich hier gerade so heftig überreagiere. Das hat wohl mit meiner Ehehälfte zu tun, die früher auch so gemauert hat, da kam einfach ein Flash Back in mir hoch.

Liebe Grüße
Manuela
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 37 im Thema

Beitrag von Shoshana »

Hallo elfe,

Manuela sieht das zwar ziemlich heftig aber in einer Sache muß ich ihr Recht geben: Bei der harmonischen Beziehung lügt ihr euch gerade etwas in die Tasche. Das hatte ich übrigens mit meiner Ex auch viel zu viele Jahre, bis es dann geknallt hat.
Hast du schon mal versucht ihm tief in die Augen zu schauen und zu erzählen wie es dir gerade geht? Wie du dich fühlst und was du denkst? Also nur von dir und ohne jeden Vorwurf.
Denke wenn eure Beziehung noch wirklich lebt wird er darauf eingehen müssen und hat die Chance sich ebenfalls zu öffnen. Falls er abblockt würde ich das als ganz schlechtes Zeichen interpretieren.

LG, Shoshana
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 38 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

elfe hat geschrieben: Di 13. Dez 2022, 20:27 Ich möchte ihm doch nur helfen
Möchte er das auch ? "Helfen wollen" ist manchmal auch nur ein Ausdruck für die Ablehnung der eigenen Verantwortung. Ob das für Dich zutrifft, musst Du selber sehen. Wobei genau willst Du helfen ? Wieso ist Deine Sichtweise besser als seine ?

Partnerschaft ist gut und schön, aber trotzdem ist jede/r für sich selber verantwortlich. Ich halte ständiges Harmoniebedürfnis für etwas gefährliches. In einer Partnerschaft kommen zwei Menschen zueinander, die nicht gleich sein können. Also wird es zu Differenzen kommen. Entweder man akzeptiert das mehr oder weniger starke Anderssein oder man muss sich anpassen. Die dritte Variante ist das Auseinandergehen. Das gilt natürlich für beide. Du musst für Dich entscheiden, welchen Weg Du gehen willst, aber mMn kannst Du nicht erwarten, dass er sich Deiner Ansicht anpasst, denn ihm stehen die gleichen Rechte zu wie Dir.

Differenzen sind auch eine Chance, Dinge anders zu sehen. Eine gelungene Partnerschaft bedeutet für mich, mit den eigenen Problemen fertig zu werden und zu persönlichen Entwicklungen zu kommen. Die Sichtweise des Anderen ist der Katalysator, aber nicht die Ursache.

Die Lösung Deines Problems liegt in Dir. Sie dort zu suchen dürfte sinnvoll sein ... Und er muss sein Problem lösen, wenn er eines hat. Ob er Deine Unterstützung annimmt, entscheidet er. Du kannst Deine Hilfe (für was genau ?) anbieten, aber nicht fordern, dass er sie annimmt. Das wäre ein Übergriff in seine Autonomie. Aber Du entscheidest, und diese Entscheidung musst Du wirklich treffen, wie Du mit seinem Verhalten umgehst.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 39 im Thema

Beitrag von heike65 »

petra0103 hat geschrieben: So 27. Mär 2022, 10:09 Hallo Heike,

grundsätzlich gebe ich Dir recht, die Partnerin sollte frühzeitig einbezogen werden. Aber das ist erst einmal blanke Theorie.

Ich möchte meine Sichweise erklären: Eins vorneweg, meine Frau und meine Kinder wissen Bescheid und ich trage auch zu Hause meine Röcke und Kleider. Aber ich bin nicht von heute auf morgen zu dem geworden was ich heute bin. Angefangen hatte es schon in jungen Jahren, bevor ich meine Frau kennengelernt habe. Wobei, mein Crossdressing damals hat daraus bestanden, dass ich mehr oder weniger heimlich Röcke getragen hat. Nachdem ich dann meine Frau kennengelernt habe, war das Gefühl Röcke tragen zu wollen zunächst gar nicht mehr vorhanden. Erst nach etlichen Jahren fing es so langsam wieder an. Erst nur der Rock, dann Rock und Kleid, dann auch die passenden Oberteile und das Schuhwerk und schließlich bin ich bei Petra gelandet, das war circa vor 1,5 Jahren. Das war ein fließender Prozess, ich wusste nicht wohin der Weg letzen Endes führt und ich war mir lange Zeit auch nicht sicher, ob es sich um etwas dauerhaftes handelt.

Wenn es meine Frau nicht wissen würde, in welcher Phase hätte es ihr sagen sollen?

Liebe Grüße
Petra
Also ich habe meine Frau 1984 kennengelernt, von meinem 2 ten ich wusste sie Ende 84 oder Anfang 85, so genau kann ich das nicht mehr sagen. Das Thema kam auch nur ab und an mal auf, ein paar Mal im Jahr halt, ansonsten war die Kompensation für den Rest des Jahres ausreichend. Irgendwann geheiratet, Kinder kamen hinzu, und so um das Jahr 2000 wurde das ganze System aus Kompensation instabiler. Meine Frau hat mich unterstützt, versucht uns Freiräume zu schaffen, was durchaus schwierig war, mal gab es ein neues Negligee aufs Bett gelegt, so als gute Nacht Geschenk etc. So im Laufe der Jahre wurden die Depressionen immer schlimmer, ich habe auch offen über einen Suizid mit ihr gesprochen, vermutlich mehr wie mir heute bewusst ist. 2015 folgte denn infolge völliger Überarbeitung, einer schweren Grippe und der Depressionen der totale Zusammenbruch. Meine Frau und ich kamen zu der Übereinkunft:
A) wir brauchen dringend mal ein paar Tage für uns, so geht es nicht weiter
B) wir Testen mal wie es sich anfühlt wenn ich im Urlaub Heike und nicht Heiko bin
C) dann entscheiden wir uns, ob wir uns trauen und wie weit wir es in unserer Kleinstadt leben wollen (ich habe teilweise an die 30 Angestellte und eines der grössten Geschäfte gehabt (jetzt reduziert))
Der Urlaub hat ein wenig Druck aus dem Kessel genommen, verlief eigentlich gut, aber Gewissheit gab er nicht, ob wir dieses Wagnis zu Haus mit der Firma leben können, ob die Kunden das akzeptieren können.
Jedenfalls haben wir es dann schrittweise gewagt, erst Kinder eingeweiht, dann engere Familie und Freunde, aber in der Öffentlichkeit gelebt nur ausserhalb des Heimatortes (wobei wir natürlich im 150 km entfernten Hamburg beim dritten oder vierten Mal von Kunden erkannt wurden) . Naja, jedenfalls , die Kompensation am Wochenende half nur kurzfristig, der Frust über die körperlichen Unzulänglichkeiten nackt vorm Spiegel war auch mit der besten Kleidung und Passing in der Öffentlichkeit kaum zu kompensieren.
am 23.102016 verstarb unser Sohn be einem Verkehrsunfall
7 Wochen später wurde unsere Tochter beinahe von Anis Amri auf dem Breitscheidsplatz getötet
Mit dem Tod unseres Sohnes sind wir beide zusammengebrochen, und haben uns gefragt was wichtig in unserem Leben ist, wie wir mit dem Verlust umgehen, und ob uns die Umwelt und was diese denkt überhaupt interessiert.
Natürlich auch mit den eventuellen wirtschaftlichen Folgen, eine Insolvenz als selbständige Person ist auch kein Zuckerschlecken.
Wir haben uns dann psychologische Hilfe gesucht, der Weg ist kein leichter gewesen, steinig, aber es geht, auch in einer Partnerschaft in der die Ehefrau nicht lesbisch oder bi ist.
Aber ich glaube nicht das unsere Beziehung so lang Bestand gehabt hätte, und so schwere Hürden gemeistert hätte wenn ich mich nach 10 Jahren oder mehr offenbart hätte.
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 40 im Thema

Beitrag von heike65 »

sollte natürlich 23.10.2016 sein, und die Rechtschreibfehler...

Zum Trööd:

Steht zu eurem Wesen, es wird sich nicht ändern.
Drachenfrau
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 41 im Thema

Beitrag von Drachenfrau »

elfe hat geschrieben: Di 13. Dez 2022, 18:23 Hallo, habe deinen Artikel gelesen und natürlich hat es viel wahres. Allerdings ist es für mich nach 2 Jahren des ungewollten outings immer noch schwer. Ich hab meinen Mann sehr lieb und eigentlich ist er der perfekte Partner. Aber er macht es mir nicht sehr leicht mit der Situation umzugehen. Er ist zu Hause nur noch mir frauenklamotten unterwegs. Da hab ich ja kein Problem mehr. Allerdings fragt sich immer noch mein Kopf warum er eine Privatsphäre braucht. Was geht in seinem Kopf rum??? Warum wird beim Computer ein anderes Fenster aufgemacht wenn ich komme ? Ist es soo schrecklich dass ich daran nicht teilhaben darf??? Ich finde dass jedes Geheimnis in einer Partnerschaft zu viel Raum für Kopfkino zulässt. Das frisst einen innerlich auf. Reden funktioniert nicht. Er macht sofort zu. Ich weiss nicht wie ich dieses Problem lösen könnte ohne dass wir zum streiten anfangen. Für meinen Partner ist es so für ihn ok. Für mich nicht. Das thema wird totgeschwiegen und solange ich nicht damit anfange Fragen zu stellen ist alles " ok" Bin schon daran an mir zu arbeiten dass ich ihn nur als sehr sehr guten Freund sehe. Vielleicht komme ich dann mit meinen Gefühlen klar. Daher leidet auch unser sexualleben leider darunter.
Ich finde dass wir Frauen nach einer gewissen Zeit damit klarkommen dass unsere Partner frauenklamotten anzieht aber ich denke dass auch der Partner an sich arbeiten muss. Und das heisst nicht nur in frauenklamotten rumzulaufen. Auch wenn ihm vielleicht einiges peinlich ist. Immerhin bin ich seit über 25 Jahren seine Partnerin und er weiss dass er mir vertrauen kann.
Habe bis jetzt immer noch keine Lösung für Offenheit gefunden.
Irgendwann befürchte ich dass das Fass übergehen wird. Und davor habe ich eigentlich Angst.
L.g. Elfe
Guten Morgen Elfe,

danke, dass du dich als Partnerin zeigst und weiter schreibst hier.

Jene, die vor mir geschrieben haben, brachten schon richtig gute Gedanken hervor.
Wichtig ist, zu sehen, was tatsächlich ist und dieses IST anzuerkennen und anzunehmen. Krass, hart, absolut brutal real.

Das Anziehen von Feinstrümpfen hat eine intime und auch erotische Komponente, wenn du zusiehst. Das kann schon für ihn beklemmend sein vor allem, weil er auch weiß, dass es für dich immer noch schwer ist.

Er kann nur für sich selbst mit der Situation lernen best möglich umzugehen. Und du bist diejenige, die bestimmt, wie leicht oder schwer die Situation für dich ist. Du schreibst, du arbeitest an dir.
Aus der Situation mit einem transidenten Partner heraus, auch noch mit sich selbst zu arbeiten, das IST ein ordentliches Stück Arbeit vor der Brust.
Überfordere dich nicht mit den Erwartungen an deine Beziehung und was er tun oder verändern sollte, sondern bleib bei dir.
Es geht um eure Beziehung und daß du bei dir bleiben sollst, hört sich an wie ein Paradox, aber es kann euch beide etwas entlasten.
Denn jeder Ballast aus deinem Leben, den du für dich abwerfen kannst, ist weniger Ballast, den du mit einbringst.
Du lernst immer besser, Erwartungen und illusorische Wünsche loszulassen und kommst mehr bei dir in deiner eigenen Kraft an.

Ob er an sich arbeitet und ob er an sich überhaupt arbeiten kann oder will, das ist allein seine bewußte oder unbewußte Entscheidung. Egal wie sie ist, diese anzunehmen ist mal mehr mal weniger schwer, gar keine Frage, aber egal wie sie ist. Es bedeutet Veränderung. Nach 25 Jahren all dies anzunehmen und zu bewerkstelligen, das ist viel auf einmal - für euch beide.

Wer weiß, was er an Pein mit sich herum trägt, weshalb ihm etwas peinlich ist.
In peinlich, steckt Pein - also Schmerz mit drin.
Was kann er selbst nicht ertragen? So viel Schmerz wahrscheinlich. Wie der Schmerz aussieht und wie er entstanden ist, ist fast unerheblich, sondern im Vordergrund steht diese scheinbare Übermacht. Nicht nur bei ihm, auch bei dir wirken Schicksal und Schmerz.

Der Weg aus Angst und Schmerz hinaus ist der Weg hindurch.
Dies darf Angst machen und ihr beide dürft davor gehörigen Respekt haben bis ihr beide, jeder für sich erkennt: jetzt ist genug und ihr bereit seid, jeder in seinem eigenen Tempo, dort hindurch zu gehen.

Das schlimmste, was wir Partnerinnen tun können, ist, uns in ihren Weg und in ihr Schicksal einmischen zu wollen. Das gilt für jede Beziehung. Es gilt auch, dass man das Schicksal gegenseitig würdigt.
Darin liegt Kraft, die gebraucht wird, um hinsehen zu können, was tatsächlich wirkt.
Über den Verstand hinaus gehen, auf die Gefühlsebene kommen und dort dann verschmerzen zu können, was gerade noch schmerzhaft ist.
Es braucht Kraft und Mut, gar keine Frage, aber nach dem Verschmerzen, findet sich ein, frei atmen zu können, Leichtigkeit, die gewünschte Harmonie, Offenheit, uvm.
Bist du bereit dafür?
Dass du erst einmal für dich, dich gut um dich kümmerst, durch Schmerz und Angst hindurchzugehen und dann kommt der schwierigste Part von allen. Kannst du wirklich den Raum, der geschaffen ist, mit neuem Gutem füllen. Dies ist weite Zukunftsmusik, ja, doch so in etwa kann ein Weg aussehen, der nach vorne gerichtet ist.

Ein Cocon, der etwa 25 Jahre gewachsen ist, braucht vielleicht einen Knall, eine Explosion, damit ihr überhaupt vielleicht in der Lage seid, euch selbst, jeder für sich zum ersten Mal klar und berührbar zu begegnen.

Meine Worte sind vielleicht hart, nicht verschönt und nicht um den heißen Brei geredet, aber ihr beide habt von mir tiefstes Mitgefühl. Der Schmerz zwischen deinen Zeilen, ist deutlich zu erkennen.

Liebe Grüße,
Ulla
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 42 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Drachenfrau hat geschrieben: So 18. Dez 2022, 10:40 Über den Verstand hinaus gehen, auf die Gefühlsebene kommen und dort dann verschmerzen zu können, was gerade noch schmerzhaft ist.
Bei dem Satz kam ich doch etwas ins Grübeln. Was ist es denn, was die TE mutmaßlich erlebt ? Sind es gerade nicht die Gefühle, die sich massiv äußern ?

Für mich sind Gefühle wie Angst und Schmerz deutliche Hinweise, dass etwas für mich nicht stimmt. Die Frage ist nur: was stimmt nicht ? Ist es der Partner mit seinem "Gebahren" oder ist es etwas anderes ?

Der Verstand sagt üblicherweise: ein Mann ist ein Mann und wenn er sich anders verhält, was bleibt übrig ? "Was denken die Anderen, wie werden sie sich verhalten, wo ist der Mann, den ich geheiratet habe, will ich mit ihm zusammen bleiben, bin ich jetzt lesbisch" u.a.m.

Angst (Gefühl) entsteht, wenn die eigene Erwartung (Verstand) dem was passiert, entgegensteht.

Die Frage kann verstandesmäßig betrachtet werden: Welche Erwartungen habe ich ? Warum habe ich sie ? Sind sie fremd- oder selbstbestimmt ? Gibt es einen tieferen Kern in mir, der überdeckt wurde und nun anklopft ? Jede Verstandesfrage kann auch gefühlsmäßig behandelt werden. Z.B. kann man sich zu jeder Frage mehrere mögliche Antworten geben und bei jeder Antwort auf die eigenen Gefühle achten. Wann reagiere ich mit guten, wann mit schlechten Gefühlen und sich so Stück für Stück vorwärts bewegen.

Beispiel: Will ich bei meinem Partner bleiben ? Ja/nein. Aber bitte kein Ja, aber .. oder nein, aber ... Bei welchem Gefühl fühle ich mich wohler ?

Der Schmerz entsteht, wenn die Antwort auf die aktuelle Situation trifft. Er weißt auf Widersprüche hin. Will der Mann mich verletzten, wenn er BH und Strumpfhosen trägt ? Ja/nein. Was stört mich wirklich, wenn er das tut ? Hier fängt man an, sich selber auf die Spur zu kommen. Das wäre für mich ein möglicher Weg vorwärts zu kommen.

Das Herz kennt Gründe, von denen der Verstand nichts weiß. Der Verstand arbeitet mit Methoden, mit denen das Herz nichts anfangen kann. Für mich gehören beide als Team zusammen, sozusagen in ein Zwiegespräch. Den Schmerz, der dabei entsteht, muss man aushalten, wenn man selber weiter kommen will. In uns arbeiten Automatismen, die wir von klein auf verinnerlicht haben, die aber nicht immer gut für uns sind. Alles widerstrebt sich in uns, diese Automatismen aufzubrechen. Der Lohn ist aber ein Leben, dass selbstbestimmter ist als vorher.

Aber egal, welche Entwicklung dabei heraus kommt, es ist eine, die zu einem selber gehört. Und für mich kommt es darauf an.

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu verwirrend ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 43 im Thema

Beitrag von Drachenfrau »

Liebe Vicky,

schön, von dir zu lesen.
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 19. Dez 2022, 10:18
Drachenfrau hat geschrieben: So 18. Dez 2022, 10:40 Über den Verstand hinaus gehen, auf die Gefühlsebene kommen und dort dann verschmerzen zu können, was gerade noch schmerzhaft ist.
Bei dem Satz kam ich doch etwas ins Grübeln.
Danke, dass du es hinterfragst und ich gehe gerne näher darauf ein.

Mein gedanklicher Bezug zu diesem Satz Angst und Schmerz betreffend, ist jenseits von Partnerschaft und Beziehung angesiedelt und umfaßt alle bisherigen Erfahrungen oder vererbete Narben, die im Hier und Jetzt als Angst und Schmerz/Leid empfunden werden.

Ich habe in den letzten Jahren sehr viele Menschen als Klienten kennengelernt, die absolut auf der Verstandesebene funktionieren.

Sie sagen: ich habe dem und jenem verziehen und losgelassen, was war.
Bei jeder Gelegenheit wird dennoch das Thema aufgefaßt, an dem steigenden Ärger kann man sehr deutlich erkennen, da ist noch alte Wut vorhanden, Enttäuschung usw.
Da ist weder etwas verziehen noch die Vergangenheit losgelassen.
Die "Aktion" des Verzeihens und Loslassens fand auf Verstandesebene statt (und der Selbstbetrug funktioniert dort recht gut), aber im Herzen, also auf der emotionalen Ebene ist NICHTS passiert.

Deswegen weichen die Menschen gerne ihren Problemen und Konflikten aus. Sie wollen weder den Schmerz noch die Angst sich anschauen, weil sie noch einmal im Herzen spüren werden, was schmerzlich war, um endlich erkennen zu können, dieser riesige grauenhafte Dämon ist in Wahrheit eine Miezekatze gewesen.

Richtig, Angst und Schmerz zeigen mehr als deutlich, etwas stimmt nicht, etwas ist nicht in Ordnung.
Angst ist ein Gefühl, das entsteht aus einer schmerzhaften Erfahrung, die in der Vergangenheit liegt. Der Verstand sagt "das möchte ich nie wieder erleben" und geht in die Ausweichbewegung.
Schaut man sich das an, emotional offen, dann kann man sich das Gefühl von allen Seiten anschauen, hineinspüren.
Der Anfang von Heilung dieses Schmerzes und aus der Angst herauszufinden, ist Mitgefühl für sich und alle Beteiligten.

Ein Beispiel. Als ich Denies noch nicht lange kannte, sagte ich ihr, ich möchte, dass sie ganz sie selbst ist, authentisch, sogar wenn es die Trennung bedeuten würde. (In den Fäden und Beiträgen von mir habe ich es auch ausführlicher beschrieben)
Sagen konnte ich es ihr, weil ich keine Angst hatte, sie loslassen zu müssen oder verlassen zu werden.
Darum geht es, dass sobald Angst und Schmerz wirklich verschmerzt sind, man frei agieren kann.
Oder anders: Chef, wenn sie das wirklich meinen, dürfen sie mich als erste austauschen gegen 2 von der Straße, hier ist meine Kündigung.
Hat man das im eigenen Leben aufgearbeitet, dann projiziert man diese Ängste und Schmerz nicht mehr in die Partnerschaft, auf die Familie, etc.

Verstand und Herz sind äußerst wichtig und wenn sie in Balance schwingen, ist das grandios.
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 19. Dez 2022, 10:18 Das Herz kennt Gründe, von denen der Verstand nichts weiß. Der Verstand arbeitet mit Methoden, mit denen das Herz nichts anfangen kann. Für mich gehören beide als Team zusammen, sozusagen in ein Zwiegespräch. Den Schmerz, der dabei entsteht, muss man aushalten, wenn man selber weiter kommen will.
Genau, das Herz weiß mehr als der Verstand.
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 19. Dez 2022, 10:18 Den Schmerz, der dabei entsteht, muss man aushalten, wenn man selber weiter kommen will.
Das ist der erste Schritt, den Schmerz aushalten — das ist die emotionale Ebene und die braucht man, um noch einmal über den Kontakt von Schmerz und Angst, den Schmerz verschmerzen zu können.
Schmerz dauerhaft aushalten, bedeutet im Leid verharren. Es gilt darüber hinaus zu gehen, das bedeutet ver-schmerzen.
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 19. Dez 2022, 10:18 Aber egal, welche Entwicklung dabei heraus kommt, es ist eine, die zu einem selber gehört. Und für mich kommt es darauf an.
Absolut, ja

Habe ich etwas Klarheit geschaffen oder Verwirrung größer gemacht?

Liebe Grüße,
Ulla
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 44 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hi Ulla,

danke für Deine ausführliche Antwort. Und nein, Du hast mich nicht verwirrt, da ich in diesen Dingen ähnlich denke. )))(: Ich glaube, der Unterschied besteht darin, dass Du sagst, dass zur Verarbeitung der Verstand zurücktreten muss und ich sage, dass der Verstand gleichberechtigt neben den Emotionen steht. Deshalb schrieb ich auch "Der Verstand arbeitet mit Methoden, mit denen das Herz nichts anfangen kann". Ich denke, das widerspricht sich nicht bei stark verstandesorientierten Menschen. Ich denke, Gefühl ist vieles, aber nicht alles. Gefühle sind wie Wegweiser, der Verstand ist ein Wegebner. Erst wenn beide zusammen arbeiten, gibt das für mich Sinn. Wenn ich meinen Verstand verleugnen würde, gäbe ich einen Teil von mir auf.

Aber vielleicht sollten wir wieder mehr die Kurve zum Ausgangsbeitrag von Frieda zurück kehren.
Frieda hat geschrieben: Sa 26. Mär 2022, 14:56 Und jetzt mal Tacheles:
Denkt ihr (die sich betrogen fühlenden Partnerinnen) ernsthaft, ihr tragt das größere Leid, nur, weil ein zu tiefst verletzer erwachsener Mensch sich nicht frisch fröhlich einer Gesellschaft öffnet, die ihn Zeit seines Lebens ablehnt, verspottet, ausschließt, geschweige denn wahrhaftig wahrnimmt wie er ist?
Ganz ehrlich, in meiner Welt nehmt ihr euch echt zu wichtig❣️
Unsere Partner tragen noch immer sehr sehr viele Baustellen mit sich herum, die (so meine Meinung) dazu führen können, lieber zu schweigen. Und ich glaube auch, dass sie oft genug gezwungen vor einer Entscheidung standen, und sich zwischen "Pest oder Colara" entscheiden mussten. Vermutlich entschieden sie sich viel zu oft fürs Schweigen, eben um Spott, Scham, Bloßstellung oder Verlust vorzubeugen.
Ganz ehrlich, ich finde es oft sehr schlimm, wie ihr diesbezüglich denkt. In meiner Wahrnehmung, fehlt da ein riesen Haufen Einfühlungsvermögen um euren Partner ohne jegliche Vorhaltungen verstehen zu können, verstehen zu wollen.
Danke Frieda für die klaren Worte. Aber hier möchte ich die Partnerinnen doch ein wenig in Schutz nehmen. Ich halte die genannten Reaktionen von Partnerinnen für mehr als nur verständlich, aber das ist nicht das Tragische dabei. tragisch wird es erst, wenn die Partnerin nicht in der Lage ist, sich zu bewegen. Das bedeutet nicht, das sie sich anpassen soll, wie es manchen Stellen zu lesen ist, sondern es geht mMn um eine Entwicklung im eigenen Ich. Es geht mMn aber auch um den Transmensch, der endlich aus seinem Kokon heraus muss. Auch er muss sich seinem inneren Wesen stellen. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern ist ein Prozess für beide. Zentral ist für mich der Satz von Frieda:
Verliert euch bitte nicht in euren selbsterzeugten Verletzungen, sondern stellt euch mit liebendem Herzen an die Seite eures Lieblingsmenschen, und stärkt und unterstützt euch gegenseitig auf dem Weg den ihr zukünftig Hand in Hand zusammen gehen könnt❣️
Dann besteht auch die Chance, an den Verletzungen zu arbeiten, die vor dem Zusammenkommen der Partner schon existierten. Die Leiden des Transmenschen liegen nicht ursächlich in der Beziehung, können aber dort massiv verstärkt werden. Auch die reflexartigen, heftigen Reaktionen bis hin zu einer Ablehnung durch der Partnerin kommen bei ihr auch nicht durch die Beziehung, können aber durch das lange Schweigen und Verdrängen des Transmenschen ebenfalls erheblich verstärkt werden.

Ich bin davon überzeugt, wenn man sich dieses bewusst wird und auf beiden Seiten das Herz öffnet und sich gegenseitig anerkennt, wird schon vieles leichter. Das ist kein "Ja- und Amensagen", sondern ein Einstieg in die Selbstreflexion. Man muss nicht gleicher Meinung sein, aber die gegenseitige Anerkennung ist der erste wichtige und vielleicht entscheidende Schritt in Richtung zu einem besseren und selbstbestimmten Leben.
Viele Grüße
Vicky

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Karla
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Post 45 im Thema

Beitrag von Karla »

Gefühle sind Tatsachen... es kann leider passieren, daß eine Partnerin mit der Transition gar nicht klarkommt!
Andere haben es geschafft:
Die Partnerinnen von Tessa Ganserer, Elisabeth Landsteiner, Dorothea Zwölfer,... sind bei ihren "Lieblingsmenschen" geblieben!!!
...diese Beispiele sollten helfen, dem Druck der Umwelt zu widerstehen: trans: kann passieren... ist anderen auch schon so gegangen - die sind auch nicht weggerannt!

evtl: Familienplanung haben wir noch hingekriegt... - und Eltern bleiben wir! ...freuen uns miteinander auf Enkel!
...und außer penetrativem Sex gibt es auch noch andere Möglichkeiten...

LG Karla
Ein Leben ohne Möps(chen) ist möglich, aber sinnlos. (frei nach Loriot)
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